Flucht nach Norden

Von der Vegas-Backofenhitze in den Nordwesten.

Technisches und Organisatorisches, wen es interessiert (für alle anderen geht es im nächsten Absatz los ;-)

In den vergangenen Monaten haben wir es kaum noch für möglich gehalten, dass es mit einer weiteren Tour - mit Esmeralda - durch Amerikas Westen noch einmal klappen könnte. Einerseits wegen der frustrierenden Versicherungssituation für europäische Fahrzeuge in Nordamerika, speziell für RV’s/Wohnmobile etc. und andererseits mit Esmi selber.

Der wirklich einzige (!!) Vermittler und Agent in Deutschland, welcher das bisher mit einer amerikanischen Versicherung regeln konnte, Herr Nowag, war leider im Herbst 2015 verstorben. Es gibt keinen Ersatz oder Nachfolger für seine Arbeit! Über die Firma Seabridge gibt es leider nur einen (für uns zu teuren) Vollkaskoschutz (wir wollten nur Haftpflicht) und diverse andere Anbieter spendierten nur Absagen.

Zweitens hat uns unsere Reiseschildkröte in den letzten Tagen im August’15 in Nevadas Wüste einige technische Schwierigkeiten gemacht. Die Ferndiagnosen der Mitsu-Spezialisten zu Hause gingen von harmlosen Thermostat-Problemen bis defekte Zylinderkopfdichtung oder Rissen im Zylinder oder Kopf. Gruselig! Letzteres wäre auf Grund der Ersatzteilsituation wohl eher das Ende der Esmi gewesen. Esmi-Exitus sozusagen.

Nun, die Hoffnung auf eine Problemlösung ließ uns günstige Flüge finden und die Aussicht auf (wenigstens EINE) machbare Haftpflicht-Versicherung. Über Philadelphia und Las Vegas ging es zu unseren Storage und dort erwartete uns unser Reisemobil nach genau einem Jahr: Zwar verstaubt – aber sonst den zeitlichen Umständen gemäß in gut wüstenhaft konservierten Zustand! Und bestens behütet. Das treue Teilchen springt gar nach 4-5 Sekunden ohne Starthilfe an und auch die separate Bordbatterie ist noch fit. Wir hatten nach den Hunderten Kabinen-Spinnen bzw. Insekten und Käfern nach der Panama-Auszeit das Schlimmste erwartet, aber auch die andere Technik funktioniert zu 90% noch.

Wir reparieren die ersten Tage diverse kleine Sachen via mit gebrachter Ersatzteile. Und: es gibt keine Klein-Viecher, keine Klapperschlangen, keine Taranteln oder anderes in der Wohnkabine. Wow. Die extremen Motor-Temperaturschwankungen 2015 im hitzeflirrenden Talkessel der Spielermetropole waren (und sind) einfach der Höllenhitze geschuldet, die im August hier aktuell brutzelt. 42 Grad im Schatten machen es auf den Straßen locker über 50 Grad warm und an Ampeln steigt das Thermometer unter der Motorhaube dann auf über 60 Grad per Anzeige. Das Thermostat spielt verrückt, das Kühlwasser kocht und wir sowieso auch.

Startet man früh morgens und überquert man die hohen Pässe (nach Möglichkeit) um diese Zeit, kann man dem Problem etwas aus dem Wege gehen.

Ansonsten, Heizung volle Pulle (Hilfe!) Fenster auf und Wärme so gut es geht nach draußen ableiten.

