COSTA RICA 3 - Über die Kordilleren nach Panama

(unsere Reiseroute)

Auf nach Süden! Nachdem wir von unseren Schweizer Gastgebern Abschied genommen hatten, müssen wir erst einmal unsere Reiseschildkröte wieder durch die engen Gassen von Paraiso (dieser schöne Name täuscht!) und Cartago steuern, bis wir dann den großen Panamerican Highway erreichen, der hier in Mittelamerika als Teilstück auch mal „Interamericana“ heißt, aber dieselbe Straße ist es trotzdem. Und diese steigt und steigt in Höhen auf, wie man es in Europa kaum auf Fernstraßen schaffen kann - die Kordillerenkette muss überwunden werden. Diese wird dann zur zweispurigen Straße und schafft es hier bis in Höhen von über 3.400 Metern. Das ist die absolut höchste Stelle dieser Verbindungsstraße zwischen Alaska und dem Süden Patagoniens!

Vor dem Gipfelpunkt jedoch besuchen wir noch einen ganz besonderen Platz in den von Wolken und häufigen Nebel verhangenen Bergen: Der „Mirador De Quetzales“ in 2.760 Meter Höhe. Der Vogelkundler wird jetzt neugierig, denn der Lebensraum des sagenumwobenen Göttervogels, des guatemaltekischen Nationaltieres und seltenen Objektes vieler Forschungen ist unter anderen hier oben, in den Kronen der gewaltigen Regenwaldriesen zu Hause. Der Quetzal ist ein etwa taubengroßer, wunderschöner, grün bis türkiesgefärbter, extrem scheuer Vogel mit rotem Brustgefieder, der sich absolut nicht in Gefangenschaft halten lässt. So sagen es Berichte und Informationen. Dessen lange Federn waren schon bei den Mayahäuptlingen sehr begehrt und wurden buchstäblich mit Gold aufgewogen. Heute muss man schon Glück haben um ihn zu sehen und zeitig aufstehen für eine von Guides geführte Tour durch diese beeindruckenden Bergwälder, denn schon in der 10ten bis 11ten Vormittagsstunde zieht es sich hier regelmäßig mit dicken Wolken zu. Am Nachmittag geht oder fährt man schon wieder durch fette Wolkenberge oder es schüttet um diese Jahreszeit aus Kannen, Kübeln, ach was – aus Swimmingpools.

Kaum zu glauben, am Morgen nach einem graufeuchten Nachmittag haben wir das beste Wetter, Fernsicht und die Wege sind nicht zu „Ver-schlammt“! Wir dürfen für 10 Dollar auf dem Quetzales-Lodge-Parkplatz übernachten. Ein gutes Geschäft für die Betreiber, die keinerlei Aufwand mit den stehenden Fahrzeugen haben und die morgendliche Quetzal-Tour kostet sowieso extra.

Tom erkundet nachmittags das Gelände und traut seinen Augen kaum beim Wiederkommen zum Parkplatz: Es bietet sich eine Doppelte Überraschung – Erstens: Torsten und Doris mit ihren Pickup-Camper, die wir schon auf dem Wege nach Panama wähnten, stehen neben unserer Esmeralda und bleiben natürlich heute Nacht auch hier! Aber hallo! Zweitens: Noch verrückter – gleich daneben, zuerst nicht sofort wiedererkannt, (aber bekannt kam uns das Vehikel doch irgendwie vor) steht da doch tatsächlich der kalifornische Klappcamper von 2 Bekannten aus Los Angeles direkt an unseren kleinen Camp! Das dazugehörige Pärchen mit 2 kleinen Hunden und dem (Süd-) Ziel Panama haben wir schon auf dem berüchtigten Touristen-Polizei-Platz in Antigua, Guatemala kennengelernt - dort (vor über 2,5 Monaten!) standen sie auch einige Tage neben uns. Hier, in Costa Rica’s Nebel- und Bergwäldern, in 2.700 Meter Höhe treffen wir sie nun wieder! Wir feiern das Wiedersehen zusammen mit einem zünftigen Rum-Cocktail, fachkundig zubereitet von Doris. Wieder so ein Zufallstreff.

