Aus den Halbwüsten New Mexico’s nach Santa Fe und Albuquerque, zum Canyon de Chelly und den versteinerten Bäumen im ‚Painted Desert’ von Arizona.

(unsere Reiseroute)

Wir hatten noch lange nicht genug von den Hoodoos und anderen, durchweg verrückten Naturerscheinungen in den einsamen Hochplateaus des Wüstenstaates.

 

Noch weniger bekannt - leider auch noch schwerer erreichbar - ist ein zweiter Teil dieses Erosionsmärchenlandes. Man fährt also südlich von Farmington/Bloomfield in New Mexico die Staatsstraße 550 und an einer recht einsamen Trading Post geht eine straßenähnliche Piste in die Wüste. Innerhalb weniger Meilen verliert die State Road 57 auch noch den Rest der Bezeichnung „Piste“, was bis dahin noch mit einigen Hüpfern und Dellen an bröseligen Rest-Asphalt erinnert hat. Dann geht es über eine Stunde durch Staub, Lehm, Stock und Stein und möglichst an so großen Löchern und Kratern vorbei, dass man hier nachts nicht fahren sollte.

Wir „verschwinden“ vorübergehend von der Bildfläche, hier findet uns vermutlich keiner mehr, denn Telefon-Netz ist in so einer Gegend erfahrungsgemäß eh’ keines. Mit GPS und einer abenteuerlichen Beschreibung, auch selbstgezeichneten Karten, finden wir dann den Feldweg und die Einfahrt zum gesuchten Tal, zu Ah-Shi-Sle-Pah! - einem weiteren Wildnis- und auch Forschungsgebiet von Archäologen und Geologen. Der Name kommt wieder mal aus der Navajo-Sprache und heißt ‚irgend was mit weit oben’. Und auf ca. 1.800 Metern sind wir ja hier.

Am ersten Tag haben wir Pech mit dem Wetter und wir können morgens nur noch einen Blick in dieses Tal werfen und entdecken die ersten, sehr schönen Hoodoo-Figuren. Dann zieht (zum dutzenden Male diesen letzten Wochen) eine fette Gewitterfront auf, mit Sturmböen, dass unser Fahrzeug am Abhang des dortigen South-Rim's kräftig geschüttelt wird wie das berüchtigte Mixgetränk bei James Bond. Und gerührt sind wir anhand der Wetterkapriolen schon lange nicht mehr. In den engen Tälern, Auswaschungen oder Canyons ist es viel zu gefährlich, denn bei Sturzbächen von Himmel kann man ganz schnell mal weggespült oder vom Ausgang abgeschnitten werden.

Die Schauer verwandeln die ohnehin schlechten Pisten schnell in Schmierseife und wir rutschen trotz langsamer 4Wheel-Einstellung wie ein Mondfahrzeug den Feldweg von links nach rechts und zurück. Ohne Vierradantrieb wäre längst Ende mit dem Fahrspaß. Im Gewitterinferno versperrt uns ein Regensee den Weg nach Norden zurück und die Lehmpiste nach Süden geht auch nicht mehr. Wir finden für diese Nacht ‚Unterschlupf’ in einer kleinen Indianersiedlung und fragen dort, ob wir bleiben können und die Unwetter abwarten. Ja – wir können bleiben und, stehen auf einem Hof mit einem Dutzend ausgemusterten Autos, genau so vielen, kleinen freilaufenden Hunden und viel, viel Gerümpel.

Am nächsten Tage scheint wieder die Sonne und wir machen einen zweiten Anlauf in die dortigen Badlands. Wieder sind wir einige Stunden in diesem außergewöhnlichen Canyon Ah-Shi-Sle-Pah unterwegs und verlaufen uns fast in einer unwirklich schönen Stadt der Hoodoos.

Wir finden versteinertes Holz und immer wieder neue Seitentäler voller Naturkreationen, die optisch sicher auch in einen guten Science-Fiction-Film passen würden.

