Von Washington State nach Süden

(unsere Reiseroute)

„Oben“ in Idaho haben wir beschlossen, unsere Nordschleife diesmal nicht über die kanadischen Kootenay Rockies auszudehnen, da die ‚Helle Zeit’ nach der „Tag und Nacht Gleiche“ immer kürzer wird. Wir wollten das zunächst auf später verschieben und evtl. auch nächstes Jahr nach holen. Die folgenden Ereignisse hätten uns eh’ am Weiterfahren nach Norden gehindert, aber dazu etwas später.

Schon sehr lange wollen wir mal am „Großen Strom des Nordwestens“, den mächtigen Salmon-River, dem Columbia, entlang reisen und ihn nicht nur ‚schnöde’ Zwinkernd auf einer Brücke überqueren. Man kann den Strom auf seinem Weg zur Mündung in den Nordpazifik ein schönes Stück an seiner Küste in Washington State oder Oregon begleiten. Der Columbia ist zum Teil gleichzeitig der Grenzfluss zwischen den beiden Bundesstaaten. Schon tief im Lande ist der gewaltige Fluss mehr als respekteinflößend.

Im Nordwesten Oregons hat sich der Columbia einen tiefen Canyon durch aride Vegetation gegraben. Kein Grün vor Ort und ein sehr eigenwilliges Bild, das wir so nicht erwartet hätten. Weite, extrem trockene, gelbgraue Graslandschaften gehen erst ca. 150 km vor Portland in immer satteres Grün über. Während wir der Metropole näher kommen, findet man dann immer mehr Parks mit Zedern- bzw. Tannenwäldern, State Parks, heiße Quellen und tiefe Schluchten. Panoramastraßen begleiten den Strom beidseitig und man hat die Qual der Wahl. Wir entscheiden uns für die Nordroute Nr. 14 durch den Washington State.

An einem hoch gelegenen Aussichtspunkt auf den Columbia River sprechen uns zwei schwer bepackte Fahrradfahrer auf Deutsch an. Die Beiden, Mete und Dagmar, sind seit über 6 Jahren rund um die Welt unterwegs!!! Wow. Wir kommen ins Gespräch und würden am liebsten länger mit den Beiden reden, aber leider wollen sie quer durch Portland und dann direkt nach Süden und wir zur West-Küste.

Wir düsen bergab nach Vancouver/WA (nicht zu verwechseln mit der kanadischen Großstadt in British Columbia) – und dort passiert es dann:

Beim Überqueren einer erhöhten Schienentrasse und Durchfahren eines größeren Loches schreit unser Fahrzeug um Hilfe. Es kracht laut, die Kabine senkt/neigt sich gefährlich nach hinten. Zuerst stellen wir einen Abriss der Ladefläche von der Fahrerkabine rechts fest, bei genaueren Suchen dann die schockierende Erkenntnis: Der Hauptrahmen ist rechts gebrochen und der Riss geht schon fast durch. Ein Weiterfahren ist erst mal nur extrem langsam und sehr vorsichtig möglich. Lange hatten wir es befürchtet, aber eher auf den katastrophalen Pisten in Lateinamerika erwartet. Das schwer beanspruchte Fahrzeug mag nun nicht mehr.

Bei mehreren Werkstätten/Garagen bestätigt sich die Diagnose, ein Schweißen ist nicht möglich. Eine Reparatur wäre extrem teuer bis kaum machbar. Die Teile oder Rahmen gibt es ja hier eh’ nicht. Schrott- oder Autohändler bieten nur „Almosen“ und manche Gangster wollen gar reichlich Kohle für das Verschrotten. Das Abschleppen würde noch einmal 900-1000 $ kosten. Wir organisieren uns ein Motel und ein kleines Mietauto und fragen uns durch, planen, suchen, alles dauert seine Zeit. Nach insgesamt fast 2 Wochen und vielen Verhandlungen findet sich ein Käufer, der uns ‚wenigstens’ ein paar Dollar für einige Ersatzteile gibt.

Schweren Herzens trennen wir uns von unseren Reisegefährten und müssen alles zu rettende Equipment in einen gemieteten Chrysler-Minivan verstauen, der uns dann noch die restliche Zeit weiterbringt.

