Unterwegs im Hochprozentigen Country

(unsere Reiseroute)

Tennessee empfängt uns mit einer erfrischend anderen Landschaft und endlich ändert sich das Bild der endlos flachen Brettszenerie. Wir fahren durch leichte Hügel und viel Fels (der berühmte Limestone) am Straßenrand säumt die Pisten.

 

Nashville ist kein kleines oder mittleres ‚Countrynest’ - meist sind die Hauptstädte der US-Bundesstaaten ja eher kleine und gar nicht so bekannte Orte, aber Nashville ist schon eine gewaltige City. Die Sehenswürdigkeiten auf dem weitläufigen Terrain sind so weit auseinander gelegen, dass man schon ein Auto braucht oder das Bussystem benutzen sollte. Trollys bzw. Straßenbahnen fahren auch zu sehr fairen Preisen.

Der Name Tennessee kommt von einer Indianersiedlung am Little Tennessee River (Tanasi) und mit ca. 109.000 qkm ist der - im zentralen Osten gelegene - Bundesstaat knapp ein Drittel so groß wie Germany und hat knapp 6,5 Millionen Einwohner. Auf Nashville kommen davon über 625.000 Einwohner, nur Memphis ist ein wenig größer. Wenn Los Angeles die Rock City ist (nun, aber schon lange nicht mehr alleine!) und im Memphis der Blues zu Hause ist, dann regiert hier in Nashville die Countrymusik in allen (überraschend verschiedenen) Stilrichtungen. In Museen, Clubs und Kneipen wird man aufgeklärt, dass es Riesenunterschiede gibt, zwischen Folk, Country, Bluegrass, New Country, Western und vielem mehr! Dutzende Radiostationen senden rund um die Uhr neben knackigen Klassik-Rock eben diese verschiedenen Schattierungen und Stile. Die älteste und berühmteste Station sendet seit 1925 (!!) immer noch Freitag und Samstagabend Live aus der ‚Grand Ole Opry’.

Das ist DIE entscheidende Adresse, sozusagen eine Festspielhalle, ein Theater, die die historischen Bretter, die den Country bedeuten und ausmachen.

Diese Halle lag damals am Rande der Stadt, aber jetzt nicht mehr ganz - die altehrwürdige Opry ist mit einer Shoppingmall von gigantischen, eben amerikanischen Ausmaßen verbunden. Wir verlieren uns fast in einem wahrhaft unglaublichen „Outdoorstore“ (also einem Campingladen, Cool) der die Fläche von mehreren Sporthallen einnimmt und einmalig eingerichtet ist. Wie eine ‚Erlebniswelt’, mit viel Aufwand und Mühe hergerichtet.

Wir hören abends (es ist gerade Samstag) die Übertragung aus der Opry, denn wer hier auftreten darf, hat es geschafft und sich in den Country-Olymp gespielt.

Am Tage zuvor haben wir die Studio-City ein wenig nördlich vom Zentrum besucht. Auf drei parallelen Straßen, ca. 1-2 km lang, stehen hier die Produktions- und Aufnahmen-Studios. „Studio-Row“ nennt sich das Ganze.

Viele bekannte Namen sieht man: Sony, Warner, BMI, Carnival, RCA, EMI Music, GAC u.v.a. residieren hier sozusagen in einer eigenen, kleinen Studiostadt. Klar, dass wir uns das mal anschauen müssen! Seit der Zeit von Johnny Cash hat sich schon einiges geändert, aber hier dreht sich das Airplay weiterhin hauptsächlich um Country und Rock. Rap oder gar technoähnliche Auswüchse werden hier nicht gespielt und haben keine Chance.

Am nächsten Tage geht’s in die klassische Downtown, man kann von weit außerhalb mit dem Bus bis in die „MusicCity-Central“ fahren. Der Banken- und Business-District ist weniger interessant und das Capitol ist gerade wegen Renovierung geschlossen, aber der Blick vom Capitol-Hill ist den Weg wert.

Wir machen einen Abstecher ins Tennessee State Museum, es gibt einiges zur Geschichte des Landes zu sehen.

