Seeelefanten-Häutung und grandioses Vulkanland in Oregon

Von Kaliforniens Küste in den Norden der Kaskaden-Berge

(unsere Reiseroute)

Bei San Simeon, gar nicht weit vom berüchtigten Hearst-Castle, findet man an der pazifischen Küste eine Kolonie von Seeelefanten, die seit einiger Zeit wieder erfreulich im Wachsen begriffen sind. Im Moment hat ein Großteil der Tiere mit der Häutung vom Winterfell zu tun. Das sieht teils schon heftig aus und juckt wahrscheinlich auch höllisch, denn die Säuger aus der Familie der Hundsrobben rubbeln sich heftig, bewerfen sich mit Sand und versuchen, sich die lästigen Altfellreste unter protestierenden Quieken und Jaulen abzustreifen.

Die Heuler liegen sozusagen in Fetzen! Die bis zu 3 Tonnen schweren und über 4 Meter langen Männchen streiten immer wieder um die besten Plätze und die maximal 900 kg ‚leichten’ Weibchen haben es im Gerangel der Fleisch- und Fettberge gar nicht so einfach, von den Jungtieren einmal abgesehen. Nachdem die großen Robben hier fast verschwunden waren, haben die Schutzmaßnahmen der letzten Jahre einiges gebracht und es gibt wieder reichlich dieser Tiere zu sehen.

Wir freuen uns auf eine der weltweit schönsten Küstenstraßen. Die California Nr.1 biegt von der Autobahn 101 ab und läuft als kurvenreiche Piste immer an der zerklüfteten Pazifikküste entlang, es geht am „Big Sur“ entlang. Der Name „BIG SUR“ kommt aus dem spanischen ‚Grande Sur’ – Großer Süden - und bezeichnet dieses wilde und noch sehr Natur belassene Stück Westküste, welches seit einiger Zeit als „National Monument“ komplett geschützt ist. Sogar der nordamerikanische Kondor ist nach Schutz- und Auswilderungsmaßnahmen wieder mit einigen Paaren zurückgekehrt. Zugebaut oder betoniert wird hier seither glücklicherweise gar nichts mehr.

Die Brückenkonstruktionen am Big Sur sind spektakulär und individual. Diese Strecke ist sehr beliebt bei Cabrio-Cruisern und Motorradfahrern, ganze Schwadronen von Harleys und Goldwings donnern hier entlang. Alfred Hitchcock und Henry Miller haben hier gelebt und einige ihrer Bücher geschrieben und sich von der wilden Natur und der oftmals sturmgepeitschten Küste inspirieren lassen.

Eine warme ‚Wohlfühl-Badeküste’ ist das hier nicht, viel zu kalt sind die Strömungen und Winde. Das Wetter ist stets ‚durchwachsen’. Durch die Temperaturunterschiede zwischen dem warmen Inlandstreifen und dem stetig kalten Meer entsteht immer wieder fetter Nebel, der erst gegen Mittag, manchmal aber auch gar nicht rauf geht. Besonders im Frühjahr gibt es das Dauerphänomen des kalifornischen Küstennebels, was hier zu einer ganz speziellen Vegetation und großen Nebelwäldern geführt hat. Weiter oben, nördlich von San Francisco, gibt es die größten Redwood–Baumbestände in ganz Nordamerika, sie sind auch bekannt unter dem Namen Mammutbäume. Dazu etwas später….

Wir fahren im zentralen Teil Kaliforniens, im Hinterland, durch die hunderte Meilen weite Gegend der Obst- und Gemüseplantagen. Hier ist das Klima durch mehrere Gebirgszüge im Westen vor dem Pazifik und im Osten durch die Sierra Nevada geschützt. Auf einer riesigen Fläche wächst hier der „Brotkorb der Nation“. Vom zentralen Fresno bis hinauf ins Napa - und Sonoma -Valley findet man ein mediterranes Klima. Im Süden werden für ganz Nordamerika Früchte aller Art gezogen und im Norden wächst der weltbekannte Kalifornische Wein. Es gibt zig’ große, und tausende kleine Weingüter, welche die halbe Welt mit edlen Tropfen beliefern. Wir kosten immer wieder mal gerne und finden: Die andere Hälfte (der ‚Weinverweigerer’) hat da was Einmaliges verpasst!

