Vom Lake Powell nach Las Vegas

(unsere Reiseroute)

Wir haben unsere erste Nacht, in der Nähe des Zion NP, mit Reif und Minustemperaturen, aber im Bryce Canyon soll es schon schneien, denn der liegt noch um einiges höher.

 

 

Wir fahren erst mal über das Städtchen Kanab/Utah weiter die Nr. 89 in Richtung Lake Powell und entdecken anhand von einigen, stehenden Fahrzeugen ein kleines Highlight im sonst offiziell geschlossenen „Grand Staircase-Escalante National Monument“ (von Insidern nur noch GSENM genannt.) Der (streng limitierte) Zugang zum ‚Wave-Rock’ im GSENM ist leider immer noch gesperrt, die Website dafür momentan noch nicht wieder frei geschalten und auch das Besuchszentrum in Kanab ist geschlossen. Na Mercy!

Aber wir entdecken die „Toadstools“, abstrakte Felsformationen in einer verrückt-schönen Erosionslandschaft am Hwy.89. Die „Toadstools“ genannten Pilzfelsen und –Türme stehen (nach einer kleinen Kraxeltour erreichbar) inmitten von größtenteils leuchtend weißen Fels als tiefrote Schicht, die sich an dieser speziellen Stelle durch verschiedene Ablagerungen gebildet hat.

Sie ähneln im Prinzip den Hoodoos, die wir New Mexico und Kanada sehen konnten, haben hier aber wieder ganz andere Farben. Oder: Steinpilze einmal anders – schwer verdaulich, streng vertraulich – und doch sooo schön ‚Anschaulich’!

Wir sind wieder einmal begeistert von der Natur und ihren ungewöhnlichen Kreationen, dass wir für 1-2 Stunden Zeit und Raum vergessen. Die Kamera findet viele Ziele und eine kleine Klapperschlange quert unseren Weg durch den trockenen Flusslauf zurück zum Parkplatz, nicht ohne warnend zu rasseln und sich dann schnell zu trollen. Denn eigentlich ist man ja scheu, steht unter Schutz und möchte Konfrontationen mit diesen langbeinigen Zweibeinern eher aus dem Wege kriechen…Und auch ganz ‚kleine’ Klapperschlangen sind schon äußerst gefährlich und ihr Gift ist ohne Hilfe ebenso tödlich. Diese Gegend ist wie geschaffen für Reptilien aller Art, also sollte man immer etwas vorsichtig sein.

Auf zum Lake Powell! Wieder überschreiten wir die Grenze von Utah nach Arizona. Als wir in den Abendstunden am Stausee ankommen, fahren wir erst einmal in das Erholungsgebiet, dass glücklicherweise auch wieder geöffnet hat und in das wir mit Vorlage unseres ‚Annual Passes’ (also Park-Jahrespass) reinkommen.

Dort steht der ‚Lone Rock’ im Wasser des angestauten Colorado. Die ganze Gegend ist ein einzigartiges Labyrinth des gefluteten Glen Canyons und mit den tollen Farbspielen immer wieder sehenswert. Wir besuchen anschließend noch den besten Aussichtspunkt über den See, die Marina (den Yachthafen) und den Staudamm.

Am Damm selber gibt es ein gutes Visitorcenter und man kann ein Modell des verästelten Sees bewundern und einen Film sehen über den Bau der Dammanlagen und der Brücke über die gewaltige Schlucht. Seit „Nine-Eleven“ ist es leider nicht mehr alles so freizügig zu erkunden wie vor 2001. Damals konnten wir uns ohne große Kontrollen im fast gesamten Kraftwerksgelände bewegen, die Turbinen beobachten und die Maschinenräume anschauen, das ist jetzt alles Geschichte.