Dazwischen machen wir mit dem kleinen Mietauto einen Ausflug nach Nordwesten, an die Pazifikküste zur vor gelagerten Halbinsel „Long Beach“, nördlich der Columbia Mündung. Wir finden die letzte „Covered Bridge“, also überdachte Brücke, im Washington State und merken, dass langsam der Herbst durchs Land streicht.

Wir schauen auf den schneebedeckten Vulkanstumpf des Mt. St. Helens und fahren durch Naturschutzgebiete auf eine herrliche Panoramastraße an die Westküste. Auf Long Beach kann man ab Oktober auf dem festgefahrenen Strand entlang brettern, herrlich, man sollte sich nur nicht festfahren… Zwinkernd

Absolut spektakulär ist die Überquerung der breiten Columbia-Mündung bei Astoria über die kilometerlange Megler-Brücke, ein architektonisch aufregend und auch kühn gebautes Stahlmonster, das seinesgleichen sucht.

Astoria/Oregon ist eine etwas antiquiert wirkende Hafenstadt mit Gebäuden, die teils eher aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts überdauert haben. Und, die Stadt ist ein wichtiger Stützpunkt für die Schiffe des Coast-Guards, der amerikanischen Küstenwache, aber auch die einzige größere City hier – südlich der Ballungsgebiete von Seattle und Nachbarstadt Tacoma.

Als wir alles wegen Esmeralda erledigt haben, geht die Reise erst mal nach Süden.

Das nächste Ziel ist nach vielen Jahren noch einmal die San Francisco Bay mit ihren Riesen-Brücken-Konstruktionen und dem einzigartigen Charme dieser Stadt. Noch nie waren wir auf den vorgelagerten Bergen, die einen Blick von weit oben auf das Golden Gate, die Brücke und die gesamte Bucht erlauben. Also wird’s endlich Zeit Zwinkernd.

Es ist eigentlich schon ein kleines Gebirge. Man schraubt sich auf steilen Serpentinen auf diese Berge und kann auch die Buchten draußen im Pazifik, einen schön gelegenen Leuchtturm und kleine, sonst versteckte Örtchen weiter nordwestlich sehen. Oben stehen verlassene alte Bunker und andere Verteidigungsanlagen und verrotten langsam vor sich hin. Wir haben diesmal eher Regenwetter und tiefe, dunkelgraue Wolken lungern garstig und lichtfressend über der Bay. Wohl kaum eine andere Brücke, die bei solch einem Regenwetter trotzdem noch beeindruckend aussieht!

Beeindruckend ist auch der inflationäre Preis, den der Benutzer des SF-Wahrzeichens jetzt berappen darf: Viele Jahre war es ein obligatorischer Dollar, dann mal 2-3, jetzt, innerhalb kürzester Zeit drehen die Abzocker am Rad und wollen schon 6,50 $ für einmal passieren. Das wird wie mit dem Münchener Wiesenbier, eine hirnrissige Preis-Spirale nach oben. Ohne dass sich das Produkt in irgendeiner Form verbessert etc.

Wir düsen danach direkt nach Haight Ashbury, dem ‚Hippen’ Viertel am Golden Gate Park und dort gibt es einen sehr außergewöhnlichen Plattenladen. Yes! Klar, gibt es noch/wieder Schallplatten (Vinyl - wer es wirklich noch nicht gemerkt hat) und auch Bücher, Videos, DVDs, CDs – alles in einem Turnhallengroßen Laden zum (positiv!!) Verrückt werden!!! Hier haut es selbst dem coolsten Musikfreund die Beine weg. Das Angebot ist astronomisch und das Charisma des „Amoeba“ – genannten Stores ist einzigartig – oder besser dreifaltig, denn es gibt noch Filialen in Berkeley und LA. Ohne neuen Tonträger kann der Verfasser niemals diesen Ort voller akustischer Schätze verlassen Zwinkernd.

Das Viertel um die Haight Street ist immer noch voll von schrägen Typen, grellen Läden, zig’ Wander- Bettel- und –Improvisationsmusikern. Fast jeder Einheimische, der eine Saite zupfen kann, kommt einmal hier her und hofft „Entdeckt“ zu werden. Alle spielen sich mehr oder weniger an der Straße den Arsch ab oder in vielen der abgefahrensten Clubs hier.

