Costa Rica - La Pura Vida

(unsere Reiseroute)

Wir erleben bei der Einreise die umfangreichste und längste Grenzbürokratie seit Abschaffung des „Eisernen Vorhanges“ (für unsere eigenen Vergleiche), nur hier sind es statt endloser Taschen-Kontrollen wieder 2 Stunden Warterei und Hin- und Her-Rennerei auf der Seite von Nicaragua und über 3 Stunden davon bei der Einreise nach Costa Rica. Busladungen von Touristen, die alle durch die arktiskalte Abfertigungshalle geschleust werden (die völlig überdimensionierten Klimaanlagen können einen feuerspeienden Drachen auf einen Eisberg runter kühlen!). An der Pass-Kontrolle, eher eine ‚Baustelle’, weht so ein extremer, penetranter Gestank nach Lösungsmitteln, dass einige Frauen mit Tüchern vor dem Gesicht warten müssen und Heidi gleich raus aus der Schlange und eine Viertelstunde an die ‚frische Luft’ musste. Mal ehrlich, es stinkt hier zum Himmel, die spinnen!

Wie auch andere Reisende mit eigenem Fahrzeug werden wir genötigt, eine weitere „Pflichtversicherung“ für unsere Esmeralda abzuschließen (obwohl wir eine bis/inklusive Costa Rica haben!). Man nimmt uns nach chaotischer Rennerei über Parkplätze, hin und her zu Beamtenbaracken und zweimal zurück zur Grenze, noch einmal 38 US Dollar für die Versicherung ab. Sonst kommen wir nicht ins nächste Land bzw. erhalten keine gültigen Einreisepapiere – klassischer Fall staatlicher Abzocke/Erpressung, auch die Engländer mit ihren Wohnmobil hinter uns schimpfen gewaltig, es hilft nix. Nach sagenhaften fünfeinhalb (!!!) Stunden an dieser wirklich idiotischen Grenze fahren wir wenige Kilometer - nach den Wegelagerern in Uniform - in eine lange nicht mehr so gesehene grüne Dschungelwelt von Nord - Costa Rica ein. Puh, was für ein Schnitt, endlich geschafft, ein weiteres, lange geplantes, ersehntes (Reise-) Ziel ist erreicht. Die Straßenränder sind (und bleiben!) absolut sauber, alles um uns rum ist auf einmal dichtbewachsen und sattgrün. Was für ein verrückter Tag. Endlich sind wir, ca. 20.000 Kilometer und sieben Monate nach dem Verlassen von Alaska – das jetzt eine ‚gefühlte’ Welt entfernt zu liegen scheint - im politisch stabilsten, aber auch teuersten Land Lateinamerikas angekommen. Einem Staat ohne Armee und mit zig’ Nationalparks, die eine der artenreichsten und vielfältigsten Flora und Fauna der Erde beherbergen.

Nach diesem Erlebnis staatlicher Willkür sind wir froh, gleich nach der Grenze einen Platz zu kennen, der schon so oft gelobt und besucht wurde, die Finca „Canas Castilla“ der beiden Schweizer Agi und Guido. Die zwei sind seit über 15 Jahren hier in Costa Rica und haben sich, weit weg von Alpen und Eidgenossen, ihre eigene, kleine Welt hier in Mittelamerika aufgebaut.

Ein großes Grundstück beherbergt Unterkünfte, ein selbstbetriebenes Restaurant, Wanderwege, Reitpferde und viele andere, teils wilde Tiere auf dem schön gelegenen Gelände der Finca. Ein kleines Stück Paradies für Reisende, Urlauber, (Tier-) Freunde, Fotografen und sonstige Naturliebhaber. Das Refugium der Beiden ist in Travelerkreisen mittlerweile schon bekannt und obwohl vom zentralen San Jose recht abgelegen, gut besucht. Wir fühlen uns hier sehr wohl und bleiben gleich mal 5 Tage, treffen auch einige andere, sehr interessante Gäste dort und werden von den Gastgebern zu einem ganz speziellen Schweizer Käsefondue eingeladen. Abends sitzt man hier immer zusammen und Agi kocht hervorragend.

