Panama zum Ersten

(unsere Reiseroute)

Auf nach Panama! Die letzten Kilometer auf dem Territorium von Costa Rica sind Lehm-Stein-Rumpelpiste zum abgewöhnen und eine Regenfront folgt uns auffällig. Dann taucht der Grenzort auf und wir können in einer runden Stunde die Formalitäten für die Costa Rica-Ausreise hinter uns bringen. Hier ist nicht so viel los als am ‚Großen’ PanAm Übergang.

Dachten wir. Der Beamte der Panama-Personeneinreise ist nicht gut drauf und wir sollen uns gefälligst erst zur Autoversicherung scheren - so kann man seine üble Laune interpretieren. Am modischen Container der Versicherungsgesellschaft kämpft die Dame mit der Technik, nix geht mehr. Sie will dann erst mal Mittag machen, sperrt die Bude zu, fährt weg und kommt – vielleicht wieder. Ohne dieses Dokument kommen wir aber nicht weiter. Beim Bummel durch den Panama-Teil des Grenzortes - der Ort heißt Rio Sereno - merken wir, dass der ominöse Container die einzige Möglichkeit ist, eine (allerdings obligatorische!!) KFZ-Versicherung für Panama abzuschließen.

Wir entern das örtliche Internet-Cafe und warten. Ca. eine Stunde nach Mittag erscheint die Dame wieder und nach einigen, weiteren Problemen mit dem Ausdruck haben wir das Dokument endlich in der Hand und es kann zur unauffälligen Zollbaracke gehen. ‚Esmi’ muss ja auch hochoffiziell einreisen. Alles wird in den Computer eingegeben und das dauert 45 Minuten! Dann (kurz vor Fertigstellung) – patsch – Stromausfall, alle Daten weg und wir warten. Ein weiterer Versuch per Hand das Formular auszufüllen, dies dauert (wird aber nicht fertig), als der Strom wieder da ist und wir endlich zur Personen-Einreise gehen können (alles ist schön verteilt im Gelände!) schüttet es wieder volle Pulle.

Es gibt ein Missverständnis bei der Fahrzeugdesinfektion, geht zurück, vor, Ehrenrunde, mehrere Gebäude rein & raus, Fragen, Formulare, Stempel, Beglaubigungen, Gebühren und fast vier (!!) Stunden später haben wir es wieder mal geschafft. Negativ-Platz 2 für diese Grenze an Zeitaufwand. Warum müssen manche Landesgrenzen so eine unvorstellbar geballte Idiotie an bürokratischer Kontrollwut und endlosem Geltungsbedürfnis der staatlich ferngesteuerten Beamten sein. Wir vermissen schon die (aktuell zumindest) einfach zu händelnden Grenzen in Old Europa im Schengener Abkommen. Dann düsen wir endlich ‚frei’ und legal auf Panamas Regen-überfluteten Straßen ins Gebirge und den mächtigen Vulkan Baru sowie den Nationalpark - die ‚kleine Schweiz’ von Panama genannt.

Wir stehen später - mangels passenden Platz - nach ein- bis zwei-stündiger Sucherei in der langen Einfahrt zu einer Hacienda in den Bergen. Wir haben glücklicherweise auch Ruhe und Muße zum kochen, Sachen trocknen und weiterplanen. Niemand stört uns.

Wir können im nahen Ort Volcan am nächsten Tag einkaufen und machen später eine Runde durch das Obst- und Gemüseparadies von Panama. Hier, in der äußersten Provinz Chiriqui wächst und gedeiht alles wie in einem riesigen Gewächshaus und eine (kaum für möglich gehaltene) Steigerung zu Costa Rica - an üppigen Grün - ist tatsächlich zu bemerken. Hier in der Provinz Chiriqui hat man oft den Eindruck durch ein grünes Tunnel zu fahren. Oder es liegt an der immer stärker einsetzenden Regenzeit, die sich jetzt überall hier im südlichen Mittelamerika bemerkbar macht. ‚Auf dem Lande’, zwischen Bananen, Tomaten und Papaya macht die Republik Panama einen ersten, ruhig-gelassenen-positiven Eindruck auf uns.

