Indonesien – Java, ab 31.01.2012

„Eine lange Reise hört nicht am Ziel auf.
Ein Stück von uns wird im Geist immer weiterreisen.
© Andreas Bechstein

(Karte)

Der Inselstaat Indonesien hat 237 Millionen Einwohner und ist damit (nach EWZ) der viertgrößte Staat der Welt und eine Präsidialrepublik. Die komplette Fläche verteilt sich auf 17.508 Inseln in 3 verschiedenen Zeitzonen am Äquator entlang. Die Amtssprache ist indonesisch und die Währung heißt Rupiah.

Die Nationalflagge lässt sich leicht vorstellen, sie ist wie die polnische, nur auf den Kopf gestellt.

Die Hauptstadt Jakarta mit fast 9,6 Millionen Einwohnern liegt auf der Insel Java. Auf Java wiederum leben mehr als die Hälfte der Einwohner Indonesiens. Das Klima ist tropisch und immer von den vielen, verschiedenen Spielarten des Monsuns abhängig.

Unsere Flugverbindung ging erst mal von Saigon in das riesige Jakarta und wenn man keinen dringenden oder verwandtschaftlichen Grund hat, sollte man um die Riesenstadt, so wie wir, einen Bogen machen. Jakarta hat eine der extremsten Luftverschmutzungs-Quoten der Welt und Dauerstaus sind an der Tagesordnung. Das Stadtmonstrum ist zumal kein Billigpflaster und so sind wir am nächsten Tag gleich weitergeflogen, nach Yogyakarta, oder Yogya, wie sie dort fast jeder abkürzt, in Südjava.

Auch nicht gerade ein Städtchen. Mit über 3,1 Millionen Einwohnern ist Yogya eines der letzten Sultanate des Landes, Kulturzentrum und eine der besten Adressen für Batikstoffe. Um Yogya befinden sich einige der bedeutendsten sakralen Bauwerke der Welt und so waren vor allem das berühmte Borobudur und auch Prambanan ein wichtiges Ziel von unserer Reise. Und das schon sehr lange Zeit im Voraus.

Wenn man vom relativ kleinen Airport durch die Stadt fährt, merkt man die gewaltigen Ausdehnungen der unübersichtlichen und zergliederten Stadt. Sie wuchert ins fast Endlose und eine Orientierung ist für den Neuankömmling schwierig. Unser kleines Hotel mit Pool lag gar nicht weit vom Sultanspalast entfernt, in einem noch relativ ruhigen Stadtteil. Und das ist viel wert, wenn man im Gegensatz dazu in das Treiben des geschäftigen Zentrums ‚Marliboro’ geschossen wird. (Hallo Raucher, ja das Teil heißt echt so! Lächelnd)

Nach ein wenig akklimatisieren stand als erstes die Tempelstadt Prambanan auf dem Plan, als Nachmittags- bzw. Abendtour. Doch zuvor standen noch 2 weitere, allerdings weniger bekannte, Tempel auf der Tagesordnung.

Es ist Nebensaison, Monsunzeit und die Besucher halten sich mit (geschätzten) einigen Hundert in Grenzen. Das Wetter gestaltet sich, der Jahreszeit entsprechend, etwas feucht, aber die gewaltigen Tempeltürme haben natürlich auch bei trüberen Lichtverhältnissen ihre Ausstrahlung. Die Anlage ist recht groß und beherbergt Ausgrabungen mit laufenden Restaurierungsarbeiten (UNESCO!) und eine separate Teilanlage am anderen Ende des Parks

Man kann überall erkennen, dass die starken Erdbeben der letzten Zeit, besonders 2006, vieles hier zerstört haben. Überall liegen noch Trümmer verstreut, man versucht, in mühevoller Kleinarbeit, alles wieder zusammen zu puzzeln.

Die tektonischen Aktivitäten hier kommen von den Plattenverschiebungen. Java und die umliegenden Inseln liegen ja alle auf dem ‚Ring of Fire’, dem vulkanisch aktivsten Gebieten der Erde und Java hat die höchste Dichte an aktiven Vulkanen. Der ca. 2.700 Meter hohe Merapi im Norden hatte erst 2006 und 2010 wieder einen rauchenden Auftritt. So ist Yogya gleich von 3 gewaltigen Vulkankegeln umgeben von denen zwei tektonisch inaktiv sind. Aber ein gewaltiger Anblick. Der Merapi dagegen gehört zu den 5 aktivsten und gefährlichsten Vulkanen weltweit überhaupt, immer ist Vorsicht geboten.

