Von Puerto Escondido bis zur Grenze nach Guatemala

(unsere Reiseroute)

In Puerto Escondido hatte es uns dann auch noch mit einer richtigen Erkältung erwischt. Die Unterschiede zwischen den 43 Sonnen-Graden außerhalb und den 17-20 Grad „Super-Che“-Markt Innentemperaturen sind einfach manchmal zu extrem. Dazu kommt ja noch die potentielle ‚Bakterien-Schleuder’ – (in Form der wahrscheinlich kaum je gereinigten Filter) in den Klimaanlagen. Ein großes Problem/Ärgernis auch in den tropischen, südostasiatischen Ländern.

Das schön gelegene Puerto Angel mit seinen Stränden und den vielen, kleinen Kneipen ist das nächste Ziel weiter südlich, sicher ein toller Ort für die vielen Rucksacksreisenden. Aber es ist alles so extrem eng dort, das man Fahrzeuge unserer Größe bei den kleinen Pensionen und Posadas gar nicht unterbringen kann. Es gibt einen einzigen „Campingplatz“ weit und breit, an dem wir allerdings schon fast vorbeigefahren wären. Warum? Der völlig verwahrloste ‚Garten’, der den „Fernandos RV-Park“ beherbergt, sieht erst mal wie eine Mischung zwischen Müllhalde, Abstellplatz oder verlassenem Grundstück aus, wäre da nicht ein kleines Schild am schiefen, verrosteten Tor. Der Besitzer wohnt in einer Hausruine, die teils ohne Seitenwände dasteht und weder Fenster noch Türen hat. Das dieses ‚Gebäude’ bewohnt ist, erkennen wir erst nach einigen Stunden, durch ein sehr agiles Fernsehgerät, das dort flimmert. Man könnte es einigermaßen ‚schön’ haben, manchmal mit einigen Handgriffen, manchmal mit etwas mehr Arbeit, aber das interessiert eben in Mexiko die wenigsten. Man lebt im oder an Bergen von Müll und Verwahrlosung. Das Equipment des „Campinglatzes“ ist, falls überhaupt vorhanden, in einem absolut jammerhaften Zustand und knapp vor Aufgabe jeglicher Funktionen. Die Waschbecken und WC’s sind verrostet, verkeimt, schmutzig, dass es einem Hund graust. Einmal (vor vermutlich vielen Jahren, errichtet wird zur Erhaltung und Instandsetzung absolut nichts mehr unternommen, nur noch weiter die Gebühr abkassiert. Wir sehen dieses Übel überall im Lande, bei jeder Gelegenheit, der Gewöhnungsprozess hält derzeit noch an. Herr Fernando möchte für seine Camperabstellmöglichkeit 150 Pesos, also 12 US-Dollar haben und will man sich nicht irgendwo einfach direkt an die laute Straße stellen, gibt es in der ganzen Gegend absolut keine Alternative. Da fällt uns glatt wieder ‚Angies’ Kraftbegriff „Alternativlos“ ein, nur war das in einer wahrhaft anderen Verbindung. Unser Navi oder diverse Foren, ein Reise-Buch besagen dasselbe, traurige Resultat. Entdeckt haben wir auf dem Wege hierher auch nichts anderes. Ein tolles Stück Mexico, aber es fehlen einfach immer wieder die Plätze für Camper!

Für eine Nacht bleiben wir, denn der Platz ist nicht ein- sondern ver-ladend! Hinzu kommt leider, dass hier eine ganz besondere Tier-Spezies zu finden ist: Der 24-H-Stupid-Gockel. Diese, mittel- bis schwerstgestörten Hähne der Kategorie Radau-Flatter-Kampf-Krächzer veranstalten ein ‚Rund-um-die-Uhr’ Dauerkrähen, so dass selbst dem toleranten Tierfreund irgendwann die Geräte-Sicherung auf Grundeis geht. Vor vielen Jahren hatten wir auf der polynesischen Insel Moorea schon mal mit dieser schrei- und schlafgestörten Rasse zu tun. Alle Anwesenden hatten damals schon das Dauergebrüll der Moorea-Gockel miterleben müssen und sich die dortigen Nächte unfreiwillig um die Ohren geschlagen. Ein ‚normaler’ Hahn poltert morgens, meinetwegen 1 Stunde vor Sonnenaufgang bis zum Frühstück, und hält sonst seinen blöden Schnabel.

