STEPPE & PRÄRIE

Von North & South Dakota nach Nebraska

(unsere Reiseroute)

Hier, fast im geografischen Zentrum von Nordamerika sind die meisten Grenzlinien wie mit dem Lineal gezogen, und auch die Straßenführungen rechtwinklig und schnurgerade, letzteres aber nur auf der Karte. Man muss schon einige Rinder samt Gatter oder auch Plateaus umfahren.

Die kleine US-Grenzstation vom kanadischen Saskatchewan nach North Dakota macht einen verschlafenen, einsamen Eindruck. Wir sind die einzigen Kunden - aber es geht sehr unproblematisch über die Linie nach Süden. Wir werden nur 10 Minuten kurz ausgefragt, das Visa gecheckt, alles ok, null Problemo! Diverse Großschnapsladungen, Biercontainer, Weinfässer, frische Schweinehälften, Zitrusfrüchte, Bomben, Mörser, Granaten oder Sprengstoff haben wir nicht dabei, also können wir ohne lange Kontrollen passieren. Ob das am 4. Juli liegt, glauben wir nicht, aber rein zufällig sind wir das erste Mal am ‚Independence Day’ hier im Lande. Back in the USA.

Die Landschaft wird wieder grüner, hügliger und ist nicht mehr ganz so schrecklich eintönig wie weiter nördlich und was uns sofort auffällt: Überall wippen und nicken Ölförderanlagen. Alles, wirklich alles, ist voll von Öl-Förder-Equipment und Türmen, Bungalow- und Mobilehome-Städte, und aller 1-2 Meilen findet man Pumpensysteme.

Es wird hier großräumig Fracking betrieben, so dass sich die Ölsardine verbiegt, die Murmeltiere in ihren Bau einen Grande Tinnitus bekommen und das Grundwasser eine völlig neue Würze erfährt. Es sieht fast aus wie in Texas an der Golfküste, so viele Ölanlagen gibt es hier im nördlichen Dakota 2015. Die Ortschaften wirken so neu hinkonzipiert, schnell aufgebaut, wie es eben ein Boom, ein (Schwarz-) – Goldrausch mit sich bringt. Vieles wirkt noch halbfertig, auf den Parkplätzen der blitzneuen Läden und Supermärkte sieht man Pickups, Trucks und Firmenfahrzeuge fast aller (auch sehr weit entfernten) Bundesstaaten. Hier sind blitzartig zig-tausende Arbeitsplätze entstanden!

Und überall drumrum stehen die typischen transportablen Holzhäuser für die Ölarbeiter und es gibt hunderte RV-Parks für die eisenbahngroßen Wohnmobile aller Arten und Typen, jedes Alters. Die klassischen silbernen Zigarren der „Airstreams“ sieht man genauso wie die topmodernen, mehrfach seitlich ausfahrbaren mobilen Monsterwohnburgen. Die fahrenden Gigantomanievillas mit 2-3 Achsen, Zwillingsreifen, 2-3 Eingangstüren, angehängten Extraautos, Innenkleingaragen – und Ausstattungen wie ein kleines Einfamilienhaus und auch zu solchen Preisen, wie wir erfahren. Man kann ‚schnell mal’ 200.000-300.000 grüne Scheine bis locker ‚eine Mille’ Dollar für diese fahrenden Kegelbahnen ausgeben. Manche sind größer als Linienbusse und haben noch acht Meter lange Anhänger dran, das ist Mobilität auf Amerikanisch. Manche RV-Händler haben tatsächlich hunderte (!!!) solcher Riesenburgen auf ihren Verkaufsplätzen stehen. Was für Werte! In North Dakota gibt es daraus regelrechte Arbeitersiedlungen, die sich um die neuen Orte und über die umliegenden Hügel ziehen. Das Land ist plötzlich ein Ölboom-Country geworden. Wir fragen uns, warum (Ökologisch!) hier das Fracking in so großen Aufwand betrieben wird, wenn es längst andere Alternativen zum Erdöl gibt, das macht schon sehr nachdenklich (Man muss ja im großen Umfang Flüssig-Chemikalien in den Boden pumpen/drücken, um das Öl in seinen weitverzweigten Sandlagerstätten an die Oberfläche zu pressen…)! Klar, es geht rein geschäftlich wieder um schnelles Geld.

Uns aber interessiert in North Dakota vor allem ein großer Nationalpark, der hier in zwei separaten Teilen eine eher gebirgige Prärieregion beherbergt: Der Theodore Roosevelt National Park. Er liegt in den zentralen Great Plains etwas abgelegen von den touristisch großen Attraktionen des Canyon-Westens und ist deshalb auch lange nicht so stark frequentiert wie die Berühmtheiten Zion & Yosemite. So waren wir auch noch nie in dieser Ecke und freuen uns auf landschaftliche Abwechslung nach zweittausend Kilometern brettflacher Weizenlandsiloanlagenkuhweideneinöde.

