18.11.2002 - 02.03.2003 Neuseeland

Die einzige Millionenstadt in Neuseeland begrüßt uns mit milden Frühlingswetter. Immigration, Zoll, Mietauto für (erst mal) 2-3 Tage und ab zum Manukau Top 10 Holiday Park und erst mal den Jetlag ausschlafen. Gelbe Seiten studieren und einige lokale Autoanbieter kontaktieren und gleich eine Rundfahrt durch Auckland. Einige Mietautofirmen und Stunden später hatten wir einen Vertag, der viel besser war als alles, was man von Europa aus buchen konnte (ACE Rentals). Durch die lange Mietzeit von über einem Vierteljahr konnten wir unser Auto (Klasse in etwa wie Mazda 626) auch mit auf die Südinsel nehmen und in Christchurch wieder abgeben. Wir mussten nicht die ganze Strecke incl. relativ teurer Fährpassage wieder zurückgurken. Das alles für ca. 20 Kiwi-Dollar (9,90 Euro) pro Tag incl. Versicherungen. Besser geht’s kaum und so rechnet sich der Langzeittrip schon nachvollziehbar besser. Wir besorgten uns noch Straßenkarten, einen Campingpass für Neuseelands 'Top 10 Holiday-Park'-Kette (für Rabatte), kauften in div. Baumärkten und Camp.-Ausrüstern unser Kochgeschirr und Haus-(oder besser Auto-) Stand für 1/4 Jahr und los ging es. Im Nachhinein konnten wir 70% unserer 'Einrichtung' sogar im darauffolgenden Halbjahr in Australien noch per Luftfracht mitnehmen und dort nutzen! Im Baumarkt noch Mückenschutz-Gage als Meterware besorgt und Insektenfenster gebastelt, nachdem uns die aggressiven Viecher die ersten Tage fast aufgefressen hatten.

Ziel 'Hoher Norden', es ging erst mal nach Rewa Beach und weiter in die sehr schön gelegenen Küstenstädtchen Mangawhai und Mangawhai Heads (mit einer atemberaubenden Wandertour auf dem Hausberg) an der Ostküste und weiter zu den Bay_of_Islands, eine der schönsten Regionen der Nordinsel. Eine gute Woche verbrachten wir dort in Paihia, dem kleinen Örtchen Russell und den umliegenden Naturparks.

Eine lohnende Tour führt uns zur ca. 60 km Westküste und den über 50 km langen Inlet bei Opononi oder Omapere und dem weitem Berg- und Grasland mit Farmen und riesigen Schafherden. Es gibt dort sagenhaft schön gelegene Zeltplätze in den Bergen mit Blick auf die Sounds und kleine, einsame Dörfer. Dann ging es weiter bis zum nördlichsten Punkt Neuseelands, zum Cap Reinga und dem westlichsten, dem Cap Maria Van Diemen.

Das Kap wurde vom Holländischen Seefahrer Abel Tasman nach der Frau von Antonio van Diemen (Maria van Diemen) seines Schirmherrn benannt.

Und von da oben haben die polynesischen Vorfahren der heutigen Maoris vor ca. 1000 Jahren das Land AOTEAROA "Das Land der langen, weißen Wolke" besiedelt. Heute findet man vor allem auf der sehr vulkanisch geprägten Nordinsel viele Ortsnamen mit Maoriklang, reichlich Siedlungen, Versammlungshäuser und Historische Dörfer mit den herrlichen Schnitzarbeiten der Ureinwohner.

