Das Finale

Bullenhitze und ‚Coyotische’ Naturwunder - Utah 2

(unsere Reiseroute)

Das Capitol Reef in Utahs Norden ist ein Schatzkästchen für Felsenfreunde und liegt hoch, reichlich 2.000 Meter über der Meereshöhe und ist durch die tollen Kontraste der Bäume im Sommer, der roten Felsberge und dem (meist) blauen Himmel ein Ziel für Canyonfans, Wanderer und Fotografen.

Die über 160 Kilometer (!) lange Verwerfung, der „Waterpocket Foult“, ist eine Anhebung des damaligen Meeresbodens. Die golden leuchtenden bis tiefroten Türme, Wände, Zinnen und tief eingefrästen Schluchten ziehen uns zum wiederholten Male an. Vor 2 Jahren war der „Grand Wash“ gesperrt, eben wegen seiner Funktion als natürlicher Wasserkanal. Regnet oder gewittert es in den umliegenden Bergen, kann es (wie bei Slotcanyons) vorkommen, dass sich die Wasser- und Schlammmassen den Weg durch diese tiefe, teils enge Schlucht suchen. Alles was im Wege steht wird mitgerissen und der Canyon wird nach solchen Naturereignissen erst einmal gesperrt.

Aktuell ist bis jetzt alles trocken gewesen und wir können ein Stück mit Esmeralda zwischen die immer enger werdenden Felswände tuckern. Wir stellen das Fahrzeug am Parkplatz ab und wandern einige Kilometer tief durch dieses verrückte Schluchtensystem. Die Hitze ist extrem, die Ein- und Ausblicke auch. Überall hat das Wasser im weichen Sandstein Höhlen, Durchlässe, Kammern oder Verwirbelungen gegraben. Man entdeckt unterwegs vieles Sehenswerte und man kann gar nicht genug bekommen von dieser grandiosen Landschaft - wenn nicht die höllischen Temperaturen wären und wir uns wie in einem riesigen (Stein-) Pizzaofen vorkommen.

Man sollte sich hier nicht ohne ausreichend Wasser bewegen. Diesmal sind aber einige kleinere Gruppen von Wanderern unterwegs und wir sind nicht alleine. Manche Leute sind gekleidet wie Strandurlauber, einfach verrückt, wie ziehen Wanderschuhe den unpassenden Flipflops vor, auch wenn es heiß ist, denn mit den hiesigen Bewohnern, diversen Reptilienarten, ist auch nicht zu spaßen. Nach einigen Kilometern durch das brütend heiße Tal sind wir Fix & Foxy und kommen uns vor wir ausgedörrte Rosinen auf einer Herdplatte, trotzdem war es wieder ein Erlebnis auf und am Felsenriff in Utahs Naturmärchenlandschaften. Auch wenn der Weg zum Capitol Reef einen ‚Umweg’ von den Canyons des Südwestens bedeutet, wir können den Park nur ‚wärmstens’ empfehlen. Es ist am Wochenende in der Saison aber auch hier schon ziemlich voll.

Jetzt unser Tipp für eine ganz besonders sehenswerte Piste, die (eigenartigerweise) wenig befahren wird und noch ein Tipp für Entdecker abseits der ‚ganz großen’ Routen ist, wenn man also im nördlichen Utah ein bis 2 Tage Zeit hat: Eine Tagesreise weiter südlich des Capitol Reef National Parks gibt es im kleinen Örtchen Boulder den Startpunkt für eine der spektakulärsten Scenic Highways im Canyonwesten, den Burr Trail.

Die zu 60% asphaltierte Panoramastraße führt durch das Grand Staircase Escalante National Monument (GSENM - was für ein ‚Viech’ von Wortschöpfung Zwinkernd).

