03.03.2003 – 29.07.2003 Australien

1995/96 waren wir bei unserer 1. Aussie-Tour in 'nur' 4-5 Wochen eine Riesenstrecke gefahren, wir dachten damals, das wir da wohl nie wieder hin kommen...und so macht man eben manchmal verrückte Sachen und übernimmt sich oft auch. Und fährt ca.10.000 km in reichlich 4 Wochen. So haben wir uns fest vorgenommen, diesmal gehen wir die Sache etwas anders an und nehmen uns ein halbes Jahr Zeit. Gehen die Tour viel ruhiger an und umrunden den Kontinent von Süden aus in Uhrzeigerrichtung.

Die Grundsatzfrage für das Fahrzeug, dass wir zu unserer Unabhängigkeit brauchen, war: Mieten oder Kaufen?
Mieten: Kann recht hohe Kosten bringen, und die Summe ist dann in jeden Falle weg, verbraucht. Man hat weniger Rennerei. Vorteile sind Service, andere Versicherungen, neuere (dachten wir ;-) Autos, etc.
Kaufen: Eigene Fahrzeuge sind dann immer selbst zu unterhalten, man sucht gebrauchtes, und am Ende ist die Wiederverkaufsfrage nicht immer geklärt, Verluste können dadurch hoch sein. Besonders, wenn der Händler den Zeitdruck zum Abflug in die Heimat oder zum nächsten Ziel eiskalt ausnutzt. Alles hat Vor- und Nachteile.

Ein glücklicher Umstand, dass wir im Vorfeld, bereits bei der Vorbereitung zu Hause, ein Unternehmen gefunden hatten, das sich auf die Begleitung von Motorradfahrern durchs australische Outback spezialisiert hat. Und auch Jeeps, Buschcamper, Station-Wagen als Langzeitmietobjekte anbietet. Und das zu sehr fairen Konditionen, Australienweit, für bis zu 1/2 Jahr. Wow!!

Car Connection Australia

So hatten wir uns schon im Herbst 2002 einen Landcruiser reservieren lassen.

In Melbourne wurden wir schon erwartet und von Rene von Car Connection abgeholt. Es ging ins ca. 1h entfernte Glenluce bei Castlemaine (Victoria), um unseren Toyota Landcruiser-"Panzerchen" in Empfang zu nehmen. Na ja, der Jüngste was es nicht mehr, mit 21 Jahren aber schon recht Outbackerfahren und nach Aussage vieler Aussies (fast) unverwüstlich. Die Rückbank wurde ausgebaut. Dadurch hatten 2 Therma-Rest-Matratzen genau Platz und auch unser nach und nach erworbener 'Hausstand'. Alles Geschäftliche wurde geregelt (am besten, man hat 2 verschiedene Kreditkarten dabei). Bis zur Fertigstellung am nächsten Tage waren wir in einem edlen, luxuriösen Bed & Breakfast untergebracht, wie vereinbart als Inclusiveleistung des Mietvertrages, zum Entspannen, Ankommen, Relaxen - ein super Einstieg. Für ca. 7000 Aussiedollar (ca. 3500 Euro) hatten wir das Panzerchen mit einer Versicherung australienweit zu unserer Verfügung, offroad Fahrten natürlich inklusive, was wir auch gut genutzt haben. Kleine Reparaturen gegen Rechnung waren selbst zu bezahlen, Geld gibt‘s dann, außer für Reifen und Scheiben, zurück. "Größere Sachen" werden vom Vermieter per Überweisung an die Werkstatt direkt per Kreditkarte bezahlt. Und eines vorneweg, das hat immer geklappt!

Das Abenteuer Australien konnte starten!!

Nach einigen interessanten Tagen in Victoria's Hauptstadt

verließen wir Melbourne in Richtung Westen. Bei Apollo Bay liegt der Otway National Park mit schönen Wanderwegen, gemäßigten Küstenregenwald und einer Koala-Kolonie.

Über Geelong

waren wir nach kurzer Zeit an einer der schönsten Küstenstraßen der Welt unterwegs: der Great Ocean Road.

Die steile Abbruchküste ist vor allem durch die '12 Apostel' bekannt geworden, ein Wahrzeichen von Down Under und mit ihren Naturbrücken und Inseln mal ein Top-Fotomotiv, auch wenn es nicht mehr 12 Felsen sind, die zu der Gruppe gehören.