Anders auf der teilweise Hochalpinen Südinsel, wo vor allem im Süden die Ortsnamen eher auf Schottischen, Irischen oder Englischen Ursprung hindeuten und auch weniger Zentren der Maoris zu finden sind. In diesem „hohen" Norden, und dennoch so weit im pazifischen Süden der Erde, waren wir dann auch am wirklichen Start unserer Neuseeland - und auch Weltreise angekommen. Es brauchte schon einige Wochen für uns, um zu begreifen, dass dies keine 'normale' Urlaubsreise war, wie so viele davor. Man realisiert, das man (erst mal) ein Jahr Zeit hat, für die selbst ausgesuchten Ziele. Einige der schönsten Orte, die man mit mehr Ruhe besuchen kann, und 14 Wochen für die grüne Doppelinsel der Kiwis, welch unglaubliche Vorstellung, welcher Traum wurde wahr. Viel Zeit für das 'Mittelerde' von Tolkien, dessen Bücher wir dort gerade aktuell lasen und der 2. Teil - der in NZ gedrehten "Lord of The Rings" - Saga - sollte in wenigen Wochen in die Kinos kommen. Wir haben auf unserer Tour einige der Schauplätze der großartigen Filme gesehen (alle wurden nach den Dreharbeiten wieder in den Ursprungszustand zurückgebracht), und auch andere Besucher des Landes können wohl bestätigen, das Peter Jackson kaum ein schöneres, aber auch spannend-spektakuläreres Flecken Landschaft für seine Story hätte finden können.

Nach einigen Tagen im Nordland und einem Besuch DER Weingegend der Nordinsel um Gisbourne und dem naheliegenden Te Urewera National Park - waren wir dann in Rotorua und dem nahem Lake Taupo gelandet, dem vulkanischen Zentrum des Nordens. Es gibt überall heiße Quellen und die Energie aus dem brodelnden Erdinneren wird zum Beispiel auch an der WAIKAKAI Geothermal Station genutzt.

Ein Tagesbesuch der 'Tokaanu Thermal Pools' im nahen Turangi und ein Tag im 'Taupo Hot Springs Health and Spa' waren für uns als Thermal-Bad-Fans natürlich obligatorisch. Ein Tipp zum Übernachten ist der 'Rotorua Thermal Holiday Park' - man zeltet zwischen siedenden Quellen und blubbernden Schlammlöchern und wird von den allgegenwärtigen Schwefeldämpfen schon mal leicht betäubt in den Schlaf gebeamt. Der Geruch nach Schwefel ist stellenweise so stark, das man an seiner eigenen Verdauung zweifelt, ein Nasen-Erlebnis, das 'Geruchskino' von Rotorua!

Der Höhepunkt der Nordinsel, der älteste Park Neuseelands und viertältester Nat. Park der Welt (seit 1887), UNESCO Weltkulturerbe, ist der Tongariro Nationalpark. Neben dem namensgebenden Vulkan Mt. Tongariro gibt es dort noch den Mt. Ngauruhoe und den Mt. Ruhapeu, alles noch sehr aktive Vulkane, die mit den umgebenden Bergseen ein einmaliges Panorama bilden. Nachdem wir auf unserer ersten Tour 1998 alle Vulkane mit einem Leichtmetallflieger von Taupo aus erkundet hatten (dieses 60-minütige Highlight war damals noch für ca. 90 NZ-Dollar pro Person zu haben), wollten wir dieses mal einiges zu Fuß erwandern und waren als Tagestour zum Lake Rotopounamu unterwegs. Eine Route durch schönen, unveränderten Naturwald, eine große Zahl an gefallenen Baumriesen, Wurzelgeflechte und deren Reste und viel unwegsame Pfade, wo wir manchmal gar nicht mehr sicher waren, ob wir noch auf dem richtige Weg waren. Eine der schönsten Panoramastraßen führt durch und rund um den Park, im Visitorcenter kann man sich über die vergangenen und momentanen Aktivitäten der Vulkane erkundigen, es gibt viel Bild -und Filmmaterial. Unvergessen der spektakuläre Ausbruch des Mt. Ruhapehu 1967, 1997 und 2007, als der Berg (2797m) Gesteinsbrocken und Rauch kilometerweit in den Himmel spuckte und 1997 auch für eine tagelange Sperrung des Internationalen Airports in Auckland sorgte.

