Portugal, ab 01.05.2012

Die Welt ist ein Buch,
und wer nicht reist,
liest davon nicht eine einzige Seite.
Augustinus Aurelius, (354 - 430),
Bischof von Hippo,
Philosoph, Kirchenvater und Heiliger

(Karte)

Das relativ kleine, nur von Spanien und dem Meer umschlossene Land am westlichen Ende von Europa empfängt uns mit milden Sonnenstrahlen und einer (hier im Süden) noch freien Autobahn. Das Land der Seefahrer und des traurig-melancholischen Fado-Gesanges hat ca. 10,5 Millionen Einwohner und man kann die Uhr, mit deutscher Zeit, um eine Stunde zurückstellen. Der Name der Republik Portugal stammt aus dem lateinischen Portus Cale und bezieht sich aus Zeiten römischer Besiedlung auf den ‚warmen Hafen’ Porto. Sie bezeichnete im 7. und 8. Jahrhundert hauptsächlich die nördliche Region des heutigen portugiesischen Gebietes.

Wir waren durch einen kleinen Reiseführer auf einen kleinen Ort im Südosten, direkt am Meer gelegen, aufmerksam gemacht worden. Ein malerisch gelegenes, ruhiges Dörfchen mit dem Namen Cacela Velha. Ideal zum Entdecken, Schlendern, einige Impressionen einfangen und am örtlichen Parkplatz mit Blick auf Ort und Meer auch gleich zu Bleiben, wie ein Foto unseres ruhigen Stellplatzes zeigt. Wir bereiten ganz entspannt das Abendessen zu und unser Fahrzeug wird - wie so oft auf den letzen Kilometern - von Passanten, Reisenden, Kindern und vor allem ‚Wohnmobilisten’ aufmerksam bestaunt. Wir vermuten dies ist ein nicht so alltäglicher Anblick, hier im Südwesten der Iberischen Halbinsel, denn das sollte oft so weiter gehen.

Wir haben bis im Großraum Lissabon, erst ein ähnliches Fahrzeug unterwegs entdeckt (und freudig gegenseitig begrüßt!), obwohl wir wissen, dass es allein in Deutschland 2.000 bis 3.000 ähnliche Pickups mit Wohnkabinen gibt, und das sind nur die im Forum Angemeldeten bzw. Organisierten.

Die ersten Maitage an der Algarve, der herrlichen (Steil-) Küste im Süden des Landes, bieten sich uns noch in Aprilwettermanier. Sonne, Regen und warm und windig-kühles Wetter wechseln sich immer wieder ab. Ein Glück, das wir beim besuchen der ersten Stadt gutes Licht für einige Fotos haben und können TAVIRA, die heimliche Hauptstadt der östlichen Algarve, mit ihren engen Gassen, Kirchen und die alte Festung in Ruhe erkunden. Fischerboote werden flottgemacht, Netzte geflickt und in den Restaurants wird ein Gläschen Wein getrunken. Das Leben in Tavira läuft noch ruhig und ohne touristische Massenwanderungen ab, zumindest jetzt, in der Vorsaison.

Vor Albufeira bietet sich uns schon mal der erste Blick auf die dichte Vegetation der Steilküste.

Etwas im Inland der Algarve, liegt Silves am Rio Arade mit einer sehr schönen und sehenswerten Altstadt. Gekrönt wird die Stadt durch die gut erhaltene Festung Castelo dos Mouros, aus maurischer Zeit. Silves ist die älteste Stadt an der Algarve und war schon im 4. Jh. v.Chr. von Phöniziern und Karthagern besiedelt. Maurische Feldherren und Portugiesen eroberten im Wechsel immer wieder die Stadt/Burg. Danach war Silves eine Zeitlang in Spanischer Hand, bevor alles wieder an die portugiesischen Könige fiel. Eine bewegte Geschichte!

Wir wollten eigentlich auch das Museum einer Korkmanufaktur besichtigen, das in Silves liegt, mussten aber leider erfahren, das eine Besichtigung der alten Fabrik nicht (mehr?) möglich ist, schade.