In der Gegend um die Second Street und am Broadway ist im Gegensatz zum Rest der inneren City richtig was los, mit kleinen und mittleren Konzerthallen, sowie Musikkneipen überall. Die verrückt-schräg ausgestatten Läden sind voll mit tausenden von Sammlerstücken, Instrumenten, Tonträgern (auch viel klassischem Vinyl!!) CDs und Klamotten der nicht langweiligen Art.

Auch diese Ecke, mitten drin in der Hauptstadt, ist sehenswert und am besten, man lässt sich treiben. Wieder mal ist hier ‚Showtime’- mit allen möglichen ‚Modellen’ von außerirdisch grell geschminkten Cheerleader-Mädels. Eine ganz spezielle Generation von Leuten ist unterwegs und heute scheint hier alles voll davon. Tobend und feiernd ziehen die Mädels durch die Stadt, einige davon dürften gerade mal geschätzte 12-14 Jahre alt sein, aber kleiden, schminken und bewegen sich eher wie Paradiesvögel jenseits der 20.

Und noch eine Spezialität hat Nashville: Es gibt hier über 600 (!!) Kirchen verschiedenster Glaubensrichtungen. Viele ganz kleine, hölzerne bis moderne, große, regelrechte Hallen aus Stahl und Beton, von klassischem Baustil bis abstrakt. In der großen Mehrzahl sind protestantische Kirchen, aber auch diverse Sekten residieren hier. Nashville hat auf Grund dessen einen tollen, neuen ‚Spitznamen’ erhalten: „Protestant Vatikan“ – nun, nicht ganz zu Unrecht, wie wir meinen. Alles in allem hat es uns hier bedeutend besser gefallen als in Memphis!

Bei den vielen Rastplätzen auf unserer Tour sehen wir natürlich jede Menge fahrende Lebensräume - in Größen und Formaten – so wie es jeder für sich mag. In manche möchte man gern mal reinschauen und in andere auch lieber nicht. Diesem sah man es schon von weitem an….

Tja und dann gibt es etwas, was wir in Europa sehr vermissen. Bestimmt ist es dem einen oder anderen schon aufgefallen in unseren Berichten. Hier gibt es jede Menge - mehr oder weniger – schön gestaltete Nummernschilder. Teils ist das Motto des jeweiligen Bundesstaat, teils auch das besondere Hobby oder auch sehr patriotisch. Jeder wie er beliebt.

Unser nächstes Ziel heißt Lynchburg, TN. Schon mal gehört, eher gelesen? Klar, bestimmt! Und zwar auf den eckigen Flaschen mit dem bekannten schwarz-weißen Etikett. Da war doch was? Na klar! Auf zur Jack Daniels Destillery in den sanften, grünen Hügeln von Südtennessee! Es ist tatsächlich wie in der Werbung, inmitten von Kuhweiden, Scheunen und schmucken Landhäusern (oder auch teils alten, verfallenen Hütten und Getreidesilos) findet man einen der berühmtesten amerikanischen Whiskeyhersteller. Alles bewegt sich hier ein wenig langsamer, es braucht seine Zeit. Es geht zu wie in den schönen Werbefilmen.

1866 wurde die Firma hier von Jasper ‚Jack’ N. Daniel gegründet. Sie war lange in Familienbesitz und aktuell gehört die Marke „Jack Daniels“ jetzt zur Brown-Forman Group. Wir machen natürlich eine geführte Tour mit und schauen uns einige, wichtige Stationen der Herstellung an. Neuerdings darf hier doch verkostet werden, was bisher aus gesetzlichen Gründen nicht möglich war. Die ganze Gegend ist komischerweise recht ‚Trocken’ und die Sondergenehmigung zum Verkauf des bernsteinfarbenen, edlen Tropfens ist für uns aktuell neu und überraschend. Im Unterschied zum Bourbon (der aus Kentucky kommt) legt Jack Daniels großen Wert darauf, dass ihr Jacky ein ‚Tennessee-Whiskey“ ist. Bei beiden ist über 51% Prozent Maisanteil in der Maische Pflicht, beim Straight Bourbon kann der Maisanteil bis zu 75% sein und beim Jack kommen Roggen, Weizen oder Gerste dazu. Der Clou ist, der Jacky wird vor der Lagerung in sorgsam ausgebrannten Eichenfässern durch Holzkohle gefiltert (‚Lincoln County Prozess’), was ihn sehr mild macht. Alles bis zur finalen Flaschenabfüllung wird stolz und gerne gezeigt. Die vielen verschiedenen Veredlungsstufen und Sorten kennt man in Europa gar nicht in dem Maße.

