Erst mal Werkstatt-Ärger, Schlamperei und falsche Keilriemen, dann aber:

Von den Bergen West Virginias zu den Städten an der Atlantikküste

(unsere Reiseroute)

Noch an den Mammoth-Caves in Kentucky hatte es uns einen Keilriemen zerbröselt und bei der Suche nach Ersatz merkt man erst einmal, wie unterschiedlich die hiesigen Werkstätten/Garagen ticken und arbeiten. Oder wie falsch. Die ersten fanden gar keine Ersatzteile für den Mitsubishi L200 (in ihren Systemen) und an der nächsten Fachwerkstatt waren komplett alle ‚Diesel-Werkstatt-Techniker’ auf Schulung und das schon mal für mindestens eine Woche. Eine weitere Werkstatt zerriss uns dann noch einen weiteren Keilriemen. Wir hatten uns natürlich einen Satz aus Deutschland mitgebracht, merkten aber leider erst jetzt, dass zwei der drei Keilriemen - trotz Fahrzeugscheinvorlage bei ATU Zittau - falsch an uns geliefert wurden. Tolle Sache. Nun, bei der weiteren Suche war DIE Auskunft einer Mitsubishi-Vertragswerkstatt in Kentucky, es gibt keine Teile, eben auch nichts Ähnliches, was man mit etwas Improvisation einbauen könnte. Also ‚alte Teile’ notgedrungen wieder rein. Genau diese Werkstatt baute uns dann ein Umlenkrad falsch ein, bzw. befestigte es falsch, so dass es während der Fahrt abfiel und uns fast das Lüfterrad des Kühlers und alle anderen bewegten Teile in unmittelbarer Nähe zerriss, ein weiterer Keilriemen wurde dadurch auch noch beschädigt. Reine Schlamperei. Glücklicherweise hatten wir es da nicht mehr weit zu (Nummer 5!!) ‚Mitsubishi-Moses’ in West Virginia und siehe da: Problemlos wurde dort ein kompletter Satz neue Riemen (von NAPA, einem US-Hersteller) organisiert und eingebaut. Geht also doch. Diese funktionierten zuerst bestens, bis wir ca. 200-300 Kilometer weiter waren, dann meinten diese Teile quietschend, dass sie doch nicht ganz perfekt passen wollten. Man kann auch sagen, die Esmeralda quietschte vor Freude, wieder rollen zu dürfen, aber auf Dauer nervt das Besatzung und Mitmenschen.

Die nächste Fach-Werkstatt konnte wieder gar keine Riemen für unseren L200 finden. Man telefonierte sogar mit allen möglichen Zulieferfirmen, sowie der Zentrale und wollte von der Lösung der vorhergegangenen (auch Mitsubishi) nichts wissen. Wir fühlen uns schon langsam verarscht von so viel Inkompetenz. Nun haben wir uns doch aus Germany Keilriemen schicken lassen, sie gehen an Bekannte in New York City. Ein dickes Dankeschön an Gunnar und die schnelle Aktion!!

Wir passieren West Virginias Hauptstadt Charleston und Esmeralda stampft später tapfer Serpentinen rauf und runter. Die Landschaft ist grün und mittelgebirgig und die Flüsse haben schöne Täler gegraben.

Ein Naturhighlight ist der Shenandoah-Nationalpark, den eine herrliche Panoramastraße durchquert, aber leider ist noch Vorsaison. Dass heißt, die Camps sind alle noch geschlossen, die Bäume oben in den Kammlagen noch kahl und die Temperaturen nachts immer noch am oder unter dem Gefrierpunkt. Wir sind hier ein wenig zu früh da. Und/oder der Winter in Nordamerika nimmt sich wie in Europa dieses Jahr besonders viel Zeit, warum soll’s uns auch besser gehen!

