Manitoba-Saskatchewan-Alberta-British Columbia-Yukon

Von Manitoba quer durch die Mitte Nordamerikas bis zum Yukon nach Nordwesten

(unsere Reiseroute)

In Portage la Prairie beginnt unser nächstes Kapitel und hier trennen sich zwei große Fernstraßen in Richtung Westen. Der Trans Canada Highway Nr. 1 (TCH1) geht südlich weiter Richtung Vancouver und ist im Ganzen schon mal 7.821 km lang. Damit ist er die längste Autostraße eines einzelnen Landes weltweit. Gestartet wurde das gigantische Bauvorhaben 1950 und schon 1962 offiziell eingeweiht. Mit über einer Milliarde Dollar Baukosten ist der TCH die Main Street Kanadas.

So ca. die Hälfte dieses Asphaltbandes - mit vielen Umwegen - sind wir seit dem östlichen Beginn bei Halifax (Nova Scotia) bis zur fast perfekten, geographischen Mitte des nordamerikanischen Kontinentes, in/bei Winnipeg (Manitoba) gefahren. Jetzt entscheiden wir uns (ein gutes Stück der weiteren Wegstrecke) für den nicht minder interessanten Yellowhead Highway, der als Nr. 16 von Portage la Prairie durch 4 Provinzen bis Prince Rupert an der pazifischen Schärenküste, nach British Columbia, geht. Dabei führt er eher nach Nordwesten.

Nach dem kleinen Städtchen Russell in Manitoba erreichen wir das Weizenland Saskatchewan. Die Felder sind um diese Zeit, Mitte Juni, allerdings noch grün und sogar noch weitestgehend unbestellt. Wir vermuten, dass die Getreidesaison hier später losgeht und die unzähligen Lagerhäuser und Silogebäude lassen schon klar erkennen, dass sich hier die Weizenkammer Nordamerikas befindet.

Gletscher diverser Eiszeiten bedeckten Nordamerika mehrmals - bis südlich der großen Seen - mit Eispanzern von über 1.000 Meter Dicke und haben diese gewaltige Ebene hier ‚glattgehobelt’. Danach sind hier Zehntausende von großen und kleinen Seen entstanden, dazwischen Waldgebiete und in den letzten hundert Jahren eben auch diese landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Das alles verläuft aber nicht auf dem Meeresniveau, wie wir vermuteten, sondern man bewegt sich hier immer so auf 500 bis 650 Metern über Normal Null! Also eine gigantische Hochebene, aber brettflach ist es auch nicht, eher eine grüne Hügellandschaft.

Die nächste, größere Stadt ist Saskatoon, (die größte in Saskatchewan), aber die Hauptstadt ist Regina und liegt südlicher, am TCH. Nach vielen, vielen Kilometern durch die große Ebene, durch kleine, staubige Nester und vorbei an unglaublich vielen neuen und uralten Landmaschinen wirkt Saskatoon erst mal wir eine richtig handfeste Großstadt. Das ist sie auch, aber man kann ihre Ausstrahlung nicht mit denen der bekannten Metropolen im kanadischen Osten vergleichen. Es geht (für uns) eher noch einen Schritt zurück nach dem Besuch von Winnipeg. Oder anders gesagt, so richtig begeistern kann uns Saskatoon nicht. Das liegt sicher auch daran, dass die Straßen in Zentrum wieder mal recht zerlöchert sind und wir hier den Eindruck haben, dass nicht gerade viel geboten ist. Immerhin hat Saskatoon 222.000 Einwohner und im gesamten Präriestaat, der sich ja bis weit nach Norden zieht, gibt es knapp eine Millionen Menschen.

Das der klangvolle Name dieser zentralen Provinz aus dem indianischen kommt, war eine richtige Vermutung: Die Cree prägten die Wortschöpfung Kisiskatchewani Sipi, was sinngemäß ‚schnell fließender Fluss’ heißt. Nun, der Saskatchewan River fließt auch durch Saskatoon und wir konnten ihn einige Kilometer an seinem Lauf nach Westen begleiten. Der schon gewaltige Fluss hat in der ansonsten recht flachen, ebenen Gegend ein imposantes Tal, teils einen Canyon gegraben und führt durch die extremen Niederschläge der letzten Wochen viel Wasser.

Die Wiesen und Felder am Yellowhead Highway stehen unter Wasser und der Dauerregen scheint heuer wirklich die gesamte Nordhalbkugel zu betreffen. Ab und zu stoppen wir immer wieder in kleinen Nestern, wo zwischen verrosteten Zapfsäulen, museumsreifen Traktoren und urigen General-Stores die Zeit stehengeblieben scheint.

Wir treffen dort Originale wie Bill und sein in die Jahre gekommenes Schoßhündchen, deren Fahrzeuginneres wie ein Rumpelladen wirkt und die in ihrer Kabine noch viel weniger Platz haben als wir. Eigentlich reicht es nur zum Fahren und ihre Kabine hat gerade genug Platz für ein kleines Bett - für Küche, WC, Sitzecke bzw. Dusche ist leider keine Möglichkeit. Auch hier werden wir immer wieder gefragt, von wo genau wir herkommen und wie wir unser Fahrzeug ‚über den großen Teich’ bekommen haben.

Nach einigen Tagen in der weiten, flachen Prärie überqueren wir die Grenze nach Alberta. Bis zur hiesigen Hauptstadt ändert sich die Landschaft nur unwesentlich.

