Rote-Weiße Felsen, Indianerland und Slot-Canyons: Die Farben des Westens

(unsere Reiseroute)

Nördlich von Lake Havasu City liegt Bullhead City und hier treffen Arizona und Nevada zusammen. Beide trennt der schon etwas mager gewordene Colorado und viele Staudämme- und –Seen liegen auf dem Wege des Flusses zur Westküste.

Es gibt für uns noch einen kleinen Abstecher zu einem recht verlassenen Teil der historischen Route 66, welcher uns auch kurz durch eine kleine „Ecke“ Kalifornien führt. An einem Abenteuer- und Campingpark namens „Pirat Cove“ überraschen wir einen abgemagerten Coyoten, der aussieht, als wäre er gerade baden gewesen, oder er hatte seine Beute aus dem nahem Fluss geholt. So dürre wie er ist, kann er einen Imbiss dringend gebrauchen!

Drüben in Nevada findet man mit Laughlin einen kleineren Las-Vegas-Ableger mit durchaus großen Casinos und Hotels. Man möchte etwas in die Fußstapfen der großen Spielermetropole treten und hat einige ‚Filialen’ der großen Klimper- und Glitzerburgen in den Wüstensand gesetzt und geprotzt. Sogar große Bands wir ZZ Top lassen sich hier blicken (und hören), oder die in Ehren ergraute Countrylegende Alabama.

Wir schauen ‚mal rein’, aber halten uns nicht so lange auf, denn wir wollen noch ein Stück die alte Route 66 fahren und genießen.

Auf dem Wege nach Las Vegas an der Interstate Nr. 15 gibt es mittlerweile einen recht gut gewachsenen ‚Haufen’ an großen Casinos. „Primm Road Casinos“ nennt sich das Ganze und begann (dort) vor über 20 Jahren mit den riesigen Buffalo Bill-Casino, dessen gigantische Achterbahn-Strecke in der rasselnden und blinkenden Casinohalle startet, steil durch das Dach bricht und seine Runden für Fans der schnellen Schiene auf fast 4 km Strecke (damals Weltrekord!) bringt. Die Knochen haben bei der Fahrt mit diesem Giganten einiges auszuhalten und Adrenalinjunkies kommen auf ihre Kosten. Auch die Rückenwirbel werden für 6 Dollar neu sortiert und trotzdem sind wir damals (also Tomy & Eller ’96) gleich 2mal gefahren, weil es einmal kaum zu fassen war. Diese Achterbahnstrecke ist echt ‚starker Tobak’. Jetzt haben sich hier 3-4 große Casinos (mit einer Einschienbahn verbunden) zusammengeschlossen. Es gibt eine Riesen-Einkaufsmall und Parkplätze für ein Heer von Besuchern, das römische Ausmaße haben könnte. Man hat ja Platz.

Und wie vor 2 Jahren kreuzt Foreigner wieder unseren Weg, aber diesmal verzichten wir auf ein Wiedersehen. Vielleicht ein anderes Mal….

Auch in Las Vegas oder dem Vor-/Nebenort Henderson halten wir uns dieses Mal nicht so lange auf, es gibt in der großen Stadt schon einiges zu besorgen und günstiger einzukaufen als in den ganz kleinen Wüsten- oder Felsen-Kaffs von Utah, Arizona oder Nevada. Wir lassen uns aber nicht nehmen, einmal das weit von Strip gelegene Hotelcasino „Fiesta“ mit seinem Büfett zu ‚probieren’. Das Personal ist sehr freundlich zu uns und spendiert uns gleich mal zur Clubkarte ein Gratis-Büfett-Ticket, nur weil bei der Anmeldung eine Kleinigkeit schief gegangen war, sozusagen ein „Zwei für Eins-Ticket“. Wir wollten eh’ schauen, was die Spachtelschmiede dort oben im turnhallengroßen Bekochungszirkus alles so an Feinheiten für die private Kauleiste bietet.

So ein Las Vegas-Büfett, ein Event für die Sinne, ist eine feine Sache, aber danach ist man vollgefressen wie eine ungarische Puszta-Stopfgans und kollert abgefüllt durch scheppernde Automatenreihen zum rettenden Ausgang, auch wenn man sich vorgenommen hatte, sich zurückzuhalten. Passiert ja nicht alle Tage.

