Südafrika/Botswana/Sambia 2008

Unsere dritte Tour ins südliche Afrika war aus dem Hauptziel ‚Victoria-Fälle!!’ entstanden und hat sich mit den vielen, anderen Höhepunkten aus Landschaft, Tierwelt, Kultur zu einer großen Rundreise entwickelt, die ihren Anfang in Johannesburg, Südafrika genommen hat.

Südafrika

Warum ‚Joburg’ – ‚Dort isses doch soo gefährlich’?

Nun, wir sind uns der Tatsache schon bewusst, aber wenn man dort nicht gerade Abends/Nachts alleine durch die Gegend joggt, ja, um die Stadt am besten wirklich einen Bogen kurvt, macht es Sinn, diese denkbar günstigste Flugverbindung ins südliche Afrika allgemein zu nutzen.

Insider werden wissen, das, möchte man in diese Region reisen, Flüge nach z.B. Namibia oder Sambia, deutlich teurer werden können. Und ein gutes und faires Angebot für ein Offroad-Fahrzeug gab den endgültigen Ausschlag, die Reise im Norden der Republik Südafrika zu beginnen.

Zur Sicherheit: Leider sind alle schlechten Nachrichten zur Sicherheitslage im Lande am ‚Cap of Good Hope’ nicht so an den Haaren herbeigezogen, die großen Städte, ihre Umgebungen sind mit gewisser Vorsicht zu bereisen. Man protzt nicht mit Kamera & Golduhr, vor allem abends, in speziellen Gebieten sollte man sehr vorsichtig sein.

Wenn wir jetzt mal zurückblicken, was für ein Geschrei im Vorfeld der letzten Fußball WM gemacht wurde, die Medien haben sich mit Negativprognosen nur so überschlagen. Fairerweise muss man sagen, dass während der WM verhältnismäßig wenig passiert ist und alles ohne große Zwischenfälle über die Bühne ging. Oder?

Wenn man vom Psychoterror der Vuvuzela’s mal absieht Zwinkernd.

Und die gute Nachricht: Dort, wo der Süden Afrikas am schönsten ist, nämlich in den Weiten der Savannen, Gebirge, Wälder, Nationalparks ist ‚Crime’ und Ärger solcher Art kaum zu befürchten. Dafür sollte man, besonders, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist, einige Regeln der afrikanischen Wildnis kennen und sich auch dran halten. Das Land gehört in seiner unglaublichen Vielfalt zu den 10 schönsten der Welt und ist immer eine Reise, auch Vorsicht, aber keine Vorurteile wert!

Wir sind recht entspannt und ohne Probleme, über Kairo, mit EgyptAir in die Metropole im Hochland von Gauteng geflogen. (Danke dem Team von Elfi Uhl in Ottobrunn für das ‚Raussuchen’ der besten Verbindung, überhaupt für die tolle Zusammenarbeit in fast 20 (!!) Reisejahren, mittlerweile 100ten Flügen oder Mietwagenarrangements rund um die Welt

Wir hatten uns einen ‚SUV’ von Nissan bestellt und mangels Verfügbarkeit einen qualitativ viel besseren und größeren Toyota Hilux bekommen, also einen perfekten Jeep für unsere Unternehmung. Na also, da kann es ja losgehen.

Fast. Denn auf den Einreise-Voucher (für Mietwagen) zum überqueren der Grenze nach Botswana mussten wir noch warten. Es war ungünstigerweise Wochenende und so kann man ja die Zeit auch in und um Sun City rumbringen. Diese für südafrikanische Verhältnisse wirklich dekadente Reißbrett-City liegt nordwestlich der Hauptstadt Pretoria und schaut ein wenig wie ein Spielplatz von M. Jackson aus. Und der war ja zu Lebzeiten auch hier und die ganze Anlage war für ihn abgesperrt. Mitten in der trockenen Buschlandgegend taucht diese Las-Vegas-ähnliche Hoteloase auf. Luxus, Glücksspiel, künstliche Lagune mit Wellenbad, der ganze Katalog für Cluburlauber. Ein komplett künstlicher, retortenmäßig errichteter Spielplatz für Gutbetuchte und solche, die das vorübergehend gerne mal darstellen möchten. Volldurchorganisierte Safaris mit Klimaanlage unter dem geborgten, designten Tropenhelm (Ja, ok, das war jetzt ein Joke. Lachend).

