Frankreich ab 26.05.2012

Die Reise gleicht einem Spiel,
es ist immer Gewinn und Verlust dabei.
Johann Wolfgang von Goethe, (1749 - 1832),
deutscher Dichter der Klassik,
Naturwissenschaftler und Staatsmann

(Karte)

Frankreich! Das Land ist schon ein größerer „Brocken“ und die Küstenlinie, vor allem im Nordwesten, ist besonders lang. Mit ca. 674 Mill. qkm ist France fast doppelt so groß wie Deutschland und unser Land ist ja auch nicht gerade klein. 81 Mill. Deutschen stehen (bzw. sitzen) 65 Mill. Franzosen gegenüber, das Mal noch zum Beginn unseres 2. Reiseberichts über die Republik zw. Ärmelkanal und Mittelmeer.

Auf nach Biarritz!

Wir hatten ja schon einiges von dem berühmten See- und Heilbad an der französischen Atlantikküste gehört. Dies war denn auch unser nächstes Ziel.

Nachdem wir wieder französischen Boden unter unseren Reifen hatten, merkten wir sofort eine deutliche Änderung der ortstypischen Umstände. Das ganze ‚Feeling’ ist in Frankreich deutlich anders. So ganz andere Fassadentypen, wieder sieht man die allgegenwärtigen Holzfensterläden in allen Farben (in Spanien ja eher weniger) und keine Fließen an den Häuserwänden mehr - wie in Portugal, dafür wieder viele Chausseebäume, also Alleen an den Landstraßen. Auch wieder viel mehr Angebote, Supermärkte in jeden Ort, dafür aber kaum mal Wasser an den Tankstellen zu finden, leider. Aber, Frankreich überrascht auch positiv mit sehr vielen Camping-Möglichkeiten, Park- und Picknickplätzen, Ausfahrten, Stellplätzen allgemein, beim Nachbar Spanien fast Fehlanzeige, dort sind sie leider nur sehr, sehr dünne vorhanden.

Angekommen in Biarritz, merken wir erst mal, dass der ganze Ort ‚tapeziert’ ist mit (wohl Hunderten!!) netten Schildern des Verbotes für WoMo-Parken. Der mondäne Ort ist außerdem voll von Boutiquen, Edelrestaurants, Schmuckläden und dem unvermeidbaren Casino. Nett, schee, ein kleines Monaco am Atlantik!! Nach rumkurven, suchen, finden wir ein ganzes Stück außerhalb doch wenigstens einen (!!) speziellen Stellplatz für Wohnmobile. Mit Stromanschlüssen, Wasser etc., immerhin. Und NUR dort darf der WoMobilist stehen, was soll’s.

Wir stellen wieder mal fest, dass wir ein vergleichsweise winziges Fahrzeug haben. Die fahrenden Ein- bis –Zweifamilienhäuser der Franzosen sind manchmal hart an den amerikanischen MobilHomes (Naja: fast). Wobei diese ‚Riesenschiffe’ für europäische Verhältnisse hier eher kaum zu Händeln wären, sie sind einfach zu gigantisch. Trotzdem schon unglaublich, was auch hier für Teile herumfahren und wie diese durch enge Orte und schmale Gassen kommen wollen. Wohl sind sie (Ortstechnisch) nur für ‚Außen rum’ gedacht, von ihren Geländeverhalten mal ganz abgesehen. Viele sind so tiefliegend konstruiert, dass sie sich schon an einem mittelschweren Maulwurfshügel oder Bumper den Auspuff verbiegen würden, ja merci! Und der Golden Retriever, das Moped und die Einbauküche müssen ja auch mit, am besten mit 2-3 Satellitenspiegeln auf dem Dach. Trotz allem: Tolle Teile.

Nach einem Rundgang durch Biarritz und einer Nacht auf dem ‚Spezialplatz’ sehen wir uns die Altstadt vom unweiten Bayonne an,…

dann geht es weiter an der Atlantikküste entlang zur größten Sanddüne Europas. Bei Pyla Sur Mer erhebt sie sich, ein Koloss von 115 Meter Höhe und über 2 Km Länge. Eine schon beeindruckende Laune der Natur, die diese Riesendüne(Dune Du Pyla) hier so aufgebaut hat. Man kann auch rauf auf diesen feinrießlichen Sandberg, und es geht steil in die Höhe, wie eine Pyramide erhebt sich der Sandberg.