Auch das Costa-ricanische Schwarzbier schmeckt ausgezeichnet und natürlich wird hier in deutscher Tradition gebraut. Es heißt, ein großes Familienunternehmen beherrscht den Markt hier im Lande komplett mit mehreren Sorten. Für lateinamerikanische Verhältnisse ist der Gerstensaft hier etwas teurer als in allen anderen Ländern der Region. Die Schwarzbiermarke heißt gleich mal „Bavaria“, zisch – ein edler Genuss am Abend nach täglichen, zwangsläufig vielen Litern Wasser bei 31-35 Grad im Schatten. Es gibt hier ein ‚hauseigenes’ Kroko, das im nahen Wassergrundstück nach unvorsichtigen Kleingetier lauert, viele Wasservögel (wir haben herrliche Eisvögel beobachten können) und der ‚Star’ der Tiere ist hier (neben einigen wilden Exemplaren) ein zahmes Faultier, das die Mutter vor knapp einem Jahr fallen ließ und nicht mehr „zurücknahm“ - was leider immer wieder vorkommen soll.

Die beiden Betreiber der Finca möchten versuchen, das zutrauliche, etwas zu klein geratene Fell-Knäuel wieder langsam auszuwildern, aber das wird sehr schwierig, es hat sich sehr an die Menschen gewöhnt. Das Tierchen hört auf den Namen Linda und Heidi durfte es abends schon in den (sicheren) Stall tragen.

Nach diesen ersten, ruhigen Tagen führt uns der Weg erst einmal nach Süden. Wir besorgen uns die Landeswährung Colones in der Provinzhauptstadt Liberia, der Kurs ist hoch, man bekommt über 700 Colones für einen Euro. Der US-Dollar wird hier aber auch offiziell, vor allem für Touristik-Reisedienstleistungen akzeptiert. Die Republik Costa Rica ist mit 51.000 qkm knapp 1/7 so groß wie Deutschland und hat etwas über 4 Millionen Einwohner. Die aktuelle Präsidentin hört auf den klangvollen Namen Laura Chinchilla Miranda und das Land ist wie das große Vorbild in Europa in Kantone eingeteilt. Das Geld, was man hier nicht in die Armee gesteckt hat, wurde in Bildung, Umwelt und Naturschutz investiert. Costa Rica ist politisch neutral und war nicht an den schweren, mittelamerikanischen Konflikten der 1970- und 80er Jahre beteiligt. Trotzdem ist CR kein reiches Land in dem Sinne wie die USA oder Kanada. Man hat hier große Probleme, den Staatshaushalt zu ‚stemmen’ und wirtschaftlich ist CR eine klassische Bananenrepublik, die sich leider durch Rodung und internationalen Exporte der gelben ‚Krummlinge’ immer mehr vom so lebenswichtigen Regenwald trennt. Prozentual sind aber glücklicherweise nirgends im tropischen Amerika so viele Waldgebiete geschützt wie hier in Costa Rica. Die Biodiversität ist einzigartig. Kaum irgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so große biologische Vielfalt im Vergleich zur Größe des Lands. Die Menge der Pflanzenarten kann es mit weit größeren Regionen in Südostasien aufnehmen und es gibt z.B. in Costa Rica mehr Schmetterlinge und Falterarten als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Eine beachtliche Menge davon haben wir in den ersten Tagen schon von nah- oder fern beobachten können.

Wir fahren in die Vulkan- und Thermalgegend am Vulkan Miravalles. Um den Ort La Fortuna nutzt man die vielen heißen, schwefelhaltigen Quellen zum Betrieb von Thermalbädern. Überall sieht man Rohrleitungen, Dampf und kleine und große Firmen, die das heiße Wasser zur Stromerzeugung nutzen. Zuerst finden wir in den Bergen eine eigentlich gar nicht so schöne Anlage namens „El Hornillo“. Die Besitzer wollen einen utopischen Eintritt (38USD) für eine mit Schlamm umgebene Sinterterrassen-Wiese ohne viel drum rum.

Ein kleines, schönes Thermalbad, nur 15 Minuten weiter, namens Yökö (das klingt finnisch) hat eine weit schönere Anlage und kostet 5.000 Colones, also 7 Euro. Es ist bereits dunkel und als wir abends anfragen, um noch eine Stunde dort zu verbringen, können wir auch gratis schwimmen gehen. Es ist eine ganz besondere ‚Happy Hour’ für die Gäste aus Alemania (tags hat es fast immer weit über 30 Grad und man braucht echt keine Therme!).

Die Gegend um den gewaltigen Vulkankegel des Arenal ist etwas höher gelegen und grüner als der Trockenregenwald im Norden des Landes und wir besuchen den wunderschön gelegenen, gleichnamigen Stausee der Arenal-Region.