Mit dem „Blue Ridge Parkway“ führt ein wirklich traumhafter Scenic-Drive viele hundert Meilen durch die Appalachen und wir fahren auch ein Stück dieser Strecke. Abseits der großen Straßen, besonders im Hinterland von West Virginia, fahren wir immer wieder durch extrem heruntergekommene Ortschaften, sehen überraschend viele verfallene und ausgebrannte Häuser. Es wirkt so, als würden diese Häuser dann einfach dem Schicksal oder dem Verfall überlassen, denn die Natur hat sich oftmals schon den Weg durch leere Tür- oder Fensterhöhlen gesucht. In den Vorgärten liegt immer wieder Müll und Schrott herum, skurrile ‚Stillleben’ kann man beobachten, regelrechte ‚Ausstellungen’ werden geboten. Verrostete Auto-Wracks und alte Maschinenteile stehen zwischen den kleinen, manchmal arg baufälligen, kleinen Holzhäusern. Ländlicher Charme der 60er/70er Jahre des letzten Jahrhunderts, aber auch Indiz für eine ärmere Gegend. Wir lesen, das gerade WV. zu den ärmsten Gebieten der USA gehört. Das ist aber nur regional zu beobachten, wir meinen speziell den Highway Nr. 60 von Charleston Richtung Nordosten.

Der kleine Bundesstaat West Virginia hat ca. 1,8 Millionen Einwohner und ungefähr ein Sechstel der Fläche Deutschlands und die ist wie sein Nachbar Virginia sehr landwirtschaftlich geprägt.

Virginia wiederum liegt schon im Einzugsgebiet der Bundeshauptstadt Washington. Hier haben viele Abgeordnete ihre Landhäuser und umso näher man an den „Distrikt of Columbia“ kommt, um so feudaler und größer werden die Grundstücke und die passenden, darauf platzierten Paläste, die oft versetzt hinter einer kiesbedeckten Auffahrt abseits der Hauptstraße gebaut sind.

Viele dieser Ortschaften hier darf man nur noch mit 25 Meilen pro Stunde durchschleichen. Überall warnen Schilder und drohen zum Beispiel auch bei „Littering“ – also Verunreinigung - und ‚Müll-aus-dem-Auto-werfen’ mit drakonischen Strafen zwischen 120 bis einigen tausend Dollar pro Fall! Das handelt jeder Bundesstaat separat und mit großen Unterschieden ab.

Der Staat Virginia ist fast doppelt so groß wie WV. Und hat 8 Mill. Einwohner. Landschaftlich gibt es für uns Europäer kaum Sensationen zu bestaunen und Klima und allgemeiner Eindruck erinnern an Nordwestfrankreich oder England. Auch die Architektur und der Baustil der besseren Landhäuser geht teils in keltische Richtung und man sieht wie in Kentucky viel Pferdezucht.

Unser nächstes Ziel ist die Bundeshauptstadt. Washington DC hat echt viel mehr zu bieten als das Weise Haus, das Capitol oder viele andere Repräsentationsbauten.

Eine ganz besondere Sache hier sind die vielfältigen Häuser des Smithsonian Institute, eine Forschungs- und Bildungseinrichtung, die zahlreiche ‚bestbestückte’ Museen beinhaltet. Der Clou ist, der Eintritt ist bei allen frei. Washington, am Potamac River gelegen, ist anders wie New York oder Chicago, denn spektakuläre Wolkenkratzer fehlen hier fast völlig, aber die Ausdehnung des Stadtgebietes ist auch gewaltig. Leider gibt es im Großraum absolut keine (State-) Parks oder privaten RV-Plätze. Im weitem Umkreis sind keine Campingmöglichkeiten und die Hotels sind hier eher außergewöhnlich teuer.

Wir starten unsere Touren vom ruhig-beschaulichen Maryland aus, nachdem wir einen ersten Tag und viele, vergebliche Kilometer versucht hatten, einmal einen Parkplatz innerstädtisch zu bekommen, aber keine Chance. Dafür ist unser Fahrzeug schon zu groß. Sicherer steht Esmi draußen an einem Baumarkt in einem eher ruhigeren Gebiet. Wir fahren mit einem Bus einen weiten Bogen zur Stadtbahn-Endhaltestelle und dann von weit außerhalb, nordwestlich der City, rein ins Zentrum.

Überall im Zentrum der Hauptstadt stehen fahrbare Imbissbuden, Eisstände, Souvenir- und T-Shirt-Verkaufswägen. Deren kunstvolle Gestaltung sind kaum Grenzen gesetzt, und grelle Farben können auch mal ‚nach Kunden schreien’. Lachend