Alles ist eigentlich staubtrocken im großen Tal und muss aufwändig durch Kanalsysteme bewässert werden. Das Wasser kommt von sehr weit her – der Schnee in der Sierra wird auch immer weniger und der Colorado und seine Nebenflüsse bringen deutlich weniger Wasser als noch vor 20 Jahren.

Das Land zwischen Küstenbergen und Sierra ist brettflach und die Farmer sehen dadurch ihren Besuch schon 3 Tage im Voraus kommen Zwinkernd. Ein so ausgeweitetes, komplexes Geflecht aus ganz vielen kleinen Kanälen wie hier - haben wir so noch nie gesehen! Es müssen wohl tausende Kilometer zusammen kommen, wenn man die vielen Felder und Flächen sieht, die hier bestellt werden. Manche der Plantagenbäume werden sogar jeder mit einem einzelnen Schlauchanschluss bewässert und am Boden mancher Farm liegen hunderte Kilometer Schläuche oder Rohre. Ein unglaublicher Aufwand an Material und Wasser!

Wir fahren von Gilroy (Amerikas Knoblauchmetropole!) über Merced und Turlock nach Norden und in die Weingegend von Clearlake Oaks. Dort gibt es große Stauseen und die kleine „Schweiz der USA“ mit dem Städtchen Lucerne. Von Redding in Nordkalifornien geht eine landschaftlich schöne Straße (Nr. 199) durch einen über 100 km langen Canyon nach Westen, wieder an den Pazifik.

Hier beginnt der „Redwood National und State Park“. Die Nebelwälder mit den Küstenmammutbäumen ziehen sich von hier rauf bis in den Bundesstaat Oregon.

In verschiedenen Abschnitten, ‚Groves’ genannt, kann man diese bis über 100 Meter hohen Riesen bewundern. Die Zahl der Wanderwege und Schutzgebiete ist kaum überschaubar. Man kann sich seine eigenen Routen zusammenstellen und kilometerweit durch die Berge und Täler mit diesen wirklich echt beeindruckenden Titanen wandern. Man bekommt beim Schauen und Staunen, fotografieren und über tausende Festmeter rotbraunes Holz kraxelnd zwangsläufig eine mittelmäßige Genickstarre - durch die schiere Größe dieser Giganten und das ständige raufschauen.

Es gibt mehrere Besuchszentren, gutes Kartenmaterial, brauchbare Tipps der Park Ranger und vieles über dieses einzigartige Biotop zu lernen. Die Bäume sind ja hier bis zu 2.000 Jahre alt und erreichen die Höhe von Kathedralen. Der Umfang mancher dieser Riesen dürfte über 15 Meter sein. Waldbrände überstehen die Methusalems der Wälder durch ihre dicke Rinde auch. Die Brände brauchen die Bäume sogar zum Neu-Austreiben und der Wald als ganzes System zum Überleben sowieso. Auch wenn man vorher Filme, Doku’s oder Bilder gesehen hat, selbst wenn man schon mal hier war, man ist von der schieren Größe mancher einzelnen Redwoods immer wieder neu fasziniert.

Auf einen Tipp hin besuchen wir den besonderen ‚Staut Grove’ im Norden des Parks. Dort stehen die gewaltigsten Exemplare und man findet den ‚Staut Grove’ nördlich vom Ort Crescent City, auf dem Weg nach/oder von Oregon.

Zwischen den schneebedeckten Vulkankegeln der Kaskadenkette gibt es im Süden Oregons eine Besonderheit: Die Bergspitze eines großen Vulkans ist vor ca. 8.000 Jahren in einer gewaltigen Explosion weggeflogen, ähnlich wie beim Mt. St. Helen in den 1980er Jahren, nur noch alles eine Nummer größer und heftiger. Von dieser Eruption ist heute einer der imposantesten Kraterseen des Planeten übriggeblieben – der Crater Lake – jetzt ein Nationalpark und eine der größten Sehenswürdigkeiten von Oregon.

