Von Jacksonville nach Key West, durch die Everglades und die Golfküste rauf bis in den ‚Panhandle’- den Pfannenstiel an der Nordwestküste des Bundesstaates.

(unsere Reiseroute)

Jacksonville ist die mit Abstand größte Stadt in Florida. Die Ausläufer von Jacks Beach ziehen sich Meilenweit nach Norden und Süden, aber zum besichtigen gibt es hier nicht sehr viel, weder Historisches noch Technisches oder Nationalparks. Aber: Fast alle der großen, bekannten Southern Rockbands und Legenden kommen von hier, also The Allman Brothers Band, Blackfoot, Lynyrd Skynyrd, 38 Special, Molly Hatchet, die Rossington-Collins-Band und auch Soul Legende Ray Charles. So ist auch in der Radiolandschaft der Großstadt einiges an guter Musik geboten und es gibt so viele gute Classic-Rock Sender, dass man ‚On the Road’ kaum Musikkonserven braucht. Das sieht auf dem ‚Lande’ natürlich schon ganz anders aus. Nach dem Besuch bei Kumpel Andy und Familie wird es Zeit zum Starten für uns.

Auf geht’s nach Süden. Jetzt sind wir wieder auf uns selbst gestellt und unser erstes Ziel ist Daytona Beach. Von ‚Jacks’ aus ist es gar nicht so weit zu fahren, es säumen endlose Strände, Dünenlandschaften, State-Parks, Luxusvillen und üppig ausgebaute, kleine Schlösschen bis Holzhütten im totalen Zerfallszustand die Strecke. Angler und Surfer bevölkern den breiten Sandstrand. Das sehr langgezogene Daytona besteht zum Großteil aus Hotels, Motels und diversen Betonburgen und den üblichen Business aus Family-Restaurants, Fast-Food und den breiten Strand zum PS-zeigen. Für einige Dollars kann man sein Fahrzeug ‚einsalzen’ und direkt am Meer langbrettern.

Man sieht (und hört!!) schon einige Harleys, aber das berüchtigte Treffen, die „Bike-Week“, beginnt erst in 3 Wochen und so ist es auf der Main Street momentan eher besinnlich ruhig - noch. Wir ersparen unserer Esmeralda die Salz-Kur und beobachten amüsiert das bunte Treiben zu Fuß.

Im Jahre 1998 konnten wir uns hier eine volle Dröhnung Motorrad-Treffen geben und haben das Extrem-Schauspiel voll genossen. Hunderttausende Biker kommen bis aus Alaska oder Mexiko (und aus allen anderen Bundesstaaten sowieso) und veranstalten eine der größten Partys der Ostküste. Es geht rund ohne Ende und viele gute Bands spielen an und um die Main Street.

Einige Meilen südlich von Daytona Beach liegt der amerikanische Weltraumbahnhof ‚Cape Canaveral’ auf einer Gruppe von vorgelagerten Inseln, die alle durch lange Brückenkonstruktionen und Dämme mit dem Land verbunden sind. Das alles zusammen bildet den „Atlantic Intracoastal Waterway“, eine 4.800 km lange Küstenwasserstraße und reicht die gewaltige Entfernung von den subtropischen Florida Keys bis Boston, Massachusetts. Es gibt also im Prinzip hier bis zu 3 Strände auf gleicher Höhe an der amerikanischen Ostküste - der Waterway wird natürlich kommerziell und privat genutzt.

Cape Canaveral wird trotz dem momentanen Ende der NASA-Flüge derzeit weiter privat für Starts in den Weltraum genutzt. Es gibt Museen, Ausstellungsgelände, Startrampen, Raketen und natürlich ein Shuttle zu bewundern, was wir in den 90er Jahren schon ausgiebig getan hatten. Trotzdem ist es hier immer wieder beeindruckend. Eine unglaublich interessante Angelegenheit, vor allem die gigantische Größe der Saturn-5 Trägerraketen und die Transportraupenfahrzeuge oder das riesige Assembly-Gebäude der NASA.

Wir fahren den schmalen Strandstreifen kilometerweit nach Süden. Bei Fort Pierce wird die Bebauung immer dichter und die Ortschaften wachsen zu einem endlosen, überregionalen Metrogeflecht zusammen. Wenn man vermeiden will, dass man alle paar Minuten an einer Ampel steht, muss man den Interstate benutzen oder den kostenpflichtigen ‚Florida-Turnpike’. Das nahezu endlose Stadtnetz zieht sich runter bis hinter Miami nach Süden und man ist gut beraten, sich bestimmte Ziele rauszusuchen und diese gezielt anzusteuern.

