Durch die Wüste an die Küste

(unsere Reiseroute)

Aus den Reservaten im Nordosten Arizonas kommend, gehört die Route 95/163 zu den schönsten ihrer Art durch den Westen. So viele interessante Orte sind an der Strecke regelrecht aufgereiht. Wir entdecken vor Kayenta eine recht unscheinbare Stichstraße zum „Navajo-National-Monument“. Klar dass wir uns das mal anschauen wollen.

Die kurvige Strecke geht auf ein über 7.000 Fuß (2.200m) gelegenes Hochplateau. Das relativ ‚kleine’ und weniger bekannte Navajo-Monument ist ein schöner, versteckter Canyon, der sich in dieses Plateau gegraben hat. Seit fast 1.000 Jahren haben die Indianer hier gelebt und ihre Zeremonien abgehalten. Sie haben in den Canyon-Pueblos gewohnt und von Ackerbau und Viehzucht gelebt. Die heilige, alte Wohn- und Kult-Stätte unter einem gewaltigen Naturfelsbogen ist aus religiösen Gründen nicht frei zugänglich, aber es gibt ein Besucherzentrum und Wanderwege am Canyonrand, mit herrlichen Einblicken in diese Schlucht.

Wenn die Reise in Richtung Norden weitergeht, führt der Weg durchs Monument Valley. Das ist immer wieder beeindruckend, besonders, wenn man abends durch dieses weite Tal mit seinem rotbraunen Felsentürmen fährt.

 

Nach dem indianischen Örtchen Mexican Hat geht’s auf die Route 261 …

… und wir übernachten im wunderschönen „Valley of the Gods“, dass durch seine Felsformationen große Ähnlichkeit mit dem Monument Valley hat. Am nächsten Morgen muss Esmeralda mal eine der außergewöhnlichsten und echt verrücktesten Straßen/Pisten des nordamerikanischen Westens erklettern, die 261 geht die „Moki Dugway“ hoch. Was ist das denn? Fährt man durch das „Valley of the Gods“ nach Norden, taucht eine gewaltige, dunkelrote Felswand auf, eigentlich bis zum Horizont. Diese Straße führt direkt auf die Wand zu und es ist kein Weg nach oben zu sehen, zu erahnen – da muss doch Schluss sein?!

Senkrecht baut sich diese riesige Walze aus rotem Stein in der Breite von vielen Meilen auf! Auch wenn man dann direkt davor steht, ist der Verlauf, der in den brüchigen Fels der Hochmesa gefrästen/gekratzten, ja ingenieurtechnisch wirklich ‚gezauberten’ Piste kaum auszumachen. Warnschilder raten größeren Fahrzeugen und Vehikeln mit Anhängern bei Lebensgefahr, die ‚Moki Dugway’ zu benutzen. Der Asphalt hört vor den Spitzkehren eh’ auf und im Winter, bei Sturm oder starker Nässe, hier ‚rauf zu klettern’, ist wahrscheinlich schon verrückt bis lebensmüde.

Aber heute ist es trocken und wir kennen den Weg und Esmi schnauft vor Begeisterung. Mal links und mal rechts geht’s ab, die ca. 500m Höhenunterschied an der Steilwand sind langsam und vorsichtig zu genießen, wenden oder Fahrfehler machen sind kein Thema. Dann steht man irgendwann oben, schaut über diese gigantische Ebene und kann eigentlich nur „Wahnsinn“ – (oder ähnliches…) - angesichts dieser Streckenführung herausbringen. Enge Spitzkehren sind in die gewaltige Wand getrieben worden, manchmal geht es neben dem Autofenster gleich 50 oder 80 Meter in die Tiefe. Eine tolle Strecke für ‚ein klein wenig schwindelfreie Autofahrer’ mit Abenteuerlust und unsere Spezialempfehlung für Wild-Westreisende, ein Hammererlebnis - wie die ganze unglaublich schöne Umgebung dort.

Nördlich der Route 261 geht es wieder auf die Canyon & Tafelberg-Highway Nr. 95. Weite Strecken führt die gut ausgebaute Trasse durch den grandiosen Fry Canyon und wieder gibt es so viele neue Ecken oder Seitentäler zum Kennenlernen. Das tief eingeschnittene Tal ist voll mit Offroadpisten, versteckten Stellplätzen, Aussichtspunkten, Wanderwegen und Feuerstellen. Vieles ist es noch wert, entdeckt zu werden. Der Fluss hat ein über 60 Kilometer langes Schluchten-Labyrinth gebuddelt, Naturfelsbögen und Höhlen in den Sandstein gefräst, hier müssen wir unbedingt noch einmal hin!