Wer richtig viel Money hinblättert, darf auch mal geschützte Tiere abknallen, wir hören leider immer wieder von Cowboys, die das nutzen und ‚einfach’ ihre Finanzen spielen lassen. Das muss jetzt auch nicht speziell hier in Südafrika sein. Wir meinen das ganz allgemein und stellvertretend für den ‚schwarzen’ Kontinent und das wir dies persönlich zum – Sorry - Kotzen finden, müssen wir wahrscheinlich nicht betonen, wenn man uns besser kennt. Aber es muss an dieser Stelle mal gesagt werden, auch wenn es nicht an der Tagesordnung ist in Sun City. Für einen Tagesbesuch ist die Hotel-Anlage aber eigentlich gesperrt, man muss sich nur rein schmuggeln, so wie wir halt. Es gibt schon einiges zu sehen. Sogar eine Monorail gibt es, vom Parkplatz in die Anlage. Disneyland lässt grüßen.

Am kommenden Montag war per Fax das Grenz-Dokument an unserem Camp angekommen und es konnte richtig losgehen.

Botswana

Die Republik Botswana ist seit 1966 unabhängig, fast doppelt so groß wie Deutschland und hat gerade mal 2 Mill. Einwohner. Botswana ist Nr. 125 der ärmsten Staaten der Welt. (1 für reichstes und 192 für ärmstes Land) Man spricht Setswana und Englisch, die Währung heißt Pula und teilt sich in 100 Thebe. Das Klima ist arides Wüsten- und Halbwüstenklima und der Tierreichtum ist besonders im Norden, am Sambesi und Chobe River, spektakulär.

Da Südafrika, Namibia und Botswana in einem speziellen Staatenbund organisiert sind, gibt es an der Grenze zum nördlichen Nachbarn von Südafrika kaum große Probleme, keine Abzocke. Der Reisende ist nach kurzer Zeit in der Hauptstadt Gaborone angekommen und kann Geld aus dem Automaten saugen, sowie ein kleines Picknick machen. Für uns gab es in Gaborone nicht viel zu sehen und die weiten Highways nach Norden locken. Man hat da ein wenig das Gefühl, in Australien zu sein, roter Staub, Linksverkehr, der Wendekreis des Steinbocks…willkommen im südlichen Tropengürtel.

Aber die Straßen werden nach Norden leider immer schlechter. Das Städtchen Francistown ist fast schon die Mitte und es wird Zeit für einen Stopp, wir hatten nach einigen Suchen sogar ein gepflegtes Resort zum Zelten gefunden - natürlich auch als Camper - inklusive Benutzung aller Einrichtungen.

Der weitere Verlauf der Piste macht dann schon fast den Einsatz einer Mondlandefähre erforderlich. Viele LKWs liegen am Seitenstreifen mit zerfetzten Reifen.

Nach 90 km wird es dann wieder etwas besser und wir sparen uns die Telefonkosten nach Houston oder zum Cap Canaveral, Florida und fahren weiter, immer der NASA nach. Weiter nördlich, bei einem zufälligen Stopp an der Straße nach Kasane, bekommen wir Besuch von einigen dickfelligen Damen, die nur einige Meter von uns ganz ruhig (ohne Zaun und Gatter) die Büsche am Weg abfressen. Mit diesem schönen Bild, irgendwo im flachen Grasland Botswanas, sind wir auch von der Fauna her richtig in Afrika ‚angekommen’.

Wir haben im botswanischen Kasane Zwischenstation gemacht. Dann ging es erst mal gleich weiter nach Sambia, das frühere Nordrhodesien, denn Botswana war für den Rückweg geplant.

Dazu muss man Sambesi überqueren. Afrikas viertgrößter Strom hat in der Region natürlich keine Brücken, Fähre ist angesagt – ein Abenteuer für Fahrzeug und Passagiere. Langes anstehen, kilometerweiter LKW-Stau, oh je, aber nordwärts haben wir erst mal Glück gehabt, wir kommen am Stau vorbei und schnell auf die Autofähre. Pro Fähre sind immer nur ein LKW, 4 PKWs und jede Menge Fußgänger zugelassen, außer bei Treibstoff-LKWs – die „dürfen“ alleine die Seite wechseln.

Alles klappt den Umständen entsprechend gut, dann kam die Einreise-Prozedur in Sambia!!!