Der Vulkan Arenal zählt zu den 10 aktivsten seiner Art weltweit und wurde auch in den vergangenen Jahren immer wieder durch starke Lava-Ausbrüche bekannt. Seit über einem Jahr ist es aber recht ruhig um den Feuerberg, er macht gerade eine (kurze?) Pause. Die alte Ortschaft Arenal musste dem Stausee weichen und so heißt der neue Ort hier jetzt Nuevo Arenal und liegt ganz spektakulär auf einem Hügel über dem See.

Auch hier haben sich viele Deutsche, Österreicher und Schweizer Auswanderer niedergelassen. Man sieht es an den Grundstücken, Namen der Restaurants und teils auch den Läden in und um Nuevo Arenal. Unsere Erfahrung, besonders auf der aktuellen Reise zeigte uns, dass, wenn man ganz aggressiv Werbung platziert, meist immer ein ‚gewisser Haken’ an der Sache ist. So auch im Falle des schon über die Grenzen des Landes bekannten deutschen Bäckers vor Ort, der mit 20 oder 30 (!) Schildern auf der Strecke auf seinen Laden hinweist und wahrhaft astronomische Preise für manche seiner teigigen Auslagen nimmt. Sicher freut sich mancher Urlauber, vor allem aber Langzeitreisende über seltenes, deutsches Backwerk fern der Heimat und ein gutes Bier. Aber z.B. das 1/3 Liter ‚große’ Paulaner-Weißbier für über 8 US Dollar schmeckt irgendwie nicht mehr so richtig - das macht einen Literpreis von – ja Zwanzig Dollar, Mahlzeit! Bloß gut, dass das einheimische Bier auch sehr lecker ist und so schlimme Entzugserscheinungen haben wir noc

Wir lernen vor Ort ein Berliner Paar kennen, das seit über 15 Jahren hier überwintert. Wir werden wegen unseres Fahrzeuges angesprochen und dürfen sogar auf ihrem schönen, hoch über dem See gelegenen Grundstück einige Tage stehen bleiben. Ein ruhiger, wunderbarer Platz ohne LKW-Gebrüll und Moped-Geknatter! Wir unterhalten uns über die Gegend und die Ortschaft und es gibt einige Geschichten über die berüchtigte „German Bakery“. So auch die (ganz frische) Story eines amerikanischen Pärchens, dem für ein Frühstück 38.000 Colones abgenommen wurden, also über 70 Dollar. Komisch ist aber auch, dass die Speisekarte dort beim ‚German Sauerbraten’ und anderen Leckereien keine Preise offeriert. Man sagt uns, dass vor allem amerikanische und fernöstlich besetzte Minibusse stets dort halten und ihre Ladung absetzen. Schon bei der Finca „Canas Castilla“ wurden wir von Mittelamerika-Insider Achim - einem deutschen Immigranten, Fotografen, Radebeuler Wahlkanadier mit ‚Winterquartier’ in Costa Rica - vor den extremen Preisen der berüchtigten Bäckerei gewarnt. Alternativen gibt es dazu auch, glücklicherweise. Sonst ist in Nuevo Arenal nicht so viel los, es gibt 2 Supermärkte und auch dort gibt es richtiges, dunkles Sauerteigbrot, na also.

Die einzige Straße schlängelt sich am Stausee entlang, durch teils fett grünen Regenwald, alles blüht hier um die Wette und das Grün wuchert über die Straße. Überall werden Grundstücke angeboten, stehen Makler- und Immobilienschilder, das fällt uns nur hier so extrem auf.

Man passiert dem Staudamm und dann erklimmen wir mit Esmi die Bergzufahrt zu einem der spektakulärsten Vulkane Costa Ricas, dem über 2.600 Meter hohen Mt. Poas, nicht ohne vorher noch das „Miniatur-Switzerland“ zu bewundern, wo eine Schweizer Geschäftsfamilie eine original Alm mit Kuhstall, Berg-Bahnli und Drehrestaurant installiert hat. Wir hatten zu Hause schon eine Reportage über die ‚Kleine Schweiz’ bei 3Sat gesehen und waren auf diesen Anblick vorbereitet, trotzdem fühlt man sich hier fast wie in die Schweizer Alpen „gebeamt“.