Von der einen Vulkanregion in Zentrum der Nordinsel ging es zur Halbinsel mit dem optisch wohl schönsten Feuerberg. Bis dahin sind es nur 1-2 gemächliche Tagestouren, auch wenn man immer wieder für kleine Wanderungen im Pureora Scenic Forest hängen' bleibt. Die Halbinsel im Westen wird bestimmt von Mt. Egmont (2518m) und seinem gleichnamigen Nationalpark. Der nahezu perfekte und gleichmäßig runde, schneebedeckte Feuerspeier erinnert von seiner imposanten Form her an seinen großen Bruder, den Fuji in Japan. Es gibt neben der Küstenstadt New Plymouth

oder Stratford im Zentrum der Halbinsel

nur wenige, kleine Orte und bei unseren, manchmal abenteuerlichen, Übernachtungsplätzen bekamen wir nachts öfter Besuch von lärmenden Possums. Diese Viecherchen machen gewaltig Krawall bei ihren nächtlichen Beutezügen. Über klangvolle Namen wie Tauramanui geht es weiter nach Wanganui, wo wir die Weihnachtsfeiertage verbrachten und - ohne es vorher zu wissen - Zeuge eines der verrücktesten Motorsportereignisse der Südhalbkugel wurden. Die halbe Stadt war abgesperrt, also hatten wir Einheimischen am Camp gefragt, was da abgeht. Die sichtlich begeisterten Race-Fans erklärten uns dann, das immer um die Christmas-Time eines der gefährlichsten und verrücktesten Motorrad- und Beiwagen-Rennen gefahren wird und es gibt die meisten Unfälle, leider auch tödliche.

Von einer Außenkurve beobachteten wir das Spektakel, bis es zum Jahresende Richtung Hauptstadt nach Süden weiterging.

Da Wellington keinen passenden Zeltplatz hat, blieben wir am Camp Lower Hutt und auf einem schönen, ruhigen Stellplatz auf einem Klinikgelände des Örtchens Porirua. Man muss nur freundlich nachfragen, ein kleines Gespräch über das 'Woher und Wohin', schon hat der Reisende einen Platz im Stadtwald mit Security. Alles nahe Welly, die Silvesternacht geht dort recht ruhig ab, wie wir schon 1998 gemerkt hatten, kaum Feuerwerk, kaum Ballerei, (vielleicht aus Brandschutzgründen??). Die sehr schöne, historische Altstadt von Wellington ist fast ganz aus Holzhäusern gebaut und erinnert mit ihrem viktorianischen Baustil und der Lage an vielen Hügeln sofort an San Francisco. Nur eben 2 Nummern kleiner. Die Gefahr von Erdbeben besteht hier leider genau so wie in der Stadt an der kalifornischen Bay Area, denn 'Welly ' liegt direkt an 2!! kontinentalen Bruchstellen auf dem 'Ring Of Fire'. Aber gerade an diesen exponierten Stellen scheint es die Menschen hinzuziehen, wie es sich immer wieder (auch in Neapel) zeigt. Ein Besuch im TE PAPA National Museum war schon geplant, zumal dort ganz aktuell eine Sonderausstellung zum Film "Lord of the Rings" mit 1000den Original-Stücken gezeigt wurde. Und auch ganz vieles zur Filmtechnik, Daten und Fakten zu einer der größten Filmproduktionen überhaupt. (Eintritt!) Ansonsten ist das 'TE PAPA' absolut frei zu besichtigen und ein gigantischer Fundus an Neuseeländischer Geschichte und ein erstklassiges Naturkundemuseum.

Und wer noch Zeit hat, kann, wenn's Wetter passt, einen Besuch im Welly-Zoo machen, von der Lage und den weiten Gehegen her einer der schönsten Zoos überhaupt, den wir weltweit besucht haben. Er ist nicht riesig, aber fein, gepflegt und bequem vom Hafen oder Stadtzentrum zu Fuß zu erreichen.

Am Donnerstag, dem 2.1.2003, hieß es Abschied nehmen von der Nordinsel, mit unseren DrödelAuto auf den 'Interislander' fahren und mit der Riesenauto- und -Eisenbahn-Fähre durch die Cock Street nach Picton zur Südinsel zu schippern. Eine herrliche Schiffstour, durch den oft von kräftigen Stürmen gebeutelten Seeweg, ist immer ein Erlebnis für Augen und Magen(!) und führt durch die einmalige Landschaft des Marlborough Sounds Marine Park. Bei uns war es wieder recht ruhig und sonnig und JA, man kann die Reise auch als Nichtraucher ;-) antreten, siehe Namensgeber.