Hier sind die Farben der verwitterten Figuren eher ins Gelbe gehend, von schwarz, vor allem Grau-Schattierungen bis strahlend weiß. Und das vor dem Hintergrund des blauen Himmels von New Mexico, als gäbe es keine Unwetter. Nur ein kalter Wind weht durch den Canyon und zeigt uns, dass der Herbst auch hier im Anmarsch ist.

Wir sind hier vollkommen allein, niemand stört unsere Entdeckungen und nur ab und zu findet man teils schon verwehte Fußspuren anderer Wanderer auf dem ausgetrockneten und aufgerissenen Boden. Der Grund des Canyons sieht aus wie in Mosaik- oder Patchwork-Platten geteilt. Nicht mal der letzte Gewitterguss konnte den Boden aufweichen.

Die Zeit verfliegt viel zu schnell in so einer beeindruckenden Landschaft und irgendwann am frühen Nachmittag finden wir uns dann mit vielen Eindrücken, Fotos und leer getrunkenen Wasserflachen bei unserem treuen Fahrzeug wieder.

Die nächsten Ziele sind mal wieder zwei Städte, aber davon die eher (für amerikanische Verhältnisse) historischen Teile davon, und das lohnt sich besonders in Santa Fe, in New Mexico’s Hauptstadt.

Das in seiner Form ganz anders wie die bekannten Kuppelbauten entworfene State Capitol bietet sich in der unmittelbaren Nähe der Altstadt zur Besichtigung an. Zurzeit ist eh’ kein - oder kaum Regierungsgeschäft im Gebäude. Die Parlamentarier treffen sich erst wieder nach dem Jahreswechsel und viele gehen momentan ihren persönlichen Arbeiten (z.B. auf Farmen) nach, erklärt man uns in Besucherzentrum.

Fast alle großen Räume stehen (auch ohne Führungen, Kontrollen, Begleitungen) zur Besichtigung offen! Was für uns das Capitol in New Mexico von den anderen, bisher gesehenen positiv unterscheidet, ist, dass es sich hier zwar um ein offizielles Regierungsgebäude handelt, aber dieses ist wie ein modernes Art-Museum ausgestattet und in allen Ebenen, Seitengängen und Fluren mit viel (auch indianischer) Kunst bestückt. Wir sind am staunen, wie ansprechend man in der Kunstmetropole Santa Fe das eigene Capitol hergerichtet hat. In dieser Form ist der von außen unspektakuläre Bau durchaus einen Besuch wert!

Die recht ungewöhnliche Architektur der Old Town ist in ihrer angenehmen, erdbraunen Farbe und dem der Pueblo-Kunst (der First Nations) angelehnten Bauweise schon eine weitere Besonderheit in den USA. Man nennt diese Bauweise auch Adobe-Stil und keine annähernd so große Stadt hier (ca. 75.000 Einw.) kann mit so einem historischen Stadtkern und auch mit dieser Geschichte aufwarten wie Santa Fe.

Bereits vor über 800 Jahren war hier eine größere Indianersiedlung entstanden und 1610 wurde Santa Fe der Sitz des Gouverneurs der Provinz ‚Nuevo Mejico’ – des Vizekönigs von Neuspanien. Hier steht auch die älteste Kirche der USA.

Und: Wir machen hier die erste Bekanntschaft dieser Reise mit der berüchtigten, historischen Route 66, die durch Santa Fe führt.

Der volle Name ist übrigens ‚La Villa Real de la Santa Fe de San Francisco de Asis’, oder ganz kurz und einfach: „Königliche Stadt des heiligen Glaubens des heiligen Franz von Assisi“. Phantastisch oder? Dagegen klingt Bonn oder Gera schon fast wie eine Sparpackung.

Über eine knochentrockene Bergkette geht es dann weiter, etwas nach Süden und wir passieren das kleine Künstlerstädtchen Madrid (sehr Real, aber wahrscheinlich ohne einem berühmten Fußballklub) und landen am nächsten Tage in der größten Metropole von New Mexico, in Albuquerque.