Nur einige Blocks weiter, (wie der Amerikaner sagt) liegt die kleine, historische Kleinstadt Lynchburg. Sehr gepflegt, schön hergerichtet und im Verkaufsdunst des großen Exportschlagers, denn alles lebt hier von Jack Daniels. Natürlich muss auch eine Filiale von Harley Davidson hier residieren.

Beim Anblick von Lynchburg erwartet man schwingende Saloon-Türen, reitende Cowboys und einen Sheriff, der langsam und lässig durch den historischen Staub schreitet, die Hand ganz nahe an der Smith&Wesson. Aber hier stehen dann doch ‚nur’ normale Pickups und Reisebusse rum. Ach, Rum, ja, Rum gibt’s auch im Likör Store um die Ecke.

Aber wir trinken gar nichts Hochprozentiges und fahren weiter in Richtung der mit blauem Nebel verhangenen Berge. Und dazu sollte man hier (im Kopf) besser nicht vernebelt sein, zumindest nicht um diese Tageszeit. Aus wahrscheinlich gutem Grund schließen die vielen Destillerien in Tennessee und auch in Kentucky bereits früh am Nachmittag, zwischen 2 und 4, damit sich die ‚guten Kunden’ nicht zu sehr festtrinken.

Wir wollen in die „Great Smoky Mountains“ und passieren auf dem Weg Chattanooga am Tennessee River. Glenn Miller hat die Stadt mit seinem „Chattanooga Choo Choo“ weltberühmt gemacht. Es ging damals, 1941, um eine Dampflokfahrt von New York nach Chattanooga. Wir dampfen mit unserer Esmeralda weiter nach Nordwesten und wollen über die Bergstraße 441 über die Smokys. Es geht an Wildwasserstrecken entlang, wo einige Wettbewerbe der 1996er Olympischen Spiele ausgetragen wurden.

Es wird immer bergiger, das Terrain steigt an und zum ersten Mal seit Beginn unserer aktuellen Tour kann man mal von ‚richtigen Bergen’ sprechen und bald führt die Landstraße wieder nach North Carolina.

 

Wir sind im Süden der „Great Smoky Mountains“ in einem langen Hochtal angekommen und fahren in die Cherokee Indian Reservation. Reklameschilder am Straßenrand und weiter oben dann der Ort Cherokee mit Besucherzentrum (wir kommen etwas zu spät, leider schon 17:00 geschlossen) und vielen Verkaufsständen mit indianischen Kunstgegenständen.

Es gibt Mokassins und viel Handarbeit, Schmuck und reichlich Andenken in allen Qualitätsstufen und Preisen. Überall heißt es ‚Welcome’ und es gibt Campingplätze, Motels, Schulen und sogar viele protestantische Kirchen, einen kleinen Vergnügungspark und große sowie kleine Casinos, darunter auch einen gigantischen „Harrods“ Casinopalast mit überdimensioniertem Parkhaus. Diese Anlage - mitten im Waldgebiet der Nordwestlichen Appalachen - könnte genauso gut in Las Vegas stehen. Indianerreservate haben in den USA immer einen Sonderstatus, was den Bau und die Nutzung von Spielcasinos angeht und manche sind mit striktem Alkoholverbot belegt.

Weiter bergan fahren wir endlich in den Great Smoky Mts. National Park ein, aber an der Straße warnen Leuchtschrift-Schilder, dass die Pass-Straße 441 über den Hauptkamm gesperrt ist. Genau dort wollten wir hin, alles andere wäre eine Riesenenttäuschung und ein großer Umweg von einigen hundert Kilometern… deswegen hatten wir diesen Weg genommen. Wir fahren bis zum (gerade noch) geöffneten Visitorcenter des Parks und bekommen leider bestätigt, alles ist zu. Ein Landslide - ein großer Bergrutsch - ist im Winter abgegangen und die Passpiste wird aktuell repariert. Keine Chance für die Durchquerung, die spektakuläre Bergstraße fällt für uns flach – und auch alle anderen, klar. Die Reparatur kann noch Wochen oder Monate dauern, so viel Zeit haben wir nicht und in 2 Tagen haben wir mal ausnahmsweise einen Termin!

