Der Pazifische Nordwesten Amerikas

Oder: Fjorde und Fähren – Lachse und Bären im nordischen Sommer

(unsere Reiseroute)

Die beiden nordwestlichsten kanadischen Provinzen wechseln sich bei der Weiterfahrt immer mal wieder ab, denn die Straßenführungen lassen gar keine andere Route zu und so pendeln wir in den nächsten Tagen immer zwischen diesen beiden Provinzen und der Fjordgegend an der Pazifikküste, die ja bis recht weit runter in den Süden wiederum zu Alaska gehört, hin und her.

Im Grenzstädtchen Beaver Creek liegt selbiges Nagetier mit Fuchs und Hase begraben. Eine freundliche, junge Dame kann im (fast immer vorhandenen) Info-Center aber mit Tipps und der aktuellen Wetterkarte helfen. Wieder redet man über das ‚woher-wohin’ und wir werfen einen Blick in den General-Store des Ortes. Vielmehr kann man allerdings dort nicht (hin-) werfen, denn die kleinen Läden im ganzen Landstrich machen uns schon sehr nachdenklich, wie sich die Menschen hier mit frischen (!!) Lebensmitteln versorgen. Außer den typischen Bohnendosen, ultraweich-pappigen Gummibrot, Candys, einigen verschrumpelten Äpfeln und geräucherten Fleisch ist meistens nicht viel in diesen Läden zu entdecken. Ach, doch, manchmal gibt es eine verstaubte Flasche Getriebeöl (geht leider nicht für Salat) oder einige Postkarten von (gefühlt) 1988, die aber so lange in der Sonne gelegen haben, das es eher schwarz-weiß- Kunst ist. Aber einen gewissen Pioniertouch kann man diesen Nestern kaum absprechen und eine kleine Bibliothek und einen Likör Store haben sie meistens auch, das ist auch nötig für die langen Winternächte hier oben…

Der Kluane River und -Lake begleitet uns auf dem Wege zur Haines Junction.

An dieser Kreuzung geht vom Alaska Hwy. eine Straße zum Küstenort Haines/AK ab. Zusammen mit der zweiten, etwas südlicheren Verbindung zum Kreuzfahrtlandeplatz Skagway/AK bilden diese beiden Routen eine der sehenswertesten, schönsten Straßen im gesamten Norden. So wirbt eine neue Ausgabe von „Reise Know How“, na, die sollten es wissen.

Die notwendige Verbindung zwischen Haines und Skagway kann man dann mit einer Fähre bewältigen. Diese Distanz ist nur ca. 23 km, ansonsten müsste man viele hundert Kilometer Straße wieder zurückfahren. Im Sommer ergibt sich durch die fast täglich verkehrenden Schiffe eine ideale Rundtour. Verbindende Küstenstraßen in dieser Region gibt es gar keine.

In Haines Jct. angekommen ist zu unserer Enttäuschung schon mal der einzige Laden/General Store im Umkreis von vielen hundert Kilometern mausetot und verrammelt. Puh. Nix Tomate, alte Granate. Wir bekommen aber leckeren Diesel, das ist schon mal was, auch wenn die Zapfpistole hier falsch Brüllend gekennzeichnet ist und wenn man da nicht aufpasst, kriegt der Turbodiesel eine vollkommen neue, ungewohnte Mischung, die voraussichtlich zu seinem frühzeitigen Ableben führen könnte. Ihr Naturburschen hier seid’s aber besonders witzig! Ein nagelneues, für unsere Vorstellungen ein wenig überdimensioniertes Touristenzentrum vor Ort fällt uns mit außergewöhnlicher Architektur, viel Raum und Platz auf. Da schauen wir doch mal rein und staunen über Kunst und die verbaute Knete. Geld ist also schon vorhanden, hier in der Einöde. Dann geht es Richtung Haines.