An den Häusern, Siedlungen bemerkt man kaum einen deutlich anderen Stil als beim nördlichen Nachbar, vieles macht einen einfachen, aber soliden Eindruck. Die Gegend um Nueva Suiza, oder weiter oben, im höchsten per Straße erreichbaren Ort des Landes, Guadalupe, gefällt uns gut, für die ersten Tage und zum ersten Kennenlernen des ‚neuen’ Reiselandes.

David ist die Hauptstadt der Provinz Chiriqui, aktuell die zweitgrößte Stadt im Lande und es gibt hier schon einiges zu kaufen, sowie Hotels, Motels und Shoppingcenter nach amerikanischem Vorbild. Von dort aus geht eine richtig gut ausgebaute, meist vierspurige Straße in die Berge - in den Ferien- und Erholungsort Boquete, so eine Art Garmisch für Panamaer. Allerdings ohne Zugspitze, aber mit dem Vulkankegel des 3.474 Meter hohen Baru, dessen letzte Eruption im Jahre 1550 tobte, der eindrucksvolle Lavakegel hat sich vorübergehend beruhigt.

Boquete hat viele Pensionen und Hotels und wir erfahren, dass es sogar eine Campingmöglichkeit im Garten des „Hauses Topas“ gibt. Wiedermal sind es europäische Auswanderer, in diesem Fall eine deutsche Familie, die das hier möglich macht. Die Anlage ist schön, gemütlich, hat außerdem Gästezimmer, Pool, Internet, Terrasse, Duschmöglichkeit und zwei große, neugierige Wachhunde.

Wir bleiben hier 4 Tage und lernen Michael aus der Schweiz kennen, der mit seinem dreiachsigen ‚Pinzgauer’, einem umgebauten, ehemaligen Militärfahrzeug unterwegs ist. Eine wirkliche Seltenheit, diese historische Kiste mit Benzinantrieb und Wüstentauglichkeit. Ein tolles Reisevehikel, man hat nur leider drinnen keine Standhöhe, aber dafür ist es äußerst kompakt.

Wir haben beschlossen, eine hier in der Gegend befindliche Zollhalle zu nutzen, um Esmeralda für eine längere Zeit unterzustellen. Die Kosten bleiben hier (im Gegensatz zu denen in Panama City) im machbaren Rahmen. Wir haben daraufhin eine gute Flugverbindung nach Deutschland gefunden, allerdings vom 550 km entfernten Panama City aus. Da gibt es dann für uns noch einiges zu organisieren, bis wir in die Halle können. Zuerst dachten wir, ‚Esmi’ muss draußen stehen und haben uns gegen den zu erwartenden Dauerregen eine große Plane gebastelt. Alles was geht soweit versiegelt und wetterfest gemacht. Dann erfahren wir vom Chef des Bond-Storage, also der Zollhalle, dass wir unser treues Fahrzeug (glücklicherweise) in die Halle hereinfahren dürfen. Nun steht der deutsche Pickupcamper zwischen anderen Expeditionsmobilen (z.B. aus Holland) und viel internationaler Handelsware. Das Zollbüro ist dort integriert und wir hoffen, alles ist gut bewacht. Die Standzeit ist unlimitiert und bezahlen können wir bei Abholung. Die Aufenthaltsdauer (für KFZ) in Panama kann dank der Zollregelung auch dann neu anlaufen, es gibt ja für ausländische Privatfahrzeuge in Panama leider nur einen Monat Aufenthaltsdauer. Komischerweise dürfen Privatpersonen bis zu drei Monate in Panama bleiben. Aber das muss man ja nicht verstehen.

Wir fliegen mit Air Panama eine Stunde vom Enrique Malek Int. Airport in David bis in die geschäftige Hauptstadt, um dort erst einmal auf einem Inlandflughafen zu landen.

