Von Texas an den Colorado

(unsere Reiseroute)

Da waren wir also an einer der berüchtigten Staatsgrenzen der Gegenwart und haben das erste Mal eine Fahrzeug-Landeinreise von Mexiko in die USA. Wir machen uns auf einiges gefasst, aber was hier abgeht, ist schon ein paar kritische Sätze wert. Zuerst wird unser Pickup Camper von 3 Beamten und einem Hund ordnungsgemäß auseinandergenommen, so wie noch nie je zuvor. Wobei sich der nette Vierbeiner eher zurückgehalten hat, es gab ja nichts Verbotenes zu erschnüffeln. Was so noch nie passiert ist, dass wir nicht einmal (in unserer Wohnkabine – das ist unser Privatraum!!) dabei sein dürfen, wenn alles geöffnet, durchsucht und ‚umgegraben’ wird. Wenn wir helfen wollen, diverse Fächer oder geschlossene Türen zu öffnen (um mechanische Zerstörung zu vermeiden!!) werden wir rüde und aggressiv zurückgewiesen. Unglaublich.

Unser Eindruck, die Behandlung aller Ausländer bei der Einreise nach Laredo, war etwas herablassend und arrogant. Die 4-5 Beamten bei der Passkontrolle/Personeneinreise machen sich einen Heidenspaß daraus, die Leute laaange waren zu lassen. Je nur einer bearbeitet die Personen, der Rest redet miteinander, schwatzt demonstrativ, trinkt Kaffee und ignoriert die „Riesenschlange“ vollkommen, sie drehen uns den Rücken zu. Bei nur 6-7 Personen (oder Paaren) vor uns lassen sich die Herrschaften fast 2 Stunden (!!) Zeit, man steht unter der Klimaanlage, friert und wartet. Die Behandlung der Leute und die Körpersprache der Beamten (Hier und Heute!!) fanden wir nicht in Ordnung. So eine deprimierende „Einreise“ haben wir noch nie erlebt und brauchen auch einige Zeit danach, um das zu verdauen. Glücklicherweise ist das nicht überall in den USA so, es gibt hier ja auch positive Erfahrungen bei der Einreise!! Dann, nach einem gefühlten halben Tag sind wir über diese Grenze und haben keine Lust, dieses Spektakel so noch einmal zu erleben.

Laredo hat alles Wichtige zum Einkaufen, aber ansonsten ist hier im „tiefen Süden“ von Texas nicht allzu viel an Sehenswürdigkeiten geboten. Da unsere Wasserpumpe (in der Wohnkabine) leider komplett den Geist aufgegeben hat, brauchen wir Ersatz und den gibt es nur bei einem Camping-Spezial-Ausrüster. Hoffen wir. Die nächste Filiale von „Campingworld USA“ ist erst nördlich von El Paso, in Anthony, Texas. Zumindest eine solche Filiale liegt in unserer Reise-Richtung - denn Dallas, San Antonio und Houston (näher, aber östlich oder nördlich) haben wir schon früher besucht und wir wollen jetzt erst mal in den Südwesten. Einen ‚Laundromat’, also eine Münz-SB-Wäsche-Station, findet man in Orten die aus mehr als ein Dutzend Häusern bestehen, eigentlich fast immer und so können wir noch einen Waschtag einlegen.

Wir treffen noch Fränzi & Richie mit ihren „El Amarillo“ auf dem ‚LOWE’s’ (Baumarkt) Parkplatz. Wir waren ja zusammen am Camp in San Miguel de Allende. Es ist sehr schade, dass sich unsere Wege hier trennen, denn die Beiden möchten an die amerikanische Ostküste rauf und ihr Reisemobil bald wieder nach Europa verschiffen. Wir verbringen noch einen Super Abend zusammen in Laredo.

Auf dem Wege quer durch den Riesenstaat Texas halten wir uns die erste Strecke an der mexikanischen Grenze entlang und überqueren den Pecos River, der einen tiefen, eindrucksvollen Canyon gegraben hat. Bei Del Rio gibt es ein Naturschutzgebiet durch einen (TEX-MEX) länderübergreifenden Stausee mit weißen Dünen - die „Amistad National Reserve“, welche durch die sehr weitläufigen Canyon-Uferlinien ein wenig an den Lake Powell des Glen Canyon in AZ/UT erinnert. Auch hier wird viel mit Wasserfahrzeugen rumgeheizt, am Ufer gecampt und die BBQ’s rauchen in den Abendhimmel.