Ihr Mittelteil führt als abenteuerliche Schotterstrecke durch einen abgelegenen, südlichen Teil des Capitol Reef, überwindet eine Riesenschlucht und geht als letzten Teil (wieder befestigt) dann zum einsamen Nordufer des Lake Powell. Der Schotter-Mittelteil ist bei schlechten, nassen Wetter nicht zu empfehlen, weil dies durch Felsabstürze und mögliche Straßenabbrüche sehr gefährlich ist. Die Parkranger warnen immer wieder, vor allem nicht mit tiefliegenden ‚Normal-Straßenautos’ dort zu fahren.

Wir nehmen uns zwei Tage Zeit und übernachten auch in dieser herrlich ruhigen Wüsten-Wildnis. Der Weg von Boulder geht erst durch sehenswerte versteinerte Dünen und es sieht hier aus wie am oberen Zion Canyon. Der Fels ist nicht feuerrot oder Ocker wie dort, sondern eher honiggelb mit weißen Streifen, die Muster der Erosion sind wieder mal unglaublich schön. Dann der unbestrittene Höhepunkt des Nordteils vom Burr-Trail: Man fährt in engen, steile Kurven in den ‚Long Canyon’ ein und man hat hier eine über 10 Kilometer (!) lange Traumstraße in einen langen, engen, ansteigenden Canyon ‚gezaubert’ – anders kann man es kaum ausdrücken. Diese Schlucht macht ihren Namen alle Ehre. Überall gewaltige Felsentürme und Naturbögen in verschiedenen Erosionsstufen, teils mit Spannweiten von 20-25 Metern.

Ist der staunende Reisende dann am anderen Ende dieser Schlucht angekommen, geht die Piste des Burr Trail eine große Steinstufe runter und führt über 15 Kilometer durch eine halbwüstenartige Ebene, die fast alle (hier möglichen) Schattierungen der Utah-Farbskala bietet. Auch hier also ein kleines „Painted Desert“ und Paradies für Fotofreunde. Die Nächte hier, abgelegen in der Wildnis, gehören zu den Höhepunkten unserer Reise. Die Ruhe und ungestörte Sicht auf den Nachthimmel sind unvergesslich schön.

Mit der schweren Kabine trauen wir uns nicht auf den schwierigen Mittelteil der Strecke, aber das kann man ja mal mit einem Solo-Pickup nachholen. Der Südteil des Burr Trail ist sicher auch eine Erkundung - uns aber keinen Achsschaden am gewichtstechnisch komplett ausgereizten Pickupcamper wert. So haben wir mit Esmeralda halt auch unsere selbst auferlegten Grenzen, an die wir bald bei einer der nächsten Aktionen gehen sollten.

Aber zunächst genießen wir die weiten Felsenlandschaften des nördlichen GSENM, aber auf die berüchtigte „Hole-In-The-Rock“ Road müssen wir schweren Herzens verzichten. Die krasse Waschbrettpiste zerrumpelt Esmi’s Fahrwerk derartig krachend, dass wir befürchten müssen, nach 40-60 Meilen dieses Waschbretts alle Schrauben und Federn einzeln dort zu verteilen. Ein Versuch von ca. 15 Minuten auf dieser Riesen-Rüttelplattform lässt uns dieses Mal traurig umkehren.

Wir steuern zum Örtchen Escalante und zu einem dort gelegenen, kleineren Naturjuwel, dem ‚Kodachrome Basin State Park’. Diese State Parks gehören zu einem eigenen, regional verwalteten System von Naturparks und gehören nicht zu den Nationalparks. Für den kleinen Obolus von 6 Dollar pro Fahrzeug darf man den gepflegten Park mit seinen außergewöhnlichen Felsen erkunden.

Wieder ein neuer Abenteuerspielplatz nach unseren Geschmack. Der Name des Parks kommt von einem Vorschlag der National Geografic Society, eventuell gemessen an den großen Mengen oder Metern Film, die hier ‚verbraucht’ wurden - früher, in noch „Vor-Digitalen“ Zeiten. Der Name „Speicherchipnaturpark“ würde wohl etwas dämlich klingen Zwinkernd. So ist der ‚alte’ Name natürlich offiziell ‚abgesegnet’ vom großem Filmhersteller, der den Namen mal hierfür ausgeliehen hat.

