Norwegen ab 18.07.2012

Der Weg ist immer besser
als die schönste Herberge.
© Miguel de Cervantes-Saavedra, (1547 - 1616),
spanischer Schriftsteller und Staatsdiener,
zeitweilig algerischer Sklave

(Karte)

Endlose Traumlandschaften aus Wasser und Fels zwischen gemäßigten Fjordland und Tundra am Polarkreis

Die Fläche des Landes ist mit 385.200 qkm ca. 10% größer als Deutschland, allerdings ohne Spitzbergen und die Antarktisgebiete. Die ‚Normale’ Küstenlänge (ohne Buchten und Fjorden) ist 2.650 km lang. Die stark zerklüftete, norwegische Atlantikküste mit ihren vielen Fjorden hat schon eine Länge von ca. 25.000 km und mit den vielen Inseln gerechnet, die sich im Meeres- und Seegebiet und in den Fjorden befinden, sind es gar über 80.000 km. Ein schwer vorstellbares, eigenes Universum aus Land und Meer.

Und auf dieser Fläche, mit ihren tausenden Wasserstraßen und hunderten großen und kleinen Fährverbindungen ‚drängeln’ sich gerade mal knapp 5 Millionen Einwohner. Es ergibt sich also schon ein „klein wenig“ anderes Lebensgefühl als z.B. auf Indonesiens Insel Java (!!) Das war jetzt schon ein gewagter Vergleich, aber im ‚Human Development Index’ nimmt Norwegen weltweit den Platz 1 ein. Das sagt einiges über den Lebensstandart und die soziale Struktur des skandinavischen Landes aus. Staatsoberhaupt ist König Harald V und der amtierende Ministerpräsident heißt Jens Stoltenberg. Das Land ist kein EU Mitglied und dezentral organisiert, sowie die Nummer 13 der Öl- und Erdgasförderer der Welt und absolut Schuldenfrei! Also in sehr vielen Belangen schon mal so was wie das totale Gegenteil von Gr…, ach, lassen wir das lieber, die Medien schreien dieses Thema ja eh’ schon genug herum.

Es wird ja langsam Zeit, dass wir nun endlich, aber zum ersten Male nach Norwegen kommen. Und Anlauf genommen hatten wir schon 2mal, leider hatte es bisher nicht geklappt.

Wir schreiben Mitte Juli 2012 und so reisen wir, vom schwedischen Charlottenberg kommend, ins Königreich Norwegen ein. Wir haben uns einige Gedanken gemacht, da wir leider zu spät gemerkt hatten, dass wir viel zu viel Bier in unseren Vorratskisten lagerten (Wie verwerflich!!). Die norwegischen Zollbestimmungen sind so rigide wie kaum irgendwo im weitem europäischen Umkreis. Viel darf der Reisende nicht mitbringen, wenn man es genau nimmt und alkoholische Getränke sind auf mikroskopische Mengen limitiert. Dafür sind die Preise im Lande recht hoch, vor allem guter Wein ist empfindlich teuer. Für Hochprozentiges gelten, durch die dortige Steuer, Apothekenpreise.

An der Grenze fahren wir ganz unbehelligt weiter, kein Zöllner weit und breit. Auch unsere Proviantboxen für den entlegenen Norden sind gut gefüllt. Ist man lange unterwegs, kauft man überall dies und jenes und es kommt einiges zusammen, wie in einem alten Haus (Naja, so viel nun auch wieder nicht - aber es reicht für einen kleinen Kaufmannsladen, sagen wir manchmal spaßig. Zwinkernd

Auf ruhiger Landstraße erreichen wir das Umfeld der norwegischen Hauptstadt Oslo. Wir suchen uns eine Station des gut ausgebauten „Tunnelbahn“-Netzes und planen für den nächsten Tag unsere Oslo-Tour. Die Stationen sind teilweise abenteuerlich tief in die Felsen gehauen, denn die Stadt umgeben viele Berge.

Man kann von weit außerhalb ins Zentrum Oslos fahren und spart sich wieder mal den Ärger mit (kaum vorhandenen) Parkplätzen. Meistens sind ja Innercity die raren Plätze auch zeitlich so limitiert, dass eine vernünftige Zeitspanne für die Stadttouren oft nicht rüberkommt. Dieses Mal hatten wir uns auf Grund von Geschichten, Infos und Büchern, Fotos und Erzählungen keine großen Illusionen Betreff der norwegischen Metropole gemacht. Zu oft wird Oslo als ‚graue Maus’ unter den Europäischen Hauptstädten bezeichnet.

