Durch den ‚tiefen Süden’ der USA.
Start nach Alabama.

(unsere Reiseroute)

Kommt man von Pensacola - Florida - und fährt die Highway 98 nach Westen, verlässt der Reisende den (nach Hawaii) südlichsten Bundesstaat der USA und überquert auf einer der langen Brücken die Perdido Bay und Fffumpp - ist man schon in Alabama! Sweet Home. Zwinkernd

Man landet im sprichwörtlichen tiefen Süden und zuerst geht es durch kleine Dörfchen, einsame Kreuzungen mit oftmals museal anmutenden alten Tankstellen, kleinen ‚Diners’ und meist hölzernen Kirchen der vielen, verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Man ist hier sehr religiös. Im Radio tönt John Mellencamp mit „Ain’t that America“ - wie passend doch manchmal die Texte sind. Die erste Songzeile beginnt auch: ‚There's a black man with a black cat, livin' in a black neighborhood…’.

Nach einige Meilen durch das Hinterland steuern wir auf der Interstate Nr.10 die einzige, größere Stadt Alabamas im Süden an, Mobile. Der Name Alabamas geht (leicht verändert) auf einen Indianerstamm zurück, den es natürlich längst nicht mehr gibt. Der Staat hat ca. 4,7 Mill. Einwohner und ist sehr landwirtschaftlich geprägt. Die Fläche Alabamas macht ungefähr 35% der deutschen Fläche aus. Und wer sich bald wundert, das wir momentan eher wenig aus Alabama zu berichten haben, nun das liegt an unserer jetzigen Route von Florida an der Küste nach Westen. Alabama grenzt mit einem relativ kleinen ‚Zipfel’ an den Golf von Mexico und durch diesen schmalen Streifen führt die Interstate 10 quer durch den Süden der USA, bis rüber an den Pazifik. Meilenweit geht die Fahrt hier auf Beton-Stelzen durch die Marsch- und Sumpflandschaft. Eine Riesenbucht zieht sich hier ins Land und die muss natürlich überquert werden.

Die Silhouette von Mobile kommt immer näher und wir sehen Hafenanlagen, Lagerhäuser, Docks, verrosteter Stahl, Kräne, viel grau in grau und reichlich Industrie. Man merkt, dass die Hafenstadt eine vorwiegende Zweckbedeutung hat, denn selten auf unserer bisherigen Tour haben wir eine optisch (Sorry) hässlichere und weniger einladende Stadt gesehen. Wir machen trotzdem einen Fotostopp in dem alten Zentrum von Mobile. Die Motels, Kneipen und Geschäfte haben vielleicht auch schon bessere Zeiten erlebt, aber das scheint schon länger her zu sein. Dies ist auch immer ein momentaner Eindruck, der manchmal durch Stimmung, Wetter und anderes beeinträchtigt wird. Heute empfängt uns hier zwar strahlender Sonnenschein, das hilft aber leider nichts und so fahren wir nach dem kurzen Stopp schnell weiter in Richtung Westen, es gibt schönere Plätze.

Einmal im Jahr, tanzt hier der Bär (oder eher das Krokodil), denn - was manche vielleicht nicht wissen - hier in Mobile ist der Ursprung der Mardi Gras-Umzüge (des französischen Faschingsdienstages) und hier wurde das Ereignis eher gefeiert als in der Metropole New Orleans. Ansonsten, so sagen Reiseführer und auch andere Infos, versinkt die größte Hafenstadt Alabamas danach eher wieder in einen Dornrösschenschlaf. Wenn sie nur stellenweise nicht so laut schnarchen würde Lächelnd

Wir bleiben nur eine Nacht in Alabama, denn durch den schmalen Streifen, den der Bundesstaat von Golf ‚abbekommen’ hat, ist man auf der Interstate Nr. 10 schnell über die nächste Bundesgrenze gefahren und bereits in Mississippi. Juhu!