Die Kamera steht aber auch heute kaum still, zu verrückt sind die schlanken Steinsäulen, sogenannte „Sandröhren“, die wie die Finger von (eingegrabenen?) Giganten in den Himmel von Utah zeigen. Auf relativ kleinen, für amerikanische Verhältnisse schon fast winzigen Territorium erstreckt sich dieser schön zu erwandernde Park im Norden des GSENM. Ein eigenes kleines, geologisches Wunderland voller versteckter ‚schräger’ (und auch gerader) Fels-Figuren. Nicht zu überlaufen, etwas abgelegen, ruhig, sehr sympathisch und fast übersichtlich, diese Kreationen in roten Sandstein.

Von hier ‚oben’ ist es dann gar nicht mehr weit zu einen der ganz großen Höhepunkte des Südwestens, dem sagenhaften „Bryce Canyon National Park“. Einen der höchstgelegenen Nationalparks überhaupt. Bei der Anfahrt von Norden her sieht man in der untergehenden Abendsonne schon von weitem die tausenden, leuchtenden Zinnen und Türme des Parks. Der Bryce ist natürlich so bekannt wie überlaufen zu dieser Zeit und wir müssen erst einmal eine fette Regenfront mit 1-2 Tagen Dauerdusche im Dixie National Forest aussitzen.

Die dann verbleibenden Wolken und der Dunst in über 9.000 Ft. Meereshöhe erschafft dieses Mal ein ganz spezielles Licht, wie wir es so auch noch nie hier gesehen haben. Die Reaktionen der vielen Besucher schwanken zwischen Begeisterung bei (gelegentlichen) Sonnenstrahlen und fotobegeisterter Enttäuschung mangels gutem Licht. In fast 3.000 Meter liegt dieses Hochplateau mit der tausendköpfigen „Terrakotta-Armee“ aus natürlichen Sandsteinfiguren, die wirklich ihresgleichen suchen.

Wir hören im August hier momentan so viel touristisches deutsch, dass man wirklich bald denken könnte, der Park liegt in Old Germany und/oder man hätte die Sandstein-Felsentürme der Sächsischen Schweiz rot bis golden übermalt. Den Rest der vielen tausend Besucher machen 30 % Asiaten aus, die mit meterlangen Fotogestellen massenweise ‚Selfies’ produzieren und einige Einheimische. Alle staunen gemeinsam über dieses einmalige Erosionswunder. Sicher ist er einer der schönsten Parks überhaupt, aber zu dieser Zeit leider vollkommen überlaufen, trotz massiver Eintrittspreisanhebung auf immerhin schon 30 Dollar für ein Fahrzeug.

Die wenigen Parkplätze sind so überfüllt, dass die Park-Ranger die ständig kreiselnden Fahrzeuge mit Nachdruck wegschicken müssen, später sogar die Zufahrten sperren, es geht nix mehr. Ein ähnliches Problem wie zu ‚Spitzenzeiten’ im kalifornischen Yosemite National Park oder im Zion Park, wo schon Shuttlebusse eingesetzt werden und Teile des Parks für Privatfahrzeuge gesperrt worden sind. Die Tendenz besteht hier auch, so bekannt und berühmt, wie der Bryce Canyon mittlerweile geworden ist. Es hat sich schon gewaltig was verändert seit unseren ersten Besuch hier, vor 24 Jahren! Eine Generation später und die Besucherzahl der bekanntesten Highlights haben sich vervielfacht. Ähnlich schöne, noch weitestgehend unbekannte Orte gibt es aber noch reichlich und dort ist nach wie vor der Kojote begraben, kaum Leute unterwegs, Stille…

Nicht ganz so überlaufen ist der schöne, kleinere Red Canyon Park, den man auf dem Wege vom und zum Bryce Canyon durchquert. Auch hier gibt es schöne Wanderwege, ähnliche Felsformationen wie weiter nördlich, alles ist 1-2 Nummern kleiner, aber auch sehr sehenswert.