Alles ist durch die starke Brandung in ständiger Veränderung begriffen. In den teilweise zugänglichen Höhlen unten am Wasser gibt es reichlich Fledermäuse, Gischt und einen Salzfilm auf Kleidung und Kameras. In Warnambool kann man gut einkaufen und das nächste Ziel im Bundesstaat Victoria ist der schöne Grampains National Park, der uns mit seinen verwitterten Sandsteinfelsen und Klettergärten stark an die Sächsische Schweiz in der Heimat erinnert. Man kann beim wandern Buschkänguruhs und viele Kakadus beobachten. Der Park hat exzellent gelegene Campsites und mit der Tour zum Aussichtspunkt „Hells Gap" durch den kleinen 'Grand Canyon' und die 'Pinnacles-Formation' eine unvergessliche Tour für uns geboten.

Weiter westlich verlässt man Victoria und es geht schon in den Bundesstaat South Australia, nach Adelaide und die umliegenden Weinanbaugebiete, allem voran das Barossa Valley.

Das Australiens größtes Weinanbaugebiet unweit von Adelaide liegt, hat sich ja unter den Weinkennern schon rumgesprochen. Die fruchtbare Gegend am und um das Barossa Valley ist auch landschaftlich sehr reizvoll, einige Tage Rebensaftstudium und Besuch ausgewählter Gärbetriebe waren für uns natürlich obligatorisch. Und da die stolz dargebotenen, geistigen Getränke oft durch frühe Öffnungszeiten, teilweise schon vor Mittags, zu probieren waren, haben wir in diesen Tagen nachmittags manchmal keine großen Strecken mehr bewältigt. Kleine und feine 'Winerys' standen auf dem Programm, aber auch echte Mammut-Firmen wie das Sudeten-stämmige Seppelt-Imperium, das nahezu Marktbeherrschend über einen riesigen Landsitz verfügt und auch Führungen in größeren Stil durch die kilometerweiten Gär- und Abfüllanlagen anbietet. So konnten wir als weit angereiste Traubenfans auch noch ein kurzes Gespräch mit dem Chef und Inhaber Mr. Seppelt führen, Kostprobe incl. Wow! Am tollsten waren aber meist die kleineren, persönlichen Weingüter. Am überraschendsten wohl der Zufallsbesuch bei Malcolm in der 'Gnadenfrei Wine Estate' - der bestens aufgelegte Besitzer wollte seinen Probierkeller gerade für das Tagesgeschäft schließen - da kamen wir. Als wir feststellten, das wir alle 3 (!!) aus dem Lausitzer Bergland stammen, (unser Gastgeber einige Generationen eher...) wurde der Verkaufsraum von innen zugemacht und wir probierten den spicy-erdigen Rebensaft und redeten mit dem Kellermeister über Deutschland, unsere Tour, australische Spezialitäten und und.und....

So fuhr unser Panzerchen an diesen Abend auch nicht mehr sehr weit durchs Südaustralische Land. Einen Platz zwischen den Weinbergen findet sich immer mal und einen Campingplatz braucht es nun wirklich nicht jeden Tag.

Adelaide selbst empfanden wir als verkehrstechnisch anstrengendste der australischen Großstädte, viele km Stau, wenig Park-Möglichkeiten und teilweise schlechte Ausschilderung waren die eine Seite. In der City gab es ausgerechnet zu unseren Besuch gewaltig Aufruhr und in einem Polizeieinsatz wurde eine Kundgebung gegen den Irakkrieg (der gerade am Beginnen war) niedergeritten und wenig zimperlich 'bearbeitet'. Ernste Bilder, und so hatte uns die politische Weltbühne am anderen Ende der Welt wieder mal eingeholt.

Weiter ging es nach Gawler im Norden Adelaides und nochmal in die Weinberge. Zu Besuch bei Jacobs Creek, Ross Estate, Stanley Brothers, Chateau Dorrien und Winecrest Wine Estate.

Unsere erste, größere Outback-Tour stand an, der Flinders Range National Park, ein Gebirgszug nordöstlich von Port Augusta, ca. 150 km Stichstraße ins rotblaue Nichts, mitten im Park ein schönes Visitorcenter und ein gepflegter Campingplatz.

Ein urzeitlich altes, stark verwittertes Gebirge mit Canyons (dort Gorges genannt), wilden Wasserläufen und uralten Rieseneukalypten (White Gums).

Nach einige Tagen Offroadfahrten und Wanderungen durch die bizarre Gegend hatten wir viele Emus und Buschkänguruhs, 1 Echidna und zahlreiche Echsen gesehen.

