Zurück in Mittelamerika - Panama 2

(unsere Reiseroute)

Wir beginnen wieder dort, wo unsere Amerika-Reise vorerst in eine große ‚Etappenpause’ gegangen war, in Panamas gleichnamiger Hauptstadt Panama City.

Unser Sommer 2014, den wir (aus persönlichen und organisatorischen Hintergründen), zum großen Teil in unserer Oberlausitzer Heimat verbrachten, ist nun schon lange vorüber. Eigentlich hatten wir geplant, dass wir im Spätsommer zu unserer Esmi zurückkehren, die ja noch im Zolllager in David, Nordpanama, stand. Aber manchmal spielt das Schicksal einfach nicht mit und so haben wir Thomas’ Mutti bei ihrer schweren Krankheit die letzten Wochen und Monate zu Hause beigestanden. Dass nach dem schweren Verlust eines sehr nahestehen Menschen auch vieles organisatorische und leider auch bürokratische zu klären ist, wird jeder verstehen und so hat unser Deutschlandaufenthalt mehr als ein halbes Jahr gedauert. Am Ende war es gut und wichtig, dass wir vor Ort waren und alles persönlich regeln konnten, was uns möglich war.

An dieser Stelle auch nochmals unseren speziellen Dank der Familie und den Freunden, Bekannten und Nachbarn, die uns geholfen haben und ihre Anteilname.

Unsere Reise zurück nach Mittelamerika ging in mehreren Etappen über Dresden (Danke, Gunnar!) und München (Danke Hanni für das Superweisswurstfrühstück und die vielen, anderen kulinarischen Leckereien)! Gefreut haben wir uns sehr über Jans Besuch bei dieser schon klassischen Globetrotter-Verköstigung erster Güte. Von Gröbenzell/München ging es dann weiter per Flieger über die Dominikanische Republik (Stopp in Punta Cana) und weiter nach Panama City zum „Tocumen International Airport“.

Nach insgesamt fast 14 Stunden Flug kam dann die Prozedur der Mietwagenannahme und man ist stehend k.o. – am Thrifty-Schalter. Die Mietwagenfirmen haben sich in den letzten Jahren eine regelrechte Schikane aus undurchsichtigen Zusatzforderungen, Sicherheitschecks und einem Dutzend Unterschriften und Kurzsignaturen einfallen lassen, dass den Reisenden der Kopf raucht (relativ ausgeschlafen sähe das ganz anders aus, sicher!). Man hat den Eindruck, man muss einen hochkomplizierten Rechtsvertrag mit winkeladvokatischen Fallstricken unterzeichnen, dabei möchte man doch nur für einige Tage ein kleines Auto leihen. Und das brauchen wir, da wir die Panamakanalregion auf eigene Faust erkunden wollen. Auch Panama Stadt und Umgebung ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln (nur eine neue U-Bahn Linie gibt es, immerhin) nicht gerade gut ausgestattet, die Metropole wuchert chaotisch vor sich hin.

Um es vom neuen Flughafen, der weit im Südosten liegt, nicht so weit bis zum ersten Quartier zu haben, haben wir uns in einer 8km entfernten Villa eingemietet, die nächste machbare, bezahlbare Möglichkeit. Die ‚Villa Dumas’ liegt in einem Siedlungsgebiet und erst mal macht uns auch nach mehrfachen Klingeln niemand auf. Erst als wir das Auto wieder anlassen, aufblenden und hupen, nimmt man uns wahr (obwohl wie ja per Internet angemeldet sind). Der Angestellte kommt aus Brooklyn/New York City und zeigt uns unser Zimmer. Glücklicherweise ist es nur für eine Nacht, denn wir teilen uns das Bad mit 2 weiteren Gastfamilien. Alles ist sehr einfach und leider bis weit nach Mitternacht (jetzt in Ortszeit natürlich) furchtbar laut und hellhörig. Das Atrium des vornehmen Hauses ist mondän und edel, die Zimmer für die zahlenden Gäste leider nicht. Um uns (auf dem Flur) tobt ein Kampf mehrerer zeternder Gast-Familienmitglieder, die immer wieder testeten, wie laut man eine Tür mit Anlauf zuschmeißen kann. Halelulia!

Somit ist unser erster, richtiger Tag in Panama etwas verschlafen und wir tasten uns im Schritttempo durch die Stadt zu unseren nächsten, zentraler gelegenen Hotel ‚Parador’, das wir schon vom Mai her kennen und das recht gut liegt, wenn man das Stadtzentrum erkunden möchte. Ampeln werden von der Blechkarawane ignoriert und somit wird fast jede Kreuzung zum Chaos, jeder drängelt und hupt um die Wette, die Karosserie-Werkstätten haben gut zu tun hier, schätzen wir mal.

