USA-Kanada Herbst-Tour 1994

Am Montag, dem 29.8.1994 war es endlich soweit. Urlaub. Und was für einer!! Wir hatten alle lange daraufhin gearbeitet und in dieser Besetzung war eine so umfangreiche Tour über den ‚großen Teich’ sowieso Premiere. Interessant war es ohne Frage, uns alle auf einen gemeinsamen Zeitraum abzustimmen, noch dazu ist es mit 4 Wochen ein relativ langer Zeitraum. Sowas ist bei manchem Arbeitgeber zuerst mal ein grundsätzliches Problem und ist man selbstständig, ist es nicht weniger schwierig. Aber nach fast 10 Monaten Vorlauf und Planung war es im Spätsommer Zeit zum starten.

Wir fliegen mit Delta Airlines vom Münchener Franz-Josef-Strauß-Airport über Atlanta/Georgia in den Bundesstaat Washington, nach Seattle, unserem Ausgangspunkt der gemeinsamen Rundtour durch die Rocky Mountains und an die pazifische Westküste Nordamerikas. Uns Beide begleiten Eller und Sylvia & Veit, so dass wir zu fünft einen relativ komfortablen Minivan gemietet hatten. Alles läuft bestens mit dem blauen Chevy Astrovan, den wir bei Alamo in Seattle holen.

Zu Fünft muss einiges an Ausrüstung verstaut werden und diverse Bierchen und Verpflegung sollen ja auch mit ins Vehikel passen. Für drei von uns gibt es bei ‚Dennys’ das erste „Breakfast in Amerika“, zwar nicht ‚getrampt’ – aber SUPER.

Auch gute Musik sollte es unterwegs immer geben, so hatten wir einige Soundkonserven mit, aber auch das Programm der Radiostationen unterscheidet sich im Anspruch schon von den Deutschen. Wenn hier in den USA oder in Kanada ‚Classic Rock’ draufsteht, ist auch welcher drin. Eine Klassenummer jagt die andere, es gibt nicht die ständigen Wiederholungen und eine erfrischend andere Zusammenstellung. Meistens werden 2 Stücke einer Band hintereinander gespielt, keine schlechte Sache und irgendwann rätselt man schon fleißig, welcher der zweite Titel denn sein wird.

Zu Beginn geht die Reise von Seattle gleich nach Norden. Wir passieren die Kanadische Grenze und sind schon einen Tag nach unserer Ankunft in British Columbia.

Das erste richtige Ziel ist Vancouver, denn die ‚schlaflose’ Großstadt am Puget Sound heben wir uns für das Ende der Tour auf. Vancouver erscheint uns ein wenig wie ein kanadisches San Francisco, denn die schöne Lage am Meer, an einer riesigen Bucht ist durchaus vergleichbar. Die ‚Lions Gate Bridge’ - welche die gleichnamige Bucht überspannt - ist ein grün gestrichenes Pendant der berühmten Golden Gate Bridge, aber doch nicht ‚dasselbe in Grün’, ein nicht ganz so bekanntes Exemplar.

Vancouver verfügt nach der Metropole an der San Francisco Bay über das zweitgrößte Chinatown in Nordamerika und das Expo-Gelände am Hafen ist beeindruckend, alles ist größer und weiter als in Old Europe.

Wir entern das Panorama-Restaurant des Harbour Center-Wolkenkratzers in Downtown Vancouver und haben von dem Diskusförmigen Observationsdeck einen phänomenalen Blick über die Stadt und der Lions Bay bis weit nach Norden in die Wintersportgebiete.

Damals wussten wir noch nicht, dass diese Gegend der Austragungsort der olympischen Winterspiele 2010 werden sollte. Wir besuchen das IMAX Kino und kaufen einige, erste Sachen mit unseren kanadischen Dollars. Auch die Musikläden der 2,2 Millionenstadt sind ein besonderer Anziehungspunkt, wir können an vielen, lange gesuchten Scheiben einfach ‚nicht vorbeigehen’.

Die Leute hier sind zum sehr großen Teil freundlich und hilfsbereit und nach 2 intensiven Tagen in der City of Vancouver und 1 Nacht auf dem River Valley Camping geht es immer am mächtigen Fraser River entlang in Richtung Berge. Wir passieren gigantische Brückenkonstruktionen und steuern auf dem Trans Canada Highway No.1 durch das Tal des Fraser River. Als wir die weiträumige, urbane Region der Großstadt verlassen, bringt uns der riesige Fraser Canyon ganz neue Eindrücke.

Parallel zu Fluss und Straße verkehren gewaltige, 1-2 km lange Güterzüge, die vor allem Erze und Kohle oder Holz transportieren. Wir zählen manchmal über 100 Waggons.

Wir passieren das „Hells Gate“, einen schmalen Felsdurchbruch des Fraser River und fahren über Kamloops bis in das Städtchen Golden, das Tor zu den kanadischen Rockys. Die Stadt mit dem edelmetallischen Namen hat eine große Zahl von Hotels und Motels. In den Bergen selbst wird es dann deutlich teurer mit den Übernachtungen, aber im Sommer ist nach Möglichkeit eh’ campen angesagt. Wir suchen eine ganze Weile und werden dann beim ‚Selkirk Inn’ fündig, einem recht gepflegten, im Mountain Style gebauten, kleinen Hotel.