Dann hieß es Einkaufen in Port Augusta, Proviant und Reserven für die Tour nach Westaustralien (WA). Man könnte auf dem Wege nach Ceduna gleich quer den kürzesten Weg wählen, wir entschieden uns aber, der Eyre Peninsula nach Süden zu folgen, mit schönen Küstenstraßen, kleinen Naturparks und besorgten uns in Port Lincolm noch Ersatzkanister für Wasser und Diesel. Dann ging’s nach Nordwest und nach dem Städtchen Ceduna wieder auf der Hwy.1, an die Durchquerung einer der längsten und einsamsten Fernstraßen des Kontinents, durch den Nullarbor-Plain.

Wie der nette Name schon sagt, es gibt kaum oder gar keine Bäume, wenig Sträucher, Sand, Steine, aller 300-400 km ein Roadhaus, ca. 1200 km durch rotgraue Endlosigkeit. Irgendwann ist der verstaubte Reisende im Bundesstaat West Australia angekommen. Man darf die mit 90 Mi. (146km) längste, schnurgerade Straße Australiens fahren. Die Landschaft am Rande ist ein eigenartiges Deja Vu von scheinbar wiederkehrenden 'Filmsequenzen' - am westliche Ende der Strecke gibt es aber doch noch eine beeindruckende Steilküste und den Blick auf den Southern Ocean, der dort mit gefährlichen Unterströmungen (Warnschilder) aber nicht zum Baden einlädt.

Die Roadhäuser sind urwüchsig, wie 'im Film' mit (scheinbar) abenteuerlichen Typen besetzt, streunende Dingos und verstreute Tierleichen beherrschen die Szenerie drum rum. Wettergegerbte Farmergesichter und Truckdriver geben sich ein Stelldichein in Burger- und Steakbuden, Essen und Sprit kosten das 1,5 bis 2 fache, kleine Märkte führen das Notwendigste. Das Bier ist eiskalt und das Land so weit die Vorstellung reicht, und doch: ist man einmal durch diese unwirkliche Gegend gefahren, vergisst man sie nicht mehr. Bei Norseman, WA, gibt es wieder Bäume, und wir stehen über Nacht in einem riesigen Eukalyptuswald, werden von Riesenmoskitos angefallen, bis es weiter nach Esperance geht, die erste Kleinstadt nach langer Zeit.

Wieder an der Küste, endlich viel Grün, ein Camp, Duschen und der Cape LeGrand National Park ist zum erkunden, ein landschaftliches Szenario der Abwechslung nach langen Tagen Nullarbor. Den Park beherrschen schöne Felsen aus Granit- und Gneisgestein, der rote Sand und der blaue Himmel, dazu schaffen immergrüne Banksia-Sträucher für reichlich Fotomotive, es gibt Pisten durch die Berge und am Meer zu testen.

Es wird wieder sehr abwechslungsreich, Wüsten wechseln mit Gebirgen wie z.B. der Stirling Range National Park, wo wir auch mal eine Gewitterfront aussitzen konnten, kein Zeitdruck mehr, man ließt, schreibt, köchelt im Jeep und macht Tierbeobachtungen.

Die 'Stirlings' mit ihrer faszinierenden Outbacklandschaft, den sehr langsam wachsenden, dort typischen Grasbäumen, den Karribäumen und den vielen Beuteltieren haben uns gefallen - ein Natur-Tipp für alle, die auf dem Wege nach Perth den Landweg wählen. Viele Dänisch klingende Ortsnamen (Porungurup, Nanarup-Park)

wechseln auf dem Wege nach Albany. Im unweiten 'Valley of the Giants' kann man auf dem 'Tree Top Walk' in bis 30 bis 40 m Höhe (auf Metallbrücken) in den Wipfeln von Australiens ältesten Rieseneukalypten die Vogelwelt beobachten.

Was für ein Gegensatz zu den Tagen im Ein-Strauch-Kein-Strauch-Country. Dann stand auf dem Weg zum südwestlichsten Punkt des Kontinents noch ein Besuch des Mt. Frankland Nat. Parks an, die Wanderung auf den Mt. Frankland war obligatorisch.

Bei Sturm und Regen waren wir dann endlich da. Nach tagelanger Fahrt durch endlose Wälder standen wir am Cap Leeuwin.

Am Zusammentreffen von Südpazifik und Indischen Ozean gibt’s einen Leuchtturm zu bestaunen, die ganze Halbinsel ist eine von Höhlen durchzogene 'Limestone'-Landschaft, es gibt wieder viele Weingüter in und um Margaret River, alles sehr fruchtbar, ein sehenswertes, lebenswertes Fleckchen! Relaxen, Ölwechsel, kleine Reparaturen standen an.

Cape Naturaliste Nat. Park, Bunbury, Kleinstadt-Feeling, erledigen von Emails in der örtlichen Bibliothek, dann Kurs Nord, und schon bald ist man in Perth. Die 'abgelegenste' Millionenstadt der Welt am Swan River, Hauptstadt von WA. Wir schreiben den 10.4.03 und sind mittlerweile über einen Monat in Down Under.

