Dem Frühling hinterher - durch die New England Staaten

(unsere Reiseroute)

Zuerst geht unsere Reise noch ein Stückerl durch den Bundesstaat New York, der sich ja in seiner durchaus eigenwilligen Form vom ‚Big Apple’ bis hinauf zum Erie- und Ontariosee zieht. Und ‚natürlich ist nicht die Millionenstadt Hauptstadt, sondern das vergleichsweise winzige Albany, das weit im Hinterland liegt. Rauf zu den großen Seen wollen wir natürlich auch noch, möglicherweise aber eher von kanadischer Seite aus. Die Niagarafälle auf der Ahornseite sind eh’ etwas schöner anzuschauen. Wir halten uns jetzt in die Nordostrichtung, nachdem wir im Städtchen mit dem netten Namen Poughkeepsie Station gemacht haben. Das ist noch New York und klingt unglaublich indianisch. Die Teepees (oder auch Tipi geschrieben) hat man aber in modernere Wigwams mit den Namen Burger King und Starbucks Coffee etc. ausgetauscht und der weiße Mann reitet vorwiegend mit röhrenden Pickups durch die Restprärie.

Schöner als die Interstate Highways sind immer die Landstraßen zu fahren, besonders, wenn man es nicht so eilig hat, aber außer schnelleren vorankommen haben die großen Interstate’s auch ihre Vorteile, denn vorwiegend dort gibt es nach einer Grenzüberschreitung in den nächsten Bundesstaat schöne Welcome Center. So auch auf der Nummer 84, wenn man nach Connecticut kommt. Nur manchmal sind die Läden eben auch mal geschlossen, so wie diesmal, leider.

Aber: Nur vom Infopersonal her. Der Gärtner ist im Dienst tätig, hat die Tür aufgeschlossen und verschönert die Umgebung. Alles blüht schön, da wir ja möglichst genau mit dem Frühling nach Norden fahren (das ist gar nicht immer so einfach). Aber meistens fehlen doch genaue Orts- und Zeitangaben der meteorologischen Institute. Spaß beiseite (aber nicht zu weit weg!), denn eines muss man den amerikanischen Kachelmännern ja lassen: Seit wir im Lande der begrenzten Unmöglichkeiten unterwegs sind, haben wir ein fast perfektes Eintreffen der Wetterprognosen bestaunen können! Sowohl was die Temperaturen wie auch die Niederschläge betreffen. Es ist oft sagenhaft genau und man kann sich drauf verlassen, seit nunmehr fast 3 Monaten!

Zurück nach Connecticut, das Begrüßungszentrum ist zum Wassertanken und Toilettenbenutzung auserkoren worden und wir können Esmeralda wieder mal mit dem aller paar Tage dringend benötigtem Frischwasser versorgen, fast 60 Literchen kann Tom wieder in die Tanks unserer Reiseschildkröte einfüllen. Eine Dumping-Station (für die Toiletten und Brauchwasser) dort macht das alles vollkommen, auch dies ist immer wichtig und in Metropolregionen schwer zu Händeln oder kaum zu finden.

Connecticut (CT) hat ca. 3,5 Millionen Einwohner und ist mit etwas über 14.000 qkm ein übersichtlicher Teil der südlichen Neuenglandstaaten. Es liegt im Prinzip direkt nördlich von New York. Der kleine Zungenbrecher dieses Staats-Namens kommt aus der Sprache der Mohegan-Indianer und ist das abgewandelte quinnehtukqut, was in etwa langer Fluss (in Verbindung mit Gezeiten) heißt. Zu besagten Stamm der Mohegan kommen wir noch zu sprechen. Auf unserer Tour durch Connecticut passieren wir viele Kleinstädte wie Derby.

Es gibt fast ausschließlich Holzhäuser oder Klinkerbauten und erstere oft auch in viktorianischer Art mit ihren Erkern und Balkonen. Viele Leute sitzen auf ihrer Veranda oder mit Freunden direkt an der Straße und trinken zur ‚blauen Stunde’ ein Feierabendbier oder andere, geistige Verschleierungsmittel.

