Durch die Grand Tetons in Wyoming nach Utah

(unsere Reiseroute)

Nur einige Meilen nach der südlichen Parkgrenze des Yellowstone, erhebt sich eine mächtige Hochgebirgskette. Die höchste Erhebung der USA (außer in Alaska) befindet sich hier in den Grand Tetons.

Die Plattentektonik, also die Auffaltung der Erdkruste durch die Verschiebung der mächtigen, amerikanischen Kontinentalplatten, hat diese gewaltigen Steinriesen sozusagen ‚aufgebaut’ und der namensgebende Hauptgipfel hat aktuell eine Höhe von 4.198 Metern. Umrahmt von einigen, sehr schön gelegenen Bergseen ist hier schon im Jahre 1929 ein traumhafter Nationalpark entstanden.

Wir kommen hier ein wenig zur Ruhe und erwandern ein Stück des Ostufers am Jenny Lake und besuchen die hier reichlich vorhandenen Visitorcenter. Es gibt ja immer Ausstellungen zu sehen und viele aktuelle Weg- und Wetterinformationen zu erfragen. So ist im Süden des Grand Teton Nationalparks ist ein riesiger, neuer Bau seiner Art entstanden.

In der jüngeren Vergangenheit wurde ja schon öfters über die Zukunft des hiesigen, nationalen Parksystems spekuliert, auch mit dem Hintergrund der vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit des Staates durch die Schulden (Was die Europäer können, machen die Amerikaner schon länger erfolgreich – also Schulden. Überrascht). Was hier an Bauwerken so zu sehen ist, deutet rein optisch eher auf eine gute Finanzlage hin. Wir sehen auch überall viele Beamte der Nationalparkverwaltung und (auch im Yellowstone) viele Parkranger. Alles, was sich in den letzten Jahren (stark) geändert hat, sind die Preise, denn die haben sich teils verdreifacht, sowohl die Einzeleintritte, als auch die Jahreskarten und vor allem die Preise der Campingplätze sind in die Höhe geschossen (Wie eine Cola nach einträufeln von Brausepulver…). So war 1994-98 ein einfacher Platz ‚im Grünen’ ohne jeglichen Luxus, Service, das pure, blanke Stück Boden noch locker für einen einstelligen Dollarbetrag pro Nacht und Campsite zu beziehen, das ist jetzt unter 15$ nicht mehr vorstellbar. Meist wird aber zwischen 23 und 28 Dollar verlangt und da ist dann auch nichts weiter drin enthalten, oftmals nicht mal eine Möglichkeit zum Duschen. Der „Golden Eagle Pass“ war mal 25 Dollar wert, jetzt gibt es den ‚Annual Pass’ und der ist für 80$ zu haben. Dafür kann man dann aber auch 1 Jahr lang alle US-National Parks und –Monumente mit dem jeweiligen Vehikel der Wahl besuchen, Insassen eingeschlossen und das ist ja doch in der heutigen Zeit eine relativ preiswerte Angelegenheit.

Südlich der Tetons liegt das Städtchen Jackson. Der in hölzerner Wildwestmanier gezimmerte Urlauberort lebt prächtig von den angrenzenden Nationalparks und dem regen Durchgangsverkehr.

Es gibt hier reichlich Künstlerateliers, Galerien und eine große Masse an Unterkünften aller Preisklassen, auch die „Million Dollar Western Bar“ als Lifemusikattraktion gibt es noch! Klar besuchen wir die rustikal ausgestattete Großkneipe mit den Pferdesätteln an der Bar noch einmal, nachdem wir 1994 hier einen bewegten Abend verleben durften.

Die spätere Fahrt durch das zentrale Wyoming wird eher ruhig, das Hochland ist trocken und es gibt alle Variationen von Farmen zu sehen. Wenn man ausgerechnet an einem Sonntag unterwegs ist, dann ist hier noch weniger los und das heißt, die Orte sind fast ausgestorben und knacken oder dösen in der trockenen Hitze so vor sich hin. Man fährt sonntags mit Kind und Kegel und seinem Pickup zur Kirche, wie die vielen Allradgetriebenen Fahrzeuge vor den verschiedenen Gotteshäusern bezeugen.

Im Städtchen Afton grüßt uns, wie auch schon in Jackson, ein schöner Bogen Elk-Geweihe, allerdings hier in Afton direkt über der Hwy 89. Es gibt ja nördlich von Jackson, schon seit vielen Jahren ein Schutzgebiet der Hirsche. Die Tiere kommen immer wieder an ihre bekannten Stellen (also als Winterquartier) zurück und lassen nach „Ablauf“ dann auch oft ihren Kopfschmuck da. Von den vielen abgeworfenen Geweihen sind dann diverse Kunstwerke entstanden, die vor allem Jacksons Stadtpark gleich an allen 4 Seiten schmücken.