Er liegt an der Fernstraße Nr. 12 und auf Grund ihrer außergewöhnlichen, landschaftlichen Lage und Strecke auch „Scenic Byway 12“ genannt. Auch hier gibt es jetzt ein kleines Besucherzentrum, speziell für den roten Canyon mit vielen Informationen, geologischen und biologischen Bilddokumentationen für die umgebende Flora & Fauna.

Auf dem Wege nach Süden entdecken wir die relativ neu eröffnete, deutsche Bäckerei ‚Forscher’ und kaufen uns ein Pfund herrliches Roggen-Sauerteigbrot. Eine Wohltat nach vielen Weich- & Wabbelbrotsorten im Lande des unbegrenzten Toastbrotes. Der Brotlaib schmeckt perfekt „wie zu Hause“, aber diese Begeisterung versteht eh’ nur jemand, der mal Monate- oder Jahrelang außerhalb des ‚mitteleuropäischen Brotkorbs’ unterwegs war und wenn man in Amerika etwas an Lebensmitteln vermisst, dann sind es zuallererst unsere heimischen Backwaren.

Wir planen in Kanab, Utah, unsere nächsten (und auch letzten), größeren Naturunternehmungen und kommen zur Verlosung von (Eintritts-) – Permits zur berüchtigten Felsen - Wave (Welle) leider etwas zu spät. Die Chancen sind aber auch wieder nur ca. 200 zu 5 oder 6, um eines der begehrten Permits zu bekommen.

ABER: Der Insider weiß, dass es alternativ zum „Wave“ – Felsen eine weitere, äußerst spektakuläre, wilde, schwer zu erreichende Gegend am Paria-Plateau gibt, die ebenfalls mit 20 Besuchs-Permits täglich streng limitiert ist. Auch diese Permits werden im BLM-Zentrum in Kanab vergeben und dadurch, dass die Coyote Butte South (noch) nicht so bekannt ist, hatten wir auf Grund der deutlich geringeren Nachfrage Glück und konnten für 2 Tage die blauen Erlaubnisscheine für 5 Dollar pro Tag und Person ergattern. Yes!!! Dass es diese ‚so einfach’ gibt (nach der Wave-Verlosung) liegt auch daran, dass die Zufahrt zur Coyote Butte South (CBS) – welche eh’ schon äußerst schwierig ist – noch widriger geworden ist. Nun muss man von Kanab aus auch noch einen riesigen Umweg fahren. Vom viel kürzeren Nordzugang der „House Rock Road“ wird wegen extremer und kaum befahrbarer Piste dringend abgeraten und wir haben nun mal keinen Panzer… Der Südzugang zum Paria-Plateau kostet uns und alle Interessenten von Kanab aus ca. 75 Meilen Umweg.

Nun, aber es ist eine ‚neue’ Strecke, (siehe unsere Streckenkarte) und geht gleich mal auf 2.500 Höhenmetern über einen Pass, der schon zum nördlichen Grand Canyon Hochplateau gehört. Nach dem kleinem Nestchen Fredonia, das gleich neben dem Kaibab Indian Reservat liegt, geht die sehenswerte Strecke wieder zwischen riesigen roten Tafelbergen durch und biegt dann von der Route in Richtung Page/Arizona links ab. Bei einem Gehöft geht dann die Schotterstraße, die so genannte „House Rock Road“ ab und steigt ständig ins Gelände der Paria Wilderness an.

Die weiteren, zum CBS gehenden Wege werden immer schlechter und abenteuerlicher. Wir sind wild entschlossen, diesen Platz (unbedingt!) zu erreichen, den Ausgangspunkt zur ‚Coyotenbutte’, der sich „Cottonwood Cove“ nennt. Wir haben einen Plan der BLM-Leute (Bureau Of Land Management) und ‚tasten’ uns mit Esmeralda im wahrsten Sinne des Wortes durch schwammige Tiefsandpisten, Riesenwasserlöcher, Schlamm und am schlimmsten: scharfkantige Felsenstufen, die zu überwinden sind und uns mehrfach zwingen, an das Limit des maximal beladenen Fahrzeuges zu gehen. Ohne der Kabine wäre alles kein Problem, der 4-Wheel-Antrieb schafft das hervorragend, aber die über 1.000 kg schwere Kabine zieht den Pickup nach unten und hinten. Beim vorsichtigen Herauffahren auf die Felsenhindernisse riskieren wir beim Abrutschen einen Achsbruch, Reifenschaden oder Federbruch.