Das Metro-Netz der US-Hauptstadt ist sternförmig, gut angelegt und alles ist zu Fuß erreichbar. Wir verbringen lange Zeit im erklärten Favoriten der Smithsonian-Group: Das nationale „Air and Space Museum“, das vom Beginn der Fliegerei bis zu den letzten, internationalen Raumfahrtprogrammen unglaublich viele, echt beeindruckende Originalstücke ausgestellt hat. So geht es vor allem um den Weltraum-Wettlauf zwischen der damaligen UdSSR und der USA, viele Details und Artefakte der Mondlandungen, Aufnahmen, Overalls und Landekapseln. Viel, viel Technik, Mondgestein, Daten und eine einzigartige Sammlung sowohl der NASA als auch der russischen Erfolge (und Fehlschläge) aus den letzten, über 40 Jahren. Untergebracht ist das Ganze in einem von außen eher unscheinbar zweckmäßigen wie unauffälligen Kombination von bunkerartigen, zusammengefügten Betonwürfeln, aber innen eine fantastische wie umfangreiche Ausstellung! Ein toller Schatz in Sachen Wissenschaft und Technik! Man könnte dort einige Tage verbringen.

Wir besuchen noch die ebenfalls einzigartige Kongressbibliothek (hinter dem Capitol), die größte ihrer Art in der Welt. Schon von der Ausstattung des edlen Gebäudes her fühlt man sich nach Rom oder in den Dogenpalast zu Venedig versetzt, so einen edlen Prunk hätten wir hier nicht erwartet. Auch die erste, original Gutenberg-Bibel ist dort ausgestellt und das erste gedruckte Buch der Welt! (Gehört die nicht eigentlich nach Europa?). Sie ist gut gesichert, versteht sich und kein Museum ist hier ohne Personenkontrollen wie am Airport. Nach den Anschlag auf den Boston-Marathon, gerade mal einige Tage her, ist Washington eh’ wieder im Alarmzustand und man sieht überall ausgefahrene Panzersperren um die wichtigen Gebäude, vieles ist abgesperrt, manches geschlossen für die Öffentlichkeit und die Flaggen seit Tagen auf Halbmast.

Am dritten Tage sind wir dann schon mal an der ersten Adresse unterwegs, aber der Präsident ist heute nicht zu Hause, sondern gerade in Texas. Wir sehen uns das Lincoln-Memorial bei schönstem Frühlingswetter an und flanieren durch den Park zum Vietnam-Mahnmal unweit des Potamac-River. Dieses stimmt uns auch sehr nachdenklich, angesichts der unglaublich vielen, zig-tausenden, hier eingravierten Namen der Gefallenen in diesem Krieg.

Am Nachmittag geht’s in den National Zoo, der auch zur Smithsonian Group gehört. Wieder gibt es viel zu laufen und unsere Stadtkilometer summieren sich (außer Metro- und Busbenutzung) weit ins zweistellige. Es kommt immer einiges zusammen, wenn man sich mal entschließt, in 2-3 Tagen eine Großstadt etwas zu erkunden. Sehr interessant und teils auch überraschend war es in unserm Falle in Washington/DC. Eine gewaltige und täglich 3-stündige Gurkerei, um von einem sicheren Platz aus hinein zukommen, ist eben doch immer damit verbunden, aber es hat sich unserer Meinung nach gelohnt.

Um mal wieder aus dem Trubel der großen Metropolen rauszukommen, besuchen wir als nächstes den sogenannten „First State“ – Delaware, welcher auch der zweitkleinste nach Rhode Island ist. Wir fahren einen ‚großen Bogen’ um das Ballungsgebiet Washington, passieren mit Annapolis die relativ kleine Hauptstadt von Maryland und dürfen wieder mal über eine laaange Bay-Bridge fahren. Die Highway Nr. 50 führt nach Osten auf die Delaware-Halbinsel. Genauer gesagt, heißt diese dreigeteilte Halbinsel auch „Delmarva“, also eine Mischung aus den Staaten Delaware, Maryland und Virginia, das ist doch eine schräge Wortkreation, oder? Die Riesenbrücke kostet für uns 4 Dollar Maut und es führt doch tatsächlich für jede Spurrichtung eine komplett separate, eigene Stahlbrücke über die Meerenge. Wahrscheinlich hatte man zu Bauzeiten noch Geld übrig, denn wenn man den (traurigen) Zustand der Straßen hier und jetzt überall sieht (und deutlich spürt!!), merkt man schnell, dass die öffentlichen Kassen leer sind, oder für solche Ausgaben nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die nächsten Meilen geht es durch flaches Farmland, Wälder, kleine Dörfer oder Städtchen, vorbei an Getreidesilos und würzige Landluft quer durch Delaware Country.

