Eine kleine, ganz persönliche Aufarbeitung (von Tom) vom kulturellem Aufbruch, Austausch, von Musikmanie, auch Sammler – und Reisegeschichten oder Berichte von vorher fast für „unmöglich“ gehaltenen Konzerten ‚westlicher Künstler’ in den 80er Jahren der DDR und vor allem in Ungarn.

Rock’n Roll & Rebellion im wilden Osten

Oder

Der ‚Eiserne Vorhang’ war wenigstens durchlässig für Heavy Metal!

Hier geht es aber nicht allein um Hardrock oder Metal, sondern auch um Rock, Blues und Folk in den verschiedensten Stilrichtungen, oder Liedermacher bis zur Electronic-Avantgarde.

Natürlich kann diese kleine Geschichte nicht annähernd vollständig sein, manches ist leider in den letzen 30 Jahren ‚verloren gegangen’ oder nicht mehr genau nachzuvollziehen. Gute Rockmusik in den vielen, verschiedenen Stilrichtungen war allgemein seit den frühen 70er Jahren immer ein wichtiges Thema, hier geht es aber vor allem um Livemusik. Alles fing natürlich mit vielen Konzerten der DDR-Rockbands an, die man versucht hat, so oft wie irgend möglich zu besuchen. Unvergessen sind die legendär guten Auftritte von Stern (Combo) Meissen im Kino ‚Filmbühne’ in ihrer Heimatstadt, die dort bereits in ausgereifter Quadrophonie ihre Rocksuiten präsentierten. Toptechnik und fast nur westliche Topmarken am Instrumentarium waren bei Stern Meissen schon in den 70er Jahren vorhanden. Und falls es eben möglich war, besuchten wir Auftritte von City, Stefan Distelmann, Electra, Engerling Blues Band, Formel1, Jürgen Kerth, Karat, Karussell, Keimzeit, Kobra, Reinhard Lakomy, Lift, Magdeburg, Monokel, Pankow, Possenspiel, Puhdys, Rapunzel, Reform, Renft, Rockhaus, Schubert Band, Silly, Simple Song, Transit, um nur einige der bekannteren zu nennen. Das gab, wie auch heute, manchmal „Reinfälle“ und oft auch musikalisch ausgefallene und sehr gute Konzert-Ereignisse. Der letzte (vorerst leider theoretische) Kick war allerdings immer schon ein Live-Besuch der Helden von Deep Purple, Pink Floyd, Uriah Heep oder Yes. Vorerst noch Träume. Ebenfalls sehr nahe dran an der internationalen Spitzenklasse war und ist seit vielen Jahren die Band OMEGA aus Ungarn, die ich im Sommer 1983 in Erkner bei Berlin sehen durfte, ein ganz spezielles Event. Ihre geniale Mischung aus Rockstücken und epischen Pink Floyd-Momenten paart sich mit der Spielfreude von handwerklich allerbesten Musikern, die schon zu dieser Zeit absolute Profis sind. Auch die für unsere Ohren echt schwierige ungarische Sprache tut dazu keinen nennenswerten Abbruch, die Show ein Festival für Ohren und Augen. Und das ist Omega aktuell auch heute noch.

Jetzt wissen wir ja, dass in Ungarn auch vor 1985 schon einiges an internationalen Bands zu sehen waren. Aber damals fehlte uns oft noch die Information über die dortigen Ereignisse, dies sollte sich jedoch Mitte der 80er Jahre ändern.

Alles Internationale (nach Omega), wenn man das so sagen darf, begann für mich im Winter 1985 in der ungarischen Metropole an der Donau - erst einmal durch reinen Zufall, viel Glück und reichlich nachfragen. Wir waren, wie schon viele Male zuvor, in kleiner Gruppe in Budapest unterwegs, nun eben diesmal als ‚Wintertour’. Warum nicht, die wunderbaren Thermalbäder dort sind ja gerade zur kalten Jahreszeit ein Erlebnis und die tausenden von Boutiquen mit einer Riesenauswahl an eigenwillig anderen Klamotten, Antiquariaten mit Büchern, Zeitschriften oder Schallplatten sind immer eine Fundgrube. In dieser Konzentration und Vielfalt war (und ist so seit 1989 eher Geschichte) wohl Budapest (im Vergleich zum Rest-Ostblock!!) ein einmaliger Kosmos an liberaler Freiheit, einem fast unübersichtlichen Angebot an nahezu allem, was sonst kaum, gar nicht, oder nur für D-Mark zu haben war. Wenn man wusste, wo man was bekommen konnte, war in der 2,5 Millionenstadt fast nichts unmöglich. Es gab ca. 50 Kinos, ganz viele, schon für damalige Verhältnisse reichlich ‚abgefahrene’ Keller-Clubs mit guter Livemusik und internationale Drinks. Wir wussten nach den vielen Reisen tatsächlich immer besser Bescheid, was alles in der City geboten war, denn so gab es auch schon in den Frühen 80ern eine Planetariums-Laser-Show mit wechselnder Musik von Mike Oldfield, Led Zeppelin, Pink Floyd, Genesis, Jean Michel Jarre u.a. – was dort neben den interessanten, astronomischen Vorstellungen grandios umgesetzt wurde.