Wir düsen erst mal auf der Interstate Nr. 95 bis Ft. Lauderdale. Nördlich davon gibt es hier in Florida auch ein ‚Hollywood’ und da geht es wieder an den Strand und an die Küstenstraße.

Na klar, es ist Sonntagnachmittag und alles fährt raus zum Beach. Alle Klischees werden hier bedient - sehen und gesehen werden ist angesagt! Surfer trifft Skater und Golden Retriever mit Oma beim Einkaufen. Das spiegelblank gewienerte Cabrio steht genauso im Stau wie unsere olle Reiseschildkröte.

Wir werden jeden Tag wegen unseres deutschen Nummernschildes angesprochen, aber auch wegen der Aufschriften am Fahrzeug. Fragen nach dem Woher und Wohin, wie geht das denn (mit dem verschiffen), usw. Wir genießen Ft. Lauderdale Beach am Sonntagnachmittag im Schritttempo und die Temperaturen steigen auf fast 30 Grad Celsius.

Ein erstes Bad am nördlichen Miami Beach ist Pflicht. Alles Super, reichlich Wellengang und ein Park zum Auto abstellen ohne die allgegenwärtigen Parkautomaten. Sogar eine Dusche im Strandpark ist da, so dass man kann sich das Salzwasser runterspülen kann. Wir müssen als „Winterweißbrote“ erst mal vorsichtig mit der Sonne sein, um nicht rot wie die Krebse zu werden.

Am nächsten Tage geht es auf zum Miami Beach und dem schönen Art-Deco Bezirk, um erst mal einige Fotos zu schießen. Es ist gar nicht so einfach, da irgendwo überhaupt einen Parkplatz zu finden, denn hier tobt das volle Leben in den Beach Bars und Strandhotels.

Wir können trotz viel Betriebes einige Aufnahmen machen. Es begegnen uns so viele ‚abgedrehte’ Gestalten, Charaktere und Selbstdarsteller hier, dass man meinen könnte, hier würde gerade ein Science-Fiction-Movie gedreht und die Statisten sind zur Lunchpause losgelassen worden.

Dicke „Mamas“ mit unglaublichem Leibesumfang wälzen sich diese große Bühne genauso entlang wie der sportlich gestylte Typ mit mehreren Schichten gebräunter Haut und seinem Mopps inklusive Sonnenbrille (beide!). Miami Vice trifft CSI Miami, umso bunter, umso besser.

Aber auch schön, das einmal mitzuerleben, bzw. mal reinzuschnuppern. Mehr wollen wir ja gar nicht und so steuern wir mit unseren L200 rüber nach Downtown Miami und fahren den Dixie Highway Nr. 1, erst mal in Richtung der großen Inselkette, den Florida Keys.

Wer das hier noch nicht gesehen hat, wird sicher staunen. Die Keys sind eine Kette von über 200 Koralleninseln, die mit 42 Brücken verbunden sind und den wirklich spektakulären ‚Overseas Highway’ bilden. Ein langer Damm verbindet das Festland mit den Keys und die erste größere Insel ist Key Largo.

Wir besuchen das Visitor Center und eine kleine Meeresbiologische Ausstellung und nutzen das freie WiFi für das Abrufen von E-Mails und zum Skype-telefonieren. Das geht bei gutem Netz prima und spart internationale Telefonkosten. Allgemein ist hier rechts und links der großen Verbindungsstraße nicht so viel Platz wie sonst überall im weiten Rest des Landes.

Der Baugrund ist teuer und die Immobilien sicher auch und umso weiter es Richtung Key West geht erst recht.

Die Namen der größeren Inseln nach Largo sind Long Key, Conch, Duck und Grassy Key, Fat Deer, Little Duck und Ohio. Von Vaca Key (oder Marathon) verbindet die spektakulärste Brücke, die 7 Miles-Bridge (eine 11 Kilometer Damm- und Brückenkonstruktion) Bahia Honda im Südwesten. Man fährt buchstäblich 180 Meilen (290 km) durch die meist türkisblauen Weiten der Karibik, wenn denn das Wetter mitspielt Cool und das tut es meistens.