Am großen Bear Lake zieht sich die Staatsgrenze zum Mormonenstaat quer durch den See. Wir überqueren den Logan Pass (mit fast 2.500 Metern) und sind in Utah! Das Land der roten Felsen und Canyons wird uns länger in Anspruch nehmen.

Da Esmeralda etwas schwächelt, lassen wir nördlich von der Hauptstadt unseren Kraftstoff, -also Dieselfilter wechseln, erneuern den Luftfilter und das Motoröl, auch, wenn es traurigerweise nicht mal Ersatz-Ölfilter für den Mitsu gibt. Danach läuft der Turbodiesel wieder besser am Berg.

Salt Lake City ist mal ausnahmsweise die größte Stadt des Landes, welche auch gleichzeitig die Hauptstadt ist. Sie liegt auf ca. 1.350 Metern in einem großen Bergkessel und wurde natürlich durch die dort ansässigen Mormonen bekannt. Sie kommt uns insgesamt erstaunlich ruhig vor. 1847 wurde der Ort von den Mormonen gegründet, ca. 190.000 Menschen leben jetzt in der recht übersichtlichen, sauberen Innenstadt und im gesamten Ballungsregion sind es dann schon 1,1 Millionen.

Wir sehen uns in aller Ruhe die Anlage um den Haupttempel (der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage) an und können im Verwaltungsgebäude, welches die City überragt, sogar eine Privatführung haben. Der Aufzug bringt uns in den 26. Stock und die nette Dame erklärt uns einiges über die Geschichte der Stadt. Die Auswirkungen der Waldbrände im Yosemite-Nationalpark sind bis hier zu sehen und ziehen sich als grauer Smog am Horizont entlang. Der weiße, eindrucksvolle Haupttempel der Mormonen ist nur für Kirchenmitglieder zugänglich und wird unter anderen für große Feiern benutzt. Im südlichen Besucherzentrum kann man sich ein Replik des Gebäudes im Schnitt ansehen und Informationen über die Innengestaltung geben lassen. Alles wirkt recht ungewöhnlich für einen Sakralen Bau. Aber sehr interessant.

Lange möchten wir in der Großstadt, wie immer, nicht bleiben, denn ein Naturschatz zieht uns magisch an. In 2 Tagen fahren wir auf teils ruhigen Nebenwegen zum Capitol Reef National Park. Schon der Weg ist auf dem letzten Stück ein Erlebnis, denn die roten Sandsteinklippen werden immer farbenfroher, die Prärie weitet sich wieder und das Farmland der ‚Red Cliffs’ kündigt das nächste Naturschauspiel schon von weitem an. Wir finden schöne und einsame Stellplätze und Gewitter toben in den Abend- und Nachtstunden, je nach Intensität kann man gut schlafen oder auch mal nicht.

Das Capitol Reef ist eine einzigartige, geologische Formation, die sich aus dem Riff eines Urmeeres gebildet und auf 2.500 Meter über Normalnull gehoben hat. Mit der Länge von über 160 Kilometern schon ein umfangreiches Gebirge, dass dann in den letzten Millionen Jahren durch Verwitterung diese gewaltigen Canyons und Felsendome gebildet hat. Im englischen nennt man diese Erscheinung „Waterpocket Folt“, also in etwa ‚Wassertaschen-Falte’. Die Paiute Indianer nannten die ganze Gegend sehr treffend „Land des schlafenden Regenbogens“.

Am Besucherzentrum gibt es eine Obstplantage, die sich als grüne Oase vor den roten Felsen des Parks ganz besonders gut farblich abhebt. Eine wirklich perfekt in die ungewöhnliche Szenerie eingepasste Panoramastraße führt über ein Hochplateau in ein Schluchtensystem, das sich Capitol Gorge nennt. Man muss hier dazu sagen, dass nur ein geringer Prozentsatz des Nationalparks in dieser Form erschlossen ist, um die Natur in dem Maße zu schützen, wie es notwendig erscheint.

Nach ca. 25 Kilometern hört auch die einzige, längere Asphaltstraße im Park auf und die Piste geht durch glühend roten Sand, über buchstäblich Stock und Stein weiter in einen engen Canyon.

Die teils hundert Meter hohen Wände scheinen immer enger zusammenzugehen und die Farbenspiele der Felsen in der sinkenden Sonne sind sagenhaft.

