18.12.2001 – 11.01.2002, Chile-Argentinien

Südamerika!

Lange hatten wir geplant, einige Bücher gelesen, Karten studiert und Ende 2001 war es endlich soweit.

Zugegeben, es war/ist gar nicht so einfach, eine bezahlbare, aber auch machbare Flugverbindung zu finden, die uns nach Chile bringen sollte. Aber mit Hilfe von Elfis Team (unserer langjähriger Reisevermittlung in Ottobrunn, Danke!!) hatten wir schon eine abenteuerliche Route gefunden. Mit der ‚Star Alliance’ ging es von München nach Washington, DC und weiter über Miami, Florida nach Santiago de Chile. Das war auch für uns eine Neuerfahrung - relativ kurze Zeit nach 9/11 - wieder in/durch die USA zu fliegen. Es gab die wildesten Untersuchungen und phantasievollsten Neuschöpfungen was die Sicherheit betrifft. Einerseits versteht man das in Bezug auf die Ereignisse, anderseits, auch im Nachhinein betrachtet, ist es eine Riesenfrechheit und Abzocke, wenn einem das Trinkwasser weggenommen wird, um es dann für utopische Summen im Flieger wieder anzubieten. Weltweit. Irgendwie war das alles schon etwas komisch, oft nicht mehr lustig! Flugsicherheit JA! – daraus resultierende, uferlose Abzocke der Airlines und eiskaltes Ausnutzen der neuen Verbote: NEIN!

Chile

Aber nach einem Flugmarathon von insgesamt 17 Stunden waren wir dann endlich in Chiles Hauptstadt eingeflattert und fühlten uns erst mal richtig durch den ‚FlugWolf‘ gedreht. Zuerst mal das Mietauto abgeholt und dabei die ersten Worte Spanisch angebracht, um anschließend unseren Kleinbus „KIA Carneval“ in Augenschein nehmen, zu viert und mit voller Campingausrüstung hielten wir dieses Teil doch für angemessen. Im krassen Gegensatz zu den sehr fairen, eher günstigen Mietautopreisen in Nordamerika waren wir schon satt, was die Autos im Süden des Doppelkontinents kosten. Man kann die Karre ja fast kaufen für die Kohle!! Später war uns klar, dass der Grund in dem recht schlechten Straßenzustand lag. Die Mühle war trotz bester Behandlung nachher leicht klapprig, fast zerlegt – trotz vorsichtigster Fahrweise und wie immer pfleglicher Behandlung. Wie so oft war unsere Devise am Beginn, erst mal raus aus der großen Stadt (Santiago), auf die Piste nach Süden und ein Gasthaus oder Hotel finden.

Das bei seiner relativ geringen Breite sehr lange Land hat gerade mal 16,7 Millionen Einwohner und eine Fläche von ca. 755.000 qkm - also mehr als die doppelte Größe Deutschlands. 4.300 Kilometer Nordsüdausdehnung sind schon sehr beeindruckend. Und Nord-Süd heißt natürlich auch, dass es durch mehrere Klimazonen geht. Wenn man, wie wir in Santiago startet, ist man schnell auf der Carretera Panamericana unterwegs. Südlich der Hauptstadt beginnen die Weinanbaugebiete und es ist mildes, mediterranes Sommerklima im Dezember.

Wir fahren am ersten Tage entspannt bis Rancagua, Hauptstadt der Región del Libertador General Bernardo O'Higgins (Zwinkernd, was für ein Name!). Immerhin hat das ‚Städtchen’ 212.000 Einwohner, allerdings ungleich mehr Mücken, aber einen schönen Zeltplatz außerhalb des Ortes mit gemütlichen Bungalows. Wir schlafen trotz der summenden Quälgeister wie die Gletschermumien (so ein langer Flug schlaucht eben).