Wir verlassen den regen Truckverkehr auf der ‚10’ und fahren nach Süden, wieder zurück zur Golfküste. Der Staat Mississippi ist etwas kleiner als sein östlicher Nachbar und hat gerade mal 2,9 Millionen Einwohner.

 

Die Hauptstadt Jackson liegt für unsere aktuelle Tour zu weit im Norden, aber Biloxi liegt direkt am Golf v. Mexico und zieht eh’ viel mehr Leute an als die Kapitale.

Was wir vorher noch nicht im Plan hatten, ist, dass das Glücksspiel hier in der Gegend gewaltig boomt und Biloxi in den letzten Jahren - aus einem ruhigen Provinz- und Fischernest - zu einem (gar nicht so) kleinen, glitzernden ‚Las Vegas’ an der Golfküste herangewachsen ist. Schon im „Welcome-Center“ vom Mississippi haben wir bei einem Begrüßungskaffee durch Fotos und Werbung erfahren, dass es in Biloxi viele, richtig große Casino-Hotels gibt. Ein Hard-Rock Cafe/Hotel mit Casino, Konzertsaal und Poollandschaft ist auch dabei. An letzterem wird noch gebaut, aber irgendwas ist ja immer. Na, da schau mer’ doch mal rein!

Schade ist, dass die interessanten Konzerte von Foreigner und Queensryche doch etwas zu spät für uns sind, um so lange in Biloxi zu bleiben. Hier geben sich die Rockstars weltweit die Klinke, oder besser Klampfe, in die Hand. Das Hardrockhotel ist edel eingerichtet und hat sehr viele ‚Artefakte’ aus dem Rock’n Roll Business zu bieten. Überhaupt ist die Anlage sehenswert für Musikfans und es gibt ein Museum oder eine ‚Hall of Fame’, zu sehen. Original-Bühnen-Klamotten, Instrumente, Dokumente oder seltene Fotos sind sogar im Casino-Bereich ausgestellt.

Man kann ja auch mal ein wenig Kleingeld für das Automatenpoker wagen, so zum Spaß und für einen Drink geht das immer. Eine schöne Abwechslung für uns. Man sollte den Verlust von ein paar ‚Quartern’ nur nicht zu ernst nehmen und diese unbedingt zurückgewinnen wollen/müssen (!?!) das wird gefährlich. Wenn man die freien Getränke mal mit einrechnet, haben wir nichts weiter verloren, im Gegenteil.

Wenn man weiter die Küstenstraße Richtung Westen entlang tuckert, so wie wir jetzt auch, dann kommt noch eine große Bucht (die St. Louis Bay), die wieder mit ausladenden Brücken und kilometerweiten Dämmen eine Verbindung an der Golfküste herstellt. Überall sieht man wieder die typischen Hafenanlagen.

Wir bleiben in Waveland, Mississippi um am nächsten Tag über die Interstate Nr.10 direkt zum ‚Welcome-Center’ von Louisiana zu gelangen.

Die Welcome-Center sind tolle Einrichtungen, denn es gibt Prospekte, vor allem Straßenkarten, Toiletten, freie Getränke und Trinkwasser. Ca. Viereinhalb Millionen Einwohner leben im Staat und die Größe Louisianas liegt mit 134.000 qkm bei ca. 40% der deutschen Fläche. Nur die (64) Bezirke heißen (nur) hier Parishes (Gemeinde).

Im Visitorcenter gibt es die freundliche Beratung einer älteren Dame, wo es RV-Parks/Camping- oder Stellplätze in New Orleans gibt. Bei solchen, im Großraum gewaltigen, riesigen Städten, ist es immer ein Problem, ein Wohnmobil einigermaßen sicher abzustellen/unterzubringen.

