3.300 Kilometer durch Alaska! (Teil1)

(unsere Reiseroute)

Die Grenzkontrolle am „Top of the World Highway“ (weil er schön oben an den Kammlagen der Berge entlangführt) ist schon etwas Besonderes. Die beiden Beamten wohnen gleich hier (der tägliche Arbeitsweg wäre sonst auch Hammermäßig!) und die Miniaturortschaft hat tatsächlich als offizielle Population im Schildchen „2“ angegeben.

Erst sollten wir mit unseren 2,5 Restwochen USA (im Pass) weitergeschickt werden, doch als wir freundlich nachfragen, ob man das zweite halbe Jahr VISA gleich mit dranhängen, als starten kann, gab es 6 Dollar Gebühr pro Person zu berappen und der neue, aktuelle Stempel gewährte uns noch einmal ein halbes Jahr drauf. Wumms! Da ist uns ein fetter Felsen vom Herzen gekollert, denn das geht auch anders und wird manchmal gar nicht genehmigt, verlängert – oder, oder oder…. Da gibt es die eigenartigsten Geschichten zu hören und selbst wenn wir die Zeit nicht im vollen Umfang brauchen sollten, ist es viel besser, sie zu haben, als unter Zeitdruck stehend zu reisen. Wir sind in ALASKA!!!

Das muss abends mit einem „Malt-Likör“ gefeiert werden, so nennen die Amerikaner ihr etwas stärkeres Bier (ja, das gibt es auch!!), welches dann auch ordentlich nach Bier schmeckt… Gegen das hiesige ‚Leichtbier’ ist ja selbst deutsches Leitungswasser in einer Brauerei eine ‚Hopfenkaltschale’ mit Geschmack.

Jetzt mal zu tierischen Geschichten: Elstern haben wir unterwegs ja schon oft und häufig gesehen, aber einen Herrn Fuchs in so schöner ‚Präsentierlaune’ dann doch noch nicht. ‚Reineke’ kam in unserem Falle direkt an die Grenzstation und posierte für die Kamera. Möglicherweise wollte er illegal die Grenze überqueren.

Einige Bodenwellen und Straßenkrater weiter liegt das ‚Örtchen’ Boundary und ist heute eher eine verlassene Ghosttown mit Museumscharakter.

So langsam zieht sich der „Top of the World Highway“ auf amerikanischer Seite wieder in die Täler zurück und man sieht auch hier überall wieder professionelle Goldschürfer bei der Arbeit. Wir unterhalten uns kurz mit einem bärtigen Haudegen - einem Original wie aus einem Jack London-Roman - über das übliche „woher-wohin?“ … Und auch was man so noch an Nuggets finden kann – ja, die guten Digger holen noch einiges raus hier! … und fahren weiter ins Goldgräbernest Chicken. Hier gibt es (teuren) Sprit und viele Andenken, außerdem einen Zeltplatz, Kneipe, Saloon – Chicken ist bei den Amerikanern berühmt-berüchtigt. Es gibt viele Geschichten über den winzigen, abgelegenen Ort und dieser lebt recht gut von seiner historischen Zeit als Westernkaff und Pionierstädtchen. Das zeigen die vielen T-Shirts und die anderen ‚Mitbringsel’, Staubfänger und mittel- bis schwer überteuerte Souvenir-Tassen. Wir haben selbige noch ‚alle im Schrank’ und sparen uns diese Ausgabe. Wohin auch mit so vielen Sachen, wenn man einfach nicht den ausreichenden Platz hat, um das alles dann auch im Ganzen heil heimzubringen. Gold gibt es zum An- und auch Verkauf, natürlich zu Outback-Preisen, auch hier mit „Chickenzuschlag“ für die, die alles haben müssen.

Ja, Alaska! Das wir mal mit eigenen Fahrzeug hierher kommen werden, hätten wir wohl vor ein paar Jahren noch nicht so richtig für möglich gehalten und nun sind wir hier inmitten der (fast) menschenleeren Wildnis. Gerade mal ca. 700.000 Menschen verteilen sich auf über 1,7 Millionen qkm - das Land ist über vier Mal so groß wie Deutschland! Die kleine Hauptstadt Juneau liegt recht abgelegen, nur per Schiff und Flugzeug erreichbar, an der pazifischen Schärenküste. Die einzige, ‚echte’ Großstadt Alaskas ist Anchorage, wirkt aber nicht wie eine Metropole mit ihren ca. 290.000 Einwohnern, da sie Flächenmäßig sehr auseinandergezogen ist.