Am nächsten Tag kann es erfrischt weiter nach Süden gehen. Auf dem Weg liegen Zitrusplantagen und wieder viele Weingüter - Verkostung, probieren und kaufen ist angesagt. Als Tagesziel ergibt sich für uns das Küstenstädtchen Tome und wir suchen uns eine der farbenfrohen Posadas. Die typischen, südamerikanischen Gasthäuser findet man immer wieder mal auf dem Lande. Und sie haben fast immer familiären Charakter. Bei abendlichem Sonnenschein geht es zum Stadtrundgang und wir erklimmen den Kirchberg.

Dabei entdecken wir amüsiert ein Such-Foto in der Tradition der alten „Gangster-Wanted“ Wild-West-Steckbriefe, das uns irgendwie ein wenig an einen unserer Mitreisenden erinnert. Sachen gibt’s, kennt man den da auch schon (?) – Gunnar (!) wollte wieder mal von nichts wissen…wie er auf diese Suchmeldung kommt.

Einer der größten und schönsten Wasserfälle Chiles ist der Salto el Laja, der in einem Naturpark liegt und aus 4 Kaskaden besteht, er bildet das Ende des Rio de La Laja und man findet diese schöne Sehenswürdigkeit ca. 25 km südlich von Los Angeles de Chile an der Straße Nr. 5.

Der Ort ist erwartungsgemäß deutlich übersichtlicher als das (fast) gleichnamige Städtchen in Californien. Es gibt Zeltplätze, Wanderwege und gemütliche Kneipen. Ebenfalls ein sehenswert schöner Wasserfall ist der Salto el Leon, zu dem wir eine Wandertour machen. Wir treffen hier akzentfrei deutsch sprechende Chilenen, die unsere Sprache an der deutschen Schule in Valparaiso gelernt haben.

Hier gibt es viele germanische Einwanderer - ihre Spuren sind überall zu finden. Kegelbahnen, Bäckereien, Restaurants, Straßen, Stadtteile tragen heimisch bekannte Namen. Natürlich vorzugsweise hier, im „Kleinen Süden“ genannten Landstrich der Feuer speienden Berge und großen Seen. An sich ist allein diese Traumgegend schon einen Besuch des Andenlandes wert, nur der recht weite Weg, und alles, was sich damit verbindet, ist die große Hürde.

Wir kommen in die Vulkanregion des Andenlandes und die Landschaft wird immer spektakulärer.

Am Lago Villarrica hat man einen Blick auf den gleichnamigen tätigen Feuerberg Villarica. Der 2.840m hohe Vulkan glänzt immer wieder mit Ausbrüchen oder seiner beeindruckenden Schneekappe. Er ist ständig am rauchen und beherrscht die ganze Gegend.

Am Lago Llanquihue hat man eine beeindruckende Sicht auf den nahezu perfekten Kegel des Osorno-Vulkanes, …

… in der Nähe des Berges kann man auch zum Petrohue-Wasserfall wandern …

… oder im nahem Restaurant ‚Las Tranqueras’ eine fast unverschämt große Portion Lachs vertilgen - was wir natürlich auch tun Verlegen.

Wir haben eine Hochdruckfront erwischt und nutzen das Sommerwetter, um per Fähre auf die zweitgrößte Insel der Region überzusetzen. Klimatisch und von der Vegetation her ist Chiloe schon ein besonderes Kapitel. Es gibt große Nationalparks und bei der Überfahrt erleben wir einen Teil der prächtigen, schneebedeckten Andenkette aus der ‚Breitwandperspektive’, vom Meer aus.

Unsere Reise geht über teils recht abenteuerliche Holzbrückenkonstruktionen zur einsamen Westküste Chiloes, zu den küstennahen Riesenrhabarberfeldern und in die Inselhauptstadt Castro mit ihren historischen Holzbauten. Es geht auf die Sommersonnenwende zu und hier, schon recht tief im Süden ist es bis nach 11 Uhr Abends noch hell. Chiloe hat mildes, normalerweise pazifisch feuchtes Klima. Wir genießen die Trockenperiode und unternehmen einige Wanderungen, zelten an schönen Naturplätzen und dann geht unsere Tour schon wieder aufs Festland.