Am nächsten Tage geht es aus Wettergründen frühzeitig los, Start ist 6 Uhr morgens, die Berge sind frei und die Sicht ins Tal ist noch sehr gut. Von uns sechs Leuten sind nur Torsten und ich (Tom) übrig geblieben, die die Tour mitmachen, vervollständigt durch zwei französische Fotografen mit reichlich professioneller Ausrüstung, einer Studentin und unseren einheimischen Guide wollten wir uns als kleine Gruppe aufmachen, um eine ornithologische Seltenheit aufzuspüren.

Zumindest sehr selten zu sehen ist der Quetzal, der „Göttervogel“ der Majas schon, nur in bestimmten Lagen und meist hoch in den Urwaldriesen sieht man diese schönen Tiere, die für ihre Freiheitsliebe bekannt sind. Wir konnten schon in den Nachmittagsstunden tags zuvor, viele, bunte Kolibris beobachten, die hier von diversen Leckerbissen angelockt werden, mehrere Arten der buntgefiederten Flugkünstler konnten wir gemeinsam (mit einiger Geduld) dann auch noch (nur bildlich!) einfangen.

Und wir haben das Glück des Frühaufstehers, der erste Quetzal (ohne Fotomöglichkeit) lässt sich schon zu Beginn der Wandertour in 30-40 Metern sehen, er verrät sich durch seinen lauten Ruf, ist aber leider bald wieder verschwunden. Auf der fast dreistündigen Tour bergauf, bergab durch den noch feuchten Wald entdecken wir zusammen insgesamt (neben vielen anderen Singvögeln) 4-5 Quetzales in Geäst der teils riesigen Bäume. Wir können zwei Exemplare auch etwas genauer sehen und Torsten gelingt mit seinem Apparat ein Schnappschuss des extrem scheuen Tieres, nur das Köpfchen ist leider etwas verdeckt.

Die Entfernung ist für Schärfe und Genauigkeit leider zu groß – aber immerhin! Um diese Tierchen hier so ‚ran zu holen’, dass man aus den Bildern „Kalenderqualität“ machen könnte, bräuchten wir schon 800 -1200 mm lange Spezial-Objektive, das geht auf so einer ausgedehnten Tour natürlich eher weniger. So bleiben der besondere Augenblick, die Wanderung und das Erlebnis dieses einmalig schönen Regenwaldes am „Mirador de Quetzales“ für uns in Erinnerung. Wir haben mit einigen Reisenden gesprochen, die trotz teils recht teureren Touren in Guatemala und im zentralen Costa Rica, keinen dieser Vögel vor die Augen oder die Kameralinse bekommen haben (oder nur als kleiner Farbtupfer in über 50 Metern Entfernung).

Nach einem zünftigen Spät-Stück geht es dann weiter mit uns und der schon unruhig scharrenden Reiseschildkröte. Die höchste Erhebung der gesamten Panamericana-Nord-Süd-Verbindung ist noch zu erklimmen und schon mittags verschwinden wir bei über 3.000 Metern in einer fett-feuchten Wolken-Regenschicht. Es wird regelrecht dunkel, alle fahren mit Licht und nach der höchsten Stelle bei über dreitausendvierhundert Metern folgt bei der kontinuierlichen Abfahrt eine Walze aus Wasser, die uns entgegenschlägt. Es schüttet aus Kannen und die hier oben nicht immer sehr gepflegte Fernstraße Nr. 2 versinkt in Fluten von braunen oder grauen Wassermassen und Aquaplaning. Alle Unternehmungen und weitere Wanderungen oder Fotos der sicher interessanten Landschaft ersaufen in Nass und lösen sich in Theorie auf.

Bei unter 1.000 Metern ist es wieder relativ schön und die einzige größere Stadt im Süden Costa Ricas ist San Isidro, nur durch den mächtigen Gebirgszug vom restlichen Land und seiner zentralen Hauptstadt etwas getrennt. Wir nutzen das zum Tanken und Einkaufen, ehe wir am Abend in Buenos Aires ankommen, in Costa Rica natürlich. Das verstreute Straßennest bietet uns, wie leider so oft schon in den letzten, bereisten Ländern, wenig bis keine (wirklichen) Stellmöglichkeiten an. Wir finden nach einigen Kilometern Suche durch das Nest wieder mal einen ‚Not-Alternativplatz’ am städtischen Krankenhaus. Unter großen Bäumen können wir einen längeren Gewitterguss aussitzen und werden auch von diversem Sicherheitspersonal nicht beim Kochen oder Schlafen gestört. Ein selten positives Ereignis, aber für einen „Stellplatztipp“ reicht es trotzdem nicht, denn heute Nacht hatten wir evtl. nur mal Glück gehabt.