Die Budapester Metro verbindet das alles in Stil einer echten Weltstadt und auch das umfangreiche S-Bahn-System kannte ich bald auswendig.

Doch erst mal zurück zum Januar 1985. Es war wahrscheinlich am letzen Abend der Reise - das Geld wiedermal fast ausgegeben - da sehen wir Rory-Gallagher-Plakate in der Stadt. Also raus zum Sportpalast und trotz erster Vorurteile und Bedenken, ja eh’ keine Karten mehr zu erwischen, habe ich mit den fast letzten 160 Forint noch ein Ticket vor der Halle erwischt. Natürlich nicht ohne Dutzende von Leuten zu fragen, aber das ist ja heute manchmal auch nicht anders, wenn z.B. in München eine Halle ausverkauft ist, muss man oft nur ausreichend genug vorher da sein und man bekommt fast immer eine Karte, auch zu normalen Preis. (Iss So!!) Ausnahmen bestätigen die Regel, auch hier. Das Rory Gallagher-Konzert am 22.01.1985 in der neuen Sporthalle Budapest war für mich schlicht umwerfend und die Initialzündung, das eben auch bei Ereignissen ‚was geht’, wo man evtl. sonst eher sehr schwer/oder gar nicht an Karten kommt. Und es war auch, obwohl ich es damals nicht ahnen konnte, in dieser Zeit eines der ganz wenigen (vielleicht das einzige?) Konzerte der Bluesrocklegende im ‚Osten’ - Rory in Jeans und simplen Baumwollhemd, wie man ihn schon von zahlreichen Postern her kannte, endlich mal live ordentlich rocken zu sehen. Leider ist Rory am 14.06.1995, viel zu früh in London verstorben.

Im September 1985, nachdem wir im Sommer sowieso schon in Budapest waren, dann mal etwas ganz anderes, rein musikalisch: Jemand hatte erfahren, dass die Rockjazzlegende Al Di Meola ein Konzert am 29.09.1985 im Budapester Kisstadion geben soll. Der Musikinteressierte kennt den italo-amerikanischen Fusions- und Jazzgitarristen ja besonders durch seine Zusammenarbeit mit den Kollegen Paco de Lucia und John McLaughlin und das legendäre Konzert „Friday Night in San Francisco“ 1981. Was hier so besonderes war, ist die Tatsache, dass Di Meola auf der Tour 1985 außergewöhnlich rockig und experimentierfreudig spielte und auf eine neue Art mit Gitarren-Synthesizers loslegte, wie ich so noch nie gehört hatte. Live ein Erlebnis und wir alle waren begeistert von diesem sehr speziellen Sound. Nach dem Konzert konnten wir dem Künstler sogar noch auf dem Parkplatz ein Autogramm abluchsen.

Mangels Plattencover (woher denn auch?) habe ich Al auf meiner Budapest-Stadtkarte unterschreiben lassen. Dieses Stück hat jetzt immer noch einen Ehrenplatz, nur verblasst langsam die Farbe des Stiftes. Direkt danach ging es im Trabbi die ca. 600 km wieder nach Hause. Wir sollten diese Strecke noch oft fahren…

1986 kann es schon geballter. Ein früherer Besuch in der Donaumetropole brachte uns die Erkenntnis, dass am 26.04. eine der wichtigsten Bands der 80er Rock- und Metal-Szene spielen soll: SAXON! Puh. Immer wieder sahen wir Plakate in der Stadt. Wo gibt es die Karten für das Konzert? Fragen, Fragen – ja, es gibt da eine Agentur in der Lenin-Straße, „Magyar-Media“ genannt, dort soll (vielleicht) was zu holen sein. Stadtkarte raus, suchen und nix wie hin - eine vergleichlich kleine Schlange züngelte vor dem ehrwürdigen Gebäude - anstellen und 4 Karten kaufen für relativ günstige, knapp 200 Forint das Stück, umgerechnet so ca. 30 Ostmark. Geht doch. Das momentane, eher „größere“ Problem für uns war allerdings anderer Art: Man brauchte damals für jeden Ungarn-Besuch einen schriftlichen Antrag, den man beim zuständigen Volkspolizei-Kreisamt einreichen musste. Ja, tatsächlich, zum Besuch eines (damals noch genauso zum ‚Westen’ relativ gut abgeschotteten) sozialistischen Landes musste man in der DDR um eine Erlaubnis der Staatsorgane betteln. Genaue Bezeichnung: ‚Reiseanlage für den Visafreien Reiseverkehr’.

Diese wurde in der Regel schon gewährt, aber die Rennerei und die Bürokratie schlauchen und wir erfuhren immer wieder von Leuten, denen auch DAS abgelehnt wurde. Eine Ungarn-Ablehnung allerdings wäre zu dieser Zeit das absolute ENDE für mich gewesen. Man musste schon mal die Wartezeit von ca. 2 Wochen einplanen, bekam dann eine ‚Einreiserlaubnis’, und da diese länger gültig war, konnte man auch bald mehrere ‚nebeneinander’ beantragen (aber natürlich einzeln) und die gerade frisch ‚abgefahrene’ Erlaubnis mit dem neuen „HungaryVisa’ ersetzen. Denn: Bald riefen wir alle paar Wochen in Budapest bei Magyar-Media an und konnten die Termine für die folgenden Großereignisse besser planen. Eine gültige Einreiseerlaubnis lag dann schon bereit, die war ja 6 Monate gültig. Das zur Historie, heute vor allem für Kids Baujahr ’90 schwer vorstellbar.