So kann man die Skyline von Edmonton schon von sehr weitem sehen. Edmonton ist eine relativ junge Stadt und erst seit 1905 Hauptstadt der Provinz Alberta (vorher Calgary). So richtig am wachsen und expandieren ist man hier seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Etwas über 800.000 Menschen leben in der modernen City mit Blick auf die schneebedeckten Rocky Mountains.

Klar, in dieser Stadt findet man altes und historisches (auch nach nordamerikanischen Verständnis) eher nicht, aber weltbekannt geworden ist Edmonton durch ihre gleichnamige Mall, also ein wirklich gigantisches Einkaufszentrum! Die Mall, 1981 eröffnet, war bis 2004 der größte, zusammenhängende Shoppingkomplex der Welt mit integrierter Eislaufhalle, einen Freizeitpark mit vielen Fahrgeschäften, einem großen Wasserpark mit Wellenbad und Riesenrutschen… Luft holen: weiterhin einem ‚Deep Sea Adventure Park’ (also ein Tauch-Becken mit Mini-U-Boot), einem Replik von Kolumbus’ Flaggschiff „Santa Maria“, Seelöwen- und Delphin-Show und – ganz nebenbei Lachend gibt es auch noch ca. 460 Geschäfte und viele Restaurants auf einer Fläche von 570.000 qm bei der dritten Ausbaustufe 1985.

Es gab dafür sechs Einträge im Guinness Buch der Rekorde und nicht zu vergessen - das alles war die Idee einer persischen Geschäftsfamilie, die in den 70er Jahren nach Kanada einwanderte und diese gigantische Mall für über eine Milliarde Kanadische Dollar aufgebaut hat. Heute gibt es aktuell noch 26 Kinosäle, ein IMAX Theater und über 100 Restaurants dort. Alles unter ‚einem Dach’ sozusagen und nicht nur für schlechtes Wetter eine Attraktion für die ganze Familie mit (notwendigen) Fußfallplatzgroßen Parkflächen. Wer einmal auf den größten Parkplatz der Welt (mit 23.000 Stellplätzen!) sein Auto suchen möchte, kann das hier auch probieren. Wir haben uns Esmis’s Platz gut gemerkt, aber man kann sie schon besser wiederfinden als einen kleinen PKW.

Wir bummeln stundenlang durch diesen verrückten Shoppingtempel und fragen uns wieder mal, wohin die Gigantomanie, Bauwut und der gegenseitige, internationale Wettkampf um „Größer-Höher-Weiter“ noch führen soll. Wir wissen ja seit kurzem, wohin dass im Falle von Dubais Extrembauten und weiter geplanten Projekten noch führen kann. Die aktuell größten Malls der Welt stehen heute u.a. in China, Dubai, Malaysia, Thailand oder im türkischen Istanbul. Was man allerdings über diese Einrichtung im Westen von Edmonton sagen kann: Alles wird hier immer noch gut genutzt, ist gepflegt und wird instand gehalten, was man eben nicht immer über die Prestige-Bauten weltweit behaupten kann.

An einem Sonnentag im Juni erkunden wir die zentrale Innenstadt von Albertas Kapitale (nur Calgary ist größer) – alles ist sehr entspannt und für eine Großstadt relativ ruhig und sauber.

Wir freuen uns aber auch auf die Berge im Nordwesten und die weiten Naturlandschaften der Rocky Mountains und bleiben nicht mehr als 2-3 Tage in den großen Citys hängen, das alles gehört bei einer Tour durch das moderne Nordamerika zusammen. Man nutzt die Einkaufsmöglichkeiten, besucht Sehenswürdigkeiten und manchmal ein gutes Museum, doch dann sind wir lieber wieder zwischen Bergen, Seen und der weiten Prärie unterwegs und suchen uns einen (Nacht) -Platz irgendwo am Ende einer staubigen Piste oder im Wald. Wobei es bei uns wieder Dauerbesuch der summenden Quälgeister gibt, mit allen Konsequenzen, Juckenderweise, na, egal.

Auch nordwestlich dieser letzten Großstadt ist alles sehr eben, allerdings auch auf einem Niveau von ca. 800 Höhenmetern. Einige Hundert km weiter empfängt uns Grande Prairie, immerhin 55.000 Leute leben hier, und auch dieser Ortsname ist wieder Programm. Wir lassen in der staubigen Hitze dieser weit auseinandergezogenen Stadt unseren nächsten Motorölwechsel machen.

