Auf nach Mexico, Baja California, nach Süden!

(unsere Reiseroute)

Alte Bretterbuden, halbverfallene Gebäude und Wechselstuben mit dem Charme einer Dritthinterhofgarage säumen die kleine Grenzstation auf kalifornischer Seite. Es gibt keine ATMs (Geldautomaten) und die Grenze, zum großen, südlichen Nachbarn der USA, macht einen soliden einfachen Eindruck.

Wie wir schon erfahren haben, gibt es in Richtung Mexico keine US-Ausreise. Nachdem wir uns zu Fuß ungläubig und fragend umgeschaut hatten, sind wir mit gemischten Gefühlen über den ominösen Grenzstrich gefahren und sehen uns sofort von schwerbewaffneter mexikanischer Armee mit Sturmausrüstung und voller Bewaffnung umringt. Doch die Tun nix, die wollen zwar nicht spielen, aber sie grüßen freundlich und warten augenscheinlich auf andere „Kunden“.

Die etwas resolutere Dame vom Zoll klettert in die Kabine unserer Esmeralda und verleiert schon mal die Augen, angesichts der hohen Stufe, die sie zu erklimmen hat. Heidi steigt gleich hinterher und kontrolliert die Kontrolle. Alles verläuft kurz und schmerzlos und auch für den (vollen) Kühlschrank interessiert sich die Dame nicht - ‚Alemania’, ok! Wir müssen zum Parken um den Block und sind eh’ schon im Lande. Dann geht zur offiziellen Einreise – erst müssen wir unsere Daten in ein Formular eintragen und anschließend geht man zur Bank und bezahlt die 295 Pesos (ca. 24,5 US Dollar) Gebühr (aus Korruptionsgründen darf die Behörde kein Geld mehr selbst einnehmen). Danach geht‘s zurück zur ‚Imigracion’ und der Stempel wird in den Pass eingetragen, außerdem wird uns eine Touristenkarte ausgehändigt – wir haben (theoretisch) 180 Tage für Mexico! Alles geschafft!

Die mittelgroße (für Mexico eher Piccolo!) Grenzstadt Tecate hat kaum Parkplätze für uns und die ATM-Abhebung wird verschoben. Wir fahren über die ersten Hubbel und vorsichtig durch gullideckelgroße Löcher. Am Fluss prangt die weithin bekannte „TECATE-Brauerei“ als große Firma in der Stadt mit ca. 45.000 Einwohnern. Wir wollen erst mal weiter, einfach Straße genießen und rüber auf die nördliche Baja California.

Wir fahren die MEX. Nr.3 über die ersten Berge der Halbinsel, bis die Straße dann kurz vor Ensenada die Pazifikküste erreicht. In den Bergen fahren wir an einigen Weinbaugebieten vorbei. Ensenada ist ein Knotenpunkt und Einkaufsziel am Meer und schon eine größere Stadt.

Während Heidi im Auto wartet (alles ist ein wenig chaotisch hier, erst mal wieder gewöhnungsbedürftig) mache ich einige Kilometer der Suche durch die Stadt. Es braucht 5 (!) Versuche, bis ich einen willigen ATM-Automaten finde, der mir auch Pesos ausspuckt. Zurück am Auto ist die Batterie fast leer, Licht vergessen(?), der Anlasser würgt in den letzten Zügen. Aber wir stehen keine 10 Minuten hinter der Orts-Info, da bietet uns ein freundlicher, junger Mexikaner Starthilfe an, alles bestens, Gracias!

Wir düsen die Batterie wieder etwas voll, machen einen Snackstopp und finden an der Bucht südlich von Ensenada einen kleinen Zeltplatz, sogar Internet-WiFi gibt es hier. Wir treffen Willi mit seinem Wohnmobil „Grüne Minna“ aus dem Frankenlande. Er reist mit seiner Frau und hat alle Zeit der Welt, ist Rentner und will sich bis zum zentralen Mittelamerika noch ca. ein Jahr Zeit nehmen. Ein ‚Woher und Wohin - Gespräch’ ist immer drin nach den Frühstück.