Am Wegesrand lungert ein großer Grizzly rum und sucht seinerseits nach B(ä)eeren, die es hier auch reichlich gibt. Dieser hier hat eine so helle Färbung seines Petzpelzes, dass man sie durchaus schon als ‚Blond’ bezeichnen kann. Und wir haben vorher nichts getrunken oder eingeworfen, wie das Foto beweisen soll. In einer einheimischen Bären-Broschüre wurde uns nämlich erklärt, dass es hier echt ‚blonde’ Grizzlys geben soll und wir wollten das vorher auch nicht glauben. Nicht ausgeschlossen, dass dieser Brummbär hier einfach mit der Mode geht und sich blondiert hat. Die viele Werbung im Wald ändert sicher auch die Gewohnheiten der Wildtiere. Ernst beiseite.

Vom Yukon geht’s wieder einen ‚Fetzen’ durch das britische Kolumbien und dann kommt schon das amerikanische Zollhäusel in Sicht. Wir sind nach der allgegenwärtigen Befragung des Beamten nach ‚Firearms’, Bomben, Waffen aller Art („No, Sir!!“) wieder in Alaska.

Haines wird von Kreuzfahrtschiffen nicht so oft angefahren wie sein Nachbar an dieser wunderschönen Küste Skagway. Also ist Haines auch etwas ‚verschlafener’, ruhiger, rustikaler, mit einer hölzern gediegenen Westernkulisse. Ohne Autos wäre man hier gleich mal einige Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Aber kleine Läden, Kneipen und alle grundwichtigen Sachen gibt es hier. Wir verbringen einen halben Regentag in der sehr gut ausgestatteten Bibliothek, buchen die Fähre nach Skagway und am nächsten Tage nach dem Mittag geht es dann los.

Nach vielen erlebten Fährbewegungen, vor allem in Norwegen, habe wir schon alle möglichen Größen und Typen der Autofähren erlebt, aber so extrem lange, wie diese Gesellschaft hier braucht, um die Autos ein- und auszuladen, das haben wir noch nie gesehen! Es geht recht umständlich zu, bis wir auf dem ‚Kutter’ sind und ablegen, denn seit der Ankunft der „MV Columbia“ sind über zweieinhalb Stunden vergangen.

Die Wolken haben sich gelichtet und die kurze Überfahrt nach Skagway ist bestens.

Dort liegen schon 4 größere Kreuzfahrtschiffe vor Anker und bis wir mit unserer Esmeralda wieder von Bord fahren können, hat es auch nochmal über 45 Minuten gedauert, ein Rekord!

Das touristisch stark angelaufene Skagway überrascht uns mit einer völlig überzogenen Anzahl von Klunkerläden. So was haben wir seit Tahitis Papeete (Französisch Polynesien) nicht mehr gesehen. Mehr als die Hälfte der schön auf historisch getrimmten Einkaufsmöglichkeiten bietet Juweliersachen, teures Glitzerzeugs an, so dass Dagobert Duck Mühe hätte, alles zu bunkern. Tut dass Not? Nun, wahrscheinlich! Das Geschäft muss wohl gut laufen, wenn jeden Sommertag hier Tausende von Kreuzfahrern ausgekippt werden, die ihre heimischen Tresore z.B. Marke ‚Franz Jäger, Berlin“ mit edlen Geschmeide aus Alaska füllen möchten. Wenn’s schee macht!

Ansonsten findet man in Skagway leider nicht mal Fisch (weder Frost noch frisch!!) im einzigen, kleinen Supermarkt des Ortes, der uns im Moment unseres Besuches ziemlich ausgekehrt vorkommt. Restaurants und einige Möglichkeiten zur Einkehr und leckeren Verzehr einer kleinen, ortstypischen Delikatesse halten sich ebenfalls in sehr engen Grenzen. So wirkt Skagway eher wie eine schöne Kulisse für einen historischen Film über Alaskas Pionierzeiten. Schön, mal hier gewesen zu sein und noch schöner, immer etwas für das unabhängige Kochen und Brutzeln an Bord unserer Reiseschildkröte mit dabei zu haben.