Bei Valle De Covo sehen wir die ersten, typischen Steilküsten-Formationen, wie man sie von den Bildbänden und Reiseprospekten über die Algarve kennt. Am Leuchtturm von Rocha Brava finden wir einen schönen, ruhigen Stellplatz und sind wieder mal am Meer.

Die Algarve ist die südlichste Region Portugals und hat die meisten Sonnenstunden Europas. Die Küstenlinie der Algarve erstreckt sich 155 km von Ost nach West und 52 km von Süden nach Norden. Sandstein und Tonschiefer bilden die prächtigen rotgoldenen, gelben oder orangefarbenen Schattierungen, die diese steil abfallende Küste auf lange Distanz so ‚fotogen’ machen. Das türkisfarbene bis blaue Meer bringt den gelungenen Kontrast dazu, so auch an der Praia de Rocha, östlich von Lagos.

Immer einen Besuch wert ist die Hafenstadt Lagos mit dem Yachthafen und vor allem der verwinkelten und engen Altstadt. Letzteres ist nichts für Wohnmobile, LKWs oder Busse, aber zu Fuß gibt es an vielen Ecken neue Perspektiven zu entdecken. Man kann auch die vielen, verschiedenen Wandkacheln bestaunen, die unter anderen das Land so berühmt gemacht haben und die es in dieser Häufung und Vielfalt wohl nur hier gibt. Klöster, Kirchen, rustikale Kneipen und Geschäfte wechseln sich ab. Mosaikpflaster, Bürgerhäuser und Paläste an den engen Straßen und Gassen zeugen von bewegter Vergangenheit und deren Handel und Wohlstand in Portugals ‚besseren Zeiten’.

Ganz an der Südwestspitze liegt Sagres und etwas außerhalb davon ist die Festung mit ihren Kanonen und meterdicken Mauern. Dann ist es nicht mehr weit zum südwestlichsten Punkt des Europäischen Kontinentes, das Capo S. Vincente ragt auf steilen Klippen in den fast immer stürmischen Atlantik.

Durch einen von Zedern- und Eukalyptuswäldern bewachsenen Nationalpark führt uns der Weg weiter nach Norden. Beim Praia Porto de Carretas finden wir in Dünennähe einen legalen Platz zum übernachten und lernen rüstige Rentner aus FFB kennen. Wir genießen den Sonnenuntergang bei einem kleinen Gläschen Port.

Eine ganz spezielle Gegend im Herzen Portugals ist das Alentejo, ein Landstrich mit vorwiegend sanften Hügeln, Korkeichenwäldern, Olivenplantagen und den typischen, meist weißen Dörfern. Sie sind fast immer von einem Kastell, einer Burg, einem Schloss auf dem Berge oder einer geschichtsträchtigen Ruine geprägt. Wir haben, vorwiegend in der Gegend südlich der Hauptstadt eine Runde durch das Alentejo gemacht und uns zuerst Santiago Do Cacem angeschaut, nicht weit von der Küste. Es hat sich fast zu einer kleinen Tierschau in den engen Gassen der Stadt entwickelt, dann ging’s schon nach Beja.

Das schon bekanntere und etwas größere Beja verfügt über den (lt. ‚National Geographic’) höchsten ‚Bergfried’, also Burgturms, auf der gesamten iberischen Halbinsel. Dazu reichlich Geschichte, Kirchen, einem Kloster und eben die neu restaurierte Burganlage. Der interessierte Reisende hat dort sogar freien Zutritt. Keine Selbstverständlichkeit und ein Tipp für einen Familienbesuch in mittelalterlichen Mauern ohne Urlaubsbudget verschlingende Eintrittskosten. Diese schlagen nämlich auch im Lande Vasco Da Gama’s immer deftiger zu Buche. Besonders die Autobahnkosten in Portugal können einen kleinen Pickup schon kräftig aus dem (Hartgummi-)Latschen schmeißen!

