Kleine Länder – „große“ Grenzen! – Reise durch El Salvador, Honduras und Nicaragua.

(unsere Reiseroute)

Da waren wir nun. Mit gemischten Gefühlen, angesichts der manchmal schon wenig ermutigenden Berichte über El Salvador hatten wir lange überlegt, ob wir überhaupt durch dieses eher kleine Land fahren möchten. Man könnte ja auch über Honduras…denn das müssen wir sowieso auf dem Wege nach Süden. Aber ein großer Bildband in einer Buchhandlung in Antiqua, Guatemala ist auch ‚daran Schuld’, das wir diese Extra-Grenze überqueren. Die vielen Bilder über Vulkane, Bergseen und grüne Natur waren beeindruckend genug und haben uns echt neugierig gemacht, zumal El Salvador trotz aller gegenwärtigen Probleme eher ruhig ist und von gerade „durchgereisten“ Bekannten als recht angenehm beschrieben wurde.

Wir biegen vom zentral gelegenen Rio Hondo in Guatemala direkt nach Süden ab. Kommt man von Tikal bzw. der Karibikregion, weist kein Schild darauf hin, dass wir uns ca. 80 km vor der Grenze zum kleinsten mittelamerikanischen Land befinden. Keine Ankündigung, dass man hier in den Bergen bald Guatemala verlässt. Die Landschaft hat sich während der letzten Stunden Fahrt dramatisch verändert, es ist kaum noch Grün. Wir fahren durch trockene, braune, regelrecht sonnenverbrannte Bergregionen, denn hier ist seit langem kein Regen mehr gefallen. Es sieht ganz anders aus als in den fettgrünen Küstengebieten Guatemalas. 20 km vor der angenommenen Grenze (auf die nach wie vor nichts hinweist) hört teils wieder die Straße auf. Lehmpiste, Löcher und Staub wechseln mit Asphaltresten – sind wir überhaupt noch richtig? Dann sehen wir schon viele stehende LKWs, Bretterbuden und ein kleiner Grenzort „Frontera Anguiatu“ taucht auf und die Prozedur beginnt. Wir brauchen für jedes Dokument, jeden neuen Stempel eine, zwei oder drei Kopien. Werden zum Copyshop zurückgeschickt, kriegen diverse Unterschriften und wieder Stempel und können bald sogar die ‚Personenausreise’ per Pass machen. Dann kommt das Fahrzeug dran. Andere Baustelle, wieder Abgleich, Bürokratie, Computereinträge, Stempel, Kopien, Fragen, Dokumentensuche, Rückfragen – irgendwann heißt es: Alles erledigt. Für Guatemala erst mal.

Esmi gondelt mit uns durchs Niemandsland. Wir überqueren die Grenze und stehen vor den Abfertigungsgebäuden von El Salvador. Wir erfahren hier an der Passstelle, dass auf Grund des 4-Staaten-Vertrages (C4) hier mal kein Stempel in den Pass kommt. Die Fahrzeugeinreise braucht wieder mehrere Beamte, Fragebogen, Dokumentenweitergabe, Fahrzeug-Kontrolle und der Beamte möchte gerne ein Bier „Made in Alemania“ haben (wir auch gerne!!), denn wir sind seit über einem Jahr mit unseren L200 unterwegs und deutscher Hopfensaft ist lange Geschichte und irgendwie ‚verdunstet’. Schade für ihn, er hätte ne’ Dose bekommen (schließlich haben wir nur 2 Stunden gebraucht!! Stirnrunzelnd). Als wir dann den steilen Berg (erst mal im eingeschalteten 4x4-Antrieb) raufgekrochen sind und erneute Polizei- und auch Militärkontrollen folgen, merken wir, das eben dieser letzte Beamte unser Nummernschild falsch in die Dokumente eingetragen hat. Eine Ziffer ist zu viel und die bürokratischen Haarspalter schicken uns zurück. Runter an die Grenze und alles ändern lassen. Wir sind sauer und das Bier wär’s dann doch nicht wert gewesen! Kein neues Dokument, die richtige Nummer wird einfach mit Stempel und Unterschrift noch einmal darunter gemalt, abgestempelt und unterschrieben. Der Waffenträger am Checkpoint akzeptierts endlich und wir sind in El Salvador.