Und New Orleans ist nun wirklich nicht überall so schön wie in den Prospekten, oder gar sicher, wie wir beim späteren Fahren (selbst und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln) eindrucksvoll merken. Aber das haben wir bei einem solchen kulturellen und ethnischen „Schmelztiegel“, wie der berühmten Metropole am ‚Old Man River’ auch nicht anders erwartet. Die Mischung der Bevölkerung in New Orleans ist schon außergewöhnlich, es leben 27% Weiße, 67% Afroamerikaner, 3% Asiaten und 3 % Hispano-Amerikaner hier. Da hat sich einiges seit der Gründung der Stadt von den Franzosen im Jahre 1718 geändert! Der Name entstand zu Ehren von Philipp II, Herzog von Orleans. 1722 wurde man hier Hauptstadt von Louisiana, aber mittlerweile ist der Regierungssitz nach Baton Rouge verlegt worden.

Wir finden einen eher kleinen Caravan-Park weit außerhalb der Downtown und bekommen bei ‚Jude’ gerade noch einen Platz, es ist fast immer ausgebucht. Die „Campings“ im Zentrum sind rar und deshalb exorbitant teuer (teils über 70-80 Dollar/Nacht, sagt die Website!). Ein weiterer Nachteil der Citycamps ist der Dreck und die Lautstärke drum herum. Es gibt in New Orleans ein Bussystem, das gekoppelt mit der Tram (in der Innerstadt) als Tageskarte 3 Dollar kostet. All inklusive! Die Bushaltestelle ist direkt vor ‚Jude’s’ Camp, also rein in die City, denn wir können es kaum erwarten und haben uns lange auf den Besuch von New Orleans gefreut.

Große Teile des Tages erfüllen die Erwartung locker und auch zu Fuß ziehen wir einige Kilometer durch diese echt beeindruckende Stadt. Zwischendurch nutzen wir aber auch immer wieder unsere Tageskarte. Die Canal Street bildet die verbindende Hauptstraße und alle Trams treffen sich hier.

Am Mississippi-Ufer gibt es ein IMAX-Kino und ein Großaquarium - das Schmuckstück von New Orleans. Das ‚French Quarter‘ liegt auch ‚um die Ecke’ und wir beginnen mit dem Jackson Square und der St. Louis Kathedrale. Hier ist immer viel los und viele Straßenkünstler verdienen hier ihr (meist zu weich-wabbeliges) Brot Stirnrunzelnd.

Wirklich ‚ausgefallene’ Break-Dancer, Meister ihres Faches, machen kaum vorstellbare Übungen am J. Square und bekommen massig Applaus, die Massen johlen und klatschen.

Das ‚French Quarter‘ mit seinem alten Häusern, Verzierungen und Gusseisernen Balkonen ist eine Reise in die Vergangenheit. Wir kreuzen die teils engen Straßen rauf und runter und die Bourbon Street gleich 2mal. Es gibt eine so große Kneipendichte und fast überall Livemusik.

Umzüge mit Festwagen ziehen durch die engen Gassen und es wird schon im Voraus der St. Patricks Day der Iren gefeiert, alles betrinkt sich in vollen Zügen (das geht in Amerika – öffentlich und draußen - fast nur hier in New Orleans!). Meist grün ver-/gekleidete, singende Leute in Feuerwehruniformen verteilen Beads, die bunten Plastikketten, natürlich vorwiegend in Grün, wie auch alle anderen Utensilien, die durch die singenden und feiernden Massen fliegen. Klar, fangen wir auch welche, und können sie zum kulturellen Umgestalten unserer Esmeralda verwenden(Grins). Für jedes Umzugsthema sind verschiedene Krewes (die hiesigen Karnevalsclubs) zuständig, die ihre jeweiligen Floats (Festwagen) ausstatten. Und zu Mardi Gras, Anfang Februar, ist hier ganz sicher noch viel mehr los. Es gibt dann in der ganzen Stadt keine Zimmer mehr und die Preise explodieren – na, wie München zur Wiesenzeit. Und obwohl die ersten geschichtlichen Umzüge in Mobile, Alabama dokumentiert sind, schlägt hier ganz klar das Herz des Karnevals und auch das der gesamten, klassischen Südstaaten. Wir schauen in einige Kneipen rein und nehmen einiges vom Feeling auf.