Heute haben wir (spielertechnisch) mal nichts verloren, also alles in Roulette-Tisch-grünen Bereich. Uns ziehen jetzt, viel mehr als das Glücksspiel, die Canyons und Felsengebiete nördlich von Vegas und wir besuchen beim Wege am Lake Mead entlang (auch noch ein Stausee des Colorado) die feuerroten Felsen am „Valley of Fire“. Auch hier gibt es wunderschöne, ruhige, freie Stellplätze für Wohn-Mobilisten.

Dann genießt man auf der Fahrt auf der I-15 Nord den gewaltigen Canyon des Virgin River, durch den sich die Piste wie gezaubert windet. Ein Naturschauspiel wie ein ‚kleiner Grand Canyon’, man ist hier ja auch kurz auf dem Territorium des Grand Canyon State in Arizona unterwegs, bis es dann kurz danach in den Mormonenstaat Utah geht.

Von St. George, Utah starten wir unsere erste, (vor allem für Esmeralda) anspruchsvollere Tour zu einem kleinen, aber uns bis dato fast völlig unbekannten Naturwunder. Einem echten Geheimtipp von Einheimischen an (und für) deutsche Foto-, Wander- und -Kraxelfreunde. Das Datennetz und seine Möglichkeiten machen so etwas eben auch möglich. Bücher, Reiseführer, selbst Visitorcenter-Angestellte kennen dieses echt versteckte Juwel in den Bergen nördlich von St. George eher kaum. Wir haben uns die Beschreibungen und Koordinaten besorgt und tuckern mit unseren 4Wheel 20 Meilen raus aus der Stadt um dann bei Leeds in den Dixie National Forest abzubiegen.

Dann geht es heftig bergauf und bergab auf einem System von Schotterstraßen ca. 9 Meilen durchs Hinterland, unser Ziel sind die „Yant Flats“, oder „Candy Cliffs“, aufgrund des gestreiften Zuckergussoutfits der Felsenformationen dort. Auf knapp 1.700 Metern führt die Piste in einen schönen Bergzedernwald. Offroadfans mit Quads kommen uns entgegen, es ist das Osterwochenende und einiges los, auch abseits der großen Routen. Vom improvisierten Parkplatz führt der Wanderweg 1,2 Meilen an die Felskante und man erkennt schon die typischen Sandsteinklippen, wie sie auch in Zion Nationalpark zu finden sind.

Die Erosion hat hier wieder andere, verrückte Muster und Färbungen geschaffen, das Gestein sieht aus wie dicke, gelb-weiß-braune Sahne mit hellroten Streifen, langsam zähflüssig gemischt und skurril erstarrt. Andere Teile des Plateaus wirken durch ihre natürliche Zeichnung wie gefrorene Gehirnmasse. Das Gestein hier ist griffig und glücklicherweise nicht bröselig und wenn man aufpasst, kann man runter zum Hauptteil klettern, das wirklich wie eine Bienenwabe ist oder an einen Zuckerkuchen erinnert. Alles hier im Umkreis wirkt unwirklich, nahezu künstlerisch geformt und wir staunen immer wieder, was die Natur durch Erosion so modelliert und baut. Es hat sich gelohnt, hier rauf zu fahren und zu wandern. In der Ferne sieht man, in den Strahlen der untergehenden Abendsonne, die Felsenkuppeln des Zion-Parks und weit unten im Tal liegt St. George. Ein toller Ort im „Land der roten Steine“, Utah bezaubert einfach.

Ja, wir waren schon im Zion-Nationalpark, aber wenn der Weg zu den nächsten Zielen eh’ dort entlang führt, geht unsere Tour natürlich gerne durch einen der landschaftlich schönsten Parks Nordamerikas überhaupt. Man kann sich am Zion-Canyon sowieso nicht ‚sattsehen’.

Da heute der Hauptcanyon vor Besuchern schier überquillt, nehmen wir zum Erkunden und Fotografieren mal eine andere Route. Es gibt eine recht selten befahrene Stichstraße zum Reservoir des Kolob-Canyons, eines nordwestlichen Teils dieser sagenhaft schönen Gegend. Wegen einer Straßen-Baustelle ist hier sehr wenig los, kaum Verkehr, wir müssen mehrfach länger warten und über Bauplatz-Acker rumpeln, aber die Stecke rauf auf über 7.200 Fuß ist eine schöne Panoramapiste.