Oben hat man aber einen wirklich schönen Blick über Sand-Inseln, weite Wald- und Graslandschaft und die nächsten Kilometer Küste. Wäre das ein toller Spielplatz gewesen, zu Kinderzeit - welch ein Sandkasten!

Grade beim absteigen muss man aufpassen, dass man nicht den Halt verliert und im heißen Sand einige Dutzend Loopings schlägt. Das überlassen wir lieber den Möwen und versierten Kunstfliegern. Oder amüsieren uns über die mitgebrachten Hunde, die hier beim Weg nach unten mit wehenden, schlabbernden Ohren lossprinten, streckenweise herrlich dabei auf dem Bauch rutschen und ihren tierischen Spaß dabei haben.

Weite Kiefernwälder ziehen sich an der flachen Küste entlang, überall Campingplätze und Bungalows - Städte für kurz- und Langzeiturlauber. Viele lassen gleich ihre Anhänger hier stehen. Diese überwintern dann am Meer und man reist nach dem Urlaub kompakt im PKW wieder in die Städte oder ländliche Provinz, nach Hause. Aquitanien, welches wir gerade durchqueren, liegt im Südwesten Frankreichs und macht einen relativ entspannten Eindruck, im Norden davon liegt die Großstadt Bordeaux.

Wieder sind wir von außerhalb mit der Tram in die Stadt gefahren, Bordeaux hat fast 240.00 Einwohner und dementsprechend regen Verkehr. Sie ist Hauptstadt von Aquitanien und Verwaltungssitz vom Arrondissement Bordeaux, das wiederum aus 33 Kantonen besteht.

Da können wir natürlich nicht vorbeifahren. Der Wein hat die Region weltberühmt gemacht und es gibt eine kompakte, gut erhaltene Altstadt zu besichtigen, welche uns aber auf Grund der überragenden ‚Vorschusslorbeeren’ ein wenig enttäuscht, aber es gibt sehr schöne Kirchen und Kathedralen zu sehen. Die Stadt liegt am Ufer der Garonne, und die erste Besiedlung geht auf keltische Kultur aus dem 3. Jahrhundert vor Christus zurück und hieß unter späterer, römischer Besetzung noch Burdigala.

Die Fassaden der wuchtigen Bürgerhäuser sehen sich alle sehr ähnlich, irgendwie fehlt Bordeaux das ‚Ganz Spezielle’, so finden wir. Eine Besonderheit der großen sakralen Bauwerke ist, dass die Türme der beiden ‚Hauptkirchen’ einzeln stehen, als baulich getrennt von Kirchenschiff, ein wirklich ungewohnter Anblick. Fast möchte man meinen, dass die Kirche damals im mittelalterlichen „Monopoly-Spiel“ die freie Parzelle zwischen den beeindruckenden Bauwerken aus geheimnisvollen Gründen nicht erwerben konnte und diese somit getrennt voneinander gebaut wurden. Aber das ist nur so ein Gedanke und nicht wirklich ernst gemeint. Denn wenn jemand zu dieser Zeit die wohl gewaltigste Macht und alle Möglichkeiten hatte, dann war es die Institution Kirche. Uns bleiben heute zumindest diese fantastischen Bauwerke erhalten, gerade in Frankreich findet man eine große Zahl von wunderbaren Kapellen, Kirchen, Klöstern, Kathedralen, Domen und Basilikas, wie an sonst kaum einem Platz/Land in der Welt.

Wenn man dann weiter nach Nordosten reist, kommt man in die Provinz Poitou-Charente. Man fährt durch hügelige Weinrebenlandschaften und kleine, enge Dörfchen. Vieles steht hier im Zeichen eines bestimmten französischen Exportschlagers: Cognac!