Die kühlsten Monate sind hier zwischen Dezember und Februar und haben eine Durchschnittstemperatur von 24 Grad Celsius. Deshalb zieht es einen großen Teil der Amerikaner und natürlich auch Kanadier im Winter hier her. Die Camping- und RV-Plätze sind alle voll und die State-Parks fast immer ausgebucht. Die Hotels, Motels auf dem Wege nach Key West werden mit jeder Meile nach Südwesten teurer, das haben wir schon in den 90er Jahren gemerkt.

Wir finden ca. 45 km vor Key West, auf der etwas größeren Big Pine Key, einen schönen Platz. Die Besonderheit auf dieser Insel ist außerdem, dass es (nur hier) eine seltene, kleine Reh-Art gibt, die diese Insel bevölkert. Nachts bekommen wir Besuch an unserer Esmi und Tom kann den nächtlichen Besucher mit der Kamera einfangen. Besonders scheu sind die Tiere nicht und diese hier im Umgang mit den Menschen gewöhnt - immer neugierig oder hungrig nach den Abfällen der Zweibeiner. Gleich mehrere Tiere fanden sich an unseren Parkplatz ein und suchten nach Essbaren.

Am nächsten Tage kommen wir kurz vor Mittag auf Key West an und ziehen durch die Straßen der südwestlichsten Stadt Floridas. Es gibt um die berüchtigte Duval Street reichlich Kneipen, kleine Museen (Ernest Hemingways Haus) und schöne Holzhäuser in Stile der Karibik bis Südstaaten-Flair, bunte Art Deco Architektur mit Palmengärten und vielen Touristen. Schon ein besonderer Punkt!

Von nun an geht es für uns erst mal nur nach Norden. Die Reste der alten Eisenbahn-Brücke werden hier nur noch zum Angeln genutzt, denn ein Hurrikan hat 1935 die Bahnverbindung stark zerstört. Das zur Straße parallel verlaufende Bauwerk kann man jetzt als Denkmal der Naturgewalten bewundern und Teile der Brücke(n) wurden nachträglich aus Sicherheitsgründen herausgeschnitten. Vermutlich auch, um besonders Wagemutige (oder eher Verrückte) am befahren der verfallenen Brücken zu hindern.

Auf Islamorada hat der Reisende ca. die Hälfte des Weges auf den Keys geschafft, wir finden nochmals eine gute, ruhige Stelle und können aus der Nähe einen Leguan bewundern, der gleich auf eine Palme flüchtet. Die Tiere konnten wir heute auf dem Rückweg reichlich an der Straße beobachten und man muss aufpassen, keines der schön gezeichneten Reptile zu überfahren.

Immer wieder findet man skurrile Dinge am Rande. Leute, die in Plastik-Ganzkörper-Verpackungen als ‚Riesenkrabben’ oder Hummer rumlaufen und so für wahrscheinlich wenig Geld Werbung für diverse Kneipen machen. Auch so eine amerikanische Erfindung der abgefahrenen Art. Der Einfallsreichtum ist da recht breit gefächert.

Wieder auf dem Festland fahren wir die Nr.41 durch die Everglades und die Reservate der Miccosukee Indian Reservation. Die Nachfahren der Ureinwohner veranstalten hier Airboot-Fahrten und Führungen durch die Sumpfwelt mit ihren Tausenden von Alligatoren, Krokodilen, Wasservögeln, Waschbären und auch über 200 Schlangenarten.

Wir sehen am Rande der Straße, in den vielen Kanälen und vor allem im sehr interessanten Big Cypress National Preserve“ Dutzende der Panzerechsen in allen Größen. Sie sind direkt an der Piste, sonnen sich am Nachmittag echt zu Hunderten und wer hier baden will, ist selber schuld(!).

Ausführlich haben wir die Parks in Floridas äußersten Süden schon in den 90er Jahren besucht und diesmal fahren wir weiter zur Golfküste. Wir besichtigen die vorgelagerten Keys um Sarasota und überqueren die Tampa-Bay auf der gewaltigen ‚Sunshine-Skyway-Bridge’.

Wir besuchen den kleinen Fischerort Tarpon Springs, denn hier ist die größte Population griechischer Einwanderer in den USA zu Hause. Man findet reichlich Souvlaki-Bars, viel frischen Fisch, Bouzouki-Musik und man kann Naturschwämme kaufen.