Insider, Welt- und Afrikareisende werden es wissen, aber was dann kam, reicht schon mal für eine REISEWARNUNG und ganz fette Kritik an dem korrupten System und der maßlosen Abzockmentalität an vielen innerafrikanischen Grenzen:

Wir wussten, dass das Visa nach Sambia ca. 50 US Dollar pro Person kostet und hatten uns reichlich neue (!!wichtig!!) Greenbacks besorgt. Anstellen in einem Knäuel aus Menschen, Bürokratie durchziehen (es wird alles aus dem Pass abgeschrieben, obwohl es Computer gibt), bezahlen und dann ging der Sackgang erst richtig los. Phantasiesteuern für Straßenbenutzung, Abnutzung, Abgas- und andere Posten werden immer wieder neu erfunden und ändern sich auch je nach Laune und Wetter der Beamten. Nach jeder Abzocke - immer schön hintereinander - kommt der nächste Gangster und hält die Hand auf. Jede Wegelagerer-Steuer ist in gesonderten Hütten/Bungalows/Kiosken zu zahlen. Warteschlange, Büro-Kram, Formulare und saublöde Fragen sind ganz umsonst mit dabei. Ja man nimmt zum Teil auch Südafrikanische Rand (zum Schweinekurs, also doppelter Betrug) Euro und Dollar sind sehr willkommen. Klar, kann man umkehren, dann war halt Aufwand, Fähre, Visa und jede „Steuer“– alles schon gezahlt - umsonst, oder für die Sambesi-Krokos. Diese ganze Prozedur dauert dann einen halben Tag und wir können uns glücklich schätzen, dass wir nicht 3 Tage gestanden haben, wie wir erfahren. Schon dabei, ziehen wir diesen Überfall aufs Nervenkostüm und Geldbeutel durch und passieren nach Mittag endlich den hölzernen Schlagbaum, nicht ohne auch noch eine (mehr oder weniger) Zwangshaftpflichtversicherung für Sambias Polizeikontrollen abzudrücken. Alles zusammen 340 US Dollar an Abzocke für uns drei Leute auf dem Wege in eines der korruptesten Länder der Welt. Moderne Piraterie! Mahlzeit und Danke.

Eigentlich wollten wir ja ‚nur’ die Victoria Fälle erleben! Nun, Reisen in Afrika bringt eben auch Entertainment der anderen, besonderen Art und die Pauschalreisenden mit ihren Bussen, hochhackigen Safarimobilen hatten ähnliche Probleme. Die aber, wie wir durch einige Gespräche mitbekommen haben, bis zu 2 oder 3 mal höherer Einzelreisepreise für eine ähnliche Tour (für ca. 3 Wochen) durch diese Länder zu berappen haben, als wir mit unseren Mietjeep. Und das war es dann auch schon mit den fett negativen Schlagzeilen unserer Unternehmung. Alles Andere lief im ‚normalen’ Bereich ab und wir hatten unsere Reise-Organisation und die Situationen unterwegs jederzeit voll im Griff.

Sambia

Sambia, das ehemalige Nordrhodesien, hat 13,4 Mill. Einwohner, ist ca. doppelt so groß wie Deutschland und seit 1964 vom Vereinigten Königreich unabhängig. Währung ist der Kwacha (Quatscha gesprochen) und die Hauptstadt ist Lusaka. Als recht grüner Binnenstaat im südlichen Afrika hat Sambia überwiegend Berglandschaften, Hochplateaus und Regenwälder, aber gehört zu den eher ärmeren Ländern der Region.

Die Strecke nach Livingstone führt an einfachen Dörfern mit Lehm- und Strohhütten vorbei. Die Fahrt von der Grenze in die zweitgrößte Stadt Sambias dauert ca. eine Stunde und ist nach dem schottischen Missionar und Afrikaforscher David Livingstone benannt.

Mr. Livingstone hat als erster Europäischer Forscher die Victoriafälle des Sambesi entdeckt und nach ihrer Majestät benannt. Auf geht’s, als Ausgangspunkt für unsere Touren haben wir ein Resort gesucht und in „The Bushfront“ gefunden.

Als erstes einen Platz geentert und die Jurte aufgebaut und dann ging es in den ‚Victoria Falls Nationalpark’. Klar, wenn man seine Tour in die Trockenzeit plant, haben die Fälle nicht so viel Wasser, aber diese Lösung hat auch Vorteile.