Wir gehen das Risiko ein und schließen eine Versicherung bei der (für uns derzeit) einzigen Möglichkeit ab und bezahlen für 90 Tage so viel - wie sonst vorher für ein ganzes Jahr. Mahlzeit. Rückerstattung ist ausgeschlossen, aber ohne Versicherung fahren wir natürlich nicht durch dieses Land! Danke an unseren Kumpel Andy in Jacksonville, der telefonisch einiges versucht hat, um die haarsträubende Bürokratie und den Dschungel der amerikanischen Versicherungen für uns zu checken. Natürlich haben wir auch viele Mails verschickt…im Vorfeld, aber es scheinen sich diverse Gesetzte in den USA geändert zu haben, klar, zum Negativen. Kaum eine Agentur macht sich die Arbeit, uns Exoten mit kleinen WoMo (ohne direktem US-Wohnsitz) aus Europa zu versichern, es lohnt sich wohl nicht für sie. Schade für alle, die eine solche Tour planen und deren finanzielle Möglichkeiten nicht uferlos groß sind. Da ist Handlungsbedarf. Das einmal in eigener Sache, denn jetzt geht es endlich los!

Raus aus dem Toaster!

(unsere Reiseroute)

Nach 3 Tagen Vorbereitungen und etwas Organisieren vor Ort starten wir Ende August, früh morgens bei nur 29 Grad Celsius, nach Norden in die Mojave-Wüste. In der City der einarmigen (aber teils auch zweibeinigen) Banditen ist es Sommers auch bis weit nach Mitternacht gut geheizt, also oft zwischen 30 und 34 Grad.

Ca. 300 km nordwestlich von Las Vegas flimmert uns eine Geisterstadt entgegen. Aber so einsam, wie wir dachten ist die über 6.000 ft hoch gelegene Stadt Goldfield nicht. Bei unserem Rundgang begegnen uns ein paar Menschen und trotzdem hatten wir das Gefühl, dass die Goldgräberstadt schon bessere Zeiten gesehen hat.

Auf der nächsten Anhöhe - einem Rastplatz, Kreuzung, Tankstelle usw. – treffen wir bei einem Eis, doch tatsächlich Rotel-Tours aus Passau. Für sie geht es aber nach Las Vegas, wo wir froh sind, erst mal weg zu kommen.

Ein Blick auf die Wetterkarte bringt uns zum schönen Walker Lake bei Hawthorne, wo es einen fast einsamen RV-Park gibt und es nachts schon mal auf 15 Grad runter geht.

Wir fahren an vertrockneten Salzseen vorbei und passieren einige Gebirgszüge, tangieren kurz die ’nevadische’ Hauptstadt Carson City und schrauben Esmeralda dann zum größten alpinen See Nordamerikas rauf, den herrlich gelegenen Lake Tahoe. Es sind fast 2.000 Meter über Meereshöhe. Die Grenze zwischen Nevada & California geht genau mittig durch den Bergsee und an den Ufern sind Naturschutzgebiete, State Parks und … die teuersten Grundstücke im Nordwesten. Man hat den Eindruck, dass fast der ganze Wald hier mit teils versteckten Nobelhütten zugebaut ist. Alle möglichen Künstler, Rocker, Stars und Sternchen haben sich hier niedergelassen. Ein „Campingplatz“ am See kostet mal einfach 70 $ pro Nacht, erfahren wir. Yes, ein einfacher Womo-Stellplatz ist gemeint. Wir fahren einfach noch ein Häusel weiter, über den höchsten ganzjährig geräumten Pass, zum ‚kleinen Bruder’ von Las Vegas, nach Reno.

Esmi düst mit leichten Motor-Temperaturproblemen, aber akkurat über 8.900 ‚Füßchen’ hoch, also fast 3.000 Höhenmeter. Die Piste ist leider eine Rennstrecke der Sportwagen & Pickup’s der hiesigen Highsociety. Hier geht’s fast zu wie am Nürburgring und so müssen wir ab und zu mal die Speed Kings vorbeilassen, die hier drängelnd und dröhnend wie unter Drogen über die Piste fegen.