Nach ca. 3 Std. Fahrt auf dem riesigen "Interislander" kommt der neugierige Reisende im unspektakulären, kleinen Städtchen PICTON an, kann die Anlegeaktion bewundern und auch wie die Eisenbahn von der wackeligen Planke wieder auf festes Land fahren darf. Zig' Tonnen an PKW und LKWs kriechen aus dem Bauch der Fähre auf das Südland, 30 min später dürfen wir auch. Die Suche nach dem richtigen Zeltplatz nimmt einige Zeit des Tages in Anspruch, schließlich finden wir mit "Alexanders Camp" einen Platz mit viel Grün, sauberen Duschen, Grillstellen in einem etwas abseits gelegenen Tal. Ein großes Eisenbahnviadukt verspricht schon mal eine Geräuschkulisse, die auf fast keinem Kiwi Camp fehlen darf, entweder eine gut befahrene Straße, Flugzeuglärm - irgendwas ist immer. Egal.

Großes war geplant, wir haben Freunde aus Sachsen erwartet und die Vier an einen der nächsten Tage am Hafen abgeholt, man kommt ja in Wellington (oder Christchurch) an, denn Picton hat nun wirklich keinen Internationalen Airport. Unser Plan war, das wir mit Jörg, Steffen, Dirk und Andreas einen der großen Fernwanderwege Neuseelands gehen wollten, den ca. 75 km langen Queen Charlotte Track (QCT).

Da waren einige Vorbereitungen zu treffen - etwas Proviant einkaufen, Kartenmaterial besorgen und den Track offiziell anmelden. Der Wanderer kauft dafür ein Permit und meldet die Gruppe beim DOC (Department of Conservation) an. Die An- und Abfahrten mit dem Motorboot haben wir noch organisiert und am nächsten Tag ging’s los. Das Gute am Queen Charlotte Track ist, das man die Tour nicht vorbuchen muss wie z. B. den im Fjordland gelegenen "Milford Track" - der muss in der Regel viele Monate vorher gebucht werden und kann dann auch nicht mehr verschoben werden. Flexibel ist man dann gar nicht mehr und so was gefällt uns nicht.

Die Fahrt mit dem Wassertaxi raus zum Startpunkt ist schon ein Erlebnis und dann beginnt man die Tour mit einer kürzeren Etappe (zum 'einlaufen') von James Cock Point. Dort soll nach Überlieferungen, der Seefahrer damals zuerst an die Küste der Südinsel angekommen sein. Die zerklüfteten, bergigen Halbinseln ziehen sich weit in die Cock Street und bilden ein Gewirr von Inlets und Buchten und somit die spektakulären labyrinthartigen Marlborough Sounds. Der Wanderweg führt in 5-6 Etappen an Buchten entlang und über die Kammlagen der Küstenberge, meist durch dichten Wald und immer bergauf-bergab zu meist schön gelegenen DOC-Camps. Davon gibt es einige Bewirtschaftete mit einfachen Duschen und einem angeschlossenen Resort und (meist) einfache Plätze in den dichten Wäldern, ohne Service. Die letzteren gefielen uns besser, denn man konnte dann auch oben auf den Bergen bleiben, die Aussicht ist zu schön, um gleich wieder zur Küste abzusteigen. Man bringt alles mit und nimmt incl. Müll auch alles wieder mit zurück in die Orte. Man ist mit ca. 15 bis 20 kg Rucksack unterwegs und genießt die Natur.

Die nächsten Tage ginge es in Etappen von ca. 15-22 km quer durch die Marlborough Sounds & Hills. Einige Blasen an den Füßen später und mit einem mittelprächtigen Muskelkater in den Schultern, aber um schöne Wandererfahrungen reicher kamen wir Alle etwas geschafft am Samstag morgen am Ziel an. Alles in allem, mit Nebenstrecken, sind dann doch weit über 80 km Fußmarsch zusammengekommen.

