von Las Vegas durch die Moave-Wüste an die mexikanische Grenze

(unsere Reiseroute)

Ja, wir haben das befürchtet, dass diese 5 Wochen ‚Heimat-Urlaub’ wohl viel zu schnell vorbei sein werden. Wir haben aber vieles Wichtige erledigen und organisieren können, haben vor allem Familie und einige Freunde besuchen können, halt so, wie es im Rahmen dieser Zeit ebenso möglich war. Und bedanken möchten wir uns bei allen für die kurzfristig möglich gemachten Treffen, Einladungen, Essen und Unternehmungen. Besten Dank an Euch alle in der ‚alten Heimat’!! Ein ganz spezielles Dankeschön unseren Freunden im Bayernlande, das durch die lange Lebens- und Arbeitszeit längst zu einer zweiten Heimat für uns geworden ist.

Es waren einige neuen Versicherungen abzuschließen und Impfungen und Arztbesuche zwischen Dresden und Oderwitz mussten koordiniert werden. Allein die Mitsubishi-Ersatzteile für ca.18 kg haben unser Reisegepäck auf 4 Stücke und 60 kg anwachsen lassen. Rucksackbeladetechnisch eine kleine Eselei durch den mit Schnee und -4Grad beginnenden Winter in Sachsen und Bayern. Aber wir haben später alles gut durch die kritischen Augen des amerikanischen Zolls bekommen.

Als wir Ende November wieder in der Glitzermetropole Nevadas - Las Vegas - ankommen, ist auch hier der Spätherbst angebrochen. Im gewaltigen Talkessel der Spielerstadt hat es noch angenehme 16-17 Grad Celsius, aber in den umliegenden Wüsten und Halbwüsten ist es nachts auch schon knackig kalt. Einige Bergspitzen tragen so auch in Nevada bereits eine dünne, staubzuckrige Schneehaube.

Wir fallen nach einem 24 Stunden Reise-Marathon (ohne Ruhe und Schlaf) relativ fix und foxy in das weiche breite Hotelbett. Grade so, dass man das kleine Mietauto (für die nächsten 48 Stunden und zum Holen unserer Esmeralda) noch sicher durch das nächtliche Las Vegas gesteuert hat. Der letzte unserer drei Flüge (mit American Airlines) von New York City nach Las Vegas war gefühlt ewig lang und fast ohne Service, ohne Filme, halt wie eine leicht ‚geschüttelte’ (Air-) Busfahrt durch den amerikanischen Nachthimmel.

Am 30. November fahren wir nach North Las Vegas und finden unser Fahrzeug wohlbehalten im Storage vor, nur leicht verstaubt von diversen Wüstenwinden, aber bestens geschützt. Wir bedanken uns bei dem älteren Paar, welches diese ganze Sache mit der Fahrzeugunterstellung managt, eine tolle und sichere Sache!

Dann geht’s wieder los, ab in die Wüste mit uns und erst einmal nach Arizona. Eine erste Etappe führt uns nach Bullhead City am Colorado River und schon am nächsten Tage überqueren wir die kalifornische Grenze nach Westen.

 

Der Weg führt immer wieder über diverse Bergketten und durch teils graue ‚Mondlandschaften’. Dann kommen wir nach „Twentynine Palms“ und zum Joshua Tree National Park, unserem nächsten Ziel.

 

Schon seit 1936 wurde diese Wüstengegend als Monument geschützt und seit 1994 gilt sie als Nationalpark. Nicht nur, dass hier die großen Yuccapalmen als Namensgeber des Parks wachsen, diese Hochebene hat auch eine beeindruckende Felslandschaft zu bieten. Inmitten dieser Steinszenerie liegen einige (wunderschön angelegte) Campingplätze. Genau dort treffen wir uns mit dem Bronco-Team Janine und Holger, die wir ja schon vom ‚Valley of Fire’ her kennen. Wieder gibt es einiges zu erzählen. Und noch ein verrückter Zufall, denn am Abend kreuzen noch zwei ‚alte Bekannte’ auf. Stephanie und Mario aus der Schweiz sind mit ihren Landy zur Stelle, wir haben sie zuletzt vor über einem halben Jahr auf dem „Natchez Trail“ in Mississippi getroffen und waren ab und zu in Verbindung. Immer wieder unglaublich, wie sich manche Wege so treffen!