Wir fahren mit der grünen Tram in den Gartendistrikt und auch hier hängen überall tausende von den bunten Beads in den Bäumen. Der Gartendistrikt ist nicht so eng bemessen wie das tobende ‚Quarter‘. Hier haben sich die nachziehenden Amerikaner in ihren Stadthäusern niedergelassen und mit den kreolischen Einwanderern verbrüdert, die ihrerseits ständig Probleme mit den Afroamerikanern hatten. Entstanden ist ein relaxter, grüner Stadtteil mit Universitätsgebäuden, Kirchen und den typischen Holzhäusern der Region.

Manchmal nervt die Tram schon, denn die hält aller 50-100 Meter und steht dann so lange an Ampeln und Pulks von Fahrgästen, dass man zu Fuß besser vorwärtskommt. Abends sind wir voll mit Eindrücken, Bildern, Sounds, geschlaucht von vielen Asphaltkilometern und düsen nach einigen Tram-Verbindungen wieder mit dem Bus raus zu unseren RV-Park.

Sicher ist New Orleans (neben z.B. San Francisco, San Diego, San Antonio, New York, Seattle, Chicago) eine der sehenswertesten Städte in der USA und auch eine spezielle Reise wert. Die schweren Zerstörungen von Hurrikan Kathrina (August 2005) sind kaum noch zu sehen, man hat gewaltig viel aufgeräumt und wieder aufgebaut.

Eine eher ruhige Sehenswürdigkeit sind die schönen Mississippischleifen im Südwesten von NO, sowie die alten Plantagen mit ihren Herrenhäusern aus den Zeiten der Sklavenhalter und der Baumwollfelder. Wir machen Station bei ‚Laura’ und ‚Oak Alley’. Diese Orte sind gut besucht und man findet wieder mal schöne Autokennzeichen aus weiter entfernten Bundesstaaten oder auch Kanada. Nun, jetzt ist eben auch mal ein deutsches dabei, aus dem Landkreis Görlitz!

Der mächtige Fluss wird beidseitig von starken Dämmen eingerahmt und der Scenic-Highway am Fluss führt bis fast rauf nach Baton Rouge, der neuen Hauptstadt von Louisiana. Die Stadt bietet nach New Orleans nur Ernüchterung, sauschlechte Rumpelstraßen mit Absätzen und Löchern, alte (für amerikanische Verhältnisse) protzig-schmucklose Gebäude und viel Industrie am Mississippi. Die schmucklosen Quader der Versicherungspaläste und Mineralölfirmen machen’s auch nicht schöner.

Ein Casino, das schon bessere Zeiten gesehen hat, wirbt noch für zahlende Gäste, überall ticken gierige Parkuhren (auch am Sonntag zu bezahlen, für uns Europäer ungewohnt!) und keine sehenswerten ‚Angelegenheiten’ in der großen Stadt. Da gibt es wieder echt schönere Orte!

Wir fahren über die große Stahlbrücke über den ‚Old Man River’ weiter nach Westen und bekommen ein ‚Schlagtrauma’ wegen der grottenschlechten Piste, die hier als Nr. 10 nach Westen geht. Überall sind hier (mehrfach gesprungene) Betonplatten verlegt, die von verschiedenen Niveau her (ja, gleich im doppelten Sinne) die Fahrzeuge laut ‚springen’ lassen. Eine Zumutung für unsere Pickup-Kabinen-Aufhängung und seit der Einfahrt in den Staat Louisiana leider immer wieder zu spüren. Jeder Schlag tut in der Seele weh und wir wollen ja noch einige Meilen zurücklegen. Fast schlagartig beim Überfahren der Grenze (und das wieder im sprichwörtlichen Sinne!) wurden die Interstate-Pisten hier schlechter und wir sind ernsthaft geneigt, diese zerstörerische ‚Ackerpiste’ mit der berüchtigten Autobahn Dresden-Bautzen Anno 1985 zu vergleichen, dieselbe Platten-Rumpel-Geschichte. Am schlimmsten sind die ‚Straßen’ in den etwas größeren Städten und so beschließen wir ab Lafayette die Landstraße nach Süden zu nehmen. Doch bevor wir „Abbiegen“ kommen wir durch das „Atchafalaya“ Feuchtgebiet im zentralen Louisiana.