Wir finden einen ruhigen Platz im Canyon des White Rivers. Von hier unten startet die legendäre wie schöne Eisenbahnstrecke zum „White Pass“. Die „White Pass Railway“ befährt hier eine der schönsten Eisenbahnstrecken Nordamerikas. Wir fahren am nächsten Tag die Straßenstrecke über den Chillkoot Pass, welcher die Railway teils begleitet.

Die Straße zurück zum Alaska Highway (im kanadischen Yukon) steht dem in nichts nach und wir kommen vor lauter Fotostopps und kleinen Touren zu den Bergseen kaum vorwärts, aber das will man dann auch gar nicht mehr bei dieser Kulisse. Was heißt da ‚Kulisse’, diese Szenerie ist echt und wenn das Wetter passt, macht auch der Highway Nr. 98 (in Alaska), bzw. auch Klondike Hwy, seinen literarischen ‚Vorschusslorbeeren’ alle Ehre. Ein ganz besonderer Tipp für alle Interessierte, die sich diese Gegend einmal als Reiseziel vorgenommen haben!

Carcross ist ein Ort, der ganz einfach an der Strecke liegt und außer dass man da mal für ein überteuertes Eis anhält gibt es im Ort selber nichts, was erwähnenswert wäre. Der Ort – eigentlich eine Kreuzung - lebt einfach vom Durchgangsverkehr und ist schon schön aufgemotzt, aber sonst…

… obwohl, es gibt da schon etwas, was sogar im Reiseführer erwähnt wird und das ist schon etwas erstaunlich. Eine Wüste! Und dazu noch die (angeblich) Kleinste der Welt. Wollen wir uns doch mal anschauen.

Nicht weit davon liegt noch ein See, der berühmt für seine erstaunliche Farbe ist.

Auf unserer weiteren Strecke sehen wir immer wieder Impressionen, die einfach mal festgehalten gehören.

Die nächste Strecke weiter nach Süden, Richtung Watson Lake kennen wir schon von der Hinfahrt und für einen kleinen Einkauf landen wir noch einmal im verrücktesten ‚Schilderort’ der Welt. Nicht ohne dass Thomy noch einmal durch diese Kuriosität schlendert und sogar ein Schild aus der Oberlausitzer Heimat, aus Schlegel entdeckt und das inmitten von blechernen Sammlerstücken aus allen Bundesstaaten nördlich Mexikos und auch vielen Erinnerungsstücken der Reisenden aus anderen Kontinenten.

23 km nördlich von Watson Lake geht der Cassair Highway ab nach Süden. Der Cassiar Highway ist eine ganz besondere Verbindung und gute Alternative zum bekannteren Alaska Highway, wenn man beim Weg vom Norden (oder zurück) mal eine ganz andere Strecke fahren möchte. Und viel ‚Auswahl’ gibt es da eh’ nicht, auf dem Landweg, eben nur diese beiden Trassen. Erst 1972 wurde die Straße von Kitwanga am Yellowhead Hwy. im Süden und Watson Lake im Norden für den Verkehr freigegeben. Früher eher von Trucks benutzt, ist der Cassiar Highway jetzt eine beliebte Route. Die ca. 725 Kilometer führen durch viel Natur und einsame Berglandschaften. ‚Ortschaften’ im bekannten Sinne fehlen völlig, aber es gibt ein paar Tankstopps, Lodges und RV-Parks/Campingplätze. Ansonsten erlebt man auf dem Cassair eine entspannte Fahrt durch weite Mischwaldgebiete und dann wieder sumpfiges Gelände. Es geht über Hochplateaus, die von (auch im August) noch teils schneebedeckten Zweieinhalbtausendern umrahmt sind und breite Canyons mit Gletscherbächen. Manchmal geht die Fahrt einfach eine gefühlte Ewigkeit durch dichte Waldgebiete. Wir nehmen uns einige Tage für diese Route Zeit und suchen uns auf Lichtungen oder an Kiesplätzen einen Übernachtungsplatz, wenn es vom Sonnenstand her soweit ist.