Hier hat es im Moment über 30 Grad, auch nicht gerade normal. Das Ergebnis dieser (für die nördliche Region) seltenen Affenhitze ist, dass unverhältnismäßig viele Pickup-Fahrer ihre Reifen (und Nerven) durchdrehen lassen. Es gibt ein Konzert von fast ständigen Motorgejaule und Reifengequietsche an jeder möglichen Kreuzung. Die teils riesigen Pickups sind hier im Norden klar in der Überzahl - den ‚normalen’ Autos gegenüber - viele der Trucks und SUVs sind extrem getuned und hochhackig wie die speziellen ‚Monstertrucks’, die Auspuffrohre aufgebohrt und oft am Ende nicht selten mit bis zu 40cm (!!) fetten Rohren ausgestattet. Das macht einen Sound wie ein Panzer im Vollgas oder man meint, in der Nähe eines Armee-Truppenschießplatzes zu sein. Entweder es röhrt wie eine ganze Hirschbullenkompanie in der Brunft, oder/und es knattert wie beim Angriff einer Staffel Doppeldecker. Wer hier solche Geräusche erzeugt, ist nach (eigenen Empfinden) der allergrößte. Der lauteste in jedem Falle. Der fehlende TÜV lässt skurrile Konstruktionen zu und viele Karren ‚stehen’ durch das extreme Wetter der letzten Wochen so vor Schlamm und Dreck, dass eine Grundfarbe, ein Fabrikat oder Nummernschild schon lange nicht mehr zu erkennen ist. Der unweite ‚Likörstore’ in der Nähe unseres heutigen Standplatzes ist bis spät nachts belagert und immer wieder gelangen mehrere Gramm Gummi direkt auf die heißen Straßen, wenn die ‚coolen Typen’ mit ihren PS-Schleudern ihre Bräute beeindrucken möchten. So richtig zur Ruhe kommt man dabei eher weniger. Der Spuk lässt hier erst nach Mitternacht ein wenig nach - ein „Phänomen“, das wir schon mehrmals auf unserer Tour bei plötzlicher, großer Hitze beobachten konnten. Manche Leute drehen dabei regelmäßig durch, vor allem aber auch ihre Reifen.

Sehr schön ist die riesige Tierplastik im Örtchen Beaverlodge. Fast alle halten hier an und machen ein Foto mit Kanadas National-Nager No.1. Das kapitale Viech ist 4,6 Meter hoch, 5,5 Meter lang, 3 Meter breit und wiegt 3.000 Pfund. Es wurde in Calgary hergestellt und mit Tiefladern hierher geschafft, wo es seit vielen Jahren als Symbolfigur die Reisenden im Norden grüßt. Für die schönen Zähnchen würde man wahrscheinlich eine komplette Tube Pasta brauchen - gut für die possierlichen Pelztiere, das sie so eine Pflege im ‚wahren Leben’ nicht nötig haben Lachend .

Am nächsten Tage überqueren wir die Grenze nach British Columbia (BC) und haben damit vom der östlichen Atlantic-Provinz Neuschottland den Kontinent bis zur westlichsten Provinz British Columbia durchquert. BC liegt am Pazifischen Ozean zwischen Alberta, der USA im Süden und dem Yukon Territory im Norden.

Zu Kanadas Nationalfeiertag am 1. Juli erreichen wir Dawson Creek, den südlichen Anfangspunkt des legendären Alaska Highway. Alles ist hier auf die Versorgung der Durchreisenden auf dieser Trasse ausgerichtet und wir haben am ‚Canada-Day‘ 33 Grad im Schatten. Es hat fast alles geschlossen an diesem Tage. Wir warten auf einen Zahnarzt-Termin für Tom (ein großes Stück Backenzahn inklusive Füllung ging stiften) und erfahren am nächsten Tag, dass hier im Ort gar nichts geht, wir werden weiter nach Norden, nach Fort St. John geschickt.

Dort angekommen stellen wir erst mal fest, dass der vor 80 km frisch gewechselte Keilriemen zur Servopumpe schon wieder (fast) runtergerutscht ist und ein weiterer Riemen zur Lichtmaschine ist gerissen. Allgemeine Begeisterung! Die Werkstatt von ‚Canadian Tire’ in Fort St. John wechselt und repariert uns die Geschichte erst mal auf die Garantie der ‚Vorwerkstatt’ in Dawson Creek. Wieder Schlamperei in Dawson? Nach einigem Suchen stellen die Mechaniker in Fort St. John fest, dass dies alles wahrscheinlich eine ‚Kettenreaktion’ auf den Reparaturfehler in Kentucky war/ist, wo man vergessen hatte, eine Umlenkrolle wieder ordentlich zu befestigen. Diese Rolle war dann runtergefallen, verkeilte sich ins Lüfter-Rad und beschädigte die restlichen Riemen sowie einiges am Hauptriemenrad (engl. Crank Pulley). Deshalb auch der unnormal große Verschleiß an Keilreimen.

Dann kam der obligatorische Blick in den Computer der Werkstatt. Was der zu sagen hatte, wussten wir inzwischen schon vorher: Keine Teile sind zu haben und nach längeren Telefonaten mit der Mitsu-Zentrale war klar, dass es auch keine ähnlichen, möglicherweise zu verwendenden Teile gibt, nicht in den USA, Kanada oder Mexico. Lieferung aus Japan evtl. 3 Wochen bis 3 Monate. Was für eine genaue Aussage, unglaublich. Also versuchen wir 1. die Teile aus Deutschland zu bekommen und 2. – diese so schnell wie möglich hier ranzuschaffen. Nach stundenlanger Suche, Recherche und einigen Skype-Gesprächen haben wir die Teile in Dresden beim Mitsubishi-Händler besorgen und diese dann per FedEx nach Kanada schicken lassen - die Post braucht ja auch mindestens 3 Wochen. Am Ende hat es nach sehr schneller Abholung in DD und einem zügigen Transport über Memphis bis Edmonton (nur) 3 Tage und für die Zoll-Freigabe und die restliche Strecke in den Norden von British Columbia insgesamt ca. 5 Tage gedauert, bis alles da war. Ausgenommen die Bürokratie des Zoll und das zwangsläufige Warte-Wochenende in Edmonton ist das schon recht zügig gegangen! Ein ganz dickes Dankeschön an Kerstin und Andreas in Elbflorenz für das schnelle Besorgen, Verpacken und den Druck der Versanddokumente!!! Was wir bei dieser Aktion auch gelernt haben, ist, dass es online beim Ausfüllen der Dokumente ein echt unfassbarer ‚Schreib-Marathon’ ist, der da von Fedex vorgegeben wird. Er erfordert stundenlanges, nervig-zermürbendes Suchen nach Daten und die Konfrontation mit wirklich kaum zu wissenden Zoll-Bezeichnungen, Abkürzungen und Fragen, die da alle wegen eines zu versendenden Paketes zu beantworten sind. Allein das hat einige Stunden gedauert.

