Nicaragua – Honduras - El Salvador

Von der Halbinsel Nicoya am vulkanischen ‚Ring Of Fire’ entlang nach Norden – Teil 2

(unsere Reiseroute)

Riesige Plakate von Herrn Daniel Ortega prägen die Stadteinfahrten/Landschaft in Nicaragua. Es erinnert an den Personenkult in diversen sozialistischen Ländern. Manche finden es interessant, dieses Land zwischen Rot-Rot und beginnender, leichter Markwirtschaft. Wir sind eher skeptisch, sehen zu viel Dreck, Armut und unzufriedene Gesichter hier.

Nach diesmal sagenhaften 3 Stunden sind wir durch(geschwitzt) und düsen die PanAm am Lago de Nicaragua entlang. Mehrere der großen Windturbinen hier sind zerstört, umgeknickt (!!) oder haben mächtige Brandspuren. Man hat entweder die Windstärke unterschätzt oder am Material gespart, oder eben hier mal mangelhafte Qualität verkauft. Manche Turbinen stehen viel zu nahe an der (einzigen!) wichtigen Durchgangsstraße und würden beim umfallen Fahrzeuge zertrümmern.

Das „Hotel California“ in San Jorge wurde uns als einer der ganz wenigen, möglichen Stellplätze in der Region empfohlen, ist jedoch verriegelt, verrammelt, und niemand zeigt sich. Wir fragen an den wenigen, in Frage kommenden Herbergen (mit ein wenig Platz) – keine Chance, Nada, geht nicht, wollen wir nicht, etc. Wie schon vor einem Jahr, ist es überall das große Problem für Wohnmobilreisende in Lateinamerika.

Wohl oder übel müssen wir die Station des roten Kreuzes in Granada anfahren, die die einzig (mit der Feuerwehr) bekannte Möglichkeiten bietet, halbwegs sicher in der Stadt zu stehen. Klar gäbe es Hotels/Pensionen, aber fast nie einen sicheren Platz für ein fahrendes Zuhause mit diverser, technischer Einrichtung, die als solche hier nicht ersetzbar ist. Esmeralda müsste wir ja dann ‚draußen’ an einer Durchgangsstraße lassen – das wäre erstens Unsinn und zweitens eine Einladung zum ‚Ausräumen’! Im Hof des roten Kreuzes kann Esmeralda sicher stehen bleiben und wir auch mal die schöne, alte Kolonialstadt erkunden und bewundern. Dafür bezahlen wir gerne auch einen Obolus an den jungen Mann vom Rot-Kreuz-Büro. Es ist stickig und heiß, kein Wind geht im Hof- aber das ist uns schon fast egal.

Granada hat in Nicaragua schon eine Art Ausnahmestellung. Hierher kommen viele internationale Touristen/Reisende, auch meist als Kurzbesucher aus dem relativ nahen Costa Rica. Ganz viele amerikanische Touristen sieht man hier, aber weiter nördlich bis rauf zur Grenze nach Kalifornien sieht und hört man dann fast gar keine mehr. Überhaupt sind dann Fahrzeuge mit nordamerikanischen Kennzeichen und Europäer mit Reisemobilen zwischen Nicaragua bis weit hoch nach Mexiko eine solche Seltenheit, das sie zum besonderen Ereignis werden.

Wir erkunden Granada und stellen fest, dass nur wenige „Prachtstraßen“ rausgeputzt, renoviert & saniert sind. Wenn man nur 2-3 Seitenstraßen weitergeht - dort, wo man keine Touristen hinführt - steht man in einer ‚anderen Stadt’. Die grauen, stinkenden Abwässer laufen überall direkt vor den Häusern im Rinnstein, teils sind es statt Ziegelhäusern eher Wellblechreste und Ruinen, aus denen oft dicker Rauch quillt und die überall mit vielen Familienmitgliedern bewohnt sind. Die Stimmung ist nicht aggressiv, aber äußerst deprimierend. In den kleinen Läden in diesem Viertel findet man fast nur Chips aller Art, Süßgetränke und Kekse oder Kosmetikartikel. 50% der eh’ schon sehr engen Straßen sind durch Baumaßnahmen aufgerissen, der überall hingeworfene Müll müffelt vor sich hin.

