Ziel: Yellowstone Nationalpark!

(unsere Reiseroute)

Als wir über die Grenze nach Süden in den Washington State einreisen, nimmt man uns erst mal alle Tomaten ab. Wir sind solche Spielchen mittlerweile schon gewöhnt und haben extremeres erwartet. Aber ärgerlich ist es schon, wenn man der Willkür der Beamten ausgesetzt ist, die den knallroten Heinz-Ketchup-Grundstoff sicher nur für ihren Zoll-Party-Salat brauchen und eben schnell mal eine böse Tomatenkrankheit im Nachbarland Kanada erfinden. Ansonsten aber wird die Weiterreise auch von vielen positiven Faktoren bestimmt. Das Bier und vor allem der Rebensaft sind wieder bezahlbar. Der Unterschied zwischen den beiden Ländern ist echt gewaltig!!

Im Norden Washingtons (nicht zu verwechseln mit der Bundeshauptstadt) sind wir in eher dünn besiedelter Mittelgebirgsgegend unterwegs und trockene Abschnitte wechseln mit Waldgebieten und kleinen Städtchen wie Tonasket und Republic, die mit ihren Backstein- und Holzhäusern auch an alte Western- und Pionierzeiten erinnern.

Schon bald überqueren wir die Staatsgrenze nach Idaho. Der Norden des selbsternannten „Kartoffelstaates“ ist, wie zu erwarten, landwirtschaftlich geprägt. Schmale, sehr langgestreckte Seen liegen auf unserem Wege. Das nördliche Idaho wurde von den Gletschern einer Eiszeit glattgebügelt und zurückgeblieben sind viele Meilen lange Gewässer und viel Wald. Auf dem ‚Rest’ des nördlichen Territoriums wachsen Weizen und die vorher genannten Erdäpfel.

Bei so viel wilder Landschaft begegnet uns auch netterweise eine seelenruhig mit ihren Jungen grasende Elchkuh an einem der vielen Flussläufe. Der fette Klee ist auch sooo lecker, da lässt man sich doch von so einem komischen, brummenden, blauen Fahrzeug nicht stören!

Idaho ist im Norden eher sehr schmal und wir sind im Nu durchgehuscht. Schon sind wir im „Big Sky Country“ – Montana! Wohl landschaftlich einer der schönsten US-Staaten überhaupt, wird Montana, wie der Name schon treffend sagt, von langen Gebirgsketten dominiert. Wir fahren diesmal von Nordwesten nach Südosten, denn wir wollen ja zum Yellowstone.

Eine der schönsten Ecken Montanas ist der traumhaft gelegene Flathead Lake (mit gleichnamiger Indian Reservation) und vor allem der Glacier National Park, der grenzübergreifend mit Kanadas „Waterton Park“ den „International Peace Park“ bildet und den wir uns vor 4 Jahren angesehen haben.

Diesmal geht es über die Universitätsstadt Missoula und der Mienenstadt Butte - mit ihren vielen Fördertürmen - Richtung Wyoming. Wir machen in beiden Orten Station. Missoula ist eher eine typische „All American City“, wie sie sich auch selber nennt, Super zum einkaufen und Proviantkisten auffüllen. Butte, (Bjut’ gesprochen) ist eine altehrwürdige Berühmtheit, eine in Backstein und (mittlerweile rostigen) Stahl gewachsene Bergwerksstadt, deren große Zeiten lange vorbei sind.

Reich geworden durch den gewaltigen Kupferberg, auf (und um) den Butte einst mal gewachsen ist, bleibt jetzt eine am steilen Berge liegende, historische Altstadt mit viel Reklame, wie aus den 60ern des 20. Jahrhunderts. Außerdem einem ‚leicht’ abgenagten Charme einer ehemaligen Boomtown – aus Zeiten, als das ‚Rote Gold’ massig aus dem Berg gefahren wurde und dieses noch Riesengewinne brachte. Jetzt, ganz aktuell wirken die Straßen etwas ‚runtergekommen’, viele Läden sind geschlossen und die wuchtig-großen Gebäude - mit den protzigen Namenszügen einiger Banken - wirken eher verlassen. In einigen, restaurierten Kneipen ist noch was los, auch am Tage und es gibt eine kleine Show-Brauerei mit Sofortverkostung an der Main Street. Das für einige, mögliche Fragen (auswärtiger Reisender) wichtige Infocenter ist durch Baumaßnamen und komplett blöde angelegte Sperrungen und nicht vorhandenen Umleitungen oder irreführenden Hinweisen gleich gar nicht zu erreichen. Was soll’s, wir fahren weiter, die gelben Steine und Geysire im Nationalpark ziehen uns magisch an.

Was Montana auch noch ist, es ist das Land von hunderten (!!) von verschiedenen, teils bunten, phantasievollen Autonummernschildern. Die Auswahl hier ist berauschend groß, besonders wenn man aus dem kanadischen Norden kommt und dort manchmal nur 2-3 Sorten auf diese, teils riesigen Provinzen herum düsen. Da könnte man doch fast Sammler werden Zwinkernd.