Wir waren nun wieder recht positiv von Vielem hier überrascht und hatten einen wunderbaren, interessanten und vor allem ereignisreichen Tag in der Stadt am Oslofjord.

Oslo besteht aus 15 Stadtteilen, hat ca. 613.000 Einwohner und eine fast 1.000jährige Geschichte. Die Stadt liegt an der Baltischen See und hat maritimes, gemäßigtes Klima, also recht warme Sommer und mildes Winterwetter.

Wir lassen uns durch die zentralen Einkaufsstraßen (z.B. Karl Johans Gate) treiben, dort liegen auch das Regierungsgebäude (Storting) und das königliche Schloss (Slottet).

Wir besuchen das Hard Rock Cafe und …

wenden uns zum Hafen, wo als fetter, monumentaler Backsteinbau wohl eines der umstrittensten Rathäuser thront. Wir finden, dieses hier ist eher eines der hässlichsten weltweit, es erinnert an einen Bunker. Am Ende ist das wieder mal Geschmacksache, aber wir haben nun wirklich schon viel schönere gesehen, ob groß oder klein.

Aber sonst macht Oslo einen offenen Eindruck. Es gibt schöne Kirchen, sowie das Stadtschloss und das Nobel-Center am Hafen mit Yachten, Kreuzfahrtschiffen und Fähren, sowie Linienschiffen.

Wir besuchen die Akerhus-Festung direkt oberhalb wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen und fahren in die nahen Berge zur Holmenkollen-Sprunganlage. Wohl eine der schönsten Skischanzen der Welt. Obendrauf gibt es eine einmalig schöne Aussicht auf die Stadt. Wenn man sich überlegt, dass sich die Sportler bei diesem überwältigenden Anblick auf ihren Sprung, den Wind und ihre Technik konzentrieren müssen, alle Achtung! Und was die Höhe der Schanze betrifft, mit Blick auf den Auslauf und die Distanz von Schanzentisch nach unten, bekommt der Begriff „Himmelfahrtskommando“ eine ganz neue Bedeutung. Auch erstaunlich, dass dabei so relativ wenig Unfälle der schwereren Art passieren.

Eine Kunstsehenswürdigkeit von außergewöhnlicher Güte ist der recht Zentral gelegene Frognerpark mit den Plastiken und Skulpturen eines der berühmtesten norwegischen Künstlers, Gustav Vigeland. Erstaunlich und spektakulär, was der Künstler schon in den 20er bis 40er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen hat. Auch eine ‚sehr gut besuchte’ Angelegenheit, denn Reisegruppen aus aller Welt drängen sich dort, man hört alle gängigen Weltsprachen. Sogar Sächsisch! Zwinkernd.

Als wir am Abend unseres Oslo-Tages wieder an unserer Reiseschildkröte ankommen, gibt die gut genutzte Bordküche schon mal einen internationalen Mix her. Wir hatten uns in der Kühltheke eines Marktes eine Portion Elch ‚geschossen’ und diesen mit zünftiger Erbsensuppe zubereitet. Eine (gelungene) Neukreation unsererseits und der Beweis: Zünftige Oberlausitzer Fundamentalküche trifft Skandinavisches Huftierragout. Zwar ohne Michelin-Sterne, aber immer eine gelungene Abwechslung zwischen Fjordlachs und vielen Variationen von Pasta-Gerichten.

Unterwegs in Richtung der spektakulären Küste hatten wir Gelegenheit, zwei der schönsten Stabkirchen Norwegens zu besuchen. Diese Bauten sind komplett aus Holz konstruiert und in ihrer Art weltweit einmalig.

Überhaupt wird hier im Lande zum überwiegenden Teil noch spektakulär mit Holz gebaut. Dieser Baustoff erfreut sich immer noch größter Beliebtheit und die Abfertigungshalle des internationalen Flughafens von Oslo ist ebenfalls aus diesem warmen Naturmaterial. Holz lässt natürlich recht gewagte Formen zu, die man in dieser Art aus Stahl und Glas nicht verwirklichen kann.

Eine der schönsten Passwege Südnorwegens ist die Haukelistraße, die sich auf dem Wege zum westlichen Bergen schon mal in alpine Höhen hochschraubt. Ein willkommener Kontrast zur flachen Zentralschwedischen Seenlandschaft.

Nach Roldal kommen wir zum vielfotografierten Latefoss-Wasserfall und …

nach Odda am Sorfjord, fahren wir diesen, sehr lang gezogenen Fjord bis zum Eidfjord nach Kinsarvik, um dort die erste Fähre unsrer Nordlandtour zu nehmen.