Auf zu Bisons, Kojoten und tausenden von Präriehunden! Unser Park-Jahrespass hat uns jetzt schon große Dienste geleistet und die 80 Dollar dafür haben wir mehrfach rein, denn alle Parks haben ihre Einzel-Eintrittspreise auch in den letzten Jahren gewaltig angehoben, eher verdoppelt. Die großen Nationalparks kosten alle 20 Bucks für ein Fahrzeug.

Beide Teile des Roosevelt Parks sind sehenswert und wir machen im ersten eine schöne Badlands-Wanderung zu einer richtigen, großen Präriehundestadt – es gibt hier mehrere davon und jede ‚Town’ beherbergt ca. 100 der putzig-pelzig-possierlichen Nagetierchen. Die Präriedogs sind ja für ihre ‚soziale Ader’ bekannt und wuseln, wresteln (untereinander) und weiden das Präriegras ab. Es sind herrliche Fotomotive, wenn man mal etwas ruhig zwischen ihren Burgen, Röhrensiedlungen und Mehrraumtunneletablissements Platz nimmt. Ein natürliches Schauspiel der nobleren Nagerklasse nordamerikanischer Natur.

Und es gibt eine Bisonherde im Park. Die gewaltigen Viecher sind imposant und urtümlich, glücklicherweise hat Buffalo Bill damals nicht alle abgeknallt, durchgeknallt war er ja genug. Jetzt gibt es zwischen Yellowstone und den Prärien in Montana oder Wyoming wieder Tausende der zornig-zotteligen, zauseligen Grasfresser mit dem Gesichtsausdruck: „Komm mir ja nicht zu nahe!“ Und sie schieben sich schniefend und tiefton-grunzend an unserer Esmeralda vorbei, wenn sie in Gruppen (mit einigen Jungtieren) die Straße überqueren. Wir haben hier zwar keinen ‚Jurassic Park’ mit geklonten Sauriern, aber diese Bisons sind schon respekteinflößende Muskelberge.

Der National Park am Little Missouri River ist was für Naturfreunde und bringt einiges an Überraschungen. Das als trinkbar deklarierte Wasser am Picknickplatz sieht ölig und gelb aus, wir verzichten daher auf intensive Selbstbetankung.

Am südlichen Teil des Parks liegt das Touristenstädtchen Medora - im typischen Westernstil - es gibt viele Souvenirläden und Motels. Als Begrüßung am Visitorcenter des Parkteils begegnet uns und die anderen Besucher ein riesiger Büffelbulle auf dem Parkplatz. Eine Rangerin muss aufpassen, dass dem Koloss kein naives, streichelsüchtiges, aber lebensmüdes, weil ahnungsloses Greenhorn auf den braunen Pelz rückt – Verrückte gibt es immer wieder. Der fast tonnenschwere, pelzige Bursche würde vermutlich jedes unvorsichtige menschliche Dummy einige Stockwerke durch die Luft befördern und das ganz ohne Flug-Ticket.

Ein ganz anderes Ziel im Staate ND liegt südwestlich des Roosevelt Parks, es ist sozusagen „auf der Strecke“ erreichbar: Der „Enchanted Highway“ präsentiert als echt skurriles Straßenkunstwerk: Übergroße Metallfiguren-Installationen entlang der ca. 25 km langen Piste.

Örtliche Künstler und Spender haben in den letzten 15 Jahren ein knappes Dutzende riesige Figuren (meist Tiere) geschaffen – monumentale Heuschrecken, Vögel oder Fische, einige Tonnen Stahl und Alu wurden in typischer, außergewöhnlicher, amerikanischer ‚Streetart’ hier hingepfropft! Mit passenden Erklärungstafeln, kleinen Parkplätzen stehen diese teils wirklich schrägen Verrücktheiten in der unendlich weiten, jetzt grünen Prärie zwischen Bauernhöfen und bebauten Feldern, glänzenden Silotürmen und knatternden Traktoren. Ein Danke mal dem ADAC für diesen Tipp und der Weg-Beschreibung.

Irgendwann, viele grüne Horizonte weiter, kurven wir, wie von selbst über die Grenze nach South Dakota. Auch hier wird überall Öl aus dem Boden gesaugt, dass einem schwindelig wird. Es donnern rund um die Uhr Tanklaster aus der Prärie zu diversen Abnehmern. Wir bekommen das von einigen Rast- oder Schlafstellen hautnah mit.