Dann ging es mit der Pappausführung der Sachsenring-Edelkarosse durch Trabantenstädte über die damalige Tschechoslowakei nach Ungarn. Die Vorfreude war groß und in jedem Falle angebracht. Die Erwartung wurden durch ein gelungenes Konzert von SAXON auch voll erfüllt. Auch der Opener ‚Scorpio’ aus Ungarn ließ es voll krachen, aber erwartungsgemäß hat es die Vorband bei so einem ungleichen ‚Kräfteverhältnis’ recht schwer zu bestehen. Schließlich waren gerade in den 80ern die Musiker um Sänger ‚Biff’ Byford eine der führenden Bands des „New Wave of British Heavy Metal“ (neben Iron Maiden und Judas Priest) und sind auch in heutigen Zeiten in Wacken noch eine angesagte Band.

Während dieses Besuches in Ungarn hingen schon wieder die nächsten Plakate aus: Manfred Mann’s Earthband kommt am 29. und 30.05. in die Sporthalle Budapest. Für den, an internationaler Livekost, doch recht unterernährten Musikfan wieder ein Knaller. Keine Frage – es hieß, gleich Karten kaufen und in Gedanken die nächste Tour planen. Es sind ja nur ein paar Wochen bis dahin! Dieses Mal ging es gleich mit mehreren Autos los. Wir düsten als Gruppe in einem schnittigen Saborosch (oder Saporoshez) die Gesamtstrecke von 1.200 km nach Ungarn und zurück. Das gute Stück wurde auch, auf Grund seiner Motorgeräusche, oftmals ‚Panzer’ genannt, verbrauchte aber glücklicherweise nicht ganz so viel Sprit wie ein schwerer T34 und ist doch noch deutlich schneller als das russische Kettenfahrzeug. Hauptsache er brachte uns gut nach Ungarn und zurück.

Einige Tage Urlaub mussten genommen werden und das alles manchmal recht kurzfristig, aber Manfred macht’s nötig!! Auch da waren die Karten noch ‚normal’ zu bekommen und das Konzert wurde immer mit diversen Plattenkäufen, Kinobesuchen und der guten ungarischen Küche verbunden, jedes Mal ein Erlebnis, das Ganze! Das Manfred Mann mit Chris Thompson seinen besten Sänger all Time und eine Superbesetzung mit an Bord hatte, war ein zusätzlicher Glücksgriff. Das Konzert sollte optisch und vor allem akustisch eines der Allerbesten dieser Jahre sein, und, was wir zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht ahnen konnten: Mit ‚Life in Budapest’ entstand nicht nur ein brillantes Earthband-Album, sondern eines der anerkannt besten Classic-Rock-Live-Dokumente der Musikgeschichte.

Während wir nun, Ende Mai ’86 zum mindestens 3. Mal zwischen Gellertberg und den Pester Plattenläden unterwegs waren, hingen da schon die nächsten Konzertplakate in der Donaumetropole: Am 02.07. sollte im MTK-Fußballstadion Jethro Tull spielen. Es ging Schlag auf Schlag. Was macht man da? Klar: Karten kaufen, neu planen und während uns - die wir (schon!) wieder ‚dahinfahren’ wollten - die ersten Bekannten schon für mittelmäßig durch geknallt bis total (Musik-) verrückt hielten, wurden wir auf der Polizei-Dienststelle in unserer Kreisstadt Zittau nur beiläufig gefragt, „wer denn als nächstes spielt!?“. Das Reise-Dokument gab es aber am Ende doch noch, gerade rechtzeitig. Das Konzert der Briten war relativ kurz, aber eindrucksvoll und ein bestens aufgelegter Ian Anderson balancierte wie schon auf dem Live-Album „Bursting Out“ mit riesigen Luftballons auf dem Kopf und kickte die Gummiteile dann in die begeisterte Menge. Auf Grund dieses (sicher auch für Jethro Tull) wichtigen und spektakulären Auftrittes entstand ja dann einige Jahre später das Zehnminutenwerk „Budapest“ auf ihren Erfolgsalbum „Crest of a Knave“ 1987.

Für uns gab es nach der Show noch ein Bonbon obendrauf, denn wir sind irgendwie hinter die Bühne gekommen und durften mit Tull-Tour-Drummer Doane Perry und Bassisten Dave Pegg ein kleines Privat-Interview führen. Der Meister selber war leider schon in den Katakomben verschwunden. Aber die Beiden hatten uns noch Autogramme der restlichen Band besorgt und somit wieder etwas für den kleinen ‚Hall of Fame’ an der heimischen Sammler-Wand.

Auch nicht zu vergessen das total ausverkaufte Konzert von Queen, im Sommer 1986 im Nepstadion Budapest. Da hat es dann weder von der Zeit her geklappt, noch von den Tickets. Glücklicherweise gibt es ganz aktuell ein schönes Livedokument der Show zu kaufen, „Hungarian Rhapsody“ genannt.