Meistens ist man nicht länger als ca. 30 Minuten unterwegs, wenn man auf diesem Wege die steilen und wirklich spektakulären, tief in den Fels eingeschnittenen Meeresarme überquert. Lange warten muss man bei den Hauptverbindungen auch nicht. Oft verkehren 2 Fähren im Wechsel und man wartet nur zwischen 20 und 40 Minuten. Der Preis für die Fähren schwankt aktuell zwischen 80 und 140 Kronen, je nach Distanz, wird aber bei einer Fahrzeuglänge von über 6 Metern empfindlich teurer und verdoppelt sich oft gleich. Unsere Esmeralda hält sich mit ca. 5,70 noch vornehm zurück.

Die Landschaft wird immer spektakulärer, aber noch liegen fette, graue Wolken über den steilen Felsen am Ufer. Manchmal treffen Seitenlicht und Beam's auf das silbrige Wasser und erzeugen auch tagsüber eine unwirkliche, dämmrige Atmosphäre. Die Stadt Bergen ist ja nun leider berüchtigt für ihr schlechtes Wetter, als Regenreichste Region in der ohnehin schon niederschlagsreichsten Gegend des Kontinents.

Wir hofften das Beste, aber leider gibt sich das Wetter in weiten Umkreis Bergens alle Ehre und es schüttet fast 48 Stunden, so dass wir außer Wasservorhänge nicht viel zu sehen bekommen. Wir schwimmen regelrecht über die nassen Straßen und Brücken und sehen nicht viel außer senkrechte Bindfadenfluten, Regenjacken und Pfützen.

In Erwartung auf Besserung, weiter nördlich, biegen wir nördlich von Bergen ab und fahren über gewagt schöne Brücken von Halbinseln zu Inseln, über den riesenlangen Sognefjord wieder mit der Fähre ins zentrale Fjordland.

Die Kiwis in Neuseeland sind ja zu Recht stolz auf ihren wunderschönen Milford Sound und den steil, in diesen bekanntesten Fjord, aufragenden Mitre-Peak. Einen schroffen Fels, der im dortigen Süden fast senkrecht aus dem tiefen Wasser ansteigt und eines der attraktivsten Fotomotive darstellt. Im zentralen Fjordland Norwegens entdecken wir nun ein enges Tal, in dem gleich vier, dem Mitre-Peak ähnliche Felsspitzen aufragen, nicht ganz so hoch, nicht direkt aus dem Fjordwasser, aber eine einmalige Kulisse in einem engen Tal.

Wir sind in Fjaerland, mit zugehörigen, gleichnamigen Fjord und anschaulicher Gletschergegend. Dieses abgelegene Tal kann man nur von Süden kommend über den Fjord erreichen oder durch einen, über 6.000m, langen Tunnel. Es gibt hier ein privates Museum mit Ausstellungen über Fjorde, Eiszeiten, Klimawandel und die Auswirkungen in der Region.

Wir warten den Dauerregen im Tal ab und haben am nächsten Morgen einen Lichtblick, es klart auf und gibt die Sicht frei auf tausende Tonnen des türkiesblauen Gletschereises weiter oben am Hang.

Wir erleben den langgezogenen, tiefblauen Jostravatnet (Vatnet‘s sind nicht mit dem Meer verbunden) bei mittlerweile besten Sonnenschein.

Wir machen eine Rundtour an einigen der spektakulärsten Täler und Esmeralda stampft tapfer alle engen, steilen Pässe z.B. zum Utfjord herauf und herab.

Wir passieren Hellesylt mit atemberaubender Kulisse und schauen von oben in den kaum auszusprechenden Sunnylvsfjord,…

sowie den bekannteren Geirangerfjord. Fantastisch! Alle werden regelmäßig von riesigen Kreuzfahrtschiffen und der Hurtigruten-Postlinie befahren. Ganz sicher ist dies auch eine sehr lohnenswerte Reise, nur auf ganz andere Art und Perspektive, sicher auch sehr schön. Ab Stranda überqueren wir den Norddalsfjord nach Liabygda (Welcher Wikinger hat sich diese Namen ausgedacht??).

Diese Tage sind für uns die unvergesslichsten der Fjordlandtour. Das Wetter passt auch mal und man weiß vor Staunen kaum, wo oder was man zuerst anschauen oder dokumentieren soll. Als I-Punkt schraubt sich unser kleiner Truck wieder mal die über 850 Meter von Sylte kommend langsam nach oben.

Die Steigung ist moderat und dann steht man schon wieder in baumloser Höhe zwischen Schneeresten, Geröllhalden, Wolkenfetzen und vielen Fahrzeugen vor einer riesigen Schlucht. Hunderte Touristen mit PKWs, WoMo’s und Bussen, sowie dutzende Motorradfahrer, aus allen europäischen Ländern treffen sich hier.

