Versteckte Naturwunder & Phänomene

Entdeckungen in Utahs Grand Staircase und New Mexikos Navajoland

(unsere Reiseroute)

Um für die nächsten Wochen erst einmal alles zu planen, besuchen wir einen ‚alten’ und immer wieder schönen Natur-Platz in der Nähe der Mormonencity St. George/Utah - den Dixie National Forest. Hier kann man ganz offiziell an ausgeschilderten Plätzen im harzig duftenden Zedernwald frei campen. In der Nähe gluckert ein Bergbach und am abendlichen Horizont scheinen die rot-goldenen Fels-Kuppeln des Zion-Nationalparks zu uns herüber. Da kann man es gut eine Weile aushalten! Die ‚Campsites’ sind bei dem herrlichen Herbstwetter immer gut besucht und wir fahren einige Meilen die staubige und gebirgige Gravel-Road durch den Wald, bis wir einem freien Platz beziehen können.

Auf dem Wege zu unseren nächsten Ziel führt uns die Route Utah Nr. 12 weit oben durch den Red Canyon und knapp am Bryce Canyon vorbei. Wenn man diese Scenic Route in Richtung des kleinen Örtchens Tropic fährt, hat man allerhand Ausläufer/Kleckerburgen oder Seitentäler des sagenhaften, natürlichen Amphitheaters mit seinen leuchtend roten Zinnen zu durchqueren. Man muss also hier auf dieser Tour nicht zwingend die 30 $ für den Bryce Canyon abdrücken und kann auch die flutenden Massen von Besuchern umgehen. Es ist eine ganz andere Perspektive, vor allem, wenn man die bekannten Plätze im Bryce schon besucht hat. Wir treffen bei einem Lunchstopp den Besitzer eines Farmlandes hier und der erzählt uns, das der nahe Nationalpark im vergangenen Sommer über 2 Millionen Besucher hatte.

Auch hier (um das kleine Örtchen Tropic) gibt es Wanderwege und traumhafte Fotomotive - Kuppeln, Zinnen und Türme - die sich auf fast 3000 (!) Metern über Meereshöhe durch die Erosion des bunten Sandsteins gebildet haben. Die Utah Highway Nr. 12 ist eine der spektakulärsten Straßen des gesamten Südwestens und führt durch (und über) Felsplateaus, windet sich durch den engen Escalante Canyon und immer wieder tauchen in der atemberaubenden Landschaft Tafelberge auf, die an das berühmte ‚Monument Valley’ der Navajos erinnern.

Die Streckenführung des Hwy 12 ist an sich schon sensationell und unser Ziel im Norden von Utah ist es sowieso – das „GSENM“!! Hä?? Wie bitte? Die Namensschöpfung ist ein Wortmonster, deshalb kürzen wir und alle Freunde der sagenhaften Felsenlandschaft den Namen auch gerne mal ab: Grand Staircase-Escalante National Monument. Wow! Mit seinen über 7.500 Quadratkilometern ist es momentan das Größte seiner Art in den USA und man findet hier eine fast unübersichtliche Zahl an spektakulären Naturwundern. Diese sind nicht so ‚weltbekannt’ und speziell wie der „Grand Canyon“ oder der „Yosemite National Park“, weil oft schwer zugänglich, versteckt, und abgelegen, aber manchmal auch gut von der Route Nr. 12 erreichbar.

Im ‚Hauptort’ Escalante gibt es ein modernes Visitorcenter mit Kino und man bekommt spezielle Karten für den Zugang zu den jeweiligen Gebieten. Wir haben schon sehr lange vor, einmal die „Hole-In-The-Rock-Road“, eine unbefestigte Strecke ins Kernland des Escalante-Plateaus, zu fahren. Für unsere Esmeralda war vor 2 Jahren die Waschbrettpiste zu rau, das Gewicht der Kabine war einfach zu groß, aber der Van macht es mit der richtigen Geschwindigkeit besser, schließlich sind es doch über 50 km Schotter, Staub und Steine in die Wildnis des Colorado Plateaus – One way. Man findet im GSENM einige verrückt-schöne Slotcanyons (in der Art des mittlerweile schon bekannten Antelope-Canyons bei Page/Arizona), aber hier ohne indianischen „Eintrittshäusel“ und zeitlich limitierten, teuren Zutritt. Wir bunkern etwas Wasser und kaufen Proviant im örtlichen Generalstore in Escalante (in der ganzen weitläufigen Gegend gibt es in mehreren Stunden Auto-Entfernung sonst leider kaum Einkaufsmöglichkeiten) und besuchen noch einen historischen Platz, wo über die ersten, historischen Expeditionen in dieses außergewöhnliche Gebiet berichtet wird.

