Indonesien – Bali, ab 11.02.2012

„Eine lange Reise hört nicht am Ziel auf.
Ein Stück von uns wird im Geist immer weiterreisen.
© Andreas Bechstein

(Karte)

Wir werden im Bauch der Propellermaschine wieder ordnungsgemäß tiefgefroren, um dann in die dampfige Hitze der Balinesischen Hauptstadt entlassen zu werden. Ein Sprung vom Kühlhaus in die Sauna. Indonesien, gerade auch Bali, hat schon eine deutlich höhere, gefühlte Luftfeuchtigkeit als z.B. Thailand. Vietnam und vor allem Laos sind auf Grund ihrer Lage eh viel trockener.

Bali ist wohl bestimmt die bekannteste Insel des Indonesischen Archipels und Zentrum des Tourismus in der ganzen Region und das nicht nur für die aus aller Welt anreisenden Besucher, sondern auch für die Indonesier selbst. Denn von überall her kommen auch die Einheimischen, um auf der ‚Insel der Götter’ Urlaub zu machen oder Freunde und Verwandte zu besuchen. Ringsum auf Java wurden wir gefragt: „Und, wollt ihr auch nach Bali?“ „Wann geht’s denn nach Bali?“ etc.

3,9 Millionen Menschen leben auf Bali, die Insel ist alles andere als klein. Das vulkanisch entstandene Eiland erstreckt sich immerhin über 5.561 Quadratkilometer und ist ganze 95 km breit und 145 km lang hat. Das ‚Inselchen‘ ist im Süden flach und nördlich des zentral liegenden Ubud’s beginnen die weiten, imposanten Reisterassen. Im Norden liegen die Vulkane, wobei diese schon ca. drei Viertel der Insel einnehmen, unter anderen auch der mit 3.142 m hohe Gunung Agung, der höchste Berg Bali’s.

Erstaunlich ist, dass während Indonesien hauptsächlich islamisch geprägt ist, leben auf Bali 92% Hindus, 5,1% Moslems, 1,4% Christen und 0,6% Buddhisten. Überall gibt es Tempel und Pagoden in der ganz typisch Balinesischen Bauweise. Die Religion wird hier stark zelebriert, wie in kaum einem anderen Teil der Welt vergleichbar. Überall werden kleine Geschenke, Speisen und Räucherstäbchen jeden Tag neu auf die Straßen, Bürgersteige und Treppen gelegt und neu arrangiert. Man muss, besonders Abends/Nachts, immer aufpassen, dass man nicht auf diese Opfergaben tritt, die wirklich überall ‚herumliegen’ und in ihrer schieren Masse manchmal regelrecht zusammengekehrt werden müssen. Allerorts stecken frische Räucherstäbchen. Die typischen orangefarbenen oder schwarzen Steine der allgegenwärtigen sakralen Bauwerke, ob groß oder klein, prägen die bebauten Regionen ringsumher auf der Insel.

Wir hatten uns vorgenommen auf Bali nicht nur an einer Stelle zu bleiben, sondern uns mehrere Orte und ihre Umgebung anzuschauen. Am Anfang sind wir relativ zentral für 2 Tage in Kuta-Nähe geblieben, um unsere völlig aufgebrauchte Büchersammlung zu ‚erneuern’. Wir wussten (von unserer 2003er Bali-Tour), dass es dort viele Second-Hand Läden für Bücher gibt.

Dann haben wir mal ‚Nusa-Dua’ probiert, eine Halbinsel im Süden. Das kleine Resort, das wir im Internet gefunden hatten, war mit seinem, für Bali typischen, offenen Bad, Pool und viel grünen Garten ein kleines Juwel an Preis-Leistungsverhältnis.

Dieses steht nämlich inmitten von dutzenden Luxusbunkern, die den gegenüberliegenden Strand säumen und leider fast ganz für sich in Anspruch nehmen möchten. Man darf hier problemlos ‚bescheidene‘ 200-500, oder schon mal 700-1.200 Euro für eine Übernachtung hinlegen. Wir haben uns so eine Anlage auch mal genauer angeschaut. Mit gemischten Gefühlen, aber wer’s mag. Wenn’s schee macht, bitte.