In 1.883 Meter über dem Meer hat sich ein Kratersee mit 35 Kilometern Uferlänge gebildet. Die Ausbreitung des Sees ist 8 x 9,6 km und der zweittiefste See Nordamerikas misst an der tiefsten Stelle 594 m. Der kobaltblaue See (übrigens mit einer der besten Wasserqualitäten Nordamerikas) fasst bald 18 Kubikkilometer Wasser und hat keine Zu- oder Abflüsse – was für gewaltige Dimensionen. Trotz der fehlenden Zu- oder Abflüsse tauscht sich diese Wassermenge alle 250 Jahre komplett aus, das haben Forscher festgestellt.

Die größte Insel im See heißt „Wizard Island“ und ist eigentlich ein neu aufgewachsener Vulkankegel in der gefluteten Caldera. Leider war auch jetzt noch, Mitte Mai, bei Temperaturen von über 30 Grad im unweiten Tal ringsum, ein großer Teil der Ringstraße auf 2.700 Meter Höhe noch wegen Schnee und ungeräumter Geröllflächen gesperrt. Man kann aber auf der Nord-West-Piste weiter nach Norden fahren und hat vom Kraterrand aus tolle Blicke auf den See und die Vulkanlandschaft ringsum.

Wir finden in den riesigen Wäldern des angrenzenden National Forest einen ruhigen Stellplatz mit nur gelegentlichen Mückenbesuchen. In den Nat. Forests darf man mit Fahrzeug über Nacht stehen bleiben, im National Park geht das nur auf offiziellen Campingplätzen. Wir genießen die (fast) absolute Ruhe in diesen tausende Quadratkilometer reichenden Waldgebiet – das immer wieder als krassen Kontrast zu den (für Einkäufe notwendigen) – aber stets lauten Städten und grillen uns ein gutes Pfund Lachs als Festessen.

Unser nächstes Ziel ist, wie vieles hier im zentralen Oregon, vulkanischer Natur. Eine Kette von Vulkanspitzen zieht sich hier parallel zu den Rocky Mountains. Viele Feuerberge sind noch tätig und man kann den weltweiten „Ring Of Fire“ der eruptiven Kontinentalplattenverschiebungen hier im Nordkaskadenland recht gut nachvollziehen.

Südlich der Kleinstadt Bend liegt das „Newberry Volcanic National Monument“. Gewaltige Lavafelder, Calderas und schwarze Schlacke bedeckt das Land und zieht sich zwischen den Tannenwäldern entlang, bildet die typischen Kegel. Ein Schildvulkan hat einen ca. 40 Kilometer langen Lavastrom nach Nordwesten fließen lassen. Man kann heute über Teile der erstarrten Lava gehen und die Natur beim Zurückerobern dieser Region beobachten.

Es gibt gute Lehrpfade und viele geologische Erklärungen, sowie ein Visitor-Center und viele, neugierige Eichhörnchen (Die man nicht füttern sollte! – was wir auch nicht machen.). Eine Gedenktafel beschreibt, dass die NASA hier vor den Mondmissionen in den 1960er Jahren ihre Astronauten getestet hat, die Landschaft hat durchaus Potential für solche Vergleiche. Die Paläoindianer haben schon vor 10.000 Jahren den freigelegten Obsidian aus den vulkanisch aktiven Gebieten zur Verwendung für Schaber, Pfeilspitzen und Klingen verwendet.

Hat man dann die Stadt Bend passiert und dort seine Vorräte aufgefüllt, ist nördlich davon ein weiteres, in Europa noch weitgehend unbekanntes Naturjuwel zu finden. Es ist ein relativ kleiner State Park und (noch) Geheimtipp für Oregonreisende, Natur- Kletter- und Wanderfreunde: Der Smith Rock State Park.