Dann gab es erst mal eine Pause. Anfang 1987 erfuhren wir dann schier unglaubliches am ‚Heißen Draht’ mit dem Magyar Media-Büro. Das Rock-Urgestein Deep Purple startet mit der „House of Blue Light Welttournee“ und kommt für 3 Konzerte nach Budapest. Noch dazu in der wahrscheinlich besten aller möglichen (Wunsch-) Besetzungen: Ian Gillan, Richie Blackmore, Jon Lord, Roger Glover, Ian Paice, auch ‚MarkII’ genannt. Es waren drei ausverkaufte Konzerte im Budapester Sportpalast und wir hatten keine Karten vorher. Ein gewisses Risiko, gemischt mit Begeisterung und einer gesunden Dosis Musikverrücktheit brachte uns dann Ende Januar 1987 - diesmal mit dem Zug - in die Donaumetropole. Wir waren 10, vielleicht sogar 12 Leute. Wieder wurde unser Dr. Körösi im Stadtteil Romaifürdö als Übernachtungs-Stützpunkt angesteuert und oft und immer herzlich, freundlich und preislich fair wurde uns dort Unterkunft gewährt. Gleich am ersten Abend, am 28.01.1987 hatten wir es auch alle geschafft, uns noch irgendwie Tickets für das Ereignis zu beschaffen, auch wenn es dabei für manche hart an die Schmerzgrenze ging.

So musste ich für die, offiziell 280 Forint teuren Karten, 1.000 ungarische Forint hinlegen, also fast 160 DDR-Mark. Das war die damals teuerste Konzertkarte überhaupt, bis zur ‚Wende’ 1989 gerechnet. Im Nachhinein war es vollkommen egal wie viel Geld wir für die Tickets bezahlt haben. Es war gerechtfertigt, genial, einmalig das Konzert und wir zum überwiegenden Teil begeistert, endlich mal die Helden live zu sehen und zu hören.

Irgendwas schien sich bereits damals langsam zu ändern, lange unmöglich Geglaubtes war dann doch überraschend realisierbar. Immer wieder bekam man in Budapest auch Presse- oder Musiksachen, die vor wenigen Jahren nur auf dem Schwarzmarkt oder gar nicht zu haben waren. Und man durfte sie mittlerweile auch zu 90% offiziell mit über die Grenze nehmen, welche zu der Zeit natürlich noch akribisch kontrolliert wurde. Ob im Zug oder auf der Straße. Englische Sachen (ob Musik oder Bücher) waren ab Mitte der 80er Jahre kaum noch ein Problem, somit konnte man sich auch National Geographic-Hefte mitbringen!

Im Sommer 1987 dann wieder ein Großereignis im Budapester Nepstadion: Genesis kommt mit der vollen „Invisible Touch-Show“ am 18.06. nach Ungarn.

Dieses Konzert zog auch wieder eine größere Gruppe aus der Oberlausitz an die Donau, und sicher nicht nur aus unserer Region kamen viele Fans. Mittlerweile spricht sich immer mehr im ganzen Osten rum, das Budapest die klare Kulturhauptstadt ‚der normal erreichbaren Hemisphäre’ ist. Die Größenordnung der 87er Genesisshow stellte für mich erst mal alles andere in den Schatten, was vorher an Live-Musik je zu sehen war. Wir hatten im Vorfeld schon im ME Sounds gelesen, dass Phil Collins und Band mit einer riesigen Batterie von neu entwickelten ‚Superscheinwerfen’ (O-Ton ME Sounds) ins Rennen geht. Jeder von denen sollte Computergesteuert alle möglichen, unabhängigen Drehrichtungen, Lichtstreuungen und Farbwechsel oder Lichtbündel möglich machen können. Was heute fast Standard bei modernen Shows ist, aber vor über 25 Jahren waren die ‚Vari-Lights’ eine einzige, sensationelle Revolution zur optischen Untermalung der Shows. Und von diesen Dingern wollte Genesis 375 Stück mitbringen, die Bühnenkonstruktion war dem entsprechend Gigantisch, der Sound ebenfalls. Auch wenn sich die Geister streiten, und Genesis sicher in den 70er Jahren mehr musikalischen Anspruch produzierte, das Konzert 1987 in Budapest war erst mal Maß aller Dinge. In dieser Dimension stellte ich mir damals auch eine Pink Floyd Show vor, die dann später, 1994, diesen hohen Standard mit perfekter Stadion-Quadrophonie und Lasertechnik noch einmal übertreffen sollten. Aber das war ja noch Zukunftsmusik, nun, im wahrsten Sinne des Wortes. Genauso perfekt, technisch auf den ultimativen Punkt gebracht, war eines der nächsten, internationalen Musikereignisse dort.

Als ob sich das die erste, große Genesis-Stimme dies als Antwort an seine alten Kollegen gedacht hatte – oder es einfach nur ein zeitlicher und musikgeschichtlicher Zufall (?) war, im September kam die Antwort von Peter Gabriel! Er hatte ja aktuell mit seinem Album ‚So’ einen Riesenerfolg abgeliefert. Im Rahmen einer Balkan- und Schwarzmeer-Tour waren wir eh’ im Sommer 87’ noch mal als ‚Einkaufsfinale’ in Budapest. Entweder wir hatten bereits die Plakate zur ‚SO’ Tour gesehen oder es gab wieder am Telefon die Info für das Konzert.