Als kleinen Höhepunkt, dieses eher ruhigen Landstriches ‚Alentejo’, besuchten wir noch Evora. Nahezu die gesamte Altstadt, inmitten gewaltiger Mauern, ist zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden. Sie hat außer einem Tempel, (noch aus der Römerzeit!) auch reichlich maurische und christliche Geschichte in ihren alten Mauern mit mehreren schönen Kirchen und eine große Kathedrale zu bieten. Überall da (in Städten) sollte man sich einen Parkplatz außerhalb der historischen Mauern suchen, Innerhalb wird es abenteuerlich, verwinkelt und eng und es geht auf und ab, dies erfordert einen guten Orientierungssinn. Aber schön und ein wenig spannend, wenn man sich einfach treiben lässt, dazu die Stadt und ihre Ausstrahlung auf sich wirken lässt und vermeintlich versteckte Plätze auch ohne Reiseführer (mit erhobenen gelben Schirm und „Folgen sie mir“ - Schild) findet Lachend.

Ach so, und beim Stierkampf (Foto) waren wir natürlich nicht, dafür gibt’s von uns kein Verständnis, erst recht keine Unterstützung.

Wir fahren auf die Halbinsel bei der Hafenstadt Setubal und besuchen den sattgrünen Naturpark ‚Arrabida’. Eine kleine, wunderbar in die schroffe Steilküste gezimmerte Landstraße führt an einen wilden Küstenstreifen entlang und erinnert in seiner Streckenführung schon ein wenig an den gewagten Hwy.1 an der kalifornischen Pazifikküste. Hier fällt der steinige, steile Abhang natürlich in den Atlantik ab. Die Straße windet sich in engen Serpentinen durch die zerklüfteten Berge, bevor, zurück in der Ebene, fast alle Wege nordwärts nach Lissabon führen.

Die Hauptstadt an der Tejo-Bucht hat jetzt ca. 550.000 Einwohner, und wurde schon von den Phöniziern gegründet, war dann in römischer Hand und ist ab 1147 portugiesisch und damit in christlicher Herrschaft. Ein schweres Erdbeben hatte die blühende Stadt im Jahre 1755 nahezu vollkommen zerstört und erst ca.1900 ging es mit der Stadt wieder bergauf, allerdings sind viele der einst 800.000 Einwohner ins Umland gezogen, die Bausubstanz ist alt und marode.

Am nächsten Tage überqueren wir die beeindruckende, lange Vasco-da-Gama-Brücke und suchen uns am Benfica-Fußball-Stadion, mitten im Herzen der Hauptstadt, einen Parkplatz.

Wir besorgen uns noch eine Tageskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel. Man staune, dieses Ticket für ganz Lissabon kostet für 24 Stunden FÜNF Euro!! (Hallo München, Hallo MVV, preislich nicht noch weiter abheben und sich mal ein Beispiel nehmen!!) Damit kann man das weit verzweigte und nicht unerheblich große Transportsystem ausschöpfend nutzen. Wir haben so auch vieles mit der alten Tram machen können. Diese historische, quietschende und knarrende Bahn, ganz besonders die Nummer 28, bringt den Besucher an viele sehenswerte Plätze. Die Fahrt lohnt sich, denn die auf engsten Raum agierende Tram rauscht um Zentimeterbreite um enge Hausecken und nimmt sich in Einbahnstraßen immer das Recht des ‚Stärkeren’. Wehe dem Ahnungslosen, der da verkehrt in die Straßen hereinfährt, falsch parkt oder Platzangst hat. Die Linie 28 ist ein rumpelndes Tramerlebnis der ganz besonderen Art.

Eine andere Linie (15) kann man zum Besuch des Stadtteils Belem nutzen. Hier gibt es reichlich Museen, den ‚Torre de Belem’, Parks und auch das riesige Jeronimo-Kloster zu besuchen, genug Programm für uns und die bald heiß gelatschten Schuhe. Lissabon beeindruckt uns schon und das sonnige Frühlingswetter unterstützt natürlich auch dabei. Aus den Kneipen und Läden tönt der Fado-Gesang, alles wirkt ein wenig freundlich-altertümlich und die Stadt hat eine ganz eigene, besondere, einmalige Atmosphäre. Bei Fragen, kleinen Problemen mit z.B. Fahrkarten oder Wegbeschreibungen und der wirklich nicht einfachen portugiesischen Sprache, wird uns immer freundlich geholfen und das in bestem Englisch. Wir haben mehrfach den Eindruck, dass dies den Portugiesen deutlich leichter und einfacher fällt als den Nachbarn in Spanien. Das betrifft auch die Ansagen, Texte, Infos in öffentlichen Verkehrsmitteln, Hinweisschilder etc.