Auf dem Wege zu der Hauptpassstraße machen wir einen Abstecher in den etwas kleineren Yoho National Park und in den Mt. Revelstroke Park. Wir bleiben beim erwandern des gleichnamigen Berges in fetten Nebel stecken, was uns dann leider zur Umkehr zwingt. Wir besuchen die Natural Bridge Falls im Yoho National Park, doch die ganz großen Berge bleiben in diesen ersten Tagen immer etwas vernebelt, erst später klärt sich das Wetter weiter auf.

In der Nähe des touristisch etwas überforderten Lake Louise führt uns die Tour zu einem Fotomotiv der besonderen Güte.

Der türkiesblaue Lake Moraine liegt im schönen „Valley of Ten Peaks“ (die Gipfel verstecken sich wieder mal im Nebel) aber die fast unnatürlich starke, türkise Farbe des Sees leuchtet dafür umso mehr. Die Färbung des Wassers kommt durch die Sedimente, die von den Gletschern aus dem Stein gespült werden. Der Lake Moraine war lange auf der Rückseite des kanadischen 20 Dollar-Scheins zu sehen, bis ihn ein neues Motiv ablöste.

Wir sind begeistert von dem schönen, sehr informativen Visitorcentern, die man entlang der Strecke durch den Nordwesten dieses riesigen Kontinentes reichlich finden kann. Geschichte, Geologie und Natur werden anschaulich dargestellt. Es gibt viel Material, Karten, Infos und oft Gratis Hilfe bei Quartiersuche, sogar Ortgespräche sind dafür freigeschalten.

Der ‚Icefields Parkway’ führt 305 Meilen = 491 Km durch eine der schönsten Hochgebirgslandschaften der Welt und verbindet die beiden Nationalparks Banff (im Süden) und Jasper (im Norden). Auf der Strecke liegt auch einer der größten Wasserfälle der Gegend, die höchsten Kaskaden der Fälle erreichen bis zu 23 Meter. Ein Besuch und eine Wandertour an den Athabasca Falls versteht sich von selbst.

Die Bergseen übertreffen sich gegenseitig in verschiedenen Blautönen, Abwechslung und Schönheit, überall gibt es Wanderwege, Aussichtspunkte, Infos und man trifft auch viele

Reisende aus Übersee. Die japanischen Reisegruppen belustigen uns immer wieder. Besonders die Damen aus Nippon, wie sie in fast Science-Fiction-artigen Gewändern und weißen Handschuhchen durch die Landschaft gleiten, oder man sich gegenseitig in perfekt inszenierten Fotosessions ablichtet. Es geht zu wie in einer schrägen Filmkomödie. Die Japaner bleiben jedoch unter sich, während man mit den Kanadiern oder Amerikanern regelmäßig gut ins Gespräch kommt. Ein ‚Woher und Wohin’ ist immer drin und mancher einer erzählt begeistert über seine Army-Zeit in Germany und die ‚German Autobahnen’, wo man so herrlich schnell fahren darf. Was manchmal für uns allzu selbstverständlich ist, aber einzigartig weltweit.

Am Columbia Eisfeld gehen wir vom Vistor Center zur Gletscherzunge rauf und beobachten nachdenklich den starken Schwund der großen Eiszunge in den letzten 60-80 Jahren, der dort sehr anschaulich anhand von Markierungen dargestellt ist.

Wir passieren das Städtchen Jasper und den gleichnamigen Nationalpark. In Jasper gibt es wieder viele Motels und Campen kann man an vielen Plätzen auf der ganzen Strecke, die Plätze sind meist wunderbar gelegen.

Von Jasper aus Richtung Osten liegt mit dem Maligne Lake einer der schönsten Bergseen der Region und wir machen auch dorthin einen Abstecher, der sich lohnt! Und dann das.

Es passierte am Nachmittag: Als wir ein Picknick am Ufer des Sees einnehmen und alle entspannt die Landschaft bewundern, werden wir einfach unterwandert. Von einer imposanten Elchkuh, die im wahrsten Sinne des Wortes direkt zwischen uns durch trottete, uns kaum eines Blickes würdigte und geradezu Kurs in den See nahm. Das kapitale Vieh mit den staksigen Beinen ging auf Tauchstation (und zwar länger, als ein Strauß den Kopf in den Sand stecken kann…) und mampfte in aller Ruhe einige Kilo Seegras, ein schöner Anblick!

Auf der Weiterfahrt in Richtung Edmonton konnten wir uns über einen Mangel an heimischer Fauna auch nicht beschweren.

Manche Tiere beeindrucken einfach immer wieder, und da verwechselt man in der Begeisterung oder Überraschung schon mal schnell die Namen, besonders, wenn beide sich so sehr ähnlich sehen! Zwinkernd

Wir fahren, immer noch ganz besoffen von dem Gletschern und Bergspitzen der Rockys, wieder langsam bergab durch weite Wälder und Graslandschaften und entdecken einige grasende Wapitis - die großen nordamerikanischen Hirsche - die gar nicht mal selten anzutreffen sind. Unsere Sylvi war so überrascht, dass sie die friedlich grasenden Tiere mit dem weißen Hinterteil gleich mal als „Fische Fische!!“ angerufen hat. Na, der kleine Irrtum war schnell erkannt, und noch heute, nach vielen Jahren müssen wir im Nachhinein alle immer wieder über diese einmalige Situation lachen.

