Guatemala

Von der Halbinsel Nicoya am vulkanischen ‚Ring Of Fire’ entlang nach Norden - Teil 3

(unsere Reiseroute)

Raus sind wir schnell aus dem kleinen El Salvador, das auch wie die Nachbarländer von mehreren, gewaltigen Vulkankegeln geprägt ist und landschaftlich sicher einiges bietet. Es fehlt aber überall an der nötigsten Infrastruktur für Tourismus größeren Ausmaßes. In Guatemala am Zoll, dann wieder Papierkrieg wegen unserem Fahrzeug. Warum soll man es auch einfach haben. Kopien, Dokumente, rein-raus in diverse Baracken und Gebäude, Bezahlung wegen möglicher Korruption in der unterkühlten Bankbaracke nebenan, nicht beim Zoll. Die Bank nimmt aber keine Kreditkarten, also auf zum Geldtauscher (ATM’s gibt es gar nicht hier) und US-Dollar in guatemaltekische Quetzales umrubeln, sehr schlechter Kurs inklusive, den Tauscher mit seinen fettigen Geldpacken freut’s. Wieder dauert der Zauber (nur von der Womo-Einreise) über 2 Stunden.

Dann düsen wir auf Guatemalas Straßen durch Zuckerrohrfelder in die Berge nach Norden. Der Qualm der tausend Feuer ist hier so fett, dass man Kopfschmerzen bekommt und die nahen Berge im Rauch verschwinden. Alles trockene Kratsch und Holz wird hier großflächig verbrannt, schwarze Russflocken fliegen umher. Unser Diesel kämpft sich von Meereshöhe auf 1.500 rauf, und vor uns erscheint der „Hausvulkan“ von Antigua mit seinen ca. 3.700 m –der Vulkan de Agua.

Die Kolonialstadt ist noch einmal Ziel unserer Reise. Hier hat es uns vor einem Jahr gut gefallen. Vorher ärgern uns die idiotischen, großen Bumper (hierzulande „Tumolos“ genannt) die auf einer neuen, intakten Haupt-(!)Straße wie Wegelagerer alles zum (fast-) stehen bringen, um die Geschwindigkeit auf fast Null zu drosseln. Also, wir sprechen von wirklich fetten, großen „Hubbeln“, die über beide Fahrbahnen gehen und die einem bei mehr als 30 km/h die Achsen wegreißen und das auch Bergauf bei starker Steigung. Das heißt immer wieder im ersten Gang, Kupplung schleifen lassen und unser Fahrzeug wird sau heiß. Das sagt viel über die Autofahrer hier aus: Etwas anderes als ihre Straßen mit diesen Dingern sozusagen wieder kaputt zu machen, scheint gegen die Raserei nicht zu helfen, Strafen und Gesetzte schon mal gar nicht. Wir müssen die Innen-Heizung/Lüftung auf über 30 Grad hochdrehen, und die brennend heiße Luft durch die offenen Fenster gleich wieder nach draußen leiten. Nur so kriegen wir bei dieser Fahrerei die Temperatur unserer Motorkühlung wieder runter, wenn schon die Luftkühlung bei über 35 Grad Außentemperatur nicht mehr so richtig greift.

Am späten Nachmittag sind wir dann, recht geschafft und gut durchgebacken, in Antigua und freuen uns, dass wir wenigstens noch ein paar Nächte auf dem Gelände der städtischen Touristenpolizei stehen dürfen. Unter Travellern bekannt, ist das die einzige Chance in der sehr engen Stadt, ein WoMo relativ ruhig, zentral und vor allem sicher unterzubringen. Als wir ankommen, ist fast alles leer, aber die nächsten Tage füllt sich der Platz mit Fahrzeugen aus Frankreich, Kalifornien, Nebraska, Texas, Quebec, British Columbia und dem VW-Bulli von drei deutschen Reisenden. Maximal 5 Tage darf man hier (gratis) bleiben und es gibt keinen Service hier.

Aber der Weg in die schöne Stadt mit ihren vielen kolonialen Gassen, Kirchen, Kathedralen, Konvents und Klöstern, Kneipen, Läden, Märkten und Restaurants ist von da aus zum Greifen nah, was wir noch einmal gerne nutzen. Sogar eine „Lavanderia“, also einen Waschsalon finden wir hier 3 Straßen weiter und den brauchen wir langsam mal wieder, nach dem weiten und vor allem Grenzgepflasterten Weg von Panama bis hierher.

Ein weiterer, angenehmer Vorteil von Antigua ist, dass es hier richtig gute Bäckereien gibt und durch die vielen internationalen Gäste auch viele, andere Leckereien wie guten Käse, Fleisch und Wurst (fast) wie in Europa – eine extreme Seltenheit zwischen USA-Süd und Costa Rica.

Am letzten Tag erleben wir dann noch einen starken Ascheausbruch, durch eine der drei umliegenden Vulkane. Am Nachmittag wird es plötzlich dunkel wir zur Dämmerungszeit und der grauschwarze Vulkanstaub dringt durch fest jede Ritze. 1-2 Stunden kann man fast nur mit Tuch vor der Nase (oder besser gar nicht) draußen rumlaufen, dann ist der Spuk wieder vorbei. Was bleibt, ist eine dicke Schicht Aschedreck überall und wir haben also auch so was mal miterlebt. Die Einheimischen nehmen das Spektakel mit relativer Gelassenheit zur Kenntnis, keine Sirenen, keine Panik.

Als wir am nächstem Tage Antigua verlassen, erfahren wir, dass der Vulkan „Fuego“ immer noch sehr aktiv ist und die von uns gewählte Straße in Richtung Süden 2 Stunden nach unserer Durchfahrt wegen starkem Ascheregen gesperrt wurde. Glück gehabt!

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