Unser Start in Kanadas Atlantikprovinzen

(unsere Reiseroute)

Wir müssen fast eine Stunde an der Grenze warten, doch so viele Autos sind es gar nicht vor uns. Aber es wird intensiv kontrolliert und auch wir dürfen wieder einen langen Katalog an Fragen beantworten. Die Pässe werden gecheckt, doch dann kommt das OK und wir sind mit unserem eigenen Fahrzeug im zweitgrößten Land der Erde eingereist, Wow! Mit unseren deutschen Pass bekommen wir sehr großzügige 6 Monate Visafreien Aufenthalt in Kanada.

Die parlamentarische Monarchie Kanadas hat, bei der geschätzt 27fachen Größe Deutschlands, nur ca. 35 Millionen Einwohner. Kanada besteht aus 13 Provinzen und Territorien. Erstaunlich für uns ist, dass man erst 1982 formal unabhängig von der englischen Krone wurde.

Es ist fast schon dunkel, als wir im Grenzstädtchen St. Stephan, in der Provinz New Brunswick, ankommen. Der Zeitunterschied zu Deutschland ist nur noch 5 Stunden, wir haben hier ‚Atlantic Time’, in Neufundland wären es gar nur noch 4,5 Stunden.

 

Auf dem Wege nach Nordost kommt man nicht an New Brunswick vorbei und es ist nur ein Fünftel so groß wie Deutschland. Wir haben bei ein paar defekten Geldautomaten erst mal einige Probleme, kanadische Dollar zu besorgen, aber beim 4ten oder 5ten Anlauf klappt es dann endlich und wir sind wieder flüssig. Als wir am folgenden Sonntagmorgen in das Fischerdörfchen St. Andrews kommen und zwischen 9 und 10 Uhr noch einige Kleinigkeiten einkaufen wollten, merkten wir schon die ersten Unterschiede zu den USA. Während das Einkaufen am Sonntagmorgen beim südlichen Nachbarn keine Probleme darstellt, sehen wir hier das die Läden erst um 12 Uhr öffnen Stirnrunzelnd, aber wir haben ja noch Reserven.

Wir essen die Brotähnliche Schwamm-Masse, die man hier in den Läden als Frühstücksaufstrichsunterlage - als ‚Bread’ – anbietet und mangels Toaster ist das keine kautechnische Herausforderung für uns. Es bleibt die Erinnerung an lecker knuffiges, deutsches Bauernbrot und einen gewissen Widerstand beim Verzehr des Frühstücksbrotes. Nun, im Ernst und eines vorweggenommen, auch nach einigen tausend Kilometern durch das Land der Ahornblätter finden wir nur ab und zu (eigentlich selten) mal brauchbares Brot, aber leider noch viel seltener als in den USA. Dort gab es immer mal wieder alternative, gute Sorten! Und umso französischer die Sprache der Gastregion in Kanada ist, umso mehr fehlt es am gutem Brot. Baguette ist lecker, aber leider keine Daueralternative. Wir staunen, wie unübersehbar viele Sorten Weichschwammpappbrot in den Regalen der Märkte liegt und oft keine einzige Sorte festeres Vollkornbrot, das ist schade. Wir hören immer wieder von vielen Einwanderern aus Good Old Germany, was machen die denn, backen die alle(s) selber oder haben die sich an das ewige Toastbrot gewöhnt?

Ja, das musste mal gesagt werden. Es gibt schlimmeres, und so schauen wir uns den schmuck raus geputzten Ort ein wenig an. St. Andrews lebt offensichtlich von Tourismus, Fischfang und Whalewatching.

Im nächsten Örtchen - St. Georges - nutzen wir die Gelegenheit, uns eine Lachstreppe anzuschauen. Sie wurde an einem Wasserfall gebaut und erlaubt den Tieren so den Höhenunterschied zu bewältigen. Leider ist im Moment noch keine Lachssaison und so konnten wir die Treppe nicht mit ihren aufwärtsschwimmenden, schuppigen Nutzern in Aktion bewundern. Die Lachssaison ist eher im Juli und August.