Die Interstate 10 durchschneidet hier, auf geschätzten 40-50 Kilometer Stelzenautobahn, eine gigantische Sumpflandschaft bestehend aus Wasserläufen, Seen und Mooren in einer Ausdehnung von vielen hundert Qaudratkilometern.

Wir kommen in das Land der Cajuns. Die flache, oft sehr sumpfige, Landschaft im Südwesten Louisianas nennt sich Bayou Country. Ranches und Herrenhäuser mit viel Balkons und Terrassen säumen die relativ einsamen Straßen. 1803 machte Thomas Jefferson mit Napoleon Bonaparte das Geschäft des Jahrhunderts und kaufte New Orleans und alle französischen Gebiete westlich bis weit, weit nördlich davon für 15.000.000 Dollar an die Vereinigten Staaten.

Das letzte Stück in Richtung Texas unterbricht eine größere Bucht die Strecke. Diesmal hat man keine Brücke gebaut und eine Fähre verbindet die Küstenstraße, der Transport ist kostenlos.

Als ob man im Westen schon die Grenze zum zweitgrößten Bundesstaat der USA (nach Alaska) ahnt, nimmt weit draußen die Zahl der Ölbohrplattformen stark zu und dazwischen sieht man viele Fischfangkutter. Auf Heidi’s Frage, was diese denn hier noch fangen werden, meinte ich: „Wahrscheinlich Ölsardinen“.

Nach einer weiteren langen Brücke sind wir in Texas! Das gewaltige Land nördlich von Mexiko nimmt locker die doppelte Fläche Deutschlands ein und hat über 25 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt des ‚Lone-Star-States’ (wegen der Staatsflagge) ist Austin, Universitätsstadt und Kulturhauptstadt des Landes. Das Bild, hier im äußersten Osten von Texas, prägen so viele große und kleine Raffinerien, das sie den ‚Blick’ bis zum Horizont einnehmen. Vor dem Ort Port Arthur, wo wir einen Stopp geplant hatten, ist rundum alles voll von Industrieanlagen und die Pumpen arbeiten. Der Landstrich bekommt hier sicher keinen Schönheitspreis mehr, aber der Ölrausch scheint zehntausende Arbeitsplätze zu schaffen.

Auch auf texanischem Gebiet kann man auf die vielen, sehr langgestreckten Inseln fahren, die dadurch bis runter an die mexikanische Grenze wieder eine eigene „Intracoastal Waterway“ bilden. Wie schon von uns am Beispiel der US-Ostküste beschrieben, gibt es hier in Texas, wo keine Inseln vor der ‚Hauptküste’ liegen, Kanäle und Naturverbindungswege für die Schiffe und Boote, eine faszinierende Wasserlandschaft. Wir fahren diese Dünenlandschaften gerne weiter nach Süden.

An einer Stelle gibt es dann keine Brücke mehr und eine weitere (Gratis!) Fährverbindung überbrückt den Kanal in die bekannte, texanische Küstenstadt Galveston. Gleich mehrere Fähren verrichten hier gleichzeitig Dienst, wir sehen bis zu 4 Schiffe, die hier pendeln und die großen und kleinen Fahrzeuge mit Passagieren schnell ‚rüberbringen’.

Galveston, Geburtsort der Soul-Legende Barry White hat eine sehr lange, gepflegte Strandpromenade und mit der ‚Pleasure Pier’ eine neue Sehenswürdigkeit, die 2012 ganz modern aufgebaut und wiedereröffnet wurde.