Im Prinzip genau so lange wie die Reparatur selbst. Insgesamt viereinhalb Stunden musste an der Esmeralda gebastelt werden, bis wir wieder auf den Alaska Highway fahren konnten.

Wir lernen den Ort Fort St. John dadurch etwas besser kennen und Thomas kann seinen Zahn behandeln lassen, auch in Kanada ein relativ teurer ‚Spaß’! Wir fahren zum nur 14 km entfernten „Charlie Lake Provincial Park“ und verbringen einen Sommertag am See. Schon wieder sind wir hier die „Exoten“ und werden immer wieder angesprochen wegen unseres deutschen Nummernschildes. Ganz schnell sind wir von Pickups mit teils großen Booten umstellt, die hier auf den Charlie Lake rausfahren wollen. Wir werden tatsächlich ab und zu mal gefragt, warum wir kein Boot dabei haben, denn das ist hier so obligatorisch wir eine Anhängerkupplung…

Und wir lernen auf unseren Lieblingsplatz am Safeway Mona Lisa kennen. Wer das ist? Nun, eine Mischlingshündin, deren Eigenheim gleich auf dem Pickup montiert wurde und die mit ihrer ‚Chefin’ fast jeden Tag bei uns parkt. Eine fahrende Hundehütte als Pickup hatten wir so bisher auch noch nicht gesehen und das auffällige Vehikel ist wohl eine der schräg-schönen Attraktionen des Ortes geworden. Und Mona Lisa (weil sie so lächelt…sagt ihre Besitzerin) genießt den Fahrtwind mit schlabbernden Ohren.

Überhaupt ist der Hund als unbedingtes, bellendes Zubehör eines nordamerikanischen Pickup-Trucks so stark verbreitet, dass wir den Verdacht hegen, die wachsamen Vierbeiner gibt es bei manchen Anbietern schon automatisch mit dazu, beim Autokauf. Je nach Typ und Ausstattung fährt jeder/jede, der auf sich hält hier mit einem, zwei oder mehr begeistert kläffenden Hunden auf der Ladefläche rum. Man spricht schon von der Gattung „Pickupdog“, so allgegenwärtig sind die Tiere hier überall auf den Ladeflächen der offenen Fahrzeuge anzutreffen. Eine Spezialität, die uns schon seit vielen Jahren immer wieder mal in den USA und Kanada auffällt. Dieses Mal natürlich ganz besonders und das muss man einfach mal zur Sprache bringen. Wir machen uns nur oft ernste Sorgen um die Hunde – die – meist vollkommen ungesichert auf der Pickup-Fläche stehen/hocken und im Falle einer Notbremsung sicher als ‚fliegende Hot-Dogs’ quer durch die Kante schießen! Schwere Verletzungen bei den Tieren selbst und anderen, in Flugrichtung stehenden Personen eingeschlossen. Es erfährt die Bezeichnung ‚Flughunde’ eine vollkommen neue, andere Bedeutung…als bei Batman’s Artgenossen.

Da hat es Mona Lisa schon etwas komfortabler mit ihrer formschönen Fahrhütte. Drum merke: Eine (leere, nicht verbaut wie bei uns) Pickup-Ladefläche ohne Hund(en) ist weitestgehend unzulässig und unvollständig im „Frontier Country“.

Das „Frontier Country“, welches wir nun endlich auch wieder nach Norden bereisen können - man kommt ja ganz vom Thema ab durch die fahrenden ‚HotDogs’ von Fort St. John. Nach einer Woche Wartepause tanken wir noch mal relativ günstigen Diesel und entern wieder den Alaska Highway. Die nächste Station ist Ft. Nelson, gerade mal 350 km entfernt und die Abstände zwischen den Orten werden jetzt schon deutlich größer. Alles, was so dazwischen liegt, ist meist kein Ort im bekannten Sinne, sondern ein Rasthaus mit Tanke. Locker 30% dieser ‚Oasen’ sind nicht mehr in Betrieb und sind verlassen, verrammelt, vergammelt oder tragen Schilder wie „For Sale“.

In Fort Nelson gibt es ein schönes, neues Visitorcenter mit vielen Infos, Karten, Trinkwasser, Internet und einen Laden zum Proviant fassen. Eine Schlechtwetterfront beschert uns für fast 2 Tage Regen und einen Temperaturabsturz von fast 25 Grad auf 6-7.

Gar nicht so selten kam es bei langen Baustellen vor, dass wir auf ein Pilotfahrzeug warten mussten, dass dann die nächste Kolonne durch die Baustelle schleust. Hier wird selten mit Ampeln gearbeitet, alle Stoppanweisungen werden Bauarbeitern angezeigt.

