Unser Start nach Amerika mit eigenen Fahrzeug

Eigentlich hätten wir schon im Spätherbst bzw. November 2012 wieder auf Tour gehen und Esmeralda nach Amerika verschiffen wollen. Theoretisch. Im Nachhinein ist jetzt klar, dass die Vorbereitung, Planung, Organisation, die umständliche Bürokratie und das Besorgen diverser Teile und Sachen nicht in 4-5 Wochen möglich gewesen wären. Unser wichtigster Grund für einen etwas späteren Start war, dass wir nicht kurz vor Weihnachten wegfahren wollten und damit diese Tage lieber mit unseren Familien verbringen konnten. Auch der 88.Geburtstag von Toms Mutter fiel noch in unsere Zeit zu Hause und das konnte schön gefeiert werden. Anfang 2013 war dann alles geplant, gebucht und gecheckt, was uns so an möglichen und unmöglichen Sachen einfiel. Wir konnten unser Fahrzeug am 16. Januar in Hamburg im Hafen abgeben und auf die Reise über den Atlantik schicken. Nachdem wir einige Angebote der Gesellschaften und Reedereien verglichen haben, fiel unsere Wahl relativ klar auf die Firma Seabridge, die in Zusammenarbeit mit der schwedischen ACL-Line eine langjährige Erfahrung mit dem Versenden von Fahrzeugen über den großen Teich hat. Eine ganz spezielle Erfahrung mit Campern, Wohnmobilen, Spezialfahrzeugen, Oldtimer, Baufahrzeuge und Motorräder werden natürlich auch verschickt. Auf Grund der Höhe unseres Fahrzeuges kommt ein Standard-Container nicht in Frage, also ist eine RoRo-Verschiffung notwendig und das verringert die Zahl der infrage kommenden Transportunternehmen erheblich.

Unseren Hamburg-Besuch haben wir natürlich für einige Besichtigungen und einen Besuch der Speicherstadt genutzt, das dortige „Miniaturwunderland“ kannten wir schon von Erzählungen und einer TV-Dokumentation. Diese sehr sehenswerte Ausstellung ist sicher nicht nur für Modelleisenbahnfreaks eine große Nummer. Die Technik, die vielen Details und die ständig wachsenden Miniaturwelten sind schon allein eine Reise wert! Was die vielen Mitarbeiter da mit reichlich Liebe zu Detail, Bastelei und einer gehörigen Portion ‚Herzblut’ geschaffen haben, dürfte in diesem Umfang seinesgleichen in der Welt suchen. Besonders der Miniaturflughafen mit 10.000den Details, 1.000den Personen und Fahr- sowie Flugzeugen und vollem Flugbetrieb ist eine Schau für jung und alt.

Auch sonst ist Hamburg natürlich eine Multikulti-Stadt, auch wenn es an der Alster im Sommer schöner ist. Auf dem Rückweg nach Dresden hat uns der Streik auf dem Hamburger Airport noch voll erwischt und wir haben einige Stunden dort zugebracht, glücklicherweise wurde unser Flug nicht abgesagt.

Am 8. Februar ging dann die große Reise auch für uns los und damit ein dickes Dankeschön wieder an Betü für die Fahrt nach Dresden und an Gunnar für Quartier und das Bringen zum Dresdner Airport! Unser Flug mit Lufthansa und Air Canada ging über Frankfurt Main und weiter nach Toronto. Im riesigen Flughafengelände der kanadischen Großstadt gab es schon mal die erste Überraschung: Die komplette Einreiseprozedur IN DIE USA (!!) wird dort abgewickelt, wenn man weiter mit einem Star Alliance Flieger an die USA-Ostküste will. Also Zoll, Visa und der komplette Papierkrieg, damit hatten wir ja erst in Baltimore gerechnet. Ein spezielles Gebäude ist damit Hoheitsgebiet der USA mit allen Beamten etc. Die Leute waren freundlich, keine Zoll-Kontrollen und das Visa ohne Probleme für ½Jahr – länger lässt es der Computer nicht zu, meinte der Officer. Er versicherte uns aber, dass bei Reise über Kanada und Wiedereinreise z.B. nach Alaska wieder ½ Jahr gewährt würde. Nun ja, müssen wir ja so erst mal glauben. Dann ging es raus und bei -10 Grad zu einer kleinen Fokker-Propeller-Maschine der Air Canada. Eine reichliche Stunde über See und Land und unter uns viele, hell erleuchtete Netzraster von urbanen Ballungsräumen.

(unsere Reiseroute)

Kurz vor 23 Uhr waren wir im Bundesstaat Maryland auf dem Baltimore-Washington Airport (BWI) gelandet. 40 Minuten und ein gefühltes Dutzend Unterschriften später hatten wir unser Mietauto und konnten endlich zu unseren, gebuchten Ramada-Hotel düsen. Nach 24 Stunden ohne Schlaf, mit vielen Klimaanlagen und einer ‚mittelmäßig verbogenen’ Wirbelsäule reicht es dann aber auch für diesen langen Tag, und man ist froh, in die Koje zu sinken.