Hier an der nördlichen Baja ist es noch richtig kalt nachts und von Baden kann keine Rede sein. Wir wollen erst mal weiter nach Süden. Die nächsten Etappen auf der MEX. Nr.1, der einzigen Hauptverbindungsstraße auf der Baja California werden teils anstrengend für Fahrer und Vehikel, es gibt viele Baustellen und Brückenbauten. Die nebenan verlegte ‚Nottrasse’ ist in einem so extrem schlechten, zermürbenden, rumpelkraterartigen Zustand, das man diese 3-6 km langen Teilstücke nur im Schritttempo hoppeln kann. Jeder Meter dieser Katastrophenpiste tut weh für das Fahrzeug (uns auch).

Wir landen später „auf Empfehlung“ anderer Reisender vor uns, bei Fidel und seinem urig-einfachen Strand-Camp in der Nähe des Cabo San Quintin. Die Zufahrt dorthin ist leider wieder mal krasser Acker und der Inhalt unserer Schränke wird selbst bei vorsichtiger Fahrweise neu gemischt oder umgeworfen. Ein Anblick der Wasch (??) -Räume bei Fidel verbietet deren Benutzung wie von selbst, gut – dass wir nicht darauf angewiesen sind! Aber Fidel ist nett und will nur ‚5 Bucks’ für seinem Platz (der Dollar ist hier auch gefragt). Wir schlafen beim kräftigen rauschen des Meers und beim Gebell der Hundemeute.

Nach weiteren 50 km an der Küste biegt die Straße nach dem Örtchen El Rosario ins Landesinnere ab. Es geht über 300 km durch das Hinterland und die Landschaft wird spektakulär. Inmitten eines großen Felsengebietes wachsen hier richtige Wälder von gewaltigen Saguaros (dt. Kandelaberkakteen).

So stellt man sich (unter anderem) Mexiko vor. Weite, fast endlose Wüstengebirgszüge, Agaven, Yuccas, Riesenkakteen und über ein Dutzend kleinere, alles Mögliche an Stachelgras und fast unbesiedelte Gebiete im Zentrum der wirklich riesigen, ca. 1.600 km langen Halbinsel.

Auch viel Müll, vor allem Plastik, alte Autoreifen (mit denen auch mal ein Kaktus garniert wird Lachend) und immer wieder mal kleine Motels, einfache Hütten und Häuschen und massig Schrottplätze.

Alle Nebenstraßen - der teils sehr ‚einfachen’ Orte - sind grundsätzlich nicht geteert, wie das in Europa oder Nordamerika selbstverständlich wäre. Es gibt nur löchrige Lehmpisten mit Rüttelfaktor 9 von 10. Nach den letzten, reichlich 44.000 Kilometern durch die USA und Kanada muss die Sicht der Dinge grundsätzlich „neu gemischt“ werden.

Wir waren ja 2006 schon mal für 4 Wochen und für über 6.000 Kilometer (individual gefahrener Art) im größten Lande Mittelamerikas unterwegs und haben zwischen Atlantik und pazifischer Küste, gerade im Süden Mexikos schon einiges gesehen. Trotzdem ist der Eindruck nach so viel (nahezu perfekter) Infrastruktur in Nordamerika erst mal ein wenig ernüchternd bis nachdenklich stimmend. Irgendwann, (es wird im Dezember leider sehr schnell dunkel), finden wir nach einigem Suchen einen ruhigen Platz zwischen Aloe-Gewächsen und großen, grünen, Wasser speichernden, stacheligen Riesenkeulen - etwas abseits der Piste MEX. 1.