Unsere nächste Station ist die größte Stadt in New Brunswick, Saint John. Hier lässt sich ein Phänomen bewundern, dass sich entlang der Bay of Fundy überall beobachten lässt. Hier und an der Westküste von Nova Scotia kann man die weltweit höchsten gemessenen Tideschwankungen bestaunen. Durch die gewaltigen fast 16 Meter Unterschiede bei Ebbe und Flut wird hier sogar der Unterlauf der Flüsse umgekehrt. So auch hier beim Saint John River in der gleichnamigen Industriestadt. Man kann dieses Naturereignis am besten an einer Plattform gegenüber einer großen Papier(-Wolken-)Fabrik bewundern. Ansonsten macht die Hafen und Industriestadt Saint John nicht allzu viel her. Zu viele Fabrikschlote und große graue Werkhallen säumen die Szenerie.

Wir fahren weiter zum Fundy National Park und freuen uns, dass die Waldflächen am Wege (schon hier) nahezu unüberschaubare Dimensionen einnehmen und wir trotz Autobahn jetzt durch gewaltige Weiten und ‚Ortsleere’ Landschaften fahren. So etwas hatten wir in dieser Art auf der gesamten Tour durch den US-Osten vermisst. Dort hatten wir im Gegenteil zu 70% den Eindruck, durch eine „Endlosstadt“ zu tuckern. Die Ballungsräume verlangen einem viele Nerven ab. Hier nun weite, gemischte Wälder bis zum Horizont. Wir fahren zum Fundy National Park eine etwas holperige Straße zur Küste ab und finden auf einmal auch überall ‚potentielle Standplätze’ für WoMos, es gibt wieder (wie bei uns zu Hause!) Forstwege, Lichtungen, Holzeinschlagplätze und Platz. Auch das war auf vielen gefahrenen Meilen im Osten der USA meist komplette Fehlanzeige, eine interessante und gegensätzliche Erfahrung. Umso näher wir der Küste kommen, wird die Stimmung aber vorerst eine wenig gedämpft.

Leider hatte man dort beschlossen, die dicht bewaldete Parklandschaft in fetten Nebel und reichlich Regen zu tauchen, so dass wir fast ein Amphibienfahrzeug benötigten. Auch hier merken wir: Es ist Vorsaison und noch vieles geschlossen. Der Hauptort an dieser schönen Küste ist das Dörfchen Alma und auch hier steht alles im Zeichen der Lobsterfischerei - die Saison kommt aber noch.

Als Entschädigung für das (vorrübergehend) schlechte Wetter finden wir auf einem Grundstück eine schöne Oldtimersammlung alter US-Karrossen vor, die wir interessiert bestaunen.

Ebenfalls von diesem Flutphänomen „betroffen“ ist das Städtchen Moncton am Petitcodiac River. Allerdings fällt dieser Tage das Eintreffen der großen Welle in die Dunkelheit und somit ins Wasser (Lächelnd). Unser Hauptziel im Osten Kanadas ist Nova Scotia, also Neuschottland.

Unser erstes Ziel in Nova Scotia liegt an der Westküste dieser Halbinsel und ist ein sehr schön gelegenes kleines Fischerdorf namens Hall's Harbour. Heidi kannte diesen Hafen durch eine Webcam. Alles ist sehr übersichtlich und sieht fast aus wie in einem Museumsdorf. Auch hier bestimmt der gewaltige Tidenhub das Leben am und vom Meer. Wir genießen die einzigartige Stimmung an einem Nachmittag in Hall’s Harbour und fahren dann mit Esmeralda über die teils sehr holprigen Straßen nach Süden.

Später erfahren wir von diversen Eingeborenen im Gespräch, dass die Provinz mit finanziellen Mitteln nicht gerade besonders gesegnet wurde, angeblich fehlt es hier überall, sowohl im Straßenbau, als auch im Gesundheitswesen. Man bekommt hier weniger Geld ab als die Provinzen im Westen.

Wenn man sich die Karte von Nova Scotia anschaut, verschätzt man sich gewaltig in den Entfernungen. Alleine die Küstenlänge dieser Provinz beträgt schon 7.400 km. Eine knappe Million Menschen leben hier auf ca. 55.000 qkm. Nova Scotia Ist viel kleiner als Germany, aber das macht trotzdem gerade mal 17 (!) Einwohner auf einen qkm, aber für Kanadische Verhältnisse ist das dicht besiedelt.