Wir überqueren mit dem Summit Pass (1.305 m) den höchsten Punkt der Fernstraße zwischen British Columbia und Alaska und erreichen am Liard River eine Sehens- und vor allem Spürenswürdigkeit erster Klasse.

Vor allem, wenn das Wetter noch relativ kühl und grau ist, sind heiße Quellen ein wunderbarer Anlaufpunkt. Die ‚Hot Springs’ bei Liard River sind in der Region berühmt und schön zugänglich wie ausgebaut. Sie gehören zu einem State Park und die fairen 5 Dollar Eintritt sind eine seit Jahren bestehende, feste Größe und haben sich trotz Modernisierungsmaßnahmen nicht erhöht. Mal was sehr positives inmitten der radikal gestiegenen Preise in Kanada. Schon die Techniker der „Canadian Tires“ –Werkstatt hatten uns auf dieses naturelle Köchelbecken aufmerksam gemacht, geschwärmt und geschwätzt.

Eine Thermalquelle mit über 70 Grad Celsius speist mehrere Naturbecken, die auch durch einen Überlauf verbunden sind. Man kann sich fast kochen lassen oder zwischen angenehmeren 35-39 Grad wählen, je nach Strömung des Wassers und Entfernung zur Quelle. Die stark schwefelig duftenden Quellen ziehen Fans bis aus weit entfernten, amerikanischen Bundesstaaten und dem kanadischen Osten an. Wir finden hier Autonummern aus Texas, Utah, Colorado, Kalifornien, Ontario und Florida. Liard Springs ist ein im wahrsten Sinne des Wortes ‚heißer’ Tipp für Thermalfans und ein Hot Spot zum ausruhen auf der weiten Reise nach Norden.

Durch die vielen Flüsse und Seen und vor allem wegen dem reichlichen Holz (vor der Hütte), fühlen sich besonders die großen Nager wohl und bauen was das Zeug hält. So konnten wir immer wieder schöne Biberdämme bewundern.

Im weiteren Verlauf des Alaska Highway begegnen uns viele Bisons am Straßenrand, teils gewaltige Einzeltiere, meist kapitale Bullen oder sogar eindrucksvolle Herden mit bis zu 50 Tieren, viele Junge sind dabei. Ein wunderbarer, beeindruckender Anblick in unserer heutigen Zeit, nachdem ein krankhaft ballerwütiger Buffalo Bill und seine Anhänger (im 19. Jahrhundert) die Tiere in einem historischen Anfall von sinnlosen töten fast ausgerottet hätten. Ist man heute in den weiten Prärien von Montana, Wyoming (speziell auch im Yellowstone Nationalpark) unterwegs, oder eben hier im Yukon, kann man wieder viele dieser lebenden Fleischberge beim Weiden zusehen.

Ist man in den Morgenstunden unterwegs, kann man auch immer wieder Schwarz- und Braunbären sehen, die an der breiten Piste nach fressbaren suchen. Einige Male überquert Meister Petz flugs im Galopp die Straße und beobachtet uns dann vom Rand her argwöhnisch (Wir auch).

Längst führt die Trasse wieder durch die nördlichen Rocky Mountains und es werden immer mehr Berge und Seen. Der kürzliche Wettereinbruch hat die Gipfel der Zweitausender mit einer dünnen Schicht aus Schnee überzogen, nachdem es hier kurz zuvor noch über 30 Grad hatte und wir sehen die ersten Caribous an der Strecke.

Ein weiteres, für den interessierten Reisenden fast unverzichtbares, kurioses Highlight der besonderen Art befindet sich seit vielen Jahren in der Ortschaft Watson Lake. Wir haben mittlerweile die kanadische Provinz Yukon erreicht und hier in Watson Lake hatte in den 1940er Jahren ein ‚heimwehkranker’ Soldat ein Schild seines Heimatortes aufgestellt - mit einem Entfernungshinweis.

Was sich daraus entwickelt hat, ist heute schon verrückt, denn darauf hin haben zig-tausende von Reisenden dort ebenfalls ihre Autonummernschilder, Heimat-Orts-Schilder, Fotos und Erinnerungsgrüße an Pfähle und Baumstämme genagelt. Aus aller Herren Länder sieht man hier, im außergewöhnlichsten und größten Schilderwald der Welt, die erstaunlichsten Andenken und Relikte. Ein Panoptikum sonders gleichen und man kann vieles Entdecken. Es wurde extra dafür ein Besucherzentrum gebaut und aktuell sind es über 76.000 (!!) hölzerne und blecherne Schilder hier. Auch viele historische Nummernschilder, besonders aus den USA, die es schon lange nicht mehr im Straßenverkehr zu sehen gibt. Wer diese Dinger gar sammelt (und das soll es ja geben-Stirnrunzelnd), der kommt aus dem Staunen und Entdecken gar nicht mehr raus. Man könnte Stunden hier verbringen, einen Foto-Stopp legt aber fast jeder hier ein, wir merken Anhand der ‚Trophäen’ wieder einmal, dass der Anteil der deutschen Reisenden hier oben im kanadischen Yukon relativ hoch ist, ja gefühlt fast Platz drei nach USA und CA.