Nachts sollte man hier – (wie auch weiter südlich) - eher gar nicht fahren. Zu viele Kreuze am Straßenrand zeugen von Unfällen vieler Trucker und anderer PKWs, denn die Strecke erfordert auch bei Tag unsere volle Aufmerksamkeit. Nach 17 Uhr ist es leider bereits dunkel und wir bereiten uns einen Topf mit frischen Knoblauch-Spagetti in der Esmeralda-Küche zu. Das ist immer ein schnelles, leckeres, leichtes Gericht, wenn es mal nichts ganz Frisches gibt. ‚Normale’ Supermärkte sind die letzten Tage eher karg gesät, aber mit unseren Kon- & Re-serven können wir auch mal 1-2 Wochen auskommen, etwas Wassernachschub dazwischen immer vorausgesetzt.

Die Grenze zur Baja California Süd markiert ein symbolischer Torbogen über die Straße, über der noch eine riesige mexikanische Flagge weht. Eine weitere Militärkontrolle (öffentliche Einrichtungen und Militär sollte man nicht fotografieren) fragt uns nach unserem Ziel und oft möchten die jungen Soldaten kurz hinten in unsere Kabine sehen. Sie begnügen sich aber meistens mit einem kurzen Blick in einem Schrank und in unsere ausufernde Bade- und Saunalandschaft hinten links. Da staunt man dann. Man sucht illegale Mitfahrer (?) und diverse, verbotene Substanzen, mit denen wir aber nicht dienen können und wollen, die Kontrollen waren bisher immer freundlich und kurz.

An der Grenze zwischen Nord und Süd-Baja dürfen wir unsere Uhren eine Stunde zurückdrehen und freuen uns über eine Stunde länger am Abend. Nach Erreichen der südlichen Baja wird es immer wärmer und angenehmer. Die Landschaft, vor allem die Küstenlandschaft (am inneren Golf von Kalifornien) mit ihren Buchten, Felsen und Inseln ist nicht nur deutlich abwechslungsreicher als der Norden, sondern regelrecht spektakulär schön! In Guerrero Negro (zu dt. Schwarzer Krieger) füllen wir unsere Vorräte auf und machen den Tank voll.

Die Ortschaften an der Mex1 bleiben weiterhin spärlich gesät, aber zwischendrin gibt es immer wieder kleine Schmuckstücke. San Ignacio ist eine (es gibt noch mehr davon) kleine grüne Oase unter Palmen mit einer schönen kleinen Kirche am Zocalo

Dagegen ist Mulege eher eine Ansammlung an engen Gassen und Einbahnstraßen, aber trotzdem nett. Eigentlich wollten wir nur einkaufen, aber wären fast in den engen Straßen stecken geblieben. Der Ort liegt am Rio Mulege, der nicht weit entfernt ins Meer fliegt.

Mit Erreichen der Bucht von Santispac nutzen wir wieder mal einen Tipp der vielen anderen PanAmericana- Reisenden. Dieser Strand liegt (wie einige, weitere drum herum) wunderbar an dieser Bilderbuchküste und man hat hier einen ganz einfachen Camperpark geschaffen, ohne Trinkwasser, Strom und ohne Netz. Aber man steht nur einige Meter vom Meer weg am breiten Strand und genießt die Natur hier.

Es gibt 2 kleine Kneipen, an denen abends zumindest akustisch einiges los ist. Denn wenn die Mexikaner feiern, dann mit einer infernalischen Lautstärke. Wir haben schon vor Jahren mitbekommen, das man hierzulande evtl. chronisch schwer hört…und Musik grundsätzlich so laut laufen lässt, dass fast die Membranen aus den malträtierten Boxen fliegen. Fast überall hier an den Buchten stehen WoMos und werden Stellplätze vermietet, offensichtlich auch für Langzeitcamper aus den USA und Kanada, die sind hier Stammgäste.

Die Küste an der/und um die Bahia Concepcion, südlich des Oasen-Örtchens Mulege ist einfach nur als wunderschön zu bezeichnen. Jetzt wird klar, warum viele durch den eher langweiligen Norden der langen Halbinsel ein wenig zügiger reisen. Spätestens, wenn man hier im Süden der Baja California ankommt, hat sich die Reise auf der Baja gelohnt. Das Wasser in den Buchten leuchtet smaragdgrün bis türkisfarben und erscheint durchweg sauber, was man allerdings von den Ortschaften unterwegs nicht immer sagen kann.