Wir sind so vorsichtig, das wir oft nur im Schritttempo vorwärtskommen und brauchen 2-3 Stunden für die anstrengenden, restlichen, letzten 20 Kilometer durch diese verrückte Canyonwildnis. Ein Ab- oder Rausschleppen würde uns hier bis zu einer vierstelligen Dollar-Summe kosten. Wir sagen uns nachher, dass wir etwas –zu verrückt waren – aber wir haben es ohne ‚Bruch’ geschafft, dafür mit mehr grauen Haaren (ja das geht noch Lachend). Wir mussten mehrfach Sand oder Erde an die scharfen Felsstufen schaufeln, damit wir ohne Fahrwerks-Schaden rauf- und darüber kommen und wir waren mehrfach in Gedanken schon am Umkehren.

Am Nachmittag haben wir es endlich geschafft und sind am „Cottonwood Cove“. Puh! Sicher, klar hat es Vorteile, dass man nicht mal ‚so einfach’ hier her düsen kann, man braucht schon mindestens einen Jeep mit 4WD und Bodenfreiheit. Touren werden von den umliegenden Orten angeboten, die Preise sind allerdings sehr gesalzen. Diese einmalige Gegend gehört aber einfach geschützt, zu außergewöhnlich und einmalig hat die Natur hier viele Erosionswunder geschaffen, die zu den phantastischsten gehören, was wir je weltweit gesehen haben.

Wirkliche Vergleiche zu den eigenartigen Sandsteinformationen auf den Coyote Butte Plateau gibt es eigentlich kaum oder gar nicht. Wer diese Landschaften mag und von diesen Farben und Figuren begeistert ist, der erlebt hier eine Achterbahnfahrt der kreativsten Felsennatur weltweit. Wir machen insgesamt 3 längere Touren durch diese einzigartigen Berge, Plateaus, Felsenkegel, Türme und diese ausgewaschenen und polierten, sandgestrahlten, weichen, fast fließenden Steine. Die je nach Lichteinfall in allen roten und gelben Farben leuchtenden, filigranen und teils äußerst zerbrechlichen Steinschichten wirken durch ihre Maserung teils sogar wie rosiges Muskelfleisch eines gigantischen Organismus. Die helleren Streifen der wellenartigen Muster im Stein sehen abends aus wie die natürlichen Fettschichten dazwischen.

Feine, rote bis violette, hauchdünne Felsplättchen stehen oft in Bodennähe waagrecht ab. Man muss schon sehr vorsichtig sein, will man diese natürlichen, zigtausende Jahre alten Natur-Kreationen nicht beschädigen oder zerstören. Man muss ja oft auch mal etwas rumklettern, ständig geht es 100-200 Meter rauf und wieder runter. Das alles bei 35-39 Grad im kaum vorhandenen Schatten. Nach dem Mittag müssen wir erst mal in den Schutz unseres Fahrzeuges ‚flüchten’ und auch Wasser nachtanken, ziehen aber abends noch einmal los.

Ohnehin sind dann die Farben am spektakulärsten, die Schatten länger und die Kontraste für alle Fotoverrückten am besten. Jeder, der einmal hier her kommt und gerne Natur fotografiert, sollte reichlich Speicherkarten mitnehmen, die Kamera läuft heiß - und kriechend, kauernd und liegend versucht man wie im Rausch, die besten Motive einzufangen.