Weiter im Süden, an der Küste, liegt als sehenswertes Ziel Ocean City in Maryland. Dort wollen wir hin, denn wir haben Fotos gesehen, die ein wenig an eine kleinere Ausgabe von Floridas Beaches erinnern. Noch ist auch hier Vorsaison, aber an einem schönen Frühlingstag wie heute sind tausende Menschen an der Strandpromenade unterwegs. Wir sehen wieder mal skurrile Gestalten, teils abstrakt schräge Gebäude, Hunde mit Sonnenbrille oder im Kinderwagen, schrill geschminkte Sonnenanbeter die einfach nur flanieren oder in der Sonne liegen. Was für eine Show und auch Futter für die Kamera! Dafür kann man den Parkautomaten schon mal mit ein paar Quartern (Vierteldollars) füttern. Diese immer gefräßigen, metallischen Wegelagerer gibt es auch hier überall.

146 Seitenstraßen weiter nördlich von der Südspitze Ocean Citys (ja die Straßen sind durch nummeriert bis zur Grenze) beginnt - auch am Meer - wieder Delaware.

Man ist hier (für amerikanische Verhältnisse) recht übersichtlich. Mit 6.400 qkm ist ‚The First State’ gerade mal etwas mehr als doppelt so groß wie das Saarland und knapp 900.000 Einwohner leben in Delaware. Der kleine Bundesstaat an der Atlantikküste beherbergt einige große, wichtige internationale Firmen, er ratifizierte als erste von 13 Kolonien die Verfassung der USA und ist damit eben der erste Bundesstaat der Union.

Es gibt an der Küstenstrecke einen State Park und eine große Brücke über eine Bucht und viel Dünenlandschaft. Dann führt die Landstraße wieder ins Hinterland, nach Norden und in Richtung der Hauptstadt von Delaware, Dover. Letztere lassen wir mangels großer Sehenswürdigkeiten vor sich hin träumen und wenden uns eher in Richtung eines Apfels, genauer eines ‚Big Apples’. Auf nach New York!

Das geht am besten auf einem Turnpike (eine schnelle Maut-Autobahn) ohne große Probleme, Ampeln und Stopps durch einen Teil von Pennsylvania und New Jersey. Und da wir keine Lust auf ZU VIELE große Städte haben, geht es diesmal auch an Philadelphia vorbei. Wir freuen uns eher auf die weiten Landschaften im Norden und Westen, die Nationalparks und Gebirge, die sich natürlich in ihrer Häufigkeit und Lage zu 80% mehr in Kanada, Alaska oder eben Westen der USA befinden. Nach der mit 14 Dollar (!) bisher für uns teuerste Mautbrücke sind wir auf Staten Island angekommen und damit schon im Bundesstaat New York.

Dann kommt wieder mal eine richtig schöne Brücke, ein Prachtstück, sicher auch eine der schönsten Hängebrücken von Lage und Bauart her überhaupt. Die Verrazano-Narrows Bridge führt von Staten Island nach Brooklyn und war mit einer Spannweite (Pfeilerentfernung) von 1.298 Metern von 1964 bis 1981 längste Hängebrücke der Welt. Sie ist zweistöckig und führt über die Meerenge. „The Narrows“ zwischen der Upper & Lower New York Bay, benannt nach dem italienischen Seefahrer Giovanni de Verrazano, der im Jahre 1525 als erster Europäer den Hudson River erreichte. Einmal im Jahr startet hier über die Brücke auch der berühmte New York Marathon, zweifellos ein phantastischer Anblick, diese Piste über die Brücke (Wenn’s nicht nebelt Cool).

Da wir nach Norden fahren, brauchen wir mal keine Maut blechen und Esmeralda stürzt sich mit uns ins vermeintliche Chaos von Brooklyn, nachdem wir einen Abfahrt verpasst haben und jetzt erst mal quer da durch müssen. Aber das hat auch sein Gutes, denn es gibt bei blauem Himmel und klarer Sicht eine Top Blick rüber auf die Skyline von Manhattan, das neue World Trade Center I und die schöne Brooklyn Bridge. Fährt man die halbe Länge von der Südspitze in Brooklyn rauf bis fast zur Mitte der Manhattan-Halbinsel, gibt es schon atemberaubende Aussichten dieser nun wirklich außergewöhnlichen Stadt.