Die Strände sind sauber und manchmal findet man recht eigenartige, fast verlassene Strand-Nester und viele leere (oder scheinbar verlassene) Motels oder Restaurants. Oder es liegt an der Nebensaison? Wir finden an diesem Robinson-Küstenstrich - mit teils einfachen Schilfhütten, Holzbuden oder ganz kleinen Posadas, also Gasthäuser - oftmals die ‚Office’-Gebäude verschlossen bzw. mit Ketten gesichert vor, auch bei einigen, recht einfachen Strandcampingplätzen. Niemand da?

Die ehemalige Hauptstadt der Nord- und Südbaja, Loreto bietet nach längerer Pause auch wieder einige Einkaufsmöglichkeiten und einen kleinen, historischen Stadtkern. Südlich davon, in Nopolo, hat man vor Jahren ein „zweites Cancun“ bauen wollen, übrig davon ist ein viel zu überdimensionierter Flughafen (von dem nur sehr wenige Jets abheben) und eine Siedlung mit Riesengolfplatz.

Noch ein Stückchen weiter südlich liegt an einem fast perfekten Naturhafen der winzige Ort Puerto Escondito. Dort finden wir zusammen mit 2 weiteren Reisenden aus South Dakota und ihren Caravan eine ruhige und sichere Übernachtungsmöglichkeit – jenseits von Diskokrach und dem Getöse der ständig wummernden Trucks.

An der Küstenstrecke erwartet uns am nächsten Vormittag Chaos. Ein mit Rohren und Plastikbehältern beladener LKW hat sich überschlagen, selbst komplett zerstört und sich und die Ladung ‚geschreddert’ und auf der Piste verteilt. Nichts geht mehr, erst mal. Wir fahren ein Stück zurück, warten die Räumung ab und basteln an der Esmi-Beladung. Reparieren diverse, kleine Sachen und können nach Mittag die immer noch schlimm aussehende Unfallstelle in Richtung Süden passieren. Zur falschen Zeit hier gewesen zu sein, wäre fatal gewesen, denn die meist viel zu schnellen (oder falsch beladenen) Trucks sind schon eine große Gefahrenquelle. Die Straßen sind hier recht eng.

Als wir langsam auf eine weitere, wohl mittlerweile sechste, Militärkontrolle zufahren und am schwerbewaffneten Posten anhalten, ertönt (wirklich zufällig!) gerade aus dem Autoradio John Lennons „Imagine“. Welch eigenartige Ironie angesichts der waffenstarrenden Soldaten in Kampfuniform in ihrer (mit vielen Sandsäcken gesicherten) Station. Alemania – Oh, Richtung Mittelamerika soll es gehen - gute Reise wird gewünscht – der nächste bitte! 2-3-mal werden wir auch durch gewunken.

Unsere letzte Station vor La Paz ist der Misiones (Manfred’s) RV Park in Ciudad Constitution, wo man sich zwischen Hunden, Katzen in einem gepflegt tropischen Garten erholen kann.

Die Bauernhofnote wird von wiehernden Pferden, schreienden Eseln, dem Morgenkonzert der Hähne und einem Duft zwischen Mist und verbrannter Plastik unterstützt - und massig Mücken. Unsere Startbatterie ‚schwächelt’ seit Tagen und hatte sich hier komplett verabschiedet. Wir bekommen nach einigem Verhandeln eine Neue im Orts-Shop für elektrische Gemischtwaren und Klein-Traktor-Zubehör. So gibt es fast jeden Tag eine andere, neue Sache am Fahrzeug zu basteln oder zu reparieren.