Wir haben glücklicherweise noch den ganzen, nächsten Tag für das Jahrhundertbauwerk, dessen Eröffnung heuer sein hundertstes Jubiläum feiert, der Panamakanal. Wir fahren am unseren zweitem Tage gleich mal vom Pazifik durch die dichtbewachsene Landenge zur Atlantikküste. Die Autobahn ist gebührenpflichtig, aber eigenartigerweise als Straßen-Hauptschlagader zwischen den Ozeanen relativ leer. In der weniger schönen Hafenstadt Colon angekommen, suchen wir eine Möglichkeit, zu den Gatun- oder Atlantik-Schleusen des Kanals zu kommen, aber mangels Karte finden wir die kleine Zubringer-Straße nicht. Nichts ist ausgeschildert, keine Info, es gibt keine Karten und Navi-Software für diese Gegend ist „Freistil“ und nicht von Garmin (gibt es nämlich offiziell gar nicht).

Colon wird leider von vielen Insidern und Reisenden seit Jahren als DIE gefährlichste Stadt dieser gesamten, lateinamerikanischen Region - in Bezug auf Kriminalität und (wenig vorhandener) Sicherheit - bezeichnet. Und so bewegen wir uns auch etwas vorsichtig durch das Terrain. Das Bild dieser Stadt, die wir durchqueren und in der wir den Weg zur Gatun-Schleuse suchen, bestätigt auch diese Beschreibungen. Nach einiger Suche, einem Kurzeinkauf und einigen Kilometern umsonst ziehen wir es vor, den Kanal an anderer Stelle zu besuchen.

Wir fahren in die kleine Dschungelsiedlung Gamboa und besuchen den kleinen Regenwald-Nationalpark Soberania. In Gamboa, direkt am Kanal sehen wir die ersten Riesenkutter auf ihrer Fahrt durch den Kanal, überqueren eine Baufällig-rumpelige Brücke (über einen Fluss-Seitenarm) und stehen wieder mal am Ende aller Straßen, der Rest ist mit Toren und Zäunen verrammelt. Es geht wieder mal kein Weg weiter.

Aber sogar ein Tropen-Institut der Smithsonian-Stiftung gibt es hier, und eine eigene Ecologie-Polizei. Im Soberania-Nationalpark machen wir eine Wanderung durch das dichte, feuchte Grün der hiesigen Wälder und stehen dann an einem kleinen Wasserfall. Alles duftet nach feuchter Erde, Regen und sattgrünen Blättern, überall raschelt es um uns rum und immer ist man von diversen Insekten umgeben.

Dann fahren wir zu dem berühmten Miraflores-Schleusensystem, welches eher in der Nähe des Pazifiks liegt, und überqueren vorher noch 2mal die Centennial-Bridge (eine schöne, sechsspurige Schrägeilbrücke), welche über den berüchtigten Gulliard-Durchstich gebaut wurde. Dieser Teil stellte einen der technisch schwierigsten Bauabschnitte dar und war damals mit großen Aufwand, vielen Opfern und Kosten verbunden.

Miraflores sind die Riesenschleusen unweit von Panama City, die man besichtigen kann und diese stellen eines der aufwändigsten Projekte des 82 km langen Kanals dar. Wir können beobachten, wie 290-PS-Treidelloks und Bugsierschiffe die Großen Ozean-Pötte durch die Schleusen schleppen.

Ca. 14.000 Schiffe pro Jahr nehmen eine der geschichtsträchtigsten Abkürzungen in der Seefahrt, man spart einige tausend (teils sehr gefährliche) Kilometer um das Kap Horn. Der Kanal wird jetzt aktuell auch wieder für (noch) größere Schiffe ausgebaut. Seit der Übergabe durch die USA, am 31.12.1999, gehört der Kanal zu 100% dem Staate Panama und wird allein von ihm verwaltet und das macht wirtschaftlich ca. 8% des gesamten (!!) Bruttoinlandproduktes der mittelamerikanischen Republik aus. Wer mehr zu diesem sehr interessanten Thema wissen will, findet gute Infos, Karten und viele Fakten im Wikipedia.

Auch wir hatten uns im Vorfeld immer wieder mal Dokumentationen über dieses Riesenbauprojekt angesehen oder in der GEO drüber gelesen, jetzt wirklich hier zu stehen hat schon was von: „Zwick mich mal, ist das echt“ – es ist sehr beeindruckend!