Wir werden in Puerto Mount, am Campingplatz von den extrem vielen, allgegenwärtigen Hunden so verbellt, das wir mitten in der Nacht vom Platz flüchten müssen um wenigstens einige Stunden Ruhe zu finden, manchmal ist eben der Wurm drin. In dem Falle eher eine Meute mitteilungsbedürftiger und schlafloser Hunde und wenn die durch die dünne Zeltdecke krawallerieren, kann man genauso gut in Wacken zwischen den Boxen übernachten, doch ein bisserl’ Schlaf braucht der müde Wanderer.

Argentinien

Unsere erste Andenüberquerung steht an. Wir fahren durch dichte subtropische Regenwälder bis die Vegetation immer weniger und trockener wird. Bald „kämpfen“ wir uns durch Geröllfelder und Steinwüsten bergan und sind schnell auf über 2.500 Meter Höhe.

Weiter geht es zur argentinischen Grenze und nach einiger Bürokratie und dem Ausfüllen mehrerer Seiten Fahrzeugdokumente für den Zoll sind wir im Land der weiten Pampa und der satten Rindersteaks.

Nach einigen, weiteren Serpentinen, Baustellen und Hochgebirgs-Schotterpiste kommen wir am Nachmittag in San Carlos de Bariloche an, einem argentinischen Ferienort und das südamerikanische St. Moritz. Lage und Landschaft auf der Strecke erinnern uns an die Kanadischen Rocks Mountains.

Die Weite der Bergketten mit den sedimentgefärbten, manchmal fast türkisfarbenen Gletscherseen sind überwältigend schön! Kleiner Wermutstropfen ist der momentane Stand der argentinischen Währung. Zu dieser Zeit, Ende 2001, war der Peso zum amerikanischen Dollar unrealistisch, staatlich „gleich geschalten“. Eine Wirtschaftskrise hatte Argentinien im Griff. So waren die Preise, die wir in Argentinien zu dieser Zeit zahlen mussten, weit über dem Niveau vom Chilenischen Nachbarland. Das ist heute, zehn Jahre danach wieder umgekehrt im Verhältnis, erfahren wir. Und jetzt reisen eher die Chilenen zum östlichen Nachbarn, um dort einzukaufen.

Auf argentinischer Seite heißt die Carretera Panamericana (keine offizielle Panamericana-Route), die längste Fernverkehrsstraße der Welt, nur „Nr. 40“ und führt uns östlich der Andengipfelkette wieder nach Norden.

Es geht durch staubig-holprige, einsame Gegenden, es gibt kaum Tankstellen und das wird für uns fast zum Problem.

Wir schreiben den 31.12.2001. Am Silvestertage haben hier fast alle Läden geschlossen, es ist auf einigen hundert Kilometer kein Sprit zu bekommen. Wir passieren einige kleine Nester und kriegen trotz Suchen und Fragen kein Benzin. Unser Kia ist im Prinzip leer gefahren, doch wir wollen noch nach Norden bis Mendoza, um dort den Jahreswechsel zu feiern. Mehrere, ungünstige Umstände kommen zusammen und so fragen wir auch an einer kleinen Polizeistation. Nachdem der Beamte erst mal aufgetrieben werden musste, er war irgendwie auch schon mit am feiern…, Nada, heißt es! Wieder nix! In einem kleinen Dorf an der Pista 40 haben wir dann kurz vor dem letzten Motorgrunzer doch noch Glück. Der halbe Ort kommt zusammen, um die Fremden aus Alemania zu begrüßen und in mehreren Garagen wird für uns mit Schläuchen und Trichtern ein Kanister Benzin ‚zusammengebastelt’, den wir dann in den Tank unseres durstigen Vans einflößen.