Dann geht es weiter nach Süden in die Black Hills um Rapid City- Hier gibt es einiges zu sehen und die Szenerie wechselt von Brettflachen Feldern zu einem schönen, imposanten Felsengebirge. Ein erster Abstecher führt uns zum historischen Städtchen Deadwood im Herzen der schwarzen Berge. Die kleine Westerncity ist durch Glücksspiel und reichlich Pulverdampf berühmt geworden. Whiskeydunstige Saloons, rasselnde und scheppernde Kasinos und die typischen Frittenbratereien wechseln sich ab mit Souvenirshops, Bars und so vielen T-Shirtläden, dass man ein gefülltes Zweitligafußballstadion neu einkleiden könnte.

Denn Sturgis und damit der Ort des weltweit größten Sommermotorradtreffens ist faktisch um die Ecke und dort steigt heuer die große Party zum 75. Jubiläum des Bikerfestivals – an 9 Tagen (aber erst im August, leider!) spielen über 40 Rockbands für zig’ tausend Mopedritter und andere Besucher auf. Das ist natürlich ein kommerzielles Feuerwerk und ein Megaumsatz für die ganze Region. Es ist durchaus mit dem deutschen Wacken zu vergleichen (nur eben mit Motorrädern), den Sturgis ist sonst auch ein kleines, ruhiges Nest, das aber einmal im Jahr richtig zugerockt wird, dass die Nieten glühen und das schwarze Leder qualmt. Wieder sind viele hochkarätige Bands angesagt, die bis zu 80% Harley Davidson Fans und den anderen Restrockern die manchmal schon ergrauten Gehörgänge wieder freiblasen möchten. Easy Rider lässt grüßen – Dennis Hopper wäre begeistert.

Nach den ersten Black Hills-Besuch biegen wir nach Einkäufen in Rapid City erst mal nach Osten ab und machen einen Trip in die furztrockene Wüste zum Badlands National Park. Auf dem Wege dorthin landet der verstaubte Reisende fast zwangsläufig an einer anderen Attraktion krämerischer Herkunft: Der Wall-Drug.

Was bitte, ist das denn? In den 30er Jahren des letzten JH. hatte das Ehepaar Hustead die glorreiche Idee, hier für ihre Drugstore-Gäste gratis Eiswasser anzubieten. Daraus ist ein Panoptikum mit zig’ Läden und schrägen Verrücktheiten geworden. Die Besucher kommen in Massen hierher und das Eiswasser gibt es immer noch… Wir staunen wieder mal über Tonnen an Skurrilitäten und bunten Krimskrams, den (fast) keiner braucht und in Esmi ist eh’ kaum Platz für hölzerne, steinerne, klimpermetallische Mitbringsel aller Art. Und so füllen wir unsere Reiseschildkröte, (besser ihren Tank) nur mit dem nötigen Diesel ab, den es ja hier im Amerika auch nicht an jeder Tanke zu kaufen gibt. Denn man fährt ja seinen 4 bis 8-Liter Hubraum-SUV/Panzer/Jeep zu 95 % hier mit Benzin. Diesel-PKWs sind daher so selten wie Beate Uhse-Läden beim Prinzen von Arabien.

Die Sonne brutzelt längst mit 45 Grad (im (Schatten?) runter und wir fahren unerschrocken in die Badlands. Der schaurig-schöne, bröselig-knackig-trockene Nationalpark ist nur was für Wüsten- und Steinefans.

Man kann hier die Erosionsstufen von Millionen Jahre alten Meeresboden studieren. Die geologische Anhebung oder/und Aufschüttung der verschiedenen Gesteinsschichten hat hier durch Verwitterung und extreme Temperaturunterschiede die exotischsten Formen und auch schöne Farben entstehen lassen, es ist aber ein bizarrer und extrem heißer Ort im Sommer. Ähnlich dem „Tal des Todes“ in Kalifornien, nur nicht ganz so gut geheizt, aber es würde ausreichen, um in dieser Halbwüste innerhalb kürzester Zeit ohne Wasser zu verdursten.

Die landschaftlichen Unterschiede auf relativ kurzem Raum zwischen Grassteppe im Norden, den Black Hills - nicht weit im Westen und diesem unwirklichen Erosionsgebirge im zentralen South Dakota sind schon sagenhaft.