Das Thermometer pendelt sich immer so zwischen 30 und 40 Grad ein und die Luftfeuchtigkeit dampft so vor sich hin (wir auch). Die restliche Zeit unseres Programms in der Hauptstadt verbringen wir auch mal am Panorama-Hotelpool mit Ausblick auf diese ständig wuselnde, wachsende, brummende, laute Stadt - wenn man schon so ein Teil auf dem Dach hat, sollte man es nutzen. Der Pool ist für uns das Beste am Hotel Parador, das ansonsten seine besten Zeiten sichtlich hinter sich hat. Drum herum gibt es eine Menge Kneipen zum Essen oder einfach nur mal ein Balboa-Bier trinken.

Dann, nach drei Tagen, geht es mit einem Taxi durch den Dauerstau zum Inlandflughafen Arlbrook und wir düsen mit Air Panama entspannte 50 Minuten nach David, Panamas zweitgrößter Stadt. Dort wartet unsere Esmeralda in einem Zolllager- (na, so hoffen wir).

Hier in der nördlichsten Provinz Panamas, Chiriqui, sind gerade Regional-Wahlen im Gange und in allem Supermärkten/Läden ist von Bier über Wein bis Rum in den Regalen alles verklebt, verkleistert, mit Verbotsschildern versehen! Von Samstagmittag bis Montag ist somit totales Alkoholverbot verhängt – (vor was haben die denn Angst hier?!!). Man stelle sich DAS mal zu den Wahlen in Deutschland vor, speziell in Bayern… Die Wahlbeteiligung würde doch aus Protestgründen unter die zweistellige Marke fallen Zwinkernd.

Als am Montag die Läden öffnen, schließen wir eine Auto-Haftpflichtversicherung für Esmi ab und lassen uns zum Zolllager kutschieren. Fernando, der Chef, ist da und empfängt uns freundlich, kennt uns noch – alles sieht erst mal gut aus. Die Mietrate wird ausgerechnet, und ein Wunder, es stimmt, wir bezahlen tatsächlich fast ganz genau den von uns ausgerechneten Betrag von knapp 300 Dollar für über 7 Monate Standzeit in der Halle. Nur eine kleine Kontrollgebühr von 1.200 (nein, Scherz!) 12,40 Dollar kommt noch dazu.

Wir dürfen unseren Pickup rausfahren, leider ist alles drinnen und draußen an Esmi in erbärmlichen Zustand durch die tropische Luftfeuchtigkeit, Dreck und Massen von Staub. Die Reifen sind nicht ‚viereckig’, wie uns angedroht bzw. vorhergesagt wurde. Aber die Sitze sind grau, ein fetter Schmierfilm überall an Scheiben und Innenausstattung, einige km Spinnweben (auch in der verschlossenen Kabine) und geschätzte 100-200 kleine, gelbe Spinnen kommen dazu. Die Spinnen doch.

Das ist aber noch nicht alles. Als wir die PKW-Standzeit wieder im Reisepass austragen lassen wollen, um die restlichen Tage hier in Panama erst mal dringend ‚Klarschiff’ zu machen, will man uns einfach nicht alleine fahren lassen. Wir sollen (auf einmal und ohne vorherige Absprache!) das Land auf kürzestem Wege Richtung Costa Rica verlassen, keine Diskussion. Keine Reinigung. Nicht mal am Hotel anhalten und unsere (reichlichen) Sachen einpacken dürften wir. Bürokratie, Idiotie, hirnrissige Gesetze hin & her. Wir müssen erst mal Esmi stehen lassen und alles Hab und Gut per Taxi zum Zoll-Lager holen, dann ‚irgendwie’ reinpacken und ab zur 52 km entfernten Grenze zu Costa Rica. Wir werden begleitet von einem Zollbeamten im weisen ‚Aduana’- Pickup, der uns an der Grenze sozusagen „rausschleust“ – wir könnten dann noch einmal einreisen, (natürlich mit allen Schikanen, Gebühren, Wartereien und Nervereien), sagt man uns.

Wir sagen Gracias und schenken uns das – auch aus Prinzip. Das ist wieder mal eine fette lateinamerikanische Zoll-Grenz-Gesetz-Schikane und wir haben momentan den Kanal voll von Panama und freuen uns schon auf einen zweiten Teil Costa Rica, es gibt dort noch viel zu entdecken. Und in Richtung Norden wollen wir sowieso.

So fahren wir erst mal durch strömenden, tropischen Regen auf die costaricanische Pazifikküste zu und hoffen auf Wetterbesserung, um die vollgestopfte Esmeralda wieder technisch und funktionell in Gang zu bringen. Wir melden uns bald wieder aus dem Land der Ticos, Bananenplantagen, Vulkanen und Nationalparks.

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