Dann biegen wir auf dem Wege nach Long Island ostwärts ab und suchen uns erst mal einen eher ruhigen und etwas sichereren Ausgangspunkt für die Touren nach New York City. Wirklich Platz ist hier natürlich nirgends und um diesen zu finden müssen wir schon weit raus nach Long Island fahren. Die Halbinsel macht ihren Namen alle Ehre und nach 80 Kilometern (!) haben wir noch nicht mal annähernd die Hälfte geschafft. In Farmingdale, einem Universitätsstädtchen südlich des Bethpage State Parks, finden wir dann einen recht guten Ausgangspunkt für unsere Touren und vor allem eine passende Bahnstation der Long Island Railway. Die Züge fahren von hier aus bis rüber nach Manhattan zur Penn Station. Das ist der mittlerweile überall gebräuchliche Kurzname für die Pennsylvania Station im Herzen von New York City, direkt unter dem Madison Square Garden gelegen. Dieser wiederum ist ja DIE Adresse für große Kulturelle Ereignisse im Big Apple. Wenn Konzerte von weltweit bekannten Stars oder auch WM-Boxkämpfe in New York stattfinden, dann meist in dieser berühmten Halle.

Wir bezahlen für die Stunde Bahnfahrt ca. 20 Dollar (hin & rück, pro Person) und sind schon vormittags in den Häuserschluchten von Downtown Manhattan unterwegs. Das Empire State Building und der Chrysler Tower sowie die schöne Grand Central Station sind die ersten, sehenswerten Stationen. Letztere ist der andere, bekannte, große Verkehrs-Knotenpunkt der City. Hier kommen fast alle der nationalen AMTRAK Züge aus anderen Landesteilen an und auch mehrere Metrostationen, bzw. Linien laufen hier zusammen. Architektonisch schon eine tolle Adresse in der großen Stadt, Grand Central ist neben dem Times Square das Schaltzentrum der Millionenstadt und auch dementsprechend abgesichert.

Dort, wo sich der schräg verlaufende Broadway mit der Seventh Avenue trifft, benannt nach dem Times Building (der großen New Yorker Tageszeitung), wird man von Werbeleinwänden fast erschlagen. Es gibt mediales Dauerfeuer von allen Seiten, so verrückt, dass es schon wieder schön ist. Das müssen die Sinne aber erst einmal verarbeiten. Dutzende ‚vermummte’ Gestalten bevölkern den Times Square neben den zig-tausenden Touristen, Besuchern und Polizeistaffeln, die dort präsent sind. Batman, Spiderman, Micky Maus, Donald Duck, Kater Garfield und diverse Außerirdische Spezies in ultraschrägen Kostümen grinsen einen an, Superman‘s (in mehreren Ausführungen – HÄ? – es kann nur EINEN geben!) lungern hier am TS. rum. Auch der schon berüchtigte, deutschstämmige halbnackte Cowboy mit seiner Gitarre steht für Fotos bereit, Karneval ist hier 365 Tage, wie es uns scheint.

Das Hard Rock Cafe, das ‚Roxys’ und alles, was ‚auf sich hält’ ist um und an diesem Platz irgendwie präsent, man kann schon mal 1-2 Stunden nur staunen und sich amüsieren, langweilig wird es am Times Square nicht und sicher ist die Silvesterfeier hier auch ein Knaller und das im eher bestem Sinne des Wortes. Nach so viel Trubel wandern wir nordwärts zur grünen Lunge von Manhattan und lassen uns im Centre Park ins Gras fallen. Tausende liegen hier schon rum und spannen ein wenig aus.

Diese Stadt ist schon eine ganz besonders starke Dosis Beton, Stahl, Glas, Kultur und Zivilisation an einem Punkt, beeindruckend, berauschend, schockierend, modern und alt gleichzeitig. Es ist schon was dran, wenn man diese einzigartige Stadt nur lieben oder hassen kann. Nach einiger Zeit hier tut man möglicherweise beides. Man wandert wie im Rausch durch die Straßen dieser vertikalen Metropole, weicht den tausenden von Yellow Cabs (Taxis) aus und entdeckt mit ein wenig Glück immer irgendetwas Neues, was von Filmen oder Dokumentationen bekannt ist. Wir kommen an der Carnegie Hall (Klassische Konzerte!) vorbei und landen nach bestaunen des Columbus Circle, einem Riesen-Kreisverkehr mit einigen Spuren und reichlich Zufahrten wieder auf dem altehrwürdigen Broadway. Jeden Augenblick könnte Woody Allen um die Ecke kommen, aber der wäre wahrscheinlich bis zur Unkenntlichkeit verkleidet.