Während wir durch die sanft grünen Hügel von Connecticut fahren und einige, kleine State-Parks besuchen, wird rein rechnerisch wieder mal eine der wirklich extrem seltenen Chancen für uns möglich, nämlich die Nordamerikatour einer großen Rockband zu besuchen. Es passt gerade super, am 9. Mai macht in der nahen Mohegan Indian Reservation RUSH aus Kanada Station und spielt in der Arena des neuen, gigantischen Casinokomplexes in Uncasville.

Man kann ja auch mal Glück haben und dies ist das zweite Mal auf unserer aktuellen Tour. In den Jahren vorher hatte es leider nie geklappt. Von Uncasville hatten wir vorher noch nie gehört, eigentlich ist das ein ganz kleiner Ort. Und RUSH kann (seit über 30 Jahren) in Nordamerika alle großen Arenen der Großstädte füllen. Wir hatten zuerst schon einen Druckfehler/Ortsfehler vermutet, aber weit gefehlt. Da kommen jetzt mehrere Sachen zusammen, denn das Casino + Hotel dort ist zwar ein riesiger ‚Klotz in der grünen Landschaft’, wo man einen solchen am wenigsten erwartet, aber die Innerarchitektur stellt so ziemlich alles in den Schatten, was wir bisher so am Themenparks oder außergewöhnlichen Casinos gesehen haben. Und da kennen wir auch all die großen in z.B. Las Vegas etc., aber das “Mohegan Sun“ ist schon etwas Besonderes. Warum? Das Hotelcasino ist so erstaunlich gut durchgestylt, das wir regelrecht begeistert sind, was dort, vorwiegend in warmen Erdfarben und vielen Naturmaterialien entstanden ist. Alles in einem gewissen, indianischen Stil, oder das, was man sich so als ‚Bleichgesicht’ darunter vorstellt. Alles passt zusammen und die Spielautomaten werden fast zur Nebensache. Dieses Casino mit allem drum und dran ist eine Sehenswürdigkeit der ersten Klasse. Und es hat, wie es hier steht, wahrscheinlich erst mal einige hundert Millionen Dollar gekostet. Es wirkt sehr neu, wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt und alles ist von einer beispiellosen Sauberkeit, dass es uns sofort gefällt.

Wir hatten ja schon an früherer Stelle unserer Berichte angesprochen, dass die Indianer in den USA, wo öffentliches Glücksspiel kaum erlaubt ist, seit 1988 per Bundesgesetz einige Sonderrechte haben und die mittlerweile clever nutzen. In 2007 waren es ca. 230 der 562 anerkannten Indian Nations die Glücksspiele betrieben. Mit einem Gewinnvolumen von ca. 10 Mrd. $ erwirtschafteten sie damit schon im Jahre 2002 über 10 % aller US-Casinogewinne und die Tendenz ist stark steigend. Aktuell gehören die Indianer damit auch zu den größten Arbeitgebern in Connecticut, denn es gibt noch mehr spektakuläre Casinos hier.

Es fällt uns nicht sonderlich schwer, den Tag hier ‚rumzubringen’ und es wird uns mit Sicherheit nicht langweilig, nachdem wir gleich am Morgen des Veranstaltungstages hier noch Karten für das abendliche Rockspektakel bekommen haben. Viele andere Konzerte der dreiköpfigen Band aus Toronto sind (und waren) laut Internet bereits ausverkauft. Es geht (für RUSH und ihre Trucks + großer Mannschaft) dann noch weiter nach Atlantic City und dann auf Tour ‚über den Teich’ nach Europa. Die Preise sind so utopisch wie die Erscheinung des Casinos, aber als ‚vorgezogenes’ Geburtstagsgeschenk (für Tomy) wollen wir uns diese Ausnahme gönnen. Und, was wir hier vor Ort noch mitbekommen: Die Internationale Rock-Elite gibt sich hier wieder die Klinke in die Hand. Dieser besondere Ort hat sich schon unter den Herrschaften rumgesprochen und am liebsten würden wir gleich hierbleiben Zwinkernd, denn demnächst kommen die Eagles, Black Sabbath, Robert Plant, Survivor, Bon Jovi, Styx, REO Speedwagon und alles schon im Vorverkauf – heute nun RUSH!