Trotzdem werden wir auch immer wieder mal freundlich gegrüßt. Es wird gewinkt und der gestreckte Daumen gezeigt, nachdem die erstaunten Truckpiloten, Dodgedriver und Chevy-Gasdurchlatscher unsere Herkunft gecheckt haben. Es steht ja groß dran an unserer Esmi und ganz wenige fahren hier ja mit einem Nummernschild vom Landkreis Görlitz herum! Überhaupt merkt man bei Gesprächen immer wieder, dass jeder zweite oder dritte, der uns anquatscht, irgendwelche deutschen Vorfahren hatte und/oder mal in Germany war. Oder er kennt Deutschland & sein feines Bier vom Army-Aufenthalt her, auch wenn das oft Jahrzehnte her ist. Alle schwärmen noch davon. Ob nun in Heidelberrrg, Nurnberrrg oder Mannheem Zwinkernd. Und dass man Deutsch … ähem … nun, eigentlich gar kein Wort mehr sprechen kann, kennen wir schon, aber „Nice“ und „Like Germany“ hört man immer wieder.

Reno wirkt nicht nur wie der ‚kleene’ Bruder von Vegas, es macht auch einen etwas abgelebteren und etwas provinzielleren Eindruck. Dafür wird man im August nicht bei lebendigem Leibe gegrillt. Einen Rundgang ist es immer mal wert. Wir sind nach wie vor nicht spielsüchtig und amüsieren uns eher über die schrägen Gestalten on the Road, die wundersamen „Angebote“ der Casinos und die skurrile Werbung der Glitzerstadt.

Eine ganz tolle Sache wäre das Konzert von Carlos Santana am 03.09. hier, aber es ist Inflation ausgebrochen und der geschätzte Künstler möchte gerne zwischen 179 und 369 $ Netto (kommt also noch Mehrwertsteuer drauf!) für ein Ticket haben, das heißt für uns heute mal ausnahmsweise verzichten. Fairerweise müssen wir dazu sagen, dass Santana hier mit fetten Orchester ‚Samba Patiert’, also die volle Blech & Edelholzdröhnung - auf die horchenden Löffel und tränenden Augen. Das ist ein großer Aufwand & sicher ganz großes Kino. Für den Langzeit-Abenteuerreisenden wie uns heißt das aber: Zu viele Greenbucks auf einen Haufen.

Wir haben ein neues, tolles Ziel: Natur und einen der schönsten und größten Wüstenseen des ganzen Nordwestens, der Pyramid Lake. Der See, dem eine steinerne Pyramide im Wasser seinen Namen gab, liegt in einem Indianer-Reservat der Paiute First Nation, man braucht also ein Besucher-Permit.

Das bekommt man auch problemlos im Visitor-Center/Police-Station des Paiute-Tribes. Die nette Squaw mit einer sagenhaft rauchigen Stimme (ein wirklich einmaliges Organ like Tina Turner) verkauft uns ein Camping-Permit für 15 $, sie könnte aber auch Marlboro – Radio – Werbung machen! Indianische Böller gibt es zum abwinken, denn am kommenden Sonntag ist Labour Day = Arbeiter-Feiertag und Grund, pyrotechnisch zu ballern!

Wir suchen uns einen schönen Platz und wenig später taucht doch glatt ein Fernreise-WoMo mit Schweizer Nummer auf und stellt sich auf den Nachbarplatz. Die Vagabunden-50 sind da! Wir kommen schnell ins Gespräch mit Corina und Wolfgang und verbringen 2 sehr interessante Tage hier mit den beiden Weltenbummlern, die von Südamerika hier rauf gedüst sind. Wir baden im etwas salzigen, aber erfrischenden See und bewundern später den einzigartigen Sternenhimmel hier, ohne Fremdlichteinfluss und mit glasklarer Sicht auf die Weiten der Milchstraße. So deutlich und spektakulär, wie es in Europas Mitte schon lange nicht mehr möglich ist. Frisch wird es auch hier und morgens gleich mal um die 3-4 Grad. Es gibt viel zu erzählen, Informationen und Tipps auszutauschen und wir werden zu Gegrillten eingeladen und trinken ein 1-2 Glass Wein zusammen. Die Zwei haben schön viel Platz in ihrer WoMo-Garage und könnten in ihren Stauraum locker einen halben Dino verstecken. So haben sie aber Platz für einen tollen Gasgrill. Sogar eine Klappleiter findet sich dort und damit können wir gleich mal den defekten Ventilator unseres Gas-Kühlschrankes erfolgreich auswechseln – jetzt brummt er wieder. Wir laufen nicht mehr Gefahr, dass sich die heiße Abluft des Kühlschrankes zu sehr staut und unsere Technik durchschmort. Man hat halt immer was zu basteln an Old Esmi.