Untern im Tal sind über 20 Grad Celsius und hier oben liegt Schnee bei 2 Grad, dazwischen - gerade abends - bietet sich eine zauberhaft leuchtende Felsenlandschaft in allen Schattierungen von weiß über Gelbtöne, Ocker und Rot, dazwischen die grünen Zedern und dahinter der blaue Himmel von Utah!

Wir bleiben auch nachts auf einem unteren Seitenplatz im Kolob-Canyon stehen, hier ist kein Nationalparkgebiet, und in der Canyonwildnis darf man auch mal ‚ebenso’ stehen bleiben. Die Campingplätze in der Hauptschlucht sind eh’ alle seit den frühen Morgenstunden ausgebucht und recht laut außerdem.

So fantastisch, wie der Zion Canyon immer wieder ist, so atemberaubend ist auch die „Nordost-Ausfahrt“ in Richtung Kanab, auf dem hier ganz speziellen, fast lilafarbenen Asphalt! Man hat den Bitumen für die Straße (nur hier im Park) so verrückt gemischt, und so kommt eine weitere Nuance an ungewöhnlichen Farben mit hinzu, wenn man durch die von Gletscherzungen der letzten Eiszeit geschliffenen und modellierten Steintürme fährt.

Man muss (falls möglich) einfach immer wieder mal stoppen und diverse Pfade zu und teils auf die Felsen gehen, um Fotos zu machen. Je nach Ansicht und Standpunkt sowie Sonnenstand haben diese Sandsteinfelsen die Formen von menschlichen Gesichtern, Tieren, Fabelwesen und Domen – und das ganz ohne ‚bunten Pillen’, wie hier vielleicht mancher Schalk vermutet. Aber der war möglicherweise noch nicht hier!! Alles in allem ist der Zion Canyon ein Wunderwerk der Natur, der Erosion und … der Zeit. Einen Jahrespass für alle amerikanischen Nationalparks und –Monumente haben wir uns eh’ wieder gekauft, sonst käme der Zion Canyon schon allein auf 25 Dollar pro Fahrzeug. Die 80 Greenbucks für den Annual-Pass (früher „Golden Eagle“) sind also normalerweise gut angelegt, wenn kein zahlungsausfallbedingter „Shutdown“, wie im Jahre 2013 kommt. Das hoffen wir und hunderttausende andere Besucher des Nationalparksystems natürlich nicht.

Kanab, Utah, ist die nächste Stadt in Richtung Lake Powell und Ausgangspunkt für Touren in das sagenhafte Grand Staircase Escalante National Monument, von begeisterten Trekkingfans, Fotofreunden und Naturfreunden nur kurz GSENM genannt. Ist ja auch ein langer Name Zwinkernd. GSENM, seit den 1990ern im Status eines National Monuments erhoben, ist eine der außergewöhnlichsten Felsen- und Erosionslandschaften im ganzen amerikanischen Westen und riesig groß. Es beherbergt auch die berüchtigte ‚Rock-Wave’, deren Foto durch einen Windows-Benutzerhintergrund weltweit bekannt wurde. Leider hat das aktuell zu einem so gigantischen Ansturm geführt, dass der Besuch dieses einzigartigen, abgelegenen Naturwunders von der Nationalparkdirektion auf 20 Besucher pro Tag streng limitiert wurde. Zum Schutz dieser Formation - auch wieder verständlich. Es wird teils online ausgelost, wer dort hin wandern darf - und nur 10 Permits werden jeden Tag im Visitorcenter des GSENM in Kanab live ausgelost. Morgens um 8:30 geht’s los (immer für den nächsten Tag). Nachdem wir auch online im Vorfeld Pech hatten, wollen wir dieses Losspektakel einmal mitmachen und finden uns hier, wie erwartet, inmitten von zig’ Interessenten aus aller Welt wieder, die alle zur „Wave“ möchten. Heute sind es über 130 Antragsteller insgesamt und gewinnt z.B. eine Fünfergruppe, so bleiben eben nur noch 5 Permits - Betrugsversuche japanischer/oder koreanischer Touristen werden heute knallhart geahndet und alle „Mogler“ sofort disqualifiziert. Wir treffen Werner und Ulla aus Deutschland, die hier und heute schon ihren 3. Versuch starten. Leider haben wir auch kein Glück, man kann ja nicht tagelang hier warten und der Andrang wird immer größer. Wer ‚schwarz’ beim wandern zur Wave erwischt wird, muss mit extrem hohen Strafen rechnen, es wird jeden Tag kontrolliert.

