Costa Rica

Vom pazifischen Süden kreuz und quer durchs Land

(unsere Reiseroute)

Erst mal schüttet es auch hier aus Kannen, so dass wir kaum richtig sehen können, wohin wir eigentlich fahren und halten gefühlt auf die pazifische Küste zu. Wir wollen zum Örtchen Golfito und finden abends, kurz vor „Sendeschluss“ der Sonne (die sich dann doch noch zeigt) einen relativ ruhigen Platz in einem kleinen Dorf. Wir stehen lustigerweise auf einer Mimosen-Wiese - das ängstliche Grünzeug reagiert auf jeden Husten oder Windstoß - und klappt entsetzt in sich zusammen, sobald es leicht berührt wird, das hat uns schon im botanischen Garten immer fasziniert.

Am nächsten Tage besuchen wir das von einigen Insidern gelobte Golfito, welches sich als etwas schmuddeliges Hafendorf ohne nennenswerte ‚Hingucker’ oder Sehenswürdigkeiten präsentiert - wir entdecken nicht besonderes. Man kann einkaufen und costa-ricanische Colones am ATM holen und schon sind wir wieder ‚reich’ - der Colones steht bei ca. 640 zum Euro. Zur Not nimmt man hier ja auch Dollar in Costa Rica, aber das ist oft mit einem deutlich schlechteren Kurs verbunden, in der Landeswährung kommt man als Europäer klar besser. Golfito hält uns nicht, und so fahren wir die „Pacifico“ nach Norden und checken die vielen Küstenorte und Strände auf der schönen Route.

Irgendwann landen wir am Playa Dominical, wo schon einige internationale Touristen durch den Sand schlurfen. Man kann mit dem Fahrzeug am Strand parken und sieht, gemeinsam mit einer Riesentruppe kamerabewaffneter Sonnenanbeter, die rote Sonne im Meer versinken. Die Globis, und solche die sich vorgenommen haben mal welche zu werden, trotten zu ihren Pensionen und Hotels und wir bleiben am Strand zurück. Glücklicherweise gehört dieser in Costa Rica noch allen! Wir grillen uns vor Ort gleich mal leckeren Tilapia und haben keine Probleme damit, uns schnell wieder an das einheimische Bier zu gewöhnen.

Der Ort Jaco Beach ist dann schon zum abgewöhnen und weiterziehen, da dort alles auf solvente Urlauber aus Nordamerika und Übersee ausgelegt ist. Die Preise in den Kneipen sind deftig und der Nepp gewaltig. Eine sogenannte „Touristenfalle“ mit scheppernden Diskos, Nobelrestaurants, schmucklosen Klötzern voller Eigentumswohnungen. Hier ist Costa Rica richtig teuer.

Viel schöner, ruhiger und dem Lande angepasst ist da schon das Örtchen Tarcoles Beach, weiter nördlich. Wir stehen wieder direkt am Meer und können am nächsten Morgen ein Paar große, rote Riesen-Aras beobachten, die in den Ästen über uns ein lautes Konzert veranstalten. Wir sind wieder im Naturparadies Costa Rica angekommen und genießen die kleinen Küstenorte an der Südwestküste des Landes.

Bevor wir noch einmal ins Orosi-Tal fahren, machen wir einen Abstecher in die Berge nördlich von San Jose. Wer die Möglichkeit hat, besucht den Handwerks- und Kunstgewerbeort Sarchi Sur. Esmeralda darf sich durch viele enge, steile Kurven und über zahllose Hügel kämpfen. Der Ort fällt sofort auf durch seine zahlreichen, überall bunt angemalten Holzmöbel, alles ist in einem speziellen Stil veredelt. Überall sieht man kleine und mittlere Möbelhersteller, die hier traditionell in Handarbeit fertigen. Berühmt geworden ist Sarchi Sur durch den Familienbetrieb Joaquin Chaverri, die hier die buntbemalten Holzwagenräder für die traditionellen Ochsenkarren herstellen. Klar, ist die Zeit der Ochsenkarren in Costa Rica lange vorbei, aber als Souvenir haben die Produkte der „Fabrica De Carretas“ vor allem für Sammler aus Nordamerika ideellen Wert. Das Geschäft läuft augenscheinlich sehr gut, Busladungen kommen hier täglich an und werden durch die kleine Manufaktur geführt. Wir fragen den Familienclan, der aktuell gerade eine Feier vorbereitet, und den Seniorchef, ob wir am Firmen-Parkplatz über Nacht stehen dürfen – klar, ist die freundliche Antwort. Ein toller, sicherer Platz mit Wasser, wunderbarer Aussicht auf den Ort und Ruhe, ist nach wie vor selten zu finden und Gold wert.