Selbstdarsteller, Künstler, Dealer - hier muss man auf jeden Schritt aufpassen - und es riecht tatsächlich an fast jeder Ecker nach Marihuana! Auch (und leider) so viele Obdachlose, wie wir im Herbst 2016 hier sehen, haben wir an der ehemaligen Wirkungsstätte von Greatful Dead, Janis Joplin und Jimi Hendrix noch nie erblickt. Eine zwiespältige Sache. Haight Ashbury ist extrem bunt und versucht den Charme der 1968er zu reproduzieren. Leider klappt das nicht so ganz, aber einen Besuch ist es trotzdem wert. Immer! Genauso wie die steile Lambert Street, die Downtown und die anderen, herrlichen Straßenführungen über die geschichtsträchtigen Hügel der Stadt, in der schon sooo viele Filme gedreht wurden.

Über die Oakland Bay Bridge verlassen wir die City of San Francisco wieder nach Norden. Diese zweistöckige Brücken-Konstruktion wird teils neu überarbeitet, ist immer wieder ein Erlebnis zu befahren und leider ist das viel zu schnell vorbei.

Mitte Oktober kommt in der Sierra Nevada schnell der Schnee (und die meisten Pässe werden gesperrt) und so überqueren wir auf dem Hwy 50 das Hochgebirge in Richtung Osten. Wir passieren nochmals den herrlichen Lake Tahoe und die Grenze nach Nevada.

Nach so viel Großstadtgewusel wollen wir wieder mal etwas Ruhigeres und uns eine alte verlassene Ghosttown ansehen. Wenn man die US95 entlang düst weisen große historische Schilder am Wegesrand auf eine alte verlassene Stadt namens Candelaria aus dem Jahr 1880 hin. Die nahe gelegene Mine zog viele Arbeiter an, nur leider ist von der Ortschaft nicht viel übrig geblieben, außer einer Straße dahin und ein paar Ruinen.

Unser nächstes Ziel: Ein Backofen-Platz, ganz in der Nähe der berüchtigten „Area 51“. Man sieht an der Piste überall Alien-Bilder, Reklame und Statuen von grünen oder silbernen Männchen mit übergroßen Augen... Denn: (mit oder ohne ‚Akte X’) Sie sind irgendwo da draußen!

Im August ist es hier extrem heiß und jetzt, 6 Wochen später, etwas angenehmer. Wir besuchen einen der wenigen, exotisch-schönen Natur-State-Parks von Nevada – das „Cathedral Gorge“. Kein ‚Geheimtipp’ mehr, aber so klein und abgelegen – wie spektakulär.

Wieder hat die Verwitterung und die Erosion von weichen Gesteinsschichten in vielen zig’ tausenden von Jahren einen rotbraunen „Märchenwald“ aus ‚gefrorener Zeit’ geschaffen. Pyramiden, Kleckerburgen, Zinnen, Canyons, Höhlen und eben auch Kathedralen-artige Türme findet man in diesem Tal, die dem Park dann seinen Namen gaben.

Es gibt als Ausgangspunkt für einige Meilen Wanderwege einen gepflegten Campingplatz mit einer knackig heißen Dusche, um den reichlich vorhandenen Staub runterzuspülen. Man kann seiner Phantasie und der heiß gelaufenen Kamera freien Lauf lassen. Hier vergisst man für einige Stunden wieder einmal fast alles andere um sich herum. Ein toller und magisch schöner Natur-Platz, der es wert ist, so erhalten zu bleiben!

Wir kommen langsam wieder auf andere Gedanken und realisieren trotz dem Verlust unseres ‚alten’ Basisfahrzeugs, dass es hier im (wilden) Westen der Canyons, Halbwüsten und Gebirge noch so unglaublich viel zu entdecken gibt.

Ist man einmal begeistert von dieser ganz speziellen Art von Natur und vor allem der geologischen Feinheiten, lässt uns der ‚goldene’ Teil der Südwestens nicht mehr los, im nächsten Teil unseres Berichtes geht es – in für uns noch ungekannte Slotcanyons, über Waschbrettpisten in die Wildnis des Colorado-Plateau von Utah.

zurück zur Weltreise 2011 - 2016
zurück zur Startseite
nächster Bericht