Nach unserem Zweiten, teils eher ernüchternden Granada-Besuch umfahren wir nach Möglichkeit dann den Moloch Managua, der nach aller unserer Information nicht mehr bietet als viel Verkehr und noch weniger Sehenswürdigkeiten. Die mittelamerikanischen Hauptstädte interessieren uns auf Grund von Krach, Verkehrschaos und auch relativer, metropolitaner Unsicherheit nicht wirklich. Wenn wir nicht mal unbedingt Ersatzteile brauchen, die es in den kleinen Nestern natürlich nicht gibt, umfahren wir Großstädte (wenn es denn eine Umfahrung gibt!). Nachdem wir auf der Route nach Süden (wegen der Kolonialstadt Leon) auf einer 100 km-Monsterbaustelle steckengeblieben waren, nehmen wir diesmal lieber die Route Interamericana No.1 über die Berge. Es geht über 1.100 Meter rauf und runter. Ein Gutes hat Nicaragua, man glaubt es kaum, aber hier hat man (mit relativ wenig Ausfällen) die qualitativ besten Straßen zwischen Mexiko und Panama. Das ist auch die Erfahrung anderer Reisender, die wir hier in beiden Richtungen treffen.

Da wir es vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr bis zur nächsten Grenze schaffen, versuchen wir es an einer Ausflugskneipe namens „Mirador“, ca. 20 km vor der Frontera nach Honduras. Die Zufahrt ist 200 Meter Kartoffelacker, der Kneiper sau-unfreundlich, die Nacht extrem unruhig und die Luft voller Qualm der überall brennenden Feuer. Aber irgendwo muss man halt mal zum Stehen kommen, manchmal finden wir trotz intensiven Suchens stundenlang keinen Platz zum Pausieren oder gar Übernachten in dieser Region. So würden wir uns gerne viel mehr im Lande ansehen, aber das scheitert einfach an NICHT vorhandenen Möglichkeiten, derer es in Europa und Nordamerika zu tausenden gibt. Hier kann man sie an 2 Händen abzählen. Camping ist nicht existent, aber wir sehen auch die Armut um uns herum und uns wird klar, dass die Menschen hier andere Sorgen haben, als Camping in dem Sinne zu zelebrieren, wie wir es kennen.

Das nächste Land ist nach Recherche, allgemeinen Informationen und aktuellen (!!) Erfahrungen vieler Reisender das ärmste, unsicherste und am meisten ‚zugemüllte’, auf unserer Tour, leider. Die Ausreise aus Nicaragua ist ganz gut gelungen, aber bei der Einreise nach Honduras werden – für uns total überraschend – Impfzeugnisse gegen Gelbfieber verlangt, das ist neu und klingt wieder mal nach neuen Einkommensquellen der Beamten. Nirgends ist (aktuell in Mittelamerika) Gelbfieberzone. Glücklicherweise haben wir wegen der Option Südamerika eine gültige Impfung, aber wir vermuten hier wieder mal (für den Fall negativer Antwort) eine neue Geldquelle, so wie beim Lieblingssport der Regierungen (seit dem „alten Rom“) eben neue Steuern zu erfinden, wenn es an Geld fehlt.