Im Jahre 2008 hatte der Hurrikan ‚Ike’ große Teile der Stadt geflutet und viele Gebäude zerstört. Doch davon kann man hier nichts mehr erkennen, der Urlaubsort strahlt im neuen Glanz. Zehntausende scheinen das frische, sonnige Frühlingswetter zu nutzen und man hat den Eindruck, alles ist am Strand unterwegs. Es sind halt „Spring-Holidays“ – Frühlingsferien.

Wir wollten uns erst nach Süden bis Corpus Christi wenden, aber entscheiden uns dann anders. So einen weiten Bogen zu fahren, dass hatten wir dann doch nicht vor und halten uns eher zentral.

Eine Stadt in Texas ist schon ein wenig anders als die vielen, sich etwas ähnelnden Millionenstädte. Zwar selbst auch eine Großstadt, aber durch eine tolle Idee der Planer zu einer wirklichen Sehenswürdigkeit geworden. Unser nächstes Ziel heißt San Antonio! Berühmt geworden ist S.A. durch die 1718 gegründete Missionsstation ‚San Antonio de Valero’, die heute hierzulande überall einfach als „The Alamo“ bekannt ist. 1835 wurde die Mission von texanischen Truppen gegen die mexikanische Armee erobert und danach die Republik Texas ausgerufen. Die berühmte Mission ist nicht sehr groß und hunderte Leute stehen Stunden an, um die Innenräume zu besichtigen, aber der Garten ist auch sehenswert.

Was uns an San Antonio am besten gefallen hat, ist der Riverwalk. Er macht die Südtexanische Stadt zu einem kleinen, amerikanischen Venedig. Das wunderbar umgesetzte Projekt ist jetzt ca. 85 Jahre alt und wird immer weiter verbessert und ausgebaut. Man hat den San Antonio River zu einer Flusspromenade mit subtropischer Vegetation umgebaut.

Es gibt Zugang zu Läden, Restaurants und Hotels, sowie Miet-Taxi-Boote und eine in der großen Stadt echt entspannte Atmosphäre. Ganz anders wie in vielen anderen amerikanischen Großstadtzentren kann man sich hier gut zu Fuß bewegen. Die Länge des Riverwalks ist mittlerweile über 5 Kilometer.

Es gibt tatsächlich öffentliche Busse von der Peripherie ins Zentrum - die Nahverkehrsmittel in Houston und Dallas sollen da nicht so ‚berühmt’ sein, sagt die Fachliteratur.

Wir nutzen das schöne Wetter für den Tower und den Riverwalk und ziehen unten am Fluss und oben durch die Downtown einige Kilometer durch diese angenehme City. Wir sehen uns den „Buckhorn Saloon“ und die speziellen ‚Originale’ dort an, alles in allem ein echter Tipp für Reisende in diese Region.

Im nahen „Hemisfair-Park“ steht seit 1968 der 228 Meter hohe „Tower of the Americas“, von dem man einen Spitzenüberblick über San Antonio und das flache Umland hat. Die Aufzüge gleiten in ca. 40 Sekunden zu der in 184 Meter Höhe liegenden Aussichtsplattform und bis 1996 war der Turm der Höchste seiner Art in den USA.

Wir hatten im Vorfeld mal gehört, dass es im Norden von Austin eine ‚relativ’ deutsche Gemeinde gibt, mit deutschen Einwanderern (manchmal in der 3. Generation), viel deutschem Brauchtum usw. Schon in San Antonio und im Großraum Austin war nicht zu übersehen, dass eine sehr große Zahl von (großen) Straßen deutsche Namen tragen, es waren oft am Interstate nach Norden so viele, dass die sich regional, gefühlt mit den englischen Namen ‚die Waage’ hielten, erstaunlich. Also auf nach New Braunfels! Das ruhige, ein wenig verschlafene Örtchen ist nur ½ Autostunde von Austin entfernt. Wenn man ins Zentrum steuert, erblickt der neugierige Reisende an den Fassaden einige europäische Landschaftsmalereien.

