Von Toronto bis Winnipeg

Eine Reise vom Kanadas Boomtown zur Prärie in der Mitte des Kontinentes

(unsere Reiseroute)

Es ist schon eigenartig, wie die Eingeborenen (und englisch sprechenden, zugezogenen) den doch recht knackigen Namen ihrer Hauptstadt aussprechen, nicht wie wir (eher so, wie man es eben schreibt), sondern das klingt mehrfach wie ‚Doronno’, und das auch noch schnell und regelrecht ‚wegwerfend’ ausgesprochen. Das hört man hier immer wieder.

Nachdem wir uns mit unserer Reiseschildkröte als ‚kleine Abkürzung’ über eher stark holperige Nebenstraßen gequält hatten, ging es dann doch wieder auf einen großen Highway am Ontariosee entlang. Der See ist einfach gigantisch anzusehen. Bis zur US-amerikanischen Grenze im Süden sind es ca. 100 km, also kein Ufer in Sicht!

Im Umland von Toronto gibt es noch reichlich ‚Vorstädte’, die ihrerseits auch schon mal 125.000 bis zu einer dreiviertel Millionen Einwohner haben und davon gibt’s’ drum rum gleich mehrere. Das macht im gesamten Ballungsraum fast 6 Millionen Menschen aus. Ontarios Hauptstadt ist die größte Metropole Kanadas mit knapp 3 Mill. Einwohnern. Am See gibt es vom Süden wie vom Nordwesten aus gute Schnellbahnverbindungen, die bis zum Zentrum, zur Union Station in Toronto, führen. Von dort hat man einen idealen Ausgangspunkt, diese City zu erkunden.

Toronto hat den Ruf, die multikulturellste Stadt in Nordamerika zu sein. Es gibt mittlerweile eine größere Masse an verschiedenen Minderheiten - als die der englisch sprechenden Einwohner zusammen. Und es funktioniert dort besser als irgendwo sonst in der Welt, so sagen es zumindest Statements, Statistiken und auch nicht zuletzt das Gefühl, wenn man durch diese Stadt geht, wenn man in den Nebenstraßen unterwegs ist oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eines fällt uns gerade gewaltig auf in Toronto von 2013: Überall ist momentan Baustelle, ob aufgerissene Straßen (ist ja positiv, wenn da was geht!) oder dutzende Kräne auf den Wolkenkratzern der Stadt, an allen möglichen Stellen wird gebaut, gebaggert und renoviert. Das geschieht in einem derart extremen Maße, das es schon nervt und fast übertrieben wirkt.

Der ‚Broadway von Toronto’ heißt hier ‚Younge Street’ und steht dem Big Brother im Big Apple NYC echt nicht viel nach. Er ist viele Kilometer lang und führt vom Ufer des Ontariosees quer durch die 2,6 Millionenstadt. Nur gibt es hier viel mehr Musikläden und ‚normale’ Kneipen entlang der Younge Street. Es fällt sehr schwer, sich anhand der riesigen Zahl an Möglichkeiten für ein Mittagsmahl zu entscheiden. Wir lunchen diesmal libanesisch mit Fleisch und Gemüse im Fladenbrot und scharfen Gewürzen, keine schlechte Wahl.

Einen Time-Square-ähnlichen Platz mit Werbe-Bildschirm-Overkill gibt es auch, sowie ein Hard Rock Cafe, eine Open Air Bühne und ein gerade aktuell über 5 Tage laufendes Musikfestival. Kanada hat hier längst eine eigene, etwas kleinere, aber sehr sympathische Welthauptstadt geschaffen, die es mit dem Erscheinungsbild und der Ansammlung an echt spektakulären Wolkenkratzern mit NYC, Chicago und Miami aufnehmen kann. Sir Peter Ustinov sagte über Toronto: „Ein New York, verwaltet von der Schweiz“, das sagt einiges über die Sicherheit, Sauberkeit und das Feeling in der Metropole am Ontariosee. Klar: Trotzdem sollte jeder seine Wohnung oder Fahrzeug abschließen. Es passiert trotz allem genug, aber allgemein ist Toronto schon deutlich sicherer als es in manchen Großstädten einige hundert Kilometer weiter südlich der Fall ist.