Fremantle, eine Vorstadt von Perth, liegt am Meer. Perth, die Millionenstadt aber etwas im Inland, und so wollten wir unser Panzerchen mal stehen lassen und mit der "Transperth" hinreisen, um dann den Rückweg mit dem Schiff auf dem Swan River zu fahren. Geplant, getan. Auf der Exkursion durch Perth konnten wir feststellen, dass die öffentlichen Buslinien in der Innenstadt, CATs genannt, komplett gratis zu benutzen sind, wow! - da kann sich München mit dem MVV und den ständig steigenden Kosten mal ein Beispiel nehmen. Perth macht einen entspannten Eindruck, eine moderne Innenstadt, alt und neu gemischt. Wir nutzten die "Cats" um einige Runden durch die Teile Northbridge und Murray & Hay Street Mall zu kurven und besuchten die Millennium Bell am Swan River und Märkte und Parks.

Nördlich von Perth liegt das Swan Valley, die Midlands - wieder eine Weingegend. Wir konnten natürlich bei 'Lancaster Wines', 'Henley Park Winery' oder 'Edgecombe Brothers.' nicht vorbeifahren, besuchten die Duckstein Brewery mit herrlichen Biergarten und probierten da das vortreffliche Kristallweizen. Ebenfalls in diesen Swan-Valley-Tagen stand die Margaret Chocolate Factory auf dem Programm, um dann den Tag bei Swan Valley Wines und 'Lamots Wines' ausklingen zu lassen. Die Australier machen wirklich einen exzellenten Wein und müssen sich längst nicht mehr hinter den führenden europäischen Wein-Nationen verstecken.

Besucher von Westaustralien sollten nicht am Yanchep National Park vorbei fahren, der im Norden Perth's gelegen, eine schöne Alternative zur Küste ist, es gibt auch eine Koala-Gruppe zu sehen.

Top Natur- und Foto-Highlight ist natürlich der NAMBURG NATIONAL PARK, mit seinen Pinnacles genannten Felsformationen in Sand, gar nicht weit von der Küste des indischen Ozeans. Man sollte zeitig aufstehen, um die besten Lichtverhältnisse für die verwitterten Felsen zu bekommen, oder bis zur Abendsonne warten. Nachts muss man leider den Park verlassen. So hatten wir an einem verlassenen, schönen Platz am Meer campiert und unseren Landcruiser gleich morgens darauf durch die Sanddünen des Parks bugsiert. Was für ein Tag, darauf hatte Tomy lange gewartet, 1000de Motive, Superwetter und einer der ausgefallensten Naturparks im gesamten Aussieland.

Weiter ging’s nach Norden in Richtung Tropen, es wurde immer heißer, und bald waren wir in Shark Bay. Besuchten bei Hamelin Pool die wahrscheinlich ältesten Lebewesen der Erde, lebende Fossilien im Wasser, die Stromatolithen. Laut Info gibt es sie hier seit ca. 2-3,5 Mrd. Jahren zwischen malerischen Stränden und Landengen am warmen Wasser des indischen Ozeans. (Natürlich kann man auch im Wikipedia drüber nachlesen).

Wieder ein toller Höhepunkt ist der 'Francois Peron Meeresnationalpark' - besser bekannt unter "Monkey Mia", Bottlenoose-Delphine kommen an diesen Punkt bis nahe ans Ufer, man steht im Wasser und sollte die Tiere aus hygienischen/gesundheitlichen Gründen nicht berühren, eigentlich klare Sache, schon zu IHREM Schutz.

Und so kann man bei 40 Grad auch seine Ostern verbringen, z.B. im westaustralischen Obstanbaugebiet um Carnarvon oder der Besuch des 300 Tonnen schweren Riesen-Parabolspiegels O.T.C. (29,6m Durchmesser) der NASA, heute technisches Museum.

Am Montag, dem 21.4.03 war es dann soweit, und wir überquerten die imaginäre Grenze zu den Tropen, dem Wendekreis des Steinbocks nach Norden, zwischen Carnarvon und Exmouth. Willkommen im Cape Range National Park und mit dem Ningaloo Reef zweitgrößten Korallenriff nach dem Great Barrier Reef im Osten des Landes.

Von unseren Ausgangspunkt Exmouth aus waren wir dann auch mit "Ningaloo Ecologic Cruises" unterwegs. Eine Glasboden-Bootstour am ca. 60 km langen Riff war genauso incl., wie der Besuch einer Vogelinsel und Schnorcheln, im 24 Grad Celsius warmen Wasser, sowie ein Besuch des Leuchtturms am Cap.