Eine Kneipe heißt „Friesenhaus“ und bietet norddeutsche Wurstspezialitäten an und … bayerisches Bier - dieses allerdings nur bedingt, „Coming Soon“ und „Sold Out“ ist auch mit dabei. Die spontan angesprochene Dame am Tresen kann leider ‚No German’ und ist über die Frage irritiert.

Der kleine Markt um die Ecke bietet viele kleine Häppchen, Gürkchen, etwas Sauerteigbrot, Basteleien, aber sonst wenig deutsches oder wenigstens ‚deutsch-ähnliches’ an. Wir haben zu hohe Erwartungen! Im November findet hier immer das beliebte „Wurstfest“ statt, mit deutschen Bier im zünftigen Bierzelt und bestimmt „Gemütlichkeit“. Wir können leider nicht so lange warten, dafür schauen wir uns aber den Ort an und reden am historischen Bahnhof & Museum mit einem mitteilsamen, älteren Herren und begeisterten Modelleisenbahnbauer, dessen Opa aus Germany kam. Er selbst war noch nicht dort, erzählt er, aber in England.

Die Filme „Small Soldiers“ und „Schultze Gets the Blues“ wurden teilweise hier gedreht. Die über 57.000 Einwohner sieht man dem Ort nicht unbedingt an, aber es zieht sich sicherlich einige Meilen ins Umland. Nun, abgesehen vom Zentrum und dem schönen Country Courthouse (Gemeindeamt) sieht New Braunfels aus wie viele andere, amerikanische Ortschaften in dieser Gegend, es war aber schon interessant auf einen Abstecher her zu kommen.

Gar nicht weit nördlich von San Antonio liegt die texanische Hauptstadt Austin. Wir merken bei der Fahrt durch das Zentrum schon den Riesenunterschied zu S.A.- überall sind die Fassaden vollgeschmiert und es macht einen extrem heruntergekommenen Eindruck. Überall Bettler, Obdachlose, stehengebliebene Einkaufswägen, Graffiti und es liegt doch viel Müll rum. Der Eindruck aus einer Reise in den 90er war damals vollkommen anders. Thomas hatte die texanische Hauptstadt sehr sauber in Erinnerung, mit vielen Musik- bzw. Plattenläden, Szenekneipen, viel Lifemusik und einer grundsätzlich anderen Ausstrahlung. Nun, dass sich solche Sachen oft ändern, zeigen unsere Erfahrungen immer wieder, oft in noch kürzerer Zeit, als in den vergangenen 17 Jahren.

Oben am Capitol Hill ist es deutlich sauberer, wir ergattern einen der wenigen, nicht ‚für Offizielle’ reservierten Parkplätze und schauen uns das wirklich schöne Capitol an.

Baulich ein Meisterwerk und die Kuppel gigantisch. Hier in Staate Texas ist bekanntlich alles eine (oder zwei?) Nummern größer und man klotzt gleich mal das höchste Capitol der Vereinigten Staaten hier hin. Es ist einige Meter (und noch mehr ‚Füße’) höher als das in Washington DC, was zwar nicht direkt erlaubt ist, doch trotzdem ist es so gebaut worden. So ist es mit vielem in Texas, alles ein ‚wenig’ größer, gigantischer – nun ja, Platz und (Öl-) Gelder sind ja vorhanden.

Wir konnten heute hier auch eine größere Menge an vierbeinigen Mitarbeitern beobachten und einen sogar bei der Arbeit dokumentieren. Als Staatsangestellte sorgen sie immer für einen sauberen Rasen am Capitol, vernichten mit knabbernder Begeisterung Wall- Hasel- und Kopfnüsse Überrascht.

Sonst zieht uns Austin nicht besonders an und unsere Tour geht weiter in den texanischen Nordosten.

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