Auch perfekt in diesen Komplex integriert, ist die Mehrzweckarena für einige tausend Zuschauer, die für die Eishockeysaison selbstverständlich zur Winterhalle umgebaut werden kann.

Wir sitzen akustisch gut platziert, etwas seitlich hinter der Ton- und Bildtechnik. Die vorderen, bestuhlten Arena-Ränge schlagen dann schon mit über 300 $ zu Buche, das wäre Gift für unser Reisebudget. Und überhaupt, Arena-Bestuhlung’ bei RUSH, ein Treppenwitz der Rockgeschichte. Die Leute dort standen fast vom ersten Ton an permanent und feierten eine sagenhaft gut aufgelegte Band, die trotz Pause eine fast dreistündige Show spielte. Und was für eine, vom audiovisuellen her werden RUSH immer besser und sind technisch nun mit Roger Waters oder Pink Floyd gleichzusetzen. Die Musik ist auf ihre Art teils oder ganz anders, die Show natürlich ‚eine Nummer’ kleiner als die Superproduktionen der Briten (als sie noch tourten Weinend).

Aber was die drei Kanadier hier auf ihrer „Clockwork Angels“ Tour dem begeisterten Publikum bieten, kann Maßstäbe für die letzten Jahre Rockshow setzen. Was diese drei Musiker auf der Bühne umsetzen, ist einfach sensationell. Diesmal werden sie (nur im 2. Teil der Show) von einem String-Ensemble unterstützt und spielen sich durch über 35 Jahre ihrer Bandgeschichte, ganze 28 Stücke und davon viel Material vom neuen, aktuellen Album.

Das alles ist immer wieder mit den teils sehr lustigen Videoproduktionen unterlegt. Jedes Mal neue Gags, mit denen sich die Band selbst auf die Schippe nimmt. Man posiert (im Film) in den schrägsten Verkleidungen und Klamotten und verbindet Science-Fiction Landschaften mit ulkigen Gestalten und wird wie immer zwischen ernsten Themen und skurrilen Humor hin- und her geschleudert. Das alles untermalt mit einem Sound, der einem angenehm in die Sitze brettert! Alles in allem wieder ein unvergesslicher Abend mit einer der innovativsten Rock-Bands unserer Tage. Gefeiert, dass man kaum sein eigenes Wort versteht, naja, und leise waren wir auch nicht grade. Wir freuen uns schon mal für die RUSH-Freunde in Deutschland, die sich Tickets für die beiden Konzerte in Köln und Berlin (im Juni) sichern konnten.

Das wir am nächstem Tage noch einmal an einem Casino waren, liegt nicht daran, dass wir gerne Automaten füttern, (das eher sehr wenig) sondern daran, dass auch dieses Casino sehr sehenswert ist, am Wege liegt und zum Mashantucket-Pequot-Indianer-Stamm gehört. Der nur ca. 500 Menschen zählende Stamm hat im und mit dem „Foxwoods-Casino“ Arbeitsplätze für über 5.000 Mitarbeiter geschaffen. Diese gigantische Anlage besteht aus 3 Hotels mit 1.400 Zimmern, 25 Restaurants, Geschäften, Golfplätzen und einem Themenpark, also durchaus Las Vegas Dimensionen. Sehenswert ist das alles schon mal, zumal es in der ländlichen Region hier in Connecticut nicht so sehr viel Außergewöhnliches zu sehen gibt.

Im Nu sind wir später auf kleineren Straßen fast in Massachusetts angekommen. Vorher sind wir noch ein kleines Stück durch Amerikas kleinsten Bundesstaat gefahren, Rhode Island und das können wir unmöglich unterschlagen. Der Staat ist so klein, das wir mit Esmeraldas Schnauze schon in Massachusetts waren, der Mittelteil flutschte noch durch Rhode Island (RI) und das Hinterteil unseres WoMo’s war noch in Connecticut. Man ist also schnell dort durch. Zumindest auf der Strecke, die wir fuhren. Nein, also im Ernst ist RI mit seiner ruhigen Hauptstadt Providence nur ca. 4.000 qkm groß und davon ist viel Waldfläche. Der Staat grenzt einige km an das ‚Große Wasser’ und man nennt sich deshalb stolz „Atlantic State“. Der höchste Berg ist der Jerimoth Hill mit 247 Metern. Was für ein Brocken, gesehen haben wir ihn leider nicht. Zwinkernd

