Von Utahs Naturbrücken & Gänsehälsen in Stein, den Bauten der Anasazis in Colorado bis zu den Hoodoos in den Badlands von New Mexico

(unsere Reiseroute)

Da hatte jemand glücklicherweise (vorübergehend) vergessen, Geld in die ‚Gewittermaschine’ einzuwerfen und so hatten wir einige sonnige Tage zur Verfügung.

Als erstes geht unser Weg zu einem eher kleineren Nationalmonument. Im ca. 2.000m über dem Meer gelegenen „White Canyon“, auf dem Hochplateau vom San Juan Country in Utah, kann man drei Natural Bridges bewundern, die sehr unterschiedlich geformt sind. Im Jahre 1908 wurde dieses Nationalmonument bereits gegründet und die Namen der Steinbögen stammen aus der Sprache der Hopi Indian Nation.

Die Brücken sind schon vom Canyonrand zu erkennen, aber so richtig entfaltet sich deren Schönheit, wenn man sie von unten anschauen kann. Dazu gibt es drei Wanderwege, die teils eng am Abgrund der Schlucht, manchmal quer über verwitterte, braunrote Steinflächen und auch zwei bis dreimal über Holzleitern auf den Boden des White Canyons führen. Für jede Strecke braucht man, wenn man sich Zeit nimmt, Fotostopps macht und die Landschaft genießt, so ca. 1-1,5 Stunden hin und zurück.

Die erste Tour, die wir uns vorgenommen haben, führt zur Sipapu Bridge, eine der größten ihrer Art überhaupt, auch der Weg herunter ist der anspruchsvollste, aber auch schönste. Die Höhenunterschiede werden hier zum großen Teil durch Steigleitern und in den Fels gebaute Metalltreppen überwunden, ansonsten führt die Strecke teils im Schutz der Felsüberhänge langsam nach unten, wo man bestens unter die gewaltige Brücke kommen kann.

Nr. 2 ist die Kachima Bridge. Der Weg an sich ist etwas steiler und geht teils über recht glatte, schräge Sandsteinfelsen. Unten am Fluss wird es durch die Überschwemmungen der letzten Tage schwer, durch den Morast zu kommen und den Fluss zu überqueren, der in breiter Front alle Wege, Schilf und andere Pflanzen niedergewalzt hat, aber man findet zugängliche Stellen. Sicher ist gerade hier die Situation durch das Wetter immer mal anders. Die Kachima Bridge ist von ihrer Entstehung her deutlich ‚jünger’ und hat noch nicht so einen weiten Bogen ausgebildet wie die Nr. 3, die Owachomo Bridge.

Insgesamt alle sehenswert und ein gutes Tagesprogramm. Ist der Boden des White Canyons trockener, kann man die drei Brücken auch mit einer Tour unten am Fluss verbinden.

Eine schöne Teerstraße – die Utah State Hwy 261 – führt uns dann nach Süden in Richtung Monument Valley. Es wird dabei, zu Beginn der Strecke, komischerweise vor ‚extrem engen, steilen Passagen’ gewarnt und sogenannte ‚Oversize’ - Mobile sollte die Trasse eher nicht fahren. Der Grund: Nach 40 Kilometern hört die schöne Asphaltpiste plötzlich auf und man steht vor einer riesigen Abbruchkante und 400 Meter tiefer erstreckt sich das „Valley of the Gods“. Einziger Weg weit und breit ist die berüchtigte „Moki Dugway“ – eine echt spektakulär in den senkrecht abfallenden Fels gegrabene Schotterpiste, die von ihrer Art her eher nach Südamerika passen würde.

Wir sind diese verrückte Strecke schon mal (vor vielen Jahren) von unten angegangen. Auch das ist ein Erlebnis, zumal, wenn man von Süden her auf den breiten Felsabbruch zufährt und man sich lange gar nicht erklären kann, wie und wo (!!) da eine Straßenverbindung nach oben funktionieren soll. Man kann die Straße aus der Entfernung erst einmal gar nicht als solche erkennen.

Bei extremen Wetter oder im Winter sicher ein gefährliches Wagnis, aber jetzt fährt es sich jedoch ganz gut nach unten. An manchen Stellen muss man allerdings dem Gegenverkehr Platz lassen, denn einige Passagen sind schmal und eng an der Schlucht, Sicherungen oder gar Leitplanken sind da eher europäischer Luxus. Unten geht, als wäre nix gewesen, die Highway 261 asphaltiert weiter und nach wenigen Minuten führt eine kleine Stichstraße zu einem neuen, einmaligen Aussichtspunkt:

Die Goosenecks - auf Deutsch: die Gänsehälse. Warum, das sieht der staunende Reisende an Ende der Zufahrt. Der San Juan River hat hier ein Naturphänomen der ersten Klasse geschaffen. Steil, fast senkrecht und in sehr engen Schleifen hat er sich tief in den vielfarbigen Sandstein von Millionen Jahren (und vielen Schichten) gegraben, so dass dieses Gänsehalsähnliche Gebilde tief in die Erdgeschichte eingefräst wurde.