Nächtliche Überfälle von Wekarallen (frech-vorwitzige Vögel) und deren Demontage einiger Verpackungen gehören genauso zum Programm, wie die lautstarken Besuche der Possums, die quiekend und fauchend auf die Zeltwände springen und dem fußmüden Wanderer oft wenig zum Schlaf kommen lassen. Die Beuteltiere, so niedlich und possierlich anzusehen, sind von den europäischen Seefahrern aus dem Aussielande kommend eingeschleppt worden und stellen jetzt für die Flora und Fauna Neuseelands eine ernstzunehmende Gefahr dar. Ganze Wälder werden kahlgefressen, die Viecher vermehren sich wie die berüchtigten Karnickel beim Nachbarn „Down Under“. Man muss bedenken, dass die Doppelinsel vor ihrer menschlichen Besiedlung nur von Vögeln bewohnt war, die dann auch keine ernstzunehmenden Feinde hatten. Das hat sich mit dem Einschleppen der Säugetiere leider geändert und der langschnabelige Nationalvogel und Namensgeber der Kiwi-Nation ist vom Aussterben bedroht. Kiwis in freier Wildbahn findet man auf den beiden Hauptinseln kaum noch, nur auf dem südlichen Stuart Island gibt es eine kleine geschützte Population, sonst muss man die nachtaktiven Vögel schon in Zoos oder KIWI-Häusern ansehen.

Zurück ging es wieder flott mit einem Motorboot, vollen Speed und reichlich Gischt in den Haaren. Die gelungene Tour auf dem QCT haben wir natürlich zünftig mit einer Grillparty am Alexandercamp gefeiert, bevor sich unsere Wege für einige Zeit wieder trennten.

Wir wollten unbedingt die Weinanbaugebiete um Blenheim besuchen. Einige der besten 'Tropfen' der südlichen Hemisphäre kommen von Neuseelands Südinsel. Am bekanntesten ist wohl der Name 'Montana' , die sich jetzt Brancott Estate nennen. Aber vor allem die Produkte der vielen, kleinen Weingüter sind lecker, diese haben meist nicht die Kapazität, um im großen Umfang nach Europa liefen zu können, so z.B. 'Nautilus', 'Highfield' oder 'Hunters'. Auf dem Wege zur Westküste hatten wir Glück und ein freundlicher Farmer, den wir eigentlich nur nach dem Wege fragten, stellte uns zum Campen sein Grundstück mit Weide zur Verfügung und wir verbrachten die milde Nacht zwischen beruhigend Gras rupfenden Alpakas, Schafen und einem Reh. Danke, Mr. Kevin Cooper!

In Neuseelands Bierhauptstadt Nelson trafen wir die vier Wanderer aus unserer Heimat nochmal auf ein gutes, dunkles 'Black Mac' und besichtigten die 'Mac' Brauerei. Anschließend durften wir, wegen strömenden Regens, in der Turnhalle eines Baptist-Camps schlafen, dessen Zeltplatz absolut überflutet war. Nur war die schöne, alt-ehrwürdige Turnhalle als Unterhaltungsprogramm so stark mit Mäusen versehen, dass wir im provisorisch aufgebauten Innenzelt in der Halle schliefen. Heringe konnte man sich sparen, die hätten sich auch nicht mit den Nagern vertragen. Die Ausstattung der kolonialen Küche allerdings machte das wieder gut und im tadellos funktionierenden, antiken Backofen konnten wir endlich wieder mal unseren Broccoli-Hackfleisch-Auflauf zelebrieren oder Brot backen. Die guten Zutaten zum Sauerteigbrot, welches der Reisende im Kiwi-Land wohl am schmerzlichsten vermisst, bekommt man in Neuseelands BinInn Läden, ein Riesentipp für Individualisten, die gerne selber kochen und alles zusammenstellen. Die in fast jeder mittleren und größeren Stadt ansässigen BinInn's sind in der Art von alten Kaufmannsläden bestückt und man kann alles in kleinen Dosen (oder Tüten, oder Flaschen) kaufen, alles zum abwiegen, abfüllen, nach Gewicht, sehr preiswert, frisch, passgenau. Von Teig über Gewürze, Süßes, Saures, Öle, alle Waren des täglichen und nichtalltäglichen Bedarfes. Eine Hammereinrichtung, bei uns in Germany längst von den Supermarktketten verdrängt. Wen's interessiert, hier der Link zu den Bin Inns.

