23.12.2003 – 07.01.2004 Myanmar

Unser nächstes großes Ziel: Birma oder sein heutiger Name, Myanmar. Also auf nach Bangkok (BKK), zur Botschaft Birmas, Bürokratie, diverse Feiertage, Beamtenschikane, Urlaub derselben. Es dauerte einige Tage und Fahrten, bis wir das Visa im Pass hatten und besorgten uns einen Flug von BKK nach Rangun, der Hauptstadt Birmas. Geht grade mal eine Stunde und ehe man sich's versieht, ist man im alten British-Ostindien, was Myanmar früher auch mal war. Das gewaltige Land zieht sich von der nördl. Andamansee, zum 'Goldenen Dreieck' am Mekong bis nach Norden ans chinesische Riesenreich und die südlichen Ausläufer des Himalayas, es ist 2mal so groß wie Deutschland. Als kleines Geschenk war zu unserer Einreise am 23.12.2003 der 'Zwangsumtausch' abgeschafft worden und wir konnten uns die einheimischen KYATS (gesprochen Tschats) auf dem 'freien Markt' besorgen. Man bekam so ca. 1000 für einen Euro. Birma ist eine kulturelle Reise in einer Zeitmaschine, 100-200 Jahre zurück, eine eigene Welt, Buddhismus mit Militärregime (von dem wir zu dieser Zeit sehr wenig merkten), ganz einfaches Leben, traditionelles Essen, uralte Bräuche, Manufakturen und Straßenzustände mit viel Staub und museumsreifen Fahrzeugen. Unser wohl außergewöhnlichstes Weihnachten, also Heiligabend, verbrachten wir an einen lauen Abend in einen der bedeutendsten Buddhistischen Heiligtümer, der Schwedagon-Pagode in Rangun, einem der wahrscheinlich schönsten und reichsten Plätze in Asien.

Das Bauwerk ist übersät mit Gold und an den Spitzen der Stupas auch mit reichlich Edelsteinen. Eine berauschende Menge von goldenen Tempeln, Spitzen, Buddhas und Pagoden findet man überall im Lande. Von den Hügeln am Ayeyarwady-Fluss blinken einen von überall die goldenen Lichtreflexe der Stupas an.

Wir mieteten uns in Rangun ein und buchten uns einen Fahrer & Guide mit einem gepflegten, 20 Jahre alten Toyota-Klassiker. Am Abend besprachen wir die Tour und am nächsten Tag ging’s los, quer durchs Land (für 42 Dollar pro Tag komplett, inklusive der Fahrerversorgung, Hotel etc.).

Es wurde eine große Rundtour zu einigen kulturellen und landschaftlichen Perlen des Landes, begonnen in Bago.

Dann ging es weiter durch die weiten Teakwälder des Shan-Staats in die Bergregion nach Kalaw, dem (spaßeshalber) St. Moritz von Birma.

Kühles Klima und für birmesische Verhältnisse mondäne Häuser und Hotels, dazu eine eher nordindisch geprägte Küche, interessante Märkte und sehr guter Whisky im eher schottischen Stil waren die ersten Eindrücke in Kalaw und der Region.

Auch auf diesem Wege und sehenswert sind die Pintaya-Höhlen, ebenfalls in den Bergen gelegen. Hat man sich an die Dunkelheit und (Fuß-) Kühle der Höhle gewöhnt, erblickt der Reisende ca. 8.000 Buddhafiguren, die von teilweise namentlich genannten Stiftern aus aller Welt schon mit goldenen Plättchen beklebt worden sind.

Hauptziel im Shan-State ist der Inle-Lake, ein riesiger Binnensee und Mikrokosmos mit vielen Teakholztempeln, Wasserstraßen (wie im Lausitzer Spreewald), einer weitestgehend autarken Landwirtschaft und der Kultur der Shan.

Der Besuch in vielen, verschiedenen Manufakturen (Tabak, Weberei, Edelmetallschmieden u.v.a.) war eine kleine Zeitreise und nicht mit nervigen Verkaufszwang verbunden, rein informativ. Höhepunkte waren der Besuch des berühmten Katzentempels und der Klosterschule, alles tiefe und für uns fremdartige Eindrücke aus einem - (zwar nicht 'anderen Welt' - aber doch eines extrem) anderen Kulturkreis. Sehr unwirklich und beeindruckend, wenn man es mit unserer nüchtern-modernen, außerordentlich luxuriösen, westlichen Lebensweise vergleicht. Birma ist noch wie eine Insel im Wandel der weltweiten Globalisierung.

'The Road to Mandalay' , schon oft besungen, führte uns dann durch die 'Mountains of Birma' (von Midnight Oil) in die alte Hauptstadt.

Mandalay liegt im Zentrum von Birma, am Ayeyarwady -River und hat als zweitgrößte Stadt Birmas knapp 1 Mill. Einwohner. Hauptattraktionen sind die vielen, schönen Teakholz-Tempel in der Stadt,…

…die 729 weißen Stupas der Kuthadaw-Pagode und die längste Teakholzbrücke der Welt, die U-Bein Brücke bei Amarapura.