Portugal ist da unserer Meinung nach internationaler, eben toleranter.

Nur wenige Kilometer im Norden der Hauptstadt, umrahmt von Bergen, unweit vom Meer, liegt Sintra. Fast alles, was hierzulande Rang und Namen hatte und über das nötige Kleingeld verfügte, hat sich im Raum Sintra einen Palast, ein Schlösschen, einen opulenten Sommersitz bauen lassen. So ist über die Jahrhunderte viel Prunk und Kunst in die Hügel von Sintra getragen worden. Überall entdeckt man, inmitten von Parks, kleine und auch große, zinnenbesetzte Edelwohnsitze, Villen und burgähnliche Gebäude. Die portugiesischen Könige residierten hier genauso wie der Adel aus halb Europa.

Die architektonische Krönung ist sicher der Nationalpalast Pena, der weithin sichtbar die Landschaft Sintra’s bestimmt. Dieser wurde nach 1840, auf Weisung des portugiesischen Königs Ferdinand II von Wilhelm Ludwig v. Eschwege, auf den Ruinen eines Klosters errichtet. Auf dem Wege zum Palast kommt der Besucher durch weitläufige Gartenanlagen. Es ist eine große botanische Sammlung, die von weltweit verschiedenen Klimazonen hier zusammengetragen und angepflanzt wurde. Der Eintrittspreis für die ganze Angelegenheit bewegt sich dann doch hart an der Schmerzgrenze. Für das Geld könnte man auch zu zweit essen gehen oder für 3-4 Tage locker einkaufen. Aber den Pena-Nationalpalast, wie ihn die Portugiesen selbst stolz nennen, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Man vergleicht ihn ja (nicht ganz zu Unrecht) mit einem Märchenschloss, und die vielen Türmchen, bunten Dächer, verschachtelten Anbauten in allen Farben und architektonischen Stilen lassen einen schon die Augen übergehen.

Palacio da Pena kann man eigentlich nur kopfschüttelnd als überbordenden Kitsch einstufen (als unverbesserlicher Pessimist) – oder: sich einfach bewundernd und lächelnd auf Entdeckungstour begeben und den bunten, ‚positiv verrückten’ Zauber auf sich wirken lassen, wie wir. Mit anderen Worten: Man liebt oder hasst dieses knallbunte Teil in den Bergen. Schon von außen ist der Palacio Da Pena ein ‚Hingucker’ und innen rappelvoll mit Kostbarkeiten, Sammlungen, edlem Porzellan, Silber, Kunst, beeindruckenden Decken – und Wandarbeiten. Durchaus auch dem ähnlich, wie es König Ludwig von Bayern gerne gesehen und gemacht hätte.

Die größten baulichen Einflüsse und Materialien kommen denn auch aus Deutschland und Italien. Ein Baumeister aus Bayern hatte bedeutenden Einfluss auf den Palast. Ein ‚portugiesisches Neuschwanstein’ allemal, auch wenn es an das einmalige ‚Original’ in Schwangau nicht ganz herankommt, dafür ist es zu anders. Und mit ‚moderner Technik’ hat man damals auch experimentiert: Man sieht ein erstes Modell - einen einfachen Vorläufer - eines heutigen Kühlschrankes und eine sehr funktionale, riesige Küche, in der man fast gleich loslegen möchte, mit einer tollen Sammlung aus Kupferkesseln, Pfannen, Behältern aller Größen. Die Ausstellung der Pudding- und Kuchenformen ist herrlich. Die Rundum-Versorgung des Hofstaates war bestimmt gesichert, und ein heutiger Spitzenkoch wäre vermutlich begeistert von dem Arsenal, das man in dieser alten Küche findet. Da wünscht man sich wieder mal eine Zeitmaschine, oder zumindest die Möglichkeit, diesen Ort und die Ereignisse mal vor einigen 100 Jahren zu sehen.