Unsere weiteren Pläne waren, uns auch mit den wirklich spektakulären Canyons des Cape Range National Parks zu beschäftigen. Alles in und um Exmouth ist auf das Riff ausgelegt und es wird reichlich Trubel veranstaltet und viele Unternehmungen angeboten. Unter anderen auch die Möglichkeit 'mit Walhaien zu schwimmen', die dort mit recht hoher Wahrscheinlichkeit beobachtet werden können. Allerdings war die angebotene Aktion mit ca. 600 (!!!) Aussie Dollar beziffert und sicher einmalig und lohnend, aber für Langzeitreisende wie uns, eine zu extreme Sache, um für einige Stunden so viel Geld auszugeben die wir evtl. für 2-3 Wochen unterwegs brauchen. Danke. Nun hatten wir im Visitorcenter des Parks einiges über die Canyons entdeckt. Die Fotos haben uns neugierig gemacht und einen Jeep hatten wir eh, also los zum Shothole- und Charles Knife -Canyon. Die Erlebnisse des Tages überstiegen bei weitem unsere Erwartungen und wir waren begeistert von den Farben und Formen der Schluchtenlandschaft unweit der Küste. Die rotbraunen Felsformationen erinnerten uns stark an die Canyonlands in Utah. Auch wenn wir uns mit unserem Panzerchen durch mörderische Hitze und Staub gegraben haben und der Tag durch Wanderungen in ca. 45 Grad etwas schlauchte, waren die Eindrücke überwältigend. So eine Kontrastlandschaft, im sonst recht einseitigen Busch, erwartet man nicht und ist unser Tipp für alle Besucher der Tropischen Küsten Westaustraliens, dieser schöne und bizarre Nationalpark.

Langsam mutig geworden, sollte es die nächsten Tage dann tief in das Outback gehen.

Die Burkett Road nach Osten in die Pilbara, die in der feuerroten Eisenerzgegend im Norden des größten australischen Bundesstaates beim Städtchen Tom Price liegt.

Man passiert so sagenumwobene Orte wie Wittenoom, in dem einst, ohne Wissen um die gesundheitlichen Folgen, blauer Asbest abgebaut wurde und von dem heute nur eine Geisterstadt übriggeblieben ist. Genauer gesagt, machten wir einen kleinen Bogen um Wittenoom. Unser Hauptziel: Der Karijini NP, einer der ganz großen geologischen Höhepunkte unter den westaustralischen Nationalparks. Dort liegen die größten Vorkommen an Eisenerz in regelrechten Gebirgszügen und tiefen Canyons, wie man sie sonst nur im Westen der USA oder Teilen nordafrikanischen Wüsten kennt. Zum Glück sind große Teile der Pilbara durch den Park geschützt und wieder unter Verwaltung der Aborigines. Man kann in Tages- oder Halbtageswanderungen die Canyons mit ihren schichtförmigen, rotbraunen Eisenoxidfelsen gut erkunden und in die immerhin bis zu 20 Grad kühleren und bis zu 100 tiefen Schluchten steigen. So haben wir uns Zeit für die Dales Gorge mit ihren Circular Pool genommen. Die steilen, kantigen Felsen erinnern irgendwie an Schichtnougat mit den starken Eisenoxid-Einschlüssen. In Park kann man im 'Savannah' - Camp übernachten und die nächsten Tage machten wir weitere Touren zur Weano -, Hancock -, Joffre - und Hammersley Gorge und den Fortescue Falls, alles tief eingeschnittene Schluchten in der gleißenden Hitze der Pilbara. Wieder hatten wir jeden Tag zwischen 40 und 45 Grad 'oben' im (kaum vorhandenen) Schatten und man zieht mit einem halben Rucksack voll Trinkwasser los. Ist man dann tief in den Gorges gibt es reichlich Flora und Fauna zu erleben, Wasserläufe und Naturpools, glitschige Abstiege, farbenfrohe Libellen und reichlich Eidechsen (von Blutegeln wollen wir lieber nicht reden).

Alles Lebensnötige kann man sich in Tom Price besorgen, sogar ein Schwimmbad gibt es in dem abgelegenen Städtchen.

Der weitere Weg nach Norden führte uns an der Trasse der Hamersley Iron Railway entlang, eine private Schotterstraße ohne jeden Service von ca. 300 km Länge, die man nur nach Anmeldung und mit Allrad befahren darf und sollte. So bekamen wir in Hauptquartier der Company ein (Pflicht-) Sicherheitsvideo der Minengesellschaft gezeigt und unser Permit zur Benutzung der Piste ausgestellt.