Natürlich bezahlen wir den Sprit gut mit einigen US-Dollars mehr als ‚normal’ und erzählen, so gut es geht noch vom „woher und wohin“ unserer Reise. Thema Fußball ist in Argentinien unvermeidlich und die Dorfjugend kennt das komplette deutsche Nationalteam auswendig. Wir tauschen Adressen aus und fahren mit einigen Gracias weiter nach Norden. Wir werden diese Aktion kaum je vergessen und es bleibt als Erinnerung ein historisches Foto der Hilfsmannschaft von Ranquil del Norte 2001!

Wir feiern die noch gerettete Silvesternacht - unsere erste in Südamerika - in San Rafael, denn Mendoza war dann doch nicht mehr zu schaffen. In den nächsten Tagen sind wir ganz froh, denn die Großstadt Mendoza zeigt sich hektisch, laut, ein wenig schmuddelig und der besuchte Zeltplatz am Rande der Metropole ist von Armenvierteln und mehreren umherziehenden Gangs umgeben. Rein von Gefühl her kein guter Ort zum sicheren pausieren, wir verzichten dankend und suchen uns außerhalb eine Pension bzw. ein Gasthaus.

Mit Mendoza, der argentinischen Weinhauptstadt (und Region), geht unser Besuch vom Westen des zweitgrößten südamerikanischen Landes langsam zu Ende, für dieses erste Mal. Und nicht ohne, dass korrupten Polizisten versuchen, uns um viele Dollars oder Pesos zu erleichtern - für angeblich zu schnelles Fahren. In dem Falle definitiv zu unrecht. Wir lassen nach längerer Diskussion unsere letzten DM-Scheine im Lande (zu Hause gibt es seit einigen Tagen den Euro, also schlechte Zeiten für korrupte Bullen). Wir kommen mit einem ‚blauen Auge’ davon und ohne Quittung, dafür aber nur einem Bruchteil der Anfangs geforderten, unverschämten Summe von 800 (!!)-US Dollar. Das chilenische Nummernschild war denen vielleicht ein Dorn im Auge und ein Grund zum abzocken.

Wir sehen zu, dass wir wieder über die Grenze nach Chile kommen, doch die lange Anfahrt zum Andenpass zieht sich hin. Die Landschaft verändert sich ständig und das Gebiet wird wieder arider und staubiger. Auf dem Fluss, der uns fast die komplette Zeit auf der Straße 7 begleitet, wird Wildwasser-Rafting betrieben. Man braucht von der letzten Abzweigung bis zum Pass bzw. der Grenze fast 90 km und im Gegensatz zur Chilenischen Seite geht es hier ganz langsam nach oben.

In der Alpinen Region fahren wir dann in den Provinzialpark „Aconcagua“, benannt nach den gleichnamigen, höchsten Andengipfel der Region. Natürlich nehmen wir die Stichstraße in den Naturpark und mit etwas Glück können wir den gewaltigen Berg in voller Schönheit bewundern.

Es stürmt, aber die Sicht ist frei, nur die Wandertour zu einem höher gelegenen Bergsee ist ein wenig ‚zugig’. Man spürt schon deutlich die fast 4.000 Meter Höhe, aber der grandiose Blick entschädigt allemal! Der Eisriese ist mit seinen 6.962 Metern der höchste Berg Nord- und Südamerikas und nach dem Staub und Dreck auf der Pisten Nr. 7 und Nr. 40 ein schöner Kontrast und wunderbarer Anblick.

Später geht es vorbei an arg mitgenommenen Grenzgebäuden und verlassenen Ruinen weiter Richtung Chile. Der Pass-Ort hat schon weit bessere Zeiten erlebt, denn ein Großteil der Häuser steht leer, viele davon sind verfallen. Ein herrenloser, räudiger und ungepflegter Bernhardiner streunt umher, eine Szenerie wie in einen Roadmovie der gespenstigen Art. Dann geht die Piste durch einen langen, kaum ausgeleuchteten, alten Tunnel.