Nervenaufreibender Nachteil von Sintra und Umgebung sind die extrem engen Gassen, die meist schon als Einbahnstraßen kopfsteingepflastert durch die Hügel führen und unser Gefährt kräftig durchschüttelten. Es ging manchmal um Zentimeter, die wir an Wänden und Brückenbögen lang schrammten. Ein ‚Zurück’ ist gar nicht möglich, denn meist hat man schon die „Verfolger“ im Nacken. Es musste rangiert werden, bis unsere Klamotten durchgeschwitzt waren und Esmeralda heiß war wie ein guter Pizzaofen beim ‚Italiener um die Ecke’.

Wir sind ohne größere Kratzer rausgekommen aus dem Labyrinth und weiter im Norden erst mal auf einen ruhigen, kleinen Zeltplatz gefahren. Wichtig war uns der WiFi-Zugang, Tommy’s Geburtstag feiern und uns online das verrückte DFB Pokalfinale anzusehen (nicht unbedingt in der Reihenfolge Zwinkernd), was für ein Spiel!! So einen Platz nutzt man natürlich, um ‚Wäscheberge’ zu bewältigen, Hausputz’ zu machen und das Fahrzeug und die Ausrüstung einer kleinen Inventur zu unterziehen. Wir merken wieder, wie relativ unabhängig wir sonst von solchen Plätzen sind, aber es ist auch schön und entspannend, alle Einrichtungen eines guten ‚Camps’ zu genießen.

Auf dem Wege nach Norden besuchen wir den wunderbaren, kleinen Ort Òbidos natürlich auch. Eine ganze Kleinstadt wird von einer dicken Mauer umrahmt und drinnen lohnt ein Streifzug durch das historische Portugal in Kleinformat. Man hat den Eindruck, dass die Bewohner wie in einem ‚Freilichtmuseum’ leben, aber geschäftlich ganz gut mit dem vermarkten ihrer Stadt und den Handwerkswaren um die Runden kommen.

Alles ist mit Blümchen geschmückt und urige Kneipen laden zum Einkehren ein, Andenken wechseln ihre Besitzer und machen sich meist auf den Weg nach Fernost.

Die Häuser, Fassaden und Mauern sind vorwiegend in den wichtigen Farben Weiß und leuchtenden Blau gehalten. Die ganze Stadt ist eher für Fußgänger gedacht und die wenigen Autos in Òbidos rumpeln durch die Gassen, als würden sie aus einer ganz anderen Welt/Zeit kommen, sie passen gar nicht dahin.

Die große, imposante Wallfahrtskirche von Batalha liegt auf dem weiteren Wege nach Norden und wir haben dieser Tage viele Pilger beobachten können, die auf dem Wege dorthin waren.

Von da aus war es gar nicht mehr weit in die ‚heimliche Hauptstadt’ des Landes, man sagt hier auch: „Was man in Porto erarbeitet, wird in Lissabon ausgegeben“. (Nur, allein so viel Portwein kann man dort gar nicht trinken!

In der City am Dourofluss leben ca. 216.000 Einwohner, aber der Ballungsraum umfasst dann schon 1,3 Millionen Menschen. Wir finden nach einiger Suche und Kartenstudium einen ganz ruhigen Stellplatz in der Nähe einer Klinik, sowie der Endstation der gelben Metro. Die 4 Hauptlinien der Metrozüge verkehren in Porto zu einem großen Teil oberhalb der Erde, da die Bausubstanz - die Berge und der Fluss - extreme Anforderungen an den Schachtbau stellen. So steil kann man dann aus Sicherheits– und Kostengründen auch nicht immer rein unterirdisch bauen. Aber man kommt mit der ‚Sub’ gut durch die außergewöhnlich gelegene Stadt, und die Tageskarte gibt es für 4,45 Euro!! Man kann ebenfalls Tram, Bus und sogar einen Steilaufzug nutzen.

Ab Mitte der Altstadt steigen wir eh’ aus und lassen uns durch die verwinkelten Gassen treiben, bestaunen die alten Paläste, verfallenen Häuser, alten Kneipen, den schönen Fliesen-Verzierten Hauptbahnhof und viele ehrwürdige Bauwerke, die Porto reichlich hat.