Weiter nördlich, auch am Liard River gelegen, finden wir an einer Stromschnelle im Fluss einen herrlichen, ruhigen Stellplatz. Die Flut der Schneeschmelze in Frühling hat hier einen grandiosen, ‚horizontalen’ Wald aus teils zerfetzten, ineinander verkeilten Baumstämmen zusammengespült und man ahnt die unglaubliche Kraft des Wassers anhand dieser Verwüstungen nur vage. Es gibt auch kleine und größere Inseln in der reißenden Strömung, das Gefälle ist relativ groß, halt ein schönes Stück wilde Natur.

Momentan sind wir ganz froh, dass wir hier den Sommer des Nordens genießen dürfen, denn es ist bis weit nach Mitternacht hell bzw. dämmrig, auch wenn die Sommersonnenwende schon wieder 3 Wochen hinter uns liegt.

An abgelegenen Truckstopps und bei morsch-hölzernen General-Stores in der Wildnis des Yukon steht an den ehrwürdigen, halb verrosteten Tanksäulen auch schon mal 1,99 für einen Liter Diesel. Gut ist der dran, der da noch Spritreserven hat.

Seit 2003 heißt die Goldprovinz im äußersten Nordwesten Kanadas nur noch Yukon (ohne dem Zusatz ‚Territorium’) und ist ein Land der Extreme, der endlosen Bergketten – das berüchtigte „Klondike Country“. Es gibt nicht sehr viele Straßen im Yukon, aber mit 482.000 qkm ist man flächenmäßig deutlich größer als Deutschland. Es leben sage und schreibe knapp 34.000 Einwohner in dieser Provinz und davon eh’ schon mal Dreiviertel in der Hauptstadt Whitehorse. Daran kann man schon erkennen, dass der Yukon ein Naturfetzen von gewaltiger Größe und viel menschenleerer Natur ist. Der Alaska Highway zieht sich als wichtige Lebensader und Verbindung durch nach Nordwesten.

Wir überqueren die ‚Continental Divide’ beim Truckstop „Rancheria“ und wandern zum gleichnamigen Wasserfall, ab hier fließen alle Gewässer nicht mehr nach Osten, sondern zum Pazifik hin.

Bei Teslin liegt wunderschön der 144 km lange Teslin Lake (das kommt vom indianischen ‚Teslintoo’ = langes, tiefes Wasser). Der Alaska Highway (AH) quert eine Seitenbucht des Sees mit der längsten Brücke der Trasse, die sich in sieben Stahlbögen über das Wasser zieht. Wir stellen fest, dass es trotz großer Entfernung zu den nächsten, etwas größeren Orten hier im Yukon fairere Dieselpreise an den einsamen Lodges gibt und lassen Esmeralda reichlich Sprit schlürfen – man muss hier sowieso nahezu jede Tanke ‚mitnehmen’, um nicht mal plötzlich leer zu fahren.

Ca. 2 km nach der Brücke kommt man an die ‚Teslin Tlingit Indian Reservation’ und kann neben dem recht agilen Jäger- und Fischer -Dorf ein sehr schönes Besucherzentrum der Indian Nation besuchen (machen wir natürlich!) Wir unterhalten uns mit der älteren Dame im Visitor Center und werden auch über unsere Reise interessiert ausgefragt. Dafür bekommen wir noch ein Poster von den nächsten Indian Native Games geschenkt, die hier jedes Jahr stattfinden. Vielleicht können wir das gute Stück heil nach Hause retten, das ist immer schwierig bei so einer längeren Reise Verschlossen, wie mit allem Andenken, ‚Mitbringseln’ etc. Vor dem Begegnungszentrum stehen schöne, neu angefertigte Totems und ein traditionelles Kanu in den klassischen Farben des Teslin-Stammes. Nach diesem kleinen, lohnenden Umweg geht es für uns weiter nach Norden.

Unterwegs hören und lesen wir von Atlin, einem sehr abgelegenen Goldgräbernest. Erreichen kann man Atlin nur auf einer 95 km langen Stichstraße – die vom AH abgeht, ein schmuckes Örtchen. Die Lage am kleinen und großen Atlin Lake und das Berg- und Gletscherpanorama ringsum macht Atlin zu einem der schönst gelegenen Plätze im nördlichen British Columbia (die Piste geht in dem Falle wieder nach Süden aus dem Yukon raus) und zu einem heißen Tipp der Reiseführer. Auch andere Reisende und eingeborene Rancher schwärmen von Atlin, das vor über 100 Jahren durch einen großen Goldrausch für einige Jahre berühmt wurde und seine Einwohnerzahl damals (heute ca. 500) vervielfachte. Das Wetter passt, Esmi läuft wieder zuverlässig, also biegen wir bei Jakes Corner links auf die Atlin Road, die in ihrer Qualität so ziemlich alle Schattierungen zwischen neuem Asphalt (wenig) über Reste desselben, Schotter, Staubpiste und feldähnlichen Rumpelacker in sich vereinigt. Ohne „Waynes’ Work“ – also unserer neuen Zusatzaufhängung der Kabine hätten wir diese Extratour vermutlich nicht gemacht, aber allein schon die Streckenführung an den riesigen Atlin Lakes ist die Reise wert!