Mit 7,3 Millionen Einwohnern ist das Land so groß wie Hessen und das am dichtesten besiedelte in der Region. Man hat sich hier seit 2001 dafür entschieden, den US-Dollar als offizielle Währung einzuführen. Das vereinfacht vieles und der Reisende bekommt mal amerikanische Greenbacks am Automaten. Der schlimme Bürgerkrieg ist gerade mal etwas über 20 Jahre vorbei und das Land immer noch sehr arm. Ein gewaltiger Prozentsatz der Salvadorianer arbeitet in den USA und unterstützt von dort aus ihre Familie in ‚Central Amerika’, wie es hier überall auf den Auto-Nummernschildern steht.

Schaut man sich die Karte der riesigen, beiden Doppelkontinente an, so sind wir wirklich recht genau in der Mitte. Die Medien warnen vor bewaffneten Kinderbanden, die sich hier in vielen Gangs aus insgesamt 25.000 Mitgliedern organisieren. Die Kriminalität ist extrem hoch und wir werden nach Möglichkeit die Problemzonen der Hauptstadt San Salvador vermeiden.

Unser erstes Ziel ist die Vulkan- und Bergregion um Santa Ana im Südwesten des Landes. Die Straßen sind überraschend gut und es geht vorwiegend durch ländliche Gegend in die Nationalparks um den gleichnamigen Vulkan, Santa Ana. Einzig der Weg durch die drittgrößte Stadt des Landes, die genau so heißt, ist optisch ein Graus. Wir hätten uns eigentlich für Santa Ana in so weit interessiert, um mal einige Fotos der Stadt zu machen, aber das Bild um und durch diese Stadt ist erschreckend: Wie in den „schlimmsten Ecken“ Mexikos (und schlimmer!) liegt hier überall meterbreit der Müll an den Straßen rum, teils so schlimm, dass man kaum glaubt, was man sieht. Dieses „Phänomen“ erleben wir glücklicherweise so schlimm nur in Santa Ana, dann wird es deutlich besser, aber diese Stadt ‚zieht’ uns nicht mehr.

Einer der schönsten Bergseen im Lande ist der Lago de Coatepeque ca. 30 km im Süden. Dort sollen einige Ferienanlagen liegen, Restaurants, etc. Wir verfahren uns erst mal richtig und in dem kleinen Ort geht es Straßenmäßig kaum weiter. Dann erleben wir den lautstark-bunten Umzug einer Wahlpropaganda-Veranstaltung direkt hautnah und erfahren: Morgen, sonntags, sind hier Präsidentschaftswahlen! Na Servus. Alles ist voller Plakate gepappt und mindestens 3 breit grinsende Kandidaten wollen das einzig richtige für das Land, auch die berüchtigte FMLN gibt es noch.

Die Straße zu den Hotelanlagen am See ist groß beschildert, wird dann aber zu einem extrem steilen Rumpelacker. Wir quälen uns langsam zum Seeufer runter und in unserer Bordküche werden wieder alle Schränke umgeräumt. Es kracht und scheppert, dieser Weg ist das Letzte, aber zurück bringt auch nichts mehr, oder ist schlicht nicht machbar, steile Hänge auf beiden Seiten. Unten finden wir nach suchen und fragen das Hotel „Torre Molinos“, wo wir gegen Bezahlung bis zum nächsten Morgen stehen bleiben dürfen. Ein agiler, grauer Hund bewacht uns pflichtbewusst und Wasser bekommen wir auch.

Die Lage am See ist schlicht traumhaft und wir genießen nach einem langen Tage angestrengter Fahrerei diesen Platz. Leider ergibt die Erkundung drum herum, dass es keine Läden, kein Brot, nur einfachste Stände mit den allgegenwärtigen Chips zu kaufen gibt. Aber das Bier in El Salvador schmeckt gut und das ist ja auch schon mal was. Das Preisniveau hier hält sich im Rahmen und zwischen vielen, hauptsächlich sehr einfachen Behausungen, schlichten Landhotels und ganz arm aussehenden Hütten erblicken wir hier am Seeufer auch immer wieder mal aufwändig umzäunte Betonburgen, mit Stacheldraht und hohen Mauern gesicherte Villen. Man schließt sich eben gerne ein. Und so wohnt auch hier der Straßenarbeiter neben dem Dollarmillionär.