Kaum bekannt - man muss schon im Besucherzentrum sehr speziell nachfragen - ist die Schlucht des „Zebra-Canyons“. Da gibt es hier nicht mal richtige Karten, Wander-Wege als solche eh’ nicht, aber eine (ungefähre) Beschreibung der Strecke haben wir.

Unser Gefährt parkt nach ca. 8 km an einem Zaun/Tiergatter der „Hole-In-The-Rock-Road“ und von da führt der Pfad erst über eine Ebene und dann durch einige Washs (trockene Flusstäler) in einen tollen und farbenfrohen Canyon. Ab und zu findet man Steinmännchen (wenn man Glück hat), denn die Interpretation der Weg-Beschreibung lässt einige Möglichkeiten offen.

An der ersten Schlucht zweigen sich mehrere Wege ab, dann geht es über ein Hochplateau in diversen Aufs und Abs durch interessante Halbwüstenlandschaft und nach reichlich 2 km Weg in einen breiteren Flusslauf. Da verliert sich leider die Spur und auch wir gehen erst mal eine falsche Fluss-Biegung, kehren wieder um und finden ein anderes Seitental und glücklicherweise wieder einige Zeichen, das wir richtig sein könnten.

Das Gestein der roten bis orange-farbigen Felsen hat hier Zebra-farbige Streifen angenommen und in einige Richtungen gehen enge Täler ab. Ich suche länger den richtigen Eingang zum Slotcanyon und klettere über mehrere Plateaus. Dann, nach ca. 2 Stunden Weg: Ein schmaler werdender, gelbfarbener Zugang. Braune Streifen ziehen sich in horizontaler Richtung durchs Gestein, eng wird’s und dann taucht der Zebra-Slot auf.

Leider ist er nicht sehr lang und mit tiefem (im Oktober schon eiskaltem) Wasser geflutet. Der Parkranger im Besucherzentrum hatte uns schon vorgewarnt, aber wir wollten den versteckten Zebra-Slot halt unbedingt sehen, wenn wir schon mal hier sind! Unser Vorteil: Wir sind die ganze Strecke alleine unterwegs und niemand außer uns scheint heute zum Zebra-Canyon zu wollen. Wir genießen die Weite und Einsamkeit der verrückt-schönen Felsenlandschaft. Ich klettere und wate durchs eisige Wasser und taste mich durch die ersten Biegungen der ausgespülten Schlucht. Mache begeistert Fotos und dann geht es langsam zurück zum einsam stehenden Fahrzeug.

Allerdings ist schon der Weg durch dieses wunderbare Felsgebiet ein Erlebnis. Man merkt auch schnell, dass man hier ja auf ca. 1.800 Meter Höhe wandert, Heidi spürt die Höhe ganz besonders heftig. Wir nehmen uns Zeit für den Rückweg und sind nach reichlich 4,5 Stunden wieder am Van, voll mit Eindrücken und durstig wie ein Bergesel nach einer Salzlecke.

Als Übernachtungsplatz haben wir uns den „Devils Garden“ ausgesucht, ein ausgewiesener GSENM-Campingplatz. Hier erwartet uns das 2. Naturhighlight des Tages.

Ich hatte ja schon durch diverse Erzählungen und einige Fotos im Netz erfahren, dass es hier sehr ungewöhnliche Felsfiguren gibt - Hoodoos eben. Freistehende Felsfiguren. Was man dann in diesem Tal erblickt, stellt vieles vorher gesehene noch einmal in den Schatten, so ungewöhnlich und skurril sind die Türme, Gestalten, Naturbrücken und Gnome, die es hier (weit im Tal verteilt) gibt.

Eigentlich ist man nach der Tour zum Zebra-Slot schon einigermaßen groggy, aber DAS hier, ja, unglaublich. Das gibt dem begeisterten Fotografen noch einmal einen vollen Adrenalinschub und ich ‚hechte’ Lachend durch den abendlichen Canyon, um im Licht der untergehenden Sonne noch die besten Lichtverhältnisse zu erwischen! Denn: Leider wird es ja Mitte Oktober doch schon gegen 6 Uhr abends dunkel. Und man weiß nie, wie sich das Wetter den nächsten Tag so entwickelt.