Über eine halbe Million Menschen leben in der modernen City und wir haben erfahren, dass es auch dort noch eine kleine Altstadt mit historischen Gebäuden gibt, ansonsten ziehen uns die großen Beton-Monster mit ihren „Spagettihaufenautobahnkreuzen“, ihren Mega-Malls und dem dazugehörigen Verkehrschaos eher nicht mehr an.

Wir suchen auch die im Reiseführer beschriebenen Adobe-Gebäude der Universität von New Mexico, aber die verschiedenen Fakultäten sind auf die große Stadt weit verteilt und wir verlieren uns zwischen Baseballstadien, Schnellstraßen und kilometerweiten Ketten von Schnellfressrestaurants, die hier zu Lande leider überall gleich aussehen. Und das, damit der verwöhnte Schnellfutterer die Kalorientempel auch gleich überall wiederfindet!

Wir kochen seit Anbeginn unserer Reise und einigen Reinfällen mit der hiesigen Küche viel lieber selber. Natürlich bis auf diverse Ausnahmen, eine Pizza kann hier total lecker sein und uns fehlt leider der nötige Ofen dafür. So suchen wir in Albuquerque die berüchtigte ‚Old Town’ und werden nördlich der Wolkenkratzer der Downtown und ihren Bankenviertel fündig.

Die Altstadt mit ihren alten Kirchen und Missionen, alten, urigen Innenhöfen und der ebenfalls Adobe-Bauweise (wie in Santa Fe) ist überschaubar klein und im Vergleich mit der Ausdehnung dieser mächtigen Großstadt fast verschwindend. Ist man grade hier, lohnt der Weg dorthin schon, ein weiter Umweg nach Albuquerque aber nicht.

Die Wüstenmetropole liegt auf ca. 1.500 Meter über dem Meer und direkt am Rio Grande. Die Interstate Nr. 40, eine der großen Ost-West Verbindungen des Kontinents, bringt uns dann weiter in Richtung des nächsten Naturwunders. Doch dazu später.

Wir verlassen die LKW-Piste bald wieder nach Norden und landen in Gallup. Einer der Orte an der historischen Route 66 und man ist hier bereits schon im Reservat der Navajo First Nation. Man kann in Gallup auch ganz viele indianische Geschäfte sehen. Ein großer Nachteil für viele Orte an der alten Route 66 und auch der nahen Interstate 40 ist, dass hier die Trasse der ‚Santa Fe Railway“ entlanggeht und teilweise die Orte regelrecht teilt. Außerdem macht die Bahn einen Höllenlärm und die Züge sind oft Kilometerlang und verkehren recht häufig. Die (sehr oft) skurrile Gesetzgebung hierzulande verlangt, dass die 2-4 Lokomotiven, die diese langen Züge ziehen, immer in Orten, an Bahnübergängen und bei allen Behausungen extrem laut tröten, hupen bzw. heulen müssen, dass selbst der 3 Meilen entfernte Coyote in seinen Bau einen gewaltigen Gehörsturz bekommt. Das ist so unglaublich nervig für das unvorbereitete Ohr, dass man schnellstens versucht, diese von ständigen dröhnen und pfeifen verseuchten Orte wieder zu verlassen. Man hört das Stahlross vor allem nachts bis sehr weit hin und manche Hotels werben schon mit Lärmdämmung gegen diesen Schienenterror. Im (wilden) Westen begegnet uns die heulende Bahn immer wieder und wir müssen beim Suchen nach guten Schlafplätzen immer darauf achten, einige Klafter zwischen uns und das rumorende Dieselross zu bringen. So viel Oropax gibt es gar nicht!

Weiter nördlich passieren wir mit Window Rock die Hauptstadt der Navajo Nation. Die Reservate der Navajo und Hopi haben die größte Ausdehnung (ihrer Art) im amerikanischen Westen und in Window Rock findet man viele, teils sehr moderne Verwaltungsgebäude der Indianer. Die Infrastruktur schwankt hier zwischen Topmodern und schrecklich nachlässig, zwischen wunderbaren Bibliotheken, Meetingpalästen und auch vielen heruntergekommenen, verfallenen Gebäuden. Ein ganz eigenartiger Mix und viele Häuser in der weiten, roten Prärie stehen einsam und oft mit einer Entfernung von 1-2 Kilometern zu dem Nachbarn. Überall kann man hier wild laufende Pferde sehen und Vorsicht beim Autofahren ist immer geboten. Die Gebiete der First Nations haben ihre eigenen Gesetze, eigene Polizei und separate Straßennummern und –Zeichen.