Am Antelope-Canyon, der auf dem Territorium der Navajos liegt und von ihnen verwaltet wird, erfahren wir, dass es jetzt zur besten Tageszeit zwischen 11 und 1 Uhr mittags nicht mehr 25, sondern 45 (!!) Dollar pro Person Eintritt kosten soll und nur max. 1 Std. mit Führung möglich ist. Wie ändern sich doch die Zeiten und Möglichkeiten, nur gut, dass wir diese beiden wunderbaren Slot-Canyons schon mehrfach gesehen und fotografiert haben. Wir sparen uns die 90 Bucks für ‚Neue’ Sachen und fairere Preise. Wir besuchen den „Antelope Point“ und einige schöne Aussichtspunkte auf den Stausee, dessen unglaubliche Küstenlinie (durch die vielen Seiten-Canyons) eine Länge von über 3.150 Kilometer erreicht - das ist länger als die gesamte Westküste der USA! Leider ist der Wasserspiegel (durch zu hohen Verbrauch) in den letzten Jahren immer mehr gesunken und hat nach maximaler Füllung in den vergangenen 80er Jahren jetzt einen Tiefststand erreicht, aber das merkt man auch am unweiten Lake Mead, der vom Hoover Dam angestaut wird. Und dessen erzeugte Energie für Las Vegas gebraucht wird.

Ein ganz besonderer Punkt ist der Blick auf den weiterlaufenden Colorado nach Page, wenn der Fluss den Glen Canyon verlassen hat und sich in Richtung des Grand Canyons weiterbewegt. Dort hat er eh’ schon eine tiefe, beeindruckende Schlucht gegraben, aber der geologische und landschaftliche ‚Hingucker’ - ein ganz besonderer Ort - ist der „Horseshoe Bend“! Ca. 10 km Stromabwärts von Page liegt dieser Aussichtspunkt, den man nach 1,5 km Sandwanderung erreicht. Er bietet dem staunenden Besucher einen echt verrückten Blick auf den hufeisenförmigen Mäander des Colorado.

Hier ist allerdings nichts gesichert, es gibt keine Geländer oder ähnliches – und am unteren Ende des Pfades steht nur ein kleines Schildchen. Dann fällt der Fels zum Fluss mehrere hundert Meter senkrecht ab und man muss schon fast zur Felskante robben für ein Foto in den Abgrund. Die wenigsten (absolut Schwindelfreien) stehen frei mit Blick an der letzten Kante. Ein Windstoß genügt und man hat einen letzten ‚Freiflug’ allerdings ohne Happyend, außer, man hat einen Schirm und ist ein ‚Basejumper’. Doch auch ein Schirm garantiert hier kein sicheres ‚runterkommen’, dieser Sport ist hier auch verboten. Leider ist durch den niedrigen Sonnenstand im Oktober die Schlucht auch kurz vor Mittag nicht mehr optimal ausgeleuchtet - aber was für ein Anblick, trotzdem!

Nach 2 Tagen am See verlassen wir Page und Umgebung wieder (es ist hier viel wärmer als in den hochgelegenen Canyons von Utah) und fahren noch einmal durch den Zion Canyon und sind nach ca. 300 Kilometern wieder in Nevada.

Dort haben wir noch ein Naturphänomen im aktuellen Programm. Wir fahren erst am Ufer des Lake Mead entlang durch (vorerst) eher graue Wüstengegend, die sich dann aber mit dem Erreichen eines der wohl schönsten State Parks von Nevada gravierend ändert. Nur wenige Fahrminuten von der Lake Mead Road und dem gleichnamigen, nationalen Erholungsgebiet entfernt, führt eine Straße zum „Valley of Fire State Park“.

Dort brennt nicht die Luft (obwohl es im Sommer sicher irre heiß wird), sondern der Fels. Mitten im sonst grauen Dessert hat die Natur hier wieder mal in einem Rausch von Ideen und schöpferischen Freistil übertrieben, wo sie sonst in dieser speziellen Region eher sparsam mit solchen Punkten umgegangen ist. Ein kleines, feuerrotes Minigebirge hat sich durch Verwerfungen und Erosion (also Verwitterung) von 150 Millionen alten Wanderdünen - mit zahlreichen Schluchten, tausenden großen und kleinen Höhlen im porösen Sandstein – gebildet.