Wir planen als ‚Trostpflaster’ eine Tour zum wohl gewaltigsten Slotcanyon des Westens, dem „Buckskin-Gulch“, der ebenfalls in der feuerroten Paria-Wilderness, südlich des Hwy. 89 nach Page liegt. Man muss schon 14 Meilen Offroad über roten Sand, Stock und Stein zum Paria Plateau brettern und rumpeln. Bei regennasser Piste ist es fast unmöglich, aber es ist seit Tagen trocken. Noch. Bei der Einfahrt zur House Rock Road treffen wir Werner und Tina mit ihren Mustang „Sally“, sie kommen aus dem Schwabenländle und haben mit ihren Mercedes (mit Bimobil-Kabine) ebenfalls vor, den amerikanischen Kontinent ausführlich zu erkunden. Gleich gibt es für uns vier einen Generalstopp und man ratscht erst mal über das ‚Woher und Wohin’. Wir werden uns wohl wieder treffen, aber heute kommen wir uns leider Streckentechnisch entgegen. Wir bekommen eine aktuelle Weg- und Pistenzustandsbeschreibung und dann fahren wir langsam zum Startpunkt am Wire-Pass.

Dort stehen schon reichlich viele Fahrzeuge, denn auch die Wave-Wanderung startet hier. Jeder Wanderer, jede Gruppe sollte sich in ein Buch einschreiben, mit Bezeichnung der geplanten Route und Zeitumfang, als Ein -oder mehrtägiger Trip, schon zur Sicherheit, denn Wegweiser oder Wasserstellen gibt es hier nirgends mehr.

Wir gehen mit reichlich Wasser gebunkert durch einen Wash im Sand des Canyons zur karmesinroten Bergformation des Paria-Plateaus, nach 1,2 Meilen erreicht man den Einstieg in eine der spektakulärsten (engen) Felsensteinschluchten, die der Paria-River und seine Zuflüsse in den roten – bis lilafarbenen Sandstein gewühlt und gegraben hat. Der enge, 30 bis 50 Meter hohe Slotcanyon, der „Buckskin-Gulch“, ist über 22 Meilen lang und hat mehrere Ausgänge und Verzweigungen.

Die Korkenzieher-Slots, entstanden durch die Wasserverwirbelungen der immer wieder abgehenden Muren und Sturzbäche aus den Bergen und haben die verrücktesten Formen und auch - je nach Sonnenlicht – Farben. Man fühlt sich wie in einem filigranen Organismus aus Sand und Fels, nach jeder Wendung des Canyons kommen neue Licht- und Schattenformen zustande.

Es liegt einiger Stein- und Holzschutt im engen Canyon über den man klettern muss. Mal ist es nass, schlammig und in der Tiefe auch recht kühl und feucht. Nach einigen hundert Metern enden manche Slots und der Canyon erweitert sich zum Tal um dann im nächsten Canyon überzugehen. So kommen immer wieder neue Slotabschnitte, neue Fotomotive, Klettereinlagen, sogar prähistorische Felsenzeichnungen oder beginnende Naturbrücken in Rostrot oder Braun, durchzogen von feuerroten Bändern oder fast schwarzen Absätzen.

Natur- und Canyonfans werden hier absolut begeistert sein und diesen Teil der Paria-Wilderness wohl kaum je wieder vergessen, uns geht es genauso. Für den (viel kleineren, aber auch sehr schönen) Antelope-Canyon im Navajo-Gebiet, bei Page, muss man (bei jetzt neuerdings „Zwangs-Führung“) von 25 bis 50 Dollar Eintritt löhnen, je nach Tageszeit und Sonnenstand. Hier bekommt man viele Meilen Natur pur für ein 6$-Wander-Permit als Alternative. Grundsätzlich ist auf sich allein gestellt, aber andere Gruppen sind bei gutem Wetter genug unterwegs, falls man mal Hilfe brauchen sollte. Leider ist die Anfahrt für einen normal tiefer liegenden, einfachen Mietwagen etwas ‚tricky’ und offiziell eigentlich nicht erlaubt, aus Versicherungsgründen. Wer hier hin will, sollte sich einen Offroader/SUV ausleihen oder/und das mit seinem Autovermieter absprechen. (N37.01889° W112.02538°).