Überhaupt haben wir viel Spaß und wirklich jeder Tag ist vollgepackt mit landschaftlichen, historischen oder architektonischen Höhepunkten, bzw. eine Mischung von jedem. Was diese Reise an großer Abwechslung durch die vielen, sehr verschiedenen Gegenden bringt, ist kaum zu übertreffen, eine Empfehlung erster Klasse.

Wir hatten im Vorfeld gehört bzw. gelesen, dass in Albertas Hauptstadt Edmonton vor einiger Zeit eines der weltweit größten Shoppingcenter eröffnet hatte. Mit Kinos, Eishalle, Hardrockcafe, Achterbahnen-Indoor-Park, Mini-U-Booten, Entertainment und massig Läden bis zum Abwinken.

Das wollten wir schon mal sehen, und verbringen einen verrückten, adrenalinhaltigen Tag in der ‚West Edmonton Mall’. Wir probieren dort die ungewöhnlichsten Fahrgeschäfte und lassen uns kreuz und quer durch die Luft schleudern. Hat man einmal bezahlt, ist alles inklusive und man kann dies einen erlebnisreichen Tag lang nutzen. Zu dieser Zeit war das einfach DER Knaller für uns.

Zwischen Edmonton und Calgary fahren wir erstmals durch flache, weite Prärie und die Gipfel der Rockys schimmern westlich - in ca. 80 km Entfernung silbern - in der Sonne.

Nicht viel weiter südlich erreichen wir den Austragungsort der olympischen Winterspiele 1988. ‚Gefühlt’ war es gar nicht so weit her, als wir interessiert die Spiele durch die gedachten, imaginären Gitterstäbe der DDR-Grenzen im Fernsehen verfolgen konnten und nun sind wir endlich real hier. Heimat der berühmten Calgary-Stampede, einer großen Landwirtschaftsausstellung und größten Rodeoshow der Welt. Dieses Event war aber schon lange vorbei und findet regelmäßig im Hochsommer statt.

Fährt man von Calgary nach Süden Richtung US-Grenze, kommt man zum nächsten ‚tierischem Ereignis’, zumindest in der Geschichte. Der „Head-Smashed-In Buffalo Jump“. Schon ca. vor 6.000 Jahren nutzten die Blackfoot-Indianer eine 10 Meter hohe Felsenklippe, um Büffel dort in den Abgrund zu treiben und die gestürzten Opfer als Fleisch- vor allem als Wintervorrat zu nutzen. In unserer Zeit gibt es ein Denkmal und einen sehenswertes Visitor Center der Indian Reservation an dieser Stelle.

Die Staatsgrenze südlich davon bildet eine eindrucksvolle Wand aus Fels, Stein und Eis: Der „Waterton-Glacier International Peace Park“. 2 Parks auf dem Territorium der USA und Kanada wurden grenzübergreifend zusammengeschlossen, und erstrecken sich hier zwischen Alberta und Montana in einer der spektakulärsten Gebirgslandschaften Nordamerikas. Wirklich einer der schönsten Parks überhaupt.

Die Passstraße, ‚Going to the Sun’ führt in gelungener Streckenführung durch das Hochgebirge und es gibt immer wieder Aussichtspunkte mit neuen Perspektiven.

Wir bleiben eine Nacht im Park und können Schneeziegen beobachten, im Camp grillen und die Landschaft genießen.

Hat man den Logan-Pass mit ca. 2.200 Meter Höhe passiert, geht die Reise im weiteren Verlauf wieder steil bergab und nach Verlassen der Parkgrenzen fährt man lange am Flathead Lake entlang. Der riesige See ist der größte Süßwasserspeicher westlich des Mississippi und mit über 200 Quadratmeilen Fläche und einer Uferlänge von 185 Meilen, sind es also ca. 300 km.

Wir finden in Polson/Montana einen KOA Campingplatz mit Superblick vom Berghang auf den See hinab. Es gibt einen beheizten Pool, Kochecke und nachts einen tollen Blick auf den Sternenhimmel bei einem Fläschchen Kalifornischen Wein. Die fast grenzenlose Weite der Gebirgszüge und Ebenen im selbsternannten ‚Big Sky Country’ Montana beeindruckt uns schon gewaltig. Der Staat ist relativ dünn besiedelt, es gibt keine großen Metropolen und wir stoppen in der ehemaligen Goldgräberstadt Butte.

Wir machen einen Rundgang durch die staubigen Straßen, vorbei an alten Fördertürmen, Mienengebäuden und Wildwestatmosphäre. Auch weiter südlich in dem Städtchen Ennis scheint ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein.

Der Grenzort West Yellowstone markiert die Bundesgrenze zu Wyoming und weiter südlich erstreckt sich der größte und älteste Nationalpark der USA.

Schon 1872 wurde er gegründet und ist vor allem für Natur- und besonders für Vulkanfreunde ein Ereignis erster Güte. Schon oft hatten wir von Old Faithfull - dem bekannten Geysir - gehört, der immer pünktlich ausbricht.

Auch die heißen Schlammlöcher, Sinterterrassen und kochenden Quellen sind schlichtweg der Hammer. Kaum irgendwo sonst, (außer evtl. im Norden Neuseelands und Teilen Kamtschatkas) kann sich der interessierte Hobbygeologe Cool so mit der Wärme aus dem Erdinneren (und seinen Folgen!) beschäftigen wie hier.