Untypisch für diese Region, thront inmitten von einer weitläufigen Farmlandschaft mit Flussauen und Weinreben ein Miniaturgebirge mit Kletterfelsen und Wanderwegen par Excellance. Die Rot-gelben, in der Abendsonne Ocker bis golden leuchtenden Felsentürme passen eher in die urige Canyonlandschaft von Utah oder Arizona, als in die gemäßigt kühle Wald-Gegend von Oregon.

Man denkt unwillkürlich, dass diese Felsen aus dem trockenen Südwesten hierher versetzt worden sind. Wir haben das alles eher zufällig durch recherchieren und schöne Fotodokumentationen auf den Seiten von amerikanischen Fotografen entdeckt und so steht der Smith Rock State Park schon seit 4-5 Jahren auf dem ‚Wunschzettel’ für Exkursionen. Natürlich vorausgesetzt, das man mal in der Nähe ist. Das zentrale Oregon war Wettertechnisch noch vor 3 Wochen ein Dauerregenspot mit Novembertemperaturen. Jetzt ist alles trocken und Fotowetter. 2-3 große, gelbe Schulbusse haben neben uns geparkt und spucken Horden von Kids aus, die von ihren Lehrern und Eltern betreut, einen Vorbereitungsapell absolvieren und in Gruppen aufgeteilt lärmend den Park erkunden. Ein ganz besonderer „Wandertag“ wäre das auch für uns damals gewesen! 10 Dollar kostet ein Tageswanderpermit.

Es geht erst steil in ein Flusstal (des Crooked River) runter und dann in engen Zacken rauf über das Gipfelplateau des Minigebirges. Die Aussicht auf die Vulkanketten am Horizont ist grandios. Heute ist der Park gut besucht und das Wetter phantastisch. Einige Seilschaften versuchen sich an den Felsnadeln und senkrechten Wänden durchzuklettern. Eine der freistehenden Felssäulen heißt „Monkey Face“ – das ca. 100 Meter hohe „Affengesicht“ ist augenscheinlich schon eine höhere Schwierigkeitsstufe für die Klettercracks.

Die Felsen aus Tuffstein sind vulkanischen Ursprungs und bis zu 167 Meter steigen sie teils senkrecht aus dem Flusstal auf. Freunde des Elbsandsteingebirges hätten hier auch ihre Freude. Benannt ist der Park nach den Pionier John Smith, der die Felsen 1867 entdeckte. Der Film „Postman“ von und mit Kevin Costner wurde hier gedreht und auch der Klassiker „Mit Dynamit & frommen Sprüchen“ mit John Wayne.

Heute ist der Smith Rock State Park international zumindest bei Sportkletterern beliebt und bekannt, gibt es doch über 1.800 (!!) Kletterrouten hier, so die Beschreibung im der mongolischen Jurte des Besucherzentrums. Uns reicht der große Rundweg von ca. 8-10 Kilometern Länge, der ja auch auf die Strecke ordentlichen Höhenunterschied intus hat. Die Perspektiven und die Aussicht sind Weg und Mühe allemal wert und es ist am Ende eine der schönsten und lohnendsten Touren der letzten Wochen für uns. Und Fotomotive gibt es wieder einmal reichlich in dieser Bilderbuchlandschaft. Wer einmal im zentralen Oregon unterwegs ist, sollte diesen schönen Naturpark einen Besuch abstatten, zumal er nur eine knappe Tagesreise vom überregional bekannten Crater Lake entfernt ist.

Weiter nördlich ändert sich das Bild wieder stark, es wird extrem trocken, eine meilenweite, regelrechte Gras- dann sogar Wüstenlandschaft breitet sich aus. Während sich an der regenreichen Küstenlinie zum Pazifik ein großer Vulkan nach den anderen erhebt, erscheint das Hinterland, nur 80-100 Kilometer ‚Innen’ so staubtrocken und verdorrt, das man meint, in den Great Plains von Nevada unterwegs zu sein, echt verrückt. So kommen wir, eher ungeplant, einmal zum Frühstücksstopp an eine kleine, fast schon zu schön raus geputzte Ghosttown aus der Zeit von Goldrausch, Saloons und Revolver-Ballereien.