Der tätige Mount Poas und die umliegende Bergregion ist zum Nationalpark erklärt worden. Jeder Park in Costa Rica kostet 10 Dollar pro Person Eintritt, plus Extra Parkplatzgebühren am Visitorcenter. In den vergangenen Jahren hat es hier im Lande viel Wirbel und Diskussionen über die Nationalparks gegeben, so wurden die Preise vor 6-7 Jahren auf 16 Dollar pro Person erhöht (Kinder bekommen keine Ermäßigung!) und das bei der Zahl von zig’ Parks und Schutzzonen im Lande. Die Besucherzahlen gingen Landesweit rapide zurück und auch der Eintrittspreis auf 6 Dollar, momentan ist man wieder bei 10 und das ist für ein Land in Mittelamerika schon ausreichend, finden hier viele Besucher. Rechnet man das Preisniveau im Lande so durch, so ist man hier eher nahe an kanadischen Verhältnissen (aber nicht Einkommen!) und vieles ist weit teurer als in Mexiko, Guatemala oder El Salvador.

Wir erfahren, dass es hier im Land einen sehr strengen TÜV (!!) gibt, der noch kleinlicher sein soll als in Deutschland, teurer und jedes Jahr ist es Pflicht zu erscheinen. Auch das ist ein Ausnahmefall für Lateinamerika, die Qualität der Straßen in Costa Rica ist nur bei den wenigen Hauptstraßen ‚passabel’, ansonsten eher schlecht bis rumpel-gruselig, viele Seitenwege chaotisch und in die Berge gar nur mit 4WD zu passieren. Topes, Riesenlöcher ‚Geschwindigkeitsbegrenzer’ lauern auch hier fast in jeden Dorf mehrfach und machen immer absolute Konzentration erforderlich. Ein zu schnelles passieren (und das ist nur knapp mehr als 20 Km/h) gibt einen mörderischen Schlag mehr und das beanspruchte Fahrzeug kracht, ächzt, klappert und quietscht, dass es einfach nur weh tut. Das sind die ‚Freuden’ aller Panamericana-Reisenden (südlich der USA), kaum jemand/etwas übersteht diese Dauerbeanspruchung von Fahrwerk und Nerven ohne Folgen, aber zurück zum Vulkan Mt. Poas.

Um acht Uhr morgens öffnet der Nationalpark seine Tore. Wir sind pünktlich vor Ort, denn im Laufe des Tages überzieht sich der Berg meist mit einem Wolkenteppich. Wir machen diesmal schon vor dem Frühstück die Tour zum Krater und blicken in den gewaltigen Schlund, der laut Erzählungen auch die letzten Tage immer wieder mit teils kräftigen Dampferuptionen von sich reden machte. Heute ist es relativ ruhig, man kann in einer Wanderung durch einen dichten Unterholztunnel noch einen Seitenkrater besichtigen, der sich mit blaufarbenen Sedimentwasser gefüllt hat und als blaue Lagune von Poas bekannt ist, ein wunderschöner Anblick, bevor die anrollenden Wolken die besten Farben ‚verderben’.

Die Pflanzenwelt hier oben ist sehr beeindruckend, Orchideen, eine Art Riesenrhabarber und große Farnbäume wie auf Neuseelands Südinsel findet man hier. Diese einzigartige Natur sollte schon erhalten werden. Die Geräusche der Vogelwelt sind teils so laut, dass sich vieles überlagert, das laue Pfeifen der Zikaden ist ebenfalls nicht zu verachten und Ornithologen bekommen die Kameras kaum noch runter in Costa Rica. Es braucht aber auch Zeit, Ruhe, Geduld, Tarnung und Riesenteleobjektive für die ultimativen Fotos.

Vom Poas wieder abwärts passieren wir Alajuela und die Hauptstadt San Jose, die man leider nicht immer umfahren kann. Nicht einmal die PanAm geht ‚durch’ in dem Sinne und Umfahrungen fehlen dringend im Lande. Alles wälzt sich stinkend, ratternd, qualmend und mit laut dröhnenden Pressluftbremsen durch die Ortschaften, die auf diese Fahrzeugmassen nicht eingestellt sind und unserer Ansicht nach regelrecht im Verkehrschaos ersticken. Es zeigt sich ein Bild (und ein Ton) seit der Grenzüberschreitung nach Mexiko, was sich uns hier in Mittelamerika bietet, das sich immer wieder gleicht. Der Urlauber in seiner Ferienanlage bekommt es nur am Rande oder kaum mit, aber bei monatelanger Reise und einigen tausend Kilometer währenden Fahrt durch diese Region stimmt es sehr nachdenklich, um das einmal vorsichtig auszudrücken.