Dort, wo die Natur durch die vielfarbigen Mineralquellen, Auswaschungen und Sinterformationen sehr verletzlich geworden ist, schützen kilometerlange, gepflegte Holzbrücken vor zu starker Zerstörung durch die vielen Besucher. Es gibt viel nützliche Infos und beim ersten Mal kann man Yellowstone - auch auf Grund seiner schieren Größe und gewaltigen Komplexität - kaum fassen, so viel gibt es zu sehen. Von einem ‚eigenen’ Grand Canyon mit großen Wasserfall über die vielen, verschiedenen Geysire bis zu den (wieder) überraschend gut gewachsenen Büffelherden, die eindrucksvoll durch den Park ziehen.

Die heißen Quellen haben durch die Minerale alle Farben des Spektrums und manche enthalten auch eine halbe Apotheke an Giften, die durch die gefährliche Magmablase unter dem Park an die Oberfläche geschickt werden.

Nach Süden hin folgt ebenfalls ein Naturhighlight nach dem anderen. Mit dem Grand Teton Mountains besuchen wir eines der höchsten (und gleichnamigen) Gebirge der USA und können am Jackson Lake einen einsamen Schwarzbären bei der Nahrungssuche beobachten. Der Teddy ist jedoch in sicherer Entfernung zu unseren Van.

Bis 4.198 Meter erheben sich die Gipfel hier in den ‚Tetons’, wie sie kurz genannt werden. Uns begegnen wieder viele Wapiti-Hirsche, die in kleineren Gruppen die fetten Bergwiesen abgrasen. Südlich der Tetons wird die Prärie wieder weit, die ganze Gegend nennt sich auf Grund der umliegenden Berge ‚Jackson Hole’ und beherbergt die gleichnamige Stadt, die Ihren Western Mythos immer noch alle Ehre macht.

Kommt man nach Jackson, Wyoming, so fehlen nur die Gäule, und das Wild West Feeling ist perfekt. Fast alles ist aus Holz bebaut, überall gibt es schöne Verandas und urige Kneipen. Heute ist Jackson natürlich ein Touristenort mit reichlich Geschäften, aber ein wirklich schöner Platz.

Wir kehren abends in die berüchtigte ‚Million Dollar Bar’ ein und genehmigen uns eine Runde Whisky – ein paar von uns versuchen sich im Square Dance - und wir lernen wieder jede Menge Leute kennen.

In Jackson erfahren wir auch, dass man auf den nördlichen Snake River „White Water Rafting“ machen kann und buchen für den nächsten Tag eine Tour. Fotos gibt es leider keine, dafür war die Aktion zu feucht Unschuldig, aber die Blicke in die umliegenden Berge von der Gischt des Snake River aus werden wir nicht vergessen.

Es war eine tolle und gut organisierte Fahrt im Schlauchboot und wenn man nicht gerade über Stromschnellen brettert, kann man die Natur vom nahezu lautlos dahin gleitenden Boot herrlich genießen. Nach dem Klamotten trocknen und einem Imbiss von der Rafting-Company ging die Reise weiter über die nächste Staatsgrenze nach Idaho.

Wieder mal ein neuer Bundesstaat für uns und auch eine neue Erfahrung: Wie im Road Movie stiegen wir nach längerer Fahrt in Potacello im ‚Imperial 400 Motel’ ab. Nachts haben wir dann teilweise das erste - spürbar stärkere - Erdbeben miterlebt, vor allem Eller, der im Schlafsack am Boden nächtigte. Die ‚Bescherung’ in den umliegenden Läden in Form von vielen unten liegenden Lebensmitteln konnten wir in Folge dann noch alle am nächsten Tag sehen. Übrigens passierte dies am Sonntag, dem 11.9.1994!!

Idaho ist sehr landwirtschaftlich geprägt und nennt sich nicht umsonst Potato Country - „Kartoffel Land“. Es besticht durch Weite, Bergketten, Halbwüsten und lange, oft schnurgerade Highways, eher kleineren Orte und dünne Besiedlung. Wir besuchen die Shoshone Falls, welche sich in einen tiefen Canyon stürzen. Ein Naturschauspiel, nur die (Fall-) Wassermenge lässt in so einem trockenen Spätsommertag etwas zu wünschen übrig. Es war eher ein dünnes Rinnsal, was da die Felsen herunter fließt, aber die umgebende Natur ist grandios und ein Besuch im (fast) auf dem Wege liegenden Shoshone Falls Park lohnt diese Tour! Immerhin gehören diese Fälle (vor allem im Frühjahr zur Schneeschmelze) zu den größten Wasserfällen im gesamten Nordwesten der USA und sind ca. 63 Meter hoch.

Unser Abstecher nach Idaho währte diesmal nicht lange und wir enterten den Glücksspiel-Staat Nevada.