Ist man den Cassair Hwy dreiviertel der Strecke nach Süden gefahren, gibt es eine allerletzte Möglichkeit, noch einmal auf das Territorium von Alaska zu gelangen. Der westwärts gehende Stewart Highway führt durch sagenhafte Hochgebirgslandschaft in das kleine, gleichnamige Städtchen in British Columbia. Vorbei am Bear Lake und -Gletscher geht diese auch sehr zu empfehlende Strecke ca. 58 km in die pazifische Fjordgegend.

Nach Stewart/BC kommt dann ein kleiner Grenzübergang. Dieser wird nur beim Zurückfahren von dem kanadischen Zoll kurz und locker kontrolliert, man kommt man auf dem Seewege heute nicht mehr aus diesem Tal heraus. Die Fährverbindung zu anderen Orten in Alaska oder BC wurde eingestellt.

Man landet in Hyder, Alaska. Ein sehr, sehr kleiner (fast verlassener) Ort mit Alaskas südlichstem Postamt und ein geografisches Kuriosum. Man darf hier (außer auf der Post) mit kanadischer und amerikanischer Währung bezahlen. Viel gibt es aber nicht zu schmuggeln, wenn man die furiose Bestückung der beiden Generalstores gesehen hat. Einige Kilometer nördlich von Hyder dann noch eine Attraktion:

In einem klaren Bach sind viele Lachse unterwegs, die wieder einmal von hungrigen Bären erwartet werden. Aber nicht zu jeder beliebigen Zeit und wir haben diesmal Pech. Die Petze liegen noch mit rundem Bauch im Gebüsch und verdauen rülpsend ihr Frühstück, leider lassen sie sich auch beim 2. Versuch abends nicht blicken. Wir sind echt froh, dieses Schauspiel schon in Valdez gesehen zu haben und beobachten dafür die vielen Lachse im klaren Wasser. Ist doch bestimmt auch mal ganz angenehm, wenn man nach so einem weitem Weg nicht einfach verspeist wird und in einem gefräßigen Grizzly landet…obwohl der Lebenszyklus dieser Pazifiklachse nach dem Laichen in ihren ‚Heimatgewässern’ eh’ zu Ende geht. Wann kann man die Wanderung dieser außergewöhnlichen Tiere einmal so hautnah bewundern wie z.B. hier, zu dieser Zeit, am südlichsten Ort des 49. amerikanischen Bundesstaates.

Nicht zu vergessen: Es gibt natürlich noch weiter oben den „Salmon Glacier“ zu sehen. Eine Gravelroad führt von Hyder nach Norden und wieder in das Territorium von BC. Der Asphalt hört kurz darauf auf und wir rattern weiter über die knochenharte Waschbrettpiste. Die ‚Qualität’ der „Straße“ wird bald für unsere, eher kleinen Reifen so schlecht, dass es ein einziges Knallen, Rumpeln, Vibrieren ist. Das man vor lauter Dreck und Schotterstaub nichts mehr sieht, ist das allergeringste Problem. Wir müssten auf dieser KFZ-schrottende Weise ca. 60 km zurücklegen und haben keine Lust, den Mitsu fahrwerkstechnisch zu zerlegen. Wir kehren nach ca. 10 km Fahrt über diese Groß-Rüttelmaschine wieder um. Die Kabine für diese Piste aber extra abzumontieren, macht auch keinen Sinn. Das lohnt den Aufwand nur für mehrere Tage. Es geht von Hyder, AK wieder zurück über die Stewart Hwy zum Cassair Hwy, alle Rumpelpisten muss man nicht ‚mitnehmen’.