Es soll trocken bleiben, aber zu viele Wolken könnten schon einiges an den tollen Farben ‚wegradieren’ und graue Schatten auf dieses einzigartige Szenario werfen. Und: Kommen wir jemals zu diesem Ort zurück? Unvorstellbar schade wär’s, für den mittlerweile begeisterten Fotografen in mir, dann nicht noch einige Aufnahmen zu machen. Was für eine verrückte Gegend, kein Wunder, dass man diesen Naturplatz unter nationalen Schutz ges

Sicher gibt es einige Parallelen zur ebenso fantastisch schönen Sächsischen Schweiz, dem Elbsandsteingebirge bei Dresden, aber hier erscheinen die Sandsteinfelsen viel farbenfroher. Das leuchtende Rot, Gelb und Ocker der Steine im Mix mit der grünen Vegetation und dem stahlblauen Wüstenhimmel Utahs sucht schon seinesgleichen als Kontrast der Farben.

Die nächste Unternehmung ‚geistert’ uns schon seit einigen Jahren theoretisch im Kopfe herum:

Der Peek-A-Boo und der Spooky-Canyon!!

Diverse, eher seltene Fotos und die Berichte einiger Slotcanyon-Fans sind nicht so reichlich gesät und die Lage sowie (die etwas schwerere) Erreichbarkeit dieser beiden engen und spektakulären Schluchten im GSENM verhindern dort einen touristischen Massenbesuch. Im Visitorcenter Escalante bekommt man einen kleinen und feinen Plan - eher eine Skizze, die an eine Schatzkarte von Captain Sparrow erinnert und so etwas Ähnliches ist es ja auch für uns. Bisher war die Zufahrt zu den abgelegenen, hinteren Abschnitten der Hole-In-The-Rock Road für uns nicht machbar gewesen. Zweimal war es eine leider komplett unbefahrbare Schlammpiste durch Dauerregen und einmal war das ‚Waschbrett’ so krass, das unsere Esmeralda fast sämtliche Schrauben und Nieten von sich gespuckt hätte. Und wir hätten mit einem mittelstarken „Schütteltrauma“ durch das Dauergerumpel der Bodenwellen entnervt aufgegeben. Also damals hieß es Abbruch, aber jetzt geht es so leidlich und wir rattern die 26 Meilen zum „Dry Fork“ Camp, wo man die Autos parken kann. Eine extreme Piste führt noch eine Meile weiter an den Canyonrand, aber diesen Abschnitt ersparen wir unserem Van.

Vor Ort offenbart sich schon ein Blick in die Schlucht und man klettert hinab. Der Weg erinnert an den Abstieg in den Canyon de Chelly. Unten grüne Vegetation, Sand, Sträucher, trockene Flussläufe und diverse, manchmal schmale Eingänge in die Seiten-Canyons. Ein Abenteuerspielplatz allererster Güte. Man hört schon von weiten die Rufe einer Gruppe, die sich länger am schwierigen ‚Einstieg’ des ersten Slotcanyons abmüht. Für mich ein Glücksfall, denn allein wird es echt ‚tricky, in den über 12 Foot (also 4 Meter) hohen, ziemlich glatten Fels-Sims einzusteigen. Es gibt hier keine Hilfsmittel und hängt man einmal halb hochgezogen in der Wand, geht es kaum richtig vor und schlecht zurück. Da ist guter Rat teuer. Verliert man den Halt, klatscht man rücklings ca. 3 Meter runter auf den Felssims. Nicht gut!

Die 5 Leute entpuppen sich als Kölner Familie, die sich hier gegenseitig hilft raufzukommen und so schließe ich mich gerne an. Wir stehen an unteren Eingang des echt verrückten Peek-A-Boo-Slots. Der weitere Weg durch die engen Windungen, Löcher und Bögen dieses traumhaften, von Sturzwasser geformten, teils scharfkantig ausgewaschenen Slotcanyons ist anstrengend und echt anspruchsvoll, wie schon von den Parkrangern bzw. im Lageplan angekündigt.