Am nächsten Tage passieren wir Santiago Astata und umfahren das Industrienest Salina Cruz. Die sehr schöne und informative Reise-Homepage von Klaus und seiner ‚Abenteuertour’ besagt, dass es in Santo Domingo Tehuantepec ein Hotel ‚Calli’ mit Campingmöglichkeit geben soll. Klar fahren wir dorthin und erkundigen uns bei dem, für mexikanische Verhältnisse etwas mondänen Hotel, ob wir für eine Nacht dort bleiben dürfen (Natürlich gegen Bezahlung!). Aber die resolute Dame an der Rezeption weiß nichts von RV-Camping und zetert immer wieder, das ein Zimmer 950 Pesos kostet (über 80 Dollar) und sich niemand sonst dort am Parkplatz hinstellen darf, Basta! Wir verlassen etwas kopfschüttelnd die Anlage, die viel, viel Platz hat und fast vollkommen leer steht. Gracias.

Sturm kommt auf und wir finden - wie so oft ein wenig abenteuerlich - inmitten von Kuhweiden und Hügelland, kurz vor Juchitan de Zaragoza einen seltenen, fast unbehelligten Platz im mexikanischen Busch. So geht’s halt auch, klappt aber hier sehr selten. Wir haben bis auf heftige Windböen Ruhe vor allzu viel Lärm und Hektik der brüllenden Durchgangsstraßen. Esmi schwankt im Sturm, fast wie auf der TMC-Fähre über den Golf von Kalifornien!

Dann, am nächsten Tage, erreichen wir wieder einmal eine wichtige Etappe unserer Reise: Die schmalste Stelle von Südmexiko, die berüchtigte Landenge des „Istmo De Tehuantepec“, markiert eine geografische Grenze. Wir verlassen Nord- und erreichen Mittelamerika!! Hier scheint oft (oder immer) ein recht starker Wind zu wehen und nirgends sonst kommt der Golf von Mexico dem Pazifischen Ozean so nahe, das schafft eine besondere Wettersituation. Was wir dann mit Staunen registrieren, bestätigt das Phänomen dieser sturmgepeitschten Gegend:

Ein kaum übersehbarer Wald von Windkrafträdern wurde in der jüngsten Zeit hier zwischen Meer und Gebirge installiert. Sie sehen alle recht neu aus und wir fahren eine geschätzte Stunde durch die größte, je von uns gesehene Ansammlung von Windturbinen. Es müssen Tausende (!!) sein, so eine geballte Technik hätten wir hier nicht erwartet.

Das ist größer als der größte Windpark seiner Art in den USA (da haben wir auch schon einige „Turbinenstädte“ gesehen), und auch an Norddeutschlands Küsten haben wir so eine gewaltige Installation noch nicht finden können. Hier wurden augenscheinlich Milliarden von Dollar „in den Wind“ gebaut. Wir fragen uns, anhand des allgemeinen Zustandes dieses großen, aber auch immer wieder chaotischen Landes, wie dies Mexiko finanziell wohl ‚gestemmt’ hat, denn was hier an Windkraftanlagen steht, beeindruckt tatsächlich, in welcher Form auch immer.

Nach dem Städtchen Tonala biegen wir wieder an die Pazifikküste ab, ein nächster Versuch einer Platzfindung in der „Campingwüste“ Mexiko. Im Küstendörfchen Puerto Arista aber werden wir mal richtig positiv fündig! Mit Jose’s Camping Cabana’s haben wir mal einen wirklich schönen Platz gefunden, der noch dazu (und das merkt man ja immer erst später!) traumhaft ruhig ist.

 

Da ist es schon fast wurscht, wenn es in der Umgebung keine Läden, kein Internet und keine nennenswerte Versorgung gibt, man kann ja nicht alles haben. Und so war es bisher ja fast immer: Guter Platz = Weg von Schuss/ oder: Versorgung, Läden, Kneipen, Netz = Krach und Gebrüll. Hier, bei Jose, einem Kanadier und seiner mexikanischen Frau, bleiben wir erst mal und versuchen, unsere Erkältung loszuwerden.

Als wir zwei Abende nach Ankunft durch den nahen Ort schlendern und bei den vielen der kleinen Hotels und Kneipen nach WiFi-Internet-Zugang fragen, gibt es hier tatsächlich nirgends eine Chance, E-Mails abzurufen. Aber Fisch oder Hühnchen, mexikanisch ultraflach gewalzt und paniert, mit einem Corona-Pils zum Spülen, bekommen wir in einer einfachen Familien-Straßenkneipe serviert. Wenn wir persönlich die Wahl haben, entscheiden wir uns grundsätzlich für eine andere der durchaus leckeren, mexikanischen Biermarken. Die farblosen Corona-Flaschen mit ihrem schal-gelben Morgenwasser-Ouvre fanden wir noch nie appetitlich, geschmacklich ist die wohl bekannteste Biermarke aus dem Tequila-Land eh’ nix besonderes, also wirklich nicht. Ganz anders das dunkle ‚Negra Modelo“ oder das genauso leckere „Bohemian Obscura“, welche hervorragend schmecken und auch in ästhetisch besseren Pullchen daherkommen. Alles hier ist sehr simpel, aber authentisch und eigentlich besser als erwartet.