Für uns schließt sich ein weiterer Kreis und wir verlassen Alaska endgültig, aber nicht ohne von diesem gigantischen Land begeistert zu sein. Die persönlichen Erwartungen haben sich weitestgehend erfüllt und für ein Wiederkommen, vielleicht irgendwann, auch unter anderen ‚Vorzeichen’ ist immer genug Raum. Ganz besonders natürlich in diesem, riesigen Flecken Erde. Einige ‚Ecken’ (leicht untertrieben) warten immer noch darauf, entdeckt zu werden!

Mitte August, nach ca. 4 abenteuerlichen Tagen auf dem Cassair erreichen wir nach über 725 km einen alten Bekannten, den „Yellowhead Highway“, also den Trans-Canada Nr. 16. Auf geht’s in die Holzfällermetropole und selbstbetitelte, ‚Hauptstadt des nördlichen British Columbia’ – nach Prince George. Mit ca. 70.000 Einwohnern und vielen Einkaufsmöglichkeiten ist hier alles geboten, was der Reisende braucht, wenn es seit ca. 2.500 Kilometern (um Whitehorse/YT sind wir ja diesmal weit drum rum gefahren) nichts mehr an ordentlicher Versorgung gab.

Deshalb auch mal ein Blick in einen der typisch kanadischen ‚Bulk-Läden’, oder besser: Hier bei „Save-On-Foods“ kann man sich selbst abfüllen, wenn man eine ganz bestimmte Menge Nudeln, Mandeln, Mehl, Nüsse etc. braucht, oder eben eine nur sehr kleine Menge (z.B. spezielle Gewürze u.a.) Eine Supersache, finden wir, ein Kaufmannsladen par Excellance, und alles wirkt sehr frisch, sauber und von hoher Qualität.

Genial für Selbstversorger, die sich nicht mit den Monsterriesenmegapackungen der manchmal vollkommen durchgeknallten Supermarktfehlmanagements rumärgern wollen! Wie oft haben wir den Kopf geschüttelt angesichts von vielen Waren, die gerade in Nordamerika nur in 2-3 kg Packungen angeboten werden. Für uns ist das dann unmachbar und wir müssen diese Sachen mangels Großkühltruhe leider liegen lassen. Den Platz hat Esmeralda einfach nicht. Auch im Auspuff nicht…Ooops, war da was?

Unsere ‚Esse’ macht seit längerer Zeit immer mehr Probleme und es gibt ein größeres Leck im vorderen Bereich. Wir sind schon mittelmäßig durchgeräuchert, denn hinten kommt kaum nach was an, die Auspuffgase verteilen sich anständig unter dem Fahrzeug.

Eine Reparatur muss her, oder/und zumindest Schweißarbeiten sind notwendig. Werkstätten gibt es in Prince George genug und wir werden uns einen „Muffler“ – Mann (was für ein passendes Wort im englischen!!) suchen, der sein Handwerk versteht. Seit Anchorage war dafür kaum eine Möglichkeit. Eine kleine Werkstatt unweit vom Fraser River hatte uns dann in 90 Minuten (inkl. Wartezeit) alles gerichtet und bestens wieder hergestellt. Der Turbodiesel atmet wieder hinten raus, wie es auch sein soll. Ist der Muffler gerichtet, ward ein neues Ziel gesichtet - denn sonst macht PG nicht so viel her.

Wir wollen jetzt in eine sehr interessante Gegend, weiter nach Süden. Wenn man dann, wie wir, dem Lauf des Fraser Rivers folgt, wird die Landschaft dorthin immer trockener. Es geht über Williams Lake Richtung Kamloops den Highway 97 entlang und die dichten, grünen Wälder verschwinden die nächsten 300 km fast ganz.

Die Berghänge werden immer kahler und trockener. In den Tälern muss nun bewässert werden, wenn man seinen Nutztieren noch Gras anbieten will. Die Bilder, die sich dem Reisenden bieten, ähneln hier viel eher Arizona oder Utah im tiefen Westen der USA! Wir sind in der trockensten und wärmsten Region Kanadas angekommen. Was für ein Gegensatz zu den Landschaften, die wir in den letzten Wochen gesehen haben. Es ist eine vollkommen andere Klimazone um Kamloops und Umgebung! Durch die Berge an der Küste und die Rocky Mountains in Osten ist diese ‚kanadische Wüste’ fast perfekt von den pazifischen Regengebieten abgeschirmt, hier macht sich Cowboyatmosphäre breit.