Unser Desert-Trip, an diesem recht staubigen Tag, brachte uns zur mittäglichen Rast an einen kleinen Ort mit dem bezeichnenden Namen JACKPOT. Na klar. Das ist, als fahre man durch Floridas Everglades und kommt in einen Ort namens ‚Schnappmaul’. Oder so ähnlich, nur eben anders. Außer einigen, wirklich Filmreifen Typen in den Saloons und reichlich wild scheppernden, einarmige Banditen (Glücksspielautomaten), Tankstellen und diversen Fast

Food Restaurants bietet Jackpot nicht gerade den ‚Brüller der Saison’ und so rumpelt unser kleiner, blauer Van bald weiter nach Süden. Wir halten in Winnemucca zum Tankstop und beziehen abends das ehrwürdige Desert Haven Motel in Lovelock und das nach einer der längsten und einsamsten Fahrten der Tour durch 496 Meilen (oder 798 km!!) Westernlandschaft per excellance. Ein Tag als Road Movie.

Nächster Stopp: Reno. Das Städtchen ist ja der selbsternannte, kleine Bruder von Las Vegas im Bundesstaat Nevada. Hotels, Casinos, Büffets und Shows sind hier reichlich vorhanden, aber eben deutlich kleiner. Man nennt sich „Biggest Little City in the World!“ und bekommt einen Eindruck, wie Las Vegas vielleicht mal vor vielen Jahren ausgesehen haben könnte. Alles ist sehr übersichtlich hier. In bleibender Erinnerung ist auf jeden Fall ein riesiges New York Steak mit Salat, das sich Tomy und Marco für unglaublich günstige 5,99 Dollar um 2 Uhr morgens mal ‚reingezogen’ haben. Alles, um auch hier Spieler anzulocken und in den Casinos zu halten, auch wenn solche Traumpreise im Jahre 2012, 18 Jahre danach, kaum noch möglich sein sollten.

Übrigens: Nevada hat auch eine Hauptstadt – Carson City, dass muss man aber dort dazusagen, denn als wir den nächsten Tag durch die staubigen bis verschlafenen Straßen der Kapitale düsen, können wir das kaum glauben, so unspektakulär ist doch dieser Ort.

Ganz im Gegenteil zu einen der schönsten und herrlich gelegenen Bergseen in den gesamten USA, dem Lake Tahoe. Was für ein Kontrast zu den letzten Tagen, Meilen und Landschaften. Nicht von ungefähr lassen sich am Lake Tahoe Künstler, Rock-Stars und andere, die es sich leisten können, gerne Häuslich nieder. Mitten in den Bergen der Sierra Nevada, in der Mitte von der Staatsgrenze zu Kalifornien durchbrochen, liegt der gewaltige See in einem imposanten Talkessel. Es gibt viele Zeltplätze ringsum, Hotels, Motels und im Süden (und natürlich nur auf Nevada-Gebiet) auch einige riesige Glas- und Stahlburgen als Casino-Hotels. Ansonsten dominieren Natur, Holzbauten, Eichhörnchen und Grillplätze (in verschiedener Reihenfolge).

Wir steigen zur Feier des Tages in der edlen „Woodvista-Lodge“ ab und bekommen neben einem richtig großen, guten Zimmer auch noch ein opulentes Frühstück. Ein abendlicher Rundgang am See ist selbstverständlich. Nein, nicht ganz rum Zwinkernd, denn der mit 1.899,5 m hoch gelegene und 497 qkm große See ist dafür schon viel zu gewaltig. Bis zu 501 Meter Tiefe wurden von der National Geografic Society gemessen, er ist damit der zweittiefste See der USA.

Im wahrsten Sinne des Wortes über die Berge geht es dann zu einem Besuch in den Donner Lake State Park und einem Stadtbummel in Truckee, einer malerisch in den Bergen der Sierra gelegenen kleinen Westerncity, bis wir die kalifornische Hauptstadt erreichen.

Sacramento hat eine knappe halbe Million Einwohner und es ist hier noch sehr heiß im September. Eine sehenswerte, kleine, historische Altstadt lädt zum Bummeln ein (alt ist ja hier relativ, aber ein netter Kontrast zu den modernen Klötzern).

Sicher bieten die großen, bekannten Hafenmetropolen am Pazifik mehr an Abwechslung und Highlights, aber ein Stopp am Sacramento River oder ein Besuch des Capitols lohnt auf dem Wege zur Küste schon mal um hier vorbeizuschauen.

Durch das große Weinanbaugebiet des Napa Valley machen wir unsere Tour weiter und landen vor den Toren von San Francisco für unsere nächste Übernachtung im Mt. Diablo State Park. Mt. Diablo war so schön in der Karte dargestellt, das wir uns diesen Park als Übernachtungs-Camp ausgesucht hatten. Am Ende führen viele Serpentinen und eine etwas schlechte Ausschilderung auf einen gewaltigen Berg mit wirklich toller Aussicht über die ganze San Francisco Bay und das weite Umland. Vor allem nachts war das ein fantastischer Anblick. Leider umgab uns überall ‚teuflische’ Trockenheit, Camp-Feuer waren streng verboten, nix mit grillen – na, wenigstens der Blick entschädigt. Mt. Diablo ist auch ein Tipp aus den vielen Reiseführern, die wir im Vorfeld durchgearbeitet hatten.

Eine der schönsten Städte überhaupt in Nordamerika ist San Francisco, durch ihre Lage auf den vielen Hügeln, ihre Brücken, die Cable Car, die Viktorianischen Holzhäuser und der Spirit der 60er Jahre. Unmengen an Filmen wurden hier gedreht, überall findet man etwas Bekanntes daraus. Hier hat wirklich vieles angefangen, was als zeitlos gute Musik um die Welt ging.