Wir sind oben am Trollstiegen angekommen, Norwegens bekannteste und vielleicht eine der verrückt-steilsten Passstraßen des Landes. Wir tuckern langsam die engen Serpentinen bergab und schauen den Linien- und vor allem Reisebussen beim ‚fröhlichen’ rangieren zu.

Alles drängt sich an die Trollwand und man überquert auf einer kleinen Steinbrücke einen Wasserfall, dabei geht es im vorsichtigen Wechsel stoßweise Bergauf oder Bergab. Unfälle oder Pannen sollten an diesem Orte nicht passieren, die Bergung wird sicher tricky, aber alles ist hier sicher schon mal passiert, vermuten wir.

Ohne Kratzer oder zu heißen Bremsscheiben kommen wir gefahren und nicht geflogen unten an und bewegen uns weiter in Richtung Romsdalefjord.

Als Abwechslung willkommen und landschaftlich ganz anders ist die Küstenregion etwas nördlich des Fjordlandes. Unser nächstes Ziel heißt Alesund und von der Lage her wird die Jugendstilstadt als die schönste Norwegens bezeichnet.

Die relativ junge, auf vielen Inseln bzw. Halbinseln liegende, Stadt wurde erst 1848 gegründet und brannte bereits 1904 fast vollständig wieder ab. Nur mit beträchtlicher Hilfslieferung des deutschen Kaisers Wilhelm II konnte die Stadt in nur 3 Jahren wieder neue aufgebaut werden, denn das Staatsoberhaupt war damals ein großer Fan des Nordlandes. Heute gibt es dafür ein großes Denkmal.

Der Hausberg ‚Aksla’ liegt sehr Zentral und wenn man die reichlich 400 Stufen zum Panoramarestaurant erklommen hat, bietet sich ein super Ausblick auf die einmalige Lage der Stadt und auch auf die Umgebung. Ein Stadtrundgang war obligatorisch und auch wenn die grauen Wolken und der teils recht bedeckte Himmel leider nicht bessere Fotos zuließen, ist der Besuch von Alesund eine Empfehlung, sollte man in der Nähe sein.

Unfälle passieren und dieser LKW hatte sich kurz vor unserem Eintreffen in den Graben der Gegenspur gepflügt. Die Bergung mit schwerem Gerät hat über eine Stunde gedauert und Ausweichstrecken im Fjord- und Seenland sind mit vielen Kilometern verbunden.

Über den Norskehavet und dem Ort Malmefjorden ging es dann zu einem Highlight ganz anderer Art.

Ob ADAC oder andere Spezialisten, Reiseführer oder GEO, ein Tipp der speziellen Sorte ist die Atlantikstraße, in der Landessprache: Atlanterhavsveien. Es handelt sich um eine ca. 9 km lange, abenteuerlich gebaute, Küstenstraße, die einige kleine Außeninseln im Eingang des Kornstadfjordes miteinander verbindet. Dieses wurde mittels, wunderschön arrangierten 8-Brückenkonstruktionen, in die raue Küstenlandschaft gebaut. Man hat hier den Eindruck, inmitten von dutzenden Schäreninseln, über das Meer zu fahren. Besonders am späteren Abend und bei rauer See ist es ein unwirkliches Erlebnis. Die Mautstationen dafür wurden vor einigen Jahren übrigens abgebaut. Nur wer weiter durch einen Meerestunnel nach Kristiansund möchte, muss noch mal extra in die Reisekasse greifen.

Wir sind von Alesund kommend, mit der Fähre nach Molde weitergefahren und dann ist man schon auf der betreffenden Nordmore-Halbinsel. Dort, eine knappe Autostunde nördlich von Molde, findet man die Atlantikstraße, welche im Jahre 2005 als „architektonisches Jahrhundertbauwerk“ geehrt wurde.

Von Molde aus in Richtung Trondheim hat man die Möglichkeit, entlang des Kvernesfjordes und Langfjordes zu fahren.

Alles das sind Bilderbuchlandschaften und immer wieder findet man auch Superlative im Brückenbau, so auch die Tingvollfjord-Hängebrücke.

Norwegen hat ja einige Kandidaten in der weltweiten Top 100 der Hängebrücken, diese sind zwar nicht ganz vorne, wie die Öresundbrücke oder Stoerebeltbrücke, aber in dieser Häufigkeit schon beachtlich. So wird NACH dem Überqueren auch wieder mal ein Wegezoll fällig und wir spenden 102 Kronen an den Norwegischen Staat.