Man kann bereits vor Erreichen der Stadt, an den alten Häusern und kleinen Schlösschen oder Landsitzen Hinweise auf das hochprozentige Tun erkennen. Destilliergefäße und diverse technische Anlagen werden schon in den ‚Vororten’ werbewirksam dargestellt. Blaubrauner, alkoholhaltiger Dunst umweht in feinen Schlieren die Straßen der Stadt, Ziegenherden mit verdrehten Augen wanken durch die Gassen, Autos fahren Schlangenlinien, fast alle Schaufenster stehen im Zeichen der stark duftenden Produkte. Die Uhren am Kirchturm gehen verkehrt herum und die Kreisverkehre hier sind meistens oval. Überall hört man das Ploppen der frisch geöffneten Flaschenverschlüsse. Sogar auf den Straßenschildern steht ‚Sauf Bus’. (!!) Nein. Stopp! Spaß beiseite. Ganz so verrückt ist es dann doch nicht, hier in Cognac.

Im 17. Jahrhundert entwickelte man das Verfahren, aus ca. 10 Litern des relativ dünnen Weines der Umgebung 1 Liter ‚ordentlichen’ Branntwein zu machen, ein wenig später nahmen sich Einwanderer von den britischen Inseln (wie z.B. John Martell aus Jersey) der Sache an. Es wurde veredelt, probiert, geforscht (getestet), und so entstand über die Jahre und unter Mithilfe weiterer Prominenter Namensgeber wie dem irischen Soldaten Richard Hennessey oder dem schottischen Baron Otard der weltberühmte Weinbrand. Die obengenannten Namen sind zu Weltfirmen geworden und haben zusammen mit Remy Martin, Camus u.a. große Reifekeller und Küferwerkstätten im berühmten Städtchen mit dem großen Destilliergeschäft entstehen lassen. Sehenswert ist die Stadt Cognac auch noch, so haben wir diesen Umweg gerne gemacht und uns einiges dort angesehen.

Wieder an der Küste, kommen wir in das Land der extragroßen, zottigen Angorarouladen, die hier rechts und links der Straße herumliegen. Feldmäusen und Diplomlandwirten besser bekannt als die typisch nordamerikanischen, runden Strohballen, die auf den abgeernteten Feldern vor sich hin schlummern. Angora, weil diese hier wesentlich struppiger, buschiger aussehen als die weniger wild gestylten Modelle, z.B. bei uns in Deutschland.

Eines unserer nächsten Ziele war die Ile de Oleron. Vor der Westküste gelegen ist sie, nach Korsika, die zweitgrößte Insel Frankreichs und mit einer ca. 3,2 Kilometer langen Brücke mit dem Festland verbunden. Oleron ist ein gut besuchtes und bevorzugtes Urlaubsziel vieler Franzosen. Wir waren noch vor dem großen Ansturm auf der sehr flachen Insel, die höchste Erhebung ist grade mal 37 Meter hoch - also ein größerer Maulwurfshügel etwa, vor allem in Vergleich zu den korsischen Bergen. Auf Oleron ist vieles extrem eng und die Orte, die etwas abseits von Schuss liegen, haben so schmale Gässchen, das ein vorwärtskommen mit (selbst kleinen) Wohnmobil kaum noch ohne Schrammen zu machen ist. Und dann die Straßen-Bumper, die hinterhältig ‚Wegelagernd’ darauf warten, die eine oder andere Achse zu brechen, oder wenigstens den ansässigen Werkstätten ordentlich Umsatz zu machen. In manchen Orten ist man geneigt, eine mafiöse Verbindung zwischen dem Bauwütigen Bürgermeister und der Auto-Reparaturbranche zu vermuten. Oder rasen die Leute dort so hirnverbrannt, dass derartige grobschlächtige Beton-Rumpelbeulen in die ohnehin schon oft grottenschlechten Straßen eingelassen sind? Manchmal sind es ein halbes Dutzend oder mehr pro Ort (?!) die man nur im langsamsten Schritttempo passieren kann. Recht gut, dass sich dieser Blödsinn in Deutschland noch nicht durchgesetzt hat. Leider machen diese Bumper gerade Fahrzeugen wie unseren arg zu schaffen. Und zu schnell sind wir nun wirklich nicht!

Nachdem ein sehr von sich eingenommener Zeitgenosse mit einem Lieferwagen einen Ort total blockierte und uns, sowie alle folgenden Fahrzeuge, zum wenden in den Schmalstraßen zwang, reichte es dann und wir nahmen wieder Kurs auf das Festland.