In Page treffen wir Werner und Tina mit ihren Mercedes-Sprinter wieder und leeren einige Gläser Wein zusammen. Die beiden haben auch einige Reparaturen zu machen und hier für europäische Fahrzeuge Ersatzteile zu bekommen, ist oft leider ein logistischer Riesenaufwand, wie auch bei uns.

Während die Beiden nach Norden wollen, haben wir von 2 nicht so sehr bekannten Orten in Indianerreservaten südlich von Page erfahren, die uns auf Grund von faszinierenden Fotos magisch anziehen. Ja, es gibt sie noch die (fast) „Hidden Secrets of the West“. Etwas abseits der bekannten, großen Nationalparks, gibt es eine einfach kaum zu überschauende Menge an wunderbaren Orten hier im Westen, speziell in Arizona, New Mexico oder Utah, dass ein Reiseleben wohl kaum ausreicht. Diese Orte tauchen wenig bis gar noch nicht in den großen Bildbänden oder Reiseführern auf. Dank des Internets und der Info von anderen Reisenden können wir auf einige Koordinaten zurückgreifen.

Bei Tuba City im Navajogebiet liegt die Coal Mine Mesa mit einem imposanten wilden Canyon. Es gibt einige Aussichts-Punkte, die man erwandern kann. Der weit verzweigte, tiefe und zerklüftete wie farbenfrohe Coal Mine Canyon liegt auf ca. 1.900 Meter Höhe und man kann auf einer Schotter/Sand/Fels-Piste einige Kilometer auf die Mesa/das Plateau fahren. Dann müssen wir unsere Esmeralda stehen lassen und zu Fuß weiter. Die Entfernungen sind auch hier groß, das Terrain überall ungesichert und Abbruchgefährdet. Starker Wind kommt heute hinzu und wir passen auf, dass wir nicht von einer Bö in den Abgrund geweht werden. Überall sind Teile des Felsplateaus abgebrochen und die Erosion hat Teile der gewaltigen Schlucht einstürzen lassen.

Aber die Bilder, die wir machen können, entschädigen für die Kraxelei am Abgrund und die Blicke in den Coal Mine Canyon sind wieder mal atemberaubend schön. Wer unbedingt ‚runter steigen’ will, muss sich in Tuba City die Erlaubnis der Indian Reservation holen. Es gibt kaum Möglichkeiten für einen sicheren Abstieg zu sehen, keine Pfade, überall steile Abbrüche und loses Gestein. Schon das Nähern an die Abbruchskante erscheint hier recht gefährlich, da man ja nicht um die Ecke (also drunter) schauen kann. Zumal wir auch schon aus Berichten wussten, dass ein Abstieg in den Coal Mine Canyon sehr schwierig ist, am besten ist man wirklich mit einem indianischen Guide beraten. Dafür kann man aber dann mit Extrakosten von mindestens 150-200 Dollar pro Tag rechnen, wir sparen uns diesen Aufwand.

Vom Coal Mine Canyon Rim aus darf man dieses Naturschauspiel übrigens ohne Extra-Permit genießen und wir begegnen 2mal einen schwarzen Jeep, besetzt mit freundlich grüßenden Indianern. Wir sagen natürlich ‚Servus’ und sind froh, dass Esmi im Vierrad-Modus und niedrigen Gang die abenteuerlich aussehende Schottersteigung zum Hochplateau schafft. Die Navajos scheinen sich offensichtlich über unser Interesse zu freuen… wenn man uns so winkt…! Mit einem Straßen-Pkw wären wir diese verrückte Strecke auf das Hochplateau sicher nicht gefahren.

Es gibt ‚praktisch um die Ecke’ noch ein ganz anderes, ausgefallenes Naturwunder, das man auch ‚normal’ erreichen kann. Wir sind mächtig gespannt, denn die Bilder oder Beschreibungen vom sagenhaften „Blue Canyon“ der Hopi-Indianer haben es uns angetan und dieser ist gar nicht so sehr weit von der Coal Mine Mesa der Navajos entfernt. Hier teilen sich die beiden, großen Stämme ihre Reservate und man hört von einigen Uneinigkeiten der First Nations wegen des Blue Canyons, eines sehr farbenfrohen Verwitterungs-Tals in einem Flussbett. Eine mögliche Zufahrt beginnt in Süden von der AZ-Highway Nr. 264 aus, dann biegt man ab auf die Indian Road Nr.7, die als Sand- und Steinpiste nach Norden führt. Wieder sollte man unbedingt auf das Wetter achten, bei einsetzenden Starkregen kommt man möglicherweise auch mit 4-Wheel kaum noch aus der Schlucht heraus, denn der rote Lehm wird schlüpfrig wie nasser Gips und verkleistert Schuhe und Reifen in mehreren Schichten. Man kann ihn sicher auch als rote Kriegsbemalung ins staunende Antlitz schmieren, später wird das Zeug aber hart wie Töpferware. Egal, wo es sich nun genau befindet – daher spricht man im Film-Western auch von den „Versteinerten Gesichtern der indianischen Krieger“. Jetzt wissen wir’s und haben uns natürlich vorher nach dem Wetter erkundigt: Es bleibt noch trocken in diesem Teil des Wilden Westens!