Ganz auf diesem Gebiet liegt einer der schönsten Canyons des gesamten amerikanischen Westens und unser nächstes Ziel: Canyon de Chelly National Monument. Sicher spielt dabei eine wichtige Rolle, dass der CdC. nicht die gigantische, unfassbare Größe und Tiefe des Grand Canyons hat. Man kann diesen hier zwar auch nicht so einfach überschauen, aber die Dimensionen sind noch gut vorstellbar, mit einer Größe von 340 qkm.

Er liegt südlich des Monument Valley im Colorado Plateau und hat aus der Luft gesehen die Form eines Y, wird somit von 3 Haupt-Canyons gebildet, die immerhin auch 43, 29 und 16 km lang sind.

Eine Besonderheit ist hier, dass der Park und die Straßen oben an der Schlucht und auch die Aussichtspunkte von Nationalparkservice verwaltet werden, der Canyon unten jedoch gehört allein der Navajo Indian Reservation. „DeChelly“ leitet sich vom indianischen ‚Tseyi’ ab und bedeutet in Sprache der Navajo treffend ‚Felsschlucht’. Die geschäftstüchtigen Nachkommen der Ureinwohner haben das Alleinrecht für Touren im grünen Canyon und sowohl mit Jeep als auch zu Pferd sind diese Angebote recht kostspielig. Ganz besonders für Langzeitreisende wie uns, die vom Preis einer solchen dreistündigen Unternehmung sonst einige Tage leben können.

Einzige Ausnahme ist ein schöner Wanderweg in den 350 Meter tiefen Canyon zu den „White House Ruins“, bei dem man durch den Grund der malerischen Schlucht zu den letzten Überbleibseln der Anasazi-Zeit gehen kann.

Diese waren die Vorgänger der Navajos und lebten in den Felspueblos im Canyon, teils versteckt in der Wand, nur durch Leitern erreichbar und schwer zu fassen für die spanischen Eroberer. Nur durch Verrat und die Kraft und Überlegenheit der spanischen Feuerwaffen konnten die Ureinwohner in ihren Felsfestungen letztlich besiegt werden.

Heute leben die Navajos von der Landwirtschaft im milden, angenehmen Klima im Canyon. Es ist sehr grün dort unten - im sonst recht trockenen Wüstenland - und die Temperaturen sind 10-15 Grad höher als am oberen Rand der Schlucht.

Schon die Einblicke in den Canyon deChelly sind beeindruckend. Von unten (und beim heruntergehen) bietet sich eine rot-grün-blaue Farborgie aus leuchtenden Fels aller Rotbrauntöne, den strahlend blauen Himmel und dem Grün der Plantagen auf dem Boden der Schlucht. Ein wunderschönes Stück Erde inmitten von vielen hundert Kilometern trockener Halbwüste drum herum.

Wir gehen in den Canyon runter und die Strecke führt durch zwei kleine Naturhöhlen-Durchgänge und oft über den mehrfarbigen, zerschrammten Navajo-Sandstein ins Tal. Mit den Wegen bis runter in die Schlucht ist man ca. 4-5 km unterwegs und man sollte auf Grund der vielfältigen Reptilienwelt hier feste Schuhe tragen. Ansonsten gehört diese Tour zum Boden des Canyon deChelly (auch wegen dieser grandiosen Felslandschaft) zu einer der schönsten im gesamten amerikanischen Westen, nur ist der Canyon ein wenig abgelegen und nicht so bekannt wie großen Nationalparks.