Gleich mit mehreren Autos ging es so wieder gen’ Süden, klar die Strecke muss ja erst mal gefahren werden. Für alle Genesis-Fans schon ein ganz spezielles Jahr, nun konnten wir uns am 15.09.1987’ zum ersten Male davon überzeugen, welche unglaubliche musikalische Qualität man von Peter Gabriel erwarten darf.

Im Vorprogramm war sein langjähriger Mitstreiter Youssou N’dour aus dem Senegal. Es gab Sounds vom Feinsten im MTK-Fußballstadion und optisch untermalt mit einer ebenso perfekten Show. Keine Vari-Lights, aber optische Effekte genug, allein der brillante Sound plättet den begeisterten Musikhörer und hat auch als Soloprogramm Gabriels mit namhaften Profis an seiner Seite ein Denkmal für die Musikgeschichte gesetzt. Wieder einmal hat sich der ‚Kampf’ Zwinkernd um schnellen Kurzurlaub, die Reiseerlaubnis und nicht zuletzt die reichlich 1.200 Kilometer Weg aus der Oberlausitz nach Budapest gelohnt. Das lässt auch viel hoffen für die nächsten Monate oder Jahre, wohin wird sich DAS alles die nächste Zeit entwickeln? Auch 1988 ging es gut los, diesmal in der DDR-Hauptstadt, zu Gast in der ‚Werner-Seelenbinder-Halle’ ein Klassiker: Uriah Heep.

Kaum zu glauben, zu diesem Zeitpunkt, aber wahr. Langsam, aber sicher musste sich die DDR-Führung dem steigenden internationalen Druck und vor allem dem laut geforderten Bedarf der vielen zig-tausenden Rockfans fügen. Und das Land ganz langsam, aber sicher, auch für Bands aus ‚dem Westen’ öffnen. Auch der damalige Support von Uriah Heep, Big Country ist eine gute, erfolgreiche Folk-Rock Band aus Schottland und seit 1981 im Geschäft. Alles zusammen war es eine tolle Live-Packung in der proppenvollen Berliner Halle. Glücklicherweise hatten wir ‚auf normalen Wege’ Karten bekommen, was sicher in nachhinein schon ein kleines Wunder für uns war. Zu dieser Zeit hatten es ganz sicher noch viel mehr internationale Acts auf Bühnen in der DDR, Polen, CSSR oder Ungarn geschafft, aber alles konnten wir unmöglich ‚mitnehmen’, manchmal scheiterte es am Urlaub, am Geld, vor allem auch immer noch an der Information und den begrenzten Kartenkontingenten. Nicht zu vergessen, das ‚Boss’ Bruce Springsteen im Sommer 1988 auf der Trabrennbahn Weißensee sein größtes Konzert überhaupt gegeben hat vor begeisterten 160.000 bis 200.000 Menschen - die historischen Zahlen gehen da leicht auseinander. Und noch stand die Mauer in Berlin, aber alles das waren auch symbolische kleine und große Steine, die aus ihr gehackt wurden.

Budapest 1988: Es dauerte etwas länger dieses Jahr, aber dann kamen SAXON aus Yorkshire, England, zum zweiten Male dorthin. Also hatte es den Jungs wohl auch ein wenig gefallen, 1986.

Und weil es so schön war, sind wir gleich noch einmal hingefahren, klar. Am 15.05.1988 traf sich alles im Kiss-Stadion, also Open Air und es war wieder ein schönes Metal-Konzert, mit einer lustigen Reise und einer Vor- und Nachfeier. Wir hatten viel Spaß beim Einkaufen von schwarzen Vinyls in den berüchtigten Budapester Platten-Shops, den ‚Hanglemezbolds’, wie sie sich so schön auf Ungarisch nennen. Man donnerte mit den 3 Metro-Linien kreuz und quer durch die Donaumetropole. Keine Platte wurde doppelt gekauft, denn man sprach sich ab, klar, schon wegen des späteren Austauschs Lachend. Und man darf auch heute nicht vergessen, dass jede Scheibe von einigermaßen guter Qualität zwischen 80 und 130 Mark für uns kostete, das war für viele damals ein fettes Stück vom (dafür dünnen) DDR-Monatslohn.

Dann gab es mal einen schönen Dresdner Knaller: Woodstock-Legende Joe Cocker kommt nach Elbflorenz und am 02.06.1988’ lässt es der gelernte Klempner aus Sheffield ordentlich krachen, aber auch wackeln. Dafür kennt man ihn ja nun mittlerweile. Auf der grünen Wiese vor dem Hygienemuseum Dresden wurde eine große Bühne aus dem Boden gestampft und der Meister lieferte ein geniales Konzert ab - die Begeisterung war gewaltig. Mächtig gewaltig.

Seitdem heißt der geschätzte Rasen vor dem Museum im Volksmund nur noch Cockerwiese, und das hat sicher nix mit den Cocker-Spaniels zu tun, die dort wahrscheinlich immer schon gerne ihr Geschäft gemacht haben.