Etwas abseits von den steinernen „Bienenkörben“, den ‚Cottonwood Teepees’ im Zentrum der Coyote-Butte liegt ein anderes, sehr interessantes Gebiet östlich des Parkplatzes: Die „Queen“ genannten Felsformationen um einen schlanken, skurril-filigranen Turm, der schon fast unwirklich der Gravitation trotzt, obwohl er so eigentlich gar nicht mehr aufrecht stehen sollte/könnte. Auch um diese „Queen“ drum herum finde ich (Tom) am zweiten Abend unseres CBS-Besuches die wildest-verrücktesten Stein-Formen, so auch weiter oben einen unwirklichen „Versammlungsplatz“ der Götzen, um den die merkwürdigsten Felsfiguren gruppiert sind, wie bei einem alten, indianischen Stammestreff. Man sieht eine versteinerte, historische Beratungsszene, natürlich etwas Phantasie vorausgesetzt. Ich bin hier oben, total abgelegen, völlig allein mit dem Wind und dieser grandiosen, aus allen ‚normalen’ Rahmen gefallene Natur und mache begeistert Fotos bis die Sonne untergeht.

Die Ausfahrt am übernächsten Tag wird noch einmal schwierig genug und auf dem Gelände einer alten, verlassenen Farm brauchen wir wieder eine halbe Stunde für 30 Meter Weg und mehrere Felsstufen, die man nicht umfahren kann. Das Terrain ist heftig bis zurück zur ‚House Rock Road’ (die wiederum zurück in die Zivilisation führt), ist noch 20 km lang mit viel „Stolpersteinen“ angelegt. Als wir alle Hindernisse geschafft haben, machen wir symbolische drei Kreuze in den roten Sand!

Auf dem letzten Teil der Strecke können wir noch registrieren, dass man hier in dieser, doch recht abgelegenen Gegend einige kalifornische Kondore ausgewildert hat. Diese Art ist fast so groß wie ihre südamerikanischen Verwandten und hat eine Flügelspanne von sagenhaften 2,9 Metern!

Auf dem Wege nach Page und (noch einmal) zum Lake Powell machen wir Station am Marble Canyon, dem gleichnamigen Ort und der dort ansässigen indianischen Siedlung. Die Navajos verkaufen dort Handarbeiten oder Kunstgewerbe und zeigen uns auch das ‚Innenleben’ ihrer Steinhütten, die durch geschickte Lüftung die extreme Sommerhitze relativ gut mildern können. Trotz aller spartanischen Einfachheit eine clevere wie uralte Lösung für dieses heftige Klima.

Wir überqueren an der doppelten „Navajo Bridge“ den ‚tiefer gelegten’ Colorado, der nach dem Lake Powell und dem gewaltigen Glen Canyon Dam eine tiefe Schlucht gegraben hat - eben den zig’ Meilen langen ‚Marble Canyon - der dann den Colorado auf seinen weiteren Weg zum Grand Canyon beherbergt. Überall hier am Colorado Plateau trifft man ein Gewirr von verzweigten Schluchten und tiefen Abstürzen. Wer hier bei Nacht mit seinem Gaul verträumt durch die Prärie reiten würde, stürzt mit ziemlicher Sicherheit in einen der Canyons, es wäre also keine so gute Idee.

Am Lake Powell wollen wir noch ein Weilchen bleiben und es gibt einen Riesencampingplatz in einem nationalen Erholungsgebiet, sozusagen das ganze Ufer ist dort mit Wohnmobilen bevölkert. Und zur jetzigen Urlaubszeit treffen wir ganz viele deutsche Landsleute mit gemieteten Womos’, man hört auch viel Französisch oder sogar Spanisch um diese Zeit. Was uns alle aber bald vertreibt ist der glühend heiße Wüstenwind, der hier wie ein ‚auf Anschlag Maximal’ eingestellter Friseurföhn hereinweht und uns alle mitsamt der Fahrzeuge regelrecht grillt. Bei 40 bis 42 Grad im nicht vorhandenen Schatten geht das Thermometer nachts kaum unter 30 Grad runter und an Schlaf ist fast nicht zu denken. Tags sind es über 50 Grad in der Sonne. Alles heizt sich so auf, dass sich auch unser kleiner, gasbetriebener Kühlschrank verabschiedet.