Im Stadtteil Haight Ashbury kann man viele, teils außergewöhnliche Plattenläden finden und auch manche guten Stücke auftreiben. Viele Musiklegenden haben hier gelebt, ihre Songs geschrieben und sind in die Geschichte eingegangen, so auch ScottMcKenzie, Otis Redding, Journey, Grateful Dead, Janis Joplin, Beach Boys, Byrds, Eric Burdon, Santana und Metallica, um nur einige zu nennen. Die Vielfalt der internationalen Restaurants ist kaum irgendwo an der Westküste so groß wie hier.

Ein oder besser mehrere Stadtrundgänge durch die einzigartige Straßenführung sind immer wieder ein Erlebnis und dazu gehört auf jeden Fall ein Chinatown-Besuch, eine Hafenrundfahrt und auch ein Besuch des Gefängnismuseums auf der Insel Alcatraz sind fast obligatorisch. Zu letzteren muss man sich in der Saison schon lange vorher anmelden, so groß ist der Andrang.

Wir fahren (noch für einen Dollar Maut!! - Stadteinwärts) gleich mehrmals über die Golden Gate Brigde und besuchen auch den schönen Aussichtpunkt im Norden auf die Brücke. Fisherman's Wharf, Coit Tower (ein ehemaliger Leuchtturm und jetzt Aussichtspunkt auf die Hügel der Stadt) und eine Fahrt mit der quietschenden Cable Car sind Höhepunkte der City an der San Francisco Bay.

Und dann die Übernachtung: Grade günstig ist Bay City ja nicht, also haben wir vorgedacht. Von unerschwinglichen Jugendherbergen, Hostels oder Campingplätzen arg finanziell gebeutelt Verlegen, suchten wir uns eine möglichst billige Absteige am Stadtrand. So herrschte Dollarausgedünnte Schwindsucht im Geldbeutel, gut, dass wir das Folgende vorgebucht hatten. Das San Francisco Airport Hilton!

Wenn schon, Penn schön.

Zu allem Überdruss wurde uns von dem dortigen Herbergsvater in Gestalt eines mondän uniformierten Pagen noch die Benutzung eines Pools aufgenötigt. Was für ein Stress. Also war wieder mal Party angesagt. Wir hatten dann doch noch diverse Reisechecks zum Umrubeln wiederentdeckt und auch das Hiltoneigene Frühstücksbüfett war eine leckere Breakfastoase der besonderen Art. Ein letztes Mal geht die Fahrt danach über die schöne, rot gestrichene Brücke.

Hätte man mehr Zeit, könnte man auch viel länger hier bleiben.

Nur ein wenig nördlich davon, eine knappe Stunde entfernt, liegt mit dem Muir Wood Nat. Monument ein kleines Tal der Giganten. Man kann dort einige der bis zu 79 Meter hohen Küstenmammutbäume sehen, die hier bis zu 1.000 Jahre alt sind - was für ein Anblick.

Als Natur-Kontrast zum weichen Hilton-Bett gibt es wieder eine Camping-Nacht im Nordkalifornischen Leggett. Wir haben den Küsten-Redwoodwald erreicht. Die Lage des Camps zwischen den tausendjährigen Giganten in einem Privatpark war schon den Weg allein wert.

Die ganze Gegend ist mit Redwoodwäldern bewachsen, private Parks wechseln mit dem Reedwood-Nationalpark und der beeindruckenden „Avenue of the Giants“ ab - hier ist ‚viel Holz vorm Haus’! Und in Hinblick auf die gefräßige Forstindustrie kann man dann nur hoffen, dass dies auch so bleibt.

Zumindest einige der mittlerweile seltenen Areale mit Küstenredwoods sind heute geschützt. Der „Big Tree“ im RW-Nationalpark bringt es immerhin auf 92,6 Meter Höhe, 6,6 Meter Durchmesser und sagenhafte 20,7 Meter Umfang bei einem geschätzten Alter von 1.500 Jahren. Die Sequoias, ihre etwas stämmigeren Verwandten, können es sogar zu einem Alter von über 2.500 Jahren bringen.

Mit Crescent City hat der Reisende schon fast den äußersten Norden des kalifornischen Bundesstaates erreicht. Wir tanken unseren blauen Blitz wieder voll, überqueren den Smith River und kommen abends in Oregon an. Am Cave Junction RV Park begrüßte uns ein kräftig nach Knobi und Whisky dampfender Platzwart und zeigt uns unseren wie immer reichlich groß angelegten Platz. Wir verbrachten eine schon sehr kalte Nacht in Oregons Bergen. Der Herbst kündigt sich auch hier langsam an.

Auf Grund von reichlich Werbung entdeckt man auch immer wieder Naturphänomene, von denen man vorher im fernen Deutschland noch nie etwas gehört hatte. Manchmal gibt es auch Mundpropaganda unter den Reisenden. Auf diese Art landen wir am nächsten Tag in den Oregon Caves, einer großen Tropfsteinhöhle. Super Sache, dass wir (auf Grund einer Führung mit diversen Bekannten einer Park-Rangerin) in den Genuss einer zweistündigen Sondertour durch noch nicht offiziell freigegebene Sektionen des umfangreichen Höhlensystems kommen. Manchmal muss man eben auch Glück haben.