Nach den wieder etwas umfangreichen Grenzformalitäten fällt die Mendoza-Pass-Straße in steilen, engen Serpentinen schnell wieder auf Meereshöhe ab. Wir finden optische Ähnlichkeiten zu den schönen Stilfser Joch, den Passo dello Stelvio, die legendäre Alpenpassüberquerung in Südtirol, die wir auch so gerne befahren.

Chile

Die Bremsen sollten hier funktionieren, denn mit dem niedrigsten möglichen Gang rauscht unser Van durch die Haarnadelkurven wieder nach Westen Richtung Pazifikküste.

Wir landen in Las Cruches, im altehrwürdigen Hotel „La Posada“ und haben von da aus einen beeindruckenden Blick aufs große Wasser.

Weiter südlich kehren wir im Restaurant „Bello Horizonte“ ein und erleben die Zelebrierung einer Orgie in Lachs. Wir bekommen nach opulenten Vorspeisen und Beilagen die größte je für uns gebrutzelte Lachsportion von Chef des Hauses serviert. Keiner schafft sie ganz, nicht mal Gunnar (!!). Danach sind wir platt und fliegen im hauseigenen Garten ein, der speziell für Gäste mit Pool und Wiesen angelegt wurde. Eine wirklich eindrucksvolle, kulinarische Veranstaltung auf dem Wege nach Valparaiso.

Auch die Küstenorte vor der berühmten Stadt laden zum Bummeln und Baden ein. Wir besuchen Algarrobo und Viña del Mar, das mit Valparaiso schon zusammengewachsen ist.

Warum nach Valparaiso? Wir hatten im Vorfeld schon einiges über die Hafenstadt mit ihren einzigartigen Steilaufzügen gehört und gelesen. ‚Sehenswert’ über ‚Gefährlich’ bis ‚Unbedingtes Muss’ wechseln in den Beschreibungen ab. Ist man einmal in dem langen Andenland unterwegs, so sollte man die Heimatstadt des chilenischen Nationaldichters Pablo Neruda einfach nicht auslassen.

Durch die Lage der Stadt, die sich über dutzende Hügel erstreckt, war es schon vor langer Zeit notwendig, für die Bewohner eine Verbindung zwischen ‚Ober’ und ‚Unterstadt’ zu schaffen, denn die Wege sind weit. Nun wurden schon vor über hundert Jahren (mit deutscher Hilfe!) einige, damals baulich gewagte verschiedene Steilaufzüge in die Terrassen Valparaisos eingefügt, die heute das Gesamtbild prägen und die Stadt unter anderen auch zum Weltkulturerbe gemacht haben.

Harte Gegensätze prägen die dicht bebauten Hügel am Meer, es gibt viel Armut zu sehen und weite Teile Valparaisos bestehen aus Favela-ähnlichen Bezirken, den Slums.

Nirgends sonst auf der Welt haben wir eine so große Menge an streunenden Hunden gesehen, ihre Zahl scheint die der Menschen hier weit zu übersteigen. Und trotzdem fasziniert uns dieser Ort, wir besuchen die Villa La Sebastiana, das ehemalige Wohnhaus von Pablo Neruda …

… und fahren mit den verschiedenen Aufzügen, die manchmal auch senkrecht nach oben führen und dann über Brücken funktionieren. Sie rattern und quietschen, teilweise wie uralte Straßenbahnen, die steilen Hügel rauf und runter. Der deutsche TÜV hätte seine helle Freude und würde hier ALLE Bahnen sperren, vermuten wir. Wir betrachten die museumsreifen Maschinenhäuser, Seile, sowie die Schienen mit gemischten Gefühlen. Nostalgie pur, und ein ständiges Wechselbad der Gefühle.