Die kürzeste Strecke nach El Paso geht als Landstraße am Bogen des Rio Grande entlang und dann nach Norden durch flache Steppengebiete rauf zur Interstate Nr.10, die dann ihrerseits weiter bis an die Westküste führt. Das leicht hügelige Gelände ist extrem trocken und man sieht hier überall kleine und mittlere Öl-Förderungsanlagen auf privaten, immer gut gesicherten Grundstücken. Oft kann man sogar, etwas abseits des Highways, gleich mehrfach umfangreiche Technik zur Öl-Weiterverarbeitung sehen. Überall wird gepumpt oder laufen kleine Pipelines durch die karge Landschaft. Auf dieser Strecke ist Texas sehr dünn besiedelt, danach ‚erschlägt’ einen die Riesencity El Paso fast, die zusammen mit Ciudad Juarez auf mexikanischer Seite eine gewaltige Metropolenregion bildet.

Juarez ist in den letzten Jahren (als gefährlichste mexikanische Grenz- und Großstadt) durch eine explosive Drogenkriminalität zu trauriger Berühmtheit gekommen. Schon 1996 war uns dort bei einem Kurzbesuch nicht sonderlich wohl zumute und heute zieht es uns nun überhaupt nicht mehr dorthin. Anthony dagegen liegt recht ruhig an der Grenze zu New Mexiko und wir finden in der Campingworld-Filiale tatsächlich eine Ersatzpumpe, die auch in unsere enge Armaturen-Kiste reinpasst. Das ist absolut keine Selbstverständlichkeit bei den gewaltigen XXL-Teilen, die hier als ‚Camper’ herum düsen. Wir hatten befürchtet, dass die Pumpen, Armaturen und Ersatzteile hierfür auch amerikanisch riesenhafte Ausmaße haben.

Von Las Cruces im Nachbarstaat New Mexico starten wir dann (endlich!!) unsere erste Naturtour zum „White Sands National Monument“, welches nördlich in den Bergen neben einer Air Force Base liegt. White Sands ist schon wieder einmal so ein ganz spezieller Platz, denn mitten in den grauen, wirklich recht unspektakulären Bergen ringsum – liegen - wie von Geisterhand hinbewegt – blendend weiße Sanddünen, die einen verrückten, ja unwirklichen Kontrast zur restlichen Landschaft darstellen.

Die Dünen gehören geografisch zum nördlichen Teil der Chihuahuawüste und bestehen aus Gipsablagerungen (oder Kalziumsulfat), das sich hier auf dem Grund eines Ur-Meeres vor ca. 250 Millionen Jahren abgelagert hat. Wir haben uns erst über das Regenwetter am Bergpass zu den White Sands Gedanken gemacht, aber der abziehende Regen mit seinen tiefdunklen Wolken am östlichen Horizont schafft an diesem Nachmittag zusätzlich einen ganz besonderen Effekt mit den blendend weißen Sanddünen und der kargen Vegetation. Wir sind bis zum späten Nachmittag in diesem sehenswerten Naturschauspiel unterwegs. Das schöne Besucherzentrum des National Monuments ist in warmen, braunen Erdfarben gehalten und im Adobe-Pueblo-Stil der Anasazi-Ureinwohner gebaut, wie man sie oft gerade hier im Bundesstaat New Mexiko bewundern kann.

Hier im Süden von NM ist die Wegstrecke nach Westen recht übersichtlich und wir möchten eine kleine Ghosttown besuchen (mit Namen Shakespeare!) – leider ist niemand ‚Zu Hause’ und das Grundstück „Private Property“.

An der Grenze zu Arizona liegt das etwas bekanntere „Steins“ Ghosttown, ein Überbleibsel aus alten Haudegen-Wildwest-Zeiten. Auch hier ist alles verlassen und modert historisch vor sich hin. Das alte Holz der Häuser ist braun bis schwarz gefärbt und die Gebäude der damaligen Trapper und Goldsucher wirken wie nach einem nur mäßig überstandenen Sturm. Die Zeit nagt dazu ohnehin an den Bretterbuden und man kann seine Phantasie spielen lassen.

Wir fahren über das (noch ganz lebendige) Städtchen Benton nach Süden nach Tombstone, wo einst am „OK-Coral“ Wyatt Earp, Doc Holliday und Kumpanen den Westen unsicher machten und sich wegen leichten Meinungsverschiedenheiten eine ordentliche bis schwere Bleivergiftung einfingen.