Der ganz besondere ‚Hingucker’ ist immer noch - fast am südwestlichen Canyon-Ende - der schlanke Felsendoppelturm des „Spiderrocks“, der wie ein von Geisterhand erschaffener Wolkenkratzer (von Canyongrund gesehen) aus roten Stein inmitten der Schlucht thront. Und der eine Höhe von ca. 240 Metern erreicht! Was für ein Anblick.

Hier wurde einer der schönsten, klassischen Westernfilme gedreht: „MacKennas Gold“ über die Jagd der weißen Eroberer nach den gelben Edelmetall. Der Streifen ist zwar schon 44 Jahre alt und die Erdbebentricks sind längst museumsreif, aber die Naturaufnahmen sagen einiges über den Canyon aus und die Besetzung des Films war mit Gregory Peck, Omar Sharif und Telly Savalas u. a. wirklich bestens.

Als wir zurück zum Campingplatz kommen, trauen wir unseren Augen kaum. Hier fahren gerade zig’ silberne Zigarren ein. Die rundgelutschten, silbernen klassischen Wohnanhänger sieht man sonst immer seltener. In den 60er bis 80er Jahren des 20. Jh. waren gerade diese Wohnanhänger DAS Symbol für die Bird People, die mit ihren Gefährten sommers gen Norden und im Winter wieder nach Süden zogen. Der Kontinent ist groß genug dafür und einiges von dieser sagenhaften Weite konnten wir in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls kennenlernen.

Viele der Bird People haben ‚Haus und Hof’ verkauft und sind auf ein Leben ‚Auf Achse’ umgestiegen, wenn man nur irgendwie noch so fit war um in so ein Mobil einzusteigen. Ein Kult, eine Lebenseinstellung – und Anschauung und ein Traum. Auch das GEO-Magazin in Deutschland hatte mal in einem tollen Beitrag über das Leben dieser Bird People gebracht. Jetzt sind wohl über 90% der klassischen ‚Silberzigarren’ durch modernere Anhänger (von noch verrückteren Dimensionen) ersetzt worden und wir können hier wahrscheinlich ein Veteranen-Treffen der ‚Airstream’ -Anhänger (so heißt die Firma) beobachten. Viele der ‚Airstreams’ stehen schon am Camp und eine lange Schlange davon kommt noch, baut hier große Teile des Campingplatzes voll und wir bekommen gerade noch einen Stellplatz. In so einer Konzentration haben wir diese glänzenden Teile noch nie gesehen.

Am nächsten Tage zieht uns der Petrified Forest Nationalpark nach Süden und auf dem Wege dorthin besuchen wir einen historischen Ort im Indianerland, die ‚Hubbell Trading Post’. Diese war mal einer der bedeutendsten Handelposten und Mittler zwischen den weißen Siedlern und den Ureinwohnern.

Der Geschäftsmann J.L.Hubbell begann 1876, ein eigenes Handelsimperium aufzubauen. Er belieferte die Navajos, förderte deren Kunsthandwerk und hatte damit großen Erfolg. Er arbeitete als Vermittler zwischen den Kulturen und der Laden, der Handelshof und ein Visitorcenter unter Navajo-Führung sind heute an dieser Stelle zu besichtigen. Noch heute (!!) wird das Geschäft im Sinne von Hubbell weitergeführt und alle Einnahmen gehen an das Unterrichts- und Forschungsprogramm des Navajo-Parkdienstes.

Wir fahren weiter nach Süden und langsam ändert sich die Farbe der trockenen Landschaft. Die Berge und Prärien leuchten je nach Region, Gesteinsart und Status der Verwitterung in allen Farben - wir kommen in das „Painted Desert“ Arizonas.

Es gibt ja einige Stellen im Westen, wo die Wüste in so vielen Farben leuchtet und hier kommen die vielen versteinerten Baumstämme an der Oberfläche noch hinzu. Dieses Land ist teils wie aus der Zeit der Saurier in Stein erstarrt und die ehemaligen Bäume (der damals sumpfigen Gegend) sind durch Kieselsäure und Luftabschluss versteinert, teils regelrecht opalisiert und glänzen in allen Regenbogenfarben.