Man meint, auf der staubigen Main Street das leise Knirschen der Lederstiefeln vom Sheriff zu hören oder dem Schlurfen der Mokassins von vernarbten Glücksrittern im späten 19. Jahrhundert zu lauschen – Aber: ‚It’s History! Shaniko, Oregon empfängt uns mit dem Charme des wilden (Nord-) Westens. Ganz ‚tot’ ist diese Ghosttown aber dann doch noch nicht - gut für uns:

Wir können im durchaus lebendigen General Store etwas einkaufen, hier Station - und auch diverse Aufnahmen machen. Ansonsten ist hier aber der Pitbull begraben und außer den beiden Herren im Lebensmittelladen sehen wir hier weder Geister noch Statisten. Die Bank und das Hotel haben ihre besten Zeiten längst hinter sich. Leise dreht sich ein verrostetes Windrad an einer Scheune bei den alten Autowracks um die Ecke und am Horizont sieht man, mal von einer ganz anderen Seite, den abgebrochenen, aber gewaltigen Bergstumpf des Mt. St. Helens. Weiter im Norden erblickt man - durch eine klare Fernsicht heute - auch schon den Kegel des Mt. Rainier, den größten aller Kaskadenvulkane hier. Wir wollen auf dem Weg nach Norden einmal eine ganz andere Route als die viel gefahrene Küstenstrecke nehmen und Esmi rumpelt stundenlang auf einer vermeintlichen „Abkürzung“ durch Viehweiden und baumloses, dürres Farmgelände auf dem Weg zum nächsten, für uns interessanten Park.

Der Cottonwood Canyon in einer der trockensten ‚Ecken’ der beiden (eigentlich eher ‚Grünen’) nordwestlichen Bundesstaaten Oregon & Washington. Ja, wirklich abgelegen und sicher dadurch nicht so bekannt ist die kilometerlang gewundene Cottonwoodschlucht.

Man fährt von einen eh’ schon recht warmen Hochplateau von 1.300 Fuß auf ca. 500 Fuß (also auf rund 160 Meter Meereshöhe runter) und die Temperaturen in der Tiefe dort steigen immens, wie in einem Backofen steht die Luft bei 38-40 Grad Celsius im (nicht vorhandenen) Schatten! Hier unten ist schlagartig ein Klima wie bei der Einfahrt ins Death Valley, nur die fetten Luftspieglungen fehlen. Noch. Vor nur 3 Tagen waren wir auf 7.300 Fuß Höhe, bei zwei Grad durch die Schneelandschaft des Crater Lake gestapft und jetzt und hier gibt’s ein Klima wie in der Moavewüste im Sommer. Überall findet man Warnungen vor Klapperschlangen und es soll kaum irgendwo sonst so reichlich viele dieser fiesen Reptilien geben wie hier, in diesem Flusstal. Mehrere Arten. Vielleicht ist es hier deshalb so ruhig.

Es sind kaum Leute unterwegs und alles im Park erscheint uns wie nagelneu erschaffen, Parkplatz, Camp, Gebäude, Toiletten und Waschhäuschen, alles wirkt wie grade hin gebaut, ‚aus dem Ei gepellt’ sauber, aber keine Besuchermassen. Keine japanischen Touristen mit weißen Handschuhchen und laufenden Nummern an der „Uniform“…wie am Ayers Rock in Australien oder im kanadischen Banff National Park mehrfach belustigt beobachtet. Das extrem heiße Wetter dazu macht das alles etwas zu bizarr. Wir bleiben auch nicht hier, denn zum Wandern ist es uns bei ca. 45-48 Grad in der sengenden Sonne zu heftig und es sind uns auch zu viele Rasselschlangen unterwegs.