Selten, wirklich ganz, selten haben wir weltweit solch eine (Groß-) Stadt der enormen Gegensätze gesehen und erlebt wie Panama City am weltberühmten Kanal zwischen den Ozeanen. Hier brüllen einem die Widersprüche entgegen, dass dem Reisenden schwindlig wird, vorausgesetzt, man ist bereit, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Schon beim Einschweben über den Kanal zum Inlandsflughafen, mitten im Hafengelände zwischen den Docks und Kilometerweiten Containerfeldern gelegen, ahnt man, was einem in der Hauptstadt von Panama erwartet: Der wie improvisiert wirkende, kleine „Albrook-Airport“ scheint noch aus einer Zeit in den 60er Jahren zu stammen. Das Gepäck wird per Zuruf ausgehändigt, kein Band, nix, die einzige Technik ist eine Riesen-Röntgen-Anlage, wo man genötigt wird, das Gepäck (nach dem Flug!) direkt vor dem Verlassen des Flughafens filzen zu lassen. Etwas vollkommen SINNLOSERES haben wir im allgemeinen Kontrollwahn noch nicht erlebt, aber diese Beamten meinen es ernst, jeder – und jedes Gepäckstück - muss durch die Ausgangskontrolle!! Wir suchen schon die versteckte Kamera… und nehmen es mit dem nötigen Humor.

Die Taxifahrt zum mitten in der Stadt gelegenen Hotel zeigt uns schon mal, das es hier auch die extremste Armut und den schlimmsten Dreck gibt - seit einigen Gegenden in El Salvador oder Honduras – und das nur 1-2 km neben Betontürmen mit bunter Werbung und dem fetten Prunk der Banken. Sieht man Panama City auf Hochglanz-Prospekten, oder diese imposante Skyline von Panama (wie es hier einfach überall genannt wird) aus einiger Entfernung, wirkt die Stadt fast wie eine Mischung aus Manhattan, ein bisschen Dubai und einer beliebigen, großen Südasiatischen Metropole. Wenn man aber näher kommt und durch dieses chaotische Monstrum von Bau-Chaos und Dauerstau fährt und teils abgeht, merkt man schnell, dass der erste Eindruck täuscht und an allen möglichen Stellen von Abrissgebieten, teils- oder ganz eingestürzten Mietskasernen durchzogen ist.

Das Chaos wechselt mit moderneren, sortierten Vierteln, aber immer wieder erblickt man Slums der schlimmsten Sorte. Auch die so gelobte Altstadt ‚San Felipe’ mit ihrer historischen Bausubstanz und den (verblichenen) Charme einer louisianischen Cajunmetropole ist mit zahlreichen, teils schon abgestützten, baufälligen Ruinen durchzogen. An einigen Stellen sieht man nur noch die notdürftig gesicherten Fassaden der vor längerer Zeit sicher schönen Bürgerhäuser oder Geschäfte. Gusseiserne Balkone, Stuckfassaden, enge Gassen, ein buntgemischtes Publikum und ein internationaler Mix der Bewohner erinnert tatsächlich ein wenig an New Orleans, nur die vielen Musikkneipen fehlen hier leider. Das French Quarter ist es dann doch nicht ganz, aber man kann hier gut bummeln und entdecken, es sind sogar einige internationale Touristen unterwegs.

Unser Hotel hatte wahrscheinlich auch schon bessere Zeiten erlebt, stemmt sich aber tapfer gegen den Zahn der Zeit und so wirkt das Mobiliar eher rustikal-museumsmäßig, verwohnt, aber solide. Und wir bekommen ein Zimmer direkt unter dem mondänen Dachpool mit Blick auf die geschäftig brummende City mit ihren teils wirklich futuristischen Wolkenkratzern. Steckt man den Kopf zum (mal nicht verriegelten!!) Fenster heraus, so schlägt einem die tropische Schwüle der mittelamerikanischen Landbrücke mit ihren speziellen, feuchtheißen Klima so richtig entgegen – wie ein Haar-Föhn mit zu feuchter „Aussprache“.

Die Stahl- und Glastürme der Finanzmetropole erinnern wiederum an Singapur. Das Wetter würde gut dazu passen, nicht umsonst sagt man, Panama City hat die Hitze eines türkischen Bades - und wenn fette, bleifarbene Regenwolken über der Stadt hängen, scheint das ganze Theater auch noch stilvoll überdacht zu sein.