Es gibt hier viele Steinformationen, die man bei etwas Phantasie mit diversen Tieren, Fabelwesen und auch reichlich Gegenständen (z.B. des tägl. Gebrauchs) vergleichen kann, je nach Blickwinkel und Stand der Sonne. Am ‚White Dom’, einer Felsenlandschaft am Ende der Parkstraße, geht z.B. ein Wander- Rundweg in ein interessantes Tal mit engen Slotcanyons, vielfarbigen Steinwänden und einem kleinen ‚Denkmal’ aus Hollywood, ab. Denn hier wurden einige Szenen aus einem „Star Trek“- Film gedreht.

Verrückt und außergewöhnlich ist das ‚Valley of Fire’ allemal. Mit nur ca. 80 km Entfernung von Las Vegas ist es auch als Tagestrip und Alternative zu den vielen Automatengeklimper zu empfehlen. Für Freunde ganz besonders schön gelegener Campingplätze würden wir den „Arch Rock Campground“ im Park empfehlen. Einen so grandios in diese roten Felsen platzierten Ort für Picknick und Lagerfeuer findet man selten in Nordamerika.

Auf einem anderen Wanderweg, in einer Gorge, also einem schönen, engen Felsendurchgang treffen wir Janine und Holger aus dem Emsland, die auch mit eigenen, per Schiff verschickten Fahrzeug in Amerika unterwegs sind! Wir haben schon am Parkplatz vermutet, dass wir hier noch ein KFZ von Langzeitreisenden vor uns haben, dafür bekommt man dann irgendwann schon ein Gefühl und sieht das dann schon meist ‚von weitem’. Das Beste daran ist, dass wir vier gleich sehr gut ins Gespräch gekommen sind und merkten, dass wir einen ähnlichen Weg zurückgelegt haben. Außerdem haben wir sehr ähnliche Reise-Ziele und Träume, es gab vieles auszutauschen und zu besprechen.

Nachdem wir einen weiteren Aussichtspunkt gemeinsam angegangen waren, haben wir uns locker für Abends am Park-Camp verabredet und sind erst mal jeder ‚unserer Wege’ gefahren. Tom hat noch eine Tour zum ‚Wave-Rock2’ gemacht, eine etwas kleinere, aber auch schönen Ausführung des bekannteren ‚Big Brothers’ im Staircase-Escalante Natl. Monument von Utah.

Wir beiden haben dann im Laufe des Tages (gerne) umgeplant und unsere Rückfahrt über Henderson und dem Hoover Dam nach Vegas umgeplant und tuckerten abends, voll von den vielen Naturwundern des Parks zu der Campsite von Janine und Holger. Es war alles voll am Arch's-Camp, aber glücklicherweise gab es noch Platz bei den Beiden, um unsere Esmeralda mit ‚anzupflocken’. Kaum dort angekommen, war schon der ’Ranger’ da, ohne ‚Abahachi’ (für Insider Zwinkernd) und kassierte die Campinggebühr ab. Hier wird fairerweise die Eintrittsgebühr für den Park beim Camping mit angerechnet.

Wir verbrachten einen kurzweiligen Superabend zusammen, mit gemeinsamen Bierchen, Lagerfeuer und vielen Erzählungen, schee war’s. Nach dem Frühstück im Tal der feuerroten Felsen musste es dann irgendwie für beide Teams wieder weitergehen und wir Beide nahmen die Wüstenpiste am Ufer des Lake Mead entlang nach Las Vegas. Man sieht sich bestimmt mal wieder ‚On The Road’!

Vegas ist der Ausgangspunkt für unsere kurze Heimat- und Organisationstour nach Deutschland. Wir haben ein Hotel-Angebot genutzt und uns im „Days Inn Wild Wild West“ eingemietet und mit Hilfe eines kleinen Mietautos unseren Pickup-Truck 2 Tage vor Abflug zum Storage (bewachtes Abstellgelände) in North Las Vegas gebracht.