Einer der schönsten Plätze der Südinsel ist der in Nordwesten gelegene Abel Tasman National Park mit subtropischen Regenwald, Felsen, weißen Stränden und viel abgeschiedener Natur. Klimatisch warm und angenehm, bevor es dann am Buller River zur wilden, zerklüfteten und sturmgepeitschten Westküste geht. Bei Punakeiki im Paparoa National Park kann man die Pancake Rocks

Bewundern und weiter südlich bei Greymouth den schön, in den Bergen, gelegenen Lake Brunner umwandern. Oder noch ein Stück weiter im Hinterland bei Hokitika im Naturpark am Lake Kaniere zelten. Meist waren wir stundenlang allein unterwegs, abends beim Lagerfeuer tauschten wir uns mit anderen Reisenden aus Kanada bis Südamerika aus.

Umso weiter es nach Süden geht, umso kälter und feuchter wird es, und schon waren wir in der Gletscherregion und im Westland National Park. Natürlich sind die beiden Gletscherzungen des riesigen Eisfeldes eine der Topattraktionen des Südlandes. Die Fox- und Franz-Joseph-Gletscher sind einmalig in ihrer Art und Lage, wachsen (!!) jährlich und sind sogenannte 'warme Gletscher' – sie fließen pro Tag ca. einen halben Meter.

Gewaltig viel. Die hohe Fließgeschwindigkeit ergibt sich z.T. aus der relativ hohen Temperatur des Felsgesteins darunter und aus dem vielem Wasser, das mit abfließt. Ein Novum, das sich beide Eiswalzen, aus ca. 3300m Höhe kommend, von Alpiner Region bis fast in einen gemäßigten Küstenwald, ganz nah am Südpazifik, schieben - ein seltenes Phänomen!

Von da ist es nicht mehr weit bis Haast Country, spätestens wenn man dort angekommen ist, wird man von Schwärmen von Moskitos und Sandfliegen empfangen. Die Überquerung des Haast Passes, der mit nur 563m niedrigsten Überquerung der Südalpen, ist leider oft mit Regenwolken verdeckt, so auch bei uns. Es gibt Brücken, Schluchten und Wasserfälle zu sehen, und der Reisende verlässt damit auch die raue Westküste. Mit etwas Glück (oder Pech fürs Auto) kann man dort die ersten KEAs beobachten. Der sehr intelligente, neugierige, grüne Papagei hat sich auf Gummis aus Scheibenwischern und Autoscheiben spezialisiert. Aber das blieb uns erspart. Es regnet im Fiordland 6000-8000 mm pro Jahr und es ist damit die zweit-niederschlagsreichste Region der Welt nach Patagonien/Südamerika. Das kann zum Problem von ausgedehnten Touren werden, entschädigt wird man freilich mit satten, gemäßigten Regenwald und z.B. Farnbäumen von beeindruckender Größe, das man sich ein wenig in die Zeit der Saurier zurückversetzt sieht. Hat man die Kammlage überquert und fährt ins Land der langen Bergseen, wird das Klima schon merklich trockener und angenehmer. Eine der schönsten Strecken und Landschaften, durch die wir überhaupt je gefahren sind, führt am Lake Wanaka und Lake Hwewa entlang, beide sind 42 und 35 km lang und liegen in von Gletschern geformten Tälern der Südalpen. Der 3. See im Bunde ist der Lake Wakatipu, mit 70km (!) der drittgrößte Binnensee NZs und bis zu 380m tief. Auch beim 2. mal blieb und fast die Luft weg angesichts der großartigen Landschaft, und am Lake Wakatipu kommt man dann nach Queenstown. DIE Outdoorcity dort, wo von Bungee-Jumping bis Jetbooting (u.v.mehr) alles für Adrenalinjunkies geboten wird.