Für den stilvollen Aufguss sorgen die monsunartigen Platzregenschauer, diese duften allerdings nicht im saunatypischen Fichtennadelextrakt, sondern zeichnen sich eher durch die Ausdünstungen der vielen Gullys aus und den Gestank der vielen, (ungesicherten) Löcher in der Straße zur Kanalisation.

Dann hilft nur noch ein Balboa-Pils, benannt nach dem spanischen Entdecker des Pazifik-Zuganges und der eigentlichen Währung Panamas, die parallel zum US-Dollar hier auch noch zahlungstechnisch aktuell ist. Man bekommt zum US-Geld immer mal interessante Balboa-Münzen, die in Größe und Gewicht schon stark an die Währung aus Nordamerika erinnern, als Scheine aber haben wir hier nur US-Greenbacks gesehen.

Nach dem Besuch des lebendig-bunten Fischmarktes und dem am Meer gelegenen Altstadtviertel ‚San Felipe’ landen wir, wie zufällig in einer extremen Ghetto-Gegend. Ehe man es sich versieht, steht man zwischen Müllbergen, Graffiti-besprühten, teils dunklen Hinterhöfen und zerlumpten Bettlern, ein Stadtteil wie in einem Endzeit-Film.

Viele Fensterscheiben sind eingeschlagen, alte Bettgestelle, selbstgebaute Notunterkünfte aus Wellblech und Verpackungsresten wechseln sich ab mit teils eingefallenen Ruinen von längst ausgedienten Wohnsilos. So schnell geht es und man landet an einem der sozialen Brennpunkte, die sich an mehreren Teilen dieser großen Stadt gebildet haben. Nur zu Fuß unterwegs ist es jetzt für uns ratsam, erst einmal die Richtung zu wechseln oder eines der vielen Taxis zu nehmen, sicher ist es hier nachts noch etwas ungemütlicher. Der Taxifahrer ist auch ein wenig erstaunt und bestätigt uns, dass diese Ecke „nicht sicher“ sei.

So lassen wir uns erst mal wieder zur Metro bringen und fahren mit der nagelneu eröffneten U-Bahn wieder ins Geschäftszentrum. Wir hatten im Vorfeld erfahren, dass die ganz neue Metro in Panama City seit der Eröffnung noch einige Zeit kostenfrei sein soll, dies wird uns nach einigen Fragen auch bestätigt. Man muss nur eine Magnetkarte für 2 Dollar kaufen, (die darf man dann auch zu zweit benutzen!) dann sind die Fahrten tatsächlich kostenlos, nur Informationen, Streckenpläne etc. gibt es hier kaum zu bekommen. Die Sicherheit scheint relativ gewährleistet zu sein, es gibt viele bewaffnete Beamte in den Wägen, alles ist noch sauber und glänzt, manches ist noch gar nicht richtig fertig. Einige Menschen nutzen die neue Bahn schon, wir meinen aber, dafür, dass dieser Service jetzt noch gratis ist, fahren für das Verhältnis einer solchen Großstadt nicht unbedingt große Massen mit der Metro. Es ist nicht ‚gesteckt’ voll wie in europäischen Metropolen.

Die Innenstadt empfängt uns mit futuristischen Bauten und einem typischen, lateinamerikanisch-lauten Begängnis, Billigläden, dem bunten Mix aus Nobel- und Fast-Foodkneipen und viel Verkehr. Am Abend eines solchen Tages ist man immer irgendwie platt vom vielen Kilometern auf Beton und Asphalt und dem ständigen Orientieren in einer (noch) fremden Großstadt, dem Suchen und Entdecken so mancher kleinen oder großen Sehenswürdigkeit, aber es macht Spaß, es ist immer wieder spannend. So ein Tag lebt auch von dem eher zufälligen Entdecken, von kleinen oder außergewöhnlichen Fotomotiven, feinen, versteckten Skurrilitäten, die in solchen, stark widersprüchlichen Städten meistens irgendwo überraschend auftauchen. Aber auch das ständige Aufpassen und das Aufmerksam sein schlaucht auf Dauer in solchen Situationen, man hat ja zumindest eine Kamera oder einen Fotoapparat dabei und sollte seinen Rucksack im Gedränge nach Möglichkeit gut sichern können. Wir haben soweit Glück gehabt und auf den vielen, tausenden Kilometern durch Lateinamerika, von Mexiko bis Panama ist uns glücklicherweise nichts nennenswert Negatives passiert. Und das wissen wir zu schätzen, das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man so viele andere Berichte von Reisenden hört und liest.