Der Lago de Coatepeque scheint das „Starnberg“ von El Salvador zu sein und liegt ja nur eine Autostunde von der Hauptstadt San Salvador entfernt. ‚Dicke’ Autos fahren hier auch einige rum, immer schön mit dunkelst getönten Scheiben der lichtscheuen Herrschaften, die sich nicht gerne öffentlich zeigen möchten. Das ist übrigens schon fast eine „Krankheit“ in der Region, so viele gibt es hier davon. Wir sind so sehr geteilter Meinung im ersten und zweiten Eindruck über dieses Land, in dem die ‚einfachen’ Leute einen ganz freundlichen und interessierten Eindruck machen.

Auf dem Wege durch El Salvador merken wir aber auch immer wieder, dass es an jeder Bank und jeder Tanke von bewaffneten, teils privaten Sicherheitspersonal nur so wimmelt. Diese Leute sind fast alle mit Pump-Guns UND Revolvern bewaffnet. Abgesägte Schrotflinten überall, heimelig und friedlich sieht das aus…uns schauderts oft. Um San Salvador führt eine recht gute, vierspurige Autobahn herum und einige Einkaufszentren werden beworben. Die Wege führen aber teils in chaotische Stadtteile, alles ist eng und laut. Eine nervige Unsitte hierzulande ist, dass jeder Depp eine hup-heulend-jaulende Polizeisirene (wie in Budapest der 1980er Jahre!) als Privathupe in sein Vehikel einbauen darf und damit an Kreuzungen und im Stau so richtig schön für noch mehr Unruhe sorgt. Alles muss brüllen, tröten und auch ‚zum Himmel stinken’, man liebt es laut und tobend.

Wir düsen nach Südosten, in Richtung der Grenze zu Honduras, die Nr.1 als ‚Panamerican Highway’ bringt uns gut voran. Die 4 Spuren halten bis ca. Landesmitte vor, dann wird es über die Berge wieder zwei- oder teils einspurig, es gibt Baustellen und Löcher. Wir passieren bei San Miguel den Vulkan Chaparrastique, der erst vor 2 Monaten einen richtig heftigen Ausbruch hatte und das mit einer 5 km hohen Aschewolke und der notwendigen Evakuierung von über 2.000 Menschen um den Feuerberg. Momentan ist er ruhig.

In der letzten größeren Stadt vor der nächsten Grenze soll laut einer Reiseschilderung von anderen Travellern eine Campingmöglichkeit sein, aber auch in El Salvador so selten wie ein Limonadenzelt auf den Wiesen. Wir suchen alles ab im Umkreis der Koordinaten, nichts, hier war wohl auch nie was. Die kleinen Hotels in den engen Straßen von Santa Rosa de Lima haben keinen Platz für WoMo’s. Wir suchen 1-2 Stunden bei immer noch über 30 Grad am Abend, fragen rum, werden falsch geschickt, sowohl in Richtung als auch Entfernung. Erst am Stadtausgang finden wir ein Hotel, wo wir grade so im Hof Platz haben und für eine Nacht und 10 Dollar stehen bleiben dürfen.

Wir haben eigentlich auf der ganzen Strecke durchs Land keinen auch nur vagen und mit vielen Eingeständnissen möglichen, freien Platz zum Stehen gesehen, der uns auch halbwegs sicher erschienen wäre. Schade, in diesem Lateinamerika ist (noch) definitiv kein Plat

Vor der Grenze ‚warnt’ uns einer der überall präsenten Schlepper, ohne seine (!) Hilfe würden wir sieben Stunden für die ‚Regularien’ dort brauchen, No Gracias. Elender Lügner. Wir finden schon weit vor der eigentlichen Grenze einen Posten für die Ausreise, müssen wieder viele Kopien machen und nachdem wir einen Schwarm der lästigen ‚Helfer’ abgewehrt haben, kommen wir ganz gut alleine zurecht und sind in einer knappen Stunde raus aus El Salvador.