Alte Fels-Inschriften aus Zeiten, wo solche ‚Schmiererei’ noch nicht verboten war (und heute mittlerweile auch reichlich ‚blödsinnig’ erscheint), zieren die Wände bis in eine schwer erreichbare, erstaunliche Höhe von 10-15 Metern, die Daten der ‚Eintragungen’ und Namenszüge gehen auf über 150 Jahre zurück.

Die staubige Weiterfahrt durch diese enge Schlucht endet dann an einem Picknickplatz und hier ist auch für 4-Wheel Schluss.

Ein letztes Plumpsklo markiert das Ende der Zivilisation. Ab hier muss alles mitgenommen werden, und auch aus dem Park wieder herausgebracht. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und man kann in den Parks auch keinen Abfall herumliegen sehen – das fällt uns immer wieder positiv auf. Wir wandern einige Kilometer weiter in dieses Labyrinth der ‚Narrows’ – wie sie hier im englischen genannt werden, also teils sehr enge Felskluften, schmale Durchgänge, Seitentäler.

Immer wieder tauchen neue ‚Kathedralen’ aus roten bis goldgelb leuchtenden Gestein auf, die man am Ausgang der Seitentäler sieht, die Einblicke und Lichtspiele in der engen Schlucht werden immer fantastischer. Wasser und feste Schuhe sollte man auf so einer Tour nicht vergessen. Leider müssen wir irgendwann wieder an den Rückweg denken, denn die Tage werden kürzer und spätestens vor Einbruch der Dämmerung wollen wir zurück bei unserer Esmeralda sein.

Auch die abendliche Ausfahrt aus dem Capitol Reef Park ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Dimensionen dieses ‚Waterpocket Folt’ sind schon gewöhnungsbedürftig und auch weiter außerhalb der direkten Parkgrenzen geht der landschaftliche Zauber in voller Pracht weiter.

Die Felsen leuchten in allen Rottönen bis ins hellviolett hinein und wir finden nach ca. 30 Minuten Fahrt einen ruhigen Platz, etwas abseits der Nebenstraße. Das Leuchten der Sterne hier draußen wird von keiner Ortschaft oder einer anderen Lichtquelle beeinträchtigt und die einsame Ruhe in dieser hoch gelegenen Wüste wird nur noch von dem nächtlichen Konzert der Zikaden unterbrochen.

Wieder einmal können wir feststellen, dass nicht nur die allerorts bekannten, weltweit von Fotos und Filmen bekannten Parks wie Grand Canyon oder Bryce Canyon eine spezielle Reise wert sind, sondern manchmal weniger bekannte, aber auch außergewöhnliche Punkte oder Regionen im nördlichen Utah, dem Wunderland der Erosion.

Auch nicht so sehr bekannt, aber auf dem Wege in diesem Hochland der Felsentürme und tiefen, teils engen Schluchten liegend, ist ein ganz anderes Kuriosum der Natur: Das Goblin Valley! Kommt der staunende Reisende vom Capitol Reef in die Gegend von Hanksville, einem kleinen, in der Sonne bratenden Wüstennest mit 2-3 Motels und obligatorischer Tankstelle, so muss man erst eine unwirklich graue Mondlandschaft durchqueren. Die Tafelberge und ‚Buttes’ - wie die Hochmesas hier auch genannt werden - sind plötzlich (regional begrenzt) fast aller Farbe beraubt und ziehen sich als meilenweite, graue Eminenzen in verwitterten Lehm und Stein dahin.

Ab und zu wird die Landschaft unterbrochen von vereinzelten Farmen, die sich hier gegen die harte Witterung zur Wehr setzen. Dann aber, nördlich von Hanksville - wir füllen unsere Wasservorräte sicherheitshalber immer bei jeder, solcher sich bietenden Gelegenheit auf – beginnt die Prärie wieder in bunten Farben förmlich zu explodieren. „Kleckerburgen“ in Gestein, wie von Riesenhänden in einem Wahn von schöpferischer Kreativität errichtet, sind links und rechts der Straße zu bewundern. Wie man es vom weichen Ostseesand her kennt, nur hier sind diese „Kleckerburgen“ 30-40 Meter hoch und leuchten in allen Schattierungen der roten Farbe bis gelb, ocker und fast lila.