Am oberen Glen Canyon überquert man den Colorado und den dort angestauten Lake Powell, es ist leider durch die anhaltende Trockenheit fast gar kein Wasser mehr in diesem Teil des Stausees. Der gesamte amerikanische Westen, besonders Kalifornien leiden in den letzten Jahren unter extremer Wasserknappheit und wenn durch diese ohnehin schon staubtrockenen Canyonlands dann (fast) gar kein Wasser mehr fließt, so ist das schon sehr beängstigend, besonders, wenn man die alten „Füllstandshöhen“ der 1990er Jahre noch fotografisch vor Augen hat.

Wir finden - durch diese traurige H2O-Flaute für die „Freizeitkapitäne“ der vielen trocken gelegten Boote dort - einen ruhigen Platz an der verlassen liegenden, fast staubigen Hite-Marina. Hier war mal ein Riesensee!! Der ganze große Canyon gehört heute uns und Esmeralda. Ein heftiger Sturm zieht auf und unsere Reiseschildkröte wird hin – und hergeschüttelt wie ein Cocktail bei James Bond (gerührt wollen wir auch nicht…).

Bei der Ausfahrt aus der Schlucht, am nächsten Tag auf der Hwy. 95, hatten wir auch mal Glück. 1 bis 2 Tonnen Steinschlag lagen schon auf der Straße und wer hier zur falschen Zeit gewesen wäre, hätte wohl schlechte Karten gehabt oder mindestens einen ‚Dachschaden’ im Fahrzeug.

Vor dem einsamen Örtchen Hanksville kam dann das nächste Natur-Ziel für Wanderschuhe und Kameras: Die ‚Little Egypt Geological Site’ mit schönen Verwitterungszeugnissen der roten Felsenwelt Utahs. Ein hölzerner Roadmarker steht unscheinbar abseits an der Seite und man muss echt aufpassen, dass man die Abfahrt nicht verpasst.

Dann führt eine Staub- und Steinpiste von der Route 95 nach links (Richtung Nord) in Richtung der Berge. Man kann durch die Färbung und Anordnung des Fels schon erahnen, dass da etwas geologisches Interessantes in dieser Richtung kommen könnte, eben eine typische Badlands Szenerie.

Die Formationen haben Ähnlichkeit mit den Goblins im gleichnamigen State Park weiter nördlich, sind aber auf ihre Art wieder ganz anders und auch einen wunderschönen Hoodoo kann man, etwas versteckt in einem der Seitentäler, finden. Wieder ist die Fantasie gefragt und je nach Sonneneinstrahlung und Ansicht der koboldartigen Figuren aus Sandstein kann man hier alles Mögliche und Verrückte an Formen entdecken, Gesichter, (Fabel-) Tiere und märchenhafte ‚Kleckerburgen’ oder Gnome mit Zipfelmützen. Und dass wieder ganz ohne mit Hustensaft-Extrakt gesättigten Essenzen, Chemie oder bunten Pillen, wie uns das ein oft & gern mitgereister Nikotinkobold immer gerne unterstellt. (Zwinkernd G. - !!)

Auf dem Highway Nr. 24 überrascht uns dann ein voller Wintereinbruch mit Schneesturm, Schlotterkälte und anschließendem Matsch. Tags vorher hatte es bei Sturmwind und fast wegfliegenden Skalp noch 26-27 Grad an der Hite-Marina gegeben.

Das Capitol Reef im Schneegewand in Nordutah, hatten wir bisher so auch noch nicht gesehen. Leider sind momentan aber die ‚interessanten’ Schotterstraßen durch diesen Park - und auch das Grand Staircase Escalante National Monument (für einige Tage) nicht befahrbar. Ein Nachteil zur unwirklichen Canyon-Winterlandschaft im April, hier und auf dieser Höhe ist das jederzeit möglich. Gerade manche Schotter- und Lehmpisten führen hier oben zu ganz speziellen Plätzen, eben Gravelroads! Und weil diese auf wundersame Weise zu Schlamm & Schmierseife geworden sind, müssen wir umplanen, auch auf später verschieben - und düsen die Route 24 und Interstate 70 nach Süden und Bergab, nach Saint George, um dort Fernreise-Freunde zu treffen.

Nach dem Proviantfassen in der zweitgrößten Mormonenstadt wollen wir uns mit Werner und Tina wiedertreffen, die wir in der Nähe des Buckskin Gulch-Slotcanyons kennengelernt hatten und verabreden uns in der nahen „Red Rock Conservation Area“, einem Naturpark bei St. George/Washington/Hurricane.