Wir finden am Abend am Westrand des Parks, nach teils rappel-rumpeliger Gravelschotterstrecke einen schön gelegenen Campingplatz. Hier in der Nähe grasen schon wieder Büffel und nachts heulen die Kojoten um die Wette, für tierische Abwechslung ist also gesorgt. Auch akustisch. Außerdem ziehen hier fast täglich heftige Gewitter auf, einige der fast schwarzen Wolkenzellen haben schon eine schaurige Schönheit. Das fast in Dauerfeuer Blitze schleudernde, fettdunkle Gerät von Wolke zieht heute mal haarscharf an uns vorbei und reißt ‚nur’ einige Nachbarzelte und Sonnenschutzkonstruktionen aus der heringsgespannten Verankerung. ‚Flying Wigwams’ also kann man bei starken Windböen durchaus beobachten.

Dann, am nächsten Tage, geht es für uns noch einmal in die Black Hills. Ruckzuck steigt die Piste auf über 6.000 Füsser’l hoch, also fast 2.000 Meter. Die Landschaft erinnert uns stark an das sächsische Elbsandsteingebirge (ohne Elbe!) und auch ein wenig an das kleinste deutsche Mittelgebirge, das schöne Zittauer Gebirge. Denn auch hier gibt es viele dunkle Sandsteintürme, Hinkel- und Wackelsteine und Kletterfelsen am laufenden Bande. Dazwischen gepackt und teils in die felsig-kühlen-kraxel-Stein-Klamotten reingezimmert, stehen die rustikalen Holzhäuser & Blockhütten der weißen Siedler im Wald.

Man hat sich schöne Plätze ausgesucht, jemand ist sogar vor längerer Zeit auf die verrückte Idee gekommen, die Köpfe von vier ehemaligen Präsidenten großräumig in den blauschwarz leuchtenden Fels zu schnitzen und das ordentlich amerikanisch groß und mächtig. Mount Rushmore heißt der berühmt-berüchtigte Berg, an dem die Gesichter von Washington, Jefferson, Roosevelt & Lincoln für die Steingewordene Ewigkeit dort in mühevoller Klein- (oder eher groß-) –Arbeit in den geschichtsträchtigen Bergwackerstein gehauen und gemeißelt worden sind. Zwischen 1929 und 1941 wurde die Arbeit von John Gutzon geleitet, der die Fertigstellung nicht mehr erleben konnte. Es war auch eine Ausarbeitung der 4 Politiker bis in Hüfthöhe geplant, die jedoch aus Geldmangel nie vollendet wurde.

Heute ist das alles ein National Monument, weltbekannt und viel besucht. Wir gucken auch mal vorbei, nicht ohne auch die indianische Alternative der großen, weißen Chefbleichgesichter zu besuchen - einige Kurven und Hügel weiter entsteht nämlich ein noch viel gewaltigeres, größeres Steinmetzprojekt: Häuptling Crazy Horse! Die polnische Emigrantenfamilie Ziolkowski ist dort seit 1948 am Arbeiten, baggern, sprengen, aushöhlen und modellieren. Das Abbild des reitenden Häuptlings soll einmal die größte, künstlich bearbeitete Steinfigur weltweit werden. Viel größer als die 4 Präsidenten-Köpfe zusammen soll er werden (195 Meter Länge/ 172 Meter Höhe sind geplant!). Aber das Fertigstellen wird noch sehr lange dauern, man finanziert sich ausschließlich privat aus Spenden- und Eintrittsgeldern, wahrlich eine Sisyphusarbeit – ein gewaltiger Berg muss bearbeitet werden. Eigenwillige Hobbys haben die Leute hier!

Auch in den Black Hills gelegen, ist das „Jewel Cave National Monument“ – es beherbergt eines der weltweit größten, teils erforschten Höhlensysteme. Durch die Limestones unter den schwarzen Bergen ziehen sich in mehreren Etagen, über hundert Kilometer extrem enge - und auch hallenweite Gänge durch das feuchte Gestein. Die Besonderheit der Jewel Caves ist, das hier überall an den Wänden und Decken Kristalle leuchten. Durch hohen Druck und diverse chemische Reaktionen sind Minerale in reichlicher Vielfalt entstanden, daher auch der Name des außergewöhnlichen Höhlensystems. Es gibt mehrere Tourmöglichkeiten und alles wird von Rangern geführt, wir entscheiden uns für die mittlere Route. Unser Ranger ist schon ein spezielles Exemplar, er erzählt ohne Ende Geschichten, fragt die Gäste ab und beschäftigt auch die heute in der Gruppe gehenden Kinder auf seine unterhaltsame Art.