Mehrmals verfilmt, oft beschrieben, heute Geschichte ist daraus in unserer Zeit ein gut gehendes Geschäft entstanden. Tombstone lebt recht gut von den tausenden Touristen aus aller Welt. Einige Statisten stellen das Western-Spektakel in den Straßen der kleinen Stadt täglich nach und die vielen Läden, Kneipen, Hotels, Motels und ein dutzend RV-Camper-Parks zeugen vom ungebremsten Besuch der alten „Geisterstadt“, deren heutige „Geister“ gutes Geld machen. Sieht man das alles nicht zu ernst, so ist der Besuch in Tombstone auch einen kleinen Umweg von den großen Interstate-Highways wert und hier unten im tiefen Süden von Arizona ist es auch in den Wintermonaten noch recht angenehm warm.

60 Meilen nördlich von Tombstone liegt Tucson, eine schon größere und auch deutlich lebendigere Stadt. Hier gibt es nun einiges zu sehen, landschaftlich vor allem die beiden Teile des Saguaro National Parks.

Dieser liegt oberhalb der Stadt in der Sonora Wüste und man sieht auf den bergigen Wanderwegen nicht nur die bekannten Saguaro-Riesenkakteen, sondern auch 20 andere Arten der äußerst stacheligen und wehrhaften Wasserspeicher. Die locker bis 3 Meter hohen Sukkulenten-Gewächse kennt man auch unter den Namen „Kandelaberkakteen“, ein wörtlich aus dem französischen kommender Vergleich zum Kerzenständer – nun, es sind recht große Kerzenständer, die hier so ‚rumstehen’. Wenn man nicht aufpasst und sich beim fotografieren etwas ‚vergisst’, kann es so schnell passieren, dass man zum Stachelschwein wird und einige Dornen haben gemeine Widerhaken oder sondern auch Gift ab, also am besten nicht rückwärtsgehen. Über 1.000 Pflanzenarten gibt es hier in dem schön gelegenen Park, der im Norden von den 1.400 Meter hohen Tucson Mountains begrenzt wird. Es gibt einen West- und einen Ostteil des Parks, der seit 1994 den Status eines Nationalparks hat (vorher war es ‚nur’ ein Monument) und wir nehmen uns je einen Tag Zeit zum Erkunden der stacheligen Wüsten- und Berglandschaften.

Tucson ist eine relativ angenehme, nicht so laute oder „Vertikale“ Stadt, alles verteilt sich auf viele hundert qkm.

Im Südosten gibt es mit dem „Pima Air & Space Museum“ ein Ziel für Flugzeug- und Technikfans. Mancher hat vielleicht schon einmal etwas von den vielen (tausenden!!) Flugzeugen gehört, die „irgendwo in der Wüste von Arizona“ geparkt sind und auf Grund des trockenen Wüstenklimas kaum oder wenig rosten, also dort recht gut und lange vor sich hinparken.

Unter anderen findet man eine Riesenmenge alter, uralter, historischer und topmoderner Jets dort in Tucson. Sogar recht aktuelle MIGs (bis No.29!) findet man hier, eine ältere Version der „Air Force One“, Helikopter ohne Ende und auch ein altes DDR-Spionage-Flugzeug prangt mit dem ‚BlemBlem’ Hammer-Sichel-Ährenkranz als Ausstellungsstück zwischen M16 Jägern und strategischen Bombern. Alles Geschichte der letzten 50 Jahre und auch Zeugnis von Konfrontation Ost und West.

Das so richtig Verrückte ist die sogenannte „Bone-Yard-Tour“ (Alte-Knochen-Tour genannt), wo man auf einem riesenhaften Terrain (per Bus, es ist eine offizielle Airforce-Base, raus darf man also doch nicht) 3.800 fast neue, alte und ältere Militär-Maschinen sehen kann.

Bei dem unglaublichen Anblick gehen die Vögel schier zu Fuß. Der Brüller ist ein Tarnkappenflieger, der so unsichtbar durchsichtig ist, dass nur die Räder und die Gangway des modernen Jets zu sehen sind, der Rest ist – nun, Luft. Humor hat man also auch hier, glücklicherweise.

Schon unheimlich und auch sehr bemerkenswert angesichts der finanziellen Lage des Landes, denn hier glänzen (geschätzt), wahrscheinlich einige zig’ Milliarden Dollar in der Wüstensonne, alles schön in Reih’ und Glied präsentiert. Wir sind und werden ganz sicher keine ‚Militär-Fans’ (und stehen dieser Sache eher sehr nachdenklich gegenüber), aber das hier ist einfach sagenhaft interessant anzuschauen.

Vor 19 Jahren haben wir hier bei Tucson das „Biosphere II“ – Projekt besichtigt, wo ja einmal unter Glashaus-Dächern versucht wurde, als Forschungsobjekt die verschiedenen Klimazonen der Erde zu simulieren, dies aber als Privatinvestition. Das (damals gescheiterte) Experimentalprojekt und sein imposantes Bauwerk gibt es heute noch zu bewundern. Auch hat Tucson eine recht interessante Musikszene, gute Desert-Rock-Bands kommen von hier und haben sogar seit über 20 Jahren einen eigenen, recht erdigen Stil geprägt.