Weiter nördlich, bei St. Nazire überqueren wir die Mündung der Loire auf einer modernen, geschwungenen Brückenkonstruktion und fahren in den regional sehr bekannten Badeort La Baule, der sich an dem breiten Sandstrand halbkreisförmig hinzieht. Es gibt dort reichlich feinste Boutiquen, Nobelläden und Restaurants der gehobenen Preisklasse, die Kugel Eis wird fast mit Gold aufgewogen.

Man sieht es auch überall den eher Schlossähnlichen Häusern an, dass hier in La Baule nicht die Unterschicht Frankreichs residiert, (fast) alles ist vom feinsten. Wirkt wie ein wenig künstlich arrangiert, ein ‚gelecktes’, von Parks durchwachsenes Legoland und man bekommt den Eindruck, hier eine Art ‚Sylt’ der französischen Nachbarn zu besuchen. La Baule wird ja auch in Reiseführern und Infos in einem Atemzug mit Biarritz im Baskenland genannt. Vieles hier wirkt wie eine perfekte Illusion, eine Filmkulisse, ein gallisches Beverly Hills. Nun ja, ein schöner Platz ist es zweifellos, und mal zum anschauen allemal zu empfehlen.

Dann ist nicht mehr weit und man überschreitet nach Norden die Grenze zur Bretagne, bretonisch ‚Breizh’ genannt. Eine sehr eigenständige Gegend und gleichzeitig die größte Halbinsel Frankreichs. Die Gallier nannten dieses Land ‚Aremorica’, was „Land am Meer“ bedeutet.

Der Atlantik ist so auch fast überall präsent, nirgends gibt es so viele zerklüftete Buchten, Caps und Fjordartige Einschnitte in der Republik France. Allein die bretonische Küstenlinie umfasst 2.700 Kilometer!! Die Häuser verzichten auf die großen Fensterläden (meist nur mehrfach klappbare Fensterläden) und sind meist aus wuchtigen, grauen Natursteinen gebaut und von Stil her eher englisch als französisch. Die englischen Kanalinseln und auch Wales ist ja auch nicht mehr so weit entfernt, denn Fähren verbinden einige Städte. Besonders hohe oder steile Berge gibt es nicht auf der Halbinsel, die höchste Erhebung ist gerade mal 384 m. Würden die Autos nicht rechts fahren, so könnte man fast meinen, sich in Old England oder Teilen Schottlands zu befinden. Die bretonische Sprache ähnelt eher dem gälischen als dem französischen. Die Ortschilder, Hinweise, auch Erklärungen sind häufig zweisprachig hier. Grüne Wiesen wechseln mit dicht bewaldeten Berglandschaften. Dann etwas tierisches:

Wir fuhren staunend durch die Region der Dalmatinerkühe. Wie, habt ihr noch nie gehört davon? Geschweige denn gesehen, denken wir. Die schmucken Hornochsen inklusive ihrer weiblichen Pendants haben hier auf den fetten, grünen Weiden des bretonischen Hügellandes manchmal ganz lustige Färbungen abbekommen. Nämlich die der 101fachen bekannteren Hunderasse (wie im Film!!) nicht ganz unähnlichen schwarzen Tupfer und Flecke auf der weisen Grundierung. Also keine großen Kuhflecken wie die Deutsche ‚DIN-Kuh’, sondern schon ein auffallend anderes Design. Ist doch mal was nettes, sozusagen ein landwirtschaftlicher ‚Hingucker’. Allerdings ist diese dalmatinisch gescheckte Rasse auch nur vereinzelt anzutreffen.

Auf Grund von flächendeckenden, länger anhaltenden Regen steuern wir als erstes Ziel eine der schönsten Städte der Bretagne an, welche schon um einiges im Westen liegt, Quimper. Es gibt natürlich deutlich mehr alte, interessante Städte zu besuchen, auf dem Wege nach Westen, aber alle können wir auch mit noch mehr Zeit nicht schaffen. Quimper hat ca. 63.000 Einwohner und ist wiederum Hauptstadt des Departements Finistere. Weithin sichtbar überragen die schönen Türme der Kathedrale Saint Corentin den Ort. Schon im Jahre 1240 begonnen, konnte sie erst 1856 vollendet werden. Eine kaum vorstellbare Bauzeit, über so viele Generationen! Benannt ist die Kathedrale nach dem ersten Bischoff der Stadt, St. Corentin. Umgeben wird die Kirche von einem historischen Altstadtkern, viel Fachwerkhäusern, die am Zusammenfluss von Jet, Steir und Odet errichtet wurde.