Uns kommen erstaunlicherweise über 300 (!!) Fahrzeuge entgegen und das ist verglichen mit dem Verkehr auf dem AH sehr viel. In Atlin ist gerade ein Musikfestival zu Ende gegangen und war hier sicher das Highlight der Saison in dieser Gegend. Viele Regionale Künstler spielten dort in den letzten 3 Tagen, hätte uns das Warten auf die Teile und die Reparatur nicht 6 Tage aufgehalten, wären wir vielleicht auch dabei gewesen. Allerdings mit 120 kanadischen Dollar Eintritt auch ein preisintensiver Spaß für durchweg eher unbekannte Bands.

Vom großen Goldrausch in Atlin ist nicht mehr viel übrig, aber der kleine Ort und seine fantastische See-Lage entschädigt tatsächlich für die abenteuerliche Straße und unruhige Fahrt nach Atlin. Es sind uns wieder mal fast alle Küchensachen verrutscht oder aus der Halterung geflogen, so heftig schepperte unser Fahrzeug die zerlöcherten Teile der Piste lang. Passt man auf der anstrengenden Strecke nicht immer extrem auf, kann die Fahrt schnell zu Ende sein.

Im Sommer leben immer noch viele Künstler und Freischaffende hier, ansonsten hat man manchmal den Eindruck, inmitten einer Geisterstadt zu spazieren. Viele Häuser wirken verlassen oder vom ‚Zahn der Zeit’ stark angenagt, aber so entsteht hier in Atlin ein ganz besonderes Ambiente. Wir fahren abends wieder mal in die nahen Berge und finden abseits der Straßen, oberhalb des kleinen, regionalen Airports einen ruhigen Stellplatz mit Blick auf die Stromschnellen des Atlin River und die schneebedeckten Rocky Mountains am Horizont.

Nachdem wir am nächsten Tage noch beim Einkauf die Crew des ‚Tausend-Dinge & Bäckerei’ – Ladens kennen lernen (der alte Laden soll leider auch verkauft werden, wie ein Schild ankündigt), geht es zurück zum Alaska Highway.

Nach ca. 2 Stunden kommen wir in die kleine Hauptstadt des Yukon, nach Whitehorse. Die Stadt liegt etwas abseits des AH in einem breiten Tal am mächtigen Yukon River und gleich an Südeingang gibt es eine positive Überraschung: Bei einem Stadt-Info-Schild entdecken wir das Nest eines Weißkopfseeadler-Pärchens mit drei (!) fast erwachsenen Jungen darin, das stattliche Männchen ist ein prachtvolles Exemplar und ein schönes Fotomotiv.

Ein Stück weiter liegt die MS Klondike gut erhalten zur Besichtigung da – zu Zeiten des Goldrausches brachte der Schaufelraddampfer die Glücksritter zum Klondike River nach Dawson City.

Mit 23.000 Einwohnern ist Whitehorse nicht grade eine Großstadt, aber für uns gibt es alles Wichtige zum Einkaufen. Am Walmart Parkplatz findet man hier so viele Camper, WoMo’s und Anhänger wie sonst noch nirgends auf unserer langen Tour durch Nordamerika. Natürlich sind es vor allem Einheimische und US-Amerikaner mit ihren Riesenmobilen, aber dann gibt es auch ein kleines, germanisches Globetrottertreffen. Vier Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen stehen abends zusammen! Man kommt aus Stuttgart, Görlitz (bei Oderwitz!), Deggendorf und dem Norden bei Bremen. Wir reden lange mit Manfred und Rita, die mit ihren riesigen 14t-Volvotruck unterwegs sind und auch erst mal Kurs auf den Norden nehmen wollen. Es ist immer wieder schön, Gleichgesinnte zu treffen und Tipps oder Erfahrungen auszutauschen, oder nur einfach über die vielen, fantastischen Reiseziele weltweit zu diskutieren. Man muss sich hier im hohem Norden wieder daran gewöhnen, das es zu dieser Jahreszeit eigentlich gar nicht mehr dunkel wird und so stehen wir bei recht akzeptablem ‚Tageslicht’ weit nach Mitternacht noch draußen und lassen uns von den allgegenwärtigen Moskitos auffressen.

Es gibt in Whitehorse ein großes, zentrales Infozentrum, das uns wieder mit vielen Karten und Broschüren über die Ziele rundherum ausstattet, sowie Trinkwasser und freundliche Mitarbeiter. Nur das Internet ist so schlecht und langsam (wie schon oft in der Region), das es einfach gar keinen großen Sinn macht: Man bekommt 20 Minuten Zugang und eine ‚normale’ Seite braucht hier schon fast zehn Minuten zum Aufbau. Mails mit Anhang kommen gar nicht erst ‚durch’ und da nützt die „Verlängerung“ der 20 Minuten auch nicht viel, mit dem langsamen Server kann man heute eigentlich gar nicht mehr arbeiten! Wir haben das auch schon in anderen Bibliotheken und eher öffentlichen Einrichtungen hier im Nordwesten Kanadas bemerkt, das man technisch leider noch nicht auf dem Stand der Dinge ist.

Kurz nach Whitehorse biegt als ‚alternative’ Strecke zum Alaska Highway der „Klondike Highway“ nach Nordost ab. Dieser Weg führt teils sehr schön am Yukon River entlang und das Hauptziel ist die alte Hauptstadt, Dawson City am Zusammenfluss des Klondike River und des größeren Yukon. Schlimme Walbrände haben hier immer wieder getobt, wie Schilder und viel verkohlte Bäume ringsum zeigen. Auch aktuell brennt es wieder an einigen Stellen und kilometerweit ist der typische Holzfeuerrauch in der Luft und die Sicht stellenweise schlecht. Wir hoffen, dass wir noch weiterkommen, sonst hieße es viele hundert Kilometer zurück und Verzicht auf Dawson – aber wir kommen heute gut durch.