Für die restliche Strecke durch den Süden des Landes verlassen wir die PanAm und fahren die von anderen Weltenbummlern empfohlene „Routa 237“, eine kleinere, aber asphaltierte Nebenstraße, die sich durch Kaffeeplantagen und grüne Berge schlängelt. Wir passieren das Bergstädtchen San Vito und sind viel schneller als wir erwartet haben schon im Grenzgebiet zu Panama. Auch in San Vito ist nirgends ein WoMo-Stand-Platz zu entdecken, No Camping, alles ist (wie immer) abgezäunt oder unzugänglich an der Straße durch das Land. Weiter geht’s nach Sabalito, die letzte Bastion von Costa Rica vor der Frontera - der Grenze. Dort haben wir den kleinen Ort schon fast durchquert, da findet sich überraschend eine der seltenen Möglichkeiten: Ein kleiner, auf den ersten Blick verlassener Bau- oder Supermarkt mit großen Parkplatz, Waldzugang und nächtlichen Froschkonzert bietet uns die Möglichkeit, hier noch einmal zu pausieren, wir haben sogar den Luxus eines funktionierenden Wasserhahnes am Gebäude.

Wir können am nächsten Tag in Sabalito an einer freien Werkstatt auch noch unseren Ölwechsel machen lassen und finden in einem örtlichen KFZ-Versorger-Shop sogar - nach ausmessen, fragen und suchen - einen passenden Kraftstoff – also Dieselfilter. Alles wird gleich mit getauscht und wir können einige der restlichen costa-ricanischen Colones in der kleinen Werkstatt verwenden, bevor es nach genau 2 Monaten in diesem schönem Land zur Grenze nach Panama geht.

Als Fazit zu Costa Rica können wir nur wiederholen, das sich dieses Land deutlich positiv von seinem nördlichen Nachbarn in Lateinamerika abhebt, man hat nach dem Anblick von tausenden, mehr oder weniger aggressiv präsentierten Waffen in Mexiko, El Salvador und auch in Guatemala, (teils, aber weniger in Nicaragua) einen deutlich entspannteren Eindruck im Lande. Die Menschen sind hier fast immer freundlich, hilfsbereit und die Gegensätze zwischen Stadt und Land sind hier auch extrem. Die Hauptstadt San Jose ist nordamerikanisch modern und vollgestopft mit Konsumtempeln der allseits bekannten Marken. Auf dem Lande herrscht noch eine Mischung aus Einfachheit, auch Armut, aber eine Versorgung gibt es überall, das allgemeine Niveau ist höher und besser als in den vorher genannten Staaten. Alles blüht und grünt im Überfluss und eine umsichtig begonnene ökologische Politik hat viele Schutzzonen geschaffen. Es geht auch ohne Militär-Präsenz und das Geld fließt dafür sinnvoller ins Soziale. Und: Nach Tonnen von Müll, Plastik und Abfall in und um die Orte - auch überall auf freier Strecke - in den C4-Staaten und Mexiko, ist Costa Rica schon (fast) traumhaft sauber, die Entsorgung funktioniert, die persönliche Einstellung hier ist einfach ganz anders. Aber man darf auch kein tropisches Wunderland erwarten, überall fehlt es trotzdem am Geld, der Staat ist leider auch hier stark verschuldet. Zum Beispiel: Die Hauptstraßen sind so lala in Ordnung, aber fast alle Nebenstrecken zeigen, dass noch viel zu tun ist. Sie sind zu 75% aus Lehm, Steinen und Löchern, beanspruchen Fahrzeug und Fahrer manchmal bis an die Grenze und vor allem, wenn man in die abgelegenen Naturparks möchte. Als Reise- und Abenteuerland mit einer grandiosen Flora und Fauna ist Costa Rica unsere uneingeschränkte Empfehlung.

Wir sehen uns bald wieder in Panama.

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