Hier gibt es kein Zollhäuschen, kein Infozentrum, nur einen Picknickplatz mit Toilette und immer wieder ein Kopfschütteln aller Ankommenden angesichts dieser Schlucht. Und eines Flusses, der sich nicht den kürzesten, einfachsten Weg nimmt, sondern solche irren Schleifen bildet.

Dann kommt sie, die Straße mit der (gedachten) ‚Marlboro-Werbung’ und wir fahren in die Navajo-Indian-Reservation an der Grenze zwischen Utah und Arizona.

Der letzte Ort, bevor es auf First-Nation-Gebiet geht, ist Mexican Hat am San Juan River, der allerdings außer Übernachtungsmöglichkeiten nicht viel zu bieten hat. Nun ja, außer dem Anblick des namengebenden Felsen.

Die Tafelberge des Monument Valley kann man schon von weitem sehen, dieses weiträumige Tal (was ja eigentlich ein Hochplateau ist!) strahlt schon einen ganz besonderen Reiz aus und macht flächenmäßig weit mehr aus, als man sich von den bekannten Fotos und den Aufnahmen von allen, möglichen Western oder Werbefilmen her vorstellt.

Längst gibt es hier einen Navajo-Tribal Park mit eigener Verwaltung, Besucherzentrum, einem recht neuen (kaum passenden?) Hotelklotz und einem informativen Museum.

Man löhnt 5 Dollar Eintritt pro Nase und darf dann auch (theoretisch) die Buckelpiste durch den Navajo-Tribalpark zwischen den Felsentürmen befahren. Überall warnen Schilder ‚Auf eigene Gefahr’ und nicht ohne Grund, denn die Lehm- Buckel- Stein-Piste ist abartig schlecht!! Wir haben das 1996 mit ‚normalen’ Mietauto mal probiert und uns fast die Achse gebrochen. Die Rumpelpiste wird absichtlich nicht verbessert, denn die Navajos verdienen bestens mit ihren eigenen Jeeptouren, die sie an einer Bretterbude am Parkplatz anbieten. Wir jagen unsere Esmeralda diesmal nicht über die murksigen Steine der roten Männer und genießen den Blick über die weite Ebene und das legendäre Tal. Sehen zu, wie sich die ‚normalen’ Straßen-PKW den Weg entlang quälen und beobachten, wie einige ‚Probanden’ nach zurückgelegter Tour ihren Wagen von unten mustern, ob denn der Auspuff noch dranhängt. Man sollte diese Strecke nur mit einem Jeep zurücklegen.

Schöne Tafelberge gibt es noch bis weit hinter Kayenta zu sehen und wir fahren vom Navajogebiet erst mal in Richtung Colorado, nach Cortez, dem Ausgangspunkt zum Mesa Verde Nationalpark.

 

Der Weg nach Cortez führt durch knochentrockene Halbwüste und am Horizont erstrecken sich immer wieder Gebirgsketten, vereinzelte Tafelberge und richtig imposante Türme erheben sich in dem sonst recht flachen, sandig- felsigen Land. Cortez selbst ist glücklicherweise von den schlimmen Überschwemmungskatastrophen verschont geblieben, die den Bundesstaat Colorado so heftig getroffen haben, vor allem um den Rocky Mountains Nationalpark und nördlich der Hauptstadt Denver. Den Gebirgs- und Wintersportort Boulder hat es ganz besonders schlimm erwischt und es werden noch hunderte von Menschen nach der Flutkatastrophe vermisst, die Flaggen stehen auf Halbmast.

Cortez ist eine, nach amerikanischen Verhältnissen bemessene Kleinstadt, die wir zur Versorgung nutzen. Am nächsten Tag fahren wir zum nur wenige Meilen entfernten Mesa Verde National Park, wo wir wieder unseren Parkpass benutzen können.

Die Mesa Verde kann man sich als riesiges Hochplateau in dieser Wüstenebene vorstellen, aber die über 600 Meter hohe Erhebung ist nicht einfach nur ein ‚Tafelberg mit etwas Wald drauf’, sondern hat die Größe eines Landkreises, oder anders gesagt 210 qkm groß ist. Das ist ein komplett eigenes kleines Land, in dem die Vorgänger der vorwiegend nomadischen, indianischen Völker, zu Hause waren. Die Anasazi hatten, ganz im Gegensatz dazu – in festen, gut entwickelten Felspueblo-Siedlungen gelebt.