Nach dieser unterirdischen Tour und einer tollen Erklärung von Geschichte und Geologie hat uns das Tageslicht wieder und wir starten ganz gespannt zu einer schon lang erwarteten, diesmal sehr Oberirdischen Attraktion.

Er ist vielleicht einer der schönsten Naturplätze in Oregon. Abseits von den weiten Küstenwäldern schlängelt und windet sich die Parkstraße „No.62 West“ hoch zum Crater

Lake. Ebenfalls längst in den Stand eines Nationalparks erhoben, kann man eine riesige Caldera sehen, die jetzt einer der schönsten Bergseen Nordamerikas füllt.

Eine gigantische Explosion hat vor geschätzten 7.700 Jahren den Gipfel des Mt. Mazoma weggesprengt. Anschließend hat sich der Krater mit Wasser gefüllt und ist jetzt bis zu 594 m tief. 150 Kubikkilometer sollen es gewesen sein, die da ausgestoßen worden sind. Heute hat der tiefblaue See die beste Wasserqualität in ganz Nordamerika und einen Umfang von 35 Kilometern. Die Höhe des Wasserspiegels liegt 1.883 Meter über dem Meer und es ist schon recht kühl hier oben. Der Blick über den See und die weiten Wälder bis zur Pazifikküste ist phänomenal. Die Insel inmitten des Crater Lake heißt Wizard Island und die Gründung des Parks wurde vom Naturforscher William Gladstone Steel angeregt.

Wieder mal so ein ganz besonderer Platz, zu den es uns seit dem Kennen lernen über diverse Bilder oder Doku’s schon lange hingezogen hat. Die Dimensionen des Nationalparks sind auch hier gewaltig. Man sollte sich beim planen, wandern und beim Fahren durch diese Bergregion nicht verschätzen, man braucht einige Zeit dafür.

Auch am nächsten Tage sind wir in der Geologie unterwegs und besuchen das ‚Lava Beds National Monument’, …

…fahren durch die Warm Springs Mountain Indian Reservation und hören sehr interessante Acapella-Indianer-Sounds im Reservateigenen Radiosender. Bald taucht der Weiße Vulkankegel des Mt. Hood am Horizont auf und nimmt binnen kurzem den ganzen Horizont ein - eine tektonisch sehr aktive Gegend.

Ganz im Norden von Oregon kommen wir zu einer ganz anderen, natürlichen Barriere, oder Grenze: Der Columbia River trennt Oregon vom Bundesstaat Washington.

Mit ‚Sharis’ finden wir in Troutdale, ein richtig gutes Restaurant, das weit entfernt ist von Durchschnittsfastfood. Oftmals sind die ‚Diners’, oder kleinen ‚Family-Restaurants’ gut für einen Speisestopp und viel besser als ihr Ruf in Europa. Wie so oft hier, ist die größte Metropole Oregons - Portland mit ca. 580.000 Einw. - nicht die Hauptstadt, sondern das viel kleinere Salem mit ca. 150.000 Einw.. Da kommen wir diesmal aber nicht hin.

Wir können auf einer der großen Brücken Portlands den Columbia River überqueren und machen eine kurze Stadtbesichtigung. Manchmal hat man gerade in Amerika einen gewissen ‚German-Bonus’, denn der zeigt sich wieder mal, als wir relativ respektlos die oberste Etage der Bank of America in der Downtown entern. Wir fragen nett wie immer und werden herzlich willkommen geheißen (auch ohne Spareinlagen!). Wir dürfen vom Beratungsraum im obersten Stockwerk des Wolkenkratzers Fotos machen und Portland mal aus der Vogelperspektive genießen. Und das ganz ohne Beratungsgespräch, geht doch!

Ansonsten finden wir Portland nicht sehr anziehend und so ziehen wir aus zu neuen Abenteuern. Es geht auf der Interstate No.5 nach Norden und später biegen wir nach rechts ins Inland ab.

Auf zum nächsten Vulkan Monument. Nach langer Fahrt auf steilen Serpentinen und durch weite Waldgebiete erreichen wir das Castle Rock Visitor Center des Mt. St. Helens. Es ist gar nicht so lange her, da passierte hier am 18.05.1980 eine der größten Vulkan-Katastrophen der Neuzeit. Mit einem gewaltigen Knall explodierte die Spitze des ehemals schönen, schneebedeckten Kegelberges und die Druckwelle verwüstete ca. 500 qkm Waldfläche. Mit 400 km/h rasten die pyroplastischen Ströme ins Tal und töten insgesamt 57 Menschen. Fast Glück in Unglück, das dies an einem Wochenende passierte und keine Waldarbeiter unterwegs waren, die Opferzahl wäre Wochentags viel größer gewesen. Ansonsten ist diese Region von Washington relativ dünn besiedelt. Aktuell kann man sich die Folgen dieser gewaltigen Explosion im informativen Visitorcenter ansehen und direkt vor Ort an einer Piste, die bei mutigen Interesse bis recht nahe ins Katastrophengebiet führt. Langsam wächst der Wald wieder, aber die gewaltigen Folgen der Eruption werden noch viele Jahre zu sehen sein. Und wieder ist es ein so spannender Ort, auch wenn die augenblickliche Ruhe trügen kann, auf seismografische Zeichen sollte man in dieser Gegend immer achten.