Wir konnten ja die ‚Grundausrüstung’ (Küchensachen/Schlafsachen/Technik/Klamotten) schon zu Hause in der Esmeralda verstauen und so jetzt mit relativ leichten Gepäck losziehen. Das ist ein klarer Vorteil von der Seabridge-Verschiffung, denn andere Unternehmen lassen dabei keinerlei Ausrüstung im Fahrzeug zu und das ist ein fetter Nachteil, ‚drüben’ dann wirklich alles neu kaufen zu müssen. Auf Grund der klimatischen Lage war der südlich möglichste Hafen Baltimore in Maryland, den Norden wollen wir später im Frühling/Sommer bereisen. Das es mögliche Verspätungen beim Transport über den Atlantik geben kann, war schon klar. Das Zusammenspiel von mehreren Winterkapriolen brachte dann leider doch fast eine Woche Verzug. Ein starker Sturm in/um Liverpool, der Blizzard ‚Nemo’ an der US-Ostküste und ein Feiertag –den die Hafengewerkschaft auch einfordert - in Baltimore sind halt nicht zu ändern.

Die Tage in Maryland haben wir zum Kennenlernen der leicht hügeligen Landschaft um Baltimore genutzt. Wir haben ja außerhalb der Hafenstadt gewohnt, in einem kleinen Vorort namens Ellicot City und auch schon einige Besorgungen gemacht. Ein bekannter deutscher Discounter hat sich mittlerweile an der US-Ostküste etabliert und einige Filialen pro Bundesstaat eröffnet. Das Sortiment aller Läden ist immer interessant, und erst recht das von Aldi Amerika, also mal schnüffeln, na klar. Das Resultat (leider) zu 85% anders als bei uns und zu sehr auf dem amerikanischen Verbrauch zugeschnitten. Riesenportionen. Monsterflaschen, Großpackungen, alles ‚Big’ für Großfamilien und Leute mit 1.000 Liter-Kühltruhen.

Auch gibt es kaum europäische Käsesorten (schade!) und absolut keine deutsche Wurst (das fehlt hier echt) aber wenigstens Roggenbrot und einiges an deutschen Leckereien sind zu finden. Zur Erklärung: Natürlich ist so was für einen kurzen USA-Besuch unwichtig und es kann „mal vorübergehend“ auf solche Produkte verzichtet werden, aber Auswanderer und Langzeitreisende freuen sich über jede Leckerei aus der alten Heimat. Die Nachfrage steigt jedenfalls und wir haben auch in Internetforen gelesen, dass viele Leute unterwegs deutsche Produkte in Übersee suchen, es gibt mittlerweile immer mehr ‚Spezialläden’ in den USA und in Kanada.

Was uns bei den Fahrten durch das ländliche Maryland auffiel, ist, das es hier in auffälligem Maße viele runtergekommene, verrammelte, kaputte und leer stehende Häuser gibt. Möglicherweise eine Folge der Immobilienzockerei, Schuldenkriese oder anderer persönlicher Desaster.

Wir haben unser Hotel in Baltimore verlängern und unser Mietauto (eigentlich zu früh) abgeben müssen, was wir alles schon für länger eingeplant haben, aber am Mittwoch, dem 13.02. war es dann endlich soweit. Grünes Licht zum abholen unseres Wohnmobiles im Hafen!

Auf Grund der Tatsache, dass Privatpersonen nicht mehr problemlos das Hafengelände in Baltimore betreten dürfen, haben wir die fachkundige Hilfe und den Service von Herrn Müller aus Washington in Anspruch genommen, der uns von der Firma Seabridge empfohlen wurde. Er kennt die Prozedur durch den amerikanischen Zoll schon gut und mit der dortigen Firma ‚Pride’ zusammen arbeitet. Die Ausgangssituation war tatsächlich nicht die beste, weil durch den Feiertag am 12.02. und die hunderten, wartenden Trucks zur Abfertigung die Gegend am und um den größten Seehafen der USA recht verstopft war. Überall Polizei, wartende LKWs, Staus und umgeleiteter Verkehr. Das die ganze Prozedur dann doch in 90 Minuten erledigt war, war eine tolle, positive Überraschung und sicher auch ein Verdienst von Herrn Müller, bei dem wir uns auch an dieser Stelle nochmals bedanken möchten.

Die erste Tankfüllung steht an! Esmi’s Tank durfte ‚Over the Ocean’ aus Sicherheitsgründen nur ¼ voll sein. Der Diesel kostet hier in Baltimore am Hafen 3,99 Dollar per Gallone, also ca. 1,05 Dollar pro Liter = 90 Eurocent. Das wäre so ca. 1995 hier noch ¼ dessen gewesen, erinnern wir uns. Und sicher auch die Amerikaner – 400% Preisanstieg, wie hier, hatten wir in Good Old Germany glücklicherweise nicht!