Ein kleines Schild weist darauf hin, dass wir schon in Massachusetts (MA) sind. Wir bleiben für diesen Tag in West Bridgewater/MA und fahren am kommenden Tag auf die vorerst letzte, richtig große Stadt auf unserer Tour in den östlichen USA zu, Boston.

Immer kann es mit dem Wetter ja nicht klappen und an diesem Tage ist es hier trübe und wolkig, ein eher grauer Tag. Wir kommen um die Mittagszeit nach Boston und fahren gleich mal in das Zentrum rein, nachdem wir direkt an den Verlagsgebäuden des „Boston Globe“, der großen, überregionalen Tageszeitung, vorbeigekommen sind.

Die große Piste führt direkt in einen Tunnel unter die Downtown und man kommt fast mitten drin wieder ans Tageslicht. Erst mal bietet sich uns kein so beeindruckendes Bild der Stadt. Düstere, fast Himmelhohe Backsteinkolosse und überall zugeparkte Seitenstreifen. Das ‚Allgemeine’ Verkehrschaos überall und auch das Wetter macht es heute zusätzlich alles zu einer Veranstaltung in grau in grau.

Wir suchen lange vergebens einen Platz für unsere Esmi, auch wenn es nur für eine kurze Zeit wäre, aber wieder mal keine Chance, trotz einigen ‚rumkurbeln’ durch die Straßenschluchten Bostons. Am Ende landen wir in einem Vorort, Chelsea, und sind über mehrere Brücken unterwegs. Wir stehen immer wieder im Dauerstau. Das alles reicht uns irgendwann, diesmal lohnt es sich (bei DEM Wetter) nicht, stundenlang mit den Öffentlichen Bussen von weiter draußen wieder ins Bostoner Zentrum zu fahren.

Es geht für uns weiter nach Nordosten. Nach gefühlt zu langer Zeit in den großen Ballungszentren des amerikanischen Ostteils haben wir dringend das Bedürfnis nach Wald, Bergen, weitem Himmel und schöner Landschaft.

 

Ein kleines Jubiläum steht an. Wir möchten Tomy’s 50. Geburtstag nicht in einer Betonwüste feiern und fahren in die White Mountains von New Hampshire (NH). „Granite State“, wie er sich selbst nennt, denn die Berge hier bestehen weitestgehend aus weißen bis hellgrauen Granit. Die gewaltige Appalachenkette endet im zentralen New Hampshire und der Mt. Washington im Norden des Gebirges ist mit 1.917 Metern der höchste Berg in den östlichen USA. Das Motto des 24.000 qkm großen Landes ist: „Live free or die“, und steht auf den KFZ-Nummernschildern und gemäß dieses Slogans gibt es in New Hampshire keine allgemeinen Mehrwert- oder Einkommensteuern. Also mal lebt frei - oder stirbt sonst lieber.

Die überall an den Straßen schön präsentierten Likör-Stores zum Alkoholverkauf erfreuen sich hier (eben deshalb) ganz großer Beliebtheit und das begeisterte, freiwillige Testpersonal für geistige Getränke aller Art kommt aus großer Entfernung zum Einkaufen, wie das bunte Sammelsurium der angereisten Autoschilder samt daran angeschraubter Mobile beweist. Es gibt sogar eine Staats-Straßenkarte mit den genau eingezeichneten Positionen der alkoholisch begehrlichen Objekte, schön mit Flaschensymbolen, meist rund um die Orte gekennzeichnet. Wir besorgen uns eine Kiste Kanadisches Bier zum Testen der Qualität des Ahornstämmigen Hopfensaftes. Das schäumende Malzprodukt vom nördlichen Nachbarn ist ja oftmals qualitativ besser und leckerer als die Ice- und Lightgebräue, die sich die Amerikaner gerne einverleiben. Das auch noch in fast gefrorenen Zustand, aber das ist nix für uns. Keine gepflegte Bierkultur, sondern schaumgebremster Kühlschrankkater.