Für den ersten Tag New York City haben wir reichlich gesehen und sind mal gleich einige Kilometer gelaufen, die man so richtig erst abends merkt, wenn man aus den qualmenden Socken steigt.

An den zwei ‚Ruhetagen’ danach kaufen wir ein, besorgen uns neues Propangas für die Bordküche und machen eine Tour zu den Stränden des Atlantiks. Im Süden Long Islands gibt es ja wieder schöne, vorgelagerte Halbinseln, hier „National Seashores“ genannt. Diese sind meist Dünenlandschaften, State Parks und im Sommer sicher proppenvoll. Ein Rückzugsgebiet der New Yorker und jetzt im Mai ist es mit 17-18 Grad und starken Seewind noch recht frisch. Die weiten Sandstrände zwischen den Parkplätzen sind fast leer und die Wochenend- und Ferienhäuser wirken wie (noch) ohne Dauer-Bewohner.

Wir besuchen die Gedenkstätte des TWA-Flugzeugabsturzes (Flug 800) vom 17. Juli 1996, als die Maschine, vom Kennedy Airport kommend, nach 12 Minuten Flug an dieser Stelle auf Long Island nach einer Explosion abstürzte, 230 Passagiere und die Crew kamen uns Leben. Heute sind Surfer am Strand unterwegs und die ersten, kälteresistenten Sonnenanbeter lassen sich ‚Sandstrahlen’. Man vergisst fast ein wenig, dass in relativer Nähe eine der größten, urbanen Metropolregionen der Welt vor sich hin brummt. Genauer gesagt die drittgrößte nach Tokyo und Mexico City.

Die Südstrände von Long Island sind ein toller Kontrast zu den tobenden Leben im Ballungsraum New York, wo schon mal 23 Millionen Menschen leben. Verkehrstechnisch schön zu fahren ist das Ganze nicht, wir müssen aber da durch und freuen uns schon mal auf ruhigere Gegenden. Unseren zweiten Tag New York City planen wir an einem Sonntag ein, da ist es vormittags schon mal entschieden entspannter und die Fahrkarten günstiger (weil keine Peak- also Hauptverkehrszeit).

Wir nehmen ein Stück die Metro und gehen zum Financial Distrikt. Gerade eben hat man dem neuen World Trade Center Turm seine Neue Turm-Spitze verpasst. Die aktuelle Höhe beläuft sich auf 1.776 Fuß (Jahr der erklärten Unabhängigkeit der USA), also satte 541 Meterchen, und ist damit das aktuell höchste Gebäude in Amerika. Höher als die Zwillingstürme waren. Alles drum herum ist noch eine große Baustelle, weitere Türme werden entstehen und das Bild der Südspitze New Yorks entscheidend verändern. Schon heute bekommen wir Genickstarre beim Betrachten dieser unglaublichen Bauten, die die Wallstreet immer mehr in einen langen Schatten tauchen.

Wir besuchen mit tausenden von Wartenden die Gedenkstätte 9-11, die momentan noch nicht ganz ihre endgültige Fertigstellung erreicht hat. Auf Grund der laufenden Baumaßnahmen, erklären die Prospekte, sind umgehende Sicherheitskontrollen erforderlich. Nach Fertigstellung des ganzen Projektes soll ‚Ground Zero’ wieder von allen Seiten frei zugänglich sein.

Die Konzepte und Modelle in Visitor Center machen in jedem Falle Lust, irgendwann noch einmal hier her wiederzukommen! Das Ganze ist schon äußerst beeindruckend. Man hat einem Park angelegt und das Zentrum bilden die beiden ‚Fußabdrücke’ der eingestürzten Zwillingstürme. An Stelle der Nord- und Südtürme sieht man jetzt 2 beängstigend riesige Löcher, in die neun Meter tiefe Wasserfälle fließen. Mittig in diesem gewaltigen Löchern gibt es noch einmal tiefe Schächte, in die das Wasser dann ‚in der symbolischen Unendlichkeit’ verschwindet. Rund um die beiden Fundamente sind die Namen aller Opfer der Anschläge von 1993 und 2001 in Bronze eingeschnitten. Es sind mehr als 400 zweifarbige Eichen für den Park geplant, die dort teilweise schon gepflanzt worden sind. Eine chinesische Wildbirne (genannt Lebensbaum) steht im Zentrum, der Baum hat in der Nähe der Gebäude gestanden und nach fast vollständiger Zerstörung ist er wieder ausgetrieben, jetzt wird er gesund gepflegt. Auch einen weiteren Brand hat dieser außergewöhnliche Baum überstanden.