Von Form und Größe her wirkt Nova Scotia wie die Südinsel Neuseelands und ist auch ähnlich zerklüftet wie deren Fjordland. Dadurch entsteht diese gewaltige Küstenlänge und würde man dem Verlauf der vielen schönen Küstenstraßen folgen, wäre man allein hier sehr lange unterwegs. Hinzukommt, dass die Qualität vieler Nebenstraßen an schlechte Ackerpisten herankommt, der Rest-„Asphalt“ kaputt und von Furchen und Löchern durchbrochen ist. Wir vermuten, dass sind zum Teil auch viele Winterschäden und es ist nicht genügend Geld da, um diese Alle zu reparieren.

Um wenigstens etwas abzukürzen fahren wir quer durch das bewaldete Hinterland nach Lunenburg an der Südostküste. Der Ort besticht durch eine große Ansammlung einiger der schönsten Holzhäuser in Nova Scotia und war oder ist Heimat eines der berühmtesten Segler in der nordamerikanischen Geschichte, des Schoners Bluenose. Das ehrwürdige Original ist allerdings 1946 in der Karibik gesunken und ein Originalnachbau (Stapellauf 1963) schipperte seit 1971 Touristen durch die Bucht von Halifax. Eine drittes Replikat bzw. ein Neuaufbau ist derzeit noch im Bau und leider noch nicht öffentlich zugänglich. Die Bluenose ist das Sinnbild für Nova Scotia und auch auf dem KFZ-Kennzeichen verewigt. Insgesamt sollte der Besuch Lunenburgs auf keiner Rundfahrt von Nova Scotia fehlen.

Auf dem Wege durch die Küstenlandschaft lohnt sich ein Stopp in Mahone Bay mit seinen ebenfalls sehr schönen Holzhäusern.

Das nächste Highlight auf unserem Weg ist das wohl meistbesuchteste und -fotografierteste Motiv von Nova Scotia. Bevor wir dahin kommen finden wir noch das Denkmal der Absturzstelle der Swissair-Maschine Flug 111 vom 2. September 1998. Von dieser Stelle aus, hat man einen sehr schönen Überblick auf die Bucht mit seiner grandiosen Felsenlandschaft.

Der Wind ist hier so stark, dass man fast abhebt, aber das gehört dazu. Baden würden wir an diesem Platz jedenfalls abraten, dafür sind die Wellen und die Strömung die hier Anlanden zu heftig. Nach einem Tag mit Dauerdusche spielt Petrus wieder mit und wir können bei Wolken und Sonnenschein diesen wirklich einmaligen Ort erkunden, Peggys Cove! Das Vorzeigefischerdorf empfängt uns bei schönstem Wetter, keine Selbstverständlichkeit nach den letzten durchwachsenen Tagen. Wir erkunden den Ort und auch den Leuchtturm Peggy‘s Point auf den Felsen.

Zwischen Peggys Cove und Halifax finden wir noch weitere sehenswerte Dörfer in der Granitlandschaft.

Die Hauptstadt Halifax will dem schönen Wetter heute nicht nachstehen. Die Straßen zum Hafengelände fallen steil ab und wir parken Esmeralda mit fest angezogener Bremse und eingelegtem Rückwärtsgang als „Hanghuhn“ an der steilen Piste.

Zu unserem Rundgang an und auf der Hafenpromenade hatte man sogar die Windmaschinen angeworfen. Von der Promenade aus kann man den Blick über einen der schönsten und größten Naturhäfen Nordamerikas schweifen lassen. Übrigens gab es genau hier im Jahre 1917 die wohl größte menschenverursachte einzelne Explosion vor Zündung der Atombombe, die sogenannte „Halifax Explosion“. Dabei starben damals über 1.600 Menschen und über 9.000 wurden schwer verletzt. Die meisten Häuser wurden unbewohnbar. Aber das nur am Rande, denn davon sieht man heute natürlich nichts mehr.

Die Bucht wird von 2 großen Brücken überspannt und eine der Beiden sollten wir nach Norden noch überqueren, die Maut beträgt gerade mal ein Dollar. Allgemein kann man sagen dass überall hier in Nova Scotia die Atmosphäre sehr entspannt ist, sogar in einer Großstadt wie Halifax.

Doch nun zieht es uns nach Nordwesten zu Neuschottlands schönsten National Park, der einen großen Teil des Cape Breton Island einnimmt, zum Cape Breton Highland National Park. Um auf die Insel zukommen, muss man schon mal ca. 350 km auf den Asphalt bringen und das auf einer größtenteils fast leeren Autobahn. Auf dem Wege dorthin bietet sich an in Truro das Visitorcenter der Mi'kmag – Indian Reservation zu besuchen. Gekrönt und weithin sichtbar wird das Ganze von der Statue eines Indianers mit Fackel in der Hand.