Ca. 1,3 Millionen Menschen leben in NH. Und die Hauptstadt, Concord, liegt auf dem Wege in die weißen Berge. Der Frühling ist hier erst langsam am einziehen und wir sind erstaunt, das weiter oben in den Bergen vieles noch geschlossen ist, die Saison beginnt im Mai. Aber der lange Winter 2013, auch hier in Nordamerika, hat alles ein wenig nach hinten verschoben. Oben an der Bergbahn zum Mt. Washington ist die Verkaufshütte für die Tickets verrammelt, viele Motels und Hotels sind noch in der Saisonpause.

Wir kommen in den ‚Bretton Woods’ zum ‚Omnihotel’ Mt. Washington. Dies ist ein riesiger, mondäner Bau, wo im Jahre 1944 einmal Weltgeschichte geschrieben wurde. Dort, kurz vor Kriegsende, wurde die Weltwährungsordnung der Nachkriegszeit ausgehandelt. Die Nobelherberge wird im Moment umgebaut und renoviert, überall stehen Baugerüste und Maschinen, sicher ist es sonst ruhiger dort oben als gerade jetzt. Aber dieses Quartier ist uns eh’ zu teuer mit Preisen weit jenseits der 200 $ pro Nacht und Zimmer. Im Bedarfsfall hat Esmi ein Hundert-Sterne-Dachfenster mit Blick auf den nordamerikanischen Himmel.

So feiern wir relativ ruhig in Littleton, einem kleinen Bergstädtchen in Norden der White Mountains, mit herrlicher Bergkulisse und endlich mal wieder von weiten Wäldern umgeben. An dieser Stelle noch einmal recht herzlichen Dank für die direkten, indirekten, schriftlichen, telefonischen und vor allem die Videogrüße zu Tomy’s Geburtstag! Dank schnellem Internets konnten wir online sogar einige Skype-Gespräche (auch mit Bildübertragung, klar!!) mit der Heimat führen, was will man weiter mehr - als so wie wir hier, im Moment unterwegs zu sein. Das ist für uns (beide!) eh’ das beste Geschenk und in dem Sinne sehen wir das dann auch.

Wir nehmen uns einige Tage Zeit für dieses wirklich schöne Gebirge, fahren Panorama-Routen, wandern zu Wasserfällen und Schluchten und suchen uns einige der ganz speziellen Bauwerke dieser Region – die seit dem vorletzten Jahrhundert gerade hier gebauten überdachten Holzbrücken, die “Covered Bridges“. In verschiedenster Länge, bis zu 65 Metern führen sie über die Flüsse und teils tiefen Schluchten oder dienen in Ortsnähe immer noch als befahrbare Autobrücken. One Way natürlich. Es gibt sogar ‚Covered Railway’, also überdachte Eisenbahnbrücken, und so manche sind schon rare Museumsstücke.

Eine der schönsten Passstraßen in den White Mountains ist der Kancamagus Highway, die den gleichnamigen Pass (2.855Ft) überquert und landschaftlich durchaus schon an die Rocky Mountains erinnert.

Die Gebirgsorte hier haben ihren ganz speziellen Charme, denn es gibt Fachwerkhäuser, keltisch aussehende Kirchen und einige Kneipen sind schon mal in ‚Berghüttenstil’. Es gibt kaum Restaurants, die in den langweiligen, immer wiederkehrenden 08/15 Fast-Food-Formen der genormten ‚All American Cities’ erscheinen! Wer von unseren Lesern und imaginären Reisebegleitern schon mal hier war, wird genau wissen, was wir meinen. New Hampshire hat relativ wenig von der Atlantikküste abbekommen und hier dominiert die Berglandschaft.

Wieder Richtung Küste sind wir dann schon bald in Maine angekommen. Dort gibt es dafür eine der schönsten Naturlandschaften im US-Osten.

 

 

Die Heimat von Thriller-Spezialist Stephen King ist mit 91.000 qkm schon mal ¼ so groß wie Deutschland und hat eine wunderschöne, stark zerklüftete Atlantikküste mit vielen Inseln, Schären und Buchten.