Geht man von der Gedenkstätte zum Ufer des Hudson River, wird der Blick frei auf die Skyline von New Jersey und die Freiheitsstatue auf Liberty Island. Im Jahr 1991 hatte Tom mit 3 Freunden noch den Blick vom 110. Stockwerk des World Trade Centers genießen können. Bei schönem Wetter konnte man bis in 4 Bundesstaaten schauen und man hatte das Häusermeer von Manhattan sozusagen unter sich - als genialen Überblick. Das ist nun Geschichte, doch bestimmt wird es im neuen WTC wieder eine Aussichtsplattform geben. Wir sind dann noch etwas auf dem Broadway nach Norden unterwegs und dann geht es, dieses Mal über den Knotenpunkt und dem Fernbahnhalt ‚Jamaica’ in Brooklyn weiter raus zum Stellplatz unserer Esmeralda in Farmingdale. Dieses besagte ‚Jamaica’ wirkt allerdings weniger tropisch und wir werden sicher keinen Urlaub dorthin buchen.

Alles in allem ist das für uns, trotz relativ guter Verbindung, immer eine Tour von 3-4 Stunden hin und zurück, bis wir wieder vom Zentrum New Yorks bei unseren Fahrzeug sind. Wer schon mal in New York City war, weiß, dass Parken dort unmöglich ist, oder fast unbezahlbar. Parkhäuser sind eh’ passe` für uns und extrem rar auch. Nach fast einer Woche weiterer Wartezeit auf unsere Paketsendung aus Old Germany beschließen wir, langsam unsere geplante Tour, vorerst nach Nordosten, weiterzufahren, denn es kann ja unter (schlechten) Umständen auch noch viel länger dauern oder irgendwo ‚feststecken’. Die Fahrt auf Long Island, Interstate Nr. 495 verläuft auch wieder mit viel Stau. Es gibt vor allem zu niedrige (!!) Brücken hier in der Gegend, die nur für PKW zugelassen sind, ein ziemliches Durcheinander, wenn man dann neue Wege suchen muss. Auf der Interstate 95 Nord überqueren wir wieder eine Große Brücke und alles kostet reichlich Maut, ist aber nicht zu umgehen, dann sind wir schon in der Bronx. Diese ist zwar jetzt (angeblich) ein wenig sicherer als ihr gruseliger Ruf zu Zeiten der 70er Jahre, aber nicht sonderlich schön anzusehen mit ihren riesigen, grauen oder braunen Mietskasernen, dem Straßenspagettis und den schmutzigen Industriegeländen.

Uns reicht es erst mal von großen Metropolregionen, es geht Richtung Connecticut und damit nach Südneuengland. Zwei Tage später erreicht uns die Meldung, dass wir unsere Ersatzteile in New York City abholen können, wir sind längst über 100 km von New York weg.

„Murphy’s Gesetze“ haben wieder mal zugeschlagen, aber diesem begegnen wir auf Reisen ja eh’ immer wieder und wenn wir den Kerl erwischen, muss er bis zum Zerplatzen fettige Burger fressen!!

Tomy startet von New Haven/ CT noch einmal mit der Bahn durch und holt unser Paket von Bekannten aus dem Financial Distrikt ab. Nach 2 Wochen hatte es die amerikanische Post endlich geschafft und es, nachdem wir es fast abschreiben mussten, doch noch geliefert.

Heidi bewacht derweil unseren ‚Hausstand’ in der Esmeralda. Es ist oftmals für uns nicht so einfach, alle (oder viele) unserer wichtigen Sachen, Ladegeräte und Ausrüstung auf einem Parkplatz zu lange unbeaufsichtigt zurückzulassen und RV- oder Zeltplätze gibt es in den Großstadtregionen wenige oder gar keine. Daher ist der Besuch jeder größeren City für uns schon mit einiger Organisation bzw. Suche verbunden und wir müssen jedes Mal neu abwägen, ob es sich alles in allem der Aufwand lohnt. Bisher hat es gut geklappt, auch dank Infos aus dem Internet, Navigation und Infocentern. Buch-Reisführer können und konnten für diese spezielle Situation eher weniger weiterhelfen.

Wir werden uns bald von unserer New England Route wieder melden.

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