Ein Temperatur-Sturz auf nur 7-11 Grad macht den Bummel durch ‚Klein Griechenland’ aber nicht sehr angenehm. Besonders, wenn man auf den Keys noch 27 bis 30 Grad Celsius hatte. Das Wetter wechselt hier stark zwischen kühlen 2-5 Grad nachts und tags gerade mal 12 Grad und 2-3 Tage später sind es schon wieder 20-25 Grad.

Nördlich der industriellen Ballungsräume von Tampa und St. Petersburg wird die Besiedlung schlagartig dünner. Nachdem man in Südflorida oftmals im dichten Städtegewirr von Ampel zu Ampel ruckelt, beginnen hier weite Wälder aus Palmen, Yuccas und Schilf am Straßenrand, die typische Landschaft überall im brettflachen Süden. Farmhäuser und Weiden wechseln mit Sumpfgebieten voller Zypressen und Mangroven.

Mit Erreichen von Floridas kleiner Hauptstadt sind wir schon in ‚Panhandle’ angekommen. Wir wundern uns, wie grün, ‚übersichtlich’ und überschaubar Tallahassee doch ist. Es ist eine fast gemütliche Universitätsstadt und Hochburg der Demokraten in Florida.

Auch das Regierungsviertel ist übersichtlich und es gibt reichlich (!!!) freie Parkplätze und Parks. Geradezu untypisch ist der moderne Baustil des neuen Capitols, das gegenüber des obersten Gerichtshofes, des ‚Surpreme Courts’ liegt. Die Besichtigung des Regierungssitzes ist frei, aber die Sicherheitskontrollen wie an Airports aber längst obligatorisch.

Weiter westlich finden wir wieder herrliche, weite, schneeweiße Strände. Am ‚Navarre Beach’ bis ins ca. 12 km entfernte Pensacola Beach führt ein sehenswerter ‚Scenic Highway’ durch die Dünenlandschaften.

Teils bebaut mit wirklich abenteuerlichen Pfahlhäusern, (fast immer aus Holz) und landschaftlich freiem Nationalpark auf diesen, auch wieder einige Kilometer vor der Hauptküste gelegenen, Inseln offenbart sich hier eine nicht ganz so (touristisch) bekannte Gegend, doch auch von großem Reiz. Keines der Strandhäuser gleicht dem anderen. Alles ist durch Stelzen vor Sturmfluten geschützt, aber ob das auch ein wirksamer (Wind-)Schutz bei starken Stürmen sein kann, bleibt für uns offen und eher fraglich. Aber der Platz ist phantastisch, überall wird gebaut, gebastelt, angemalt, ein kleiner, vielleicht regionaler Boom oder auch nur „der Frühjahrsputz“.

Wieder geht’s über große Brücken, die Straße führt zurück auf das Festland und erreicht die nordwestlichste Stadt des „Sunshine-States“. Wir kommen nach Pensacola.

Eigentlich eine recht verschlafene Kleinstadt, wären da nicht die vielen Army-Gelände rings um die Stadt (und die häufigen, lauten Überflüge der Kampfjets) am Golf von Mexico. Hier ist ein überregionales Zentrum von Kampffliegerstaffeln und zwischen Interstate Nr. 10 und der Küste gehören der Army weite Teile des Landes. In Pensacola sieht man allerorts die meist sehr jungen Piloten mit ihren Tarnanzügen, voll von Stickern und Abzeichen.

Die Geschichte schreibt, dass Pensacola (eigentlich) der älteste, von Europäern besiedelte Ort der heutigen USA ist, denn schon 1559 waren die Spanier hier. Die damalige Siedlung wurde aber kurz danach durch ein starkes Unwetter (und Feuer) zerstört, deshalb fällt dieser Status eher an St. Augustine, Florida. Es gibt eine kleine, übersichtliche ‚Altstadt’ im Zentrum von Pensacola und wir sehen uns einige, schöne Holzhäuser und Kirchen an, bevor wir Florida Ende Februar in Richtung Alabama verlassen.

Florida präsentiert sich uns als ein durchaus angenehmer Bundesstaat, besonders im Winterhalbjahr. Seit Baltimore, Maryland haben wir nun schon 3.979 Kilometer in Amerika zurückgelegt.

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