Eine gewisse ‚Dosis’ Las Vegas ist bei uns in fast jeder Reise durch den Westen mit dabei und so haben wir uns auch dieses Mal wieder mal durch die (auch verrückt-schönen) anderen Seiten dieser unglaublich abgefahrenen Stadt treiben lassen. Manche der großen Themen-Hotels sind einfach so beeindruckend und erschlagen den Reisenden - der eigentlich viel mehr die Natur sucht - mit Prunk, Show, Fassaden, Gigantomanie und dem vielen drum herum.

Wir merken wieder einmal, dass es zwar immer wieder viel werbenden Krach macht, wenn ein Glücklicher in den Riesensälen des Geldspieles einen klappernden, rasselnden und trötenden Gewinn einfährt. Aber: würde man die Menge des Geldes, das die vielen Glücksritter mitbringen, um es in die einarmigen Banditen einzufüllen oder den Croupiers bei Black Jack und Roulette abliefern, auch einmal ‚klingen’ hören – es würde vermutlich rumpeln wie bei der Mischung eines Erdbebens und dem Knallen eines Silvester-Feuerwerkes!! Denn nur so erklärt sich das (momentan) phänomenale Wachstum dieser City in der Wüste, der Bau immer neuer Designer-Herbergen, Hotel-Luxus-Wolkenkratzern und Casinokomplexe, die aussehen wie kleine, autarke Vertikal-Städte.

Wir erkennen manche zentralen Teile des Strips fast nicht mehr wieder und das nach nur 6 Jahren „Pause“ von Las Vegas, so viele neue Stahl- und Betonpaläste hat man Seit dem installiert. Gerade mal 30-40 Jahre alte Casinos werden gesprengt und hinweggefegt und machen Platz für neue Ideen.

Wir besorgen uns Karten für eine der großen Shows von „Cirque du Soleil“ mit ihren Programm ‚Mystere“ im TI (!!) – hier wird alles abgekürzt, das heißt in Vegas aber nicht ‚Texas Instruments’Lachend, sondern „Treasure Island“ – also Schatzinsel. Also auch ein Themenhotel der 90er Jahre, wo sonst künstliche Seeschlachten ausgefochten werden. Die Show des kanadischen Unternehmens „Cirque du Soleil“ (es gibt davon gleich 6-7 Verschiedene hier zu sehen!) ist perfekt durch konzipiert, technisch und akrobatisch absolute Weltspitze, wir sind beide begeistert. Der Rest des Publikums tobt sowieso und auch für Gags und Überraschungen ist gesorgt. Eine CdS-Show wollten wir hier ja eh’ mal erleben.

Ein Tipp: Wenn man die Tickets am Veranstaltungstag beim Vorverkauf am Planet Hollywood-Hotel („Tixx4Tonight“ - am Strip) kauft, kann man jede Menge von den gesalzenen Preisen sparen, und auch die Hälfte vom Tax.

Wir sehen uns auch noch einmal (die ständig neu produzierten) Shows am größten Bildschirm der Welt an. Über der alten Downtown Las Vegas, bekannt unter „Fremont Street Experience“ und auf einer Länge von ca. 450 Metern werden mit 12,5 Millionen LEDs Showbilder und Filme erzeugt. Das passiert täglich nach Einbruch der Dunkelheit - seit 31.12.1995 – und dass alles unterstützt von über 200 Lautsprechern, die bei einer Leistung von ca. 550.000 Watt den Sound dazu liefern und an der gewaltigen Kuppelkonstruktion angebracht sind. Dieses Spektakel ist absolut kostenlos für alle Gäste der Stadt und die angrenzenden Casinos (profitieren) teilen sich die Kosten für diesen ‚Spaß’.

Abgefüllt mit Eindrücken aller Art und auch einem guten Las Vegas-Buffet verabschieden wir uns Ende Oktober aus der Glitzerstadt, aus Nevada und für 5 Wochen vom amerikanischen Kontinent, um diverse Angelegenheiten zu Hause zu regeln, Familie und Freunde zu besuchen und auch einige Ersatzteile für ‚Esmi’ über den großen Teich zu holen.

Bis bald wieder „On The Road“!

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