Als kulturelles Kontrastprogramm haben wir uns natürlich auch den „Kraton“ genannten Sultanspalast angesehen, der mitten in Yogya liegt, oder vielleicht besser das, was man davon zu sehen bekommt. Nun hat man so seine Vorstellungen und als Vergleich den thailändischen Königspalast herbeizuziehen, wäre sicher ungerecht. Aber, was sich dem Besucher bietet, haute uns nicht ‚aus den Socken’: Wir hatten ja auch gar keine nötig in dieser tropischen Hitze von Yogya Zwinkernd, aber ein wenig enttäuschend war für uns der hochgelobte ‚Kraton’ schon. Alles ein ‚wenig’ schmuddelig, heruntergekommen, wenig gepflegt, viele Räume mit wenig oder gar keinem Licht, die (vorhandenen) Bilder fast schwarz. Alles, auch in den Vitrinen, mit einer imposanten Staubschicht bedeckt, machten die dargebotenen Exponate einen mufflig-dunklen und schalen Eindruck. Die Gebäude ohne viel Schmuck, wenig spektakulär. Sehenswert ja, ist man denn mal in Yogya. Nun, der ‚Kraton’ als solches ist die weite Reise allein sicher nicht wert, dies war unser Urteil.

Ein kleines Wasserschloss, nicht weit vom Palast entfernt, ist schon eher das Besuchen wert. Die Umgebung, die engen, verwinkelten Gassen mit viel Grün und einer gewissen Atmosphäre sind schon für einen Bummel gut, bevor den Reisenden unweit davon wieder der Krach der Großstadt einholt.

Wie schon eingangs erwähnt, ist das Zentrum ‚Marliboro’ von regen Treiben geprägt. Es ist eng, voll, hektisch, und man meint, dass sich die 3 Millionen Einwohner Yogyas’ alle hier treffen. Es ist eine Marktstraße mit Ständen, Läden, Luxusboutiquen, Rumpelwühltische und einem extrem tiefgekühltem Shoppingcenter mit amerikanischen Vorbild und –selbigen Fressketten. Man sollte (draußen) seine Habseligkeiten gut im Auge behalten, Rucksäcke auf die Vorderseite nehmen und sich im Blick behalten. Es ist sehr laut, stickig, heiß, aber trotz ebenfalls hunderttausenden von Mopeds hier in Indonesien keine solche Dauer-Huporgie wie in Vietnam.

Hat man schon einige asiatische Großstädte erlebt, so ist ‚Marliboro-City’ sicher eine Topadresse, wenn man sich mit ‚Tonnen’ von Batikerzeugnissen eindecken möchte, ansonsten aber kein Muss für den interessierten Globetrotter, einfach nur anstrengend und durchschnittlich. Dafür aber umso mehr sehenswert das folgende Highlight.

Noch viel schönere Bilder als in Prambanan gelangen uns 2 Tage später auf dem Hügel von Borobudur, 45 Kilometer außerhalb, nordwestlich von Yogya gelegen. Für uns geht’s schon mal vor 5 Uhr früh los, denn die zahlreichen Reisebusse kommen etwas später an und kippen ihre Ladung aus. Gleich nach Sonnenaufgang sind wir an der schön gelegenen Anlage angekommen und ein großer Park umschließt die zentrale Sehenswürdigkeit.

Die Wetterverhältnisse sind jetzt, gerade zur Monsunzeit so, dass morgens eine gute Wahrscheinlichkeit besteht, das Ganze im trockenen zu schaffen. Spätestens am Nachmittag kommen fette Regenwolken (wie auch schon zu unserer Zeit in Polynesien) und heftige Gewitter sind normal.

Stolze 135.000 indonesische Rupien werden mittlerweile als Eintritt verlangt und auch hier lässt die UNESCO grüßen. 15 US Dollar sind für Landesverhältnisse unglaublich viel und immerhin die Hälfte dessen müssen die Indonesier selbst zahlen, bei ihrem (!!) Einkommen schon eine ‚Menge Holz’.

Will man vor Sonnenaufgang den einzig möglichen, Luxushotel-Eingang in die Anlage nutzen, so werden dem Frühaufsteher sogar 320.000 Rupien abverlangt. Das ist in unseren Augen Abzocke, so wie die überspitzten 50 Dollar für die berühmte Grabstätte Taj-Mahal in Indien, aber das hier nur als Beispiel.