Wir sind fast alleine in dieser grandiosen Fels- und Wüstenlandschaft, die Saison ist hier längst vorbei und nur noch wenige Besucher lassen sich von den kalten Dezemberwinden hier oben ‚Sandstrahlen’. Aber es gibt noch einige Sonnenstunden zu genießen und einige Touren durch den Park zu machen. Wir besuchen einen Kakteengarten an der Grenze zweier Wüstengebiete (genauer die Moave- und die tiefer gelegene Colorado-Wüste) und gehen noch zwei Wanderwege zwischen den rauen und teils verrückt geformten Granit-Felsen, die für die Sportkletterer wie geschaffen sind.

Ein schöner Platz, dieser ‚White Tank Camping’, wenn es nur nicht so kalt werden wäre. Nachts fallen die Temperaturen auf den Gefrierpunkt und der sturmartige Wind nervt am meisten. Es ist ein gut gemixter Grog angebracht und da sind wir hier in Südkalifornien!

Da wir noch ein schweres Bücherpaket bei unseren Reisebekannten nahe San Diego abholen müssen - und dieses alles möglichst vor dem 08.12. – geht unsere Reise nach 2 Tagen im Park weiter an die kalifornische Pazifikküste, genauer nach Chula Vista, das nur noch ca. 6 Meilen nördlich von der mexikanischen Grenze liegt. Auf diesem Wege fahren wir am gewaltigen San Jacinto Mountain vorbei und passieren in den trockenen, zugigen Halbwüstentälern eine riesige Armada von Windrädern an dem Interstate Highway. Solch einen großen, futuristischen Wald von verschieden großen Generatoren fanden wir bisher sonst kaum irgendwo auf unseren Reisen. Die imposante und auch gewöhnungsbedürftige Armee der Propeller zieht sich über mehrere Berge und Täler nördlich von Palm Springs, Platz dafür ist hier noch genug.

Den Ort Chula Vista hatten wir vor unserer Reise noch nicht gekannt, die Stadt hat aber ca. eine Viertelmillion Einwohner (!) und liegt in einem gewaltigen, metropolitanen Großraum mit San Diego und einigen andern Ortschaften. In diesem Falle ist es für uns schon besser, das wir per Navigation fahren, um uns gut durch den Straßenspagettisalat zu finden und auch durch die großen Einfamilienhaus-Siedlungen, hier ist alles dicht besiedelt. Der Verkehr - auf bis zu 14 Spuren - brummt hier wie ein wütender Hornissenschwarm und eine mögliche Falschausfahrt bringt viele Fehlerpunkte und einige Strafrunden extra in der mächtig geschäftigen City.

Wir haben Ute und Ron im Sommer vor den Toren des Yellowstone Nationalparks in Montana kennengelernt und hatten von ihnen eine freundliche Einladung erhalten. Wir haben die Beiden dann später gefragt, ob wir unsere restlichen ca. 14 kg Reise-Bücher zu ihnen schicken können, wenn wir im Herbst in Deutschland sind. Per Übergepäck wäre das deutlich teurer geworden. Trotz, dass bei den Beiden zu Hause gerade die Handwerker am werkeln waren und momentan wenig Platz und Ruhe war, konnten wir unsere Esmeralda in ihrer Garagenauffahrt parken und einige Besorgungen von dort starten. Ein Dankeschön für die Hilfe der Beiden, das Abendessen und die Möglichkeit, ihr Bad und das Internet zu benutzen. Wir haben bei dieser Gelegenheit gleich unserem Fahrzeug die nötigen, neuen Reifen verpasst und in den darauffolgenden Tagen noch einiges für Mexiko organisiert. Z.B. beim AAA (amerikanischer ADAC) eine Auto-Versicherung für das Aztekenland abgeschlossen, das für dort eine Pflichtveranstaltung ist und in diesem großen Land voller chaotischer Verkehrszustände auch zu empfehlen.

