USA Südwest-Tour 1996

Schon lange hatten wir uns mit dem Gedanken getragen, mal eine weitere "Ergänzungs"-Tour zu unseren US -Western-Tour Klassikern zu machen, und da die Entfernungen gewaltig und die Auswahl der Naturphänomene groß ist, haben wir diesmal eine One-Way Tour geplant. Von Houston, Texas ausgehend weit durch dem tiefen Südwesten, an der Grenze zu Mexico entlang und weiter durch die scheinbar endlosen Canyonlanschaften Arizonas über Utah nach Las Vegas, Nevada. Was für eine atemberaubende Aneinanderreihung von Erosionslandschaften, Stauseen, Westernstädtchen, Gebirgen und weiten Wüstenebenen, sowie ein ständiger Wechsel von Landschaftsformen und Temperaturen, Flora, Fauna und gigantischen Weiten in der freien Einsamkeit des alten, klassischen Westens.

Mit an Bord waren Marco (Eller), Heidi & Tom, also nur zu Dritt. Wir waren relativ spät dran, starteten wir doch erst im Oktober, mal was anderes als im heißen Sommer. Haben in der Millionenmetrople Houston ein Auto gemietet

und los ging’s ins viel besinnlichere San Antonio,

das mit seinem Kanälen (u. River Walk) und viel Grün auch als ein kleines, amerikanisches Venedig durchgehen kann. Mir, (Tom) hat die 1,3 Mill. Stadt, (siebtgrößte der USA und älteste Stadt des zweitgrößten Bundesstaates) von den texanischen Cities am besten gefallen.

Aber die Städte sind und waren nicht unser vorrangiges Ziel. Ein erstes Highlight der Tour über Del Rio kam mit dem Besuch des Big Bend National Parks.

Dieser Park liegt ganz im Südwesten und ein mächtiger Gebirgszug wird von dem Canyon des Rio Grande durchbrochen. Im Flusstal an der Grenze zum südlichen Nachbarn haben wir auch eine Wandertour unternommen.

Mexico ist hier überall greifbar - früher gehörte die ganze Gegend ja eh' dazu. Ein Tour-Tipp ist der Verlauf des Highway Nr. 170, vom Park Richtung Nordwesten, immer am Rio Grande entlang durch herrliche Schluchten und einsame Gegenden, eine Berg- und Talfahrt durch die versteinerte und ausgewaschene Geologie unserer Erde.

Kaum zu versäumen war ein Abstecher zum Carlsbad Caverns NP. Man kann hier eines der größten Tropfsteinhöhlensysteme der Welt bewundern, darunter die tiefste und bekannte Kalksteinhöhle mit 487 Metern Tiefe.

Weiter südlich – bereits in Texas-, liegt der Guadelupe-Mountains NP mit einer Mischung aus Bergwäldern, Wüstenvegetation und Hochgebirge. Ein sehr schönes Visitor-Center veranschaulicht Pflanzen und Tiere der Region und bringt Dokumentationen über die Geologische Entstehung der Gegend. Der Guadelupe Peak ist mit 2667 Metern die höchste Erhebung in Texas.

Von der Grenzstadt El Paso haben wir dann doch einen Abstecher nach Ciudad Juarez gemacht, natürlich zu Fuß. Viva Mexico, "Imposante" Grenzanlagen, deutliche Armut, eine eigentümliche Stimmung war es schon in Juarez. Wir waren uns nur damals noch nicht bewusst, dass die Grenzstadt eines der heute massiv gewalttätigsten Zentren des Drogenschmuggels werden würde. Oder schon war.

Wieder in Texas ging’s auf die Interstate Nr. 10, go West, und nach Lordsburg, New Mexico und dann schon rüber nach Arizona. Im äußersten Südwesten besuchten wir die ehemalige Wirkungsstätte von Wyatt Earp - Tombstone, mit Geschichtsträchtiger Kulisse, staubigen Westerncharme und billigen Motels. Die berüchtigte Westernkneipe "Desert Pony" mit Hausgemachten Spezialitäten und 'Foster-Bier' lag an unseren Wege, wir konnten im Saloon urige Typen und Originale kennenlernen, Wyatt Earps Zeiten scheinen hier gar nicht soo lange her zu sein.