So konnten wir mit einem einheimischen Guide an der Abbruchkante der Fälle entlang, von Stein zu Stein und von Flussinsel zu Flussinsel durch den Sambesi wandern. Wir hatten einige schöne Blicke auf das bald herabstürzende Wasser hinter uns und die gewaltige, fast 2 km lange und 110 m tiefe Schlucht vor uns. Natürlich haben wir uns die Fälle auch von der gegenüberliegenden Seite angesehen. Die Steine und Brücken sind überall nass von der Gischt der Fälle - ein unvergesslicher Anblick.

Abends und nachts wurden wir in unseren Camp, da kaum Zäune oder andere Sicherheitseinrichtungen vorhanden sind, von einem Ranger bei unseren Zelten ‚bewacht’. Wir konnten wieder unweit die Löwen brüllen hören und viele andere Geräusche im Busch wahrnehmen. Eine dreibeinige Katze mit starken Überlebenswillen besuchte uns auch immer wieder und meinte, es sei nicht ganz ungefährlich hier. Angesichts solcher humpelnden Tatsachen mussten wir ihr auch glauben Zwinkernd.

Die Stadt Livingstone hat Märkte, Läden, ein Museum und auch einige gute Kneipen. Da wir aber vor allem aus zeitlichen Gründen nicht weiter in den sambesischen Norden fahren konnten, ging unsere Reise nach dem Besuch der Victoriafälle zurück zum Chobe-Nationalpark in Botswana. Auf dem Rückweg war zum Glück nur der Fährpreis zu entrichten (ca. 20 $), aber wir mussten lange warten. Grund dafür war, dass eine der beiden Fähren gerade völlig überladen am Südstrand des Sambesi, zerbrochen und manövrierunfähig geworden war. 100 Punkte, das Nadelöhr im afrikanischen Nord-Süd Verkehr, hat wieder ein neues Problem.

Botswana

Angekommen in Kasane, war es gar nicht so einfach, einen Platz zu finden, aber in der Chobe River Lodge klappte es dann doch mit einer Campsite für uns.

Abends ging es in ein schönes Dinner-Restaurant mit Blick auf die Buschlandschaft und den Sound Afrikas im Ohr, Mückenbrüllen und Löwensummen inklusive Lachend. Die geschüttelt und nicht gerührten Drinks peitschen den letzten Wegesstaub aus der hitzeverkrumpelten Kehle und machen Platz für eine Sunsetstimmung am Chobe River. Prost!

Kasane ist der ideale Ausgangspunkt für Touren in den Chobe-Nationalpark, ganz im Norden Botswanas. Der große Park lebt vom Chobefluss, der ganzjährig Wasser führt und somit riesigen Elefantenherden, Büffeln, Hippos, Krokos u.v.a. Tieren ihr Lebenselixier sichert. Für Tierbeobachtungen in der Region wohl einer der schönsten Plätze Afrikas, nirgendwo sonst hatten wir auf unseren Afrikatouren so viele Elefanten, aber auch Büffel oder Hippos auf ‚einem Haufen’ gesehen.

Wir waren 2 ganze Tage im Park unterwegs. Ein großer Vorteil ist auch da die Trockenzeit, da der Park nicht im Schlamm versinkt und die Malariagefahr ist deutlich geringer als in der Regenzeit. Es staubt und qualmt gewaltig, alles ist trocken und zum abendlichen Beobachten der vielen Tiere an ihrer Tränke empfiehlt sich, eine Bootstour zu machen und das ganze Spektakel von Wasser aus zu beobachten. Was für einmalige Bilder konnten wir da einfangen, allein im Park ist einige Stunden Videomaterial entstanden, selbst nach Schnitt und Kürzung über eine Stunde netto, sowie Hunderte von Fotos. Auch die täglich mehrstündige Fahrt durch den Park war ein einmaliges Erlebnis, ein geländegängiges Fahrzeug ist aber dringend erforderlich, ohne kommt man nicht rein.

Unser Hilux hat da Klasse Arbeit geleistet. Die Tierbeobachtungen kann man sich frei einteilen und unsere kleine Gruppe war unser ‚eigener Chef’. Man muss sich um alles kümmern, viel recherchieren, oftmals auch Tiefschläge und Enttäuschungen oder Missverständnisse verkraften, aber im Großen und Ganzen macht das Reisen so unabhängig doch immer wieder süchtig nach Wiederholungen und Fortsetzungen, spannend ist es immer!