Auf dem Weg durch die weite, einsame Landschaft liegt auf 'halben Wege' der "Millstream Chinchester-National Park" und der berühmte Python-Pool, eine Oase mit Bademöglichkeit mitten in der rotbraunen Unendlichkeit. Und Pythons haben wir keine gesehen... Nach stundenlangem Gerumpel, Geschlitter, Waschbrettpisten und feinsten Staub kommt man bei Karratha wieder an die Küste.

Von Karratha nach Port Headland (PH) ist es auch nicht mehr so weit, Australisch gesehen... Eigentlich wollten wir durch den Ort auch nur durch – bzw. weiterfahren. Warum, weiß man, wenn es einen mal nach PH verschlagen hat. Was in dem Falle eher etwas mit 'schlagen' zu tun hat. Dass genau da (oder kurz danach) unser Panzerchen einen ausgewachsenen 'Kreislaufkollaps' erleiden würde, hatten wir anhand der grau-roten Trostlosigkeit von PH nun nicht gehofft. Ca. 70 km in Richtung Broome war es dann aus, nichts ging mehr, und wir konnten den Toyota nach einiger Wartezeit zu mindestens mit einem Abschlepp-LKW für 70 Aus$ zu einer Shell-Werkstatt bringen lassen. Diese vermuteten als Ursache die Dieselpumpe, die war es aber doch nicht. Nichts ging vorwärts und nach einer Woche Sucherei (!) stellte man(n) einen ausgewachsenen 'Getriebeschaden' fest. Wegen Null-Bock, ständigen Ausreden, Personalmangel etc. mussten wir das Panzerchen dann in eine andere, 15 km entfernte, Garage schleppen lassen. Nach einer weiteren Woche mussten viele Telefonate geführt, Ersatzteile aus Perth eingeflogen und ein Ersatzgetriebe eingebaut werden. In PH stellte sich heraus, das alles vom Miet-Auto bis Flüge und Einkäufe teurer waren als im Rest des Landes, Entfernungen weit und der Dingo begraben...

In den unvergesslichen 2 Wochen am Camp Port Headland (weder Laden noch Kneipe in der Nähe des Camps) wehte uns der Wind mit 35-45 Grad um die verbrannten Ohren und die Sandfliegen am Camp haben uns mit bis zu 50 Bissen allein an einem Arm den ganzen Körper zum Entzünden gebracht. Viele Mittel gab es da nicht vor Ort, außer dem Notmittel des Shell-Tankstellen-Typs, Ammoniak-haltiges Reinigungsmittel zu verdünnen und einzureiben. Aber das führte nur zu neuen Entzündungen und Schlaflosigkeit. Wenigstens der Camp-Pool war schön und gepflegt, und viele Leute haben wir kennengelernt, die mit allen möglichen Vehikeln unterwegs waren. Langzeitreisende, Familien, Abenteurer, Traveller, alle haben die Gegend mit Ziel Perth oder Broome nach 1-2 Tagen wieder verlassen. Und Tomy durfte seinen 40. Geburtstag mit Sekt und einem YES-Törtchen mit Kerze (wie in der Werbung, aber ohne Regen) dort verbringen, aber der BBQ-Grill funktionierte glücklicherweise super.

Dann, einen Tag vor dem Abholen unseres Landcruiser's, kam der Zufallstreff des Jahres. Am vorletzten Tag stehen ein kleines Zelt mit einer Werbung vom Autohaus Löbau und ein SIMSON-Roller mit Zittauer Kennzeichen am Platz. Direkt neben uns auf dem Camp am Indischen Ozean. Eine Mutter Morgana, Sonnenstich, Halluzinationen, Fieber - war wohl die erste Denkblase über unseren verdorrten Köpfen, das kann gar nicht sein!! Wir wussten nicht mal genau, ob und wann ER unterwegs war, wussten wohl von seinem mutigen Projekt und hatten schon von IHM gehört, hatten uns noch nicht persönlich kennengelernt. Aber das wir Bernd Raffelt (damals aus Kottmarsdorf, Oberlausitz) in einem der gottverlassensten Nester am Ende der Welt treffen würden, war ein Ereignis - und haut selbst einen weitgereisten Abenteurer aus dem verstaubten Latschen. Das wir uns noch nicht kannten, sollte sich nun bald ändern und führte zu einem wunderbaren Abend mit Bernd, einem Zeitungsartikel in der Heimat und sogar zu einer kleinen TV-Produktion. Alle hatten viel zu berichten und bei einem kühlen Bierchen feierten wir einen Oberlausitzer Zufallstreff in den Weiten Westaustraliens. Bernd hatte auch sowas wie 'Halbzeit' und umrundete allein mit seinem kleinen 70ccm Roller Australien. Jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Achse und mit leider viel weniger Zeit bemessen wie wir.