Über die Brücke und in Honduras erst mal Konfusion. Ist Esmeralda jetzt wirklich raus und abgemeldet aus dem letzten Land, oder nicht? Es gibt ein Hin und Her, Passkontrollen, Polizei und dann finden wir einen hilfreichen honduranischen Beamten, der unsere Dokumente gut bearbeitet. Er gibt uns Tipps und wird die ganze Zeit von einem schwerstens bewaffneten Söldner persönlich bewacht und auf jeden Schritt begleitet. Ein Vorgeschmack auf Honduras? Hm, fühlt sich eigenartig an. Die Personen-Einreise kostet 3 Dollar, die Autoeinführung 35 Dollar, dazu Kopien und Stempel, 4mal anstellen, wieder Kopien und hin und her und noch ein wenig (Klein-) Geld für das nächste Landes wechseln und schon sind wir im Land.

In Honduras bezahlt man mit Lempira und der steht ca. 1:27 zum Euro. Nach erstaunlichen zwei Stunden sind wir durch, wir glauben es kaum. Das lief ja super. Was haben wir alles für Schauergeschichten über diese Grenze gehört und gelesen, schon sind wir da und durch.

Auch Honduras hat in Traveller-Kreisen nicht den besten Ruf. Das ärmste Land Mittelamerikas erstickt in Korruption, Kriminalität und Drogenschmuggel. Wir haben viele Reisende in den USA und Mexiko kennengelernt, die deshalb wieder im großen Bogen nach Norden gefahren sind. Oder per Verschiffung von Mexiko bis Panama oder Kolumbien einen großen Umweg in Kauf genommen haben, von den exorbitanten Kosten mal abgesehen. Wir haben im Vorfeld selber oft überlegt, was machen wir auf dem Wege nach Süden - die Meldungen, die Berichte der ganz aktuellen, letzten Zeit waren etwas besser ausgefallen. Also kein Grund zur Panik, wir wählen einen relativ kurzen Weg durchs Land und sind nicht scharf drauf, durch das Stadtmonster Tegucigalpa zu fahren. Die sicher nicht ganz unproblematische Hauptstadt des Landes ist aber wahrscheinlich bei Tagesdurchfahrt auch normal zu machen.

Wir fahren durch den eher ruhigen Südosten von Honduras. Unser Weg führt durch kleine, einfache Dörfer und 3 mittlere Städte und auch hier ist die Landschaft durch die lange Trockenheit gezeichnet, kaum einer der überquerten Flüsse führt Wasser. Die Berge der Mittelgebirgsketten sind trocken, grau bis rotbraun, denn die Regenzeit beginnt hier erst im Mai/Juni. Auf den ersten 50 % unserer Strecke sind die Straßen erstaunlich gut. Dann, vor der Grenze zu Nicaragua, wird es wieder ein verzweifelter Slalom um tiefe, breite, reichlich angeordnete Schlaglöcher. Es ist teils gespenstisch wenig Verkehr hier. Heute. Oder wenig Autos sind unterwegs. Tanken müssen wir nicht auf den ca. 130 km durch Honduras, aber es gibt auch hier einige Tankstellen, alles schwer bewacht.

Ganz so locker, freundlich, wie gerade in Guatemala wirken die Menschen hier gar nicht. Das Land strahlt eine gewisse Beklemmtheit aus, ein doch nicht so gutes Gefühl, schwer in Worte zu fassen. Aber eindeutig präsent. Wir haben keine Probleme, machen Picknick an einer Tankstelle vor der nächsten Grenze und bekommen auch schon nicaraguanische Cordobas angeboten, warten aber noch mit dem Tauschen. Honduras hat kapp 8 Millionen Einwohner und ist ein knappes Drittel so groß wie Old Germany, reicht vom atlantischen Ozean bis zum Pazifik und kann deshalb nicht auf dem Landwege umfahren werden, wie z.B. El Salvador. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner und Jahr (!) liegt bei etwas über 1.600 US-Dollar, das sagt schon einiges über die „Bananenrepublik“ Honduras aus. Ein sehr armes ‚Entwicklungsland’, wenn in der (unsicheren) Zukunft wenigstens einiges wirtschaftlich und politisch gut gehen sollte und sich zu einer gewissen „Normalität“ entwickelt. Was man für die Region nur hoffen kann.

Honduras braucht eigentlich dringend Tourismus, ein besseres Image, Sicherheit und ein besseres Leben für viele seiner Einwohner. Was ist dieses traurig-arme Land im Herzen Mittelamerikas (im wahrsten Sinne) meilenweit entfernt von reichen Europa oder den USA/Kanada.