Später treffen wir in einem Hotel in St. George, Utah, einige amerikanische Wohnmobilfreunde, die ihrerseits auch vor dieser Hitzewelle in feste Gebäude flüchten. Wir alle haben nach über 3 Monaten zwischen 32 und 42 Grad genug. Der heiße Sommer hat sich auch in Nordamerika bis weit hoch nach Kanada breit gemacht.

Die Krönung trifft uns dann in Las Vegas, wo ja unser Flug nach Hause abgeht. Die letzten Tage bis dahin räumen wir unsere Esmi (teils) aus, treffen alle ‚Konservierungsmaßnahmen’ für die Reiseschildkröte und bringen das gute Stück in einen etwas abgelegenen, bewachten und eingezäumten Lagerplatz in Nevada zur „Überwinterung“. Das Gute (für das Fahrzeug) in diesem Klima ist die Trockenheit (negativerweise aber das Sandstrahlen bei Sturm auch inbegriffen). Wir lassen uns die folgenden Optionen für die Zukunft etwas offen, eine Rückverschiffung nach Europa wäre 4-5 mal so teuer als eine Jahresmiete im dortigen Storage.

So können wir in den letzten, uns verbleibenden Tagen unseres längsten und umfangreichsten Reiseprojektes noch einmal einiges Revue passieren lassen: 704 Tage und über 80.000 Kilometer waren wir bisher bei dieser Tour auf dem riesigen amerikanischen Kontinent unterwegs. Zwischen Nova Scotia in Ostkanada bis zum Pazifik im Westen, von Alaskas Gletschern bis zum Panamakanal.

Auf der Küsten- sowie Inlandroute sind wir die schwierigsten und teils schlechtesten „Straßen“ gefahren, die wir je erleben durften, aber auch Traumpisten. Wir wurden in Mexiko mehr von Militär und leider extrem korrupter ‚Polizei’ gefilzt als anderswo in vielen Jahren zusammengenommen. Die positiven Überraschungen, Eindrücke und Erlebnisse allgemein überwiegen bei weitem den manchmal anstrengenden (oder weniger schönen Augenblicken) in manchen Ländern Mittelamerikas, z.B. die Republik Guatemala, hat uns – bei allen trotzdem bestehenden, sozialen und wirtschaftlichen Problemen – eher zum Guten überrascht.

Costa Rica hat unsere Hoffnung in einen sympathischen und für regionale Verhältnisse stabilen und relativ sicheren Staat mit viel wunderbarer Natur erfüllt, freundliche und neugierige Menschen einbegriffen. Die sehr abwechslungsreiche Natur, besonders im Westen und Südwesten Nordamerikas und die (fast) unendlichen Weiten Kanadas und Alaskas werden wir genau so wenig vergessen können wie den bürokratischen Irrsinn der Grenzübertritte in Mittelamerika.

Wir sind dankbar und froh, dieses gewaltig große Reiseprojekt ohne größeren Problemen gemeistert zu haben und bedanken uns an dieser Stelle auch bei unseren Familien, vielen Freunden und Bekannten zu Hause und unterwegs für das visuelle „Verfolgen“ unserer Homepage, erfreulich viele Besuche bei travelonmusic.de und auch die Hilfe beim Verschicken von Ersatzteilen. Danke für die vielen ‚unbezahlbaren Tipps’ von vielen anderen Weltenbummlern unterwegs, den wertvollen, aktuellen Fakten dutzender Webseiten oder Blogs - von aktuellen Reisenden oder bereits Gereisten. Macht so weiter! Danke den vielen dokumentierten Erfahrungen und hilfreichen Problembewältigungen, Erlebnissen oder tollen Beschreibungen und Fotos der vielen gleichgesinnten Reisenden aus Europa, Asien oder Amerika, Danke für die tolle Gastfreundschaft unterwegs und zu Hause in Sachsen UND zu Hause in Bayern!! Bleibt alle dran, wir melden uns wieder!

Erhalten wir uns das positive an dieser einzigartigen Welt. Es gibt so viel zu entdecken!

Heidi & Tom

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