Es ist bei so einer umfangreichen Tour wirklich schwer, die eigenen Ziele mit eventuell tourenden Bands zu koordinieren. Aber man möchte ja auch mal was kulturelles ‚mitnehmen’ und das ist uns Beiden bisher in Nordamerika kaum oder gar nicht gelungen. Immer kamen wir zu früh oder zu spät zu diversen Daten, Konzerten, Festivals etc. Und eine ‚große’ Band mal hier zu erleben, hat ganz sicher auch ihren Reiz. Diesmal haben wir uns endlich mal entschlossen, Karten für die Nordamerika-Tour von Fleetwood Mac zu kaufen. Das einzig ‚machbar erreichbare’ Konzert für uns ist am Donnerstag, dem 11. April in Louisville, Kentucky und wir haben noch eine ganz schöne Wegstrecke vor uns – vor allem durch die Sperrung des Passes. Wir bleiben erst mal eine Nacht nordöstlich der Smokys und umfahren zwangsläufig, weiträumig die einzig durch den Park führende Straße 441 auf dem weniger interessanten Interstate Nr.40, inmitten von dicht drängelndem Truck-Verkehr. Pech gehabt.

Es geht wieder nach Tennessee und dann nach Knoxville nach Norden, inmitten von leichten Hügeln und viel Landwirtschaft kommen wir nach Kentucky und machen nahe der Hauptstadt Frankfort Station. Der Staat Kentucky hat bis 1792 noch zu Virginia gehört (trat danach als 15. Staat der Union bei) und ist etwas kleiner als sein südlicher Nachbar Tennessee. KY hat ca. 4.3 Millionen Einwohner und in der Hauptstadt Frankfort sind es gerade mal 25.000. Die große Metropole ist Louisville, ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum und genau da wollen wir hin. Denn wenn hier in der Region was ‚großes’ los ist, dann in Louisville. Berühmt ist Louisville durch das alljährliche Kentucky Derby, das größte Pferderennen der USA, dann ist hier Ausnahmezustand.

Wir haben uns Karten für das Konzert der Rocklegende Fleetwood Mac besorgt und möchten Esmeralda sicher (und nicht in der Großstadt) abstellen. Dazu fahren wir also über den riesigen Ohio River rüber nach Clarksville, Indiana zu einem KOA Camping und lassen unser Fahrzeug für den Abend dort stehen.

Die Parkhäuser von Louisville sind für uns passee, auch die typischen Downtown-Hinterhof- oder Seitenparkplätze sind uns nicht sicher genug. Ausgerechnet an diesen Tag regnet es ordentlich und öffentliche Busse gibt es gar nicht. Wir nehmen die Stahlbrücke über den Fluss (zurück nach Kentucky), aber der Weg zieht sich über den gewaltigen Strom, der hier mindestens genau so breit ist wie der Mississippi bei Memphis - weit mehr als ein Kilometer.

Fleetwood Mac spielt in der ‚KFC-Yum’ Halle am Fluss, offizielle Heimstatt der „Louisville Cardinals“, des großen Baseballteams von Kentucky. Die Halle ist echt gigantisch und innen extrem steil gebaut. Unsere Plätze sind relativ weit oben, der Sound aber trotzdem gut und die Bühne ist natürlich schon weit weg.