Wir fahren über die Strait of Canso und „betreten“ damit Cape Breton Island.

Zur Feier des Tages verschlingen wir in Port Hawkesbury eine Pizza, denn die können wir uns leider nicht selber backen. Wir folgen der 4 nach Sydney und fahren viele Kilometer am Bras D’Or entlang. Dieser See hat mehrere Zu- bzw. Ausgänge zum Atlantic und besteht aus Süß- und Salzwasser.

Der Bras D’Or mit seinen vielen Buchten und Meeresverbindungen erinnert sehr an die schottischen Highlands. Viele Namen auf der Insel zeugen von den schottischen und irischen Vorfahren.

Im Norden liegt die kommerzielle Hauptstadt Sydney. Hier kann man sich noch mit allem versorgen, was nötig ist. Und weil den Vorfahren der Name Sydney wohl gefallen hat, gibt es diesen Ort gleich mit einigen Zusatznamen, wie z.B. Sydney Mines, North Sydney, Upper North Sydney, Sydney River und natürlich Sydney Harbour. Aber mal ehrlich außer mit dem Namen hat dieses Sydney an Attraktivität nicht viel mit seiner großen Schwester in Australien gemein. Obwohl, mh, der Slang ist in beiden Städten teilweise schwer zu verstehen Zwinkernd.

Wir nehmen Anlauf und machen uns auf den Weg zum Cabot Trail. Von Sydney aus sind es auch noch mal ca. 100 km bis man am Parkeingangsschild vom Cape Breton Highlands National Park steht. Der Cabot Trial ist nach dem italienischen Seefahrer und Entdecker John Cabot benannt, der versuchte über die Westroute China zu entdecken.

Der Weg führt auf sehr eindrucksvolle Weise entlang der (teils Steil-) Küste und erinnert stellenweise sogar an den berühmten Highway 1 in Kalifornien zwischen San Franzisco und Los Angeles. Allerdings ist die Verkehrssituation hier so entspannt, dass man meint ganz allein zu sein. Das kann einerseits an der Vorsaison liegen, aber auch andererseits an dem dünnbesiedelten Gebiet.

Als wir am späten Nachmittag den gewaltigen ca. 240 km Loop fast beendet haben, können wir die eindrucksvolle Kulisse der Westküste bei tiefstehender Sonne nochmals ausgiebig genießen.

Vor Verlassen des Cabot Trails passiert der begeisterte Reisende einige sehr französisch geprägte Ortschaften in dieser sonst schottischen Domäne. Diese konzentrieren sich besonders um den Ort Cheticamp mit seiner schönen Steilküste.

Bei der Einreise nach Nova Scotia trafen wir ein kanadisch-holländisches Paar, die uns viele Tipps an Sehenswürdigkeiten mit auf den Weg gaben, unter anderem auch das wir uns unbedingt Baddeck ansehen sollten. Das Städtchen liegt am Bras D’Or und bezeichnet sich als Start und Zielpunkt des Cabot Trial. Durch die vielen schmucken Häuschen und Yachten (wahrscheinlich im Sommer noch viel mehr) könnte man Baddeck auch als kleines Starnberg von Nova Scotia bezeichnen.

Wir nutzen wiedermal die holprigen Nebenstraßen um Cape Breton Island zu verlassen und überqueren am nächsten Tag in einer fetten grauen Regenfront ein zweites Mal die Strait of Canso. Das Wetter wechselt hier täglich von einem Extrem ins andere. Kurz vor verlassen von Nova Scotia machen wir noch Station in Amherst und treffen hier Hannelore und Herbert aus Mainz mit ihrem Camper. Die Beiden leben schon seit vielen Jahren in Kanada und waren auch schon kreuz und quer in Nordamerika unterwegs. Wir verbringen einen schönen Abend zusammen, denn es gibt viel zu erzählen und Reiseerfahrungen auszutauschen.