Nach einigen Einkäufen wollen wir nach dem 2. Advent endlich weiter nach Süden. Wir fahren einen kleinen Bogen nach Osten und nach ca. 28 Meilen stehen wir vor dem eher kleinen Grenzübergang im Tecate. Dieser wurde uns von anderen Reisenden empfohlen, da dort nicht so der gewaltige ‚Auflauf’ und Stau ist wie z.B. an dem Übergang nach Tijuana (der meist frequentierteste der Welt!) oder dem zur Großstadt Mexicali, weiter im Osten.

Wir verlassen das englischsprachige Nordamerika. Es ist nach 44.598 gefahrenen Kilometern durch einen Großteil der US-amerikanischen Staaten und kanadischen Provinzen an der Zeit für ein kleines Fazit. Ein großes, ein wenig ausführlicheres kommt vielleicht einmal später, wenn wir unser Ziel (weiter südlich) erreicht haben…

Es ist nahezu unmöglich, die Komplexität, Vielfalt und Abwechslung des Nordamerikanischen Teilkontinentes in kurzen Worten zu beschreiben: Wir sind überwältigt von den phantastischen Landschaften, Nationalparks, den fast endlosen Weiten im Norden, aber auch manchen eindrucksvollen, charakteristischen Städten, auch historischen Orten, die heute das moderne Amerika prägen. Wir haben fast überall nette, freundliche, aber auch neugierige Menschen getroffen, letztere haben uns immer wieder auf vielen Parkplätzen und teils auch unterwegs ‚außerhalb’ nach unseren Fahrzeug und unseren (Reise-) Plänen gefragt. Manchmal wurde auch mit einem Tipp weitergeholfen oder/und einfach „nur“ eine ‚Gute Reise’ gewünscht und diese Worte oft auch auf Deutsch. Unser deutsches Nummernschild fällt auf, manche wissen nicht, wohin sie es ‚verorten’ sollen und ein kleines Gespräch zur Frühstückszeit geht fast immer. Wir haben auch viele, durch geknallte, verrückte Zeitgenossen beobachten können, die in ihren Autos laut quietschend durch die großen Cities hechteten, mit oft horrorlauten, basslastig eingestellten, mörderisch überdrehten Lautsprecher-Boxen, die so fast für Großveranstaltungen ausreichen würden. Die Gegensätze sind auch in Nordamerika gewaltig, zwischen reicher Glitzerwelt, modern und einfach bis arm.

Die Zahl der Internet-Hotspots ist hier inzwischen deutlich besser geworden, dafür die Qualität der Straßen gefühlt schlechter in den letzten Jahren. Die Lebenskosten-Preise stiegen und steigen weltweit deutlich, nicht nur im ‚Euro-Raum’ wie viele vielleicht annehmen, sondern auch im Dollar-Raum.

Wir sind ohne einer einzigen Polizeikontrolle (für uns selbst kaum zu glauben!) und ohne einem einzigen ‚Ticket’ durchgekommen, aber unsere Reiseschildkröte ist ja nicht so Corvetten-schnell! Sie übt sich eher als ruhig fahrende ‚Hobby-Kochbude“ und wenige Quadratmeter großen, mobilen Lebensraum ‚On The Road’ durch viele grundverschiedene Bilder eines grandiosen, schwer vorstellbar großen Kontinentes.

Wir sehen uns auf diesen Seiten bald wieder in Mexico.

Hasta luego!

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