Ein Naturpark erster Sahne ist das etwas nördlich gelegene Chiricahua National Monument. Ist man in der Gegend, sollte man keinesfalls vorbeidüsen, es lohnt sich!! Die skurrilen Felsskulpturen erinnern uns ein wenig an die alte Heimat in der sächsischen Schweiz, das Elbsandsteingebirge in Sachsen. Die Felssäulen, hier aber aus Tuffstein, wurden von Vulkanen und den darauf folgenden Erosionen geformt und in Jahrmillionen durch GEO-Plattentektonik angehoben. Die Balance-Rocks, Orgelpfeifen, Wackelsteine und der Bonita-Canyon bilden die wildesten und abenteuerlichsten Formen. Man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen, einige Trails wandern und tolle Fotos der Formationen machen, wie wir auch. Ungewohnt kalt war's, Mitte Oktober auf/in dieser Höhenlage, aber sehr beeindruckend.

Auf dem Weg nach Tucson mussten wir natürlich einen kleinen Umweg zum Saguaro NP machen und die herrlichen, teilweise riesig großen Kandelaberkakteen bewundern, die sich durch die Sonora Wüste um Tucson ziehen.

Auch nicht weit weg von der Stadt entfernt und uns durch interessante GEO-Berichte bekannt, ein Forschungszentrum besonderer Art: "Biosphäre 2". Durch private Sponsorengelder finanziert, hatte man zu Beginn der 90er Jahre einen großen Komplex von Gewächshäusern, Umwälzanlagen, Werkstätten geplant und gebaut, um den Versuch zu unternehmen, die Öko - und Biosphäre der Erde auf kleinen Raum nachzubauen und zu erforschen. In zwei Langzeitversuchen haben Forscher, "Bionauten", in der selbstregenerierten Miniaturwelt gelebt und gearbeitet, der Versuch ging, wie bekannt, schief. Das System kollabierte, aber die Stätte der Forschung kann man heute noch besichtigen, klar, dass wir uns das nicht entgehen ließen.

Die Gegend um die Wüstencity bietet unglaublich viele Sehenswürdigkeiten. Im Westen (Hwy.86) das "Kitt Peak National Observatory" mit mehreren, öffentlich zugänglichen Sternwarten, einem 'Sonnenobservatorium', einem Super-Visitor Center und freundlichem Personal.

Einige steinige, einsame weitere Meilen im Westen, nun schon wieder direkt an der Grenze zu Mexico, liegt inmitten grandioser Wüstenlandschaft das "Organ Pipe National Monument". Klar, mussten wir hin, waren doch schon in der Nähe!

Dann war Zeit, einiges einzukaufen, es ging in die Hauptstadt, Phoenix, nicht ohne das schöne State Capitol zu besichtigen und einige CD + Plattenläden unsicher zu machen, unsere Ausbeute war (auch in Tucson) recht ansehnlich.

Großstadt ade. Nächstes Ziel ist die Wildwestcity Goldfield als Museumsstadt und weiter in die Berge östlich von Phoenix, ging es zum riesigen Theodore Roosevelt Lake und Staudamm. Am See ist auch das "Tonto National Monument" zu finden. Die im Wüstenklima gut erhaltenen Pueblos der Salado - Indianer haben wir besichtigt und auch das tolle Besucherzentrum.

Nachdem wir bei Holbrook die alte Highway 66 überquert hatten, kam schon, inmitten des vielgefilmten "Painted Desert" ein weiteres Naturphänomen, der Petrified Forest NP. Die durch das Eindringen von Kieselsäure, in ca. 200 Mill. Jahren versteinerten Bäume sind zu bewundern, inmitten von surreal schöner, in allen Farben leuchtender Landschaft. In den Stämmen, die teils wie Opale leuchten, sind Quarz -und Amethyst-Kristalle eingeschlossen. Diese Gegend stellt die südlichen Ausläufer des Colorado-Plateaus dar und die hügelige Landschaft beeindruckt bei jeder Sonneneinstrahlung mit einem anderen Licht, anderen Farben.

Die Hoodos (tolle "Kleckerburgen“), braun-gelb-schwarze Erde mit Einschlüssen von feuerroten Eisenoxid, schaffen einzigartige Motive für Poster, Kalender, Postkarten und ganze Künstlerkommunen im nicht weit entfernten Sedona.