Heute ist der Bergstumpf des Mount St. Helens aktuell 2.549 m hoch und Luftlinie sind es noch 160 Km bis Seattle. Südlich der Region Seattle-Tacoma erhebt sich als Wahrzeichen der 4.392 m hohe Mt. Rainier, der höchste Gipfel der vulkanisch hochaktiven Nordkaskadenkette. Die Experten streiten darüber, ob er ‚nur schläft’- oder inakiv ist. Die Folgen eines Ausbruches wären wohl kaum abzuschätzen für die Hauptindustrieregion um Seattle. Aber wunderschön schaut er schon aus, wie er da mit seiner weißen Kappe thront.

Wir beschließen unsere große Tour durch den Nordwesten Amerikas mit einem Besuch von Seattle und Umgebung und auch nicht, ohne eine Tagestour nach Everett zu unternehmen. Es gibt vor Ort geführte Besichtigungstouren durch die Fertigungshallen des Flugzeugbauers Boeing, die Tour war wirklich sehr interessant. Seattle selbst zieht sich weit in die Hügel am Meer und um den Puget Sound, also auch eine große Stadt am nördlichen Pazifik. Man nennt sich auch gerne ‚Emerald City’, grüne Stadt, in Anspielung auf das viele Grün im Stadtbild. Wir wohnen in schönen West Coast Vance Hotel, mit Blick auf die Downtown und im Norden das Wahrzeichen Seattles, die Space Needle. Der futuristische Aussichtsturm mit dem Diskus als Plattform ist 184 Meter hoch und wurde zur Weltausstellung 1962 errichtet. Er könnte auch gut aus einem Science-Fiction-Film stammen. Man muss sich lange anstellen, bis man die schnellen Elevators in zum Observationsdeck nutzen kann. Zur Downtownbesichtigung eignete sich (damals) auch der altehrwürdige, tortenstückähnliche Smith-Tower, mit dessen museumsreifen Fahrstühlen wir uns zum Überblick nach Süden in den obersten Stock fahren ließen.

Der Fischmarkt oberhalb des Hafens ist gleich durch mehrere Hollywood-Filme berüchtigt und lebt gut von seinem Image, aber auch dem echt guten, reichlichen Angebot. Qualität ist allerdings teuer, das merken wir hier schnell. Ein Pfund guter, getrockneter Lachs kostet schon mal 35-45 Dollar, je nach Sorte. Sogar eine eigene ‚Fisherman’s Wharf’ (wie in San Francisco) gibt es hier. Nur abends ist im Financial Distrikt der Hund begraben. Zwischen den Bankpalästen, viel Chrom, Stahl und Glas fanden wir keine Restaurants, die geöffnet waren und das im weiten Umkreis. Ein klarer Nachteil der sterilen Innenstädte Nordamerikas, wie wir (nicht nur in Seattle) schon häufig bemerkten.

Dann hieß es für uns als Gruppe schon Abschied nehmen, denn Heidi, Sylvie & Veit hatten aus beruflichen Gründen einen früheren Flug gebucht, Eller und Tom blieb noch etwas Zeit. Was wir Beiden dann, mit einem kleineren Fahrzeug, noch zu einer Nationalparkrunde nutzten. Wir besuchen noch die gemäßigten, dichten Regenwälder im Olympic Nationalpark, machten einen Abstecher zu den Vulkanbergen der Nordkaskaden, zum Mt. Vernon, Diablo Lake und Ross Lake National Recreation Area. Grundsätzlich verschiedene Landschaftstypen wechseln hier innerhalb relativ kurzer Distanzen.

Der Blue Lake Highway (Nr. 20-97-90) führt durch Obsttäler, an Talsperren vorbei und nach dichten Wäldern fährt man auf einmal durch Halbwüsten wie in Nevada. Abends kommen wir gar in der bayerischen Themencity Leavenworth an - man feiert hier natürlich eigene Oktoberfeste. Es gibt Fachwerkhäuser und ‚Bretzeln, Sauerkraut’ und Starkbier’.

Naja, etwas stärker halt, als das ‚normale’ Bier hier. Nachdem wir die Nebelwälder im Olympic Forest bestaunt haben, besuchen wir im Süden noch Olympia, die Hauptstadt des Bundesstaates Washington, auch Hafen- und Universitätsstadt. Die letzen Tage stehen viele Plattenläden auf dem Programm, wir suchen gezielt mit dicken, „Yellow-Pages“- Büchern und guten „Rand McNally“- Karten nach Second Hands und den Filialen der Großen Musikketten. Wir Beide werden im Umkreis von Seattle, Tacoma oder Olympia gut fündig und können der Sammlung einige, gesuchte Teilchen beisteuern. Der CD- Stapel dieser, wirklich (in dieser Art) einmaligen, gemeinsamen Aktion war am Ende etwa gut 1 Meter hoch. Es gav viel neues ‚Material’ zum hören und zum entdecken. Am Zoll gab es keine Probleme, denn wir hatten die Einfuhrgrenzen durch die günstigen Second-Hand-Käufe nicht überschritten.

Mit der letzten Nacht im angenehmen „Continental Court Suites Motel“ in Seattle beschließen auch wir beide ein wenig geplättet, aber Happy, unsere abwechslungsreiche, insgesamt 6.116 Meilen lange Rundtour und fliegen wieder nach München. Eine unvergessliche Reise, ein Superurlaub geht zu Ende.

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