Der Park und diese Mesa ist das größte, kulturhistorische Schutzgebiet der USA mit ca. 4.000 archäologischen Stätten der Anasazi-Völker. Diesen Namen bekamen die Anasazi von den Navajos, die die Reste dieser Siedlungen im 16. Jahrhundert erstmals wiederentdeckten.

Seit ca. 600 n. Christi war diese Mesa von den vermutlich ersten Amerikanern besiedelt, bis ins Jahr 1200 wuchs eine erstaunliche Kultur und die bekannten Felsenwohnungen, die „Cliff Dwellings“ entstanden aus den ersten, einfacheren Siedlungen mit ihren Grubenhäusern. Für die damalige Zeit wurden perfekte Bewässerungssysteme entwickelt, Versorgungs- und Vorratswirtschaft betrieben, eine (für damals) phänomenale Hochkultur. Bis heute ist weitestgehend ungeklärt bzw. widersprüchlich, das diese komplexen, gut entwickelten Felsenstädte der Anasazis um 1300 n. Christi vollkommen verlassen wurden. Warum und falls, wohin das Volk damals verschwunden war, ist Raum von weiten Spekulationen und eines der ungeklärten Rätsel der Geschichte. Wir möchten die Leser unserer Homepage aber nicht mit zu vielen Geschichtsdaten nerven, man kann diese Story(s) ja bestens auch in GEO, National Geographic oder Wikipedia nachlesen. Ein Besuch der 2.600 Meter hohen Mesa ist sicher vor allem relevant für Kultur-historisch interessierte Reisende und möglicherweise eine Wiege der amerikanischen Zivilisation.

Die heute teils noch gut erhaltenen Felsenstädte der Anasazi sind schon von ihrer Lage im Fels der Mesa her recht eindrucksvoll. Das schön gelegene Museum hat reichlich Exponate aus dieser Zeit und es gibt einige Kletter- und Kraxelwege über Holzleitern zu den abenteuerlich gelegenen Felspueblos. Allein die Größe des Hochplateaus ist eindrucksvoll, wenn man die Wege darüber zurücklegt und versucht, nachzuvollziehen, dass (und wie!) vor 900 Jahren alles hier hoch gebracht werden musste und sich hier eine weitestgehend autarke und lange unentdeckte Kultur entwickelte. Es gibt eine tolle Parkstraße auf dem Plateau und oben sogar Campingmöglichkeiten und eine Lodge.

Am späten Nachmittag dann kündigt sich das nächste Unwetter an und fette tiefdunkelgraue, schwarze bis fast gelbe (!!) Sturmwolken ziehen sich zusammen. In bereits sintflutartigen Regen mischt sich später immer wieder so extremer Hagel, dass die Verbindungsstraße nach Durango vorübergehend weiß wie im Winter aussieht. Wir werden mehrfach zum Stopp gezwungen, so heftig knallt der Hagel runter. Nach 28 Grad auf dem Mesa Verde Plateau stürzt die Temperatur auf ca. 5 Grad und ein Gewitter jagt das andere. In Durango zieht sich eine weitere Wolkenwalze zusammen und es blitzt fast ohne Unterbrechung.

Wir düsen etwas nach Süden und überqueren die Staatsgrenze nach New Mexico.

Unser Ziel: Farmington, NM und Ausgangspunkt für das nächste, ganz andere Naturabenteuer. Zwei Sachen sind dieses Mal zusammengekommen: Wir sind fast (!) in der richtigen Gegend und entdeckten in den letzten Tagen bei der Suche nach außergewöhnlichen Orten eine ganz spezielle Sache, die sich in teils recht weit abgelegenen Wildnisgebieten von New Mexico ‚versteckt’ hat. Dank der (raren) Berichte einiger Fotografen und Interessierter sind wir auf die Bisti-Wilderness aufmerksam geworden.

De-Na-Zin heißt dieser Landstrich auch, aus der Sprache der First Nation, und ist kein Park (in dem Sinne), es gibt keine Straßen oder Wege. Nur einige Tipps existieren und einfache Karten und GPS Daten gibt es im Net. So fahren wir eine etwas rumplige Zufahrt zu einem der verrückt-unglaublichsten Naturphänomene, welches wir auf unseren Touren um die Welt bisher kennengelernt haben.

Eine verwitterte Erosionslandschaft, fast so bizarr schön wie unwirklich, gibt es dort zu sehen, wenn man sich die Zeit nimmt und mal einige Stunden loswandert. Wir haben im Vorfeld extra noch das „Field Management Office“ in Farmington besucht und uns mit etwas Kartenmaterial eingedeckt. Natürlich ist das Office wieder mal umgezogen und wir fahren einige Zusatzmeilen durch den sehr langgezogenen Ort.