Aus Sicherheitsgründen ist es echt zu empfehlen die Tour nicht alleine zu machen, besonders das weiterreichen von Rucksäcken und diverse Auf- und –Abstiege in diesem „Doppelnaturwunder“ haben es in sich. Im „Doppel“ weil es nur 1 km weiter einen zweiten, noch engeren, verrückten Slotcanyon gibt: ‚Spooky’ genannt. Man kommt deutlich besser vorwärts, wenn man hier zumindest zu zweit unterwegs ist, auch bei Unfällen und falls Hilfe notwendig ist, ist es von Vorteil, denn Handynetz kann man hier absolut vergessen.

Wir tasten uns vorwärts, klettern und balancieren über Schlamm- und Wasserlöcher, staunen und fotografieren. Schon der farblich schöne Peek-A-Boo hat es in sich. Nach einer runden Stunde kommen wir alle durchgeschwitzt und ordentlich verdreckt Lachend am oberen Ende des Slots an.

Es gibt für jeden, der nicht genug bekommen kann, einen Rundweg, der über ein Plateau führt (einige Steinmännchen weisen den Weg) und dann kommt das nächste Abenteuer und der wohl engste von den 5 Slotcanyons, die wir bisher oben auf dem Colorado Plateau gesehen haben. Der „Spooky“ beginnt schon weit oben nach dem Einstieg so eng zu werden, dass man sich nur noch seitlich durchquetschen kann und einen möglichen Rucksack muss man abnehmen und hinter sich herziehen. Es gibt Stellen, wo die Wände des teils 10 Meter hohen Canyons nur noch ca. 30-35 cm voneinander entfernt sind.

Ein Schweizer Paar kam uns im Peek-A-Boo entgegen und meinte noch, mit zu viel Ausrüstung oder dickem Rucksack kommt man im Spooky gar nicht weiter. Was hier Wasser und Geröll an unglaublichen, wunderbaren Formen im Sandstein geschaffen haben, lässt uns alle immer wieder ungläubig den Kopf schütteln. Wir wiederholen oft, dass wir uns hier lieber keine regenbedingte Sturzflut vorstellen möchten, denn man hätte keine Chance, lebend wieder raus zu kommen. Alles würde zermalmt werden, wie in der Turbine eines Kraftwerkes. Im August 1997 kam im bekanntesten Slotcanyon, dem „Antelope“ bei Page/Arizona eine Reisegruppe in so einem plötzlichen ‚Flashflood’ tragisch ums Leben. Wir haben hier vorher das Wetter gecheckt - es bleibt auf Tage trocken. Bei Schauern, vor allem bei Gewittern, sollte man unbedingt die Finger (oder eher Füße) von so einer Klettertour lassen. Es gibt enge Löcher und Abstiege im Spooky und wir stoßen dort auf eine kleine Klapperschlange, die sich aber in einen Spalt zurückzieht. Man macht aber doch lieber einen Bogen um diese Stelle, soweit das in der Enge möglich ist. Weiter unten wird es so schmal, dass man zum durchkommen - durch den Slot - ausatmen sollte, um den Brustkorb durchzuquetschen und teils in die Knie gehen muss oder auch einige Male zum Kriechen.

Es geht kaum noch vorwärts und an ein Zurück des ganzen Weges möchte man aber lieber gleich gar nicht denken. Wir helfen uns wieder gegenseitig. Die Mama der Kölschen Familie verzweifelt paar Mal fast, wird aber (im wahrsten Sinne des Wortes) mit ‚durchgezogen’ und geschoben. Das alles dauert manchmal etwas länger und ich habe Zeit und Muße zum ausführlichen Fotografieren. Wer hier klaustrophobisch veranlagt ist, wird kaum weiterkönnen.

Am Ende der engen Schlucht erwarten mich noch eine handtellergroße schwarze Tarantel und eine kleine, farblich sehr schön gezeichnete Natter als Begrüßungskomitee. So wird auch gleich klar, was man hier an Tierwelt erwarten darf. Aber die Reptilien gehen uns immer aus dem Weg und bei einer gesunden Vorsicht muss man sich keine ernsthaften Gedanken machen.