Insgesamt eine tolle Begegnung mit dem Vagabunden-Team. Solche Zufälle sind selten und wir genießen es, mit den Beiden über unsere verschiedenen (und auch übereinstimmenden) Reise-Erfahrungen zu diskutieren. Dann fährt jeder wieder seine eigenen Wege und wir fahren nach Norden.

Dabei begegnen uns in Massen extrem staubige Autos, WoMo’s und Pickup’s – sie alle kommen vom größten Kunstevent, das die Wüste wohl seit längerer Zeit kennt: Das jährlich stattfindende „Burning Man Festival“ im unweiten Black Rock Desert! Wir kennen das schon von verrückten Fotos, Filmen und Reportagen (alles z.B. auf YouTube zu sehen – eigentlich sehr schwer mit den richtigen Worten zu beschreiben) und spielten eigentlich schon länger mit dem Gedanken, das mal mitzuerleben. Denn es ist absolut spektakulär!! Zumal es diesmal zeitlich so richtig gepasst hätte, wir hätten nur den Beginn verpasst. Eine Recherche (vorher) verriet dann aber schnell, dass das ultraschräge, aber auch furchtbar interessante Ereignis im Jahre 2016 schon 399 Dollar Eintritt pro Person kosten soll, plus Tax, plus Verpflegung, plus Shuttle (denn man muss mit allen Privatfahrzeugen außerhalb bleiben). Das ist uns erst mal zu fett und würde für uns beide dann vierstellig $$$$ verrückt werden. Wir begnügen uns momentan mit den wirklich tollen Bildern, die es davon gibt.

Wir passieren das staubige, ja Fata-Morgana ähnliche Wüstenkaff Winnemucca, tanken dort voll und überqueren bald die Grenze nach Oregon. Es bleibt hier im tiefsten östlichen Hinterland immer extrem trocken, höchste Brandwarnstufe. Überall knackig trockenes Steppengras, Sagebrush, Dornen, Yuccas, Sand und Stein. Auch ein Roadrunner darf’s mal sein.

Wir wollen zu einen der ganz besonderen Naturwunder Oregons. Es ist etwas abgelegen von den größeren Highways, aber ein geologischer wie farblicher Knaller par Excellance: das John Day Fossil Beds National Monument.

 

Es gibt drei Teile und das spektakulärste sind für uns die ‚Painted Hills’, die farbigen Hügel. Fast schon unreal schön und farbenfroh, wie sich durch Erosion und die erdgeschichtlich verschiedenen, zeitlichen Ablagerungen solche Naturspielplätze bilden konnten, wir staunen immer wieder. Und fragen uns zu Recht: Ist das denn echt? In der Abendsonne wirken die bunten Hügel schon fast unwirklich. Wir wandern, fotografieren und bewundern diese verrückte Natur.

Am Hauptquartier des John Day Fossil Beds National Monuments, am gewaltigen Sheep Rock, gibt es ein mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes Visitorcenter.

Wir treffen einen kanadischen Paläontologen bei der Wanderung zu den „Blue Basin“ genannten Canyon, der eigentlich eher eine grüne Färbung hat, als Blau. Vom Haupttal unten hat der Besucher keinen Schimmer, was einem dann auf dem Trail in die bunten Felsen erwartet. Wir sind immer wieder überrascht, wie unterschiedlich sich die Regionen hier zeigen, wie sehr die Szenerie sich manchmal auch auf relativ kurzer Distanz ändert. Ein Besuch der zum National Monument erkorenen Naturparks hat sich bisher immer gelohnt!