Wir suchen uns schon als Ziele meist eher ruhigere, nach Möglichkeit landschaftlich grüne und abgelegene Flecken heraus, soweit das eben geht und wir sind nach 3-4 Stunden Dauerstadtfahrt froh, ins schöne Kaffee-Tal von Orosi zu kommen und finden bei zwei weiteren Schweizer Auswanderern einen ruhigen Platz zum Campen, Planen, Einkaufen und Internet nutzen.

Die Mosimann‘s haben in ihren Garten für eine begrenzte Zahl von interessierten Reisenden die Möglichkeit geschaffen, einmal in Ruhe zu verschnaufen. Wir wurden super aufgenommen und werden von gleich vier Hunden bewacht. Die Meute hat uns bald akzeptiert. Franziska betreibt eine Bäckerei und Fredy ein Motorrad-Tour-Unternehmen. Sie leben schon einige Jahre hier in Costa Rica. Das Orosi-Tal hat ein angenehmes Mikroklima und durch die nahen Vulkane gibt es immer wieder mal Wolken und Niederschläge. Es ist nicht so heiß und schwül wie an der Küste und wir bleiben gleich mal wieder sechs Tage hier und fühlen uns sehr wohl bei den Beiden.

Bevor es so richtig weitergeht, sehen wir uns im nahen Cartago die weiße Basilika de Los Angeles an, ein prächtiges Bauwerk mit außergewöhnlicher Innenausstattung. Juan Versaquez de Coronado gründete hier im Jahre 1563 die erste spanische Siedlung und Cartago war lange Zeit die Hauptstadt des Landes. Aufgrund der schweren Zerstörungen durch den Vulkan Irazu und die Überschwemmungen in der Regenzeit wurde der Sitz der Hauptstadt 1823 nach San Jose verlegt. Cartago ist die älteste Stadt Costa Ricas und hätte sicher noch manches mehr an historischen Bauwerken zu bieten, wenn nicht so vieles bei den schweren Erdbeben und Vulkanausbrüchen der letzten 150 Jahre zerstört worden wäre.

Fast alles hier liegt auf einer tektonisch höchst aktiven Zone. Das Land ist voll von aktiven und auch teils ‚schlafenden’ Vulkanbergen, die einerseits als spektakuläre Kegel aus dem grünen Dschungel ragen, teils aber auch schon so erodiert sind, das sie auf Grund des starken Pflanzenbewuchses gar nicht mehr eindeutig als geologische ‚Feuerspeier’ zu erkennen sind. Am klassischen „Ring of Fire“ liegt das kleine, fruchtbare Land nördlich von Panama allemal.

Unser nächstes Ziel ist die Karibikküste von Costa Rica, es geht wieder mal eine fast endlose Berg- und Talfahrt am Vulkan und der gleichnamigen Stadt Turrialba vorbei. Der Berg hüllt sich leider in Dauerwolkenberge und am Fuße des 3.329 Meter hohen, momentan ruhigen Vulkans reifen Zuckerrohr und Kaffee. Alles ist hier voller uralter LKWs, die, überladen mit Zuckerrohrstangen die engen Straßen zu den Fabriken kriechen. Das Süßholz wird, wie in Guatemala, gleich weiterverarbeitet und ein fetter, grauweißer Qualm ballert aus den Fabriken, daneben Bananenplantagen, soweit das Auge reicht. Kleine Dörfer sind überall an der Straße zu sehen und man hat oft den Eindruck, durch eine ländliche „Endlosortschaft“ zu fahren. So ziehen sich nahezu ohne Unterbrechung die Bebauungen und Farmen bis zur atlantischen Küste des Landes. Im Städtchen Siquirres können wir noch einmal einkaufen, dann wird das Land zunehmend flacher und ca. 20-30 km vor der Küste ein ganz anders Bild: Containerstellplätze von Dimensionen, wie man das sonst nur von großen Übersee-Verladehäfen kennt, nur hier eben an der von unzähligen Trucks arg gebeutelten Straße zur Ostküste, nicht am Wasser. Es warten tausende Großcontainer an vielen Stellplätzen auf Abholung, hier arbeitet die Bananen-Mafia und überall prangen die bekannten Marken wie Chiquita, Dole, Del Monte, Rosita, Vicky, Bonita, Turbana und Onkel Tucca. Oder mit anderen Worten, die Konzerne United Brands, Standard Fruit und Del Monte kontrollieren den Markt.