Wir finden ein interessantes, palästinensisches Restaurant unweit unseres Hotels und holen uns eine ordentliche Portion an gemischten, frisch zubereiteten Fleisch und Gemüse auf unser Zimmer, von wo wir noch einmal die grandiose Aussicht über diesen Teil der Stadt genießen.

Am nächsten Tag soll es nun mit Condor wieder nach Deutschland gehen. Wir haben einen Zwischenstopp auf der Karibikinsel Puerto Rico auf dem Wege nach Frankfurt und nehmen uns wieder ein Taxi quer durch die City zum weit außerhalb im Süden gelegenen Aeropuerto Tocumen International.

Unsere Reise ist noch nicht zu Ende, aber an dieser Stelle ist es Zeit für ein spezielles Fazit zu unserer Fahrt durch Mittelamerika, von Mexiko bis Panama. Und (nördlich) darüber hinaus. Wir haben immer wieder versucht - angesichts der zu erwartenden Probleme – ganz spezielle, zu sehr problematische Gebiete oder Städte vor Ort zu umfahren. Manchmal ist dies gelungen. So z.B. bei den Hauptstädten San Salvador (El Salvador) und Tegucigalpa in Honduras. Würde man z.B. alle als problematisch geschilderten Gegenden in Mexiko ‚meiden’, so kann man definitiv überhaupt nicht mehr durch Mexiko fahren, das Land also unmöglich durchqueren - weder von Ost nach West – noch auf einer der deutlich längeren Nord-Süd Routen. Dasselbe (mit Warnungen und Sicherheitsbedenken) gilt auch für Guatemala und fast alle Länder südlich davon, jedoch zeigt sich durch unsere eigene Erfahrung und die vielen, wertvollen, aktuellen Berichte anderer Weltenbummler - aktuell unterwegs auf dieser Strecke - sehr oft ein anderes Bild. Als (Durch-) Reisender in dieser Region hat man real kaum oder gar nicht mit den großen Drogenproblemen zu tun, es müsste schon vieles negatives, auch zufälliges, zusammenkommen. Unsere größten Probleme waren und sind das Fehlen von Stellplätzen, Raststätten, Campingmöglichkeiten (auch der einfachsten Art) und das Verschwinden der wenigen, noch vorhandenen Plätze im Zuge des immer spärlicher werdenden Tourismus. Außerdem oft grottenschlechte Straßen, Speedbumper, ungesicherte Riesenlöcher. Aber irgendwie geht es schon weiter, der Panamericana-Highway ist meist recht gut ausgebaut, nur die Seitenwege immer abenteuerlich und „Fahrzeug-fressend“ Lachend.

Schade ist es für die besagten Regionen, denn die Medien machen aus den zweifellos vorhandenen Problemen ein solches Horrorszenario, das nahezu gar keine amerikanischen Touristen durch das mexikanische Festland reisen, von den Ländern südlich davon einmal ganz abgesehen. Ganz viele (Privat-) Plätze sind ganz einfach Pleite und in Auflösung, mangels zahlender Gäste, verwahrlost oder schon verlassen, das erfuhren wir immer wieder – überall dort, wo wir noch jemanden antreffen konnten.