Wir klettern mit Esmeralda wieder auf das Grasplateau und 1.200 Fuß, übernachten in der Prärie zwischen Gras-Steppe, Farmhäusern und Mais- oder Weizenfeldern und schlafen beim leisen Brummen der hier überall präsenten Windturbinen, die hier an der Grenze zum Washington State im Norden wie ein metallischer High-Tech-Wald platziert worden sind. In 300-400 Meter Nähe dieser Giganten merkt man erst einmal, was für einen stetigen, gewöhnungsbedürftigen Sound diese Teile von sich geben.

Am nächsten Tage erreichen wir beim kleinen Nest Biggs die Grenze zum nordwestlichsten US-Bundesstaat Washington (bitte nicht verwechseln mit dem Regierungs-District Of Columbia im fernen Osten des Landes.)

 

Die natürliche Grenze bildet der mächtige Columbia River und dann geht es weiter durch eher trockene Prärielandschaften und die bergige, wieder grüne Yakama Indian Reservation bis zur Stadt Yakima und ihren gleichnamigen 30 km langen Canyon.

Gleichzeitig ist für uns und unsere Route durch den Washington State Yakima die letzte, größere Stadt und wiedermal, wie schon so oft, finden wir keine Auto-Werkstatt, die sich an Dieselfahrzeuge und einen Zahnriemenwechsel traut. Unglaublich, aber wahr, hat man keine genaue Arbeitsanweisung für diesen Fahrzeug-Typ, traut man sich (aus Versicherungs-Gründen, vermuten wir) nicht an Reparaturen ran. Eine traurige Folge des inflationären „Verklagungs-Sports“ in einem – für uns – etwas undurchsichtigen Rechtssystem. Wer mal neuere Bücher von John Grisham gelesen hat, der kann sich kopfschüttelnd vorstellen, wie das gemeint ist.

Der weitere Weg quer durch die Mitte von WA ist für uns landschaftlich sehr überraschend. Extrem lange Nord-Süd-Canyons durchziehen das Land, als hätte man das felsige Terrain wie ein Fensterrollo zusammen gefalten und dann wieder vorsichtig auseinander gezogen. Des System des Columbia River und seiner Nebenflüsse hat kilometerlange Seen geschaffen, hydroenergetische Nutzung mit zig’ Staustufen kommen außerdem dazu.

Am Sun Lakes State Park findet man die gut sichtbaren Überbleibsel einer gewaltigen Felskante, eine (jetzt trockene) riesige Stufe - ähnlich der, bei den Niagara Falls – wo vor vielen tausenden Jahren (auf kilometerweite Breite) einer der größten Wasserfälle in der gesamten geologischen Erdgeschichte runtergerauscht sind.

Heute gibt es ein Visitorcenter (das in Bildern und Dokumentationen auf dieses Thema hinweist) und davor eine private Eisbude, die mit gutem Umsatz und sichtlicher Begeisterung lilafarbene „Huckleberry Icecream“ verkauft. Huckleberrys, erfahren wir, sind den europäischen Heidelbeeren ähnlich, schmecken aber wieder ganz anders und sind eine Delikatesse hier. Ihre Fundplätze, meist weiter oben in den Bergen, werden von den Sammlern und Familienclans geheim gehalten, erzählt man uns dann auch später in British Columbia, Kanada. Das imposante Tal der ‚Dry Falls’ aber macht optisch schon was her.

Weiter nördlich mündet die Schlucht, die irgendwie nie so richtig aufhört, in den Banks Lake und es wurden überall am See angrenzende Natur- und Erholungsparks geschaffen. Auch wir machen Station an einem dieser vielen State Parks und warten ein stundenlanges Gewitter ab, das sich heftig scheppernd mit ordentlicher Lichtshow über den Canyons herumtreibt.

Die Gegend ganz im zentralen Norden von WA heißt „Grand Coulee“ und hier gibt es eine der größten je gebauten Staumauern, ein „Wunder der Technik“, damals. In den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde dieser drei Kilometer lange Damm im Rahmen der Industrialisierung des Landes gebaut und von Präsident Eisenhower eingeweiht. Heute gibt es Führungen durch die Anlage und ein Besuchszentrum mit Kino und Ausstellungen.