Bei der Tour auf der Younge Street wurden wir am Ende unseres ‚Torontages’ noch Augenzeugen eines skurrilen Umzuges der ganz besonderen Art. Unter dem Motto von Umweltschutzparolen und anderen, grünen Ansätzen (alles haben wir leider nicht verstanden) gab es eine bunte Fahrradparade aus Herren und Damen zu sehen, die selbst zu ca. 80% splitternackt trampelnd, klingelnd, johlend und sich selbst zelebrierend, durch die Straßen zogen. Das verrückte, herrlich schräge Bild der Parade erinnerte sehr deutlich an eines der schönsten Schallplatten-Innen-Cover der 70er’Rockgeschichte: Gemeint ist Queen mit ihrem Single-Knaller „Bicycle Race“ auf dem „Jazz“-Album, wo in einer schönen Großaufnahme, eine Truppe von 65 meist jüngeren Damen nackt auf einem Drahtesel durch die Wimbledon Arena reiten. Im Jahre 1978 genau war es, da organisierte die Band um Freddy Mercury die Aufnahmen zu diesem Spaß, es gibt auch ein offizielles Video davon.

Da wir uns eh’ einige Tage in der Umgebung der großen Stadt herumtreiben, nutzen wir die Gelegenheit und suchen uns professionelle Hilfe zur weiteren besseren Fixierung der Kabine auf/am Pickup. Die Kanadier sind ja sozusagen ‚Weltmeister’ in dieser Branche, denn nirgends sonst sieht man so viele Pickup-Camper in allen verrückten Größen und Ausführungen wie im Lande des Ahornblattes. Wir fragen uns über einen WoMo-Fachhändler zu einer Schweißerwerkstatt durch, die gleich in der Nähe, im Vorort Whitby zu finden ist. Dort lernen wir ein ganz besonderes ‚Original’ kennen, einen Schweißermeister der alten Schule, der in einem Familienbetrieb alle möglichen und (fast) unmöglichen Arbeiten am Stahl durchführt und das Hemdsärmelig, unkompliziert und unheimlich freundlich wie nett. Und vor allem, ohne dem großen, aber meist leeren Geschwafel von Schlipsträgern, die uns in den vergangenen Wochen in vielen Markenwerkstätten (es waren über 7!!) meist nur reichlich Geld abgenommen hatten und dann öfters Fehler und wenig Qualität eingebaut hatten. Das hier aber war schon mal ganz anders.

Die anstehenden Arbeiten wurden uns von Wayne vorher erklärt und dann per Handschlag ein Termin für den kommenden Montag gemacht (denn es war ja wieder mal Freitagnachmittag, klar, Murphy! schlägt immer wieder zu). Durch die teils wirklich recht holperigen Straßen und notwendigen Seitenwege hatten die vergangenen ca. 20.000 Kilometer auf dem amerikanischen Kontinent schon einige Spuren an Esmi und unseren Nerven hinterlassen. Wayne hatte den Vorschlag, einen Träger an den Rahmen zu schweißen und die Kabine dadurch zusätzlich per starker Kette und Spannfeder zu sichern. Das alles natürlich abnehmbar und flexibel, massiv und bestens gearbeitet - ähnliche Lösungen kannten wir schon von anderen Modellen, nur dass diese (teils) nicht zusätzlich wie bei unseren Fahrzeug mit einer abnehmbaren Schienenkonstruktion gesichert sind. Al, Der Seniorchef der kleinen Firma brachte uns am Montag mit seinem Auto für die Dauer der Arbeiten in ein nahes Einkaufszentrum und nach nur 2 Stunden holte er uns pünktlich wieder ab. Inklusive einer zusätzlichen Sicherung war alles fast fertig und erst mal zu unserer Zufriedenheit gemacht.

Wir haben noch ein Stündchen mit Wayne und seinem Bruder zusammengesessen und uns über Kanada, Deutschland und unsere Reise unterhalten. Der faire Preis und die Art und Weise von Wayne hat uns wieder einmal gezeigt, dass es manchmal besser ist, zu einer kleinen ‚NoName’ Werkstatt zu gehen als zu den Egoaufgepumpten (Marken-) Spezialisten mit ihren meist überzogenen Preisen. Wenn das denn möglich ist. Leider findet man solche guten Spezialisten nicht immer, noch dazu im Ausland. Damit ist es wie mit guten Ärzten, wird uns wieder mal klar. Ein dickes Dankeschön an die Firma Al Hoskin and Son (Wayne) Inc. aus Whitby, Ontario.