Bei unserer Rundtour durch die Berge passieren wir San Ramón mit einer schönen Kathedrale und sehen die Vulkane Porvenir und Platanar im Nationalpark ‚Juan Castro Blanco’.

Wir füllen unsere Vorräte im Bergstädtchen Quesada auf und dann entdecken wir, eher zufällig, auf der Suche nach einem Stellplatz einen wirklich phantastischen Ort: Hier soll es heiße Quellen geben und Hinweisschilder werben für das Thermalresort „Del Bosque“, das ein wenig versteckt in einem Seitental liegt. Wir fragen an der Rezeption, ob wir den Hotelparkplatz nutzen dürfen, denn wir möchten am nächsten Tag zu den Quellen. Alles klar, kein Problem und ganz nebenbei merken wir, dass wir am ruhigen Parkplatz in der Privatanlage allerbestes WiFi haben und können so über Internet sogar in die Heimat skypen, planen und Infos abrufen, Wasser gibt es auch noch.

Als wir am nächsten Tage die Anlage erkunden, merken wir, dass wir hier eine der schönsten Natur- und Thermal-Anlagen im Lande überhaupt entdeckt haben. Nach der Eintrittsstation, die an Ende einer kurzen Schotterpiste liegt, führt ein schmaler Pfad durch dichten Dschungel ca. 1 km bergab in das immer schmaler werdende Tal. Nach einer kleinen Brücke erblickt man dann die ersten Becken. Für Abgebrühte beginnt das Schwefel-Wasserspektakel in einem herzförmigen Pool, der ‚laue’ 48 Grad hat. Ein sogenanntes ‚Hitzfeld’, aber es gibt, teils schön in Terrassen verteilt, weitere dutzend verschiedene Becken mit Temperaturen zwischen angenehmeren 41 bis 33 Grad. Direkt am Gebirgsbach gelegen und alles mit Natursteinen bebaut und verhältnismäßig wenig mit Beton verkleistert, wirkt die Anlage sehr Naturgetreu.

In einem der unteren Pools grenzt eine kleine Bar an, Bier und Softdrinks sowie Knabbereien sind vorrätig und werden vom freundlichen Personal stilecht mit einer Schubkarre über den Dschungelpfad transportiert und den Badegästen im Becken auf Wunsch serviert. Abschließbare Stocker/Stahlboxen für Wertsachen sind vorhanden, ebenso eine provisorische Dusche und Umkleideräume gibt es auch. Wir bleiben gleich mal 4 Tage hier in der Anlage und sind echt begeistert. Jeden Tag, den wir hier sind, flattern die großen, schwarz-blauen Morpho-Falter herum und wir konnten einige Tukane bewundern, die laut quietschend und mit ihren überdimensional großen Schnäbeln auffallen.

Für ca. 12 US-Dollar pro Person kann man hier alles von morgens bis 4(!!) Stunden nach Eintritt der Dunkelheit nutzen, können kommen und gehen, zwischendurch einkaufen, baden, in den Pool's relaxen oder einfach mal ein gutes Buch lesen.