Da kann man auch verkraften, das Kasane als Ort nicht viel hergibt, das das Trinkwasser in den Märkten fast ausging, kaum Restaurants (nur in den Luxusresorts) vorhanden sind und die Versorgung allgemein recht dürftig war. Bei so vielen, angestrebten Besuchern und einem der Hauptreiseziele in Botswana sollte sich da mal kräftig was ändern! Wir empfehlen, aus Francistown oder Livingstone etwas Proviant mitzubringen.

Nach einigen Tagen Safari in eigener Regie düste unser Toyota Hilux nach Süden (mit uns natürlich… Zwinkernd), um bei Francistown scharf nach Nordwesten zu einem Naturphänomen ganz besonderer Art abzubiegen. Dort, an der Grenze zu Namibia, liegt das größte Binnenflussdelta der Welt, Okavango.

Allerdings nicht ohne vorher in einem Baobab-Camp Station zu machen, den schönen Pool und das Restaurant zu nutzen und uns mit anderen Reisenden Informationen auszutauschen. Die Riesen-Affenbrotbäume gehören zur Familie der Malvengewächse und sind die charakteristischsten Bäume im tropischen Afrika. Sie können einen Stammdurchmesser von bis zu 10 Metern erreichen und fast 2.000 Jahre alt werden.

Ein kühles Bierchen und diese unwirklich aussehenden Riesen im Sonnenuntergang zu bewundern ist schon allein eine Reise wert. Die Bäume haben eine große Bedeutung als Schatten und Nahrungsquelle für Tier und Mensch, sowie Medizinische und Rituelle Bedeutung für Generationen von Bush-People. Und wer schon mal in dieser Gegend unterwegs ist, sollte sich diesen einzigartigen Platz auf jeden Fall mal anschauen.

Weiter geht’s nach Nordwesten.

Das Okavangodelta entsteht durch das ‚trockengehen’ des gleichnamigen Flusses auf einem Plateau, tausende Flussarme mäandern und verlieren sich irgendwann in den weiten Savannen nördlich der Kalahari-Wüste. Viel Grün entsteht. Ausgangspunkt und Zentrum - sozusagen ‚Metropole’ - am Okavangodelta ist Maun. Es gibt Hotels und Lodges für alle Ansprüche, aber uns reicht ein Hotelcamp mit Pool und Grillmöglichkeit. Wir nutzten die Gunst der Stunde und das gute Wetter um einen Rundflug mit einer Cessna 172 zu machen.

Der reichlich Wasser führende Fluss schafft so ein Riesengebiet, welches eine große Tiervielfalt beherbergt. Klar, da wollten wir schon lange Mal hin und vor allem dieses Naturspektakel mal aus der Luft beobachten. Das Kleinflugzeug fliegt nicht sehr hoch, so dass man die vielen Tiere auch gut sehen kann. Zwischen 4 und 5 am Nachmittag gibt es neben morgens die besten Lichtverhältnisse. Nun, es hat sich gelohnt. Der Weg und die ca. 100 Dollar für den einstündigen Flug über eines der großen Naturphänomene Afrikas!!

Auf der Rückfahrt zur Sedia River Lodge bemerkten wir Geräusche an der hinteren Achse unseres Hilux, daraus wurde dann eine aufwändige, eintägige Reparatur bei Toyota in Maun. Für uns hieß es warten und Maun ‚unsicher’ machen. Abends war die (nicht kleine) Reparatur fertig und der Vermieter bzw. Toyota hat komplett alle Kosten übernommen. Danke, guter Service!!

Die folgende Gegend durchquert man nicht gerne ohne ein funktionierendes Auto, und so konnten wir uns am nächsten Tage den Nordrand der Kalahari-Wüste ansehen.

Die besonders armen und abgelegenen Ortschaften, durch die wir kamen, laden nicht wirklich zum Bleiben ein. Es ist ein ganz anderer Anblick hier, nur 300-400 Kilometer südlich der fruchtbaren grünen Okavango-Zone. Einer dieser starken landschaftlichen Kontraste im südlichen Afrika.