Noch am selben Tage möchten und wollen wir seit gefühlt längerer Zeit wieder mal endlich richtig vorwärtskommen und fahren die ca. 200 Kilometer nach Süden zur amerikanischen Grenze. Ein großes Naturwunder wartet, an dem wir einfach nicht vorbeifahren können, auch wenn das für uns, in dieser Situation, einen Umweg von ‚schnell mal’ 450 Kilometer bedeutet, alles in allem. Ohne die Staatsgrenze zu überqueren, denn die kanadische Seite der Niagarafälle ist schon viel spektakulärer anzusehen als die (auch schöne!) amerikanische Seite, aber die US-Fälle sind vom kanadischen ‚Hufeisen’ aus auch super zu sehen. Wir bemerken schnell, das man mittlerweile immer mehr ‚Tamtam’ um die schönen Fälle veranstaltet. Im kanadischen Niagara Falls ist alles mit Hotels zugeballert, ein Kasino prangt mit Werbung und es geht ein wenig zu wie in Klein-Las-Vegas.

Unten an den Fällen, mit direkten Blick, löhnt der eher weniger bewegliche „HomoCarEctus“ (also eine - vorwiegend - Spezies, die ihr Auto nicht mehr verlässt und auch seine Bankgeschäfte gleich vom Autositz aus macht, Juhu!!) mal satte 19-25 Dollar für einen Parkplatz. Selten so gelacht – oder kopfgeschüttelt. Wir parken Esmi gratis auf dem Berge, etwas weg vom großen Trubel und gehen natürlich die 2-3 Kilometer lieber selber und können in der Abendsonne noch schöne Aufnahmen machen. So geht’s halt auch. Donnern hört man die Fälle ja schon von weitem, lange bevor man die Gischt sehen kann und den Regenbogen, der manchmal erzeugt wird. Natürlich gibt es höhere Kaskaden, aber die Kraft und Gewalt der Niagarafälle ist schon beeindruckend, auch die gewaltige Schlucht zwischen den Ontario- und dem Eriesee.

Dann kann es weitergehen, den großen Trans Kanada Highway nach Westen. Zuerst führt die Piste nach Norden und wir müssen noch einmal durch Torontos Autobahnspagetti, stehen im Stau, „rangeln“ mit „Mack“-Trucks und Anderen um Fahrspuren und Baustellenausfahrten. Dann ist es erst mal geschafft und wir haben auch auf kanadischer Seite im Osten die Großstädte hinter uns gelassen. Allein, was sich die letzten Jahre um Toronto angesiedelt, an Satellitenstädten gebildet hat, ist total verrückt. Man hat den Eindruck, dass man auf dem Wege zu den Niagarafällen durch eine nicht endende Riesenstadt von 120 Kilometern Länge fahren muss. Überall wird gebaut, als ob es eine große Steuerermäßigung für die Fertigstellung vor Jahresende geben würde. Von Krise (hier) keine Spur, der Südosten Kanadas boomt und brummt fast so, wie man es vor einigen Jahren in den Emiraten gesehen hat.

Nach Norden wird es ruhiger und erst das Industrienest Sudbury grüßt den Reisenden mit gigantischen Abraumhalden als Resultat der großräumigen Nickelförderung, die dort den fetten Reichtum gebracht hat, aber eben auch viel ‚Mont Klamott’. Die Strecke Nr. 69, dann Trans Canada Highway 17 (TCH) führt teils am Nordufer des Huronsee entlang und immer wieder gibt es einen Blick auf die Gregorian Bay mit ihren vielen kleinen und großen Inseln.

Es gibt an der Strecke immer wieder Reservate der First Nation und sie sind komischerweise auf der Karte durchnummeriert. Mit obiger Bezeichnung können sich die Ureinwohner heute möglicherweise viel besser identifizieren als mit dem ohnehin durch Unwissen bzw. Missverständnis geprägten und überall geläufigen Namen ‚Indianer’. Servus!

Das Städtchen Sault Ste Marie gibt es auf kanadischer wie auch amerikanischer Seite und man kann neuen Reiseproviant einkaufen, H2O und Diesel tanken. Die 3 gewaltigsten, der 5 flächenmäßig schon Meeresgroßen Seen treffen sich hier. Nördlich der Huronsee und Lake Superior und südlich der Michigansee. Dieser liegt als einziger rein auf amerikanischem Territorium und hat eine Verbindung zum Huronsee, während die beiden oberen Seen durch gewaltige Schleusen- und Brückenkonstruktionen verbunden sind. Thomas konnte sich diese auf einer Tour im Jahre 1992 schon einmal ansehen, die Route war damals ganz anders und führte zur Hälfte durch die USA.

Wir bleiben jetzt aber in Kanada. Auf dem Wege nach Westen führt der TCH einige hundert Kilometer entlang am Nordufer des ‚Oberen Sees’ entlang, wie er früher zu Zeiten der Trapper und Fallensteller genannt wurde.