Ca. 50 km vor Kamloops entdecken wir dann links an der Straße die „Deadman Junction Ranch – The Wild West“. Sehr authentisch bastelt dort jemand Stück für Stück eine kleine Westernstadt zusammen. Die Holzhäuser und die Art der Umgebung passen Super. Der ‚Jemand’ entpuppt sich nach einigen Minuten Gespräch dann als Matthias, geboren in Old Germany, mit 6 Jahren von seinen Eltern nach Kanada ‚verschleppt’ und der sich später dann, hier lebend, einen Traum erfüllen möchte: Eben genannte Western-Ranch. Unser Plausch ändert sich in einen deutsch-englischen Mischmasch, denn Matthias spricht noch gut (und gerne!) deutsch.

Er zeigt uns gerne die Anlage und erzählt, dass erst vor kurzem Nina Hoss und Kollegen aus Berlin hier den historischen Streifen „Gold“ gedreht haben. Harrison Ford war hier am filmen und auch Robert Redford, Morgan Freeman und J. Lopez waren in der Nähe für ihren Streifen „Ein ungezähmtes Leben“ (ein Spitzenfilm, unsere Meinung). Und, aber darüber darf er (Matthias) eigentlich noch nichts erzählen, eine Steven Spielberg Produktion ist geplant und es soll bald mit dem Drehen hier begonnen werden.

Es gibt aber noch mehr über die Umgebung zu erfahren: Die Gegend hier ist voll von Klapperschlagen und schwarzen Witwen, die sich (letztere) besonders gerne in Gebäuden niederlassen. Wir finden nachher mehrere regelrecht fett eingewobene Sträucher, die auf große Spinnentätigkeit hindeuten und auch tatsächlich Warnschilder für die rasselnden Giftschlangen an den Highway-Stopps und Picknickplätzen. Also ist durchaus Vorsicht angebracht, wenn man hier in die Berge geht.

Man glaubt es kaum, hier kann es bis Ende November über 30 Grad warm sein, im Winter gibt es keinen Schnee und die Niederschläge sind überhaupt minimal. Die letzten Tage hatte es zwischen 40 und 45 Grad in Kamloops, eine, für British Columbia total verrückte Gegend! Anschließend erhalten wir von Matthias noch einen guten Tipp, 3 km weiter südlich gibt es eine wenig bekannte Straße durch ein Indianer Reservat und dann weiter in ein verstecktes Tal, welches sehr sehenswert ist. Ein wirklicher (noch) Geheimtipp, sagt er. Nachdem wir uns lange und gut mit Matthias über sein Projekt und die klimatischen Besonderheiten der Region unterhalten haben, fahren wir dort hin.

Links ab von der Route 97 Süd, erst durch die ‚Skeetchestn Indian Reservation’ und weiter die ‚Deadman Vidette Road’ in eine Schlucht, deren Felsen durch Lage und Farbgebung schon ein wenig an den Zion Canyon in Utah erinnern. Steile Wände ragen in die Höhe, die Farben gestalten sich von gelb, ocker, braun, hell- bis dunkelroten Schattierungen. Auch ein kleines ‚Painted Desert Kanadas’!

Wir können inmitten von dem typischen, erodierten Gestein auch die Hoodoos finden, von denen uns Matthias erzählt hat. Hoodoos sind durch das Verwittern verschieden harter Gesteinsschichten entstanden und sehen teils wie überdimensionale Pilze aus. Oben haben sie eben meist einen pilzkopfähnlichen ‚Überbau’ auf einem manchmal filigran schlanken Felsturm. Die klassischen YES-Plattencover von Roger Dean lassen grüßen, nur ist das hier tausende Jahre alte Kunst der Natur! Lockere Schichten um die Hoodoos sind im Laufe der Zeit eingefallen und durch Wind und Wetter zermahlen worden. So bleiben, wie im sagenhaften Bryce Canyon/Utah, diese ungewöhnlichen Türme stehen.