In und um Trondheim wird man unfreiwillig gleich ca. 10mal fotografiert, aber wir waren nicht zu schnell, sondern die Tunnel- und Stadtmaut wird über sogenannte „Autostationen“ eingeholt. Man hat leider keine andere Wahl und bekommt diese Mautforderungen nach Germany geschickt und muss das Geld dann überweisen. Wir hoffen mal, dass dies nicht mit ‚übersteuerten’ Überweisungsgebühren verbunden ist, denn dies würde die Höhe der Zahlungen dann schnell verdoppeln.

Nach vielen Kurven, Serpentinen, geschätzten 800 bis1000 gefahrenen Kilometern an teils tiefblauen bis türkisfarbenen Fjorden entlang und 5 Fjordüberquerungen per Fähre, sind wir in Trondheim angekommen. Mit knapp 180.000 Menschen, die hier leben, ist Trondheim nach Oslo und Bergen die drittgrößte Kommune in Norwegen, sowie Industrie- und Universitätsstadt. Der riesige Nidarosdom ist das größte Kirchenbauwerk Skandinaviens und Wahrzeichen, sowie bauliche, geschichtliche Hauptattraktion der Stadt. Er ist weithin sichtbar in einem Park recht zentral gelegen.

Marktplatz, Stiftsgarten, der Kanalhafen mit seinen schönen Handelshäusern und die alte, rote, asiatisch anmutende Stadtbrücke aus dem Jahre 1862 sind sehenswert. Die Brücke verbindet die zentrale Halbinsel mit dem Stadtteil Bakklandet mit seinen alten Holzhäusern, Werkstätten und Cafe's, aktuell die ‚Flaniermeile’ Trondheims. Schöne Innenstadt.

Nun, die Außenbezirke, die man durchquert, sind da nicht so schön anzusehen und das ist schon sehr vorsichtig ausgedrückt. So wie wir von Oslo insgesamt positiv überrascht waren, sind wir von den peripheren Vorstädten Trondheims im Süden wie auch im Norden regelrecht schockiert. Ausgedehnte Teile sehen regelrecht verwahrlost aus, weiträumig verfallene Fassaden, viele verlassene Läden, triste leere Shops, sehr viele extrem heruntergekommene, verlassene Gebäude, Bauschutt und meilenweit trostloses Grau. Sagenhaft, so was hätten wir im reichen Norwegen, noch dazu in so einer bekannten Stadt, nicht erwartet. Wir verzichten aber auf Fotos, wie so etwas aussieht, das kennt jeder selber, der die möglichen ‚Kehrseiten’ großer Metropolen einmal erkundet hat. Außerhalb dieser speziellen Straßenzüge Trondheims normalisiert sich das Gesamtbild auch wieder schnell, denn zum sehr großen Teil ist Norwegen doch sehr sauber und modern.

Warum die Norweger keine geraden Tunnel bauen…(Eine nicht ganz ernst gemeinte Tunnelblick-Geschichte)

Seit Tagen winden wir uns durch mittlere, lange und gaanz lange Tunnel. Das Land großflächig ohne diese zu befahren ist unmöglich. Die Norweger sind Meister im Tunnelbau und meist gibt es keine Alternative zu ihnen, wie z.B. in der Schweiz, wo man ja teilweise auch Pässe fahren kann. Für sowas sind die norwegischen Berge zu schroff, steil, glatt, spitz und überhaupt. Flach geht gar nicht. Norweger tunneln lieber. Man hat den Eindruck, das immer wieder atemberaubende Land am Nordatlantik ist von Röhren durchzogen, ausgehöhlt, durchbuddelt wie ein reifer Schweizer Käse. Oder wie eine leckere Holzsorte von Termiten zerfressen. Gefühlte 300 km sind wir bestimmt schon durch moderne und weniger gut beleuchtete Röhren gefahren, teilweise sind sie gefährlich eng, oft jedoch ausreichend, ABER kaum geradeaus führend. Wir haben vom Süden auf dem Wege zum Polarkreis nicht mitgezählt, aber ca. 130 waren es bestimmt. Verwenden die Norweger beim Tunnelbauen eine ‚Engerling-Technik’? Bestimmt und das ganz heimlich, denn die Tunnel winden sich fast immer und haben durchaus auch mal 8-9 % Gefälle oder Steigung. Die ‚französische-Raupen-geradeaus-Technik’ wird jedenfalls kaum verwendet, schlicht ignoriert, das wäre zu einfach für die Nordmänner. Nun, sie haben ihre Engerling-Buddelmaschinen bestimmt gut in einem Berg versteckt, denn begegnet ist uns keine. Aber sie haben welche, da sind wir uns sicher!

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