Der Lake Superior ist mit seinem über 82.000 qkm ungefähr so groß wie unser ganzer südlicher Nachbar Austria (!) und das zweitgrößte Binnengewässer der Erde. Er ist der flächenmäßig größte Süßwassersee überhaupt und von der Süßwassermenge her die Nr.2 nach dem Baikalsee. Wir sind einige Zeit an diesem ‚Meer’ unterwegs.

Die Landschaften am Nordufer sind fantastisch, leichte Gebirgszüge, Nadelwälder und an der Nordseite der Straße sind immer wieder kleine Bergseen mit tannenbestückten Inseln. Oft gibt es dort ein Haus mit Bootsanleger in einer Traumkulisse. Auf den kleineren Gewässern sehen wir immer mal wieder eine Biberburg.

Die Ortschaften werden nach Westen hin weniger. Wenn wir morgens relativ zeitig aufbrechen, sehen wir Coyoten und Weißwedelhirsche am Straßenrand, 3 Schwarzbären in 50-100 Meter Entfernung und schon mal 3 bis 4 Elche, die meist im Wasser stehen und seelenruhig fressen. Die Schwarzbären sind meist erschreckt und flüchten im Galopp in den Wald. Manchmal bleibt ‚man’ aber noch am Waldrand neugierig stehen und beobachtet die eigenartig brummenden Teile, die da auf dem grauen Asphaltband immer wieder vorbeiziehen…

Leider sehen wir auch 2 Kapitale, leider sehr tote Elchkühe am Straßenrand liegen, die Opfer des LKW-Nachtverkehrs geworden sind (‚Roadkill’ nennen dies z.B. die Australier, dort sind es aber meistens Kühe, Kamele und Beuteltiere aller Art). Die nacht- und dämmerungsaktiven Elche sind hier in Kanada leider immer noch Unfallursache Nr.1 in ihrem Lebensraum. Wir versuchen immer, zu dieser gefährlichen Dämmerungszeit nicht unbedingt unterwegs sein zu müssen.

Und, was uns hier noch auffällt: Seit es durch die weiten Naturlandschaften Richtung Zentrum des nordamerikanischen Kontinentes geht, sehen wir am Straßenrand, oft auf einem Felsen stehend, immer wieder ‚Steinmännchen’ in den unterschiedlichsten Größen und auch verschiedener ‚Qualität’. Es sind richtig kleine Kunstwerke dabei, manche sind angemalt, viele einfach ‚Natur’. Dieses Steinmännchen war ja auch Symbol der Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010. Inuksuk (unter anderen) nennt man diese Kreationen, die vor allem von den Ureinwohnen in ganz Amerika immer wieder benutzt werden. Im Süden bei den Navajo etwas abgewandelt, aber im Norden verwenden die Inuit in der Arktis schon lange solche Inuksuks für Markierungen und Bezeichnungen für besondere Orte.

Die letzte größere Stadt auf dem Wege durch das gewaltige, weite Ontario ist Thunder Bay. Es gibt wieder Möglichkeiten zum Einkaufen, und dann verlässt der TCH den Lake Superior und wir überqueren wieder mal eine Zeitzone. Ab sofort sind es 7 Stunden nach MEZ, wir haben jetzt ‚Central Time’. Geschätzte 300 Kilometer sind es immer noch in Ontario zu fahren. Nach dem Ort Kenora empfängt uns bald die erste richtige Prärieprovinz:

An einem Sonntagmorgen, Mitte Juni überfahren wir die Grenze nach Manitoba! Am Visitorcenter für Manitoba ist leider alles verrammelt und das Wasser aus der Leitung ist fettgelb-braun, unbrauchbar, also geht’s weiter. Eine interne Info über die Präriestaaten und aktuelle Tipps am Besucherzentrum wären trotzdem nicht schlecht gewesen. An Kartenmaterial haben wir schon in Ontario bei einer CAA-Geschäftsstelle (Canadian Automobile Association) reichlich Gutes bekommen. Auch ein Service für ADAC Mitglieder.

Ein ganz anderer, freundlicher Service des kanadischen Staates ist es, das immer wieder mal mit großen Schildern auf die Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitung (per Preisliste) an der Autobahn hingewiesen wird. Das ist doch auch mal was. Vielleicht hilft’s.