Borobudur ist eine der größten und vor allem schönsten wie eindrucksvollsten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Es wird geschätzt, dass die kolossale Pyramide um das Jahr 800 erbaut wurde und (wahrscheinlich) durch einen Ausbruch des Vulkans Merapi, ca. 300 Jahre später, sich das Machtzentrum nach Osten verlagerte. Der Merapi hatte mehrere Ausbrüche und vulkanische Asche bedeckte die einzigartige Kultstätte.

Es gibt auch so einige Gemeinsamkeiten mit Angkor in Kambodia, die Anlagen gerieten in Vergessenheit und wurden von tropischer Vegetation überwuchert.

Erst 1814 wurde Borobudur wiederentdeckt und im Jahr 1835, mangels finanzieller Mittel, nur teilweise freigelegt. Es dauerte noch viele Jahre, bis sie im alten Glanz wiederhergestellt werden konnte. Zwischen 1973 und 1984 wurde ein umfassendes Restaurierungsprogramm durchgeführt.

Auf quadratischer Basis, von 123 Metern Seitenlänge, türmen sich 9 Stockwerke, auf denen sich 72 glockenförmige Stupas befinden. Diese wiederum umrahmen die zentrale Hauptstupa (mit 11 Meter Durchmesser) auf dem Gipfel der Pyramide. In jeder der 72, teilweise offenen Stupas, befand sich einst eine Buddhafigur.

Aktuell sind nicht mehr alle komplett vorhanden, vielen fehlen aus ungeklärten Gründen die Köpfe. Einige wenige haben nur noch eine halbe Stupa um sich und ragen somit aus ihrer glockenförmigen Behausung.

Unglaubliche 55.000 Kubikmeter Gestein wurden für Borobudur verbaut, geschätzte 2 Millionen Quader aus feinkörnigem Andesit wurden dafür benötigt und vom Fluss Progo zur Baustelle geschleppt. Alles ist perfekt geometrisch ausgerichtet, jeder Platz, jedes Stockwerk, alles hat seine genaue Bedeutung.

Das alles gibt bei wolkenfreier Sicht einen phantastischen Blick auf die drei umliegenden Vulkane preis, den hochaktiven Merapi (2911m) und die nicht mehr aktiven Kegel des Merabu (3142m) und den nordwestlichen Sumbing Mtn. (3196m).

Eine wunderschöne Kulisse und ein spirituell wie auch landschaftlich einmaliger Platz, finden wir und sind echt begeistert von dieser Anlage. Mit dem Besuch von Borobudur beenden wir langsam unseren Aufenthalt in und um Yogyakarta und planen eine lange Autofahrt von Süden Java’s bis nach Malang, das in den Bergen von Ostjava eingebettet, fast 9 Autostunden entfernt liegt.

Nach einer Woche in der Batikmetropole Yogya wird es Zeit zum weiterziehen. Wir hatten uns, über unser Hotel, ein Fahrzeug mit Fahrer besorgt und am Montag, dem 6. Februar, morgens pünktlich um halb 8, war er da, der Herr Nuhr. Nein, nicht DER Dieter Nuhr, (aber der fährt auch viel in der Welt rum…Zwinkernd), sondern unser Fahrer Mr. Nuhr, oder Nur, wir er sich vorstellte.

Diese, von uns geplante Strecke, führt durch eine fast endlose Aneinanderreihung von Städten, Stadtteilen und geht stundenlang durch eben diese Urban Metropolitans, wie die Briten bereits ihr eigenes ‚Ruhrgebiet’ im Zentrum Old Englands genannt haben.

Nun hatten wir ‚früher’ mal gedacht, dass Java eine Insel voller satter Natur ist und von Grün nur so strotzt. Es war einmal…würden die Gebrüder Grimm jetzt grimmig erzählen. Dies trifft sicher für einige Regionen der großen Insel noch zu, aber auf unserer Strecke nach Ostjava reiht sich eine City an die Andere, alles ist bebaut und zubetoniert. Klar gibt es durch das feuchtheiße Klima viel Vegetation, aber auf den ersten 150-180 km sind wir durch kein einziges Stück ‚freie’ Natur gefahren. Alles wirkt wie ein ‚endloser‘ Ort - wie ein Flickenteppich – nur manchmal ländlicher, aber meist großstädtisch, so auch die Millionenstadt Solo.