Am späten Nachmittag eines ereignisreichen Tages stehen wir dann an der Grenze zu Daniel Ortegas Nicaragua.

Ja, ihr habt richtig gelesen, seit 2007 ist Herr Ortega wieder Präsident. Der erste Staatschef seit der sandinistischen Revolution ist 16 Jahre nach seiner ersten Präsidentschaft wieder gewählt worden. In einer international gut beobachteten Wahl – und ist somit aktuell immer noch/wieder Staatsoberhaupt hier.

Knapp 6 Millionen Menschen leben in Nicaragua auf einer Fläche von 130.000 qkm, also etwas mehr als ein Drittel des deutschen Territoriums. Im Nordosten, an der Karibikküste gibt es kaum Infrastruktur, das heißt wenig bis keine Straßen. Die Verbindungsstraßen und Städte sind eher auf der pazifischen Seite.

Die Ausreise aus Honduras gestaltet sich relativ einfach, keine ‚Grenz-Helfer-Nerverei’ und wir können unsere Stempel und Abmeldungen fürs KFZ in einem (!!) Gebäude machen. Kosten und Zeit halten sich im Rahmen und wir brauchen nur eine knappe Stunde, sensationell.

Dann fährt man über die Grenzbrücke, passiert noch die ersten, grüßenden Militärposten und parkt irgendwann in der Nähe der nicaraguanischen Grenzbaracken. Eine geschäftstüchtige Dame will uns gleich eine Autoversicherung aufdrücken. Wir haben ja schon seit Guatemala eine gültige für die C4-Länder und sie zieht mit einem Flunsch wieder ab, kein Geschäft gemacht. Die Einreiseprozedur dauert dann, die Beamten lassen gewaltig die „Respektperson“ heraushängen, nehmen sich viel Zeit und uns 24 US Dollar nur für die Personeneinreise/Passstempel ab, es gibt wieder so ne’ Art Touristenkarte (Teurer Zettel!). Dann die Fahrzeuganmeldung, Zollkontrollen, Nummernabgleich, neues Dokument, Frage- Antwort-Spiel über Ziel, Ladung und geplante Tour. Nach knappen 2 Stunden sind wir im (Neu-)Land und müssen uns erst mal wieder an eine andere Währung gewöhnen. Man zahlt hier im Lande Ortega mit Cordobas und bekommt aktuell im März 2014 ca. 35 davon für einen Euro. Glücklicherweise können wir die restlichen - lapprig, pappig, abgegriffenen - honduranischen Lempiras bei einem bündelwedelnden Instant-Schnellwechsler in die Währung für Nicaragua umrubeln, denn Banken gibt’s hier nur zum hinsetzen und die werden geringfügig anders geschrieben.

Das Land, mit der sandinistischen Geschichte, beginnt erst mal mit deutlich besseren Straßen. Die letzten km Honduras waren eine Reifenmordende Lochkarte im Großformat. Wir fahren an einem weiteren Vulkanmassiv entlang, durch viele kleine, staubige Dörfer und steuern auf die Corinto-Halbinsel im Südosten zu. Dort soll es etwas touristische Infrastruktur geben, viel finden wir allerdings nicht davon. Wieder gibt es nirgends irgendetwas für Wohnmobile zum abstellen.

Eine kleine Pension mit weitläufigem Garten will den Stellplatz nur mit (nicht benötigten, für die Region extrem teuren Zimmer) hergeben. Die Dame meint, 35 US Dollar zum Parken hier seien angemessen. Was für ein Irrsinn. Aber das Zimmerchen dazu brauchen wir nicht, kein Verständnis trotz Verstehens, das kommt uns wieder mal spanisch vor. Wieder einmal kommen wir auf den Tipp von Reisenden zurück (Danke ‚Abenteuertour’!) – fragen beim Restaurant „Espanol“ an der Brücke zur Halbinsel nach und dürfen dort problemlos stehen bleiben. Das Team des elegant-gehobenen Restaurants ist sehr freundlich. Ja, die Casa-Mobil-Reisenden aus Alemania dürfen eine Nacht hier stehen. Wir haben sogar einen Wasser-sprenkelnden Park/Nachtwächter, der die umliegenden Grünpflanzen bemuttert.