Die hiesigen Pazifikstrände sind schwarz vom Vulkansand und das Thermometer steigt jeden Tag auf 33-36 Grad im kaum vorhandenen Schatten. Braucht der Reisende etwas mehr als die Dinge zur Grundversorgung, kann man in das 25 km entfernte Tonala fahren und dort im ‚Soriana-Markt’ fast alles, auch frischen Fisch oder Fleisch bekommen. Desweiteren kommen direkt zum Campingplatz die verschiedenen Gemüse-, Obst- und Wasserhändler. Man kann es bei dem freundlichen Jose gut eine längere Zeit aushalten.

Nach einer Woche drückt uns die NAFTA-Regelung und wir fahren die letzten 250 Kilometer bis zur südlichen Grenzstadt Tapachula. Wir probieren im und um den Ort, unsere Gasflaschen aufzufüllen, aber die Abfüllanlagen haben andere, größere Anschlüsse. Zuerst geht gar nichts, aber dann können die Burschen einer gut versteckten Gasfirma (im Busch bei einer Schnellstraßenbaustelle) durch Improvisation und irgendwelche Tricks, die sie uns nicht präsentieren möchten, zumindest 3-4 Kilo in eine der Flaschen reinbringen. Das kostet uns nur einige Pesos, aber einen halben Tag ‚Rennerei’ und immer wieder viel Unverständnis, Kopfschütteln, denn hier tauscht man die Gasflaschen nur, allerdings viel zu große Modelle, die dann 25 kg bis zu einen Zentner wiegen und bei uns eh’ nie ins Gasfach passen.

Dadurch, dass wir vor erreichen Guatemalas noch einmal einkaufen und Gas fassen wollten, haben wir noch 1-2 Übernachtungen in Tapachula eingeplant, aber schon den ersten Abend werden wir von privaten Sicherheitsbeamten ständig angesprochen. Wir stehen nur am Walmart-Parkplatz! Die Mall will nachts keine ‚Gäste’. Das ist das erste Mal seit vielen Monaten, dass auch dort nichts mehr zu gehen scheint. Der Ort Tapachula hat absolut nichts für WoMo-Reisende zu bieten, die Hotels entweder keinen (Stell-) Platz oder eine Absage. Wenigstens können wir am dortigen Holiday Inn das Hoteleigene Internet nutzen und das freundliche Team an der Rezeption würde uns gerne hier stehen lassen, so haben wir den klaren Eindruck, aber der angefragte Chef und Manager der Bettenburg lässt verlauten, das sich solch (unser) Ansinnen nicht mit dem ‚Konzept der Hotelkette’ zu vereinbaren ist, auch wenn wir dafür bezahlen würden. Und deswegen ein teures Zimmer im Holiday Inn zu mieten, wäre wiederum in unserer Situation Wasser ins Meer zu schütten oder Bier nach Bayern zu tragen.

Angesichts weiter zu erwartender Bürokratie, behördlicher Korruption und reichlich überzogener Transportpreise bei Umschiffung des Darien-Gap’s von Mittel- nach Südamerika sparen wir uns das, wollen unsere Reisekasse für solche Extraausgaben nicht belasten. In der zweiten, unserer letzten Nacht in Mexiko gibt es dann eine nette Verabschiedungszeremonie. Ein Truck am „Sam’s Club“ hält spätabends fast direkt neben uns und dröhnt uns im Dauerton und laufenden Motor + Klimaanlage zu. Wir flüchten erst mal. Am anderen, gerade noch möglichen, Platz (Walmart) stehen wir noch keine 2 Minuten, da schicken uns die uniformierten Wichtigmacher 1 Stunde nach Mitternacht auch wieder weg. Man muss dazu sagen, dass uns dies in den USA/Kanada bisher noch nie passierte, die Einkaufs-Kette lässt dort potentielle Kunden immer in Ruhe stehen. Zurück am „Sams Club“ werden wir mehrfach von sehr tief fliegenden Helikoptern geweckt und gegen 3 Uhr beginnen direkt neben uns Straßenbauarbeiten. Jeder kennt ja das kreischende Geräusch, wenn Asphalt oder anderer Straßenbelag zerschnitten wird. So kommen wir in dieser tollen Stadt 2 Nächte kaum zum schlafen.

Am Morgen des 24. Januar fahren wir die letzten, ca. 25 Kilometer bis zur guatemaltekischen Grenze und geben unsere letzten mexikanischen Pesos in einer ‚Oxxo’- Filiale aus. Dann beginnt für uns ein umfangreich-bürokratisches Grenzabenteuer, das wieder alle (eigentlich übernächtigten) Sinne in Anspruch nimmt, doch dazu im nächsten Teil unserer Reiseberichte.

zurück zur Weltreise 2011 - 2016
zurück zur Startseite
nächster Bericht