Dieses Tal, mit den im saftigen Grün liegenden Farmen, ist wirklich ein tolles Fotomotiv. Ein Erlebnis für die Sinne, ein lohnender Abstecher und wir finden auch für unsere nächste Übernachtung einen stillen, einsamen Grasplatz auf einer staubtrockenen Hochebene, weit über dem lauten Highway 97 und dem Thompson River sowie der dort verkehrenden, immer rumorenden Eisenbahntrasse.

Angekommen in Kamloops merken wir, dass die Stadt, die sich schön Terrassenförmig im Tal der beiden Thompson Rivers (North & South Th. River) ausgebreitet hat, die größte und wichtigste zwischen den Metropolen Calgary und Vancouver ist. Im Jahre 1812 wurde Kamloops als Handelsposten der Hudson Bay Company gegründet und ein wichtiger Knotenpunkt der großen Verbindungsstraßen in unserer Zeit ist sie hier immer noch. Wir hatten ein ‚Deja Vu’ von 2009, denn auf unserer Tour zu viert waren wir hier mal im Walmart einkaufen. Der Markt liegt in Kamloops aber ganz besonders schön oben, fast komplett über der Stadt.

Die Aussicht ist schon den Weg wert und wir treffen (wieder zufällig und ungeplant, das 4.Mal!) unsere Reisebekanntschaften aus Stuttgart wieder und gleich auch noch Karl & Dorothea auf den ebenso schön gelegenen Home Depot Platz. Wir machen seit vielen Wochen wieder mal ein kleines ‚Deutschlandtreffen’ vor Ort (das heißt: mindestens 3 verschiffte Fahrzeuge aus D.) und verbringen einen sehr informativen Daten- und Erfahrungsaustausch bei einem Glas Bier/Wein. Vielleicht werden wir uns in den Canyonlands des Südwestens einmal wiedersehen, aber diese Ziele sind noch sehr weit weg.

Wir probieren es mit einem ‚Scenic Highway’, der Nr. 3, die sich nördlich der US-Grenze und den Nordkaskadengebirge auf dem Gebiet Kanadas entlang zieht. Dazu müssen wir erst mal nach Hope westwärts und bleiben auch eine Nacht in dem engen Talkessel um das Städtchen Hope. Hier im Fraser Valley donnern dauernd die sehr langen Züge durch das lange Tal. Wir kennen dieses laute Gerumpel noch von einem Motelaufenthalt ’09. Das Fraser Valley ist wirklich wunderschön, aber der Zugverkehr ist schon sehr nervend. Die Einheimischen werden das irgendwann nicht mehr hören und ähnlich dem ‚Autobahn-Syndrom’ fehlt einem dann irgendwann was, wenn man das Gerumpel nicht mehr hat.

Gar nicht weit nach Hope an der Nr. 3 zeigt sich das Ergebnis eines der größten Bergrutsche in der jüngeren kanadischen Geschichte. Januar 1965 passierte hier der sogenannte ‚Hope-Slide’. Eine Bergfront kam auf fast 3 km Breite Rutschen und begrub auch mehrere Autos samt Insassen unter sich. 46 Millionen Kubikmeter Fels und Erde hatten sich innerhalb von Sekunden in Bewegung gesetzt, da hatten Menschen und Tiere im Tal keine Chance zu entkommen.

Nachdem wir im „Manning Cascade Provincial Park“ mit den Golden Mantled Ground Squirrels (nordamerikanische Hörnchen) um die Wette Frühstück geknabbert haben, schauen wir uns Princeton an, eine Kleinstadt mit Westerncharme und schönen alten Straßenkreuzern.