Weiter westlich kommen wir dann über das Wüstennest Gila Bend, mit seinen leicht verrosteten Sauriern am Truckstop.

Und später, ganz im Südwesten Arizonas, im Dreiländereck zu Mexiko und Kalifornien liegt Yuma in einer brütend heißen Talsenke. Der Ort und seine Umgebung hat mit 340 durchschnittlichen Sonnenstunden (damit der sonnenreichste Ort weltweit) einen berüchtigten Winter-Platz für Zehntausende „Birdpeople“ aus den Norden der USA und auch Kanada – nirgends sonst haben wir so viele Camper- RV- Wohnmobil und – Mobilhomeparks gesehen als hier. Es gibt regelrechte kleine Mobil-Städte dort - mit festen und Saisonplätzen. Alles ist hier auf die Zugvögel aus dem Norden eingestellt. Sogar ein kleines deutsches Restaurant haben wir entdeckt, wo man ein paar Leckereien kaufen kann.

Auch einige tausend Quadratkilometer Mojavewüste nach Nevada sind mit „wilden“ Stellplätzen belegt, meist sind sie auf 14 Tage begrenzte Desertcamps, dann muss der Homo Campinesis seinen Standort wechseln, aber hier scheint Platz zu sein für alle Frostflüchtlinge. Klar probieren auch wir solche Wüstenplätze, die Ruhe ist phantastisch und wir genießen die Sonnenauf- und Untergänge, Licht, Schatten und aride Vegetation.

Es ist schon verrückt anzusehen, was hier so alles im Sande steht (an Werten - in Riesen-Wohnmobilen gerechnet), die diversen Luxusungetüme mit allen nötigem und unnötigen Komfort sind schon mal 300.000 bis 500.000 Dollar schwer pro Stück und natürlich gibt es auch alte Kisten mit Museumscharakter. Sie ziehen dann ihrerseits manchmal noch je einen Kleinwagen oder Motorboote, Garagenanhänger oder Jeeps hinterher, damit es sich lohnt und auch über 30 Literchen Sprit durch den Auspuff räuchern, dann steht man mit gehisster Flagge in Wagenburgen zwischen Felsen und Spinnifexgras. Das ist nicht mehr nur ein Hobby, sondern eine Weltanschauung, ein Leben ‚On the Road’, wie es hier bis ins hohe Alter praktiziert wird und eigentlich finden wir diese Einstellung zum Alter eine schöne Alternative, als sich ‚staatlich verordnet’, vorgeschrieben oder dringend angeraten in ein Heim zu verkriechen und auf das Ende zu warten Lachend. Vorausgesetzt, man kann noch irgendwie in so einem Vehikel leben und kommt zurecht.

Uns ist es in Yuma zu laut wegen der vielen jaulenden Jets (Grenzgebiet und großer Air-Force-Stützpunkt) und so fahren wir nach Lake Havasu City, einer Kleinstadt mit ca. 55.000 Einwohnern am angestauten Colorado. Auch dort hat man im Jahre 1968 eine recht verrückte Sache geplant, gemacht, um a) weltweit in die Schlagzeilen zu kommen und b) einen touristischen Treffer zu bieten, wie es ihn wirklich NUR hierzulande gibt: Der damalige Vorstandschef McCulloch (der gleichnamigen Oil Corporation) ersteigerte eine original- massive Londoner Steinbrücke für 2.460.000 US-Dollar, welche dort abgerissen werden sollte. Das Bauwerk wurde an der Themse sorgfältig abgetragen, die Steine nummeriert und alles per Schiff ins 15.000 km entfernte Long Beach, Kalifornien gebracht und dann mit Trucks in die Wüste nach Arizona gefahren. Die Brücke überspannt jetzt ein Stück vom Lake Havasu, wenn das mal nicht verrückt ist! Nach 2 1/2 Jahren Bauzeit wurde das gute Stück 1971 eingeweiht und wir schauen da schon mal vorbei, schließlich liegt dieses „Versetzungswunder“ ja auf unserem Wege durch den Südwesten. Wirklich wundern kann uns bald nichts mehr, nach dem, was wir auf den letzten Meilen so alles erblicken durften.

Unser nächster Bericht wird uns dann schon in einige bekannte und auch sehr wenig bekannte Canyons und Naturparks führen, fast Geheimtipps, sozusagen.

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