Der letzte, echt größere Ort vor dem großen Yellowstone Park ist Bozeman. Die Interstate geht im Verlauf der Reise teils durch große Wüstenlandschaften und dann wieder gewaltige Bergketten, schnell sind wir auf ca. 1.800 Meter Höhe. Amerikas erster und durch seine geologische Brisanz wohl auch spektakulärster Nationalpark ist schon durch seine Größe beeindruckend, fast 9.000 qkm. Schon die Anfahrt, vom Norden her, geht durch herrliche, endlos weit erscheinende, grüne Berglandschaften.

Das nördliche Tor des Parks liegt im Städtchen Gardiner, schon im State Wyoming. Idaho und Montana haben nur sehr kleine Häppchen vom Parkterritorium abbekommen, fast nur symbolische ‚Fleckchen’. Schon 1872 wurde Yellowstone vom Präsidenten Ulysses S. Grant gegründet und damit auch die Idee der Nationalparks, er wurde der Erste weltweit!

Der Park liegt direkt auf der vor ca. 640.000 Jahren entstandenen Vulkan-Caldera. Die in nur 8 km Tiefe liegende Magmakammer von 60 Kilometer Länge und 40 km Breite macht Yellowstone zum einzigen Supervulkan auf dem amerikanischen Kontinent und zu einer potentiellen Gefahr für das gesamte Weltklima, sollte er noch einmal in vollem Umfang ausbrechen.

Unter dem Gebirge des Yellowstone Parks liegt sozusagen eines der gewaltigsten, natürlichen ‚Pulverfässer’ unseres Planeten, Ausgang ungewiss. Erdgeschichtlich. Wir hoffen, dass es hier noch lange ruhig bleibt! Es gibt mittlerweile viele, gute wissenschaftliche Dokumentationen über Yellowstone zu sehen und einige kennen wir. Die Prognosen und möglichen Szenarien gehen ja dabei weit auseinander, als gesichert sollte gelten, das unter diesen malerischen Bergen, im nördlichen Wyoming, schon ein mächtiges, vulkanisches Potential schlummert.

Wir wissen um diese Hintergründe, wie auch (manche ?!) über 2 Millionen Besucher, die jedes Jahr hierher kommen und dieses außergewöhnliche Naturwunder bestaunen. Dieses Wissen macht, ganz besonders, wenn man sich hier bewegt, durchaus recht nachdenklich!

Auf einer Fläche, ca. so groß wie die Insel Korsika findet man über 60 % aller weltweit existierenden heißen Quellen, etwa 10.000 Stück. Es ‚duftet’ hier fast überall nach Schwefel, Schwefelwasserstoff, Phosphorverbindungen und vielen, anderen leckeren Sachen mehr. 300 Geysire soll es hier geben, die in ihrer Frequenz und Größe sehr verschieden sind. Manche sind zeitlich in etwa auszurechnen, andere sind explosiv unberechenbar, aber rar und kommen eher selten zum Ausbruch. Nun, wer sich für Vulkanologie und Geologie interessiert (wie wir) ist von dem hier gebotenen Naturschauspiel(en) schier begeistert und man kann gar nicht genug bekommen von den Sinterterrassen, brodelnden Schlammlöchern, Quellen mit hitzebeständigen Bakterien in allen Spektralfarben des Lichtes.

Es brodelt, blubbert, rauscht auf diesem verrückten Flecken Erde, das man meint, sich auf einer großen Portion hügelig-krumpligen Knäckebrotes zu befinden, welches man von unten mit fetten Joghurt eingestrichen und dieses dann auf ein gigantisches Dampfbügeleisen gelegt hat.

Überall steigen Dampfsäulen auf und besonders am Morgen erwartet dem staunenden Reisenden ein schon mystisch anmutendes Schauspiel in den Wäldern und Hochebenen zwischen 1.600 und der höchsten Erhebung des Parks, auf 3.462 Metern. Viele der Naturwunder sind gut zugänglich und man hat sich die Riesenarbeit gemacht, einen Großteil der Wanderwege zu den Quellen, Geysiren, Fumarolen mit kilometerlangen Holzstegen zu sichern. Einerseits natürlich zum Schutz vor Zerstörung der fragilen Oberflächen, andererseits aber auch zur Sicherheit der Besucher, denn Teile des blubbernden, kochenden Terrains sind einsturzgefährdeter Tuffstein. Vieles ist nur durch eine dünne Gesteinsschicht abgetrennt und darunter kochen die Elemente, das meist im wahrsten Sinne des Wortes.

Man findet in den teils farblich wunderschönen und glasklaren Becken, die in direkter Verbindung mit dem Erdinneren stehen, auch reichlich Arsen und Schwermetalle, das Wasser ist eh’ oft zwischen 70 und 100 Grad heiß. Also schön anzusehen, aber relativ ungenießbar. Wenig bekömmlich. Als Trinkwasser verwerflich ungeeignet. Und kaum zum Baden geeignet, man wäre in Sekunden gekocht, raffiniert gewürzt und mit diversen Spurenelementen angereichert.