Queenstown ist ein guter Ausgangspunkt für Touren in den Fiordland Nationalpark. Nach dem Studium der Wetterinfos hatten wir uns entschlossen, eine umfangreiche Tour zum zweitgrößten Fiord Neuseelands, dem Doubtful Sound zu buchen. Auch wenn die fast 200 NZ$ pro Person einen großen Krater in unsere Reisekasse gesprengt hatten, DAS mussten wir dann doch machen! Die Prognose war, das der folgende Tag einer der schönsten und trockensten der letzten Wochen werden sollte, und schon hatten wir abends, kurz vor Toresschluss, die letzten beiden Plätze ergattert. QT. hat reichlich Übernachtungsmöglichkeiten und einige richtig große Campingplätze. Will man zum Doubtful Sound, gibt es nur die Möglichkeit (lt. der Dame im Reisebüro), den Veranstalter REAL JOURNEYS zu buchen, das Unternehmen hatte zu dieser Zeit die einzige Option für ökologische Touren in diesen Teil des Nationalparks.

Nachdem ein Bus alle Gäste eingesammelt hatte ging's zum Westende des Lake Manapouri und dann erst mal mit dem Schiff über den See.

Wieder auf festen Boden kann man ein wirklich interessantes Wasserkraftwerk besichtigen. Der Bus wird unter Staunen aller Gäste millimetergenau durch eine enge Felsröhre gesteuert und wendet auch im Tunnel. Der Weg zum Ziel führt dann über einen Bergpass, den zu unterhalten Neuseelands Regierung, wegen der ständigen, extremen Niederschläge und Murenabgänge ,viel Geld kostet. Nach einigen, steilen Serpentinen abwärts kann man dann auf einen Katamaran umsteigen und es geht ca. 30 km durch den wirklich einzigartig schönen Doubtful Sound bis raus zur Mündung in den Südpazifik und vorbei an den von Robben bewohnten, kleinen Inselchen. Unterwegs begleiten Flaschennasen-Delphine spielend unser Schiff, der Himmel ist teilweise sogar frei, teils fallen Regentropfen.

Hier im feuchten Südland und nach Einschätzung unseres Kapitäns war es einer der deutlich besseren Tage vom Wetter her, na also! Alles in allem ein Riesen-Naturerlebnis und trotz der gepfefferten Preise ein klarer Tipp für alle, die bald mal dorthin kommen sollten. Mit etwas Glück begegnet ihr dort dem Busfahrer Mr. Rex, der wie Dustin Hoffmann's Zwillingsbruder aussieht und ein Topfahrer ist.

Unser weiterer Weg geht dann über Te Anau (ebenfalls wunderbarer See mit Tropfsteinhöhlen am Ufer und den berühmten Glühwürmchen) nach Invercargill ganz im Süden. Nicht nur als Schlechtwetter-Alternative ist der Besuch des Southland Museums einen Besuch wert, die größte Pyramide der Südlichen Hemisphäre beherbergt eine schöne Naturkunde-Ausstellung und einige lebende Tuataras, die kleinen 'Drachen' Neuseelands.

Der Weg nach Dunedin führt über Milton und die 'Catlins', ein dichter Küstenregenwald mit Wanderwegen. Wir sind die lohnende Tour zum Purakaunui Falls gegangen, die Gegend erinnert z.B. an die dichten Wälder des Olympic National Parks im Pazifischen Nordwesten der USA.

Dunedin als Hauptstadt der Provinz Otago ist die zweitgrößte Stadt der Südinsel und absolut sehenswert. Sowohl die Whisky-Destilleries, die Gebäude der University of Otago und das mondäne Larnach Castle auf einer Halbinsel waren uns einige Tage verweilen wert.