Die Hauptstadt Berlin legt nach und das dann schon mal ein, zwei Nummern größer. Da hatten wir wieder weiter zu fahren, aber das ist nur eine Formsache bei den Namen, die da angekündigt waren. „Friedenswoche der Berliner Jugend“ nannte sich das Spektakel auf der Trabrennbahn Weißensee, als am 18. und 19. Juni 1988 fast der Knoten platzte. Musikalisch erst mal. Der einseitig buntbemalte Schandfleck, viele Kilometer quer durch Berlin, platzte leider immer noch nicht. Daran sägte unter anderen, immer schon fleißig Udo Lindenberg, der im inzwischen abgetragenen (Asbest…) ‚Palast der Republik’ zwar mal kurz spielen durfte, aber nur 3-4 Stücke vor versammelten, handverlesenen FDJ-Funktionären raus rockte und das war’s dann leider (erst mal, siehe später Budapest!).

Zurück nach Berlin, Sommer 1988: An den 2 Tagen spielten Rockhaus, die polnische Band Voovoo, Fisher Z, Marillion, City, Heinz Rudolf Kunze & Verstärkung, Big Country und Bryan Adams aus Kanada. Für 15 Ost-Mark pro Tag eine sagenhafte Packung an gemischt-interessanter, zum großen Teil sehr guter Rockmusik. Mit geschätzten 120.000 Besuchern auch eines der größten Ereignisse dieser Art, zu dieser Zeit.

Ein großes Highlight war der Auftritt von Marillion und vielleicht einer der letzten Auftritte (wenn nicht der letzte) ihres ersten, Zweimeterfrontmanns Fish mit der Band. Ein optisch- und akustisch phänomenales Erlebnis.

In den nächsten Tagen folgte dann - wieder in der Oberlausitz - ein denkwürdiges Telefonat mit Magyar Media, (mittlerweile Multimedia): Ein gewisser Herr Udo Lindenberg, sollte angeblich in Budapest spielen, ein ganzes Konzert natürlich. Als finales Ende der laufenden „Feuerland“ Tour war Udo mit Panikorchester und voller Mannschaft in der City am Buda-Berg angesagt. Ein bisher unerfüllter Traum und zu dieser Zeit vor dem Ereignis auch fast schon eine unglaubliche ‚Fata Morgana’ am Konzerthimmel der Ungarn. Da dieses auch kaum jemand von den angesprochenen Leuten zu Hause glauben wollte, waren wir am Ende auch ‚nur’ zu dritt für die Tour an die Donau. Am 04.07.1988 sollte das Konzert stattfinden und es war kaum noch Zeit zu reagieren (Antrag). In Budapest angekommen, hingen (!!!) tatsächlich Udo-Plakate und es gab für ca. 30 Mark Karten in der Agentur, ohne Probleme. Stelle man sich DAS mal 1988 in Berlin vor, ein angekündigtes Lindenberg-Konzert – die Nachfrage wäre zu dieser Zeit an jeden Ort der DDR locker sechsstellig gewesen. Eine Neue Gattung der menschlichen ‚Riesenschlange’ hätte sich sicher gebildet, um da für Karten anzustehen. Im relativ kleinen Petöfi-Scarnok, einer Freilichtbühne im Pester Stadtteil, sollte der Auftritt sein und um das Gelände lief ein Palisadenzaum aus Holzpfählen. Als wir am späten Nachmittag dort ankamen, rumorte drinnen bereits ein Soundcheck. Man konnte auf diverse Kisten o.ä. steigen, um mal reinzuschauen… Keine 10 Meter entfernt am Zaun steht der Meister selbst und redet ganz entspannt mit den „Zaungästen“, bei Udo war auch Gitarrist Carl Carlton.

Wir kommen schon vor dem Gig ins Gespräch und verabreden uns tatsächlich mit den beiden für ‚Nachher, Backstage’ auf ein mögliches, längeres Gespräch (?!) Was für Aussichten! Dann ging’s los und als Anheizer spielt die ungarische Hobo Blues Band. Es sind zu unserem Erstaunen relativ wenig Landsleute zu hören, aber auch den Ungarn gefällt das, was dann kommt. Eine astreine, fast zweistündige Rockshow von Udo Lindenberg und dem Panikorchester, es krachte ein Knaller nach dem anderen. Von ‚Hinterm Horizont’ bis ‚Fieber’, Stücke der „Dröhnland Symphonie“ und ganz alte Nummern.

Nach der Show bringt uns Carl Carlton tatsächlich hinter die Bühne (nach einiger Diskussion mit den scharfen Ordnungskräften) und wir dürfen eine große Party miterleben, sitzen, essen und trinken bei Udo, Carl, Steffi Stefan, Bertram Engel, einigen Presseleuten des ZDF und anderen Gästen. Nach dieser Feier kommt dann auch noch die Einladung vom Chef, im Bandbus mit durch die Stadt zum Hilton Budapest zu fahren. Irgendwann befürchtete ich, aus diesem verrücken Traum plötzlich aufzuwachen und mich verschlafen in meinen heimischen Bett vorzufinden…Lachend Das alles war in dem Moment so unwirklich und abgefahren, das mir auch einiges an Einzelheiten entfallen ist, vieles aber ist für eine Lebenszeit gespeichert. Udo nahm im Bus die Position des Beifahrers und (manchmal) Reiseführers ein, schnappte sich das Mikro, erzählte eine Story nach der anderen und machte in der ihm ganz eigenen Art Kommentare zu der nächtlichen Fahrt durch Budapest. Am Hilton, wo spätestens am Eingang immer ‚Endstation’ für Leute mit dem kleinen, blauen Personalausweis war, standen die Pagen Spalier für die gesamte Busbesatzung und auf persönliche Einladung Carls ging es für uns 3 rein ins Hotel. Steffen, Toni und ich konnten noch einige Stunden mit Carl Carlton und Bertram Engel auf dem Zimmer über Rock Bands, zeitlos guten Sound und vieles ‚Drum rum’ reden. Wir haben uns auch einen Plattenaustausch vorgenommen, der dann später tatsächlich auch stattgefunden hat. Als es langsam wieder morgen wurde, gingen unvergessliche Stunden zu Ende und wir langsam zurück zum Auto. Auf nach Hause, ca. 600 Km nach Norden. In den nächsten Tagen und Wochen hielt man diese (echt wahre) Story noch lange für Hirngespinste und das Produkt von zu viel ungarischen Schnaps oder ähnlichem.