Trotz, das wir nur im Transit unterwegs sind und uns die kürzeste Route durch Westhonduras rausgesucht haben und optimalerweise nur einige Stunden brauchen werden, bis wir El Salvador erreichen, muss Esmi 35 US-Dollar ‚Eintritt’ für Honduras bezahlen. Das alles gewürzt durch 2 Stunden Bürokratie, einem Dutzend Kopien, etc., etc. – idiotischerweise werden nach aktuellen Stempeln in diversen Dokumenten wiederum Kopien dieser Neuen Stempel gefordert, also Kopie-Bretterbude, vor, zurück, rein, raus, wieder anstellen, neue Unterschriften, Stempel. Wumms. Am Ende landet alles im Reißwolf oder staubigen Aktenschrank, oder als Artefakt in der Sammlung der unglaublich wichtigen Uniformträger Cool. Dann sind wir irgendwann durch, endlich, schließlich gibt es heute im positiven Falle zwei Grenzen solcher Art zu bewältigen, was schon irgendwie ein wenig Magendrücken verursacht. Auch wenn man das alles noch so unvoreingenommen angeht, man kann einfach nichts dagegen machen, so viel staatliche Willkür macht einfach nachdenklich und bringt einem nach mehreren Stunden manchmal an den Rand eines Schreikrampfes. Denn so völlig auf „Leck mich am Arsch“ sind wir noch nicht abgestumpft.

Das erste Drittel der Strecke durch Honduras geht durch Berge, auch auf über 1.000 Metern ist es trocken, grau und das Grass verbrannt. Weiter in der Ebene wird es wieder schnell 35 Grad heiß.

Nach ca. 160 Kilometern und teils extrem schlechten Straßen mit Riesenlöchern stehen wir an der Grenze zu El Salvador. Die Ausreise aus Honduras geht wieder ganz gut, wir überqueren den Grenzfluss und stehen an der Einreise nach El Salvador, dem kleinsten Lande Mittelamerikas.

Nur hier haben es sich die Behörden abgewöhnt, den Reisepass voll zu stempeln, es gibt nur eine Kontrolle der Daten am Computer und wir fragen sicherheitshalber noch einmal nach, alles ok, kein Stempel, alles geht recht schnell. Dann die Auto-Einreise. Wir erfahren, der Aduana (Zoll) ist erst 5 km weiter, abseits der Piste an einem extra Platz mit vielen Kontrolleinrichtungen, auch eine Mega-Röntgenanlage für Trucks arbeitet dort mit lauten Sicherheitssignalen. Nach abgeben unserer Dokumente warten wir schon mal ewig, es passiert gar nichts, dann ist der Beamte essen. Heißt es. Dann folgt eine ganz genaue Kontrolle der Esmi, drinnen und draußen wird die Schildkröte penetrant gefilzt. Man verschwindet wieder, gibt die Akten an eine andere Stelle, dort dauert es noch einmal eine Stunde, bis der von chronischer Schlafkrankheit befallene Beamte Nr. 3 ein A4 Dokument in extrem-Zeitlupe geschrieben hat. Ich kann gar nicht lange hinsehen. Nach über 2 ½ Stunden ist der Spuk vorbei, es ist leider schon später Nachmittag geworden und wir haben nicht mehr viel Zeit, einen sicheren Übernachtungsplatz zu finden. Fahren im Dunkeln verbietet sich hier überall von selbst und wäre nur im absoluten Notfall eine Option, eigentlich verrückt, bei den Straßen.

Wir fahren 30 km zur nächsten größeren Stadt, La Union und versuchen es am Hotel „Comfort Inn“, das uns in Costa Rica Schweizer Bekannte als Tipp weitergegeben hatten. Nach DEM Tag ein Riesenglück, dass wir dort auf dem bewachten Parkplatz stehen bleiben dürfen, sogar den herrlichen Pool können wir nutzen und ein extrem heftiger Grenz-Tag findet so doch noch ein schönes Ende. Einen Dank an die sehr freundliche Dame an der Rezeption und auch Danke für den guten Tipp an Carmen und Ralf mit ihren Pössl-Mobil!! Am folgenden Sonntag fahren wir um den kräftig rauchenden Vulkan Chaparrastique (2.129m) herum und nehmen die Küstenstraße Nr. 2 in Richtung Norden. Nachdem die ersten 40 Kilometer Panamericana Nr.1 so gespickt von gefährlichen Löchern und Rissen in der Fahrbahn ist, dass die gestressten Stoßdämpfer Schwerstarbeit leisten müssen, wird es irgendwann etwas besser. Wir vermuten, dass die vielen LKWs und evtl. auch reichlichen Erdbewegungen in dieser tektonisch sehr aktiven Region diese Strecke arg beuteln und für Reparaturen scheint keine Kohle da zu sein, also muss man höllisch aufpassen und immer wieder Slalom fahren. Auch an der Routa Nr.2 sind Stellplätze sehr rar. Die kleinen Küstenorte sind voll gepflastert von Fahrzeugen und Park- und Stellplätze alle total voll.