50 km nach der Grenze ‚verschwinden’ ganz plötzlich die bergigen Wälder und auch erst mal die vielen, vielen Seen am Wege. Die typischen Elch- und Bärenlandschaften sind vorbei. Eine gewaltige Ebene bis zum weiten Horizont tut sich auf und in der Ferne kann man im Dunst schon die Betonklötzer von Manitoba’s Kapitale Winnipeg sehen. 15 km vor der Stadt wird der Fahrweg mit Bodenwellen, Löchern und ständigen Plattenstücken wieder so schlecht – dass UNS fast schlecht wird. Was für abartige Pisten einen hier angeboten werden. Die Trucks drängeln, aber wir quälen uns ratternd und eher vorsichtig über diese Zumutung von ‚öffentlichen Straßen’, die zwischenzeitlich in Ontario mal qualitativ deutlich besser waren.

Auch in Winnipeg gibt es eine „Königliche Münzprägerei“, aber hier ist heute nicht viel los: Am Sonntagmorgen scheint man aus Mangel an Gästen auch zu einer Führung keine rechte Lust zu haben. Nun, egal, wir bestaunen das Ultramoderne Glas&Stahl-Gebäude und die vielen Flaggen der Auftraggeberstaaten für das Münzgeschäft. Kanada prägt für die ‚halbe Welt’, kann man ohne große Übertreibung sagen.

Ohne uns einmal das Zentrum der Hauptstadt Manitoba's anzusehen, wollten wir eigentlich nicht weiter und so rumpelt der ‚Mitsu’ mit der Wohnkabine auf dem Rücken durch die Vorstädte in die eher graue Downtown. Man findet nicht viel in einschlägigen Reiseführern und Sehenswürdigkeiten sind rar. Einmal in den braungrauen, schmucklosen, ja, öden Backsteingebäuden und anderen Hochhäusern von Winnipeg angekommen, weiß der Reisende dann auch, warum man hier herum auch einen ‚Umfahrungsbogen’ machen kann: Wir haben sehr lange schon nicht mehr eine so trostlose, relativ leere und uninteressante, weil unglaublich langweilige Innenstadt gesehen, wie Winnipeg-Downtown. Also, wie gesagt, wir meinen ganz speziell nur einige Bereiche der Innenstadt. Sorry, da sind wir schon enttäuscht, eine Metropole mit über 600.000 Einwohnern sollte ein wenig mehr hermachen, auch der 2. Blick beim Stadtrundgang und die Suche nach Sehenswerten (die sonst für uns immer etwas Brauchbares bringt!) zeigt ein recht tristes Zentrum. Es scheint, als würden sich viele Fassaden seit den 50-60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht weiter verändert haben. Die Frontseiten sehen aus wie … andernorts die Rückgebäude (!).

Nun ja, wir werden hier voraussichtlich nicht länger bleiben. Damit ist aber auch vor allem die Bauklotz-Banken-Innenstadt gemeint, denn weiter draußen gibt es schon wieder mehr ‚Buntes und Abwechslung’ zu sehen. Die teils sehr individuell gestalteten Fassaden der Ausfallstraßen, die hier in Winnipeg auffallend oft mit kleinen oder größeren, malerischen Kunstwerken versehen sind und damit positiv über das Niveau von Schmiererei und Graffiti hinausgehen, fallen einen ins Auge. Es gibt einige kleinere Kirchen mit Zwiebeltürmchen, denn Winnipeg und die gesamte Region haben einen hohen Anteil an Einwanderern aus der Ukraine, erfahren wir.

Unser nächstes Zwischenziel heißt bezeichnenderweise Portage la Prairie. Mit dem Lake Manitoba und dem Lake Winnipeg gibt es auch in diesem flachen Weizenland riesige Seengebiete, die an Finnland erinnern. Und damit leider auch reichlich stechendes und beißendes Viechzeug, das uns dann besonders ärgert, wenn wir wieder einmal einen schönen Naturplatz gefunden haben, ohne Großstadtkrach und maximal mit den Dröhnen einer nahen Eisenbahnlinie, die es aber mit 90% Sicherheit auch an fast jeden Zeltplatz gibt. Das haben wir schon so oft festgestellt, dass wir vermuten, die Bedingung zum Betrieb eines Campings ist die unmittelbare Nähe zur Trans- kanadischen Eisenbahn mit ihren bis zu 1,5 km langen Güterzügen. Eine lange, ausschweifende Dauerhupe an allen Übergängen und in der Nähe von menschlichen Behausungen ist übrigens obligatorisch. Manchmal hilft da Oropax, manchmal auch ein wenig vergorener Rebensaft. Oft aber gar nix, denn es ist einfach ZU laut.

Mit summenden Geschwadern von winzigen Vampiren, die unser Fahrzeug hier wie eine Wolke einhüllen, verabschieden wir uns bis zum nächsten Bericht und kleben alle kleinen Fugen und Löcher in den Insektenschutzfenstern noch einmal extra mit Klebeband zu.

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