Bericht über Bernd Raffelt (Super-Illu 032005 = 1MB)

Interview mit Bernd Raffelt

bereits veröffentlichte Bücher von Bernd Raffelt

Am nächsten Tage ging’s für uns alle weiter, in entgegengesetzter Richtung wie Bernd. Ein Händeschütteln, Abschied, und schon waren wir alle wieder im roten Staub verschwunden. Für uns; - ENDLICH - nach ewig erscheinenden 2 Wochen Wartezeit und ca. 7000 Dollar Reparaturkosten (Versicherung!) Erst 600 km weiter kam die nächste Ortschaft, Broome, wir waren noch skeptisch wegen des 'neuen' Getriebes und wollten den Toyota in einer Werkstatt in Broome nochmal checken lassen. Auf der Hebebühne dann der nächste Ärger, Öl-Austritte unten an mehreren Stellen an der Driveline... In mein verzweifeltes Schimpfen (Tomy) mischte sich überraschend eine deutsche Stimme an der Werkstatt: "Hallo, ich bin der Udo und wenn ihr Beiden kein Problem mit zwei ausgewachsenen Rottweilern habt, seid ihr herzlich bei mir zu Hause eingeladen!" Wow. Um auf andere Gedanken zu kommen nahmen wir sein freundliches Angebot gerne an und durften die nächsten Tage bei ihm wohnen, uns Broome und seine Sehenswürdigkeiten ansehen, die Sonne und die phantastischen Strände dort genießen, die weitere Tour planen etc. Es stellt sich heraus, dass Udo vor vielen Jahren aus Franken ausgewandert war und jetzt als Maler in Broome lebte. Wir kochten füreinander und verbrachten eine tolle Zeit zusammen. Und so war es für uns in Broome am wichtigsten, die Krokodile-Farm von Malcolm Douglas zu besuchen. Der leider kürzlich verstorbene Tierfilmer und Kroko-Spezialist ist mit seinen Doku‘s über die Flora und Fauna seines Heimatlandes weltberühmt geworden. Seit vielen Jahren kannten und sahen wir seine lehrreichen Filme, die bis vor einigen Jahren z.B. auf 'Kabel1' ausgestrahlt wurden und auch das Leben der Aborigines realistisch näherbrachten. Der Besuch in Malcolms Park war bereits vor unserer Weltreise ein Muss für uns und die Art und Weise, wie der Überlebens-Spezialist mit Wildtieren umging und sie erklärte, stellt für uns einen großen, positiven Kontrast dar zu den gefährlich-albernen bis reißerischen Darstellungen von anderen 'Helden' in dieser Branche, ohne jetzt Namen zu nennen. Der Park in Broome beherbergt riesige Salzwasserkrokodile, ihre kleineren Süßwasser-Verwandten und viele andere, australische Spezies und ist in jedem Falle sehenswert.

Wir deckten uns in Broome wieder mit reichlich Lebensmittel ein, denn bis zum nächsten, größeren Ort sind es wieder viele Kilometer und Tage, sowie reichlich Parks und einsame rote Straßen. Sind über Derby auf die Gibb River Road um die verschiedenen Gorges zu besuchen.

Die Flaschenbäume und die riesigen Termitenhügel, welche größer als Menschen sind, begleiten uns die nächsten Tage. Die Landschaftsfarben sind je nach Sonnenstand sehr intensiv und der gelbe und vor allem der rote Sand „frisst“ sich tief in die Polster. Wie sich noch herausstellen wird, haben wir sehr lange was, von dem roten Sand. Nach unserer Tour 1995/96 haben wir noch wochenlang roten Sand gefunden (sogar in den Badelatschen). In der Windjana Gorge konnten wir unsere Gemüter, in den schattigen Schluchten und angenehm temperierten Höhlen, kühlen. Man hat uns zwar erzählt, dass die Sweeties harmlos sind (verglichen mit den Salties – wahrscheinlich), aber testen wollten wir die spitzen Zähnchen dann doch nicht. In der Geikie Gorge haben wir eine Bootstour mitgemacht. Sehr schön, zumal wir nicht nur Krokodile zu sehen bekamen, sondern auch viele Vogelarten, wie den Eisvogel. Viele Parks werden und müssen auch während der Regenzeit geschlossen werden, da (wie deutlich auf dem Foto zu erkennen) das Wasser über die Ufer steigt und die Straßen unpassierbar machen. Außerdem wandern die Kroko's dann auch auf höher gelegene Gebiete, die sonst für sie zu weit oberhalb der Wasserkante liegen.