Unser erstes Ziel am nächsten Tage ist Leon, eine Kolonialstadt im Stil von Antigua, sehenswert, aber nicht ganz so prachtvoll die ehemalige Hauptstadt der Kolonie. Wir machen einen Rundgang durch die alten Gassen am Hang. Leon liegt am Berge und hat, wie auch Antigua, die Straßenqualität aus alter Pre-Autozeit konserviert. Das spart Speed-Bumper und Geschwindigkeitsreduzierungen, man kann also eh’ nur mit 15-20 kmh durch die Stadt zuckeln und am besten man lässt das Fahrzeug wie wir gleich etwas außerhalb des Zentrums stehen.

Was hier zwischen vielen alten Häusern, Kirchen und einigen Restaurants fehlt, sind Lebensmittel-Läden und ein wenig gemütliche Plätze! Vergeblich suchen wir die Straßen auf und ab nach diesen Plätzen. Nichts ist zu finden, wie vergessen. Auch der angeführte Stellplatz in einem Hof ist heute tabu, alles ist verrammelt, wir finden auch keinen Ansprechpartner, also (wieder mal) kein Platz für uns. Auch in der Umgebung finden wir nichts, also fahren wir erst mal in Richtung Pazifik-Küste weiter. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig.

Die ‚Hauptstraße’ in Richtung Managua hört irgendwann auf und wird zu einer über 30 km langen Baustelle. Alles ist aufgerissen, die Nebenpiste katastrophal. Wir brauchen dafür über 90 anstrengende und materialintensive Minuten und biegen dann nach Süden ab.

Die angefahrenen Hotels am Meer haben entweder keinen Platz oder der momentane Chef will ohne den Besitzer keine Entscheidung treffen - auch Nicaragua ist ein Anti-Camping-Land. Wir orgeln in der Urlaubssiedlung herum, suchen, es wird Abend. Dann sprechen uns zwei Amerikaner an, eine Dame mit ihren Sohn aus LA/Seattle. Sie residieren hier in einer kleinen, privaten Anlage, die wiederum von einem Kanadier aus Quebec betrieben wird. Wir dürfen für heute Nacht dort stehen bleiben (Rettung!), trinken noch ein einheimisches Bier mit den Amis und reden über unsere Reise. Die Insassen der „Casa La Rocque“ schotten sich mit hohen Mauern und einem Stahltor ab und gehen kaum aus ihrer Anlage, sie haben große Angst vor Einbrüchen und Überfällen. Warum kommen sie dann überhaupt hierher ins Land? Leider weht später kein ‚Lüftchen’ und die Nacht kühlt es kaum unter 30 Grad ab. Wir schlafen gefühlt wie in einer Sauna. Am nächsten Tage fahren wir weiter nach Granada und machen einen Bogen um die Hauptstadt Managua. Erstens möchten wir momentan eh’ keine Millionenstädte mehr sehen und zweitens warnten 2 Schweizer mit ihren Expeditionsmobil erst vor einigen Monaten vor zig’ korrupten Polizeikontrollen in und um Managua, die dort auf alle ausländische Fahrzeuge lauern und die Schweizer an mehreren Stellen regelrecht schikanierten.

In Granada angekommen suchen wir erst mal wieder einen Platz zum sicheren Stehen. Die Touristenpolizei (?!) weiß keinen Rat beim Ansprechen und die Dame spielt gelangweilt mit ihrem Handy. Wofür sind die eigentlich da?

Wir finden eine Gasse zum parken, aber die Stadt hat kaum Möglichkeiten und die Angestellten in den Touri-Info-Büros können bei der Frage um einen möglichen Stellplatz für WoMo’s auch keine Hilfe anbieten. Kein Camp weit und breit, man ist ratlos.

Wir wären gerne 1-2 Nächte geblieben, aber das voll ausgerüstete Fahrzeug dann an irgendeiner belebten Straße stehen lassen, kommt für uns nicht in Frage. So gibt es einen Stadtrundgang im Wechsel (einer muss bei ‚Esmi’ bleiben) und die Abfahrt am Nachmittag.

Schon die Amerikaner meinten, dass es hier kaum eine solche Stell-Möglichkeit gibt, es ist eng, voll und sehr konzentriert. Granada ist schön, es gibt viele internationale Touristen, viele Amerikaner, aber man hört auch deutsch und französisch. Geschätzte 75% der Besucher kommen per ‚Kurztrip’ und Bus aus Costa Rica und quartieren sich in die teils mondänen Kolonialhotels Granadas ein.