Was sonst noch passierte: Habt ihr schon mal was vom „gemeinen Schuhbaum“ gehört? Nee? – oder eher doch mal im Film? Wir finden so einen total verrückten und ganz gut behängten Schuhbaum hier am Highway 26 in den eher stillen Weiten Oregons. Das nennt man inoffiziell „Shoetossing“ und „Shoefitty“ und kommt trendtechnisch aus den USA, oder (da streiten sich die Forscher) aus Schottland.

Nevada vor ca. 120 Jahren: Ein verstrittenes Paar wollte sich trennen und der Ehemann ballerte die einzigen (ja so was gab’s mal) Schuhe der Dame auf den nächsten Baum rauf. Sie musste bleiben – und die beiden waren noch lange glücklich zusammen. Schöne Geschichte. Auch bei „Wag The Dog“ mit D. Hoffmann geht es um diesen Brauch und auch hier in Oregons Hinterland hängt der ganze Baum gut beschuht mit alten (und kaum benutzten) Tretern voll. Vielleicht ist Manitus auch dabei Zwinkernd.

Als kleinen Kontrast zu staubigen Landstraßen und Präriehasengras haben wir mal eine heiße Quelle auserkoren, in einer kleinen Schlucht. Eher schon nordöstlich liegt „Ritter Hot Springs“. Die Einheimischen haben schon mal was davon gehört…Wir erst in einem Besuchszentrum im Städtchen John Day. Die ältere Dame vor Ort sagt uns es ist gleich um die Ecke, 60 Meilen nur und dann in ein Seitental. Als wir ankommen lesen wir, dass das Bad seit Labour Day (also vor 3-4 Tagen) geschlossen sein soll.

Aber, Glück gehabt, eine Gruppe älterer Herrschaften will zur Kirchengründung in ihren, nur 50 Meilen entfernten Ort hier etwas feiern, privat, dazu baden und grillen – man hat die Erlaubnis des Besitzers (welcher gar nicht vor Ort ist)! Man lädt uns herzlich ein, das ca. 36-37 Grad warme Becken mit zu benutzen. Abends verschwindet dann die gesamte Gesellschaft und wir bleiben alleine hier zurück und können auch noch einen weiteren Tag schwimmen. Die ganze Anlage wirkt wie ein Abenteuerspielplatz oder ein alter Westerndrehort.

Es gibt Hängebrücken, Blockhütten, Camping, einen historischen Laden und ein altes, morsches Hotel, das eher in einen Stephen King-Streifen passen würde. Alles steht offen, niemand ist da und nur ab und zu lässt sich ein Auto sehen und verschwindet wieder. Überall liegen Handtücher rum, Schwimmkleidung, Kinderschwimmhilfen und alles wirkt wie plötzlich verlassen, wieder so ein eigenartiges Szenario. Ein Déjà-Vu von Road Movies mit diversen schrägen Gestalten, im Wind knarrenden Türen, alten Autos und mysteriösen Handlungsabläufen. Na, hier kommen einem die verrücktesten Gedanken…….

Ein Mitarbeiter bzw. Nachbar lässt dann das Wasser wieder ab, aber erst, als wir ihm sagen, dass wir auch weiterziehen müssen, sagenhaft! Uns gehen leider Proviant und Trinkwasser aus, aber hier gibt’s nur Wasser mit starkem Schwefelextrakt! Und so geht es frisch ‚gewässert’ in die äußerste Ecke des Bundesstaates, genauer ins Dreiländereck Oregon/Washington State/Idaho.

Auch hier kommt man auf einer Reise durch die großen Natur-Parks eher nicht hin. Etwas abseits vom brütend heißem Südwesten kann der erstaunte Reisende hier aber einige der größten, tiefsten und imposantesten Canyons von Nordamerika bewundern!