Teils schüttet es in Strömen, aber immer nur überfallartig für eine ¼ bis ½ Stunde, dann kommt die Sonne wieder durch. Es stürmt auch mal so stark, dass einer der tonnenschweren, feucht-knorrigen Urwaldriesen umknickt und die kleine Brücke über den Bach fast zerschmettert. Das Holz-Geländer ist wie Papier zerfetzt, und wer zufällig auf der Brücke gewesen wäre, hätte wohl schlechte Karten gehabt. Da es nach halb sechs abends schon stockdunkel wird, ist der gepflegte Dschungelpfad mit kleinen Lämpchen abgesichert, doch man passt trotzdem immer gut auf, denn überall wuseln kleine Echsen herum und tropft Wasser durch die dichte Vegetation (Rutschgefahr!). Trotzdem oder gerade deswegen ist Del Bosque für uns einer der schönsten Plätze auf unserer Reise. Ein (wirklich heißer!!) Tipp für alle Costa Rica Reisende von uns – für unsere Leser, Reisende und Urlauber. Del Bosque liegt ca. 15 Kilometer von Quesada auf der Straße 140, Richtung Aguas Zarcas auf der rechten Seite. So verbringen wir durch diesen ‚Fund’ auch die Weihnachtsfeiertage hier und wenn schon mal Weihnachten, dann in diesem Klima - an diesem tollen Platz Lachend.

Am zweiten Feiertag (hier wieder eher ein ‚normaler’ Tag) fahren wir dann zwischen dem 2.704 m hohen Vulkan Mt. Poas und den mit dichten Regenwald bedeckten Nationalpark „Braulio Carillo“ und später durch die Landeshauptstadt San Jose erst mal nach Cartago. Alle Wege durch das Landeszentrum führen leider immer durch San Jose, Umfahrungen um enge, große Städte kennen die Ticos (bzw. in ganz Zentralamerika) überhaupt nicht, leider geht es immer quer durch. Und Pferde werden einfach mal ohne jede Sicherung auf die freie Ladefläche gepackt, bei Vollbremsung gibt es ‚Flying Horses’, armes Viech!

In San Jose läuft die Vorbereitung zu einem großen Rodeo, einer Art Cowboyshow. Tausende Ticos (mit Westernkleidung!!) säumen die Straßen der Innenstadt und fast könnte man denken, man fährt durch Wyoming in den USA und ist nicht im tiefen Süden Mittelamerikas.

In Cartago können wir wieder unsere Gasflasche füllen lassen und achten darauf, dass wir nicht am Wochenende zur Gasfabrik kommen, denn da ist alles geschlossen und diese Füll-Plätze sind äußerst rar.

Schon San Jose liegt auf gefühlt dutzenden von Bergen, Hügeln und Canyons, das Profil des ganzen Landes ist ein einziges Bergauf und Bergab, und das meist extrem steil gebaut. Hat man das quirlige (was sonst!) Städtchen Paraiso durchquert, geht es rapide bergab ins Kaffee-Tal von Orosi, das nur einen engen, normalen Straßen-Zugang hat und in der direkten Nähe der beiden Vulkanriesen Irazu (3.432m) und Turialba (3.229m) liegt. Auch so schon eine ganz besondere Lage, denn der Turialba hatte erst im Oktober letzten Jahres von sich reden gemacht und riesige Asche- und Rauchwolken um sich geworfen, glücklicherweise ohne direkte Gefahr für Orosi.

Jetzt ist es wieder ruhig am Berg und wir können mit Franziska, Fredi und anderen Freunden Silvester feiern. Geballert wird hier in Costa Rica auch reichlich und das Feuerwerk beginnt teils schon Stunden vor Mitternacht. Euch Beiden nochmals Danke für die Einladung zu einem schönen Grillabend mit Glühwein aus dem Kessel und Schwedenfeuer! Der (Botanische!) Garten der Beiden ist ein ruhiger und sicherer Rückzugsort für viele Reisende, die hier in Costa Rica auf kleiner oder großer Tour unterwegs sind. Die Regenzeit macht auch hier in dieser Region seit Wochen Überstunden und wir versuchen es später noch einmal am schön gelegenen Lago de Arenal.

weiter geht es im neuen Jahr