Wir finden dann aber freundliche Hilfe bei einer Beamtin der speziellen Landschaftsbehörde. Und sogar noch bei einem - gerade zufällig vor Ort weilenden - sehr dunkelhäutigen Indianer, der uns sogar eine kleine Skizze vom De-Na-Zin zeichnet und seine Tel-Nummer für eventuelle, weitere Fragen aufschreibt. Seine Frau kommt aus Deutschland und er war in den 1970ern bei der ‚Army’ in Germany und schwärmt immer noch von Nürnberg und Umgebung. Wir treffen hier immer wieder Leute, die sich (gerne!) an ihre Garnisonszeit zwischen Bremen, Heidelberg und Garmisch-Partenkirchen erinnern und werden wegen unseres Fahrzeuges und der deutschen KFZ-Nummer angesprochen.

Am nächsten Tage sind wir recht gespannt unterwegs in die ‚Wilderness-Region’ um Bisti/De-Na-Zin. 1,9 Meilen Schotterpiste weg von der Landstraße und nur ein kleines Schild, dann ein etwas improvisierter Parkplatz, einige Fußspuren in der trockenen Einöde kann man noch erkennen und man ist da. Trügerisch trocken, denn wenn es die Tage vorher geregnet hat und dann wieder warm war, ist die erste Schicht Lehm oben vermeintlich fest. Darunter, besonders in den vielen, wilden Washes (trockenen Flussbetten) dieser Badlands ist es oft noch schmierig-schlammig.

Wir machen abends eine erste, schon sehr vielversprechende, kleinere Tour (leider verschwindet die Sonne mittlerweile schon wieder um 19:15 hinter dem Horizont) in die ersten Seitentäler der Märchenlandschaft.

Was noch zur besonderen Stimmung beiträgt, ist, dass wir ein Kamerateam in dieser Erosionslandschaft beobachten, wie es dort ein Musikvideo für einen regionalen Künstler aus Santa Fe aufnimmt. Natürlich fragen wir die Crew in der Dämmerung, was sie da grade gebastelt haben und bekommen den Namen der Künstlers und auch den geplanten Titel des Clips genannt: „Mars“. Sieht man diese ungewöhnliche Szenerie inmitten erodierten, Millionen Jahren alten, verschieden festen Ablagerungen aus der Zeit der Saurier, ist diese Vorstellung nicht mehr so abwegig, zumindest in der Phantasie. Denn so genau kann natürlich noch keiner sagen, was mögliche Besucher auf dem roten Planeten erwartet, klar.

Was die Natur hier geschaffen hat, ist für den begeisterten Fotografen schon ein Rausch an Formen und Figuren, die je nach Betrachtungspunkt und Sonneneinstrahlung in den Seitentälern auf Entdeckung warten.

Am zweiten Tage sind wir über 5 Stunden in dieser verrückten Wildnis unterwegs und absolut begeistert von dem, was sich uns hier bietet. Wir finden die sogenannten „Cracked Eggs“, das „Eagles Nest“ und die „Stadt der Hoodoos“ neben vielen anderen, immer wieder überraschenden Figuren im Labyrinth der großen und kleinen Seitentäler.

Erst als die Mittagshitze voll zuschlägt, kaum noch Schatten zu finden ist und unsere 2 Liter Wasser für Jeden getrunken sind, kehren wir langsam und voller besonderer Eindrücke wieder zur der in der Sonne brütenden Esmeralda zurück, die uns mit einem beruhigenden Summen des kleinen Kühlschranks erwartet. Unser Home Sweet Home.

Am späten Nachmittag startet Tomy noch einmal einige Kilometer zu einer zweiten, beschriebenen Stelle mit vielen, interessanten Auswaschungen und Hoodoos auf schwarzen Sockeln, die an dieser besonderen Stelle darauf hinweisen, dass es hier immer noch massive Kohleadern gibt, welche hier stellenweise an die Oberfläche kommen.

Nur bedeckt mit den verschiedenen, viel helleren Gesteinsschichten und den rotbraunen, den Sockel oft schön überragenden Hoodoo-Köpfen. Die Formen dazwischen lassen der Phantasie Spielraum für den Vergleich zu allen möglichen Tierarten und auch eher außerirdischen Erscheinungsformen.

Uns kommen bei dieser Gegend immer wieder mal die ‚Aliens’ – Filme von James Cameron in Erinnerung. Man könnte hier tatsächlich einige Szenen drehen, die auf anderen Planeten spielen, aber das passiert wiederum hoffentlich nicht, denn die fragilen Erosionsformen würden dann wahrscheinlich beschädigt oder zerstört.

Mit unseren kleinen Bericht über die Bisti-Wilderness endet dieser Teil. Wir haben noch von weiteren, noch abgelegeneren Badlands gehört, wo sich ähnliche schöne Bilder bieten. Und Santa Fe wartet auf einen Besuch, die Hauptstadt von New Mexico.

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