Man nimmt den State Highway Nr. 24 nach Norden und, fast mitten im ‚Nichts’, geht eine kleine Seitenstraße ab, den schüchtern, klein angebrachten Hinweis „Goblin Valley State Park’ kann man fast übersehen. Aber wir wissen ja, dass dort wieder mal ein besonderer Platz zu finden ist. In einem ganz separaten Tal, genauer gesagt sind es mehrere Tal-Abschnitte, mitten in dieser eh’ schon verrückten Landschaft, hat sich die Natur einen besonderen ‚Spaß’ erlaubt: Versteinerte Pilze, Kobolde, Gnome in einer schier unübersehbaren Zahl gibt es hier in den relativ kleinen Park zu sehen, die Ausdehnung erreicht ca. 2 mal 2 Meilen (genauer gesagt: 12,2 qkm).

Es gibt keine direkten Wege, man sollte nur (für viele, auch uns selbstverständlich) beim rumklettern und dem Entdecken der tausenden von knubbeligen Phantasie-Figuren darauf achten, dass man die zerbrechlichen Kreationen der Natur nicht beschädigt! Alles ist buchstäblich ‚auf Sand gebaut’.

Es handelt sich um über 150 Millionen Jahre alte Ablagerungen verschieden fester (und auch brüchiger) Gesteinsschichten, die dann durch Erosion und viele tausende ‚Zähne der Zeit’ so skurril geformt, abgenagt, geschreddert, rundgelutscht oder gequetscht worden sind, dass es sich hier im Farbenspiel des Lichtes und je aus dem Winkel des Betrachters gesehen, die wildesten Formen gebildet haben.

Man nennt diese Art der Erosion durch Wind und Regen auch „Seasonal Wash“, oder geologisch „Arroyo“ und die Figuren sind Hoodoos. Ein großes Trockental eines Flusslaufes füllt sich nach schweren Wolkenbrüchen mit Wasser und Schwemm-Material und die unterschiedliche Härte der Schichten lässt die Hoodoos entstehen. Genauer gesagt durch die Erosion des rotbraunen Entrada-Sandsteins, erdgeschichtlich zählt diese Schicht zum Oberjura.

Die Kobolde und anderen Gestalten sind als Einzelfiguren bis über 3 Meter hoch, weit oben auf den Felsen erheben sich wieder die Farbenfrohen ‚Sandkleckerburgen’, Dome, spitze Kathedralen aus rotbraunen Sandstein. Man kann hier viel Zeit verbringen und wer gerne fotografiert, wird hier Motive in genügender Zahl finden, ja begeistert sein. Es empfiehlt sich, das Tal nach Möglichkeit am Morgen oder in den späten Abendstunden zu besuchen, dann bietet der niedrigere Sonnenstand die besten Lichtverhältnisse.

Bei uns hatten sich die anfangs ‚spielverderbenden’ Wolken dann auch verzogen und 1-2 Stunden vor Sonnenuntergang sind wir gefühlte 3-4 Kilometer durch das Labyrinth der Goblins gezogen, ein Erlebnis der ganz anderen Art! Gut, dass es digitale Fotografie gibt, mit den 24er oder 36er Rollfilmen aus der ORWO- oder –Kodakzeit wäre mancher hier sicher schwer am überlegen gewesen, auf was man dann am Ende verzichtet, von den ständigen Kühlproblemen der (noch unbelichteten) Plastikstreifen mal ganz abgesehen.

(Wieder-) Entdeckt wurde das Tal übrigens von Cowboys, die einige verlorene Tiere gesucht haben und sie dann hier wiederfanden. Sie nannten das Tal ursprünglich „Mushroom Valley“ und 1964 erwarb der Staat Utah das Terrain, um es für die Nachwelt zu erhalten, es entstand die ‚Goblin Valley State Reserve’.

Jetzt gibt es eine kleine, gut gepflegte Straße dorthin und in einem Visitor Center Karten, Informationen, Wasser und viele Bildbände über den malerischen Westen. Ein Campingplatz ist auch vorhanden. Man sollte beim Entdecken reichlich Wasser nicht vergessen und auf Reptilien achten, feste Wanderschuhe tragen und sich klar sein, das in der Zeit zwischen Mai und Oktober die Temperaturen im Tal Backofenähnliche Werte erreichen können.

Wenn man einen Tag extra Zeit hat, lohnt sich der Aufwand für den Umweg von den bekannten Nationalparks der Umgebung in jedem Fall, denn auch der Weg zu der Goblin-Märchenkulisse in dieser ariden, von vielen Canyons durchzogenen Gegend ist voll von eigenwilligen Landschaften.

Wir werden uns aus der Region von Moab wieder melden, dort konzentrieren sich einige der schönsten Canyon-Parks und dort (und Umgebung!) treffen sich auch der San Juan River, der Green River und der Colorado zum gemeinsamen Wühlen und Baggern eines der weltgrößten Schluchtensysteme überhaupt. Und damit meinen wir nicht den Grand Canyon.

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