Im Jahre 1867 machte Amerika den Deal des Jahrtausends mit dem russischen Zarenreich und kaufte diese gigantische Landmasse für 7,2 Millionen Dollar. Man ist seit dem 03. Januar 1959 der 49. und mit Abstand größte Bundesstaat der USA. Die Einwohner Alaskas machen gerade mal 0,22 % an der Gesamteinwohnerzahl der USA aus. Hier bezahlt man beim Einkaufen (bis auf geringe Ausnahmen) keine Steuer! So sehr viele Straßen gibt es nicht in diesem riesigen Land, fast der ganze Norden ist infratechnisch immer noch unerschlossen.

Bei der Tetlin Junction treffen wir wieder auf den Alaska Highway und die erste, nennenswerte Ortschaft ist Tok, ein Tankstop und Straßenknotenpunkt. Eine halbe Tagestour weiter im Norden liegt Delta Junction, das offizielle, nördliche Ende des Alaska Highway.

Inoffiziell geht die Fernstraße aber bis Fairbanks und das ist auch unser erstes, richtiges Ziel. Die zweitgrößte Stadt im größten Bundesstaat der USA liegt im zentralen Alaska und hier bekommt der Reisende alles Wichtige zur Weiterfahrt. Von hier aus nun starten im Prinzip alle Wege Amerikas nach Süden.

Wir passieren die Alaska Pipeline, die größte des Landes. Das Öl wird vom Nordpolarmeer quer durch das Land bis nach Valdez an die Südwestküste transportiert. Die Trasse sollte uns noch einige Male kreuzen.

Doch vorab führt uns der Weg durch „North Pole“, wo sämtliche Post für den Weihnachtsmann gesandt wird. Halt das nordamerikanische „Rovaniemi“.

Für uns gibt es noch einen Abstecher weiter nordöstlich zu den Quellen von Chena Hot Springs, wo es ein kleines, feines Privat-Resort mit verschiedenen Badebecken und diversen Wellness-Angeboten gibt. Die Fahrt geht durch ein extrem mit Mücken verseuchtes Gebiet. Die armen Elche, die wir an der Straße beobachten können, sind von einer gefräßigen Wolke der blutsaugenden Quälgeister umgeben und leiden im arktischen Sommer sicher auch unter den gnadenlosen Moskitos. In den Schwefeldämpfen der Hot Springs gibt es glücklicherweise nicht so viele davon, aber unterwegs in den dichten Waldgebieten müsste man sich komplett einpacken zu dieser Jahreszeit!

Fairbanks ist wieder (fast) mückenfrei und wir bleiben einige Tage vor Ort. Wir treffen andere Weltreisende, die teils mit ihren Spezialfahrzeugen hier pausieren und kaufen für uns alles das ein, was in den abgelegenen „General-Stores“ unterwegs oft sehr teuer zu bezahlen oder gar nicht zu bekommen ist. Vor allem frisches Obst und Gemüse ist an den Tankstellen, Rumpelläden, ‚Emma-Stores’ im Prinzip gar nicht mehr zu bekommen, vom 3-4 fachen Preis einmal abgesehen.

Wir merken hier immer wieder, dass es mit Salatzutaten in den kleinen Ortschaften überall schlecht aussieht, und fragen uns, woher die Einsiedler ihre Sachen holen wollen, wenn die Versorgungspunkte Anchorage und Fairbanks teils viele hundert Meilen weg sind. Schon spürbar gealterte Äpfel und Bananen werden schon mit 1-2 Dollar pro Stück aufgewogen, ‚exotischeres’ gibt es gleich gar nicht mehr. In dem touristischen Gebiet am Denali Park kann man Tonnen an T-Shirts, Geweihen und präparierten Tieren erstehen.