Im weiteren Verlauf unserer bretonischen Tour besuchen wir die Nordwestküste und das schön gelegene Hafenstädtchen Roscoff,…

sowie St. Pol de Leon …

und von Landerneau nach Lanmeur, wieder zur Küste nach Perros-Guirree und Paimpol.

Auf dem Wege weiter nach Osten kamen wir in das schön in einem Tal gelegene Morlaix. Dort konnten wir inmitten von stundenlangen, eigentlich tagelangen Regenschauern eine Sonnenphase nutzen und einige optische Eindrücke der Stadt eingefangen.

Bei weitgehendem Regenwetter ging es zur Küste der „Granite-Rose“, z.B. zum Pointe de Arcouest. Der Name bezeichnet die rötliche Färbung der Felsen, Riffe und Inseln, die in großer Zahl dort zu finden sind. Weiter an der „Cote de Goölo“ entlang sind wir erst zum Cap de Erguy und den schön in der Bucht gelegenen, gleichnamigen Fischerort.

Am Pointe de Arcouest kam es dann auch zu einer Begegnung mit den beiden Schweizern Gabi und Andreas, die mit ihrem Wohnkabinen-Pickup unterwegs sind und einem Erfahrungsaustausch über das Pickup-Reisen. Wir möchten uns noch für ihre freundliche „Einladung“ bedanken, denn der immer wieder aufkommende Regen hat uns in ihre Kabine ‚verschlagen’ und so wurde es noch eine interessante Gesprächsrunde zu viert, Wir hoffen, die beiden haben noch eine schöne und unfallfreie Tour vor sich.

Das noch weit bekanntere Kap im Nordosten der bretonischen Halbinsel ist Frehel. Dieses Kap ist auch geprägt durch einen imposanten Leuchtturm, bizarre Steilküste und viel weite, windzerzauste Natur. Es gibt in den Dünen vor dem Kap einen richtig großen, schön gelegenen, Campingplatz der Kommune Frehel mit moderaten Preisen, ausreichender Ausstattung und vielen Dutzenden von wildlebenden Hasen. Also war dies für 2 Tage unser Ausgangspunkt für Touren in die Küstenlandschaft. Heftige Regenschauer haben uns am ersten Tag weitestgehend an die Esmeralda gebunden. Tags darauf war es schon trockener, also auf zum Kap Frehel. Es stürmte wie verrückt, aber die Sicht war gut. Wir mussten nur aufpassen, dass wir nicht die Steilküste herunter geweht werden, bei diesen Windverhältnissen kann man kaum aufrecht gehen! (Und das nüchtern, liebe Freunde des Hopfensaftes).

Nur wenig weiter gab es dann ein weiteres Schmankerl zum ansehen - das immer noch in Privatbesitz befindliche Fort La Latte. Erbaut wurde die wirklich spektakulär gelegene Immobilie schon im 13.Jahrhundert von der einflussreichen Familie Goyon de Matignon. Vor allem nach Saint Malo fahrende Schiffe sollten mit den dort stationierten Kanonen vor Übergriffen englischer und holländischer Angreifer geschützt werden. Recht gut erhalten, ist La Latte heute einer der schönsten Felsenburgen an der bretonischen Küste.

Gar nicht mehr weit davon entfernt ist Saint Malo. Weltberühmt geworden ist St. Malo durch die Beutezüge des Korsaren Robert Surcouf, der (vielverfilmt) mit seinem Schiff ‚Renard/Fuchs’ auf Jagd ging. Im Jahre1590 wurde sogar eine eigene Republik ausgerufen, Saint Malo hatte bereits im 16. Jahrhundert seine Blütezeit erreicht. Die historische Altstadt liegt, hinter weitläufigen Hafenanlagen auf einer Halbinsel und ist in ihrer baulichen Gesamtheit wirklich sehenswert. Komplett von einer wuchtigen, begehbaren Stadtmauer umgeben, bietet die alte Kosarenstadt heute schöne Fotomotive. Es gibt überall enge, winkelige Gassen, kleine Kneipen und auch sehenswerte Kirchen (u.a. Kathedrale Saint-Vincent) und eine separate Festungsanlage zu erkunden. St. Malo ist aktuell eines der meistbesuchten Ziele in Frankreich überhaupt und man sollte am besten ‚draußen’, vor der Altstadt parken und den reichlichen Kilometer über den Hafendamm mit Schusters Rappen angehen: In unserem Falle hatte Petrus ein Einsehen und das tagelange Schütten hatte (vorübergehend) ein Ende.