Das nächste Ziel: Die Khama Rhino Sanctuary Botswana. Ein flächenmäßig relativ kleiner Park, wo (nach unserer Info) die letzten, lebenden Nashörner Botswanas geschützt sind und vom Militär (!!!) bewacht werden müssen, damit sie nicht noch von gutbezahlten und technisch hervorragenden Wilderern abgeknallt werden. Wie viele wissen, zahlen leider Reiche (impotente??) Käufer in Fernost extreme Summen für die Hörner der letzten Tiere. Man hört immer wieder, dies soll der Potenz dienen. In den heutigen Zeiten muss man allerdings mittlerweile an der ‚geistigen Potenz’ solcher solventen Kunden zweifeln. Traurige Konsequenz: Wir, oder die vielleicht nächste Generation werden eventuell die letzten sein, die diese schönen Tiere in freier Wildbahn sehen können. Damit die ‚Rhinos’ nicht so einsam sind, gibt es auch reichlich Antilopenarten, Elefanten und Hyänen, sowie vieles ‚Kleingetier’ im Park. Von den letzten 19 Nashörnern haben wir auf dem Wege durch den Park, im „Schleichgang“ fast die Hälfte beobachten können.

So war diese Aktion auch unser letztes Naturhighlight in der Republik Botswana. Auf staubigen Pisten führt der Weg über den Grenzfluss Limpopo nach Südafrika. Tanken, letzte Pulas ausgeben, Vorräte auffüllen, auf geht’s in die spektakuläre Bergregion im Nordosten der ‚RSA’.

Republik Südafrika

Mit 1,2 Millionen Quadratkilometern ist das Land schon ein ‚gewaltiger Brummer’ (damit ca. viermal so groß wie Deutschland), hat 50 Mill. Einwohner und die Währung ist der „Rand“. Die RSA hat, wie wir alle wissen, eine sehr bewegte Geschichte geschrieben. Kolonialzeit, Apartheid, Gegensätze in Gesellschaft und Natur, eine extrem hohe Aidsrate, Kriminalität, aber auch einige der besten Weinanbaugebiete der Welt.

Aus unserer eigenen Erfahrung, von ca. 12 Wochen Reisen und geschätzten 18.000 km durch diese vielfältige Region, hat die RSA aber auch (Lebens-) wichtige und vor allem wirtschaftliche Aspekte für das ganze südliche Afrika geschaffen.

Sie ist ein Motor, eine Versorgungs-Maschine und kaum was geht in den Nachbarstaaten, ohne die Produkte ‚Made in RSA. Unabhängig ist man seit 1910, das Ende der Apartheid war 1994, seitdem ist kaum politische ‚Ruhe’ im Land. Es vereint fast alle Klimazonen und Landschaften zu der ‚Welt in einem Land’, wie Südafrika selber gerne für sich wirbt.

Eine, für Afrika, recht gute Infrastruktur schafft reichlich Möglichkeiten, im Lande zu reisen, vor allem auch selbstständig, unabhängig. Und wer abseits (der manchmal nicht ungefährlichen Metropolen) die Natur sucht, wird sie in Südafrika in unglaublicher Vielfalt finden, wie sonst kaum an einem Platz in der Welt.

Zweimal schon hatten wir Anlauf genommen, denn in den Jahren 1997 und 99 war uns der freie Blick in diesem Gebirge nicht gelungen. Nebelbänke, Wolken, tagelange Schauer (damals) waren ein Grund, wiederzukommen. Dieses Mal passte es endlich mit dem Wetter. Fotos, Fernsicht, Farben und Kontraste in der (neben Cape Region, Golden Gate N.P. und Karoo) wohl schönsten Landschaft Südafrikas. Damit meinen wir die gesamte Region inklusive des Krüger Parks bis zur Mosambikanischen Grenze im Osten. Die Drakensberge, der Blythe River Canyon und die umgebenden Panoramastraßen haben schon bei schlechtem Wetter eine mystische Ausstrahlung. Man kann eben nur vermuten, was einen umgibt, spürt die Schluchten und Überhänge.

Die Höheren Gipfel verlieren sich regelmäßig in Nebel und Wolkenschichten. Wenn sich diese dann doch mal verziehen, steht der Betrachter vor dieser einmaligen Szenerie. Oft hält die freie Sicht nicht lange, wie auch Einheimische immer wieder feststellen. Carpe Diem, einmal muss man ja auch mal Glück haben.