Es gibt auch viele leckere Dosenkost, aber was machen die Leute, die in der Saison hier leben und arbeiten? Wir vermuten, dass sie hier Büchsenschinken mit frischen Tannenzapfen und getrockneten Lachs zu einem Salat vermengen und sich das mit den allgegenwärtigen Chips einverleiben. Die dürftige Auswahl des einzigen Gemischtwarenladens im weiten Umkreis lässt sehr darauf schließen, dass man hier riesige Gefriertruhen braucht und oft weite Wege fahren muss, denn so typische Gemüsegärtchen gibt es hier eher weniger.

Ein unverzichtbarer Anlaufpunkt und der wohl bekannteste Park im zentralen Alaska ist der Denali National Park.

Die Südspitze des 6.193 m hohen Mt. McKinley ist der höchste Punkt Nordamerikas. Das Wort ‚Denali’ stammt aus der Sprache der Athabasca Indian Nation (nördlich der Alaska Range) und heißt übertragen „Der Eine Hohe“, „Der Höchste“ also „The High One“ in Englisch. Die Höhe von 20.320 Fuß für den Mt. McKinley, dass klingt noch imposanter und der North Peak bringt es immerhin auf 19.470 Fuß. Der gewaltige, weiße Bergriese überstrahlt alles in weiter Umgebung.

Vom Norden her oder dem offiziellen Parkeingang kann man ihn überhaupt nicht sehen, denn die sichtbaren, immer noch äußerst beeindruckenden Eisriesen drum herum bringen es auch auf 3.000 - 5.000 Meter Höhe. Von Süden her ist der hiesige Berg der Berge allerdings weit zu sehen. Einige Dutzend Meilen nördlich von Anchorage gibt es an der Alaska Road Nr. 3 einige wunderbare Aussichtspunkte und die Straße zieht sich im weiten Bogen um diese gewaltige Gebirgskette.

Im Park gibt es schon seit langem eine Regelung zum (relativen) Schutz der Wildnis vor zu viel Verkehr: Nach ca. 16 Meilen endet die öffentliche Zufahrt und auch der Asphalt. Man kann vom „Wilderness Center“ aus verschiedene Touren mit einer privaten Busgesellschaft buchen und sich auf diese Art bis zu 90 Meilen (oder 150 km!) in den großen National Park fahren lassen.

Wandern abseits der Straße/Camps ist meist aus Sicherheitsgründen eh’ nicht erlaubt (große Bärenpopulation). Die Firma lässt sich die Bustouren sehr gut bezahlen, denn für die Strecke bis zum Eielson-Park-Center schlägt für uns beide gleich mal mit 67 $ zu Buche. Parkeintritt ist da natürlich nicht mit drin, das wären noch einmal 10 Dollar pro Person. Wir kaufen uns für 80 $ den Annual-Pass und können damit (wie früher mit dem ‚Golden-Eagle-Pass’) ein Jahr lang – bis zu 4 Leute plus Fahrzeug - alle amerikanischen Nationalparks- und –Monumente besuchen. Das sollte sich nun besonders heuer für uns lohnen.

Fahrt selbst ist eher anstrengend, weil zu wenige Pausen zum Bewegen eingelegt werden und dazu der organisierte ‚Gruppenzwang’ (mit dem wir echt nichts anfangen können). Die Natur ist aber absolut beeindruckend!

Die Piste ist teils recht abenteuerlich in die steilen Geröllhänge gezimmert und grundsätzlich ohne Sicherungen gebaut und das bei Wänden von über 45 Grad. An manchen Strecken fällt der Steilhang an einigen ‚schönen Stellen’ mehrere hundert Meter über und unter uns ab. Wir hoffen alle, dass der Busfahrer keine schweren persönlichen Probleme hat…Stirnrunzelnd.

Nach ca. 8 Stunden in und am Bus stellen wir wieder einmal fest, dass uns Individualität und eine eigene Planung weit mehr wert sind als diese geführten Touren. Aber in diesem speziellen Falle geht es leider gar nicht anders, wenn man diese einzigartige Landschaft um den Mount McKinley einmal kennenlernen möchte.