Vermeintliche Sicherheit in modernen Bezirken mit viel Polizeipräsenz wechselt mit fragwürdig chaotischen Stadtteilen. Prunk, Regierungsgebäude, Siegessäulen, Bürgerhäuser wechseln mit dunklen, im wahrsten Sinne des Wortes ‚schrägen’ Gassen. Wir passen auf uns und unsere Sachen gut auf, sind vorsichtig, und zumindest uns dreien (Gunnar, Heidi, Tom) passiert hier auch nichts. Wir haben aber auch schon andere Sachen erlebt und uns sind aus erster Hand mehrere Storys über Diebstähle und Raub berichtet worden.

Vom kleinen Abenteuer in Chiles bekanntester Hafenstadt geht es zurück zum Beginn unserer Rundtour, der Kreis schließt sich wieder und wir nutzen die letzten Tage hier in Südamerika, um Santiago de Chile zu erkunden. Natürlich muss man auch hier vorsichtig und immer vor Taschendieben auf der Hut sein, aber allgemein macht die Hauptstadt einen sichereren Eindruck. Wir wohnen Zentral in einem größeren Gasthaus und können gut mit dem Bus und der Bahn rum düsen. Es geht zu den bunten Wochenmärkten und in die umgebenden Berge zur Jesusstatue. Wir fahren mit Seilbahnen, besuchen den Fernsehturm und sehen uns im Regierungsviertel den renovierten Präsidentenpalast an, der ja durch den Militärputsch 1973 in aller Welt bekannt wurde.

Mit 5,3 Millionen Einwohnern (Metropolitan sind es sogar über 6 Mill.) ist Santiago längst eine der modernsten und größten ihrer Art in Südamerika. Es leben mittlerweile schon 40% aller Chilenen in der Umgebung von Santiago.

Wir geben unseren teuren Minivan ‚Kia Carneval’ wieder am Airport ab, doch trotz echt vorsichtiger Fahrweise befürchten wir, dass die Seitenwände des Vehikels nach der Rückgabe in alle Himmelsrichtungen wegklappen und in den staubigen Sand kippen. Das Fahrwerk und die Räder zur Seite fallen und das Fahrzeug eine Etage tiefer sinkt, wie „im Film“. Aber glücklicherweise hören wir nie wieder etwas vom Vermieter, und so scheint alles klar gegangen zu sein. Ein Jeep scheint für so ein Reisevorhaben besser geeignet zu sein, können wir nach vielen tausend Kilometern durch Chile und Argentinien empfehlen.

Nach etwas mehr als 3 Wochen ist unser (leider, wie fast immer zu kurzer) Urlaub zu Ende und es heißt wieder packen. Unsere Flugroute geht wieder über Miami, Florida zurück nach München und wir nutzen den Stopover für 2 Nächte, Strand und Einkauf in Miami Beach. Wir fahren mit unseren Mietauto über die vielen Brücken und Kanäle, besuchen den Art-Deco Bezirk, die Strandbars und Musikgeschäfte, denn das macht dem musikverrückten Sammler immer wieder Spaß.

Unser erster Eindruck vom Süden Amerikas ist insgesamt positiv, der Weg ist leider von Europa weit und manchmal umständlich, aber die Menschen und Landschaften, die Kultur und das Sommerwetter im Dezember/Januar lohnen für den interessierten Globetrotter durchaus solch eine Reise. Wir möchten einmal wiederkommen, und sollten wir die Möglichkeit haben, mit mehr Zeit und Ruhe.

Gracias, hasta la vista, Chile y Argentina!

 

Info: Natürlich verwenden wir hier wieder mal Fotos aus der Vor-Digitalen Ära. Wir haben, um sie sozusagen zu retten, von Papierfotoqualität eingescannt. Mit der Schärfe und den Farben unserer neuesten Reisen können sie leider nicht mithalten.

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