Wir merken aber auch, dass Porto an vielen Stellen dem Verfall entgegengeht. Die alten Häuser sind teilweise in einem gruselig schlechten Zustand, Stellenweise glaubt man schon, der Zahn der Zeit holt sich die mittelalterlichen Fassaden schneller zurück, als man nur ansatzweise restaurieren kann. Dafür ist auch in dem Maße gar kein Geld da, auch das ist offensichtlich. Soviel Geld kann gar nicht aus Brüssel kommen, wie allein in Porto gebraucht würde.

Leider ist das Wetter etwas trübe, was bessere Aufnahmen verhindert. In Porto wird gerade der ‚Mandela-Day’ gefeiert, und nach einigen Touren, bergauf, bergab, stehen wir unten am Douro.

Hier schlägt das touristische Herz der Stadt. Überall werben Kneipen um Gäste. Es geht über die berühmte, von einem Schüler Eiffels konstruierte Stahlbrücke und schon steht der staunende Reisende inmitten von dutzenden von Portweinkellern in Stadtteil Ville Nova de Gaia. Man hat die Qual der Wahl und falls der interessierte Vergärungstester nicht gleich beim bekannten Markführer ‚Sandeman’ landet, kann man schon weit durch Gaia schlendern. Überall berühmte Namen, Keller, Portweingeschäfte, Lagerhallen und es duftet nach alten Verließen, Gärung, Eichenholz und Trauben in allen Stufen der Reife. Ein ganzer Stadtbezirk steht im Dunst des schweren Weingetränkes.

Wir entscheiden uns am Ende für ‚Grahams’, die hier seit 1820 residieren und heute noch ein großes Familienunternehmen sind. Wir erwischen sogar eine ganz persönliche, deutsche Führung durch die ‚heiligen Hallen’ und dürfen 3 Sorten des edlen Getränkes kosten. Es ist zwar noch ein wenig früh für diesen Gaumenkitzel, aber was tut man nicht alles im Zeichen der Wissenschaft und Forschung. Lecker war’s!!

Der Weg zurück durch die Stadt geht sich fast von allein. Porto ist immer wieder einen Besuch wert.

Nach einem Ausflug in die grünen Berge kommt man nur unweit nördlich der Portmetropole in ein Kleinod des klassischen, mittelalterlichen Portugal: Guimarães.

Deutlich kleiner und überschaubarer als Porto oder Lissabon, hat der als ‚Wiege Portugals’ bezeichnete Ort einen der schönsten historischen Kerne der ganzen iberischen Halbinsel. Sollte jemand schon den Norden des Landes bereisen und sich für alte Städte begeistern: Dann Guimarães auf keinem Fall auslassen!

Die Stadt hat ihre Wurzeln im 10. Jahrhundert und ist ganz aktuell Europäische Kulturhauptstadt 2012. Es gibt bei der Info einen ganz neuen Stadtplan in Deutsch mit Erklärungen und Fotos, also kann man bestens auf eigene Faust losziehen und die Altstadt erkunden.

Wir waren auch im Palast der Herzöge von Bragança und in der Burg, die wie überall auf einem Hügel über dem Ort thront und immer gut besucht ist.

Nach einem schönen Tag in Guimarães ging es für uns über Braga und Viana de Castelo weiter nach Norden, bei Vila Nova de Cerveira verlassen wir Portugal und sind in der spanischen Provinz Galicien angekommen.

Das melancholische Land an westlichen Rande Europas hat uns gut gefallen. Es ist so anders als sein viel größerer, spanischer Nachbar. Wir hatten überall, wo wir Rat suchten oder nicht genau Das fanden, was wir suchten, freundlich und manchmal sogar ohne zu fragen, Hilfe bekommen. Auch die beiden großen Städte haben sich uns durchaus positiver und nicht so übereinander voll- und zugeparkt erschlossen als z.B. in Andalusien. Und: nicht nur die weltbekannte Algarve ist eine Reise wert in Portugal!

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Spanien 05/2012