Die Korruption, ganz besonders bei der Polizei in Mexiko, schreit zum Himmel, ist so extrem, dass einem schon die Lust zum Reisen dort restlos vergehen kann, wir kennen (von dutzenden Reisenden!!) eigentlich niemanden, der nicht für irgendeine, frech erfundene Sache zur Kasse gebeten wurde. Oft mehrfach auf einer Tour. Und obwohl die Situation mit vielen Waffen, Drogenproblemen in Guatemala nicht viel leichter zu sein scheint, macht dieses Land südlich von Mexiko einen deutlich sympathischeren Eindruck, vor allem seine viel freundlicheren Menschen. Es ist bunter, sauberer und nicht so krampfhaft angespannt wie die Situation an vielen Orten im nördlichen Aztekenland. Da wir nicht so sehr lange in El Salvador und Honduras unterwegs waren, halten wir uns eher zurück mit ‚ausführlichen’ Beschreibungen. Leider können wir die massenhafte Präsenz von Schusswaffen aller Art, überall an öffentlichen Gebäuden, Banken, vielen Läden, Tankstellen – ja faktisch überall im „öffentlichen Leben“ dort, nur bestätigen. Ein sichereres Gefühl (!!!) vermitteln die x-fachen Pump-Guns, Pistolen und Uzis in der Hand einer zwielichtigen Privatarmee, manchmal zu jungen Leuten definitiv nicht. Und natürlich geht es dabei nicht primär um das Alter der Bewaffneten, nur der Anblick von ‚halben Kindern’ mit dieser „Ausstattung“ macht uns nur noch zusätzlich nachdenklicher!

Die (auch nicht so lange) Zeit in Daniel Ortegas Nicaragua war zwiespältig. Es erinnert manchmal etwas an ein ehemaliges, sozialistisches Land in den 1980ern, man fühlt sich aber vor Ort nicht direkt unsicher. Aber fast überall beobachtet. Wir haben amerikanische Reisende bzw. Urlauber an der Küste in Nicaragua getroffen, die eine unglaubliche Angst und Übervorsicht hatten. Mit solchen Vorurteilen und manchmal unrealistischen Vorstellungen braucht man in kein Land zu reisen, das wird sonst zwangsläufig zur Krampfaktion im „Goldenen Käfig“ hinter Hotelmauern. Auf seine Sachen, sein Fahrzeug, muss man überall in dieser Region gut aufpassen, das trifft auch auf das recht sichere und sympathische Costa Rica zu. Es ist der klare Favorit für Mittelamerika, wie nicht anders erwartet, ein 1A-Reiseziel für Naturfreunde und Entdecker.

Die nervig-bürokratischen Grenzen und die Fahrt durch das Amerika zwischen der US-Grenze und dem tropischen Norden Panamas erwecken nicht unbedingt das Gefühl zu einer Wiederholung solch eines Unternehmens. Dagegen war der Gesamteindruck in Nordamerika und die vielen Möglichkeiten, die sich bieten, die Zahl der Landschaftlichen Höhepunkte dort so klar höher, dass es eine eindeutige Sache ist, was uns am Ende besser gefallen hat. Und einen klaren Vergleich haben wir jetzt allemal, zum Einschätzen. Man kann sich in den USA und Kanada (fast) immer normal im freien Gelände bewegen, allein wandern und hat unvorstellbar viele Möglichkeiten. Auf Grund der zahlreichen Warnungen und (sicher oft gerechtfertigten) bewaffneten Vorsichtsmaßnahmen geht das so ohne weiteres in Lateinamerika nicht, und das macht einfach keinen Spaß auf Dauer.

Wir werden in einiger Zeit wissen, wie und auf welcher Route es für uns (und auch hoffentlich für Esmeralda) weitergeht und freuen uns immer wieder über euer Interesse an unserer Homepage. Vielen Dank an die Familie, danke allen Freunden, Bekannten, Gleichgesinnten, Langzeit- und anderen Reisenden für das Imaginäre Begleiten auf mittlerweile über 1.000 Web-Seiten, einigen tausend Fotos und unseren Berichten rund um diese einmalige Welt. Wir versuchen, unsere Geschichten so authentisch wie möglich zu gestalten, nichts soll geschönt oder übertrieben werden, außer, der (oft dringend nötige) Humor geht mit uns durch.

Bis bald mal wieder auf diesen Seiten!!!

Heidi & Tom

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