In La Paz fängt die Bremse vorne eigenartig zu knacken an. Wir machen aber erst mal einen Großeinkauf im Walmart La Paz und merken, dass hier die Möglichkeiten fürs Internet trotz Baumärkten und vielen Restaurants nahezu gleich null sind. Und, welch Ereignis: Wer die meist gut sortierten und (normalerweise) ruhigen Walmart-Filialen aus den USA und Kanada kennt, dem würden beim ersten Betreten der mexikanischen Läden die Ohren von Stamm fallen. Hier brüllen die Lautsprecher Fiesta-Musik in kaum auszuhaltender Lautstärke durch die Halle, unterbrochen von Werbung in Stile von Bahnhofsansagen. Das Sortiment ist natürlich den mexikanischen Konsum angepasst, aber es gibt reichlich, viel und sogar frischen Fisch, was z.B. in den USA meistens nicht der Fall ist.

Noch einmal zum Internet und den WiFi-Möglichkeiten bisher: Leider wenig und fast alles ist Kennwortgeschützt. Und falls solches Netz vorhanden ist, dann so extrem dünne und schlecht, das man es kaum zum organisieren gebrauchen kann.

Wir fahren zum Fähranleger in Richtung Festland (in Pichilingue) und besorgen uns für 50 US-Dollar Gebühr und bei einer Stunde warten, sowie etwas Bürokratie, die „Mexico-Fahrzeug-Einfuhr-Plakette“. Wir buchen/planen unsere Tour per Schiff nach Topolobampo, dem ‚Mainland’ und ohne diese Plakette käme man auch gar nicht auf die Fähre.

Dann wollen wir erst mal Siesta machen, an einem kleinen Strand nördlich des Fährhafens. Zuerst kommen eigenartige, recht große wespenartige Insekten und belagern uns. Diese Teile sind so groß, dass sie sogar ein eigenes Nummernschild auf dem Rücken tragen (na, jedenfalls fast Zwinkernd) Leider muss man wieder mal alles mit Fliegengittern verrammeln, weil man sonst aggressiv beim Essen gestört wird.

Wir stehen grade mal 45 Minuten am Meer, als sich 3 beste Macho-Mexikaner mit wirklich höllisch dröhnenden Autolautsprechern direkt nur Zentimeter nebenan stellen und uns mit ihren brüllenden Psychoterror bearbeiten. Die müssen taub sein wie sonst was, so dröhnt, vibriert und scheppert die rostige Karre in mexikanischen Volksweisen. Wir flüchten vor dem drohenden Knalltrauma und suchen in La Paz erst mal eine passende Werkstatt.

Nach einigen ‚Fehlschüssen’ (Navi-Eintragungen, die gar nicht am vorgegebenen Platz existieren) oder zu kleine Garagen - finden wir tatsächlich einen richtigen Mitsubishi-Dealer im Zentrum von La Paz! Mit toller, großer Werkstatt, sogar den L200 gibt es hier, aber nur den nagelneuen Benziner und unseren L200-Dieseltruck haben die Mexikaner hier auch noch nie gesehen. Und auch nicht (wir können es nicht mehr hören…) den Motorölfilter, den wir brauchen, gibt’s nicht, „Haben wir hier nicht, Nada“. Aber wir machen einen Termin für den nächsten Tag aus und die fitten Mechaniker können sogar unseren linken Bremssattel, (der fest war und bei jedem Bremsen krachte) wieder gängig machen. Auch vorne werden alle Bremsbeläge (aber nur, weil wir alle Originalteile mitgebracht hatten) und das Öl gewechselt – Ersatzfilter hatten wir ja auch vorsorglich mitgeschleppt. Nach über 3 Stunden basteln ist die Reiseschildkröte wieder fahrfertig und der Preis für die Arbeit absolut akzeptabel. Wir machen sogar mit einem Mechaniker eine Probefahrt (wahrscheinlich auch, weil er das Teil zu gerne mal fahren wollte), alles ok, es kann weiter gehen.

Bei der Reise in Richtung Südspitze der Baja entdecken wir mitten auf einem recht menschenleeren Hochland-Plateau einen super gelegenen, Wüstencampingplatz und das knapp vor Einbruch der Dunkelheit und nach über 1 Stunde absolut ergebnisloser Sucherei. „Camping Rancho Verde“ heißt der im dichten Busch versteckte Platz, ein kleines Schild weist glücklicherweise darauf hin. Was wir schon seit sehr langem nicht mehr erlebt haben, es gibt dort zwischen Riesen-Saguaro-Kakteen und anderen Dornengestrüpp auch richtig gutes WiFi- Internet, damit hätten wir hier draußen nicht gerechnet.