Wir haben einen der wenigen schönen Plätze dort für 1 Tag/Nacht im Park ‚okkupiert’ (Wer hier zuerst kommt, malt zuerst – oder in dem Sinne campt zuerst, so die Regel) – aber die beiden mit ihren Mercedes-Truck tauchen leider nicht auf. Später dann doch, aber als Anhalter auf der Ladeklappe eines US-PKW, um uns mitzuteilen, dass sie mit ihren Truck nicht durch den engen Zugangstunnel/Unterführung zum Park kommen, Endstation. Schade erst mal, aber wir kennen einen tollen Platz im Dixie National Forest, fast „um die Ecke“ und dort fahren wir dann zusammen hin.

Das Wort ‚Dixie’ hat hier in Südutah übrigens nichts, nein rein gar nichts, mit den berüchtigten deutschen Unterwegs – oder – Baustellen-Plastik-Klohäuseln zu tun, sondern so heißt die ganze Wald- und Felsgegend hier bis rauf zum berühmten Red Canyon und zum Bryce Canyon National Park. Wir finden zusammen eine freie Picknicksite mit traumhaftem Blick auf die Felsengebirge und Canyons des Westens bis rauf zum Zion Canyon. Sammeln Feuerholz und machen es uns gemütlich für zwei Abende mit viel Gesprächsstoff aus vier Reiseleben und diversen Erlebnissen auf beiden Seiten der Fahrzeugteams.

Leider muss es irgendwann weitergehen, aber wir nehmen uns fest vor, uns wieder zu treffen und fahren unsererseits mal in Richtung Westen. Wieder geht es den kleinen Zipfel durch Arizona, durch den Virgin River Canyon und planen weiter bis durch die Mojavewüste nach Kalifornien.

Nach längeren, etwas mühevollen (und manchmal einsamen) Ritt durch die trocknen-grauen Berge, der (nach dem Death Valley) heißesten Gegend Nordamerikas, vermutet mancher verblüffte Reisende bald eine ‚Mutter Morgana’ zu sehen - anhand der reichlich skurrilen Anblicke in Baker Town. Ein Stopp am „Devils Playground“ bringt uns in das reichlich abgefahrene Wüstenkaff Baker, das allen Anschein nach schon Außerirdische zu Besuch hatte. Diese hinterließen Luftfahrzeuge, grünen Glibber und einige, vermarktungsattraktive Gebäude und Vehikel. Man kann ja damit auch richtig Kohle machen! Und einige extraterrestrische Gestalten (ganz in Plastik) stehen hier auch rum. Mulder und Scully, von den „X-Files-Team“, wären begeistert und voll am Ermitteln.

Nun ja, vielleicht auch nicht, zumindest gibt es hier auch eines der größten Thermometer der Welt, das auch funktioniert und die aktuelle, staubig-heiße Wüstensuppentemperatur in Form von leuchtenden Fahrenheit-Anzeigen an die staunenden Autofahrer oder das Bodenpersonal der UFO - Beobachter weitergibt. Eine bunte Abwechslung ist der schräge Ort allemal und auch eine Tankmöglichkeit für Fahrzeug, Mensch oder Schlabberquelle für hechelnden Vierbeiner auf der Ladefläche der allgegenwärtigen Pickups.

Wir machen einen weiten Bogen um die (über 15 Millionen) Autos in Los Angeles (24% des Stadtgebietes dort machen statistisch Autos aus!!) und fahren lieber über Santa Clarita und die Ausläufer der San Bernardino Mountains an die Westküste.

Es bleibt klimatisch recht trocken, aber wird doch merklich grüner, alles muss hier künstlich bewässert werden, der Küstenstreifen vor dem Erreichen des pazifischen Ozeans ist vollgepackt von Obstplantagen, Baumschulen, Gärtnereien und auch schon Weingütern. So langsam wird es wieder ‚Städtischer’, ein Ort wächst in den anderen und dann sind wir endlich da, im Ventura County. Yippiahee! – Wir sind nach einigen tausend Kilometern (oder auch umgerechnet, etwas weniger Meilen), 2-3 Monaten Fahrt durch die Wüsten, Gebirge und Hochebenen von Mexiko, Texas, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah und Kalifornien wieder am Pazifik angekommen. Es ist Buenaventura Beach und wir sind etwas nördlich von Malibu und wir haben vor, die Pacific Coast Highway Nr. 1 und 101 nach Norden zu fahren, und den berühmten „Big Sur“ unter die Räder der Esmeralda zu nehmen, auf geht’s!

Bevor wir an die eher wenig bewohnten Abschnitte der Pacific Coast Highway kommen, machen wir einen Stopp in Santa Barbara. Hier haben sich schon seit langem die besser betuchten, berühmten und berüchtigten Figuren des Geldadels niedergelassen. Man merkt der stark mexikanisch geprägten Altstadt an, dass die Kommune hier „Kohle ohne Ende“ hat.