Wir konnten uns nur schwer von dieser Szenerie trennen, aber im Norden wartet ja bereits die "Hubbell Trading Post" (ein historischer Handelsposten). Es ging die Hwy.191 weiter nach Norden und dann kam auch schon einer der schönsten Canyons im amerikanischen Westen, der 'Canyon de Chelly' bei Chinle. Ein klarer Höhepunkt unserer Reise. Der Canyonrand war schon von vorwinterlichen, leichten Schnee bedeckt und wenn man, so wie wir am nächten Tage, zum Grund der Schlucht heruntersteigt, umfängt einem grüne Vegetation. Es ist ca. 20 Grad wärmer und man kann die "White House Ruins", die Pueblos der Anasazi, besichtigen. Es sind die mit ca. 2500 Jahre v. Chr. ältesten menschlichen Zeugnisse am Colorado Plateau, die dort gefunden worden sind. Das Land gehört den Dine-Indianern und nur sie bieten Führungen und Ritte durch den Canyon an. Die roten Felsen, der blaue Himmel und die sattgrünen Bäume in der Schlucht bringen schöne Kontraste und der Pfad immer neue Perspektiven dieses einzigartigen Naturwunders, hier wurde 1969 einer der besten Western-Klassiker vor grandioser Kulisse gedreht: "Mackenna's Gold", mit Gregory Peck, Omar Sharif, Telly Savalas u.a. einzigartig verfilmt. Also, als Fan wollte ich immer schon mal an diesen Ort, anfangs glaubte ich kaum, dass der Spider-Rock, eine einzeln stehende Felsenadel von 240m Höhe, wirklich real ist bzw. sein kann. Ist sie aber, den Anblick vergisst man nie mehr, genau so wie den ersten Blick in den Grand Canyon...und wir denken, das wir an diesen Ort wiederkommen werden, wenn wir irgendwann mal wieder in 'der Gegend' sind.

Das kann nun kaum noch getoppt werden, aber es ging ja ins Monument Valley. Erst mal haben wir ein Privatquartier gesucht in Kayenta, und fanden bei Mr. John Bornefeld und seinem Spitz Sascha Quartier.

Unser Quartier bei einem (in Gegenseitigkeit) völlig unbekannten Menschen zeigte uns auch wieder mal, welches Vertrauen John uns entgegenbrachte, er fuhr zur Nachtschicht und ließ uns mit allem Hab und Gut allein, nicht mal unsere Pässe wollte er sehen. Unser nach 1992 zweiter Besuch im Monument Valley war wieder voll gelungen, die Magie dieses Ortes nimmt einen immer wieder gefangen. Auch wenn einem bewusst wird, das die unrühmliche Geschichte des Umganges der Amerikaner mit ihren Ureinwohnern stets präsent ist. Trotzdem begeistern die Tafelberge und Felsspitzen, die Weite und Einmaligkeit der Landschaft des Westens auf eine ganz bestimmte Weise, wie sonst keine vergleichbare Halbwüstenszenerie.

Wir besuchten mit 'Natural Bridges' einen kleineren, feinen Park weiter nördlich und sahen uns die Windungen des San Juan Rivers an, die der Fluss in Millionen Jahren in den Fels gegraben hat, treffenderweise 'The Goosnecks' (Gänsehälse) genannt. Immer wieder überrascht uns UTAH mit neuen geologischen Formen, steilen Bergpässen, Canyons und Naturtunnels.

Wir überquerten den 'oberen' Lake Powell und feierten in Hanksville unser erstes, amerikanisches Halloween. Und der Staat Utah, reich an Abwechslung, brachte uns im Norden schon das nächste Highlight, den Capitol Reef National Park. Das ca. 150 km lange 'Waterpocket Field' ist das Zentralstück des Parks, die früher horizontalen Gesteinsschichten wurden gehoben und es entstanden Bruchkanten, Canyons und Domartige Felsentürme. Man findet fossile Reste aus der Zeit, als dieses Land noch Teil eines Ur-Ozeans war, es gibt schöne Wanderwege und (wieder) einzigartige Fotomotive.