Da wir ja ‚Esmi’ aus Gründen ihrer Größe und dem damit verbundenen Parkplatzproblemen oft schon mal einige Kilometer außerhalb der ‚normalen’ PKW-Plätze abstellen müssen, kommen am Ende eines langen Tages dann immer wieder erstaunlich viele Kilometer zusammen, die man so auf das alte Pflaster bringt und das eigentlich immer - bei jeder Stadtbesichtigung.

Aktuell wohnen in St. Malo ca. 47.000 Menschen und die Küste um die Stadt hat die größten Gezeitenunterschiede Europas mit bis zu 12 (!!) Meter zwischen Niedrig- und Hochwasser. Zur Nutzung dieser Kräfte ist auch das Gezeitenkraftwerk La Rance entstanden, über dessen Damm-Mauern wir vom Norden kommend, auch gefahren sind. La Rance war das erste kommerziell genutzte Gezeitenkraftwerk der Welt mit einer Leistung von ca. 240 Megawatt.

Auch ein wenig südlich von Saint Malo gibt es eine sehr schöne, alte Stadt zu besuchen - Dinan. Der kleine Umweg lohnt allemal, wenn man schon mal in der Bretagne ist und besonders gerne mittelalterliche Städte mit vielen Fachwerkhäusern mag. Diese gibt es in besonders hoher Konzentration in Dinan, außerdem die Kirche Saint Malo, ein Franziskanerkonvent sowie die Basilika Saint-Sauveur im Zentrum der schon im 11. Jahrhundert genannten Siedlung. Um die alten Mauern herum liegt natürlich eine moderne Kleinstadt mit Info, Ringstraße und den üblichen, reichlich vorhandenen Supermärkten. In der Nähe von Dinan hatten wir dann auch einen Zeltplatz mit Fernsehmöglichkeit gefunden und so das EM Spiel zwischen Deutschland und Portugal auf Riesenbildschirm sehen zu können.

Vom dortigen Taden kommend, ging die Reise weiter zu einem ganz besonderen Punkt im Meer. Der heilige Berg in den Gezeiten der nordfranzösischen Küste, Mount St. Michel! Wir sind in der Normandie angekommen. Wieder arrangierte der ‚Wetterman’ alle Graustufen von Regenwolken und so fast alle hohen Luftfeuchtigkeitsstufen in den nächsten Tagen. Wenigstens einige, wenige trockene Augenblicke gab es dann schon auf unserem Wege nach St. Michel. Das gesamte Konzept der Parkplätze ist von den ‚Verantwortlichen’ kürzlich überarbeitet worden. Wir hatten es schon geahnt in welche Richtung und hatten eine kleine Vorwarnung erhalten. Aber DAS hatten wir dann doch nicht so ganz erwartet:

Kilometerweit alles mehr oder weniger abgesperrt, ein Riesenparkplatz mit - für schlechtes Wetter - extrem weiten Wegen und Mondpreisen. WoMo’s kann man gleich 1,5 km weit am entferntesten Ende abstellen - zum Vorzugspreis von 12,50 Teuros’. Ja Merci!! Busse und sehr große WoMo‘s werden mit 55 (!!) Euro abkassiert. Wer’s schon vergessen hat – das sind 110 Mark oder 325 France, um ein Fahrzeug für einige, wenige Stunden abzustellen. Eine Goldgrube und, wie wir finden, unverschämte Abzocke. Was soll’s, wir lassen uns nicht mehr ärgern, wenigstens ist das Shuttle frei. Bei besserem Wetter braucht es das aber nicht. Wir aber bekommen in diesem ‚Modermulmklima’ langsam aber sicher Probleme unsere „Klam(m)otten“ immer wieder trocken zu kriegen und nehmen den Bus im Regen über die Dammkrone zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten der Normandie. Inmitten von (unter anderen) vielen Koreanern und Japanern mit bunten Schirmchen, weißen Handschuhchen und Gruppenarrangements geht es vorbei an vielen, bunten Touristenfallen immer nach oben, Richtung Abtei. Dutzende Restaurants und spezielle Souvenirläden buhlen um die Gunst der Gäste. Sogar PKW-Nummernschilder mit Tokyo und Yokohama-Motiven gibt es, in bunter Kombination mit normannischer Klassik a la Kloster und Mount Saint Michel.