Durch geologische Verwerfungen kamen einige dieser Stämme wieder an die Erdoberfläche und heute kann man viele davon hier im „Petrified Forest“ bewundern. Überall warnen Schilder, keine ‚Souvenirs’ mitzunehmen und das bei Androhung hoher Strafen.

Wer will, der kann dann versteinertes Holz ringsum in vielen, lizenzierten Shops erwerben, der Park macht Geschäfte damit und die Indianer auch. Schon wieder unreal anzusehen sind die verschiedenen Formen der Mesas (Hochplateaus), also der farbigen Verwitterungsgebiete.

Am bizarrsten fanden wir die Region der „Blue Mesa“, wo sich die Ablagerungen aus verschiedenen Erdzeitaltern in Lila, Blau, Rosa – dazwischen grau, leuchtend weiß und rot - in waagerechten Streifen durch die Hügel dieser (wieder einmal skurril schönen) Landschaft ziehen. Hier hindurch ging einmal die historische Route 66, aber davon ist auf dem Territorium des Nationalparks gar nichts mehr übrig, keine Trasse, kein Asphalt, kein Rest, nur ein Denkmal Anhand eines verrosteten Oldtimers und ein Schild an der Straße weisen darauf hin.

Als wir abends, wieder mal geplättet von den visuellen Eindrücken des Parks, dessen Grenzen verlassen, sind wir uns noch nicht bewusst, dass wir den (vorerst?!) letzten Tag des amerikanischen Nationalparksystems erleben, die Stimmung war schon die letzten Tage bei den ‚Offiziellen’ irgendwie gedrückt. Am nächsten Morgen empfängt uns (und evtl. 100.000de andere) Reisende, Touristen und Besucher überall im Land dasselbe, nette Schild an allen geschlossenen, verrammelten Parkeingängen: Closed!!! – Geschlossen - (Wegen Zahlungsunfähigkeit der Regierung).

Es ‚lag in der Luft’, war möglich, vielleicht wahrscheinlich, aber dass es tatsächlich im vollen Umfang und mit diesen Konsequenzen eintritt, das war nicht unbedingt sicher. Bisher wurde immer kurzfristig ein Kompromiss gefunden, aber diesmal ist am 1. Oktober 2013 Schluss mit lustig. Über 400 (!!) Nationalparks, Monumente, Museen, inklusive vieler Erholungsgebiete, (sogar öffentliche Toiletten, Picknickplätze – in nationaler Verwaltung, wie wir später feststellen müssen) alles ist abgesperrt. Große, erhebliche Teile der nordamerikanischen Naturwunder sind verriegelt, verrammelt, mit Schlagbäumen und Ketten abgesichert und von einem Notkontingent von Rest-Rangern tatsächlich bewacht und keinem mehr offiziell zugänglich. Das dadurch ja noch mehr Einnahmen verloren gehen, Ansehen und Image geschädigt wird, scheint nicht zu interessieren. Nun, wir werden erst mal nach Alternativen suchen (State-Parks haben noch geöffnet) und es heißt abwarten, aber für diejenigen, die hierher für einen 2-3 wöchigen Urlaub gekommen sind, um die Parks zu besuchen, ist es noch viel bitterer. Wer noch z.B. nie am Grand Canyon war, wer vielleicht einige Monate, gar Jahre geplant hatte, gespart für den Flug und dann hier vor verschlossenen Türen steht, der ist zu recht darüber frustriert, was ein politischer Streit so alles zunichtemachen kann.

Wir fahren erst mal zur historischen Route 66 oder dem, was davon übrig ist, gen Westen. Glücklicherweise ist hier noch nicht alles geschlossen, was von touristischen, naturellen oder geschichtlichen Interesse ist. Der Himmel ist tiefblau, es weht eine frische Herbstbriese und ein einzelner Dornenball wird mit einem ‚Staubteufel’ über den trockenen Highway geblasen. Der Liter Sprit kostet immer noch ca. 90 Eurocent, MacDonalds verkauft weiterhin pappige Burger und die Erde dreht sich (vorerst) weiter.

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