Man sollte hier eher an reichlich Wasservorrat und an feste Wanderschuhe denken. Sandaletten oder Badelatschen sind sehr cool, aber hier möglicherweise auch etwas ungünstig. Die grandiose Natur, die ‚kunstvollen’ scharfen Kanten, die tollen Farben und immer wieder neuen Perspektiven und Lichteinfälle entschädigen für die Kratzer und reichlich blauen Flecke, die wir alle mitnehmen. Der Fels ist durch die „Spezialspülung“ der ‚Flashfloods’ beschaffen wie ein Stück weiche Butter – welches mit einem gezackten Messer gestreift wird und dann hartgefroren wurde - dazu die farbigen Linien der verschiedenen Ablagerungen.

Nach mehr als zwei Stunden Tour (insgesamt) wird es wieder heller und der Spooky mündet in die große „Dry Fork“ –Schlucht, nur 15 Gehminuten vom Eingang des Peek-A-Boo. Wir haben uns auch extra Zeit gelassen, um diese einzigartige, unvergessliche Tour zu genießen. So gehören diese Slotcanyons zu den überhaupt Schönsten, was man hier im GSENM, ja im gesamten (wilden) Westen sehen und erkunden kann, unserer Meinung nach. Wir klettern etwas zerkratzt, aber glücklich wieder rauf auf den Canyonrand und verabschieden uns von der kölschen Truppe, die es morgen schon wieder weiter in den Zion Canyon zieht, ein enger Zeitplan.

Wir bleiben diese Nacht noch an unseren, bekannten Platz im „Devils Garden“ und genießen den herrlichen Sternenhimmel über der weiten Prärie und den Bergketten Utahs bei einem abendlichen Country-Pasta mit Pesto und spülen mit ‚Fosters-Bier’. So langsam gewöhnen wir uns an die Enge im Van und das notwendige zweimal tägliche Umräumen der Ausrüstung zum Schlafen. Aber wenigstens sind wir so unabhängig und übernachten eh fast immer am liebsten weit draußen in der Natur. ‚Geführte Touren’ mit Jeeps und Guide hierher schlagen schließlich auch mit bis zu 150-180 $ pro Person zu Buche, (wie wir von anderen Gruppen erfahren), das haut’ bei dem Dollarkurs zum Euro ganz schön in die Reisekasse rein.

Unser (diesmal) letztes, großes Naturziel ist noch einiges entfernt und wir fahren durch diverse Indianerreservate, trockene Halbwüsten und Tafelberglandschaften südöstlich nach New Mexico. Vorher geht unsere Reiseroute noch durch das Felslabyrinth des Escalante Canyons und mit dem Highway Nr. 12 über das Hochland zu dem Örtchen Boulder. An einem Aussichtspunkt, in den herbstlich leuchtenden mit Laubbäumen gefüllten Canyon, treffen wir wieder einmal ein europäisches Langzeitreisemobil, einen klassischen Landcruiser mit fest montierter Kabine und Schweizer Kennzeichen. Adrian und Jean-Pierre sind schon seit 8 Jahren auf den beiden Amerikakontinenten unterwegs.

Unser grober Zeitplan ist wieder mal dahin, denn wir unterhalten uns so lange wie begeistert mit den Beiden und tauschen auch Daten/Infos aus. Uns eint wieder mal die Begeisterung für diese spezielle Canyonlandschaft mit ihren vielen versteckten Highlights.

Wir fahren dann noch einmal (dieses Mal komplett) den Burr Trail, den viele als eine der schönsten Touren hier im Südwesten bezeichnen. Die Schotterstrecke durch den Südteil des Capitol Reef National Parks ist für uns neu und die steilen Serpentinen eng und abenteuerlich gebaut.

Genau dort, wo die unbefestigte Straße sich in die „Switchback“ genannten Kurven in die tiefe Schlucht windet, treffen wir das 2. ‚Overlander’-Team an einem Tag, sagenhaft.

Dieses Paar kommt aus Holland und ist mit einem großen DAF-Truck unterwegs und auch diese beiden Reisenden sind seit einigen Jahren am Stück unterwegs. Unsere beiden Fahrzeuge parken auf halber Höhe der Schlucht-Wand und wir sind im Gespräch mit Adrie und Joop, die mit ihren „Thusty Turtle“ viel Zeit haben und noch lange unterwegs sein möchten. Sie haben also auch eine Reiseschildkröte!!