Wir haben uns eine besondere Strecke vorgenommen. Das Tal um den Joseph Canyon und den Gran Ronde River nennt sich „The Wallowas“. Man plant eine landschaftlich interessante Strecke und bald beginnt im äußersten Nordosten Oregons eine echt atemberaubende Piste für unser kleines WoMo. Die Straße windet sich in steilen Serpentinen von 4.900 ft runter auf nur noch 700 ft über Meereshöhe, um dann nach der Flussquerung sofort wieder in echt spitzen und verrückten Kurven auf das ca. 3.800 ft hohe Nordplateau aufzusteigen.

Eine straßenbautechnische Extremleistung, was hier in die knochentrockenen und teils sehr steilen Canyonwände gebaut, ja regelrecht gezaubert wurde. Nicht nur (vor allem) für Motorradfahrer eine Piste, die man nicht mehr so schnell vergisst. Damit ist man erst einmal im Südosten von Washington State angekommen.

Hat man das abgedrehte Örtchen Anatome passiert und das zugige Hochplateau hinter sich, tut sich der nächste, mächtige Abgrund auf:

Auf der ganzen Länge von Horizont zu Horizont bricht die Hochebene abermals in eine riesige Schlucht ab, die (in diesem Falle) der gewaltige Snake River gegraben hat.

Ein grünes Tal in dieser gelblich-grauen Prärie-Unendlichkeit und der Beginn des nächsten Bundesstaates – nach dieser Flussquerung kommt man nach Idaho. Die beiden Städte Clarkston & Lewiston sind mit vielen Industrieanlagen dekoriert (nun, die müssen ja irgendwo auch sein) aber auch mit kilometerlangen, sehr gepflegten Parks an Flussufer.

Der weitere Weg nach Norden führt – so wie man in diese große Schlucht ‚gefallen’ ist - als steile und abenteuerliche Strecke wieder raus und rauf ins Land der (fast) uferlosen weiten Kornfelder und Farmen. Immer wieder ändern sich Landschaftsform und Charakter auf manchmal recht kurzer Distanz. Das verrückte (für uns) hier in Idahos Süden ist, dass die gewaltigen Getreidefelder nicht - wie bei uns - flach sind, hier gibt es nur Beulen, Hügel, Krater und echt krumme Hänge, sicher ist das zum bearbeiten zusätzlich eine Herausforderung und sehr aufwändig. Seit wir Clarkston/Lewiston im Blick haben, sehen wir eine dicke Front im Norden und vermuten, dass uns heute noch ein Gewitter heimsuchen wird. Aber je näher wir kommen umso komischer wird die Sache. Irgendwann stellen wir fest, dass auch die Sonne einen „Schleier“ hat und so langsam merken wir, dass durch die vielen Getreidefelder, die derzeit abgeerntet werden, soviel Staub in der Luft hängt, dass man glauben könnte, es kommt ein Gewitter auf. Also wieder nix mit einer Dusche für unsere Esmi.

Dann kommt Moskau. Ja, warum eigentlich nicht? Nun, Moscow, Idaho ist eine (ganz normale) Farmerstadt mit ca. 24.000 Einwohnern und macht einen wenig spektakulären Eindruck, den roten Platz oder Kreml haben wir hier nicht gefunden…

Wir besuchen Spokane/WA und können beim Kaufen von kleineren Mengen Gewürzen sowie anderen Lebensmitteln eine Co-Op Filiale nutzen, die hier „Bulk-Ware“ anbietet. Bulk? Eine tolle Sache, denn da kann man sich von ‚allen möglichen’, was die kleine Küche braucht, einfach das Benötigte grammgenau in Behälter oder Tüten abfüllen. Auch teils Flüssigkeiten wie Öle, viele Reissorten, Cerealien, etc. gibt es und man bezahlt einen fairen Preis und ist nicht gezwungen, die Mega-Riesenpackungen der Großmärkte zu kaufen.

Mit den Autofriedhof-Impressionen aus dem Prärienest Sprague/ Washington möchten wir unseren ersten Bericht beenden und düsen schon mal weiter, es gibt noch so viel zu sehen!

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