Ist man dann weiter im Süden angekommen, so erscheint am Horizont bereits die nächste, große Bergkette. Die Küstenvulkane der ‚Pacific Alaska Range“ beinhalten auch viele Dreitausender und haben eine große Zahl an Eisfeldern, Gletschern und Fjorden. Zuerst machen wir nördlich der größten Stadt Alaskas (Anchorage) Station, in Wasilla.

Der Ort liegt so phantastisch in einem Kessel hoher Berge ringsum, dass wir dadurch irgendwie an Garmisch-Partenkirchen erinnert werden. in Wasilla müssen wir erst mal unseren Kabineneinstieg reparieren. Die ‚Treppe’ hatte durch reichlich Gebrauch und Alterungs-Erscheinungen einiges an Festigkeit eingebüßt. Das alte Holz musste raus und eine neue Konstruktion gebaut werden.

Dafür hatten wir uns gleich am ‚LOWE’s-Baumarkt niedergelassen und uns mit allem nötigen eingedeckt, Bretter gesägt, alles verschraubt und zusammengebastelt. Bis wir alles hatten, was wir brauchten, waren ein Dutzend Gänge nötig und die Mitarbeiter kannten die weitgereisten ‚Germans’ langsam schon, die da ihr WoMo auf dem Parkplatz reparierten. Wieder gab es viele Fragen, Interesse und meist freundliche Hilfsangebote, die wir aber dankend ablehnen konnten. Nach ca. 10 Stunden rechnen, zeichnen, schrauben und basteln hat Esmeralda jetzt wieder einen stabilen Eingang zum kleinen ‚Flur’. Es ist eben wie bei einem älteren Haus - immer was zu reparieren. Besten Dank an einige Lowe’s Mitarbeiter, die uns gleich mal eine Hand-Holzsäge ausgeliehen haben. Alles kann man in der kleinen Schildkröte nicht mitschleppen, sonst bräuchten wir einen kompletten, massiv-kompakten, aber nicht unerheblich großen, extra Schildkröten-Spezialanhänger. Mit oder ohne Panzer, das wäre einfach zu viel, zu lang, und zu schwer.

Das überlassen wir dann doch den Eingeborenen, die hier mit teils äußerst abenteuerlichen Gefährten rumdüsen. Viele Trailer sind überladen, manche zu hoch, zu breit oder die Leute fahren ‚einfach mal’ Vehikel in der Größe eines Linienbusses oder mittleren Eisenbahnwaggons durch die Kante. Der Amerikaner verreist (normalerweise) nicht ohne mindestens 20-30 qm ‚mobile Wohnfläche’, mit eingebundener Moped/Squad-Garage, angehängten zweit-PKW oder einem mittelgroßen Boot hintendran. Von der Inneneinrichtung wie Waschmaschine, Mikrowelle, Backofen (hätten wir auch gern….), Stereo- bzw. Fernsehanlage, Flätzecke (also Sofaecke) und das alles noch räumlich in Schlafstube, Küche, Stube, Bad unterteilt, ach ja plus Fahrerkabine natürlich auch, wollen wir nicht reden (alles gesehen – ohne Übertreibung).

Nach Wasilla kommen wir nach Anchorage und besuchen als erstes die Stadtmitte und das Besucherzentrum. Wir bewundern die Blumenpracht in den hiesigen Parks, die wenigen Sommerwochen werden von der Natur überall ‚explosionsartig’ genutzt. Die Blumen und auch der berüchtigte Kohl aus der Region erreichen spektakuläre Ausmaße.

Sonst ist Anchorage ein Ort zum Andenken und T-Shirts einkaufen oder zum Essen gehen. Die Preise liegen hier aber deutlich über denen der restlichen 48 US-Bundesstaaten im Süden. Die Stadt wirkt auf uns ein wenig rau, ‚unfertig’ oder improvisiert. Es gibt hier einige eher nicht so einladende Gassen und wir sehen seit sehr langer Zeit wieder einige Obdachlose und Bettler in den Straßen des Zentrums. Zum Proviant fassen aber ist Anchorage super.

Doch dann wollen wir das gute Wetter nutzen, um auf die südliche Kenai-Peninsula (Halbinsel) zu fahren. Dort warten Gletscher, dreitausend Meter hohe, erloschene Vulkane und türkisfarbene Bergseen auf uns.

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