Die Übernachtungsplätze, die wir z.B. an einsamen Kiesgruben finden, sind fantastisch ruhig und es ist Zeit für ein Lagerfeuerchen. Der Qualm schreckt die stechenden Geschwader von fliegenden Vampiren überhaupt nicht ab und während wir etwas leckeres Grillen werden wir reichlich durch Jeans und Shirts gestochen. Irgendwann muss man ins Fahrzeug flüchten, weil man sich vor den zig’ Viechern nicht mehr retten kann.

In Dawson City erwartet uns eine Vorzeige-Westernstadt wie im Film, natürlich lebt man hier von der Geschichte des größten Goldrausches im ausgehenden 19. Jahrhundert, und vom Geiste Jack Londons, der hier seine Geschichten schrieb und wahrscheinlich vieles nahezu authentisch erlebte.

Selbst hat man diese Bücher in jüngeren Jahren ‚verschlungen’, aber damals eher nicht erwartet, einmal hier über die Lehmstraßen zu ziehen. Es gibt nur Asphalt um den Ort herum, in Dawson City sind die Straßen und Wege original „auf Dreck gebaut“ (wie M. M. Westernhagen treffend besingt). Die Bürgersteige sind stilecht als Holzstege gebaut bzw. wurden extra so belassen. Regnet es stark und ist es noch dazu warm, dann kann es schon vorkommen, dass man sich nach zu viel Bourbon beim Saloonbesuch und einem doppelten Rittberger als Herr „Le(h)mann“ wiederfindet, so urig sind die Straßen in Dawson City. Wir testen das jetzt aber nicht zu intensiv, denn wir wollen ja abends noch die Autofähre über den Yukon nehmen.

Vorher besuchen wir noch die Goldfelder rund um Dawson und überall sieht man tonnenweisen Abraum, hingeschüttet und x-mal durchgewühlt. Die treffend genannte ‚Bonanza Road’ geht ca. 15 km von Dawson nach Norden zu den immer noch sehr betriebsamen Claim's der heutigen Glücksritter. Alles in privater Hand, aber ein Schürfplatz ist für (Durch-) Reisende und Gelegenheitssucher freigegeben. Wir treffen dort ein sehr schweigsames Original aus Alaska, der mit vollem Equipment loslegt.

Angeblich findet man schon noch ‚einiges’ des Edelmetalls, sagte uns ein italienischer Goldsucher, der hier schon einige Jahre lebt. Per Gesetz darf jeder suchen, aber natürlich nur dort, wo noch keine privaten Claims abgesteckt sind. Platz ist noch reichlich, richtig Gewinn macht man allerdings erst nach Investition in spezielle Maschinen, und etwas Glück, Intuition und Geologisches Wissen kann nicht verkehrt sein.

Wir finden auch viel Schotter, aber eben keinen goldenen (!!) und die allgegenwärtigen Moskitos am Fluss verlangen entweder eine massive, dauerhafte, chemische Keule auf Haut und Klamotten oder die Ruhe und das dicke Fell eines Moschusochsen bei der Winterwanderung durch die Tundra. Die Haudegen mit ihren flachen Schüsseln haben gegen die Viecherplage individuell selbstgemixte Spezialtinkturen, deren Magen-spaltende Zusammensetzungen sie genau so geheim halten wie ihre besten Schürfplätze. Was man ja auch verstehen kann. Die größte Goldwühlmaschine der Geschichte mit dem schönen Namen „Dredge Nr.4“ steht hier schon lange still. Wir düsen schwer beeindruckt wieder nach Dawson City und tanken Esmeralda noch einmal voll.

Die Yukon-Fähre ist hier sogar umsonst und bringt alle großen und kleinen Fahrzeuge rüber zum Start des „Top of the World“ Highway, der sich bis zu 150 Kilometer, immer auf den Kammlagen des Gebirges entlang, zur Grenze nach Alaska zieht. Die gut motorisierte, kleine Fähre bringt uns in 6-7 Minuten über den Fluss, denn wir haben uns mit den Passauer und Stuttgarter Reisebekanntschaften an einem Stellplatz drüben verabredet. Das Timing klappt gut und so können wir an diesem Platze noch einmal Geschichten und Tipps austauschen. Manfred und Rita zieht es mit ihren Volvo-Truck erst mal zum Dempster Hwy und wir anderen wollen jetzt endlich in den 49. und mit Abstand größten Bundesstaat der USA, nach Alaska.

Nach einigen, wenigen ruhigen Kilometern verlässt uns wieder der Straßenbelag bis auf weiteres, denn ca. 170 km des ‚Top’ führen als etwas durchwachsene ‚Gravel’-Road über die Berge. Der Ausblick bei fast bester Fernsicht ist aber schon den Weg zur einsamsten und nördlichsten amerikanisch-kanadischen Grenzstation wert. Einfach toll, wie man diese Trasse durch das Gebirge ‚gezaubert’ hat.

Wir sehen uns bald wieder in Alaska!

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