So stellen wir gemeinsam fest, dass, wenn man gerade von den USA nach Kanada kommt, die Preise (für nahezu alles) gewaltig anziehen. Es gibt einen Kostenanstieg, wie wenn man von Deutschland in die Schweiz kommt und beim Besuch eines Likör Stores (Schreck!) wähnt man sich eher in Norwegen. Der Wein ist bis zu 4mal teurer und die ‚einfache’ Dose Bier kostet schon mal mindestens 3 bis 4 Dollar. Am fettesten schlägt es beim Käse zu Buche. Wenn man 100-150 Gramm einfachsten, genießbaren Käse kaufen möchte, ist man schon mit 4-6 Dollar dabei, bessere Sorten ufern total aus und auch ein Brie von 200g schlägt gleich mal mit 7-10 Dollar zu Buche. Bei Importprodukten, für diese leckeren Sachen, erinnern wir uns hier wieder an die Mondpreise in Australien. Dadurch, dass der Kanadische Dollar in der letzten Zeit (zum US$) immer mehr an Wert gewonnen hat, gibt es momentan fast eine Gleichstellung der beiden Währungen. Wir erinnern uns, dass man in den letzten 20-22 Jahren immer ca. 1,25 bis 1,35 Can$ für einen US$ bekommen hatte, und jetzt 1:1. So ist grundsätzlich alles hier in Kanada teurer oder wesentlich teurer als beim südlichen Nachbarn. Das ist auch beim Benzin bzw. Diesel so. Man sollte das zumindest in seine Reiseplanungen mit einrechnen, für uns als ‚Selbstversorger’ bleibt schon noch alles im ‚Rahm-Käse’. Und die Steaks sind auch hier angenehm bezahlbar, ja überhaupt: Wer muss denn immer Bier trinken? Wir nicht, irgendwann müssen wir ja auch mal schlafen, und morgens macht man das meist nur unter dem ‚Weisswurschtäquator’. Dann heißt es Abschied nehmen von unseren freundlichen Bekannten und auch von der Provinz Nova Scotia.

Südlich von Moncton haben wir wieder New Brunswick erreicht und es geht nach Nordwesten. Wir kommen später nach Fredericton, in die Hauptstadt von New Brunswick und die liegt am Saint John River, der wiederum hier der Rhein Kanadas genannt wird. Vermutlich wegen des milden Klimas hier und der vielen Flussschleifen. So sagte es uns ganz stolz der Kanadische Grenzer, der uns bei der Einreise nach der Menge unserer Bierreserven befragte. Nun ja, die Gegend macht einen entspannten, sauberen Eindruck und Wein wird hier tatsächlich auch angebaut. Nur fehlen die Berghänge am Fluss und vor allem die vielen Burgen und Schlösser, wenn man hier schon mal einen Vergleich zu unserem schönen Rheinland sucht. Platz ist noch genug da. In der beschaulichen Hauptstadt können wir in aller Ruhe das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und dem VFB Stuttgart über das Internet anhören und wieder mal unsere elektronische Post bearbeiten, an der Homepage basteln und Nachrichten schauen. Die hiesigen Baumärkte haben meist gutes, freies Internet.

Eine Station weiter nördlich gibt es noch einmal ein Rekord: Die längste überdachte Brücke der Welt findet man in Hartland, New Brunswick: Mit sagenhaften 1.282 Fuss, also ca. 400 Metern, ein schönes Stück Geschichte der ‚Covered Bridges’ in Nordamerika. Wir laufen das schöne Holzbauwerk gleich mal ab und besuchen das Visitorcenter, das sich aber eher als gutgefüllter Souvenirladen herausstellt.

Nur 1-2 Fahrstunden weiter nördlich findet man schöne und sogar recht gewaltige Wasserfälle des Saint John River im Städtchen Grand Falls. Das Wasser stürzt sich nach einer (weit geöffneten) Flutwehranlage in einen engen Canyon in die Tiefe und die bräunliche Färbung der Frühjahresschmelze aus den nahen Appalachen im nahen Maine lässt auf einen hohen Eisengehalt des Wassers schließen.

Am Abend dann ein ganz besonderes, immer wieder beeindruckendes Naturschauspiel der anderen Art, ein … nee, mehrere heftige Gewitter toben sich hier so richtig aus und wir können einige schöne Aufnahmen der aufziehenden Wolkentürme machen. Manchmal glaubt man fast, dass sich die schnell drehenden Wolkenwände zu einem Tornadorüssel formen und beobachten mit gemischten Gefühlen die Entwicklung. Das Unwetter tobt Stundenlang um unseren Standort herum und alles um uns herum säuft ab, inklusive der Landstraße nebenan und unseren Stellplatz.

Am nächsten Tage empfängt uns schönstes Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein und es geht weiter nach Quebec und zum St. Lorenz Strom nach Norden.

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