Nach Ecuador hat sich Costa Rica zum zweitgrößten Bananen-Exporteur der Welt entwickelt. Leider entwickelt sich dadurch auch die Landwirtschaft immer mehr zur Monokultur. Die anderen Bereiche werden von den übermächtigen Bananen dominiert und verdrängt. Kommt man nach Puerto Limon, der einzigen, größeren Stadt an der Karibikküste, so entdeckt man fast ausschließlich Industriebauten, schäbige Fassaden, Schmutz und eine gewisse Verwahrlosung, wie man es sonst nirgends in Costa Rica erlebt. Der Ort ist schlicht hässlich und hat keine Sehenswürdigkeiten. Man fährt am besten durch und nimmt die Straße Nr. 36 nach Süden.

Nach einigen Kilometern wirkt auch das Meer wieder etwas sauberer, kleinere Orte säumen die Küstenstraße und bald fährt man wieder durch tropischen Dschungel. Links leuchtet das Meer, die Strandabschnitte werden einsamer, es folgen Lagunen, steinige Strände mit viel Treibholz und die ersten Ferienanlagen, Bungalowsiedlungen und Resorts. In der Gegend in und um Limon haben wir uns schon ernsthaft gefragt, warum wir nicht auf der pazifischen Seite geblieben sind, aber spätestens nach Cahuita im Süden wird die Landschaft wieder richtig schön und in Puerto Viejo ist ein richtiger Aussteigertreffpunkt entstanden. Hier sieht man viele Urlauber, Surfer, Künstler und Alternative. Der Ort ist voll von Restaurants, Läden, Reiseveranstaltern und kleinen Hotels oder Pensionen.

Letztere ziehen sich entlang der kleinen Küstenstraße bis über 10 km hinter Puerto Viejo weiter. Man lebt hier auf der karibischen Seite buntgemischt, man sieht alle verfügbaren Hautfarben und viele Rasta-People. Die Farben Jamaikas sind an Hütten und Bars präsent und der Ort macht einen einfachen, unluxuriösen, tiefenentspannten Eindruck und erwacht sicher erst in den Abendstunden so richtig zum Leben. Reggaemusik träufelt oder brüllt aus den Boxen am Straßenrad, die Blätter der Hanfpflanze zieren die Fassaden einiger Gebäude, Sonnenbrillenverkäufer und Souvenirhändler prägen das friedliche Bild, wie auch kleine Bäckereien.

Man kann tauchen und Schnorcheln oder sich nur die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Wir sehen hier wieder einmal viele englisch sprechende Probanden, die in voller Mittagshitze mit Bierflasche in der Hand den Sonnenbrand auf der zu weißen Haut kultivieren. Da suchen wir uns lieber am 12 km entfernten Punta Uva, nicht mehr weit von der Grenze nach Panama, einen relativ ruhigen Strandabschnitt. Hier gibt es nur noch einige, wenige Grundstücke von Einheimischen und man kann hier noch direkt am Meer unter Palmen stehen bleiben. Natürlich in gebührenden Abstand zur Falldistanz der Kokosnüsse, die unweit mit einem lauten ‚Rumms’ in den Sand klatschen, die Krabben stören uns mit ihren Höhlen weniger.

Wenn man etwas auf die Unterströmung achtet, die man mit den nötigen Respekt beachten sollte, kann man hier baden und schwimmen bis ultimo. Einige Reisende oder Einheimische kommen tagsüber zum (Sonnen-)Baden und abends zum Angeln, dann sind wir hier alleine am Karibikstrand. Wir nutzen das einige entspannte Tage aus und bedanken uns für den Tipp und die Erfahrung der PanAm-Reisenden vor uns, so das Cross-America-Team oder die ‚Vagabunden’, die diesen schönen, noch (fast) einsamen Platz vor uns genutzt haben.

Leider wird es mit solchen Plätzen immer schwieriger, überall verschwinden ‚freie’ und unabhängige Stellen und müssen Bulldozern und Hotelburgen weichen. Auch wir finden auf unseren Reisen immer weniger (vor allem ruhige) Stellplätze und überhaupt mögliche Alternativen zu kaum oder gar nicht vorhandenen Campingmöglichkeiten. Durch das Naturschutzgebiet direkt hier an der Küste haben wir die Hoffnung, dass dieser schöne Platz noch lange so erhalten bleiben könnte.

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