Auf dem Wege zum nächsten Naturphänomen, den Bungle-Bungle's, verabschiedete sich unser Motoröl fast vollständig schlagartig- und musste in Halls Creek mit teuren, speziellen Öl ersetzt werden. Kein Monteur da und 4 Stunden warten, dann hatten wir wenigstens das neue Öl und wir redeten mit dem Meister, uns war mit dem Ziel Bungle-Bungle doch etwas unwohl, und er versprach, uns bei einer weiteren Panne wieder aus dem Outback rauszuholen (was glücklicherweise nie mehr nötig sein sollte)... Aber wir mussten einfach dorthin, wir wagten die Tour über Stock und Stein, viel Gerumpel, Wasserdurchfahrten, nun, in der Ruhe liegt die Kraft und es klappte alles und die wilde und bizarre Landschaft entschädigte für so manche Strapaze.

Die verrückte Felsenlandschaft im Norden Westaustraliens ist erst 1983 bei einem Helicopterüberflug zufällig entdeckt worden und wurde später zum Nationalpark ernannt. Von Weitem gesehen erinnern die Formationen an gigantische Bienenkörbe, die ein Felsenlabyrinth bilden und bis zu 578m hoch sind. Die Kegelkarst-Felsen haben ihren Ursprung im Devon (ca.350 Mill. Jahre) und sind fast vegetationslos. Die steilen Wände werfen tiefe Schatten und schaffen so etwas Kühlung vor der extremen Hitze in der Region. Wasserlöcher, vereinzelte Palmen und ein einzigartiges Farbenspiel, besonders in den Morgen-und Abendstunden bilden ein unvergessliches Naturerlebnis, man sollte auch wegen des etwas anspruchsvolleren Weges über Nacht bleiben und die Farben der Dämmerung und den weiten Südsternenhimmel genießen, der hier von keinem Restlicht gestört wird.

Im unweiten Kununurra (an der Hauptpiste Nr.1) gibt es ein kleineres Äquivalent der Bungle-Bungle und nennt sich "Mirima Hidden Valley National Park", es ist einfacher zu erreichen. Natürlich haben wir auch dort eine frühe Morgenwanderung unternommen, bis es weiter Richtung Darvin ging.

Bald überquert der ausgetrocknete Reisende die Grenze zu den Northern Territories und man fährt durch gleichförmige Wüstengebiete, die dort (wirklich) 'Never-Never' heißen. Der einzige Lichtblick sind die schönen Canyons und Tafelberge des Victoria River. Knotenpunkt und Treff auf dem Wege zum 'Top End' (Darwin) ist Katherine -wir haben den Stuart Highway erreicht, der sich von Adelaide im Süden bis Darwin zieht. Katherine gibt Gelegenheit zum Einkaufen, Baden und die Katherine Gorges (Schluchten) bilden den sehenswerten 'Nitmiluk-Nationalpark' mit vielen km Wanderwegen und der Möglichkeit zum Kanufahren, Klettern und Tierbeobachtungen.

Nach einigen, weiteren, manchmal abenteuerlichen Nacht-Stopps in roten Staub des Outbacks, meist auf kleinen Seitenwegen, kommen wir am So, den 25.05.2003 in Darwin an. Soweit es geht, haben wir uns an die tropische Hitze (ohne Klima-Anlage) gewöhnt und suchten uns eine Werkstatt, die unser Panzerchen nochmal auf Vordermann bringen soll. Vorher buchten wir uns einen Flug nach Bali, das nur ca. 2h von Darwin entfernt liegt, und erklärten dem Werkstatt-Meister, das jetzt mal 10 Tage Zeit sind für die wichtigsten Reparaturen unseres 21 Jahre alten Wüsten-Esels. Nach doch einigem Ärger mit dem Landcruiser (bei pfleglichster Behandlung!!) wollten wir mal etwas Abstand zwischen den roten Kontinent und uns bringen - was für eine Gelegenheit, wenn Indonesien praktisch 'um die Ecke' liegt. Die Tage bis zum Start bummelten wir durch die Straßen Darwin's, nutzten Internet-Cafe's und besuchten den Multi-Kulti-Nachtmarkt, der für uns (als Wahl-Münchener) ein wenig an das Sommer-Festival am Olympiagelände erinnert. Wir konnten mal wieder Känguru essen und probierten das weiße, feste Krokodil-Fleisch und sahen den Malern, Künstlern, Artisten bei ihrer Arbeit zu. Die milden Sommernächte locken vor allem Scharen von Aussies und viele Reisende zu der Attraktion in Darwin.

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