Die englisch-amerikanische Band beginnt absolut pünktlich und spielt über 150 Minuten ein sehr gutes Set und vor allem fast alles Stücke ihres genialen Albums ‚Roumors’. Höhepunkt ist eine fantastische Version von „I’m So Afraid“ mit einem bestens aufgelegten Lindsay Buckingham an der Gitarre, der ein langes und sehr emotionales Solo auf die Zuschauer loslässt. Es ist zum niederknien gut! Die vier Profis um Gründer Mick Fleetwood schießen ein Feuerwerk an bekannten Songs ab, untermalt mit guter Show. Die Riesenhalle ist proppenvoll und die Stimmung bestens. Stevie Nicks verabschiedet sich kurz vor 23 Uhr mit dem ruhigen „Say Goodbay“ von Publikum, das (auch weit oben um uns herum) tobt wie zu Zeiten der letzten Beatles-Konzerte. So ein ‚Getöse’ kennen wir gar nicht von Deutschland, aber auch die Unruhe und dauernde Bewegung der Massen im Auditorium ist gewöhnungsbedürftig anders. It’s different America! Mal ein besonderes Erlebnis und wir haben endlich ein Konzert hier in Nordamerika sehen können! Im Herbst wollen Fleetwood Mac nach Deutschland und wer die Band mag (und zwar nicht die - auch sehr gute - Bluesversion mit Peter Green, Ende der 60er) sondern eher die späteren 70er Jahre-Periode der Band, der sollte sich mal um Karten für das Ereignis bemühen.

Danach geht es zurück im strömenden Regen rüber über den Ohio nach Indiana. Am KOA Camp sind wir trotz Regensachen und Schirmen nass bis auf die Haut und machen uns einen kräftigen Grog, um den Körper zu ‚entschlottern’. Gelohnt hat es sich ohne Zweifel!

Die nächsten Tage steht eine andere Art von Kultur auf unserem Programm. Kentucky ist das Land des Straight Bourbon Whiskey und Bardstown und die Gegend drum herum ist sozusagen das Produktionszentrum des bernsteinfarbenen Getränks. In den USA und Irland wird der Whiskey mit dem ‚e’ im Wort bevorzugt, aber die Schotten und Deutschen z.B. schreiben eher Whisky. Der in Kentucky hergestellte Bourbon (vom Bourbon Country in Kentucky, welches wiederum vom französischen Herrschergeschlecht der Bourbonen herführt) hat also mindestens 51% Maisanteil. Gleich wenn man von Louisville kommend, in das Bourbon Country um Bardstown einfährt, kommt man unübersehbar zur Jim Beam Factory.

Die Marke kennt jeder, eine Institution und der größte Hersteller hier überhaupt. Es gibt eine schöne Tour, auch zum selber kennen lernen (ohne Guide). Das Gelände ist fast wie ein kleiner Ort für sich und es gibt vieles anzuschauen. Die Original Landhäuser der Familie Beam sind zu sehen und vieles Spezielle über die ‚Jimy’ - Herstellung zu erfahren. Eine Verkostung der edlen Sorten gehört dazu und hier sieht man auch wieder deutlich mehr Sorten, Ausführungen, als wir bei uns in Europa kennen. Und das sowohl bei Jim Beam, als auch bei allen anderen. Eine mit Sauerkirsch veredelte Sorte hat uns hier ganz besonders gut geschmeckt, sicher: kein ‚Markenreiner’, aber als Kostprobe sehr lecker. Sachen gibt’s!

Leider hatte „Four Roses“ auf dem weiteren Wege schon 14:00 geschlossen und so konnten wir uns in Bardstown beim “Heaven Hill“ noch eine Bourbon-Whiskey-Ausstellung ansehen. Durch das Fahren kann man eh’ nur einen winzigen Schluck nippen, mehr muss es tags ‚On the Road’ auch nicht sein.

Eine sehr persönliche und intensive Führung gab es am nächsten Tage beim Familienunternehmen „Bartons“. Der Mitarbeiter zeigte uns in kleiner Gruppe den gesamten Herstellungszyklus von der Anlieferung der Getreide bis zur imposanten Lagerung der Bourbonfässer in gigantischen Hallen, hier ‚Warehouse’ genannt. Man muss sich bei der Verkostung mal etwas zurückhalten, gleich nach dem Frühstück…aber alles in allen sehr empfehlenswert.