Auf den ersten Blick ist die heilige Barbara schön anzusehen, aber das Zentrum wirkt auch schon irgendwie steril auf uns, so geleckt und voll von Edelboutiquen ist es hier, wie von einer anderen Welt. Hier beginnt auch ein anderes Phänomen, dass wir hier fast überall, speziell in Kalifornien beobachten:

Plätze oder Orte sind voll von Verbotsschildern aller Art, Warnungen vor sehr aufmerksamen Bürgerwehren- oder ähnlichen Vereinigungen, die „Alles Beobachten“. Ganze Galerien von Schildern weisen darauf hin, dass man am besten nirgends länger als 2 Stunden (oder weniger) mit seinem Fahrzeug stehen bleiben darf und auch das „Schlafen in Vehikeln“ ist bei Androhung von größeren Geldbatzen verboten. Diese ungeheure Masse an Schildern findet man außerhalb vom vielgerühmten „Sonnenstaat“ kaum oder glücklicherweise deutlich weniger! Man verbietet hier gerne alles Vorstellbare – eine Californian-Eigenart?

Viel erfreulicher: Die Küstenstraße am Pazifik gehört zu den schönsten ihrer Art und wurde schon vor über 100 Jahren, teils von Strafgefangenen gebaut. Die schwierigsten und außergewöhnlichsten Abschnitte sind abenteuerlich in die Steilküste gefräst. Die Serpentinen und Spitzkehren der Straßenführung müssen oft einige hundert Meter in die tiefen Canyons folgen, die sich wie überdimensionale Kerben in die raue Küste geschnitten haben. So kommt man schnell bei einer Luftlinie von nur 100 Meilen auf mehr als 140 Meilen Streckenlänge, die auf einer ‚groben’ Karte gerade Linie mit leichten Ecken wird in Realität zu einer der kurvenreichsten Strecken überhaupt und geht von Meereshöhe auf 300 Meter rauf und runter wie eine Achterbahn. Apropos Achterbahn: Wer gerne Achterbahnen benutzt, kann sich seinen Spaß im „Six Flags Magic Mountain-Park“ (nahe Santa Clarita) geben bis zum abwinken. Hier ist über die Jahre einer der extremsten und größten Vergnügungsparks entstanden. Die verschiedenen Hochgeschwindigkeits- Fahrgeschäfte lassen den Testpersonen das Adrenalin literweise aus den heißen Ohren spritzen und sind für Rückenschmerz-Patienten eher nicht zu empfehlen. Nicht auf Stahl-Schienen, aber teils auch ohne/teils mit Leitplanken verläuft die malerische Küstenstraße nach Norden, in eine schöne, natürliche Bucht mit Felsen und dem bekannt- berühmten Fischerdorf erreicht man Morro Bay.

Es gibt hier viele Fotomotive und kleine Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Die Holzhäuser, Geschäfte und Restaurants haben - eigenartigerweise - fast alle starke Ähnlichkeit zur „Fishermans Wharf“ und dem Touristenmagnet „Pier 39“ in San Franciscos alten Hafen. Zur Vollständigkeit hat man in der Morro-Bucht eine kleine, schwimmende Insel aus Holzbalken installiert, auf der sich lautstark die grazilen Heuler um die besten Plätze streiten. Genau das ist ja auch in der Stadt am Golden Gate ein „Hingucker“ und tausende Menschen kommen wegen der Robbenkolonie, die dort übrigens seit vielen, vielen Jahren freiwillig residiert.

Hier sind es an einem sonnigen Wochenendtag eher einige hunderte Touristen, die hier her kommen. Bunte „Numberplates“ weisen auf weitgereiste Autos hin, man kommt bis aus den östlichen „Südstaaten“ oder aus New England hierher. Oder auch aus der Oberlausitz. Wir erleben eine dröhnende, scheppernde, ploppernde Bande von Harley Davidson-Riders – die in der (Laut-) Stärke von über 50 Teilen/Einheiten in den kleinen Ort eingefallen sind. Bei der Abfahrt der Prozession in Metall, Nieten und Leder bebt der Erdboden und mindestens 1 oder 2 Möwen drehen ihre Augen nach oben oder bekommen einen Herzinfarkt. Uns fällt nur kurz der Kochlöffel aus der Hand.

Das nächste Ziel ist der bekannteste Teil der Küstenstraße, der „Big Sur“, und eine größere Ansammlung von schnaufend-brüllenden, tranig schauenden oder sandwerfenden Zeitgenossen. Von diesem Spektakel erzählen wir aber im nächsten Teil unserer Reisegeschichte, aber bis dahin haben wir noch eine kleine Sammlung an Verbotsschildern fotografiert, denen man zwar immer mal begegnet, aber selten in so gehäufter Form, dass man das Schild vor lauter Schildern nicht mehr sieht…..

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