Viele der wunderbaren Plätze auf diesem Kontinent haben wir sozusagen überschneidend zu anderen Zeiten und natürlich anderen Bedingungen oder Umständen besucht. Wir fachsimpeln und sind uns wieder einmal einig, welche speziellen Plätze warum und weshalb so spektakulär sind! Auch wenn das eine Team den heißesten Sommer in Alaska und das andere fast nur Regenfluten dort erlebt hatte…

Am Südostende des Burr-Trails kommt man dann zum Lake Powell. Hier befindet sich die ‚Bullfrog-Marina’ (ein Yachthafen) und in der Saison eine Fährmöglichkeit um den weit verästelten Stausee zu überqueren. Momentan ist die Ferry leider stillgelegt.

Wir übernachten 1-2 Fahrstunden weiter an Nordende des Lake Powell, an der verlassenen ‚Hite-Marina’. Es gibt Picknickplätze und ein fönartig warmes Klima durch die Lage unter 1.000 Höhenmetern. Die gesamte Infrastruktur hier mit Laden, Bootsrampe, Visitorcenter und Bungalowsiedlung ist bis auf letzteres verlassen. Der See (also in dem Sinne der Colorado) hat in den letzten Jahren so viel Wasser verloren, dass der obere Nordostteil des Glen Canyon wieder trocken liegt. Die Tendenz geht leider weiter zum Austrocknen. So liegen hier auch einige, letzte Boote weiter oben ohne Aussicht auf Zugang zum Lake Powell relativ traurig und tot auf dem Trockenen.

Nach einem Einkaufsumweg über die Stadt Cortez im Bundesstaat Colorado führt uns der Weg nach New Mexico. Wieder einmal hat es zu den schon etwas bekannten Hoodoo-Gebieten - im Navajo-Land bei Farmington - ein „neues“ verstecktes Tal geschafft, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Nach der „Bisti-Wilderness“ hat man jetzt aktuell schon eine Straße benannt, die von Farmington nach Süden führt. Es gibt also schon einigen Tourismus deswegen hier in der Gegend. Wir haben beim Wandern durch die sehr ungewöhnliche, ja unwirkliche Wüstenlandschaft vor 3 Jahren sogar ein Filmteam beim Drehen eines schrägen Musikvideos beobachten können und trafen den (nicht ganz unbekannten) Hollywoodschauspieler Wes Studi, der dort mit dabei war. Also: So ein Geheimtipp sind die „Bistis“ nun nicht mehr… und dann die Alien-Landschaften von Ah-Shi-Sle-Pah. Nun gibt es einige Hinweise auf ein weiteres, noch wenig dokumentiertes Seitental in direkter Nähe dazu! Wo man ganz besondere Erosionsarten finden soll – also Hoodoos von ganz spezieller Form und Farbe, so wie aus dem „Märchenbuch“ … für Fotografen und Entdecker.

Natürlich sind diese Hoodoos wieder etwas abgelegen, 25-30 km in der Prärie und zu erreichen nur über staubige Pisten, die scheinbar ins Nichts führen, aber das ‚Nichts’ täuscht etwas. Überall sind einzelne Gehöfte oder Farmen verteilt und nicken einige Erdöl-Förderpumpen. Indianische Behausungen sind hier oft mit einem „Fuhrpark“ von Autos der letzten 3-4 Generationen umgeben, die in allen Verrostungsstadien vor sich hinoxydieren. Das gehört hier zur Grundausstattung, man sieht das hier überall! Aber auch neue Trucks gibt es genug, edle, teure Pickups oder fette Straßenkreuzer cruisen durch das Reservat. Der neue Reichtum der „First Nations“, der native Indians, gründet sich teils auf die neue Nutzung der Bodenschätze und vor allem der (Aus-) Nutzung einer Gesetzesregelung zur Sonder-Erlaubnis des Glücksspiels für alle Indianisch-Stämmigen. So gibt es jetzt fast in jeden, noch so kleinen Reservat fette, mondäne Casinos, denn das Geschäft mit den Zockern läuft immer. Wir suchen eher Naturphänomene und die gibt es hier eben auch.