Der Arbeitsalltag hatte uns wieder, allerdings nur bis zum (!) 13.07.1988. Nun, eine Woche später heizten wir wieder nach Budapest, denn im MTK Stadion spielte das 2. Mal Jethro Tull. Das kann man als Fan der Briten kaum auslassen.

Allerdings wieder in anderer Fahr-Besetzung konnten wir ein Spitzenkonzert von Ian Anderson und Kollegen erleben und treffen nach dem Auftritt auch noch Tull-Drummer Doane Perry vor dem Stadion und wechseln einige Sätze mit dem Musiker, der mit eigenen VW-Beatle vor Ort angereist war. Es konzentriert sich in diesen Sommerwochen 88’ so vieles in dieser sagenhaften Stadt, das auch wir nicht mehr alles ‚mitnehmen’ können. So fällt es schon schmerzlich schwer, denn die Scorpions spielen mit der Michael Schenker Group (zusammen!!) und extra noch Iron Maiden. In dieser verrückten Zeit dort, das ging dann auch bei mir (momentan) gerade nicht mehr zu machen. Schade.

Aber: Für den 06.09.1988 warf ein internationales Musik-Großereignis seine Schatten in die Stadt der Thermalbäder voraus. Amnesty International plante Europaweit (nur) 4 Konzerte für Menschenrechte mit großer Besetzung in London, Paris, Mailand und – Budapest zu veranstalten!!! Politische Aufbruchsstimmung ist nun endgültig angesagt, Austragungsort ist natürlich das größte Stadion in Ungarn, das Nepstadion unweit des Nordbahnhofes (Keleti Pu.) Für 250 Forint (ca. 40 DDR-Mark) gab es die Tickets für eine der bestbesetzten Shows dieser späten 80er Jahre weltweit und in größerer Gruppe fahren wir wieder an die Donau. Alle, die es irgend möglich machen können, sind dabei und wir werden nicht enttäuscht. Im proppevollen Volksstadion startet Tracy Chapman das Programm. Auf einer Woge des Erfolges ihrer ersten Schallplatte darf die Afroamerikanerin beginnen, was dann von Peter Gabriel und Sting weitergeführt wird. Als Finale spielte Bruce Springsteen und die E-Street Band vor begeisterten 70-80.000 Menschen in der ungarischen Metropole. Am Ende intonieren alle Stars gemeinsam Springsteens ‚The River’ und setzen den Schlusspunkt unter eine denkwürdige Konzertnacht. Man ist nahezu geplättet von so viel Musikgeschichte an einem Platz.

Und wenn ich es nicht anhand meines Tickets genau wüsste, (kaum zu glauben), stand am 11.09.1988 schon wieder ein weiteres, diesmal härteres Metal-Highlight an um Ungarn im Sturm zu erobern: Metallica aus Kalifornien! Und wieder heißt das Ziel Budapest. Die Musiker um Sänger James Hetfield waren nach unserer damaligen Recherche noch nie in den ‚Ostblockländern’ zu Gast und das Konzert zog eine Riesenmenge von Fans an. Auf dem Weg zum Stadion hört man außer deutsch und ungarisch vor allem viel tschechisch, und polnisch. Hunderte Fans aus Kroatien kommen sogar mit einem riesigen, selbstgemalten Transparent und Metallica-Schriftzug an. Schon zu dieser Zeit, im „Noch-Sozialismus“ so viele, tausende Fans mit schwarzem Leder, Nieten und Stickern zu sehen, war wohl in dieser Größenordnung eine kleine Premiere. Ein beeindruckender Bühnenaufbau steigert die Begeisterung. Aktuell für die „And Justice for all Tour“ ist ein stilisiertes Gerichtscourt aufgebaut, das während des druckvollen Auftrittes der vier Californier langsam zusammenbricht - Justizia eingeschlossen. Ein Klasse-Konzert und Vollbedienung für alle Metal-Freunde. Für uns in dieser Qualität und Lautstärke auch wiederum eine neue Erfahrung.

Für mich und einige Freunde der damaligen Balcan-Crew war es für dieses ereignisreiche Jahr das Ende der großen Konzertereignisse und Überlandfahrten gen Süden. Genügend Regionales hat sich in der Oberlausitz eh’ geboten, zu dieser Zeit war kaum irgendein Tag ohne Treffen, Ereignisse und Unternehmungen.