Hedley liegt auch an der Hwy 3 und im trockenen Okanagan Valley, benannt nach den viele Kilometer langen Okanagan Lake. Hier wird in den Tälern überall Obst angebaut und verkauft und bis rauf nach Kelowna wachsen überall Weinreben und viele Weinkeller liegen dort.

Kelowna, der Hauptort am See ist die touristische Zentrale der Region. Durch die exzellente Lage, die vielen Urlauber und WoMo’s, die zig’ Campingplätze, macht der tiefblaue Okanagan Lake den Eindruck, als wäre man an einem kanadischen Gardasee. Man kann die ganze Ecke auch als Kanadische Riviera oder kanadisches Kalifornien bezeichnen, denn überall wachsen Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Melonen, Äpfel – die Temperaturen hier sind ganzjährig recht mild und die Sommer heiß und staubtrocken.

Wir haben ein ganz besonderes Erlebnis bei „Mitsubishi-Valley“ in Kelowna. Wir wollen mal unsere Bremsen nach weiteren 65.000 km seit dem letzten Wechsel checken lassen. Wir erfahren, dass der Check 113 Dollar kostet und falls es zum Wechsel kommt, wird der Betrag angerechnet. Unser Erscheinen führt mal wieder zu einem Auflauf fast aller Mitsu-Spezialisten und Techniker. So einen Typ L200 haben die hier noch nie gesehen, fachsimpeln und reingucken wollen viele, das Interesse ist riesengroß. Auch für unsere Tour, die in Nordamerika bisher gefahrenen 34.000 Mitsu-Kilometer und was der Truck (‚Truck’ sagen sie hier alle) denn so schluckt…Wow, Sooo sparsam, grade mal 12-13 Liter braucht der Turbodiesel, auch bei Schwerarbeit, im Durchschnitt, na Super. (nein, Diesel!)

Nach ca. 1 Stunde Arbeit sagt uns der Servicemanager, dass noch 50-60% Bremsbelag drauf sind, ‚No Problem- You Can Drive, Very Nice Truck’ und präsentiert uns eine frisch gewaschene Esmi und eine Rechnung mit dem Betrag „0.00 $“. Alles Gute für den Weg, „Fahrt vorsichtig, viel Spaß“. „Vergesst uns nicht, das ist kanadischer Service Made in Kelowna!“ Wir sind erst mal sprachlos, das hätten wir nun gar nicht erwartet, bedanken uns und düsen begeistert wieder Richtung Süden durchs Weinland. Nach so viel Pech mit (vor allem amerikanischen) Werkstätten ist das mal ein ganz großer Pluspunkt für Britisch Columbia und ein bleibend positives Erlebnis! Unsere vorerst letzte Übernachtung auf kanadischem Territorium verbringen wir im Oliver-Valley und geben unsere letzten kanadischen Dollars aus, bis wir dann an der amerikanischen Grenze zum Washington State stehen.

Alles in allem hat uns das riesenhafte, abwechslungsreiche Land mit dem Ahornblatt in der Flagge sehr gut gefallen. Die Entfernungen sind fast global zu nennen, die Landschaft und die (gefühlte) Sicherheit im Lande ist einfach nur „Great“! Wir wissen jetzt, was es heißt, auch im viel ‚breiteren’ Norden Amerikas vom Atlantik bis zur Pazifischen Küste zu fahren. Auf 80 % guten bis sehr guten, sonst löchrigen bis holperigen Pisten quer von Ost nach West durch einen vielfarbigen Kontinent. (Denn ‚Land’ als solches, alleine, wäre ein wenig untertrieben).

Die Lebensmittelpreise Kanadas sind leider deutlich über denen der USA, aber damit kann/muss man klarkommen. Und den drei- bis viermal teureren Wein trinkt man mit mehr Bedacht…Zwinkernd. Auf nach Washington, Idaho, Montana, Wyoming!

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