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir im nahen Krüger Nationalpark. Der Park wurde vom damaligen Präsidenten Paul Kruger im Jahre 1898 gegründet und ist einer der größten Tierschutzreservate Afrikas mit ca. 20.000 qkm. Damals hieß das Gebiet „Sabie Game Reserve“ und wurde 1926 unter seinen heutigen Namen in den Rang eines Nationalparks erhoben. Kein Südafrika-Besuch für uns ohne Kruger-Safari und so waren wir jetzt das dritte Mal hier. Es ist sowieso immer anders. Diese Tour konnten wir allerdings besser quer durch das Gelände planen, da wir ein perfektes Fahrzeug für die Offroadpisten hatten. Am besten man nimmt sich viel Zeit zur Wildbeobachtung. Wer hier durch düst, wie manche Hobbyrennfahrer, die man leider immer wieder sieht, kann nur einen Bruchteil der versteckten Tiere wahrnehmen. Der Park wirkt so groß, wie ein eigenes Land, mit seinem 350 Km Nord-Süd Ausdehnung und ca. 54 km Breite. Es gibt 21 Main Camps in den vielen, verschiedenen Landschaften und unter anderen 147 Säugetierarten, 507 (!) Vogelarten und 114 Reptilienarten.

Unweit von Krüger Park bildet der Blythe River Dam einen schönen, landschaftlichen Kontrast zu den Bergen im Norden, es gibt Wasserfälle und Erosionsgebiete wie Bourke’s Luck Potholes. Das alles findet man auf der Panorama-Route durch die Provinz Mpumalanga in der Nähe des Ortes Graskop, wo wir auch Station gemacht hatten. ‚Potholes’ nennt man in Südafrika auch die Schlaglöcher in den Landstraßen, die dort schon gehäufter vorkommen als in unseren Breiten. Man meint schon fast beim Fahren sie werden gezüchtet. Die Potholes, die wir hier aber besucht haben, sind nach dem Goldsucher Tom Bourke benannt, der dort das gelbe Edelmetall fand. Durch den Zusammenfluss des Treur River in den Blythe River entstanden (und entstehen immer wieder) Strudellöcher. Wer in diesem Teil des Landes unterwegs ist, sollte sich die Zeit nehmen und sich dieses Naturschauspiel ansehen, es lohnt sich.

Das Goldgräberstädtchen Pilgrim‘s Rest und einige Pässe in den nahen Drakensbergen waren dann schon leider unsere letzten Runden in diesem Teil von Südafrika.

Bevor wir unser Auto wieder in Jo’burg abgeben mussten, haben wir an einem sonnigen Sonntagmittag noch die Hauptstadt Pretoria besucht. Die Jacaranda-Bäume blühen um diese Frühlingszeit in den herrlichsten Lilaschattierungen, die halbe Stadt ist auf den Beinen und die bunten Märkte sind recht belebt.

Was uns schon gewaltig aufgefallen ist, im Vergleich zu unseren früheren Besuchen: Die Bevölkerung Pretorias ist, anders als in den 90er Jahren, jetzt fast zu 100% schwarz. Nur 10 Jahre zuvor war das Verhältnis klar gemischter gewesen. Ein Indiz dafür, (was man auch überall hier hört), die Zeichen der weißen Apartheid verschwinden. Fast alle ‚alten’ geographischen Namen der Orte und Flüsse, sie werden zurzeit permanent umbenannt und das sorgt für reichlich Verwirrung. Kennt man die alten Ortsnamen von früheren Reisen, so ist man oft irritiert, was da so an bekanntem verschwindet. Und die weißen Südafrikaner ebenfalls. Viele verlassen das Land und man hört immer wieder kritische Stimmen, dass sich die Gesetzte der Apartheid nicht aufgelöst, sondern teilweise umgekehrt haben, seit die ANC an der Macht ist. Die Bilder im heutigen Südafrika sprechen da für sich, die Probleme leider auch. Zu einem ‚normalen’ Zusammenleben von schwarz und weiß trägt das genau so wenig bei, wie die nach wie vor riesigen, gesellschaftlichen Gegensätze im Lande. Sehr schade, denn Südafrika hat reichlich Bodenschätze und große Landschaften wie kaum ein anderer Teil der Erde.

Was aber unsere eigene, ganz persönliche Meinung betrifft, man kann in 80-90% von Südafrika gut umherreisen, die gute Küche und den edlen Pinotage genießen. In ganz Jo’burg, und speziellen Gegenden Durbans oder Kapstadts sollte man schon eine gewisse Vorsicht walten lassen, auch im ganzen Bundesstaat Transkei an der Küste des Indischen Ozeans.

Insgesamt ist uns in anderen Ländern, bei gleicher Vorsicht mehr passiert oder ‚abhanden gekommen’ als im Süden Afrikas.

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