Das landschaftliche Prachtstück ist der Acadia-Nationalpark im Norden von Maine und nachdem wir die sehenswerte Küstenstraße Nr. 1 genommen haben, starten wir unsere Tour dorthin vom Städtchen Ellsworth aus.

In Ellsworth kann man noch diverse Einkäufe machen, denn in der Acadia-Region gibt es vorwiegend kleine Tante Emma-Läden und rustikale General-Stores mit Dosenfutter. Auf dem Wege durch die Filmkulissenreifen Naturlandschaften Maines finden wir immer wieder schöne Holzhäuser und Villen, aber auch abbruchgefährdete Gespensterschlösschen und verlassene Ruinen solcher am Wege. Kein Wunder, dass hier die Inspirationen für so manche Grusel- und Horrorgeschichte sprudeln.

Bei uns sprudelts erst mal im Tank, Esmeralda hat auf ihrem Wege durch 25 (!!) amerikanische Bundesstaaten mittlerweile über 15.000 Kilometer zurückgelegt, und das alles mit dem schweren Panzer auf dem Buckel.

Der Osten der USA ist nicht gerade reichlich mit Nationalparks gesegnet, aber eine der wenigen Ausnahmen ist da der Acadia, im Nordwesten Maines auf der Halbinsel Mount Desert Island gelegen. Die, genauso wie die Küste Maines, stark zerklüftete Insel ist von Fjordähnlichen Inletts durchzogen. Überall liegen Boote, Fischfangkutter und Lobster-Reusen, die Netze werden repariert, denn die Lobstersaison beginnt hier erst noch. Die vielen Verkaufsstellen an der Straße sind alle noch geschlossen.

Wir fahren erst nach Süden und besuchen den von vielen Fotos bekannten und berühmten Leuchtturm bei Bass Harbor. Er ist aus der Nähe eher sehr klein und eigentlich unspektakulär, aber zusammen mit den eigenwillig roten bis rosa Felsen, die man dort (und an vielen Stellen an der Acadia-Küste) sehen kann, bildet er schon ein schönes Motiv für die vielen Fotos, Gemälde, Postkarten und Puzzles, die man hier überall zum Kaufen anbietet.

Der noch spektakulärere Nordwestteil der Insel hat den Hauptanteil des Acadia-Nationalparks und ein Park-Loop (ein spezieller Rundkurs, wie es hier genannt wird) führt durch Märchenlandschaften aus dichten Wald und Fels. Die Blicke immer wieder mal frei auf die tiefblauen Buchten des Atlantik und die vielen vorgelagerten Inseln. Auf den Cadillac Mountain rauf führt eine Panoramastraße. Der Berg ist ein mächtiger Granitkoloss und oben gibt es einige schöne Aussichtspunkte auf dem Wanderweg durch die grauroten Gesteinsblöcke, die im Sturmwind zwischen Wolken und Sonne am Abend eine fast unwirkliche Kulisse erzeugen.

Unser letztes Ziel heute ist der Hauptort Bar Harbor. Hier in der Nähe ist das Hauptquartier des Parkes und hier gibt es auch die meisten Hotels, Kneipen und Geschäfte. Alles ist für den Tourismus hergerichtet und das Geschäft mit Souvenirs und Seafood geht bestens.

Als wir dann weiter auf dem Highway Nr. 1 nach Norden unterwegs sind, wird es immer weniger mit den Ortschaften am Wege und wir fahren immer mehr durch weite, einsame Waldgebiete. Ab und zu erscheint mal eine Truckerkneipe oder ein Generalstore, eine kleine Info mit Cafe, ansonsten kommt man immer wieder an malerischen Buchten vorbei.

Irgendwann, nach fast genau 100 Tagen Fahrt von Baltimore nach Florida, tief durch die klassischen Südstaaten bis in die Texanische Prärie, „ab durch die Mitte“ und quer durch den zentralen Osten bis an die Küste mit ihren Millionenmetropolen und Neuengland sind wir jetzt an der Kanadischen Grenze angekommen.

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