Das Städtchen Custer (mit seinem gleichnamigen State Park) ist unsere letzte Station in der abwechslungsreichen Gegend. In den Straßen von Custer City haben Künstler verschiedenfarbige Büffel ‚installiert’, so wie in Seattle z.B. viele Adlerfiguren oder im bayerischen Freising Bären und in München Löwen in den Fußgängerzonen als Fotomotive und als natürlich knallbunt-kostümierte Kunst den städtischen Charakter prägen. Alles in allen gibt’s in den Black Hills einiges zu entdecken und es ist einen Umweg wert. Die weitere Umgebung ist eher nicht der Brüller.

So landen wir bald im nächsten Staate, weiter südlich: Welcome in Nebraska!

 

 

Durch eine Tipp besuchen wir noch eine weitere abgedreht-unglaubliche „Road Art Installation“. Mitten in der flachen, fast unendlichen Prärie findet man kurz vor der Kleinstadt Alliance einen, ja – „Kultivierten Schrotthaufen“ der ganz anderen Art. Mancher hat mal was vom englischen Stonehenge gehört oder sogar schon die tausende Jahre alte, beeindruckende Megalithkultur dort selbst bestaunt. In Nebraska gibt es „Carhenge“!

Was auch sonst, man huldigt den Geist des Automobiles, der ‚Homo Mobilitus’ kann nur hier im Lande der begrenzt möglichen Unmöglichkeiten so ein monumentales Werk zeitgenössischer Schrottveredlungskunst erschaffen. Die (meist) in schmucken Grau gespritzten Straßenkreuzer verschiedener Bauart sind hier in Anlehnung an die frühgeschichtliche südenglische Versammlungs- und - Kultstätte ordentlich im Kreis angeordnet und teils Brückenartig übereinander gebaut.

Das ist wieder mal - einfach typisch amerikanisch. Nun, wir schütteln lächelnd mit dem Kopf darüber und bestaunen die Farben des nahenden Gewittersturms, welche diesem ‚abgefahrenen’ Ort heute Abend durchaus noch auch einen mystisch- verrückten Anstrich geben! Da hat sich jemand so richtig Mühe gemacht und Kunst ist ja immer relativ zu betrachten, mit dem nötigen Humor ist dieses (leider sehr abgelegene) Kunstwerk durchaus sehenswert. Auch die teils eingegrabenen Rest- und – Zusatzobjekte, Autoteile und Fragmente.

Auf dem Wege durch das westliche Nebraska gibt es noch zwei Naturplätze zu sehen. Der „Chimney Rock“, der kegelförmige Felsen mit dem „Zeugenberg-Plateau-Reststein“ obendrauf erinnert daran, dass dies hier einst auch ein großes Hochplateau war, das aber in den letzten Millionen Jahren ‚einfach’ zur Ebene wegerodiert ist. Was man in Arizona/Utah/New Mexico zuhauf und in allen Form- und farblichen Variationen hundertfach sehen kann, ist hier ein einzelnes Nationalsymbol. Es ziert sogar die Quarter-Sonder-Editions-Münze von Nebraska.

Bevor wir in den Cowboystaat Wyoming kommen, gibt es noch eine andere, kleine, regional aber berühmte Formation, ein Miniaturgebirge mit dem schönen Namen „Scotts Bluff National Monument“. Es liegt natürlich unweit vom Ort Scotts Bluff, am berühmten ‚Oregon Trail’, auf welchen die frühen europäischen Siedler mit ihren Planwagen-Kolonnen den weiten Westen unter die noch wackeligen Holzräder genommen haben. Es gibt - nach Einfahrt und dem Passieren des Visitor Centers (leider gibt’s dort kein Wasser) eine schön angelegte Panoramastraße auf das Hochplateau rauf, die durch drei kurze Tunnel führt. Die Straßenführung und Aussicht beim Wanderweg auf der Mesa sind den Weg hierher allemal wert. Und wenn man schon mal in der Gegend ist, eignet sich Scotts Bluff auch zum Einkaufen. Größere Orte gibt es sonst im westlichen Nebraska kaum und auch die Sehenswürdigkeiten halten sich in engeren Rahmen, so dass unsere weitere Route wieder nach Westen, später Südwesten führen wird.

Viele ungesehene (Slot-) Canyons, Gebirge, Cliffs und einige der golden, braun bis dunkelroten Felsenschluchten des Mormonenstaates Utah warten auf eine Entdeckung. Vorher geht’s durch den Süden Wyomings, den selbsternannten „Cowboy & Western State“. Die Landschaften werden dort mit Sicherheit wieder spektakulärer und auch abwechslungsreicher. Die weite Reise durch die „Great Plains“ hat uns gezeigt, dass es zu den überragenden Naturwundern des Südwestens auch ganz andere, wesentlich ruhigere Alternativen gibt – sehr speziell und auf ihre Art (ganz anders!) beeindruckend.

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