Wir sind wieder mal ganz alleine unterwegs und finden durch die Tipps und GPS-Daten sowie Beschreibungen einen Weg zum „Valley Of Dreams“ genannten Ort. Unser Van bleibt an einem Wasserplatz/kleinen Teich zurück, denn das letzte Stück war wieder mal so grenzwertig zu befahren, dass wir fast aufgeben wollten. Aber nur fast. Bei Regen wäre hier unpassierbarer Schlamm mit einer Kleberate wie weiche Knetmasse gemixt mit UHU-Leim gewesen. So hatte sich die 4Wheel-angetriebene Esmeralda hier nach einem Gewitter fast vollkommen im Gelände fest gekleistert, nur mit allerletzter Not & Mühe kamen wir damals noch raus.

Dann geht der beschriebene Weg zu den Hoodoos zu Fuß weiter über Hügel und durch Seitentäler und wieder durch trockene Flussläufe. Man sieht bzw. ahnt eher schon von weitem die eigenartigen Strukturen, die sich hier in fast 1.850 m über dem Meer in zig’ tausenden Jahren gebildet haben, das hier ist nun kein bekannter Park oder ein oft angefahrener Tourismus-Hotspot. Kommt man dann näher, glaubt man kaum, dass es möglich ist, wie die Natur solche verrücktem Formen tatsächlich schaffen kann und das in großer Menge auf relativ engen Raum zusammengedrängt!

Was wir hier ungläubig erblicken, sieht aus wie ein Drehort zum Science Fiction-Klassiker „Aliens 1-3“. Von diesem Anblick wäre H.R.Giger, der (verstorbene) Schöpfer der Alien-Monster, begeistert wie wohl auch inspiriert gewesen. Durch sehr spezielle Erosion, Verwitterung, also Abtragung weicherer Schichten von harten Grundformen sind solche abenteuerlichen Pilzformen übrig geblieben wie hier in der (fast) verlassenen Halbwüste von New Mexico.

Kaum zu glauben, was da die Natur hat stehen lassen. Alles sicher nur für den geogeschichtlichen Moment und eine Momentaufnahme im Wandel der Veränderung. Die (auch hier Hoodoos genannten) Figuren, Türme und Gestalten sind wieder einmal so außergewöhnlich anzuschauen, dass wir für 1-2 Stunden vollkommen die Zeit und den starken Wind vergessen, der uns hier um die Ohren rauscht. Das Gelände ist eigentlich eher ein Hügel, kein Tal und es gibt in ca. 1 km Entfernung noch einen zweiten Fundort von skurrilen Formen.

Das alles hier – ist schon ein verrückter Traum für ‚Sammler’ von wirklich außergewöhnlichen Naturplätzen. Alles ist noch relativ übersichtlich und erwanderbar, nur einen einzigen, anderen Fotografen sehen wir noch. Ansonsten sind wir allein mit uns und diesen fast außerirdisch anmutenden Phantasiegeschöpfen. Jede Perspektive bringt wieder andere Assoziationen. Wir sind sehr vorsichtig und versuchen, beim Klettern oder Steigen möglichst keine von den filigranen Gestalten zu beschädigen und hoffen, dass die, die nach uns hierher kommen, das genau so sehen und dieser einmalige Platz so erhalten bleibt. Denn, es gibt hier keine Wege, keine Warn- oder Vorsichtsschilder, keine Abgrenzungen oder Schutz dieser obskuren Fotomotive.

Von hier, wirklich tief versteckt in der Wildnis New Mexicos, geht es für uns und unseren Van dann zurück zum Beginn unserer diesjährigen Reise. Erst zum Colorado an der Grenze zwischen Kalifornien und Arizona und dann zum Abgeben des Fahrzeuges nach Las Vegas.

Noch einmal fangen wir die Neonreklamen der Spielerstadt mit der Kamera ein und verabschieden uns mit diesem letzten Abschnitt unserer ausführlichen Tour Ende Oktober’16 von Nord- und Mittelamerika, wo wir in den letzten Jahren über 700 Tage und 84.000 km unterwegs waren.

Zu sehen und entdecken gibt es wirklich immer genug. Für uns sind und waren vor allem die grandiosen Landschaften in ihrer extremen Abwechslungsvielfalt immer wieder ein Grund zum Wiederkommen. Ein Dank unseren Lesern für das ‚Begleiten’ und verfolgen unserer Berichte (49 waren es allein auf dem amerikanischen Kontinent) - und findet sich die Möglichkeit, wird es für uns vielleicht irgendwann eine Esmeralda II geben…

Heidi & Tom

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