Im Norden des Parks findet man die Sinterterrassen von ‚Mammouth Hot Springs’, mit eigenen Hotel, Park-Hauptquartier, Postamt, Besuchszentrum, Verwaltungen und vielen Wanderwegen, die sich um die dampfenden Terrassen schlängeln.

Das Straßensystem im Yellowstone ist in Form einer Acht angeordnet und das Zentrum der Aktivitäten ist natürlich um den recht pünktlichen Geysir „Old Faithfull“ angelegt. Dieser spuckt alle 60-90 Minuten, neuerdings wieder verlässlich, seine kochenden Fontänen über 30 Meter in dem Himmel von Wyoming.

Das alles war schon zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg eine bekannte Attraktion und erste Straßenverbindungen wurden gebaut. Das größte Holzhotel der Welt, das „Old Faithfull Inn“ empfängt die Gäste in relativer Nähe. Drum herum gibt es viele andere Quellen und Becken, in denen es brodelt.

Ein ganz anderer Naturhöhepunkt ist der Canyon! Ja, klar, der Yellowstone hat seinen eigenen ‚Grand Canyon’ mit gewaltigen, wirklich atemberaubenden Ausmaßen und mehreren, großen Wasserfällen. Man kann die Canyonwände teils herunterklettern und direkt am Abbruch des ‚Lower Falls’ stehen. Es gibt eine Plattform mit Blick auf die tobenden Fluten, die sich in diese, wirklich gelb, bis braunrot gefärbte, gigantische Schlucht ergießen. Hier kann man sehen, woher der Name „Yellowstone“ kommt.

Schon diese Region des Parks ist die Reise wert und wenn man dann weiter südlich auf einer Hochebene unterwegs ist, kann es mit ziemlicher Sicherheit passieren, dass einem einige gewaltige Büffel/Bisons über den Weg laufen. Schnaufend, den großen Kopf gesenkt, passieren sie ohne Angst die Wege und Straßen. Es können richtig gewaltige Herden von über 100 Tieren werden, die hier wieder in Freiheit durch die Prärien ziehen. Ein schönes Bild, man sollte allerdings vorsichtig sein, die Bullen wiegen über 2.000 Pfund und sind keine Knuddeltiere.

Die Büffel waren bis auf eine (zweistellige!!) Zahl von Buffalo Bill und Konsorten ausgerottet worden. Nach strengen Schutz und Aufzucht der letzten Überlebenden sind in den letzten Jahren wieder über 5.000 Tiere gezählt worden. Im Süden des Parks kann man so viele Wapitis sehen, dass sich immer wieder Staus bilden, wenn die Ampel- und Beton-gewohnten Großstädter ihre ersten, großen Weißwedelhirsche live in Natura sehen. Natürlich haben die Tiere die Parkordnung studiert und wissen, dass sie hier sicher vor Netzen und Geballer sind.

Man hat den Eindruck, deshalb kommen immer mehr hierher, sowohl Zwei- als auch Vierbeiner. Es kommt in den Sommermonaten hier immer wieder zu Großstadt-ähnlichen Verkehrssituationen. Es gibt reichlich Baustellen, Stau und sogar Pilotfahrzeuge (die einen durch aktive Baustellen lotsen) auf dem Parkhighway, ein Nachteil der ausgehenden Hochsaison. Nur auf den vielen Waldwegen, Thermalpfaden und zahlreichen, vulkanischen Attraktionen verteilen sich die vielen Besucher. Glücklicherweise ist der Park riesig.

Auch ein sehr umfangreiches, empfehlenswertes Highlight ist das ‚Norris-Geyser-Basin’, für das wir uns einige Stunden Zeit nehmen. Die Farben der Quellen und Becken sind einfach faszinierend. Tomy klettert und kriecht mit der Kamera über die tausende Jahre alten Zedern durch den Tannenwald, um einige besonderen Motive einzufangen.

Manchmal wünscht man sich schon einen Turm oder ein kleines Flugzeug, um die Eindrücke des Parks besser wiedergeben zu können. Trotz Wolkentürmen scheint aber immer wieder die Sonne und so kann manch eine farblich interessante Sache gut eingefangen werden. Heidi filmt fleißig mit der Kamera und wir hoffen, dass auch diese Bilder nach der Auswertung und der umfangreichen Schnittarbeit einmal aufbereitet sein werden.

Drei außergewöhnliche Tage verbringen wir im Yellowstone National Park. Sicher gehören diese zu den bisher schönsten der ohnehin schon langen Tour durch die Naturwunder Amerikas. Das Gute daran ist, dass sich die Art der Attraktionen und Landschaften immer wieder gravierend ändern. Es wird weder langweilig noch läuft man Gefahr, übersättigt zu sein, vor allem wenn man immer wieder mal Pausen einlegt und das Erlebte setzen lässt.

Wir werden als nächstes von dem Grand Teton Mountains und den Canyonlands des heißen Südwestens berichten.

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