Ca. ein halbes Dutzend Destillerien bieten hier im Umkreis Touren an. Dann haben wir uns noch länger mit einer netten Dame vom Empfang unterhalten, der unser ‚sehr ausländisches’ Nummernschild aufgefallen war. Sie interessierte sich für unsere ‚Esmeralda’ und wer das denn sei und erzählte auch ihrerseits begeistert, lokalpatriotisch von Bardstown.

In Zentrum von Bardstown gibt es dann noch ein wirklich schönes, privates und sehr umfangreiches Whiskeymuseum vom Sammler Oscar Getz gegründet. Was der Oscar da aus aller (Whisky) –Welt zusammengetragen hat, ist schon phänomenal.

Wir belassen es danach bei den geistigen Getränken der hochprozentigen Art und wenden uns der Geologie und Höhlenforschung zu. Wenn das denn mal kein spektakulärer Themenwechsel ist…

Einer der interessantesten und sehenswertesten Nationalparks im weiten Umkreis liegt ca. 60 Meilen südlich des Bourbon-Country, das Mammoth-Cave Höhlensystem. Lange hatten wir mal vor diesen Ort zu besuchen, denn es handelt sich hier um das aktuell größte, erforschte Höhlensystem der Welt.

Tief in den porösen Schichten des typischen Limestones haben Wasseradern ein riesiges Labyrinth von Höhlen geschaffen, das seinesgleichen wirklich in der Welt sucht, und wir haben schon einige, auch große Höhlen sehen können. Auf verschiedenen Leveln hat das Wasser weite Wege gegraben, um dann durch das langsame absinken des Wasserspiegels diese Höhlen wieder freizugeben. Seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts werden die Höhlensysteme kontinuierlich weiter erforscht und zurzeit sind unglaubliche 627 Meilen kartographiert. Jedes Wochenende, so wird uns gesagt, wird hier weiter geforscht. Wir machen 2 verschiedene, geführte Tagestouren in die beeindruckende, unterirdische Welt.

Wir kriechen durch enge Durchgänge und staunen über die riesigen Ausmaße mancher Hallen und Gänge. Es gibt einen Raum von 190 Fuß (ca. 60 Meter) Höhe, in den man durchaus einen ordentlichen Kirchturm platzieren könnte. Bereits den Ureinwohnern waren die Höhlen bekannt und aus der Bürgerkriegszeit erinnern zahlreiche Inschriften mit Jahreszahlen, die uns auf der „Historic Tour“ gezeigt werden. In einem umfangreichen und mit viel Mühe eingerichteten Visitorcenter wird alles organisiert und Filme über die geologische Entstehung gezeigt und auch vieles über das Limestone-Vorkommen in ganz Nordamerika berichtet.

Wir sind begeistert, nur leider verstehen wir den Kentucky-Slang des nur ‚entfernt englisch’ sprechenden Park-Rangers kaum - selten haben wir so ein röhrendes Kauderwelsch gehört und das obwohl er wusste, dass wir keine Landsleute sind. Selbst den Gästen aus den anderen US-Bundesstaaten schien es ähnlich zu gehen, irgendwann schaltet man auf akustischen Durchgang und genießt die beeindruckenden Bilder unter Tage. Die kommentierten Filmbeiträge im Besucherzentrum verstehen wir ja auch recht gut, also kann es daran nicht liegen! Wir meinen, das es eigentlich bei so einer ‚Öffentlichkeitsarbeit“ des Staatsangestellten, mit vielen Besuchern - auch aus dem Ausland - nicht sonderlich fair und informativ ist, so ein „Rumunkish Rückwärts“ zu sprechen und einen Großteil der Worte einfach in einem Brabbeln und Brummen ‚runterzuschlucken’! Also Nee! Ansonsten war’s toll und unvergesslich, was sich da unter den Hügeln von Kentucky in vielen Millionen Jahren gebildet hat.

Leider liegt dieses Höhlensystem im zentralen Kentucky ein wenig abseits der großen touristischen Routen und der meisten anderen Nationalparks. Man muss schon eine spezielle Reise in die Region einplanen, aber mit Memphis, Nashville und dem Whiskey-Country gibt es schon einiges zu sehen und man kann eine schöne Rundtour daraus machen. Wir wenden uns demnächst mehr dem Nordosten zu und fahren in Richtung West Virginia.

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