Dunedin macht einen irischen Eindruck, besonders sehenswert der Stadtteil 'Roslyn', der alte Bahnhof - und der 'Top-10' Zeltplatz im Kaikorai-Valley ist schön gelegen. Um 2003 hieß der Platz 'Aaron Lodge Motel & Holiday Park'.

Weiter nördlich das nächste Natur-Phänomen: DIE KUGELN !!

Schon länger gefreut hatten wir uns auf die 'Moeraki Boulders'. Durch geologische Aktivität entstandene, bis zu 2m große, runde Steinkugeln, die dort wie von Riesenhand gekollert am Strand liegen. Durch einen Kristallisierungsprozess von Calcium und Karbonaten vor ca. 65 Mill. Jahren gebildet und durch Erosion geformt, bilden die Riesen-Murmeln ein tolles Foto-Objekt.

Die Gegend weiter nördlich bis hoch nach Christchurch ist zur Küste recht flach, aber einige Stichstraßen führen zu den Osthängen der Südalpen und zu sturmgepeitschten Bergseen, eine weitestgehend einsame und dünnbesiedelte Gegend für Naturfreunde ohne großen Touristenströmen. Es gibt Stauseen, Naherholungsgebiete, viele weiträumige Zeltplätze, Platz für Angler, Kayakfahrer und 100te km Wanderwege. Alles sehr ruhig, man begegnet immer wieder freundlichen Kiwis, die spürbar stolz auf diese wirklich noch weite, unberührte Country sind, aber es gibt auch kontroverse Diskussionen über die Staudämme und die geplante Nutzung der weiten Flächen.

Einen wundervollen und sehr sehenswerten Platz, den wir zufällig entdeckten, war auf dieser Strecke nach Christchurch. Nicht nur für Geologen ein faszinierender Ort Vanished World in Duntron. Auf jeden Fall ein Platz für Fotografen (und reichlich Schafen....) mit unendlich vielen Motiven.

Nicht zu vergessen der Besuch im (für uns) schönsten Thermalbad-Komplex in Hanmer Springs, das nördlich der größten Stadt der Südinsel liegt.

Von Hanmer Springs aus kann man über den Lewis-Pass ein weiteres mal die Alpen spektakulär überqueren.

Von Christchurch ging’s dann wieder per Flieger zurück zum Ausgangspunkt Auckland und unsere letzte Woche, die wir für eine Rundfahrt zur Coromandel-Halbinsel nutzten. Wir konnten zwar den heißen Sand + Wasser an den 'Hot-Water-Beaches' probieren, aber ein Regentief machte die Halbinsel bald zu 'Land-Unter' und brachte die Küstenstraßen und unseren Zeltplatz zum zeitweisen "Totalabsaufen", ein letzter schöner Tag führte uns zu den schön, in den Bergen um Auckland, gelegenen Anlagen des Botanischen Gartens.

Bye Bye Neuseeland, hinter uns liegen unvergessliche 14 Wochen und knapp 12.000 km gefahrene, plus ca. 400 gewanderte Kilometer durch viele Grüne Landschaften und teilweise einsame Straßen, durch eines der schönsten Länder der Erde, ganz klar.

Neuseeland Anzahl in Landes-
währung
in Euro Durchschnitt
pro Tag
Übern. - Camping 47 765,70 NZD 392,00 Euro 8,30 Euro
Übern. - Motel/Hotel 7 184,00 NZD 94,20 Euro 13,50 Euro
Übern. kostenlos 51      
Mietwagen (Zeitraum) 105 unbek. unbek.  
Mietwagen KM 11.975 km     114 km
Mietwagen Benzin 850 Liter 914,00 NZD 470,00 Euro 5,50 Euro
Ferry Auto+2 Pers. 1x 283,00 NZD 145,00 Euro  
Flug Christchurch-Aukland 1x 2P 176,00 NZD 90,00 Euro  
Doubtful Sound 2 Pers. 1 Tag 380,00 NZD 195,00 Euro  
Internet + Telefon   170,00 NZD 87,00 Euro  
Gesamt 105 Tage 2872,70 NZD 1473,20 E 14,00 Euro



















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