Das Ende und DER überraschendste Natur-Höhepunkt unserer Tour war dann aber der Antelope Canyon am Ufer des Lake Powell beim Städtchen Page, Az. Der Slotcanyon liegt in der Navajo Indian Reservation und ist nach Bezahlung an der Indianerhütte beim Eingang auch ohne Führung (zu damaliger Zeit) zu bewundern. Als beste Zeit empfiehlt sich die Mittagszeit von 10-14 Uhr, um die besten Farbenspiele im Canyon einzufangen. Wasser, Steine, Strudel und vieeel Zeit haben in weichen Sandstein ein Wunder geschaffen, das sprachlos macht. Feinste Kratzspuren und Kanten, wie mit einem gezackten Messer durch weiche Butter gefahren, dazu alle Rot-Ocker-Gelb Töne bis Lila und Weiß spielen mit den Lichtreflexen der einfallenden Sonne. Man klettert immer tiefer in die faszinierende Enge dieser Erosionsschlucht und fühlt sich fast wie in einem unwirklichen Organismus aus Sand und Fels. Nie sollte man dieses Phänomen der Natur verpassen, wenn man einmal in dieser Gegend ist, so war unsere einhellige Meinung, und oft in den kommenden Jahren und -Touren zog es uns immer wieder zum Antelope Canyon! Ein Kleinod, ein unglaublicher Gegensatz zur fassungslosen Riesenhaftigkeit des Grand Canyon allemal. Eines ist wichtig, man sollte vor dem Betreten die Witterungshinweise und ggfs. Warnungen der Navajos beachten und nur bei sicheren Wetterbedingungen in den Antelope Canyon gehen, ein schwerer Unfall mit vielen Todesopfern nach starken Regen in den Bergen (ein paar Wochen nach unserer Tour) ist Mahnung genug.

So. Und dann kam Las Vegas. Oder wir, besser gesagt, in die Spielerstadt. Als Abschluss, zum Staunen und Kopfschütteln (immer wieder) und die Shows sind Klasse. Wer nicht spielsüchtig ist, kann in Vegas richtig Spaß haben, auch wenn einem von den vielen Slotmachinen die Ohren klingeln. Es gibt immer so viel Neues zu sehen, wenn man mal eine Weile nicht in der Stadt war. So auch die 1996 neu errichtete 'Fremont Street Experience', eine 450m lange Glaskuppel mit LED-Display von LG, die die klassischen 5 Blocks der 'alten' Fremont Street überdacht, und es werden nach Einbruch der Dunkelheit zu jeder vollen Stunde Shows gezeigt, gratis, versteht sich.

Im Stratosphere-Tower, dem damals recht neuen Turm der Stadt, kann man Wohnen, ein Riesenbuffet stürmen, spielen sowieso, oder sich mit dem 'Big-Shot' angeschnallt in den Himmel über der Wüstenstadt ballern lassen, um im freien Fall wieder runterzurauschen, oder in die höchste Achterbahn um die Kuppel des Turmes düsen. Haben wir (Eller und ich) mal ausprobiert und (zumindest gefühlsmäßig) alles Adrenalin für längere Zeit verbraucht. Was macht man nur für verrückte Sachen...

Die großen Hotels am Las Vegas Strip versuchen sich gegenseitig mit Attraktionen zu übertreffen. Wir haben auch lange in diversen Musikläden zugebracht und uns an unseren Abflugstag die Mitternachtsshow von David Copperfield im Cäsars Palace gegeben. Wir waren voll begeistert, live ist es eine ganz andere Sache als im TV (wo man tricktechnisch so leicht verarscht werden kann). So ist es beim zuschauen im großen Showroom des Cäsars' doch ein ganz anderes Erlebnis, eine nahezu perfekte Illusion, nur einige Meter entfernt und trickmäßig kaum nachzuvollziehen, faszinierend und jeden Dollar wert, fanden wir.

Zwischendurch gab es noch einen Tagesausflug in den Red Canyon, der uns auch immer wieder anzieht. Hier zaubert die Sonne, durch die vielen Farbschichten, wunderbare Fotomotive. Wenn es nicht allzu heiß ist, kann man auch umherstreifen.

Auch einen Besuch an der Grenze Nevadas zu Californien, dem 'Buffalo Bill-Casino', werden wir nicht vergessen. Aus dem Boden führend, durch das Dach der nicht gerade kleinen Spielhalle, beginnt eine der größten Achterbahn-Konstruktionen der Welt (zumindest bis 1996). Das Riesenteil bringt es nach Infos der Betreiber auf ca. 4 km Streckenlänge. Der Fahrende ' verschwindet' weit oben im Abendhimmel, um dann volles Programm in ein Tal mit Tunnel zu rasen und wieder aufwärts in den Wüstenhimmel. Ein irrer Ride für alle Fans, klar haben wir das Teil ausprobiert, bis uns die Knochen vom Andruck weh taten...

Nach 4 ereignisreichen Wochen, einigen 1000 Kilometern durch den Westen und Südwesten, durch 6 Bundesstaaten, ein halbes Dutzend große Städte und viel Natur ging dann unsere Tour mit einem sehr klapperigen Inlandflug nach Houston, Texas (und dann wieder nach Europa) zu Ende. Wiederkommen ist obligatorisch.

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