Nach gefühlten 6 Stunden überqueren wir die Grenze nach Ostjava und endlich öffnet sich die Landschaft und lässt den Blick frei auf Gebirgszüge und Vulkankegel im Dunst der manchmal tiefliegenden Monsunwolken. Die letzten zwei Stunden schrauben wir uns die Serpentinen rauf und wieder runter, fahren durch teilweise dichten Regenwald und an den Straßen wachsen massig Jackfruits! Die großen, stacheligen Früchte sind ja eine Delikatesse für die Asiaten und schrecken die meisten Europäer durch ihren durchdringenden, etwas faulig-säuerlichen Geruch ab, schmecken aber gar nicht so verkehrt (Klar haben wir‘s probiert).

In Singapur sind Durians, die noch ‚stacheliger designet’ sind und noch stärkeren Geruch verströmen, sogar bei hoher Strafe in der Metro verboten. Überall warnen dort Schilder und verbieten den ‚Genuss’ der Stinkfrüchte, wie aber auch das kauen von Kaugummi unter Strafe steht (schlechtes Pflaster für lässige Cowboys). Das mal nebenbei für die Rubrik „Auch das gibt’s“! Die großen ‚Stachelgranaten’ müssen auf Grund ihres Gewichtes teilweise mit Stöcken an den Ästen abgestützt werden und werden überall an der Straße angeboten.

Und so braucht der Reisende für die eigentlich übersichtliche Strecke von geschätzten 350 Kilometern 9 (!!) volle Stunden bis nach Malang.

Malang ist eine große Universitätsstadt und ein überregionales Zentrum der Islamischen Hochschulen, von denen es in dieser Stadt wohl über ein Dutzend sind, und so gibt es natürlich überall viele Moscheen.

Malang erschien uns nach dem Studium der Karte als guter Ausgangspunkt für eine Tour in eines der interessantesten Vulkangebiete auf Ostjava, ganz speziell der Mt. Bromo mit seinem außergewöhnlichen Krater und auch die umliegenden Feuerspeier bilden eine einmalige Szenerie.

Die Tour wollten wir vom ‚Splendid Inn Hotel’ im Herzen von Malang aus organisieren und starten, aber manchmal kommt es halt auch alles anders. Diesmal hatte es Tom grippal frontal erwischt und einige Tage ans (Hotel-)Bett gefesselt, so dass da schon mal gar nichts ging. Auch nach einer Woche Zwangsstopp ging es noch nicht wirklich gut und so haben wir uns nach reiflicher Überlegung schweren Herzens entschlossen, die letzten Tage der ohnehin schon verkürzten Indonesien-Zeit noch auf Bali zu verbringen und mit ‚Wings-Airlines’ nach Denpasar durchzustarten. Eine Tour in die Berge hätte wieder 9-11 Stunden fahren mit Klimaanlagen bedeutet und das war in dem Augenblick einfach nicht drin. So wurden es leider nur einige Wartetage in Malang, nicht ohne jeden Tag/Nacht aller ca. 6 Stunden den Gesängen der Muezzins von den unzähligen Minaretten zu lauschen.

Mittlerweile ist auch im Islam längst die ‚Moderne’ ausgebrochen und man verstärkt die Aufrufe zum Gebet durch technisch hochgezüchtete Lautsprecheranlagen und Verstärker. Ein interessanter Sound, wenn von allen vorstellbaren Ecken, überall in der Stadt, diese verschiedenen Gesänge beginnen! Nachdem Einer begonnen hat, stimmen von wirklich allen Seiten die anderen Glaubensbrüder mit ein, versuchen sich gegenseitig zu überbieten, bis dann zum ‚Finale’ ringsum alles laut ertönt. Ein unglaubliches Spektakel.

Der außerhalb von Malang gelegene, kleine, aber internationale Airport macht einen recht modernen, neu gebauten Eindruck. Wenn man die vielen Staukilometer durch Malang gemeistert und brav die Steuer am Flughafen berappt hat, kann es mit einer Tochter der indonesischen Lion-Air schon losgehen. Komischerweise bedient die Staats-Airline Garuda nicht jede Strecke (zumindest wollte uns deren Website keine Buchung zulassen) und auch die Air Asia fliegt dort leider (noch) nicht. Aber die kleineren Turboprop-Maschinen der Wings-Air sind auch relativ günstig und erreichen Denpasar nach einer reichlichen Stunde Flug über die Strait of Bali.

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