Am nächsten Tage möchten wir ganz ungezwungen und ohne Erwartung bei unseren Reisebekannten Cassandra und Rick (Nummernschild aus South Dakota, gemeinsam übernachtet bei Puerto Escondito) mal vorbeischauen. Sie haben sich in einer kleinen Wohnanlage namens ‚Buena Vista’ ein Haus gebaut, nur einige Schritte vom Meer entfernt.

Wir werden sehr freundlich empfangen und eingeladen, einige Tage zu blieben, dürfen Esmi direkt vor dem Haus parken und uns wie zu Hause fühlen.

Mittags bekommen wir den Suzuki-Jeep der beiden geliehen und düsen mit geländegängigen 2 Zweisitzern zur örtlichen Taco-Kneipe, natürlich eine spezielle Empfehlung der Beiden. Wir lernen ihre Freunde, ein sehr interessantes Paar aus Simbabwe dort kennen. Es sollte am nächsten Abend auch noch zu einer etwas feuchtfröhlichen, gemeinsamen Party kommen.

Wir machen auch Abstecher mit dem Jeep in die Umgebung, planen einfach um und bleiben bis zum Fährtermin in Buena Vista und lernen dabei gleich einige, verschiedene Sorten mexikanischen Bier‘s kennen. Zu Studienzwecken natürlich Zwinkernd.

Von diesem Platze fällt es uns richtig schwer, wieder aufzubrechen, aber irgendwann muss es sein und es geht wieder nach La Paz. THANK YOU SOO MUCH, Cassandra & Rick!!

Zwei Tage vor Heiligabend sind wir dann in Pichilingue im Hafen zur Stelle, lassen Esmeralda wiegen (voll beladen doch 3,4 t Überrascht.) und bezahlen die Überfahrt mit der Fährgesellschaft TMC.

Es gibt noch die Baja-Ferry-Company, die hält aber bei Wohnmobilen gewaltig die Hand auf, gemäß Berichten eines Schweizer Bekannten und auch der Online-Preisliste will die andere Firma das zwei- bis Dreifache des Preises. Man ist wohl schneller und etwas komfortabler (?), aber bei TMC darf man bei der Überfahrt im eigenen Fahrzeug bleiben und muss keine Kabine buchen. Es ist eine reine Truckferry und man fährt nicht jeden Tag. Der Preis (3.770 Peso) ist fair und wir staunen angesichts der verrückten, ja ausgefallenen Beladeaktion, die wir abends seit ca. 6 Uhr beobachten dürfen. In 2 ½ Stunden werden einige Dutzend Trucks teils abenteuerlich rückwärts auf das Schiff bugsiert und viele davon per Aufzug in den 2. Stock rauf, um sie dann fast zentimenter genau einzupassen und das in einer so noch nie gesehenen Geschwindigkeit. Auch Esmi wird (mit uns) ‚hochgehievt’ und eingepasst. Das TMC-Team schafft es, die schon ordentlich große Fähre bis 21 Uhr vollzupacken und fast pünktlich Viertel nach 9 abzulegen. Deutsche Sicherheitsinspektoren und vor allem der TÜV hätte hier ihre helle Freude gehabt. Sie hätten vielleicht kopfschüttelnd das Gelände verlassen, aber wir denken mal positiv und genießen den wunderbaren Sternenhimmel über La Paz und die im Licht der auslaufenden Fähre jagenden Pelikane, die wie immer gar nicht genug Fisch bekommen können. Wir bekommen sogar eine (gute!) warme Mahlzeit in der sehr rustikalen Bordkombüse zwischen Truckern und anderen Wohnmobilisten.

Weiter geht’s nach Topolobampo, zum mexikanischen Mainland, ca. 250 Kilometer durch den Golf von Kalifornien.

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