Im Februar 1989 dann wieder ein Zeichen aus Budapest: Auf Grund des aktuell großen, internationalen Erfolges der „Final Countdown“ Scheibe von Europe gastieren die Schweden am 7. Februar im Budapester Sportszarnok. Eine weitere Wintertour an die Donau steht damit für einige Musikfreunde an, schließlich waren wir fast ½ Jahr nicht mehr dort Lachend!! Es gab wieder Gelegenheit zum Vinylsuchen in den immer zahl- und umfangreicher werdenden Budapester Plattenläden. Das ‚Drumrum und Nebenbei’ wird so zur wichtigen Nebensache, wir entdecken immer Neues in der 2,5 Millionenstadt. Echt ‚abgefahrene’ Clubs entstehen, es wird viel experimentiert und man wähnt sich an manchen Orten (und das kann man ja jetzt im Nachhinein vergleichen) manchmal schon an einem freieren Ort, als dort, wo wir zu dieser Zeit ‚offiziell verreisen durften’. Manche Musik-Keller muten schon eher nach London oder Chicago an als Hungary. Es gibt internationale Biere, Cocktails und gutes, hochprozentiges aus Schottland und Tennessee, nur als Beispiel.

Das Europe-Konzert wird, auch auf Grund der hervorragenden Akustik der Budapester Sporthalle, wieder ein Erfolg. Ein dickes Bonbon und eine schöne Abend-Überraschung ist der Opener Dare. Die englische Band um den ehemaligen Thin Lizzy Keyboarder Darren Wharton hatte noch ihre rockige 80er Jahre Phase zu dieser Zeit, alles musikalisch beste Handarbeit und Classic Rock im reinem Sinne. Heute kennt man Dare ja eher von ruhigeren, getragenen, ja sehr komplex-melodiösen Rockstücken, die sich von keltischer Kunst bis zu Pink Floyd-artigen Stücken bewegen. Europe machen danach eine tolle Headlinershow und der Weg hat sich wieder einmal gelohnt für uns.

Schon am 26.02.1989 sind wir wieder in Berlin, es gastiert in der Werner-Seelenbinder-Halle die englische Gitarren-Band ‚The Name’. Kein ganz großer Name im internationalen Rockgeschäft, aber ein weiteres kulturpolitisches Achtungszeichen und ein interessanter Rockabend für Fans der Musikrichtung von Big Country bis frühere Simple Minds, um die Richtung von ‚The Name’ etwas zu beschreiben.

Nicht zu vergessen, dass es 1987-89 in (Ost!-) Berlin unter anderen auch Auftritte von Barclay James Harvest, Bob Dylan (!!) und Tom Petty & The Heartbreakers gab, manche recht kurzfristig angesetzt und durchgezogen.

Im selben Zeitraum gastierte die englische Gitarrenlegende Wishbone Ash in Leipzig, auch dieser Rockabend bleibt mir in guter Erinnerung.

Im Frühsommer 1989 gab es auch in Dresden wieder ein gemischtes Festival mit „Wolf Mahn und die Deserteure“, die zu dieser Zeit in der Bundesrepublik recht angesagt waren und mit ihren Stücken „Rosen im Asphalt“ und dem aktuellen Album „Irgendwo in Deutschland“ auch bei uns bekannt waren. Am 18.07.1989 gab es dann noch mal auf der Radrennbahn Weißensee bei Berlin ein großes Classic-Rock-Ereignis mit Ten Years After, Golden Earring und Uriah Heep. Insgesamt natürlich auch eine ‚tolle Packung’, auch wenn die Holländer mit ihren Topseller „Radar Love“ und anderen, zeitlosen Stücken auf Grund von vielen, technischen Pannen noch einmal von vorne beginnen mussten (oder auch wollten). Wieder ein Abend voller guter Rockmusik und vielen Klassikern, die es für uns bisher immer nur ‚von Konserve’ zu hören gab.

Schon im August 1989, beim Formel-1-Rennen auf dem Hungaroring und dem großen Preis von Ungarn gab es deutliche Zeichen für die Öffnung der ‚grünen Grenze’ zwischen Ungarn und Österreich. Wir haben das spannende Rennen und den Sieg vom späteren Weltmeister Nigel Mansell bejubelt und so manche, weiter führenden Pläne für die Zukunft allgemein wurden in diesen Wochen geschmiedet. Wir hatten in Budapest Karten für das kommende Black Sabbath-Konzert gekauft und was ich natürlich noch nicht wusste, war, dass ich Black Sabbath nicht in Ungarn, sondern einige Wochen später in München sehen sollte. Doch das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Alles in allem war der zweite Teil der 80er Jahre schon eine spannende und interessante Zeit für uns und fast jedes Ereignis eine gewisse Note des Besonderen, Neuen, damals vom Gefühl her - vielleicht auch Einmaligen. Zusammen gefasst waren die 80er Jahre eine tolle, sehr ereignisreiche Zeit, die wir uns, so gut wie es möglich war, gestaltet haben. Was vielen fehlte (vor allem auch mir), war die Reisefreiheit über die Grenzen des ‚Warschauer Paktes’ hinaus, aber wir sind ja jetzt ein wenig am ’Nachholen’ Zwinkernd.