Direkt am Stausee gibt es noch ein großes Indianerreservat und wir fahren quer durch die „Colville Indian Reservation“. Sie ist weitestgehend Waldgebiet und die Behausungen der First Nation People sind kreuz und quer durch den üppigen Forest verteilt. Christliche Kirchen, amerikanische Flaggen, keine Tipis, keine Wigwams, viel mehr Pickup-Trucks als Pferde sieht man auch hier wie überall in den Reservationen. Die Modernität und der Alltag sind längst eingezogen. Man wohnt in Mobile Homes und bestenfalls Blockhütten und wie im restlichen Land steht eher ein Quad vor der Tür als ein schnaufender Mustang. Nun – vielleicht ein Ford Mustang und das ist ja auch schon mal was. Wenn sich in den letzten Jahren etwas in Bezug auf Indianerreservate optisch stark geändert hat, dann sind es die überall aus dem Boden schießenden Spielcasinos, die – mal zig Millionen Dollar schwer und mondän bis zur Dachspitze – oder mal urig hölzern daherkommen. Hauptsache, der Dollar rollt – und zwar in die Kassen der jeweiligen Stämme, das Geschäft mit der Spielsucht läuft mächtig gewaltig. Man hat (eher sinngemäß) das historische Totem gegen den klappernden Spielautomaten ausgetauscht, die Religion ist jetzt der schnöde Mammon des weißen Mannes. Manche Casinos sind allerdings wirkliche, architektonische Zuckerkästchen und so gar keine billigen Betonbunker mit einarmigen Banditen und Vollbeschallung bis zum Morbus Ohrensausen. Wer also nichts mit Gambling/Spielen am filzig-staubigen Hut hat, der kann auch manche der Casinos bestaunen, welche die letzten Jahre so kreuz und quer in den Reservaten von Nordamerika (und nur dort!) entstanden sind. Manche lohnen einen Blick hinein… von der Architektur und von der Innengestaltung her – versteht sich!

Hier lebt man ansonsten etwas ruhiger, es gibt weniger LKW-Verkehr und mancher Eingeborener überrascht mit skurrilen Holz-Gebäuden oder auch mit einer wirklich großen Sammlung ‚schrottiger’ Altautos mitten im privaten Wald verteilt. Vielleicht sind einige davon schon eingegraben worden, das soll durchaus üblich sein und uns verwundert bald nichts mehr. Beim Städtchen Omak sind wir durch das Reservat durch und mit Oroville/WA passieren wir den letzten Ort der USA auf dem Weg nach Norden.

Jetzt steht wieder mal eine der ausführlichen Grenzkontrollen an, die wir ja so unheimlich lieben. Wieder passiert bei der Ausreise aus den USA (wie auch nach Mexiko) überhaupt gar nichts, es interessiert keine Grenzmaus. Nicht einmal eine stempelgierige Uniformfüllung will den Reisepass sehen oder uns als zollgrenztechnisch abgestellte Respektsperson die sauer verdienten und in Ehren gereiften Tomaten konfiszieren. Nix, besser so. So bleibt der ungepellte Knoblauch in seinem Frischhaltekästchen und das eingefrorene Steak ‚Made in Oregon’ darf unangenagt noch einige weitere Tage bei uns bis zur finalen Endnutzung im Kühlschrank vor sich hinfrosten. Dann kommen die Kanadier und dort werden wir mal wieder richtig gefilzt, durchgefragt bis zum schwindelig werden (was die alles wissen wollen!!), dann sind wir nach fast zwei Jahren wieder in British Columbia, im Okanagan County angekommen.

Es gibt anderes Geld, teureres Bier und anderssprachige Biber, Mac Donalds weicht (zum Teil) der kanadischen Institution „Tim Hortons“ und fast alles wird zweisprachig ausgeschildert. Das metrische System hat uns wieder und Queen Elizabeth die II. ist wieder die ‚Oberste Chefin“ von allem. Bis bald aus Kanadas Nordwesten.

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