Trotzdem sind der Berg und sein berühmtes Kloster beeindruckend und gehören zu den Plätzen, die wir schon lange mal besuchen wollten. Jetzt endlich hat es geklappt, wenn auch im normannischen Regenwetter. Der Berg im Meer ist ein ganz besonderer Platz und wenn abends die Flut kommt, wird Mount Saint Michel als Gesamtkunstwerk wieder vorübergehend zur Insel. Der Damm und die Straße bleiben aber (außer bei extremen Sturmfluten) oberhalb der Wasseroberfläche. Die Gezeiten sind auch hier heftig und hinterlassen bei Ebbe eine umfangreiche Salzlandschaft in dieser weitgehend flachen Bucht.

Kaum ein Ereignis hat den Lauf der Geschichte des 20. Jahrhunderts so verändert wie die Landung der Alliierten im Juni 1944 in der Normandie. Erstens liegt die Region eh’ auf unseren Wege und dann ist das auch so ein Ziel, das echt reizt. Schon bevor man an die Küste kommt, flattern überall amerikanische Flaggen und es gibt Hinweise, Denkmäler, kleine - auch private - Museen und Infocenter zur Geschichte der Alliirtenlandung. Boote, historische Waffen oder Bunker warten auf Besucher.

Wenn man dann am sehr breiten Strand ankommt, versucht man sich schon vage vorzustellen, was damals im Juni 1944 hier passiert ist, wirklich nachvollziehen kann man es kaum, in der heutigen, vergleichsweise entspannten Zeit. Wir sind am Omaha Beach angekommen, wo amerikanische Truppen im Rahmen der Operation ‚Neptun’ am 6. Juni 1944 begannen, hier zu landen. Auch über dieses umfangreiche Kapitel des zweiten Weltkrieges wurde viel geschrieben und gedreht und deshalb werden wir uns hier auf unserer Seite auf ein paar Bilder und Eindrücke beschränken. Weiter östlich gibt es ja noch einige, weitere Abschnitte, wo die Landungsaktion von britischen, amerikanischen, polnischen, kanadischen und französischen Truppen durchgeführt wurde. Sagenhafte 6.991 Schiffe sollen es gewesen sein, und ca. 200.000 Soldaten, die da den Ärmelkanal überquerten.

Auf dem weiteren Wege nach Nordosten wollten wir noch zur weißen Granitsteilküste bei und um Fecamp. Eine Natursehenswürdigkeit ersten Ranges und eine tolle Landschaft auch weiter im Inland, die uns leider mit viel Wasser von oben empfängt. Das Wetter wurde leider immer schlechter und so mussten wir ohne die erhofften, vielen, schönen Fotos dann leider Richtung belgische Grenze weiterziehen.

Frankreichs Nordwesten war für uns ‚Neuland’ und sehr sehenswert, aber im zweiten Teil leider mit zu deftig hoher Luftfeuchtigkeit gewürzt. Und das Tagelang (eigentlich fast 2 Wochen) mit einigen wenigen, trocken-sonnigen, auch stürmischen Atempausen, die wir so gut wie möglich genutzt haben. Es gibt für den Fall des einen oder anderen (noch nicht so ideal geschafften) Zieles die Option, eben mal wiederzukommen.

Wir fanden viele leckere Sachen in dem sehr reichlichen und dichten Netz von Supermärkten in Frankreich, aber leider kaum oder gar nicht (??) simples Trinkwasser an Tankstellen. Dafür aber viele Zeltplätze, überwiegend gute Straßen und nette Leute. Und: Frankreich ist ein eigenes, spezielles, sehr individuelles Universum’ in Europa.

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Belgien/Niederlande 06/2012