Kilometerweit, dieser ‚Zauber’. Klar ‚darf’ man den Strand noch als Besucher betreten und benutzen, aber alles ist zugebaut. Die ‚Kleinen’ sind längst aufgekauft, enteignet und/oder wegkomplimentiert. Jedenfalls hier, auf Nusa Dua. Als Kontrast, auf der anderen Seite der Halbinsel wachsen Mangroven in den Uferzonen und es wohnen noch viele Einheimische in kleinen Häuschen oder Gehöften. Im kleinen Umfang wird Landwirtschaft betrieben, aber es gibt auch (leider) überall in dieser Gegend Müllkippen, verwahrloste Areale, Straßen und Wege ins ‚Nichts’ und viel Armut, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Um auch noch eine andere Region der Insel kennenzulernen, haben wir uns ein kleines Boutique-Hotel am südlichen Sanur-Beach ausgesucht, etwas abgelegen vom großen Trubel. Hier konnten wir dann feststellen, dass es tatsächlich auch noch einfache Strandregionen gibt, wo man kleine, einfache Kneipen findet, meist aus Holz, Bambus und mit Strohdach. Essensstände mit Satay-Spießchen und gegrillten Mais oder Wok-Gerichten luden ein zum verweilen. Ein gestrandeter Seelenverkäufer liegt verrostet draußen auf einer Sandbank und wartet aufs abwracken und zwischen den Monsun-Regenschauern kann man die Umgebung erkunden. Ein bisschen ‚altes’ Bali.

Weiter nördlich am Sanur-Beach, inmitten von wieder vielen kleinen Tempeln, war dann unsere letzte Station. Ein kleines Hotel im typischen, balinesischen Stil, mit vielen Pflanzen im Innenhof, Vogelkäfigen und wiedermal einem Bad unter ‚freien Himmel’ und in der Nähe einige Restaurants mit internationaler Abwechslung. Der Strand liegt an einem großen Riff, das sich kilometerweit vor der Küste draußen in einigen Hundert Metern hinzieht und so bei Ebbe leider nur 30-40 cm tiefes, lauwarmes Wasser zulässt. Das ist weniger, als man vom Balaton her kennt und der Boden ist allerdings voll von Steinen und Riffmaterial. Bei Flut sind es wenigstens ca. 1,20 Meter Wasserhöhe und man kann schwimmen, aber der Verschmutzungsgrad des Wassers trübt (im wahrsten Sinne des Wortes) den Spaß schon ein wenig. Nun ja.

Fazit:

Alles hat seine Schattenseiten wenn wir Bali und die Umstände betrachten. Wenn wir es vergleichen mit 2003 stellen wir schon eine, für diese relativ kurze Zeitspanne, spürbare Verschlechterung fest. Ein neuer großer und moderner Flughafen ist geplant und wird schon fleißig gebaut, denn die Passagier- und Touristenzahlen sollen verdoppelt und verdreifacht werden. Die ohnehin schon arg gebeutelte Infrastruktur platzt aus allen Nähten und die Straßen rund um das Zentrum Kuta, Legian und die Hauptstadt Denpasar sind jetzt schon hoffnungslos überlastet. Dauerstau mit viel zu vielen Fahrzeugen gibt es jetzt schon, an eine Entlastung ist kaum zu denken. Doch wo will man auch solche Entlastungen hin bauen, es fehlt am Platz und sicher auch an Geldern. Die Super-Luxus-Hotelanlagen werden fein Privat finanziert, aber die Versorgungs- und Verkehrslage doch bestimmt nicht. So wird wohl das tropische Paradies Bali bald (oder in 10-20 Jahren) an sich selber ersticken, wenn alles immer größer, mondäner und umfangreicher zubetoniert wird. Zumindest, wenn der internationale Tourismus weiter in diesem unglaublichen Maße wächst.

So bleibt für uns, die wir gerne auch hinter die Kulissen schauen, eine etwas getrübte ‚teils-teils-Begeisterung’ übrig, Quo Vadis, Bali?

Wir gehen bzw. fliegen jedenfalls weiter nach Phuket/Thailand….

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