Nach ca. 12 Meilen auf der Indian Nr.7 beginnt das nächste Natur-Schauspiel und die Piste windet sich wie eine Rasselschlange in den vorher versteckten Blue-Canyon. Welcher eigentlich farblich eher Red&White als Blue ist - aber der herrliche blaue Himmel über uns kann dann doch für den Namen stehen oder die Namensauswahl bleibt das Geheimnis der Hopis.

Nachdem wir den Wash (momentan ein ausgetrocknetes Flussbett) durchquert haben, beginnen bald auf der nördlichen Seite der Schlucht die versteinerten Gnome, Türme und (Klecker-)Burgen aufzutauchen. Eine regelrechte Stadt aus leuchtend rot-weißen Hoodoos, Zipfelmützen und vielen filigranen Bauwerken, die an Elbenschlösser oder (wieder einmal) an die fantastischen Artworks von Roger Dean oder Rodney Matthews erinnern, welche ja durch ihre tollen Plattencover für z.B. Yes bzw. Magnum und einige andere Bands zu Recht weltberühmt geworden sind.

Noch nicht weltberühmt ist dieses Tal hier und irgendwie hoffen wir, dass dies auch noch lange so bleibt, denn ein Übermaß an Trampeltieren, die hier alles plattwalzen, braucht’s eigentlich nicht. Warum? Im Vorfeld haben wir erfahren, dass tatsächlich einige, unterbelichtete, menschliche Dünnbrettbohrer hier auf diverse Figuren geklettert sind, um sich („Ich und das Motiv“) fotografisch auf den zerbrechlichen Teilen festzuhalten. Tut dass Not? So sind einige der einmaligen Figuren oder Türmchen sinnlos zerstört worden. Kein Wunder, wenn die Hopi-Indianer jetzt überlegen, dieses wundervolle Gebiet zu sperren oder den Besucherverkehr zumindest zu limitieren, das alles wieder mal wegen 0,1% Idioten, die auf die Hoodoos kriechen müssen. Wir sind entsprechend vorsichtig und uns genügt es vollkommen ein Blick auf dieses kleine Wunderwerk der Verwitterung und das Spiel der Farben zu werfen.

Ohnehin sollte man hier das Gebiet der Hopi Indian Nation respektieren und diesen Ort so verlassen, wie er schon viele 10.000de Jahre ohne hirnlose Zerstörer existiert hat. Sorry, Leute, aber da werd’ ich mal richtig sauer, wenn man dann solche Auswirkungen sieht und ihre Folgen. Ansonsten bietet das Tal des „Blue Canyon“ wirklich vieles für Fotobegeisterte und die Phantasie im Allgemeinen. Ein schönes Stück abstrakte Natur und der glücklicherweise wiederkehrende Beweis dafür, dass auch wir noch lange nicht „Alles schon gesehen haben“.

Die Ausfahrt nach Norden aus den Canyon zum Highway Nr. 160 ist bei weitem nicht so gut und gepflegt wie der südliche Teil der Piste. Es gibt hier einige Treibsandabschnitte und man muss über Steinabsätze ‚hubbeln’ und schlingert im rotem Staub hin und her, die (nochmals) 14 Meilen haben es in sich.

Die Piste 160 - für Asphaltcowboys - erreicht man dann beim Indianerposten Tonalea, wo auch eine Trading Post liegt, also ein alter Handelsknotenpunkt, aber heute eine Kneipe mit Motel und Generalstore-ähnlichen Rumpelladen.

Nach diesen schon sagenhaften und auch für uns neuen, wunderbaren Naturplätzen wenden wir uns wieder nach Norden, die Fernstraße 89 führt zum nördlichen Lake Powell und dort geht’s dann im nächsten Teil weiter.

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