Wer mal auf die US-Highway-Map schaut, sieht, dass die Interstate Nr. 95 (durch Baltimore) immer schön nach Süden geht, bis runter nach Miami, Florida. Und in die Richtung wollen wir dann ja auch, raus aus dem Schnee (noch können wir nicht heizen, Gas fehlt) und am frühen Nachmittag fahren wir dann im schönsten Sonnenschein durch die Hauptstadt. Die liegt ja nur einige Meilen südlich und wir erkennen aus einiger Entfernung das Capitol und den riesigen Obelisken, der wie alle Repräsentationsgebäude im großen Park am Potamac River liegt.

Vielleicht haben wir im Frühling noch Zeit für Washington DC, jetzt wollen wir erst mal nach Jacksonville, Florida.

Leider war es nicht erlaubt, (aber verständlich) Gasbehälter mit auf das RoRo-Schiff zu nehmen. Unsere grauen Euro-Gas Flaschen dürfen seit kurzem auch nicht mehr in den USA gefüllt werden, also mussten wir auch die Leer-Gas-Flaschen zu Hause zurück lassen. Einige Recherche im Vorfeld hat ergeben, dass es eine US-Verkaufs-Kette „CampingWorld“ gibt, die die passenden 10 oder 11 Lb. Gasflaschen hat und größere passen in das Gasfach der Esmi einfach nicht rein.

Nachdem wir auch Virginia durchquert haben, finden wir in North Carolina einen Campingworld-Center, gar nicht weit von der Interstate 95.

Wir bestaunen die gigantischen Wohnmobile, Caravans, Anhänger, alles ist zwei Nummern größer hier. Das freundliche Team des ‚Campingworld’ berät uns bestens und wir können mit der ‚Sams Club’-Mitgliedschaft so viel sparen, das sich die 25 Dollar Jahres-Gebühr schon durch den Kauf der beiden Gasflaschen und deren Füllung amortisiert. Man schenkt uns noch 2 Gratis-Camping Übernachtungen auf der national verteilten, clubeigenen Campingplatzkette. Jetzt können wir wieder unabhängig kochen, den Dometic-Kühlschrank betreiben, den Truma-Boiler heizen und damit heiß duschen, ein großes Stück individuelle Freiheit.

Ganz langsam schon wird es wärmer und in Yamassee, South Carolina, können wir schon in der Nähe eines Truckstops stehen. Wir haben Ruhe und Zeit langsam ‚anzukommen’ und genießen die weitere Strecke nach Süden.

 

Wir nehmen uns Zeit und sind nach 2 Tagen in Georgia, passieren Savannah und haben schon 15-16 Grad Plus. Die Landschaft ändert sich und es gibt viele Palmen. Sumpfzypressen wachsen in der feuchten Swamp-Gegend, die hier fast überall an der flachen Ostküste zu finden ist. Viele Wasserwege durchziehen Georgias Küstenstreifen, es ist dünn besiedeltes Land an der Strecke.

Am Freitagabend fahren wir über die Grenze nach Florida und in die flächenmäßig größte Stadt der USA ein. Wir haben unser erstes, wichtiges Reiseziel erreicht: Jacksonville.

 

Da wir hier gute Freunde haben und schon 2001 im Frühling mal hier waren, freuen wir uns auf einige Tage mit Andy, Elizabeth und ihren Tieren. Wir bleiben eine knappe Woche in Jacksonville und besorgen weitere, wichtige Sachen, Lebensmittel und Ausrüstung.

Wir besuchen eine Krokodilfarm in der ältesten Stadt Nordamerikas, in St. Augustine. Dort ist der Touristentrubel groß und die Preise weit über dem Durchschnitt, die Stadt ist randvoll und alles zugeparkt.

Wir reden und diskutieren Abende lang und tauschen nützliche Informationen aus. Andy lebt seit vielen Jahren hier und kann uns mit vielen Tipps unnötige Fahrerei, nervige Sucherei und einige Fehlkäufe ersparen. Wir besorgen uns in Jacksonville ein Mobiltelefon und auch vorher schon einige gute Mitgliedskarten für diverse Supermarktketten. Die Ersparnis damit ist tatsächlich manchmal 30% und extra kosten diese Checkkarten nichts. Sicher ist das für einen USA-Urlauber nicht so wichtig, aber bei unseren Vorhaben zählt jeder Dollar.

Andy zeigt uns einige schöne Restaurants und Strände und wir führen den begeisterten ‚Baxter’ aus, der so auch mal wieder ans große Wasser kommt.

Wir kochen gemeinsam bei Andy zu Hause und lassen kurz vor unserer Weiterreise noch drei von unseren Keilriemen neu spannen. Alles wird schnell und freundlich abgewickelt.

Hier haben wir auch endlich mal die Muse unsere Esmi entsprechend umzuräumen. Für die Überführung über das große Wasser musste alles wackelfest in den Schränken und Kisten verstaut werden. Das hieß allerdings auch, dass alles kompakt zusammengeräumt war. Sowas braucht aber seine Zeit, wie nach einem Umzug. Bloß gut, dass wir vorher aufgeschrieben haben, was in welches Schrankfach „gestopft“ war.

Nach 5 Tagen geht eine schöne Zeit zu Ende und wir starten nach Süden. Wir wurden freundlich aufgenommen und bedanken uns auch auf diesem Wege noch einmal für die herzliche Gastfreundschaft der beiden.

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