Es gibt hier viele Galerien, Juweliere und Nobelkneipen, die hier nur für die reichen Ausländer installiert worden sind. Für ca. 95% der Nicas’ ist das Pflaster von Granada unbezahlbar teuer.

Die Stadt wurde ja schon 1524 von Francisco Hernández de Córdoba gegründet, sicher ein Grund für den Namen der Landeswährung. Granada wurde in seiner Geschichte mehrfach überfallen, ausgeplündert, abgebrannt und wieder aufgebaut und ist durch seine historischen Bauten das bedeutendste touristische Ziel in Nicaragua.

Wir wissen, dass man an einem der nächsten Naturphänomene (mal ausnahmsweise) übernachten darf, und es interessiert uns eh. Also fahren wir zum Vulkan Masaya, an dessen aktiven Krater man gut herankommt und auch in die starke Rauchentwicklung reinschnuppern darf.

Der 1979 gegründete Park umfasst die beiden Vulkane Nindiri (1.670 m) und Masaya (1.772 m) und stellt ein ganz spezielles Ökosystem dar, das ca. 5.100 Hektar groß ist. Es gibt hier viele endemische Arten durch die Geologie der Vulkane und durch die Eruptionen zu Tage geförderten Minerale im extrem fruchtbaren Boden. Die tropische Trockenwaldvegetation hier (ja, so was gibt’s auch) stellt eine Besonderheit in Mittelamerika dar.

Das hervorragend ausgestattete und sehr schön gestaltete Visitorcenter, unten nach dem Parkeingang, bietet eine limitierte Möglichkeit zum Übernachten auf dem Parkplatz und die Ranger lassen uns nach Anfrage für einen kleinen Obolus hier stehen.

So können wir nachmittags ganz entspannt den Krater in Angriff nehmen. Man darf (offiziell) nur zwischen 5 und 10 Minuten am Kraterschlund bleiben, wegen der giftigen Gase. Die oberen Wanderwege sind leider gesperrt, denn der Masaya raucht so stark, dass man kaum runter in den Krater sehen kann.

Sehr interessant sind die reiche Pflanzenwelt am Hang des Vulkans, die Lavafelder, die durch die letzten Ausbrüche verschütteten Gebäude und die Ausstellung im Besuchszentrums, das leider erst um 9 Uhr öffnet und 17 Uhr schon wieder schließt. Solche Langschläfer.

Der Vulkan mit seinem außergewöhnlichen Ökosystem ist die letzte, größere Anlauf-Station für uns in Nicaragua.

Es gäbe noch einiges zu sehen, aber am Lago de Nicaragua „verjagt“ uns die geballte Umweltverschmutzung. Es gibt wieder viel Dreck hier- wie leider seit Mexiko (außer Guatemala) ständig zu sehen. Die Schaumkronen des vielleicht ehemals schönen Sees tragen eher Wasch –und Reinigungsmittel als Natur.

Und, Nicaragua erscheint uns in diesem Tagen als ein Land, das man irgendwie nicht so richtig einschätzen kann. Zwischen ehemaliger Diktatur und vorsichtiger Marktwirtschaft ist es durch Ortega aber eher sozialistisch geartet (und von dieser Art „Sozialismus“ haben wir für ein ganzes Leben genug!) Die Menschen, die uns begegneten, waren fast alle neugierig und freundlich. Fast alles ist sehr einfach und arm, aber man hat nicht den Eindruck, dass jemand hier hungern muss. Alles wird kontrolliert, aufgeschrieben (auch ständig unsere Auto-Nummer) und das erinnert an eine Horch-Guck-Organisation in der DDR.

Nach den riesigen, meergroßen Lago de Nicaragua kommt dann schon die Grenze nach Costa Rica und wir bereiten uns innerlich auf weitere Aus- und Einreiseformalitäten vor. Eigentlich hätten wir gern unsere Cordobas in den Tank gesteckt, aber seit Rivas gab es keine Tankstelle mehr und die Einzige, die wir sahen befand sich noch im Bau. So müssen wir wohl an der Grenze die restlichen Scheine eintauschen.

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