Und nicht zu vergessen, der schöne Tempel auf dem Mandalay Hill, von wo man dann den Sonnenuntergang beobachten kann. Schon war’s Silvester, und es ging weiter nach Bagan, für uns einer der Höhepunkte der Birma-Reise.

Tausende von Pagoden stehen auf dem Plateau am Ayeyarwady, viele begehbar, manche einige Stockwerke groß, manche klein und einfach, in vielen baulichen Variationen, rote Ziegel, weiße Steine, vergoldete und einfache Dächer. Viktor, unser Fahrer, hatte für uns nach einiger Suche wieder ein kleines Hotel gefunden, Doppelzimmer 15 Dollar, einige Stromausfälle zur Dämmerung inklusive. Das Ticket für Bagan (10 $ pro Person), wird wie alle Eintritte und Übernachtungen immer mit Devisen bezahlt, der Rest in der Landeswährung Kyat. 3 Tage waren wir in und um Bagan unterwegs.

Auch die Ortschaft Bagan selbst ist mit einer Mischung von mehreren klassischen buddhistischen Bauten und auch Khmer-Stilen (Stupas kambodianischen Ursprungs) ein Muss, wenn man gerade auf dieser Hochebene zu Gast ist. Man kann sich in der Vielfalt der vielen tausend Pagoden fast verlieren. Sind so auch mal 4 Uhr morgens aufgestanden und haben uns den Sonnenaufgang über den Bergen angesehen, das Spiel und den Wechsel der Farben in den frühen Morgenstunden. Nur kalt war’s, schließlich läuft das in den Pagoden alles ohne Schuhe und Strümpfe ab und diese Hochebene hat alles anderes als tropisches Klima.

Bunte Märkte, viele Ochsenwagen, das einfache Handelsleben der umherziehenden Bauern und Händler prägen das Bild genauso wie die goldenen Tempel überall.

Nicht zu vergessen ein Besuch am Mt. Popa, einem längst erloschenen Vulkankegel und einem daneben liegenden Berg mit imposanter Pagode auf der Spitze, es gab wieder tolle Fotomotive und eine Tour zum Heiligtum 'on the Hill'.

Nach einiger Diskussion mit Viktor sind wir dann doch noch recht weit in den Süden gefahren, in den Mon-Staat, der (lt. unseres Guides) erst kürzlich für den Tourismus freigegeben worden ist. Dort findet der interessierte Asienreisende eines der Hauptheiligtümer des Birmesischen Buddhismus, den 'Goldenen Felsen'. Man kann ihn eigentlich ohne große Übertreibung als nationalen Wallfahrtsort bezeichnen, angesichts der Bilder und Szenen, die sich dort am staubigen Berg abspielen.

10.000de Menschen kommen aus allen Teilen des Landes, um zum Gold-Felsen zu pilgern. Plastikboxen werden mit den Ersparten gefüllt und für Birmesische Verhältnisse kleine Vermögen für den Tempelbau und den verschiedenen Gottheiten gespendet. Größte Ehre ist es, ein oder mehrere Goldplättchen an den auf der Kippe liegenden Felsen zu kleben, der Stein leuchtet schon von weitem und ist mittlerweile über und über mit Gold bedeckt.

Aus religiösen Gründen dürfen dies nur Männer, also hatten Gunnar und ich, Tom, die Ehre, als Gastgeschenk und 'exotische, europäische Langnasen' den Felsen mit dem Edelmetall zu schmücken. Die ganze Anlage ist aber sehenswert und einen Besuch wirklich wert. Am Wegesrand hinauf bzw. hinunter werden die skurrilsten Beispiele für asiatische Medizin angeboten, ähnlich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Leider aber auch verbotene Relikte, Affenteile, Bärentatzen, getrocknete Körperteile und Innereien von allen möglichen Exoten, ein ängstlich kontrolliertes 'No Foto' mit eingeschlossen. Diese teilweise versteckten 'Läden' am Berg und auf dem Wege zum Goldfelsen muten regelrecht Voodoomäßig an, sind sicher illegal und wir hätten sowas dort irgendwie ganz und gar nicht erwartet.

Zurück in Rangun haben wir noch einiges in der Stadt angesehen, einige birmesische Bierchen getrunken, und uns mit den sehr interessierten, neugierigen Mönchen der zentral gelegenen Sule-Pagode unterhalten.

Leider ist das Land immer noch nach außen hin abgeschottet und es gibt kaum die Möglichkeit für Internet, Kommunikation, Reisen, etc. Kommt einem irgendwie bekannt vor, es war zwar in der DDR nicht soo krass, aber schlimm genug hatte ich es allemal empfunden mit dem Reiseverbot in über 90% aller Länder, damals. Auch die Studenten dort in Rangun möchten alles mögliche über Europa wissen und am liebsten wären wir noch stundenlang da geblieben und hätten diskutiert und erzählt.

Doch nach 2 ereignisreichen Wochen und über 2.000 Kilometern quer durchs Land ging unser Flieger der Myanmar Airlines zurück nach Thailand.

 

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