Und wieder trifft es uns. Wie vor ca. einem Jahr sind heute überregional Wahlen in El Salvador! Es ist Volksfeststimmung, überall mit Leuten vollgestopfte Pickups, LKWs mit einheitlich kostümierten, frenetisch werbenden, feiernden Salvadorianern in den Farben der verschiedenen Parteien. Überall trötet und rumpelt es, Kapellen spielen, Umzüge ziehen durch die Straßen, das ganze Land scheint auf den Beinen zu sein. Auch in El Salvador ist Camping so eine Art Fremdwort, zu arm und einfach das Land. Die Kleinen Hotels und Auto-Unterkünfte für (besondere!) 1-2 Stunden oder auch länger sind für andere Gelegenheiten ausgelegt und haben für größere Fahrzeuge als PKWs gar keinen Platz. Wir schauen unterwegs überall nach und fragen auch ab und zu. Am relativ bekannten Strand von El Tunco scheint halb San Salvador unterwegs zu sein, die Hauptstadt ist nur 35 km entfernt. Wir manövrieren uns mit Mühe und Zentimeterarbeit wieder aus dem Blech-Chaos heraus, ein Platz hier und heute ist nicht zu finden, und falls wir uns irgendwo doch dazwischen quetschen würden, müssten wir eh’ die Nacht durchmachen, so rund geht’s hier.

Auf der ganzen schönen Küstenstraße „Routa De Flores“ gibt es keine ersichtlichen Plätze, alles ist hier eng und zugebaut an der Steilküste. Links und rechts geht’s gleich in 45 Grad Steigung rauf und runter und Zäune, Gatter und einige, eher winzige Häuser kleistern am Hang. Platz ist kaum, um da eine fahrende Einkaufstasche unterzubringen. Sogar 5 Tunnels gibt es hier und die Gäste/Touristen aus dem nahen Guatemala staunen und fotografieren begeistert. Viele Mopedfahrer sind heute unterwegs. Erst wieder bei Einbruch der Dämmerung und vielen Versuchen finden wir, in einem abgelegenen kleinen Ort an der nördlichen Pazifikküste, eine gesicherte Hotelanlage, wo wir kurz vor der Grenze zu Guatemala stehen bleiben dürfen. Die Angestellte dort hatte so eine Situation noch nie und wir erklären uns gegenseitig die Situation im Office der Anlage per Übersetzungsprogramm am Computer, um Missverständnisse auszuschließen – so gut ist unser Spanisch leider nicht und kaum jemand versteht hier Englisch. Zu wenig Reisende kommen in diese Region mit einen ‚Casamobil’ – also einem Wohnmobil oder ähnlichen. Freundlich und hilfsbereit waren die Leute dann meist doch, aber es fehlt nur oft die Routine und das Verständnis. Vor wenigen Jahren war El Salvador noch ein Land im Krieg, alles muss sich erst normalisieren und entwickeln. Die Armut ist auch hier groß und viele Menschen sammeln Holz zum feuern und kochen, da kein Geld für Gas da ist. So brennen überall Feuer, auch Zuckerrohr-Reste werden weiträumig abgefackelt, überall ist Qualm, auch später in Guatemala. Manche Landstücke sind diesig und grau vor Rauch und es wirkt kilometerweit wie bei den schlimmsten Smogaufnahmen asiatischer oder südamerikanischer Großstädte. Nur eben ohne Städte. Auf Grund (wieder) mangelnder Plätze hält es uns auch nicht lange im kleinen El Salvador. Wir verlassen das Hotel „Brisa Marina“ in Salinitas am Meer und sind nach Wassereinkauf und Frühstück nach 9 Uhr morgens an der Grenze zu Guatemala.

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