Aber auch dort kommen von der Karibikküste immer wieder fette Wolken und Tonnen von Regen. Unser Stellplatz verwandelt sich binnen 4 Tagen in eine Schlammlandschaft und durch die dicken Wolken ist kaum Solarstrom verfügbar. Wir können zwar Esmi als Dieselgenerator verwenden, aber eine Dauerlösung ist das nicht, alles ist klamm, feucht und pappig. In den Bergen und an der Atlantikküste schüttet es fast ständig zu dieser eigentlich schon recht trockenen Zeit, wie wir immer wieder mitbekommen.

So machen wir uns auf den Weg zur Pazifikküste und der staubtrockenen, heißen Nicoya-Halbinsel, die im Nordwesten des Landes liegt. Kaum sind wir wieder in der zentralen Region und düsen einige Kilometer die Carretera Panamericana nach Süden, ändert sich schon stark das Wetter und das innerhalb von vielleicht 50-70 km Luftlinie maximal. Von 22-25 Grad Celsius im Arenal-Gebiet fahren wir in wenigen Stunden in heiße Luftschichten von 31-34 Grad am Westpazifik (im kaum vorhandenen Schatten). Und da wir einen schönen Platz in Samara kennen, steuern wir das kleine Cocos-Beach-Camp an, welches direkt am Meer liegt. Die Straßen in dem bekannten Feriendorf sind vollgestopft von Autos und der kleine Camping-Platz ist auch ziemlich voll.

Wir stehen erst mal irgendwo zwischen den Zelten der Ticos und müssen uns vor den äußerst gefährlichen Kokosnüssen in Sicherheit bringen, die bei dem momentan recht starken Wind wie Geschosse im feinen Sand einschlagen. Falls man sich ungünstig hinstellt (oder leider hinstellen musste…) ist es eine Gefahr für Scheiben, Solaranlage und Kopf ohne Sturzhelm! Wer schon mal erlebt hat, wie solch ein ‚Nüsschen’ aus 20-25 Meter Höhe wie eine Bombe einschlägt, ahnt, dass dies ungeschützt schnell zum Schädelbruch führen kann. Einige Bäume hat der ‚Camp-Chefe’ von den Nüssen befreien lassen, aber leider nicht alle. So parken wir im Laufe der nächsten Tage zweimal um und bringen uns und unser Fahrzeug etwas in Sicherheit.

Der sonst noch verfügbare 2. Campingplatz hier im Ort ist laut, hässlich und teuer. Bei unserer Inspektion dort wird dieser von einer dröhnenden Planierraupe rauf- und runter planiert, die ohne Rücksicht zwischen den vielen Zelten und Autos rangiert und fette, schwarze Rauchschwaden und reichlich Krach produziert, na Servus! Es gibt schon immer wieder verrückte Sachen hier zu beobachten und zwischen tollen Plätzen lauert manchmal das brüllende Chaos in Lateinamerika. Manchmal hat man hier nicht nur ein Rad, sondern einen ganze Raupenkette ab.

Außer reichlich Feuerstellen, beißenden Rauch verquarzter Kokosnüsse, ca.10 bellenden Hunden und viel Kommen und Gehen der Ticos ist es dagegen hier fast ruhig an dem kleinen Cocos-Camp. Nur am Wochenende ist Invasion angesagt und die Costa-Ricaner kommen (warum auch immer) zwischen Mitternacht und 2:30 morgens in Massen mit ihren Autos, Wigwams, Familien und mobilen Küchen angereist und bleiben hier zu 80% nur 1-2 Nächte. Kurios. Für Unterhaltung ist also auch gesorgt.

Dann ist es mit der Ruhe vorbei und Jahrmarktstimmung angesagt, überall dröhnen Radios und in allen Pfannen brutzeln Reis und Bohnen, das irgendwie immer, also morgens, mittags und abends. Ja, nachts zur Abwechslung auch. Nun ja, Abwechslung ist halt relativ, zumindest kulinarisch.

Wir lernen hier Carmen und Ralf aus der Schweiz kennen, die mit ihren Pössl-Wohn-Mobil auch schon lange unterwegs sind. Dazu gesellen sich noch Christa und Peter, die, ebenfalls mit (größeren WoMo) schon seit fast 2 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent ihre ganz persönliche Auszeit genommen haben – und sich ihren Reisetraum erfüllen. Wir hätten uns schon in Alaska oder Kanada begegnen können, denn viele ‚gemeinsame’ Abenteuer haben wir zu leicht verschiedenen Zeiten auf derselben oder ähnlichen Strecke erlebt, jeder halt mit anderen Wetter oder Umständen.

So stellen wir uns für über zwei Wochen hier zur Wagenburg zusammen und beobachten das rege Auf- und Abbauen der Ticos bei einem kühlen Bierchen. Wir können unsere gemeinsamen Reise-Erfahrungen austauschen, grillen zusammen und erzählen uns über die vielen, phantastischen Plätze und Eindrücke, die eine solche lange Reise zwischen Alaska und dem Panamakanal so mit sich bringt. Belagert von Dauer-Knabbernden Eichhörnchen, Brüllaffengangs in den Ästen direkt über uns und im Wasser von clever fischenden Pelikanen, die entweder nur wenige Zentimeter übers Wasser schweben oder hoch aus der Luft wie ein Stein fallend, diverse Meerestiere rauspicken. Nicht zu vergessen, unser Hausgecko Gustavio – das wir zum Mückenfangen angestellt haben.

So ist dieser Platz auf Nicoya für uns alle erst einmal ein Punkt zum verweilen, bevor es für uns weiter in Richtung Nord-Costa Rica und zur Grenze nach Nicaragua geht.

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